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Die Wirklichkeit ist ein ewiger und ehrlicher Maulwurf - Gerd Held: "Etwas geht zu Ende in Deutschland"

Die Wirklichkeit ist ein ewiger und ehrlicher Maulwurf – Gerd Held: „Etwas geht zu Ende in Deutschland“

 

 

„Es gibt keine Demokratie
oberhalb der Nation“

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Sarrazin: Nationen haben das Recht zum Erhalt ihrer kulturellen Eigenart

Ich bin nun mal Deutscher. Ich fühle mich auch als Deutscher. Und ich finde, daß an der deutschen Kultur und Wesensart sehr viel bewahrenswert ist. Der Entstehung des deutschen Volkes und seiner Identität widme ich übrigens ein Kapitel meines neuen Buches. Im übrigen denke ich, daß alle Nationen das Recht haben, ihre spezifische Identität zu finden, zu entwickeln und ihre kulturelle Eigenart auch zu schützen und zu bewahren.
Wenn Sie nun auf die Zeit seit Erscheinen Ihres Buches zurückblicken, wie hat sich Deutschland dann verändert? Welche Kardinalfehler haben wir seitdem gemacht?
Sarrazin: Wer nicht genau hinschaut, wer nicht genau zuhört und wer Ohren, Augen und das Herz vor bestimmten Aspekten der Wirklichkeit verschließt, wird in einer politischen Führungsposition seiner Verantwortung für Deutschland nicht gerecht. Die Entwicklung der letzten zehn Jahre rund um die Themen Migration, Asyl und Islam war und ist ein gigantisches Führungsversagen der politischen Klasse in Deutschland.
… Alles vom 4.9.2020 zu“Haß, der den Verstand lahmlegt,
Interview mit Thilo Sarrazin zu seinem neuen Buch „Der Staat an seinen Grenzen“
bitte lesen in der JF 37/20, Seite 4 und 5.

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Drei starke Gründe für den Nationalstaat. Liberalität, Konservativismus, Verantwortung
Der weltoffene Nationalstaat ist immer noch der bei weitem beste Ordnungsrahmen für eine größere historisch gewachsene Gemeinschaft. Der Wettbewerb von Regierung und Konzepten ist inspirierend. Nicht zuletzt sichert er dem Bürger die Option des Auswanderns.

in den 70er Jahren zeigte mein Erdkundelehrer unserer Klasse ein weltbekanntes Foto: Die Erde als wunderschöne Murmel aufgenommen während der Apollo-8-Mission 1968. Dieses Bild „Earthrise“ nutzte der Lehrer kurzerhand für eine „erdkundliche“ politische Propaganda: „Könnt ihr auf der Erde irgendwelche Staatsgrenzen erkennen?“ – „Nein!“ „Deshalb geht unsere Erde auf eine allumfassende Weltregierung zu, wo dann endlich die globalen Probleme wie Krieg, Armut und Umweltzerstörung gemeinsam gelöst werden können. Die UN ist der erste kleine Schritt in diese notwendige Richtung.“ Damals war ich als Kind angetan von der Weltsicht meines Lehrer, die ja sogar noch „faktenbasiert“ mit einem Foto unterlegt war. Heute frage ich mich allerdings, warum ausgerechnet ein weltweites Staatsmonopol für kreative und zukunftsweisende Politik stehen soll. Und damit bin ich schon mitten drin im Thema.

Erstens: Ich liebe Nationalstaaten, weil ich ein Liberaler bin.
Freiheit, Wettbewerb und Vielfalt – das liegt mir als Liberalem am Herzen. Darum gut, dass es in Europa viele unterschiedliche Staaten und Nationen gibt. Was für ein fruchtbarer Wettbewerb an Regierungen und situationsangepassen Lösungswegen.
Zudem steigert die Vielzahl an Staaten im Extremfall die Optionen, innerhalb von Europa auswandern zu können, falls einem die Politik im eigenen Land über lange Zeit fundamental nicht passen sollte.

Warum also sollten wir diese Vielfalt an Staaten und Regierungen durch einen europäischen Superstaat vernichten? Ein europäischer Superstaat, der weltweit die Oligarchisierung der Macht fördern würde. In dieser Hinsicht können die aufkommenden neuen „rechten” Parteien in ganz Europa verstanden werden als eine Art „Anti-Kartell-Kraft in der Hand des Bürgers“, die versucht, verbraucherunfreundliche Zusammenschlüsse von Nationalstaaten zu verhindern.
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Zweitens: Ich liebe Nationalstaaten, weil ich ein Konservativer bin.
Der Konservative will „bewahren“. Ein Konservativer ist also erst dann bereit, eine Neuerung zu implementieren, wenn begründet absehbar ist, dass die Neuerung mehr Nutzen als Schaden bringt.
Wenn in den Nationalstaaten die Sozialsysteme, der Grenzschutz, die Bürgernähe, die Demokratie besser funktionieren als in dem Übernationalstaat EU, warum sollte ich dann meinen Nationalstaat aufgeben? Ich tausche ja auch nicht freiwillig einen Mercedes gegen einen Dacia ein. Immer mehr Bürger in ganz Europa erkennen, dass wir zum Beispiel mit dem übernationalen Euro gegenüber den alten wirtschaftsangepassten Währungen einen höchst klapprigen Dacia erhalten haben, der vielleicht nach Corona schon wieder ernsthafte Probleme haben wird, durch den TÜV zu kommen.

Die nächste Generation wird zahlen – Der EU-Dammbruch
Toll, wenn die Welt sich international bei der Flugsicherung auf weltweite Standards geeinigt hat. Toll, wenn wir internationale Handelsabkommen bilateral oder multilateral abschließen, sofern sie sich danach bewähren und zu einer Win-Win-Situation führen. Toll, wenn wir Umweltprobleme international angehen. Das alles geht wunderbar mit gut funktionierenden Nationalstaaten.
Aber bitte „keine Experimente“, wie es die „alte Rechte“ fortschrittlich auf den Punkt gebracht hatte: „Keine Experimente“ mit unausgegorenen International-Utopien, die sich schon bei dem zweiten Schritt ihrer Realisierung als politische Torheiten entlarven.

