Gleich vorneweg: Es war eine gelungene Veranstaltung zur Landtagswahl am 8.3.2025 in Baden-Württemberg, was besonders der Jugend zu verdanken ist: Zwei junge Teilnehmer der Journalistenschule Reutlingen – die einzige in D mit Schwerpunkt Reportage (1) -, Elena Lynch und David Pister, moderierten frisch und straff. Und die bis auf Walter Krögner (SPD) und Daniela Evers (Grüne), die am meisten Redezeit für sich in Anspruch nahm, jugendlichen Kandidaten versprühten eine Stimmung von Zuversicht und Aufbruch, die der Politik gut tut.
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Von 19 bis 19.30 Uhr hatten die ca 100 Besucher Zeit, die sechs großformatigen Bilder „Wie könnte Baden-Württemberg aussehen, wenn eine Partei zu 100% regiert?“ anzuschauen und diskutieren. Nun ja, da wurde teils heftige Kritik laut: Beim CDU-Bild kreisten Drohnen über der Stadt. Bei den Grünen kein einziges Windrad, dafür bei der FDP umso mehr. Bei allen Parteien außer der AfD war kein einziger Migrant auf den Strassen zu erkennen, keine Buntheit und Vielfalt, nur autochthone Monotonie. Dies wurde besonders beim SPD-Bild bemängelt, wo die Partei doch Kopftuch und Burka-Verschleierung als Normalität befürwortet. Nur urbanes Ambiente, keinerlei Leben auf dem Lande. Wo bleibt „the Länd“?
Fazit: Mit dem Label „KI generiert“ werden die Bilder mit einem gewissen Maß an Objektivität und gar einem Touch von Wissenschaftlichkeit ausgezeichnet, was sich aber eher als Trug erweist. Künstliche Intelligenz zerstört bzw. verbraucht Vertrauen (siehe Anlage (6) unten). Zudem hörte man an diesem Abend mehrfach die Vermutung, daß auf einen ersten Schritt (aus dem Text des jeweiligen Parteiprogramms durch das KI-Tool ChatGPT ein Bild generieren) ein zweiter Schritt (das Bild manuell mit dem guten alten Photoshop nachbearbeiten) folgte. Dazu hätte man gerne die Macher des „Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz“ (IDemKI) aus Tübingen gefragt (2), die jedoch leider zur Enttäuschung vieler Besucher überhaupt nicht anwesend waren. Stattdessen hatten die Tübinger die VHS-Geschäftsführerin Nora Anders per Video_Call eingewiesen. Und sie machte ihre Sache dann auch gut.
Resumée: Künstliche Intelligenz (KI) bringt als Wahlhilfe nichts, das persönliche Gespräch mit den Polit-Kandidaten umso mehr. Aber: Ohne die KI-Ankündigung wären wahrscheinlich nicht so viele Besucher in den Bürgersaal der Talvogtei Kirchzarten gekommen, dessen gemütliches Scheunen-Ambiente gut tut.
Bürgersaal in der ausgebauten Scheune der Talvogtei
Zur Podiumsdiskussion mit den zukünftigen Landtagsabgeordneten:
Als Direktkandidaten im Wahlkreis Freiburg 46 (Freiburg I, Hochschwarzwaldhatten hatten von links nach rechts Platz genommen: Sebastian Böhm (Die Linke), Walter Krögner (SPD) , Daniela Evers (Bündnis 90/ Die Grünen), Linus Kionka (FDP, anstelle von Heschu Hasan), Sebastian Bayer (CDU) und Sebastian Ruth (AfD). Dreimal Sebastian also.
von links: Linke SPD Grüne FDP CDU AfD – aussen: Moderation
Die Moderatoren unterteilten in die drei Themenblöcke Kommunale Finanzen, Bildung und Migration.
Zu den Finanzen: Viel Beifall für „Wer bestellt, der bezahlt“ von Bayer (CDU): Die gegenwärtige Praxis, daß Bund bzw. Land Gesetze beschließen, die dann vorort von den Kommunen ausgeführt und vor allem bezahlt werden müssen, muß ein Ende finden. Immer mehr Kommunen sind zahlungsunfähig bzw. überschuldet. Unverständnis für „Das Gegenteil von Bürokratie ist Korruption“ von Krögner (SPD). In mehreren Beiträgen wurde mehr Geld für dies und das gefordert, doch allen ist klar: Der wirtschaftliche Niedergang (Deindustrialisierung) führt zu Sparen und Verzicht, Schuldenmachen fällt aus – ab nun. „Immer mehr Kreditzinsen zu Lasten der Kinder geht nicht“ so Bayer (CDU) sinngemäß.
