Kindern Kriegsangst machen

In der Coronazeit hatten die Erwachsenen die Kinder mit Angst überzogen. Gemäß dem amtlichen Strategiepapier des BMI vom 16.3.2020 sollte die „gewünschte Schockwirkung“ dadurch erzielt werden, indem man die Kinder mit der Drohung „Wenn Du das nicht tust, dann stirbt Oma den Erstickungstot an Corona“ konfrontiert. Die Mainstreammedien unterstützen diese furchtbare Angstmacherei begeistert und deutschlandweit. Pfui. Eine Aufarbeitung des der jungen Generation angetanen Unrechts fand bis heute nicht statt – an einer Versöhnung besteht leider kaum Interesse.

Nun propagiert Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) über seine Kriegstüchtigkeits-Kampagne, die Kriegsangst als Nachfolgerin der Coronaangst treten zu lassen. Und wiederum sollen nicht nur die Erwachsenen, sondern auch die Kinder in Angst und Panik versetzt werden. Statt „Erstickungstod ohne Maske und Impfung“ wird den Kindern ab 2025 vielleicht „Ducken und Deckung“ eingebleut. Nach dem Muster des Kalten Kriegs, als man den Kids in Schule und Kita den US-Zivilverteidigungsfilm „Duck and Cover“ gezeigt hat mit den Verhaltensregeln für den Fall des Atomkriegs.

Die Ankündigung von Bundesinnenminister Dobrindt (CSU), die Schulen und Bindungseinrichtungen für die Bundeswehr-Militärs von Pistorius zu öffnen, müsste Lehrer längst zu Protesten auf die Strassen treiben. Doch nichts dergleichen passiert. Schweigen als Zustimmung. Die Institution Schule versagt wie in der Coronazeit. Haben Karriereplanung und die eigene politische Naivität haben bei Pädagogen Vorrang? Warum wehren sich die Lehrer, Erzieher, Schulsozialarbeiter und -psychologen nicht, warum überlassen sie die ihnen anvertrauten Kinder wehrlos den Kriegsbeflissenen? Werden sie im Unterricht den Kindern ggf. die Titelzeile der WELT vorlesen, schließlich ist die WELT ja ein deutsches Qualitätsmedium, das edlen Humanismus verbreitet: „Ex-Generalinspekteur Zorn – Angriffsziel Deutschland? Es könnte 2026 sein. Es könnte heute Abend sein“. Um so richtig Angst zu machen. Kriegsbeginn „könnte heute Abend sein“ – für die kindliche Fantasie heißt das doch, dass es heute am Abend tatsächlich losgeht mit dem Krieg. Denn die Kids können nicht zwischen Konjunktiv und Indikativ unterscheiden – was möglich ist, das ist für die Realität.

Die Bildungsbeauftragten und Pädagogen machen mit, wie sich Politik, Medien, Wirtschaft, NGOs, Eliten, Experten, Bundeswehr, Universitäten, Zivilgesellschaft usw. angesichts des Slogans „Putin will nach Berlin“ auf Kriegsgefahr, Kriegsvorbereitung , Kriegspropaganda und Krieg einstellen. Und alle verweisen darauf, daß Krieg doch auch sein Gutes habe: Die Umstellung auf Kriegswirtschaft werde die Dauerrezession beenden und die Ökonomie auf Wachstumskurs bringen – welch ein Irrtum, denn die mit einer Billion Neuschulden finanzierte Rüstung ist volkswirtschaftlich betrachtet letztenendes keine Investition, sondern Konsum: Es wird nur nicht gegessen und getrunken, sondern verballert.