Drittens: Ich liebe Nationalstaaten, weil ich für klare Verantwortungsstrukturen bin.
Wenn ich in Deutschland die Politik nicht mag, dann weiß ich sehr genau, wen ich bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr wähle. Wenn ich mit der EU-Politik unzufrieden bin, dann kann ich nur schwammig vermuten, wo die Verantwortlichkeit liegt: Bei einigen der 27 Staatspräsidenten, bei der Kommission, bei der EZB-Notenpresse, im EU-Parlament oder im EU-Rat oder doch bei irgendwelchen Hinterzimmerkungeleien?
Bei einem konvergent-divergenten Konglomerat von 500 Millionen Menschen können die demokratischen Sonntagsreden schneller als gedacht im autoritären Staats-Bürokratismus (ver)enden. Nicht nur in der Coronakrise hat sich das Prinzip der klaren ländernahen Verantwortungsstrukturen zum wiederholten Male bewährt.
Aus diesen drei Gründen sollte die EU unbedingt ein Zusammenschluss kleinerer souveräner Staaten bleiben oder wieder werden. Das war ihr Erfolgsrezept. Und damit könnte die EU auch in Zukunft wieder zum Erfolgsmodell werden.
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Mehr Macht für den Bund und Europa: Der fatale Drang nach den großen Lösungen
Das war auch ihr Friedensrezept. Denn es dient nicht dem Frieden, wenn ein Staat mit seinem eigenen Flüchtlingskonzept übergriffig in die Souveränität eines anderen Landes eingreifen will. Es dient auch nicht dem Frieden, wenn einige Staaten sich hoch verschulden und dann übergriffig von anderen Staaten verlangen, dass jene für die fremden Schulden den Kopf hinhalten müssen. Und es dient ebenfalls nicht dem Frieden, wenn die solideren Staaten übergriffig Oberlehrer-Troikas in die hoch verschuldeten Ländern schicken, damit diese endlich mal Haushaltsdisziplin lehren. Das Friedensprojekt Europa droht zu zerbrechen, wenn die Staaten sich nicht gegenseitig in ihrer Souveränität und Andersartigkeit respektieren.
Weniger Staaten sollen übergriffig in die Souveränität der anderen Staaten hineinreden und über sie bestimmen wollen. Weniger Zentralismus, damit die vielen großartigen Nationen Europas in Subsidiarität ihre eigenen Kräfte entfalten können. Weniger moralinsauere Phrasen von einer angeblichen „Wertegemeinschaft“, mit denen Politiker vorschnell Sachfragen moralisieren, statt nüchtern nach Minimallösungen zu suchen, die allen souveränen Partnern gerecht werden. Die jetzige dysfunktionale Schuldenhaftungs-EU ist ein guter Beleg dafür: Der weltoffene Nationalstaat ist immer noch der bei weitem beste Ordnungsrahmen für eine größere historisch gewachsene Gemeinschaft.
… Alles vom 30.5.2020 von Achijah Zorn bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/drei-starke-gruende-fuer-den-nationalstaat/
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Einige Kommentare:
Subsidiaritätsprinzip
Anekdotische, meine Anmerkungen: Der Bremsweg des großen Tankers -des Superstaats – ist sehr, sehr lang: Sprich, falsche Entscheidungen führen dann zu maximalen Risiken, im Extremfall zur totalen Katastrophe.
Ein Hoch auf die kleine Einheit und den freien partnerschaftlichen Wettbewerb um die beste(n) Lösung(en).
Ein Hoch auf die Freiheitlich Demokratische Grundordnung, die den Staat auf die Setzung des Rahmens beschränkt.
Ohne Grenzen wäre nie auch nur eine Zelle entstanden. Semi-permeabel, halbdurchlässig, heißt das Zauberwort. Grenzen bringen sowohl Einschränkung als auch Freiheit. Sie erst ermöglichen eine Zuordnung und das Tragen von Verantwortung.
Das Bekräftigung, eine Rückkehr zum Subsidiaritätsprinzip ist die Antwort auf totalitäre Bestrebungen.
Die Familie ist nicht, wie derzeit immer öfter zu lesen, ein sozialistisches Modell, sondern Subsidiarität in Reinkultur. Zuordnung und Tragen von Verantwortung über den Zyklus von Generationen hinweg.
Letzte Bemerkung: Wie befürchtet und jetzt auch explizit in einem Beitrag bei Tichys Einblick zu lesen, wird der/das Coronavirus als Blaupause für die Protektion totalitärer Denkmodell verstanden und – leider Gottes ist das zu erwarten – auch genutzt.
30.5.2020, W.K.
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„Deshalb geht unsere Erde auf eine allumfassende Weltregierung zu,
wo dann endlich die globalen Probleme wie Krieg, Armut und Umweltzerstörung gemeinsam gelöst werden können. Die UN ist der erste kleine Schritt in diese notwendige Richtung.“ — genau mit dieser Meinung bin ich auch aufgewachsen – und denke immer noch, dass eine Welt, in der das funktioniert, gut wäre — aber die EU hat mir gezeigt, dass es (jedenfalls noch) nicht funktionieren kann.
Eine „höhere Ebene“ führt automatisch dazu, dass es noch eine Schicht Politiker gibt, die noch weiter weg von der Bevölkerung sind. Und weil die EU und ähnliche Bündnisse von Politikern und nicht von der Bevölkerung, sondern von den Politkern konstruiert werden, kann dabei nur etwas rauskommen, das den Politikern noch mehr und der Bevölkerung noch weniger Macht gibt. Ausserdem fällt die Möglichkeit weg, vor einem Diktator zu fliehen — wenn Hitler 2.0 oder Honecker 2.0 nach Deutschland kommen, kann man in ein Nachbarland entkommen. Wenn Hitler 2.0 oder Honecker 2.0 die Weltregierung übernehmen, haben ihre Gegner keine Möglichkeit mehr, sich in Sicherheit zu bringen.
Eine positive Weltregierung kann, wenn überhaupt, höchstens nach dem Schweizer Modell funktionieren: Direkte Demokratie und die meisten Entscheidungen liegen weiter bei den Gemeinden, die nächsten bei dem Kanton, nur die wenigsten beim Bund und dann noch weniger bei der Weltregierung.
Die Schweiz zeigt, dass das, was für Zürich und Genf richtig ist, für ein Bergdorf noch lange nicht richtig ist und umgekehrt — noch extremer wird es, wenn Gesetze gleichzeitig New York, Shanghai und ein afrikanisches Dorf treffen. Auf dieser Ebene darf es nur wenige Entscheidungen geben.
30.5.2020, A-M, TO
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Wie es manchmal in der Geschichte passiert: Die EU wird an ihren Erfolgen“ zugrundegehen.
Man kann auch sagen: sie übernimmt sich. Inkompetenz und Ineffizienz lassen sich eine Weile kaschieren und überpielen. So werden z.B. im Gefolge von „Corona“ unvorstellbare Summen – nicht erwirtschaftet, sondern schuldenfinanziert – verteilt. Jeder weiß, daß diese Schulden nie zurückgezahlt werden. Wie wird man sie los? Zunächst geht es ganz munter weiter. Nullzinsen sind leicht zu bedienen, und die Tilgung wird so weit gestreckt, daß bis dahin sowieso keiner mehr daran glaubt. Aber irgendwann ist die Kreditwürdigkeit dahin, dann kriegen die möglichen Gläubiger kalte Füße. Um neue Schulden machen zu können (und anders ist z.B. der Sozialstaat nicht zu halten, der zum volkswirtschaftlichen Ruin führt wie sonst nur Kriege), müssen die alten verschwinden. Das geht langsam mittels Inflation und mit einem Streich per Währungsreform.
30.5.2020, Moo
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Sie haben in allen Punkten recht!
Wer dies an einer Hochschule bzw. Universität so sagt, stellt sich damit ins Abseits und wird angefeindet und vielfach gemieden. Das ist das Bittere daran, und deshalb sind es fast nur Pensionäre – und Freiberufler -, die sich in diesem Sinne kritisch äußern.
Aber von diesem Weg in einen europ. Staat hörte ich bereits in den 80er-Jahren. Es wurde intensiv darüber diskutiert, immerhin(!), aber man konnte auch damals mit manchen Professoren nicht wirklich reden, und die jüngeren Lehrer (männlich) waren längst auf diesen Weg festgelegt, sofern sie nicht völlig unpolitisch waren. Heute sind ca. 80-85 % aller Lehrer Frauen und äußerst mainstreamangepasst und zumeist unpolitisch bis zum letzten Haar. Für sie kommt die Kritik, wenn sie überhaupt davon erfahren, so vor, wie das sprichwörtliche neue Scheunentor.
30.5.2020, Moo
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Volle Zustimmung! Solidarität und emotionale Identifizierung
bilden eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren aller gesellschaftlichen Gruppen. Je kleiner diese sind, umso besser. Auf das Verbindende, also den Konsens durch gemeinsame Geschichte, Tradition, Erziehung, Sprache usw. ist jede Verfassung und auch das gesamte Rechtssystem angewiesen. Und nur in einem Nationalstaat kann sich dieses gewachsene Fundament an Werten, Sitten und Denkweisen entfalten.
30.5.2020, U.SCH
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Von Achijah Zorn auf den Punkt gebracht.
Ja zum europäischen Staatenbund souveräner Nationalstaaten, nein zum europäischen zentralistischen Bundesstaat mit einer durch keinen demokratischen Wählerauftrag etablierten Brüssler Kommission, die sich Regierungsbefugnisse anmaßt.
Europa kann und wird nicht von einer Zentrale regiert werden, genau so wenig wie ein soches Gebilde in einem folgenden Schritt seine Auflösung in einem „Weltstaat“ findet.
Utopien sind dazu da Utopien zu bleiben, wer sie versucht sie real werden zu lassen wird genau so scheitern wie in der Vergangenheit bekannte Figuren, die einen rigorosen politischen Zentralismus versucht haben durchzusetzen.
30.5.020, Bab