Zur Bildung gab es auch hier die nicht enden wollende Auseinandersetzung „dreigliedriges Schulwesen contra Gemeinschaftsschule“. Ruth (AfD) gab zu bedenken: Um das von 1950 bis in die 1980er Jahre gültige gegliederte Schulsystem mitsamt dem dualen System der Berufsausbildung hat uns die ganze Welt beneidet. Was gut war, muß man verbessern anstatt es zu zerstören.
Zur Migration. Als hinten im Saal das Nazi-Gebrüll losbrach, sagte Kionka (FDP), man müsse mit allen Parteien reden und diskutieren; durch derlei Ausgrenzungen werde nur der 3.Reich-Terror bagatellisiert. Zudem hat die Nazi-Keule ausgedient, letzendlich profitiert davon nur die AfD.
Ein Besucher monierte, daß Italiener und Franzosen eine Diskussionskultur besitzen, die einen argumentativen Diskurs auch z.B. zwischen „La France insoumise“ (entsprechend Linke) und „Rassemblement national“ (AfD) ermöglicht. Während in Deutschland diese Kultur anscheinend verloren ging, wenn stattdessen nur beschimpft, beleidigt und ausgegrenzt wird. Kurz zuvor hatte ein linker den rechten Kandidaten der AfD als „Müll“ bezeichnet – eine üble Wertung, die Hass und Hetze pur darstellt und gegen die man sich – anders als beim Sachargument – überhaupt nicht wehren kann.
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Gleich zu Beginn und später nochmal wies Sebastian Böhm (Linke) darauf hin, daß die FDP-Kandidatin Heschu Hasan wegen der Präsenz der AfD die Teilnahme in der Talvogtei abgesagt hatte – schade und eigentlich unverständlich: Einerseits sagt Frau Hasan auf https://heschu-hasan-fdp.de „Ich liebe mein Herkunftsland und damit meine ich Kurdistan, ein Land, das bisher keine Anerkennung gefunden hat, obwohl wir alle internationalen Kriterien erfüllen. Alle Teile Kurdistans leiden massiv unter der Spaltung“. Andererseits unterstützt gerade die der Idee der Nation verbundene AfD mehr als die anderen Parteien die nationale Einigung des von GBR und F nach dem 2. Weltkrieg an die Türkei, Iran, Irak und Syrien aufgespaltenen Volkes der Kurden. In anderen Städten wie z.B. Heidelberg demonstrieren deshalb Kurden mit der AfD.
Vielen Dank an die VHS Kirchzarten für die so informative Wahlveranstaltung. Einzig diese Frage bleibt: Wie kann man die Besucher dazu bewegen, statt langer Selbstdarstellungsmonologe kurze Fragen ans Podium zu richten? Mit der Stoppuhr für die 15-Sekúnden-Frage etwa?
7.2.2025
Dieser Beitrag wurde garantiert ohne KI geschrieben.
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Ende von Beitrag „Wahl 8-3-26 – KI – Kirchzarten“
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Beginn von Anlagen (1) – (6)
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(1) Reportageschule in Reutlingen
Deutschlands einzige Journalist:innenschule mit dem Schwerpunkt Reportage
Die Reportageschule – Ein Projekt der VHS Reutlingen
https://www.reportageschule.de/
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(2) IDemKI – Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz
Das gemeinnützige Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI) mit Sitz in Tübingen hat zum Ziel, Entwicklungen im Bereich der KI-Forschung und KI-Praxis in Organisationen und deren Einfluss auf demokratische Prozesse sowie alle Lebensbereiche unserer Gesellschaft zu begleiten und öffentlich zu diskutieren.
Das Institut versteht sich (1) als Netzwerkknoten, der die Bevölkerung, Unternehmen, Forschungsinstitute und politische Akteure verbindet, (2) als Think Tank, der technologische Entwicklungen und deren vielfältige Implikationen einordnet, und (3) als Impulsgeber, der öffentlichkeitswirksame und partizipative Formate und Projekte realisiert und dabei fokussiert die Implikationen sichtbar macht.
https://idemki.de/
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(3) Landtagswahl Baden-Württemberg – So sehen die Wahlprogramme als KI-Bilder aus
KI-Forscher haben mithilfe von ChatGPT die Programme für die Landtagswahl visualisiert. Die Ergebnisse sind nun in der VHS Stuttgart zu sehen. Was ist aus ihnen zu lesen?
Sieben Bilder ….
… Alles vom 24.1.2026 bitte lesen auf
https://www.stuttgarter-zeitung.de/gallery.landtagswahl-baden-wuerttemberg-so-sehen-die-wahlprogramme-als-ki-bilder-aus.b47375d9-0c67-41d7-bbf5-bc4349cba25f.html
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(4) Podiumsdiskussion, Tübingen – Hey ai, wen soll ich wählen im Ländle?