Mit der allgegenwärtigen Kriegsrhetorik werden nach den Vorgaben von Pistorius und Dobrindt eins zu eins auch die Kinder konfrontiert – in der Spielgruppe, im Unterricht. Und die Erwachsenen schämen sich nicht, daß sich dies nun zum dritten Mal in der jüngeren deutschen Geschichte ereignen soll: Kinder werden von staatlichen Institutionen nicht als freie Individuen gefördert, sondern als leicht formbare Untertanen mißbraucht.
I. In der NS-Zeit wurden die Kinder wehrfähig gemacht: ideologisch geschult, körperlich fit und zum Opfer bereit.
II. In der DDR-Zeit gab es das extra Unterrichtsfach „Wehrerziehung“, zur Abwehr des Klassenfeindes wurde indoktriniert und sogar exerziert.
III. Nun soll es kein gesondertes Unterrichtfach geben, sondern die „Kriegstüchtigkeit“ (diese Wortschöpfung von Boris Pistorius ersetzt die frühere „Kriegsfähigkeit“) soll als methodisch-didaktisches Prinzip in die anderen Schulfächern integriert werden:
„Krieg“ im Geschichtsunterricht: Die Russen als unserer Todfeind Nr. 1.
„Krieg“ im Physikunterricht: Unterschied zwischen Panzer und Radpanzer? Wie funktioniert die Drohne?
„Krieg“ im Biologieunterricht: Was können biologische Waffen?
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In der Schule geht es um Bildung, darunter auch um die Begriffe „Frieden“ und „Krieg“. Und natürlich auch um Vorsorge vor letzterem. Aber „Kriegsfall“ und „Kriegstüchtigkeit“ sind keine didaktischen Begriffe, sondern militärische. Und die hatten in der Schule der BRD seit 1949 genausowenig verloren wie ab 1968 und ab 1989/90. Und ab 2025 soll jetzt wieder alles anders werden. Statt die langweilige Friedensfähigkeit und der eh utopische  Pazifismus  ist nun die aufregende Kriegstüchtigkeit angesagt- die beherrschen die Deutschen ja historisch bewiesen so gut.

Lasst die Kinder in Ruhe. Verschont sie mit eurer Angst. Hört auf sie zu verängstigen. Kinder haben das Recht auf ein unbeschwertes und kriegshysteriefreies Heranwachsen.  Hinterfragt zuerst einmal euch als erwachsene Politiker und NGO-Vorfeldpolitiker selbst, woher das plötzliche Umschlagen von der Friedensrhetorik zur Kriegsrhetorik denn herkommt. Dient die Kampagne von ‚Putin als äußerem Feind Nr. 1‘ nicht dazu, von den eigenen Versäumnissen der Berliner Innenpolitik abzulenken. Es war schon immer bequem und opportun, eigenes Versagen einem äußeren Feind anzulasten. Die derzeitige innenpolitische Misere (Energie, Migration, EU-Target, Islamisierung, CO2, usw.) ist selbstgemacht, weder Putin noch Trump haben diese Misere verursacht. Die Misere ist zu 100 Prozent „Made in Berlin“ – gemacht von unfähigen Politikern, denen es um nichts geht als um den eigenen Machterhalt.

Natürlich ist es höchste Zeit, daß die Politiker von CDU, SPD und Grünen vor der von ihnen – aus Unsicherheit oder Ideologiedruck – selbst erzeugten Misere Angst bekommen  und sich dann zu einer Umkehr bzw. Politikwende bereitfinden. Aber dies zu unterlassen und stattdessen ihre Ängste auf die Kinder zu übertragen, das ist ein Verbrechen an der nächsten Generation, die unschuldig ist am gegenwärtigen Niedergang Deutschlands.
29.10.2025
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Ende von Beitrag „Kindern Kriegsangst machen“
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Beginn von Anlagen (1) – (3)
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(1) Angriff auf Kinder: Innenminister will, dass die Schulen auf Krieg vorbereiten
Medien berichten: Innenminister Alexander Dobrindt will, dass Kinder in der Schule auf Krisen und Krieg vorbereitet werden https://www.spiegel.de/politik/deutschland/innenminister-alexander-dobrindt-spricht-sich-fuer-krisenvorbereitung-an-schulen-aus-a-f56a7d0b-6446-4050-9a13-285b974efb68 . In der WELT ist von einem „Angriffsziel Deutschland?“ zu lesen, die Schlagzeile lautet: „Es könnte 2026 soweit sein. Es könnte heute Abend soweit sein“ https://www.welt.de/politik/deutschland/plus68f8b35459e2e0975070813c/angriffsziel-deutschland-es-koennte-2026-sein-es-koennte-heute-abend-sein.html . Und der Grüne Volker Beck schreibt auf der Plattform X: „Damit es auch der Letzte versteht: Putin will Krieg.“ https://x.com/Volker_Beck/status/1981420331693756821

Das sind nur drei Beispiele der letzten Tage, die verdeutlichen: Angst- und Stimmungsmache laufen auf Hochtouren. Und: Eine Politik, die Kinder auf „Krisenfälle“ vorbereiten will, übersieht: Es gibt bereits einen großen Krisenfall. Die vorherrschende Politik ist zum größten Krisenfall geworden, den die Republik je erlebt hat.