Wie wäre es mit einem „Europa der Vaterländer“ (Charles de Gaulle),
bei dem die nationale Souveränität weitgehend unangetastet bleibt?
Als es weniger EU und mehr Nationalstaat gab, mit eigenen Währungen, haben sich Ungleichgewichte stets neu ausgepegelt. Kein Land hatte Anlaß, mit dem Finger auf andere zu zeigen, es herrschte Respekt untereinander und Akzeptanz für nationale Eigenheiten. Kein Staat konnte behaupten, eigenes Versagen oder überbordende Schulden seien die Schuld des Anderen. Niemand mußte befürchten, daß Steuergelder, die ihm im Geldbeutel fehlen, zum Nutzen Fremder veruntreut würden. Man konnte sich über Normen einigen, Bündnisse schließen, gemeinsame Ziele verfolgen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Arbeitslosigkeit konnte nicht exportiert werden. Eigentlich war alles in Ordnung, es war durchschaubarer und damit auch demokratischer.
30.5.2020, A.P.

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Nationen – Gewinner aus Corona
traditionelle Institutionen und Tugenden sind die (einstweiligen) stillen Gewinner: Nationen als soziale Schutzgemeinschaften, Grenzen, Familien, menschliche Solidarität, ein nicht völlig kaputt gespartes Gesundheitswesen, Landleben und Landwirte, aber auch der vielgeschmähte Individualverkehr, in dem man ohne Schutzmasken atmen kann.
Und als (vorläufige) Verlierer werden von manchen Zeitgenossen die Globalisierung samt der Internationale der Globalisierungsfreunde und Globalisierungsprofiteure, also die sogenannten Universalisten, betrachtet.
28.4.2020

 

So feiern EU-Länder ihren Nationalfeiertag
Den heutigen Nationalfeiertag bzw. Tag der Befreiung nimmt Leser *** zum Anlass, auf unsere europäischen Nachbarn zu blicken und daran zu erinnern, dass:
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> „die Belgier sich am 21. Juli über ihre Unabhängigkeit vom Königreich der Ver­einigten Niederlande freuen, symbolisiert durch den Amtseid des ersten belgischen Königs 1831
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> Bosnier und Herzegowiner den 1. März bejubeln – in Erinnerung an das Unabhängigkeitsreferendum von 1992, das mit der Ausrufung einer von Jugoslawien unabhängigen Republik Bosnien und Herzegowina endete. (Wer hat dem Referendum zum Sieg verholfen? Das Volk.)
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> sich die Bulgaren am 3. März der nationalen Wiedergeburt aus den Fängen des osmanischen Zentralstaates im Jahr 1878 dankbar erinnern und am 1. November noch den (schulfreien) Tag der nationalen Erweckung ergänzen
> die Esten ihre erste Unabhängigkeit (1918) am 24. Februar beschwören, die sie sich nach erneuter Unterdrückung durch den Moskauer Zentralstaat sicher nicht mehr freiwillig nehmen lassen werden (welchselbiges auch für Litauer und Letten gilt)
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> die Franzosen am Quatorze Juillet alljährlich den Sturm auf die Bastille ins Gedächtnis rufen, als das aufstän­dische Volk am 14. Juli 1789 das verhassteste Symbol der Unterdrückung eroberte
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> die Portugiesen mit ihrem Dia de Portugal am 10. Juni bis heute des Todes­tags von Nationaldichter Luís de Camões im Jahr 1580 gedenken (unfassbar im Jahr 2019 – eine Kulturnation par excellence)
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> wie die Spanier am 12. Oktober die Fiesta Nacional de España, den Día de la Hispa­nidad begehen, als Symbol für die Ausdehnung spanischer Sprache und Kultur über Europa hinaus (Spanisch wird von über 400 Millionen Muttersprachlern gespro­chen, von denen nur etwas mehr als jeder Zehnte in Spanien lebt)
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> die Schweizer am 1. August den legendären Rütlischwur hochleben lassen, den sich 1291 die Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden im Kampf gegen invasions­willige Österreicher gegeben haben.
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Deutschland aber (nicht so sehr die Deutschen) begeht seinen Nationalfeiertag am 3. Oktober, jenem Tag, an dem 1990 ein von Politikern ausgehandelter Staatsvertrag zwischen der BRD und der DDR in Kraft trat, zu dem es keinerlei Referendum durch das Volk gegeben hat. Lange Zeit immerhin genehmigte sich die Bundesrepublik Deutschland mit dem 17. Juni einen arbeits- und schulfreien Nationalfeiertag, der Teile des Volkes ehrte, jene Menschen, die beim Volksaufstand in der DDR 1953 ihr Leben verloren haben.
Nachdem der 17. Juni mit der Wiedervereinigung nicht mehr opportun war, hätte sich als neuer Gedenktag der 9. November buchstäblich aufgedrängt – der deutsche Schicksalstag des 20. Jahrhunderts schlechthin. Doch am 9. November 1989 war definitiv zu viel Volk beteiligt.“
3.10.2019, https://michael-klonovsky.de/acta-diurna

