Jugend-Zukunft

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Sonnenuntergang im Hochschwarzwald bei Schnee – Zweisamkeit im Februar 2021

Wie sieht die Jugend ihre Zukunft?

 

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Es war nur ein Traum – Meine ökonomische Zukunftsperspektive II.
von Leopold Mattes
Leopold Mattes aus Zimmer nahm mit diesem Beitrag erfolgreich am ef-Jungautorenwettbewerb 2020/21 teil. Als einer der sechs Bestplatzierten wird der Aufsatz in dieser Ausgabe veröffentlicht. Drei Gewinner aus den publizierten sechs Besten werden auf der nächsten ef-Konferenz prämiert werden. Der Sieger erhält die Julius-Faucher-Medaille.

Die letzten Jahre konnte ich vier große Pfadabhängigkeiten in unserer Gesellschaft ausfindig machen, die sich gegenseitig verstärken. Diese möchte ich aufzeigen,
bevor ich zu meiner Zukunftsperspektive komme. Eine Pfadabhängigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass an bekannten Lösungen festgehalten wird und dass dadurch eine
Stabilisierung eintritt, sodass der eingeschlagene Weg nur sehr schwer abgebrochen werden kann. Dies führt immer mehr zu einer Unumkehrbarkeit, sodass sich die Akteure
dem eingeschlagenen Pfad unterwerfen.
Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die die Pfadabhängigkeit des Pfads entdecken und auf einen sofortigen Abbruch drängen.  Alle vier große Pfadabhängigkeiten, die ich im Folgenden vorstellen möchte, lassen sich auf den Konflikt zwischen hierarchisch organisierten Systemen und dezentralen Netzwerken zusammenfassen.

Die vier großen Pfadabhängigkeiten
Erstens: die Interventionsspirale des Staates Richtung Sozialismus.
Zweitens: das Fiat-Geldsystem und die Ausweitung der Geldmenge.
Drittens: das Rentensystem und der demographische Wandel.
Viertens: der disruptive technische Fortschritt im Informations-, Energie- und Transportsektor.

Die Interventionsspirale des Staates Richtung Sozialismus
Auf der Welt erleben wir seit vielen Jahren eine Zunahme der Staatsquote und der Bürokratie. Die Monopolstellungen der Staaten und die damit fehlenden Anreize,
effizient zu sein, verringern das Produktivitätswachstum und führen zu immer höheren Abgaben. Die Verteilungskämpfe um Ressourcen und Kapital nehmen zu, die Produktiven
werden immer weniger, und das Überleben hängt immer mehr von der Einflussnahme auf die Politik ab. Aus einer freiheitlichen Ordnung wird ein ausufernder Staat, der sich immer mehr und penetranter in das Leben der Menschen einmischt, bis das Kapital und die Freiheit verschwinden. Die Wurzel des Problems liegt darin, dass man sich diesem System nicht so einfach entziehen kann, da der Etatismus weltweit Bestand hat und es keine wirklichen Alternativen zur Demokratie gibt, die Verträge zulasten Dritter beschließt. Schlechte Kompromisse durch eine Mehrheitsentscheidung werden der Selbstbestimmung des Menschen vorgezogen. Die individuelle Freiheit des Menschen wird durch ineffiziente Strukturen wie etwa durch den Wohlfahrtsstaat und weitere Verordnungen und Regulierungen reduziert, und es besteht die Gefahr, dass der Etatismus wie jede Form des Sozialismus die Individualität, das Eigentum, die Familie, die Kunst, Kultur und Religion in Zukunft noch stärker bekämpft. Von einer fortschreitenden Interventionsspirale ist leider auszugehen.
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Das Fiat-Geldsystem und die Ausweitung der Geldmenge
Das Fiat-Geldsystem löst die Knappheit des Geldes auf, die eine Grundeigenschaft zur Werterhaltung ist. Die Geldmenge wird durch Kreditschöpfung erhöht und der Zins und somit unsere Zeitpräferenz werden manipuliert. Das exponentielle Geldmengenwachstum führt zu einer Geldentwertung und zu Preissteigerungen, die wir in den Vermögenspreisen wie Immobilien, Aktien und Gold sehen können. Der Sparer wird durch die Inflation seiner Kaufkraft und seiner Vorsorge beraubt. Dies führt dazu, dass es immer schwieriger wird, ein Eigenheim zu erwerben, für das Alter vorzusorgen oder die Kosten für eine
Familie aufzubringen, da die Inflation und die damit einhergehenden Wirtschaftskrisen uns in Arbeit, Armut und Unsicherheit halten. Der Zins ist auf null, die Institutionen sind hoch verschuldet und das Kapital zunehmend aufgebraucht. Eine Spaltung der  Gesellschaften und der Ruf nach einem starken Staat nehmen dadurch unweigerlich zu. Die Interventionsspirale dreht sich dadurch umso schneller.