Im Vorfeld der Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg lädt die Initiative KI & WIR gemeinsam mit dem Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI), der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg ein zu einer besonderen Veranstaltung. Die Leitfrage: Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz unsere ein Vorstellungen von Politik, Zukunft und Demokratie? Welche Chancen und Risiken entstehen, wenn Technologien mitgestalten, wie wir wählen und uns informieren?
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… Alles vom 28.1.2026 bitte lesen auf
https://www1.bwegt.de/land-und-leute/das-land-erleben/veranstaltungen/detail/podiumsdiskussion-tuebingen/hey-ai-wen-soll-ich-waehlen-im-laendle/a0910d76-098c-402c-b833-0d5e406b5306
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(5) „Hey AI, wen soll ich wählen?“
KI-generierte „Stadt-Bilder“ laden ein zur Diskussion vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg
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Wie könnte das zukünftige Leben in einer Stadt aussehen, wenn eine der sechs am aussichtsreichsten kandidierenden Parteien in Baden-Württemberg ihr Wahlprogramm allein umsetzen dürfte?
An 40 Kultur- und Bildungseinrichtungen von Crailsheim bis Waldshut-Tiengen werden solche „Stadt-Bilder“ bis zur Landtagswahl am 8. März 2026 gezeigt. Die sichtbaren Unterschiede in den großformatigen Plakaten von AfD, CDU, FDP, Grünen, Linken und SPD fordern zur politischen Debatte heraus. Ziel dieser Initiative ist es, die zentralen Botschaften der jeweiligen Partei zu Wohnen, Verkehr, Arbeit, Umwelt oder Energie in einem sogenannten „Wimmel-Bild“ sichtbar zu machen. Ein solcher niedrigschwelliger Zugang soll es allen Besucher/innen erleichtern, sich mit dem Angebot der verschiedenen Parteien zu beschäftigen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
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Zum Projekt
Eine ähnliche Bilderreihe wurde erstmals vor der letzten Bundestagswahl im Februar 2025 von dem Berliner Soziologen Max Mundhenke erstellt. Das Institut für Demokratie und Künstliche Intelligenz (IDemKI) in Tübingen führt die Initiative zur Landtagswahl in Baden-Württemberg fort – in enger Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und dem Volkshochschulverband Baden-Württemberg. Wir möchten damit Neugier wecken und zur eigenständigen Auseinandersetzung mit politischen Programmen anregen. Gerne auch zur Diskussion mit politisch Andersdenkenden. Im besten Fall führt die Ausstellung dazu, das aktuelle Wahlprogramm der Parteien zu studieren! Weitere Informationen erhältlich unter: www.landtagswahl.ai
… Alles vom 16.1.2026 bitte lesen auf
https://www.stadtbibliothek-rottenburg.de/hey-ai-wen-soll-ich-waehlen-.151071.htm
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(6) Vom Verlust des Vertrauens durch KI-generierte Inhalte
Eine Katastrophe mit Ansage.
Vertrauen zerfällt nicht, es wird verbraucht
Künstliche Intelligenz, Deepfakes, synthetische Stimmen und generierte Inhalte haben eine Schwelle überschritten, an der Authentizität nicht mehr vorausgesetzt werden kann. Was früher Ausnahme war, ist heute Möglichkeit.
Und was möglich ist, wird in das mentale Kalkül integriert. Vertrauen weicht Plausibilitätsprüfungen. Gewissheit wird ersetzt durch Wahrscheinlichkeit.
Hinzu kommt eine tiefere, moralische Erosion. Der öffentliche Diskurs operiert zunehmend mit Zuschreibungen statt mit Argumenten. Moralische Überlegenheit ersetzt Nachvollziehbarkeit. Wer widerspricht, gilt nicht als Gesprächspartner, sondern als Abweichler. Vertrauen aber entsteht nicht durch moralischen Druck, sondern durch Berechenbarkeit. Dort, wo Narrative angepasst und Maßstäbe situativ ausgelegt werden, entsteht keine Bindung, sondern Distanz.
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Vertrauen zerfällt nicht plötzlich, es wird verbraucht. Jede gebrochene Zusage, jede beschönigte Statistik, jede moralische Überhöhung bei gleichzeitiger Realitätsverweigerung nagt an diesem Vorrat.
… Alles vom 7.2.2026 im Newsletter von Markus Langemann bitte lesen auf
https://www.clubderKlarenWorte.de
https://clubderklarenworte.de/wenn-misstrauen-zur-neuen-normalitaet-wird/