 

Ulrich Wickert: Jedes Land hat eine nationale Identität
BamS: Herr Wickert, Sie fordern in Ihrem neuen Buch die Deutschen auf: „Identifiziert euch!“ Was meinen Sie damit?
Ulrich Wickert: „Die Franzosen ruhen in sich, weil sie sich zu ihrer Identität bekennen. Wenn ich hier sage, dass ich mir das auch für Deutschland wünsche, ernte ich immer Misstrauen. Jedes Land hat aber eine nationale Identität, ob wir sie ablehnen oder nicht. Ohne sie – und ohne ein Heimatgefühl – kann keine Gesellschaft existieren. Da müssen wir ran, sonst gerät Deutschland in einen Burn-out!“
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Warum muss man sich überhaupt mit einer Nation identifizieren?
Wickert: „Ganz einfach: Weil es nicht nur der Gemeinschaft, sondern auch einem selbst hilft. Wer sich als Mitglied einer größeren Gemeinschaft empfindet, fühlt sich auch persönlich besser, wenn diese erfolgreich ist.“
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Die AfD beschwört genau dieses Gefühl — schließt dabei aber alle Nicht-Deutschen aus (Anmerkung Redaktion: das tut die AfD nicht, also eine Lüge der BamS).
Wickert: „Die moderne Nation besteht nicht aus einem ‚guten‘ und einem ‚schlechten‘ Teil, sondern aus einer Ordnung und Werten, denen sich jeder anschließen kann.“
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Wie sieht es mit nationalen Symbolen aus? Sollten Nationalspieler die Nationalhymne singen?
Wickert: „Wenn man die Geschichte der Nationalhymne kennt, ist das doch überhaupt kein Problem.
Auch die erste Strophe nicht.
‚Deutschland, Deutschland über alles‘ heißt eben nicht, dass man alles beherrschen will.
Sondern, dass man Deutschland über alles liebt.“
…. Komplettes Interview mit Ulrich Wickert vom 31.8.2019 bitte lesen auf
https://www.bild.de/bild-plus/unterhaltung/leute/leute/tv-legende-wickert-klagt-an-wir-erleben-ein-versagen-des-staates-64328596,view=conversionToLogin.bild.html

Ulrich Wickert:
„Identifiziert euch! Warum wir ein neues Heimatgefühl brauchen“.
02.09.2019, 208 Seiten, EAN 978-3-492-05954-1, 20 Euro
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Was mich antreibt
Der Zustand unserer Gesellschaft macht mir Sorgen. Sie droht auseinanderzufallen. Einerseits wächst die Uninformiertheit im politischen Leben, anderseits bedrohen Gewalt, Egoismus und Individualismus im zivilen Leben den Zusammenhalt der Gemeinschaft. Was ist das für ein Land, in dem Juden vom Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung empfohlen wird, die traditionelle Kopfbedeckung der Kippa in der Öffentlichkeit nicht zu tragen, um nicht körperlichen Angriffen ausgesetzt zu werden?…

Kommentare:
Genau genommen hat die Nationalhymne doch nur eine Strophe,
und das ist die dritte Strophe des Deutschlandliedes. Das ist so festgelegt (BGBl. I, Nr. 63, von 1991) Nur das Deutschlandlied, nicht die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland, hat drei Strophen. Hier ist also eigentlich die erste Strophe dieses „Liedes der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben gemeint.
31.8.2019, E.K., PPO
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Diese Erkenntnis kommt ja bei Herrn Wickert sehr spät an
Hoffmann von Fallersleben meinte es auch so, als er den Texte der Hymne schrieb (auf Helgoland – damals britisch). Er kann nichts dafür, daß man seinen Text – von welcher Seite auch immer – falsch deutete bzw. deutet. ALLE drei Strophen sind für mich vollkommen richtig. Natürlich sind die Grenzen heute anders gezogen, schon damals waren sie nicht ganz so. Ich will diese Grenzen auch nicht wieder haben, darum geht es doch gar nicht. Die meisten Hymnen berufen sich auf historische Umstände, die heute so nicht mehr zutreffen.
31.8.2019, MI, PPO

 

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Erinnerungskultur – gemeinschaftsstiftend
Als franko- und italophiler Mensch bewundere ich seit meiner Jugend den Stolz unserer Nachbarn auf ihre Nation. Frankreich (französische Revolution) und Italien (Mussolini) haben wie viele Nationen dieser Welt jeweils ein schweres und blutbeladenes Erbe mit sich zu schleppen.