Das Rentensystem und der demographische Wandel
Das heutige Rentensystem basiert auf einem Umlageverfahren, was bedeutet, dass die Beiträge unmittelbar zur Finanzierung der Leistungsberechtigten herangezogen werden. Das Sicherheitsnetz der Familie ist nicht mehr überlebensnotwendig, da man sich auch ohne Kinder einen Rentenanspruch erarbeiten kann. Es besteht eine Asymmetrie, da man sich freiwillig gegen Kinder entscheiden kann, aber andererseits als Familie beim Rentensystem mitmachen muss. Dies führt zu einem Zerfall der Familien, zu sinkenden
Geburtenraten und zu einem zunehmenden demographischen Wandel und damit einhergehend zu explodierenden Kosten, da immer weniger jüngere Menschen für immer mehr Alte, Kranke und Hilfsbedürftige aufkommen müssen. Dieses System verdrängt zudem die karikativen Einrichtungen, die auf Freiwilligkeit und Solidarität beruhen. Es vergrößert die Abhängigkeit des Individuums vom Kollektiv. Eine demokratische Abschaffung oder Umwandlung dieses Systems scheint aussichtslos, da sich die Älteren
in der Mehrheit befinden.

Der disruptive technische Fortschritt im Informations-, Energie- und Transportsektor
Jede fortschrittliche Gesellschaft benötigt einen  Energieträger, eine Informationstechnologie und ein Transportmittel, um die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. Wir erleben aktuell einen Wandel der Basistechnologien in all
diesen Bereichen. Das dezentrale Internet verdrängt zunehmend die linearen Medien wie Fernsehen, Radio, Kino oder Zeitschriften, die regenerativen Energien ersetzen zunehmend die linearen Wertschöpfungsketten der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Hinzu kommt die Verdrängung des Verbrennungsmotors durch autonome elektrische Fahrzeuge
aus ökonomischen und physikalischen Gründen. Die Medien und bestehenden Energie- sowie Mobilitätsoligopole wollen diesen Wandel natürlich verhindern.
Die Gesellschaften stehen somit vor enormen Herausforderungen, denn die Interventionsspirale Richtung Sozialismus dreht sich immer schneller, da die Pfadabhängigkeiten durch die Politik und den Lobbyismus immer weiter begangen werden. Doch wir wissen, dass sowohl der Sozialismus aufgrund fehlender Preise als auch ein Fiat-Geldsystem, das die Geldmenge und den Zins manipuliert, als auch ein Rentensystem, das Kinderlosigkeit fördert, als auch ein ineffizientes Informations- und Energiesystem auf Dauer keinen Bestand haben können. Wir werden daher zwangsweise einen Systemkollaps und einen disruptiven Neuanfang erleben.
   
Pfadabbruch und Dezentralisierung sind die Lösung und meine ökonomische Zukunftsperspektive
Dies mag bis hierhin eine ziemlich düstere Zukunftsperspektive sein. Doch wenn die hierarchischen Strukturen scheitern müssen, wie sieht dann eine mögliche Zukunft geprägt von dezentralen Strukturen aus?
Meine ökonomische Zukunftsperspektive zeigt eine fortschrittliche Gesellschaft, die die Pfadabhängigkeiten überwunden hat und das Individuum und dadurch auch die Dezentralisierung und die Vernunft in den Mittelpunkt
stellt, sodass Wohlstand, Fortschritt und die Freiheit für alle maximiert werden können.

Ich sehe eine Welt, in der es so viel wie möglich freiwillige Kooperationen und so wenig wie möglich Staat und Gewalt gibt. In der das Internet und regenerative Energien durch ihre dezentrale und antifragile Struktur die Menschen mit Informationen und Energie versorgen. In der durch die Dezentralität der Bitcoin-Infrastruktur die Geldmenge und der Zins nicht mehr manipuliert werden können, sodass das Geldmonopol verschwindet. In der Männer und Frauen sich nicht länger spalten lassen und erkennen, wie sie sich gegenseitig ergänzen, damit Beziehung, Familie und eine nachhaltige Altersvorsorge funktionieren können. In der Arbeitsteilung und Produktivität wieder im Vordergrund
stehen, weil es ohne Lobbyismus nicht mehr möglich ist, auf Kosten anderer zu leben. In der Technologien, die auf einer Individualisierung, Dezentralisierung und  Automatisierung basieren, wie das Internet, regenerative Energien, autonome elektrische Fahrzeuge, 3D-Druck oder Roboter, die Produktivität so stark erhöhen, dass sich die  Preise immer weiter senken und wir einer nahezu Null-Grenzkosten-Infrastruktur immer näherkommen.
Eine Welt, in der das Zusammenleben von Neugier, Inspiration und Respekt – und nicht von Spaltung, Hass und Verteilungskämpfen – geprägt ist.

… Alles vom 15.72021 von Leopold Mattes bitte lesen
in „eigentümlich frei“ Aug/Sept 2021, Seite 26
https://www.ef-magazin.de
Junge Deutsche schauen in ihre Zukunft