Und was feiern sie an ihren Nationalfeiertagen: die „große Nation“. „Für mich“, sagte einmal mein Freund aus Paris und dortiger Stadtteilbürgermeister, “für mich umfasst eine wahre Erinnerungskultur den Umgang des einzelnen Bürgers und der gesamten Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und ihrer Geschichte – und mit dieser auch Höhen und Tiefen.“ Nach Jan Assmann (Kulturwissenschaftler Uni Heidelberg) wird mit der Erinnerungskultur an die eigene soziale Gruppe die Frage „was dürfen wir nicht vergessen?“ gestellt und beantwortet; insofern wirke Erinnerungskultur gemeinschaftsstiftend.
…. Alles vom 17.3.2019 von Peter Helmes bitte lesen auf
https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/

 

Nationalstaat überlebt?
Der Nationalstaat war die politische Antwort auf die erste industrielle Revolution. Eine adäquate Antwort auf die gegenwärtige zweite und dritte industrielle Revolution kann der Nationalstaat nicht mehr sein. Globalisierung und Digitalisierung von Finanzströmen und Daten erfordern andere Institutionen, wenn die Demokratie überleben soll. Doch Dogmatiker aller Länder kämpfen wie die Irren um ihre alten kleineren (Deutschland) oder künftig größeren (EU) Nationalstaaten. Nationalstaaten welcher Art auch immer sind aber keine Lösung für eine Welt, deren Kennzeichen das Netz ist. Die intelligente Vernetzung der Menschheit wird mit den Mitteln von vorgestern verfehlt.
… Alles vom 2.2.2019 von Wolfgang Herles bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/herles-faellt-auf/kreuzzuege-gegen-die-vernunft/

NEIN. Kapital und Daten wandern global und grenzenlos, Menschen aber nicht. Der Nationalstaat wird überleben!
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Nation durch eine ‘plurale’ Gesellschaft ersetzen?
Was ich an dem Artikel verstanden habe ist, dass die Nation durch eine ‘plurale’ Gesellschaft ersetzt wird oder werden sollte. Was bedeutet plurale Gesellschaft? Die Nation, die sich auf eine gemeinsame Sprache, Kultur und Tradition berufen kann – wohl wissend, dass es sich hierbei um eine ausserst synthetische Konstruktion handeln kann – wird also durch Vielfaltigkeit ersetzt.
Stop. Ein Blick nach Grossbritannien genugt, um sich das Resultat dieser Vielfaltigkeit anzusehen. Das ist keine Vielfalt, sondern eine neben einander lebende Ghetto Gesellschaften. Jedes dieser Ghettos hat seine gemeinsame Sprache, Kultur und Tradition. Anderes Beispiel ist Deutschland, dass langsam – Schnelligkeit war noch nie eine Tugend der Deutschen in diesen Belangen, deshalb spricht man auch von dem ‘Michel’ – mitbekommt, dass es noch nicht einmal geschafft hat, die Mehrheit der Turken der ersten Generation zu integrieren. Aber Deutschland ist ein separates Kapitel, da es immer noch durch die Ereignisse zwischen 33 und 45 traumatisiert ist. Es hat deswegen jedweden realpolitischen Kompass verloren.
Der Autor hat Recht, wenn er ein Umdenken der naiven ‘Multi-Kulti’ Paradigmas fordert. Aber die ‘plurale’ Gesellschaft ist es sicherlich nicht. Der Westen ist gerade dabei sich abzuschaffen mit all seinen geheiligten ‘Werten’.
18.2.2019, C.Z., NZZO

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Nationalstaat contra intelligente Vernetzung?
Da haben Sie aber ein Fass aufgemacht, lieber Herr Herles, das nur Fragen aufwirft.
– Was soll an die Stelle des Nationalstaates treten?
– Wieso soll ausgerechnet ein supranationales Gebilde die Demokratie retten?
– Warum schließen sich Nationalstaat und globale Vernetzung überhaupt aus?
– Wie will man die Bürger von den (zweifelhaften) Vorzügen bunter, grenzen-loser Landstriche mit Multikulti überzeugen?
Der Mensch lebt nicht von Brot allein und auch nicht von der „Globalisierung und Digitalisierung von Finanzströmen und Daten“. Heimat, kulturelle Identität, sozialer Schutz, überschaubare politische Einheiten usw. – welches Gebilde soll das alles ersetzen?
2.2.2019, U.S., TO
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Der Nationalstaat ist für mich ein Muss für den sozialen Zusammenhalt
Der Mensch ist ein soziales Wesen, das auch im Normalfall bereit ist soziale Verantwortung für sein Umfeld zu übernehmen. Diese Bereitschaft und Verbundenheit ist ganz stark im Familien- und Freundeskreis und nimmt dann kontinuierlich über Wohnort, Region, Bundesland, Land, … ab. Es braucht eine Abgrenzung, denn je größer die Gruppe ist, desto kleiner sieht sich der Einzelne in der Verantwortung. Diese Abgrenzung dient auch dem leistungsfördernden Konkurrenzgedanken. Eine Welt nach dem One-World-Gedanken wird weder sozialen Zusammenhalt noch Leistungsbereitschaft kennen. Die Antwort darauf wird ein allumfassender Staat sein, Sozialismus pur. Und die Geschichte hat uns gezeigt wie gut man in solchen Systemen gelebt hat.
2.2.2019, A.D., TO
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Ohne Nationalstaat = Selbstentmündigung
Wenn in Deutschland, die einst genialen Inspirationen – die großen Würfe nicht mehr gelingen, entwickelt die politische Klasse als Ersatz, populistische, ökologische Energie z.B. Atomausstieg, Kohleausstieg, Fahrverbote usw. Es findet derzeit eine nie da gewesene, verheerende Selbstentmündigung in der deutschen Gesellschaft statt. Derzeit geht es zu, als hätte jemand einen Wettbewerb aufgerufen, an dem sich jeder Verrückte beteiligen kann. Die ganzen Verbot Phrasen kann man nicht mehr hören. Es müsste sofort ein Verbot für Verbote geben.
2.2.2019, P.F., CO
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Auch China gibt den Nationalstaat nicht auf
„Globalisierung und Digitalisierung von Finanzströmen und Daten erfordern andere Institutionen, wenn die Demokratie überleben soll.“.
Was für eine Demokratie soll das sein? Ich hätte mir hier einen kleinen Hinweis gewünscht, wie das aussehen soll. Ich glaube auch nicht, dass Politiker und Lobbyisten, also Leute mit Macht und Einfluss, grundsätzlich Interesse an Demokratie haben. Je reibungsloser sie schalten und walten können, desto besser. Wir haben auf dieser Welt sieben Milliarden Menschen. Ungefähr eine Milliarde lebt in demokratischen Verhältnissen. Das sind Europa, Nordamerika, Australien, Japan und vielleicht noch Südkorea. Wobei in Europa schon Richtung Süden und Osten so manche Abstriche zu machen sind. Die restlichen sechs Milliarden Menschen müssen in mehr oder weniger pseudodemokratischen bis autoritären, auf jeden Fall immer korrupten Verhältnissen leben. Wollen wir uns mit dieser gigantischen Mehrheit als demographisch abnehmende Bevölkerungsminderheit auf globale Demokratie-Experimente mit einer (UN-) Weltregierung einlassen? Diese Staaten und Kulturen wissen gar nicht, was westliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aussehen. Sie haben nicht annähernd den gleichen geistesgeschichtlichen Überbau wie wir. Der Nationalstaat ist auch Schutz- und Trutzburg vor den Zugriffen dieser schlimmen globalen Verhältnisse auf unser Land. Und immer schwirrt hier die irrige Annahme mit, dass „die“ genauso denken wie „wir“. Tun sie nicht. Das ist ein Grundfehler westlichen Denkens. Man kann keine gemeinsame Demokratie mit Völkern und Kulturen eingehen, die ganz andere Menschen- und Gesellschaftsbilder pflegen, die man auch nicht in seine Richtung ändern kann. Für den Westen muss ich im Moment feststellen, dass seine Menschen- und Gesellschaftsbilder immer unrealistischer werden, man entfernt sich von der Natur des Menschen und den Unterschieden der Geschlechter und das kann noch ein böses Ende nehmen.
Auch wenn ich den anderen Gedankengängen im obigen Text zustimmen kann, stoßen Abgesänge auf den Nationalstaat als Relikt des 19. Jahrhunderts bei mir auf Unverständnis. Ich halte es auch für unrealistisch, dass globale Player wie China, Japan oder Südkorea ihren Nationalstaat aufgeben. Wozu auch? Die müssen weder eine Asiatische Union (AU) gründen, noch den Asio als Euro-Pendant einführen, noch eine Art Pazifik-Schengen einrichten, um ihre Huaweis, Samsungs, Sonys, Toyotas und Hyundais in alle Verkaufsräume dieses Erdballs zu schieben. Das geht auch so und zwar hervorragend. Deutschland war ja Anfang der 1960er Jahre zweitgrößte Volkswirtschaft hinter den USA und wurde irgendwann von Japan überholt. Anfang der 1990er stürzten die Japaner dann in eine Rezession, während 1993 für Deutschland die neue EU mit Binnenmarkt dazu kam und 2002 der Euro eingeführt wurde. Eigentlich ein riesiger Vorteil, es wird ja immer herausgestellt, wie stark Deutschland von der EU und dem Euro profitiert. Aber hat Deutschland in den letzten 25 Jahren das schwächelnde und stagnierende Japan volkswirtschaftlich wieder überholen können? Nein.
Beim Blick auf die drei großen asiatischen Wirtschaftsmächte fallen auch immer wieder einige vermeintlich unumstößliche Dogmen der westlichen Wirtschafts- und Politikordnung wie ein Kartenhaus zusammen. Die erste grobe Fehlannahme war, dass Kapitalismus und Marktwirtschaft nur in Form einer (westlichen) Demokratie denkbar sei. China bewies dann das Gegenteil. Daher bin ich es mittlerweile auch leid, mich wieder auf irgendwelche westlichen Utopien einzulassen, die in Richtung One World gehen. Es gibt keine One World, sondern nur unzählige Völker und Kulturen, die alle das notwendigste tun, um als Volk und Kultur zu überleben und die alle um Macht und Einfluss rangeln, auch innerhalb von globalen Organisationen wie der UN. Es wird nie den ewigen Frieden und einen gemeinsamen Nenner geben. Es ist die Aufgabe einer Regierung, ihr Land so schadlos wie möglich durch die unvermeidbaren globalen Interessenkonflikte zu steuern.
Und ich glaube auch, dass es Demokratie nur innerhalb von homogenen Gruppen geben kann, die sich nach außen abgrenzen muss, da der Mensch von seiner Natur aus ein Tribalist ist und Solidarität und Gemeinschaftsgefühl nur untereinander ähnlichen Menschen möglich ist.
Der Westen bzw. vor allem Europa muss auch lernen in Zyklen zu denken. Vor 50 bis 150 Jahren hatte man die technologische, ökonomische, kulturelle und militärische Übermacht. Auch demographisch war man den Völkern im Süden weit überlegen, nur die „Gelben“ in Fernost waren damals schon zahlreicher. Also hat man versucht, die Welt zu retten und ihr den Stempel aufzudrücken. Das hat man nicht geschafft. Jetzt sind die Frontlinien überdehnt, während man demographisch ausdünnt und damit die Lücken größer werden lässt.
Der Westen wird in diesem Jahrhundert um sein Überleben kämpfen müssen. Er hat nur noch folgende Wahl: entweder versucht er sich selbst zu retten, dann muss er für Jahrzehnte die Zugbrücken hochziehen und sich demographisch regenerieren, um wieder neu anzugreifen zu können oder er versucht weiter die Welt zu retten und sich zu öffnen, dann wird er als Westen dabei draufgehen. Im Prinzip ist er in einer Situation wie China Ende der 1970er nach dem Desaster unter Mao, wo man diverse Dogmen über Bord werfen musste. Dessen Nachfolger standen vor der Wahl, entweder den Kommunismus retten zu wollen, dann wäre dafür die Partei draufgegangen oder die Partei zu retten und dafür den Kommunismus zu opfern. Bekanntlich entschied man sich für die zweite Variante und lag damit richtig, während alle anderen kommunistischen Parteien Osteuropas stur weiter marschierten und zehn Jahre später gegen die Wand fuhren. Welche Entscheidung trifft jetzt der Westen? Überleben und Abschotten oder weiter die Welt retten, sich öffnen und daran zugrunde gehen? Im Moment sieht es so aus, als ob man die suzidiale zweite Variante wählt.
2.2.2019, Jan, TO
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Abschaffung des Nationalstaates = Abschaffung des Sozialstaates
Vernetzung“, „Nationalstaat nicht mehr zeitgemäß“- kann man natürlich diskutieren, aber dabei auch den Bewohnern von Nationalstaaten klar verständlich sagen, dass eine Abschaffung des Nationalstaates in welche Richtung auch immer auch eine Abschaffung jeglichen Sozialstaates bedeutet. Das gilt auch für die unbegrenzte Zuwanderung, die bei gleichzeitiger Beibehaltung des Sozialstaates unmöglich ist.
2.2.2019, IO, TO
Nur Nationalstaaten funktionieren
Weder ist der Nationalstaat ein allein technokratisches Gebilde, noch sind tatsächliche oder vermeintliche Probleme nur oder allein mit technischen Mitteln zu lösen. Bekanntlich erfüllt der Nationalstaat jedenfalls zur Zeit (hierzulande nur sehr eingeschränkt ) sehr existentielle Anforderungen, die nach seiner Auflösung von „ anderen“ Organisationen oder Orgaformen übernommen werden müssten, es sei denn, man sähe die politische Teilhabe, das Sozialstaatselement ( vernünftig betrachtet), die Rechtsstaatlichkeit als verzichtbar an oder fände den dann sehr wahrscheinlichen „ Ersatz“ durch kleinere tribale Strukturen positiv. Der sehr allgemeine Hinweis auf Globalismus, was immer konkret darunter verstanden wird, Technik und Netze reicht nicht einmal ansatzweise aus, um die Auflösung des Nationalstaates zu begründen und vor allem fehlen die „ Ersatzvorstellungen“ ( Imperien ? „ die Welt“ ). Der Schluss von weltumspannender Technik und Handel müsste logisch dann eine Weltinstitution umfassen, hoffentlich „ besser“ als die UN. Und natürlich wird auch in diesem Beitrag die Rechnung ohne den oder die Menschen gemacht, wie sie nun von der Natur ausgestattet einmal sind.
Jedes neue Konstrukt sollte neben Technik und Wirtschaft idealerweise auch die conditio humana berücksichtigen, denn die Menschen sollen dieses Konstrukt nicht nur annehmen, sondern auch tragen. Der Hinweis auf Technik und Handel reicht hier nicht, zumal beides prinzipiell auch zwischen Nationalstaaten „ funktioniert“, wie man weiß. Dass diese Staaten vernünftig und im Sinne der in ihnen lebenden Menschen kooperieren sollten, ist selbstverständlich. Dass es nicht immer funktioniert, hat weniger mit dem Nationalstaat als solchem, als vielmehr mit den für ihn handelnden Personen und deren Ideologie und Dummheit zu tun. Das ist definitiv kein Orgaproblem und sollte auch als solches angegangen werden. Neurotiker werden nicht dadurch „ geheilt“ oder zu Demokraten, dass wir den Natuonalstaat beseitigen. Nicht jeder Schluss ist logisch richtig und nach der Auflösung des Einen sollten nicht tribale Anarchie oder ein diktatorisches Imperium, sondern eine bessere ! ( für wen ?) neue Struktur, von wem warum „ gemacht „ ?, folgen. Mit dem modern gewordenen Nationalstaatenbashing allein ist es nicht getan.
2.2.2019, R.N., TO

 

 

 

Yoram Hazony verteidigt nationale Selbstbestimmung gegen grenzenlosen Universalismus
Wenig anderes steht derzeit in derart schlechtem Ruf wie Nationalismus. Er ist verantwortlich für Rassismus, Intoleranz und Krieg, und nur seine Überwindung führt zu Frieden und Völkerverständigung. Diese landläufige Meinung stellt der israelische Philosoph und Bibelwissenschaftler Yoram Hazony in seinem neuen Buch The Virtue of Nationalism (Die Tugend des Nationalismus) massiv infrage – und zwar aus dezidiert konservativer und zionistischer Perspektive.

Denn die Welt ist für Hazony dann am besten regiert, wenn Nationen ihren unabhängigen Weg gehen können, ihre eigenen Traditionen pflegen und ihre eigenen Interessen verfolgen. Das nämlich ist Hazonys Definition von »Nationalismus«, die nichts mit aggressivem Chauvinismus und Überlegenheitsdünkel zu tun hat. Mit diesem Begriff bezeichnet er schlicht die Ansicht, dass die beste internationale Ordnung eine ist, die aus vielen unabhängigen Nationalstaaten besteht.
Man kann in Hazonys Sinne also auch dann Nationalist sein, wenn man dem jeweils eigenen Land keine besonders leidenschaftlichen Gefühle entgegenbringt. Deshalb vermeidet er auch das vermeintlich freundlichere Wort »Patriotismus«, zum einen, weil es die Sache nicht trifft, zum anderen, weil Hazony Euphemismen ganz und gar nicht mag.
….
Europäer und Israelis hätten aus der Nazizeit völlig unterschiedliche Konsequenzen gezogen.
Für Juden war klar, dass nur ein eigener Staat und eine eigene Armee ein zweites Auschwitz würden verhindern können.
Liberale Europäer hingegen halten Auschwitz für die Folge nationaler Alleingänge. Doch Auschwitz war, erklärt Hazony, keineswegs eine Folge der nationalstaatlichen Ordnung. Diese wollte Hitler vielmehr abschaffen und durch ein deutsches Imperium ersetzen. Das erklärt sich für ihn aus der deutschen Geschichte:
(Auschwitz keine Folge von Nationalismus, sondern von Imperialismus)
Deutsche hatten historisch kaum Erfahrung mit nationaler Einheit und Unabhängigkeit – anders als etwa Briten, Franzosen oder Niederländer. Diese fürchteten im Zweiten Weltkrieg wiederum nicht so sehr den Nationalismus der Deutschen (sie waren ja selbst meist Nationalisten), sondern vielmehr deren Imperialismus – das Ziel, Europa unter deutscher Vorherrschaft zu vereinigen.
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Und genau dieses Ziel verfolge heute die Europäische Union: Die Nationalstaaten geben ihre Souveränität zugunsten überstaatlicher Institutionen auf. Und weil das für Länder mit einer stolzen nationalen Tradition aber doch ein schmerzlicher Verlust ist, entstehen Ressentiments gegen diejenigen, die eben nicht bereit sind, ein solches Opfer zu bringen:
allen voran die Israelis,
aber mittlerweile auch die Visegrád‐Staaten, die keine muslimischen Einwanderer aufnehmen wollen,
die Briten, die für den Brexit gestimmt haben, und
die USA unter Donald Trump, der die Interessen seines eigenen Landes vertritt, statt Welterlösungspläne zu hegen.
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Sie alle werden heute von wohlmeinenden Europäern mit allen erdenklichen Invektiven bedacht, bis hin zum Faschismusvorwurf. Solche Rhetorik ist Hazony ein Beleg dafür, dass Hass und Intoleranz heute nicht so sehr von Nationalisten, sondern vor allem von liberalen Internationalisten ausgehen, die es nicht ertragen können, wenn sich jemand ihrer universalistischen Vision in den Weg stellt.

Die Tugend des Nationalismus besteht für Yoram Hazony hingegen darin, dass er in seinen Ansprüchen bescheidener ist, sich nicht anmaßt, über eine allgemeingültige Wahrheit zu verfügen, und in der Lage ist, neben der eigenen auch den Wert anderer Kulturen und Traditionen anzuerkennen. Moses, der sein Volk in das Gelobte Land führte, ist von menschlicherem Maß als Immanuel Kant, der vom Ewigen Frieden unter einer Weltregierung träumte.
…. Alle von Ingo Way vom 10.1.2019 bitte lesen auf
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/moses-gegen-kant/
 .
Yoram Hazony: »The Virtue of Nationalism«.
Basic Books, New York 2018, 304 S., 30 US‐$

 

 

Nach dem Brexit: Verlierer Deutschland  – EU-Sperrminorität ade
Mißregierung: Wie sich das Machtgefüge in der Europäischen Union verschiebt

Selbst der durch Hochsteuern gemästete deutsche Staatshaushalt wird in absehbarer Zeit defizitär werden. Einerseits muß sich die Bundesrepublik gegen Macrons Zumutung wehren, die eigenen Probleme mit deutschem Geld lösen zu wollen, andererseits macht der Brexit Deutschland zum großen Verlierer. Mit Großbritannien fehlt Berlin ein marktwirtschaftlich orientierter Partner mit der Folge, daß sich das Machtgefüge in der auf 27 Mitglieder geschrumpften EU verschieben wird.
Denn ohne die Briten büßt der nördliche Block seine Sperrminorität im Ministerrat der EU ein, wo die maßgeblichen Entscheidungen fallen. Dafür sind mindestens vier Staaten und 35 Prozent der EU-Bevölkerung notwendig. Künftig kann Deutschland nur noch auf 30 Prozent der Stimmen zählen – der hochverschuldete Club Med kommt auf 43 Prozent. Nachdem es den Südeuropäern bereits gelungen ist, die Europäische Zentralbank zu übernehmen und den Euro zu „lirarisieren“, wird künftig auch die EU als solche französischer und italienischer werden.

Von einem Konzept, von einer Strategie gegen den europäischen Niedergang ist in Berlin nichts zu sehen. Schon 2016, als die Briten über den Austritt abstimmten, unternahm Kanzlerin Angela Merkel nichts, um den britischen Reformforderungen entgegenzukommen. Sie trägt insofern die Hauptschuld am Brexit, auch wegen der Grenzöffnung 2015, die in England Entsetzen hervorrief. Als sich im Dezember die Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel trafen, um über die von Paris verlangte „Vertiefung“ der Eurozone zu beraten, waren es nicht die Deutschen, sondern die in der informellen „Hanseatischen Liga“ zusammengeschlossenen Nordeuropäer mit den Niederländern an der Spitze, die sich gegen den Umbau der Währungsunion zur totalen Transferunion sträubten. Die einseitige Fixierung der deutschen Politik auf Frankreich und die Behandlung der Mittel- und Osteuropäer als EU-Mitglieder zweiter Klasse sind Fehler, die sich rächen werden.
… Alles vom 21.12.2018 von Selbst der durch Hochsteuern gemästete deutsche Staatshaushalt wird in absehbarer Zeit defizitär werden. Einerseits muß sich die Bundesrepublik gegen Macrons Zumutung wehren, die eigenen Probleme mit deutschem Geld lösen zu wollen, andererseits macht der Brexit Deutschland zum großen Verlierer. Mit Großbritannien fehlt Berlin ein marktwirtschaftlich orientierter Partner mit der Folge, daß sich das Machtgefüge in der auf 27 Mitglieder geschrumpften EU verschieben wird.
Denn ohne die Briten büßt der nördliche Block seine Sperrminorität im Ministerrat der EU ein, wo die maßgeblichen Entscheidungen fallen. Dafür sind mindestens vier Staaten und 35 Prozent der EU-Bevölkerung notwendig. Künftig kann Deutschland nur noch auf 30 Prozent der Stimmen zählen – der hochverschuldete Club Med kommt auf 43 Prozent.
Nachdem es den Südeuropäern bereits gelungen ist, die Europäische Zentralbank zu übernehmen und den Euro zu „lirarisieren“, wird künftig auch die EU als solche französischer und italienischer werden.
Von einem Konzept, von einer Strategie gegen den europäischen Niedergang ist in Berlin nichts zu sehen. Schon 2016, als die Briten über den Austritt abstimmten, unternahm Kanzlerin Angela Merkel nichts, um den britischen Reformforderungen entgegenzukommen. Sie trägt insofern die Hauptschuld am Brexit, auch wegen der Grenzöffnung 2015, die in England Entsetzen hervorrief. Als sich im Dezember die Finanzminister der Eurogruppe in Brüssel trafen, um über die von Paris verlangte „Vertiefung“ der Eurozone zu beraten, waren es nicht die Deutschen, sondern die in der informellen „Hanseatischen Liga“ zusammengeschlossenen Nordeuropäer mit den Niederländern an der Spitze, die sich gegen den Umbau der Währungsunion zur totalen Transferunion sträubten. Die einseitige Fixierung der deutschen Politik auf Frankreich und die Behandlung der Mittel- und Osteuropäer als EU-Mitglieder zweiter Klasse sind Fehler, die sich rächen werden.
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… Alles vom 21.12.2018 von Bruno Bandulet zu „Vierlierer ist Deutschland“
bitte lesen in der Jungen Freiheit, Seite 2

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Post-nationale Bürgerschaft: Die Deutschen einfach abschaffen
Die Herausforderungen auf dem „Weg zu einer neuen EU-Migrationspolitik“ will eine Konferenz in Berlin aufzeigen. Als größte Herausforderung erweist sich dabei, jene mitzudenken, die diese Politik tragen sollen: die Bürger. ….
Das Spannende an der Konferenz ist andererseits, dass die in diesem edlen Ambiente Versammelten auch noch so abenteuerlich hanebüchene Aussagen machen können, ohne dass auch nur eine Nachfrage auftaucht – geschweige denn Widerspruch: ….
„Post-nationale Bürgerschaft: Es ist diese Politik, die wir weiter betreiben müssen.“
(Manuela Bojadžijev, „Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung)
Da ist nur noch Schweigen.
Es wäre sicher spannend, einmal eine Volksbefragung durchzuführen, ob die Bürger in Deutschland den Nationalstaat auflösen und Staatsbürgerrechte an etwas anderes als den Nationalstaat binden wollen. Ob es dann dabei bleibt, dass wir „diese Politik weiter betreiben müssen“?
… Alles vom 16.11.2018 von Christopher Walther bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/konferenz-zur-eu-migrationspolitik-monolog-der-maechtigen/

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