Längst arbeitet die Politik daran, dass Feindbild in ihrem Kopf zum Feindbild der Gesellschaft zu machen. Und nun greifen Sie auch noch die Gehirne der Kinder an. Die Schwächsten in der Gesellschaft, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, deren kindliches Gemüt, ihre Lebensfreude und ihr Leichtsinn möglichst lange von Erwachsenen gut behütet werden sollten, wollen Politiker auf „Krisen- und Kriegsfälle“ vorbereiten.
Dabei übersehen sie: Einen großen Krisenfall gibt es längst. Die vorherrschende Politik ist zum größten Krisenfall geworden, den die Republik je erlebt hat. Dagegen würde helfen: Eine Schulbildung, die im besten Sinne des Grundgesetzes jenes Bewusstsein für eine fundierte Herrschaftskritik vermittelt, das für eine Demokratie unerlässlich ist. Doch weit gefehlt: So wie die Schulen die Türen für die Bundeswehr öffnen und Jugendoffiziere den Geist der politisch herbeifantasierten „Zeitenwende“ verbreiten lassen, so werden sich die „Bildungseinrichtungen“ nun aller Voraussicht nach wohl kaum den Plänen des Innenministers in den Weg stellen.
… Alles vom 27.10.2025 von Marcus Klöckner bitte lesen auf
https://www.nachdenkseiten.de/?p=141161
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(2) Wenn Erziehung wieder kriegstauglich werden soll
… Es sind Sätze wie die von Alexander Dobrindt, die aufhorchen lassen. Schüler sollen auf künftige Krisenfälle – also auch auf einen möglichen Kriegsfall – vorbereitet werden. Was auf den ersten Blick nach nüchterner Vorsorge klingt, weckt bei genauerem Hinsehen Erinnerungen, die man in diesem Land längst hinter sich glaubte. Deutschland ist ein Land, das zwei Systeme hinter sich hat, die Kinder und Jugendliche nicht als denkende Individuen sahen, sondern als formbare Masse für staatliche Zwecke.
Im Dritten Reich sollten Kinder und Jugendliche „wehrfähig“ werden – körperlich abgehärtet, ideologisch gestählt, bereit zum Opfer.
In der DDR hieß es dann „Wehrerziehung“. Auch dort wurde im Namen der Sicherheit indoktriniert, marschiert, exerziert – diesmal für den Frieden.
Beiden Systemen war gemeinsam, dass die Jugend zur Vorbereitung auf den Ernstfall herangezogen wurde. Der Ernstfall war nie das Leben – sondern der Staat.
Wenn Politiker heute wieder darüber sprechen, dass Schüler auf Krisen und Kriege vorbereitet werden sollen, ist das kein Zufall.
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/dobrindt-schueler-unterricht-katastrophenschutz-100.html
Es ist Ausdruck eines politischen Klimas, das Angst als Argument einsetzt. Nach Pandemie, Klima- und Energiekrise soll nun der Krieg zum pädagogischen Lehrstoff werden. Doch Angst erzieht nicht – sie deformiert. Sie ersetzt Nachdenken durch Gehorsam und Verantwortung durch

Natürlich ist Vorsorge wichtig. Es spricht wenig dagegen, dass Kinder lernen, in einer Notsituation Erste Hilfe zu leisten oder Zivilcourage zu zeigen. Aber die Wortwahl verrät, worum es wirklich geht. „Kriegsfall“ – das ist kein didaktischer Begriff, sondern ein politischer. Sobald Politiker beginnen, Schüler darauf „vorzubereiten“, geht es nicht um Bildung, sondern um Deutungshoheit und um Manipulation. Die Schüler werden instrumentalisiert. In dieser Entwicklungsphase sind sie sehr vulnerabel, besonders empfänglich für Manipulation und Indoktrination. Die Kinder und Jugendlichen werden dieses Thema gewiss in ihre Familien tragen und damit weiterverbreiten.
… Alles vom 27.10.2025 von Friedrich Pürner bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/dobrindt-schueler-krise-krieg-vorbereiten/
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(3) Unheilige Allianz zwischen Militär und Unterhaltungsindustrie
Der Cyberkrieg als Kinderspiel
Schon in ihrer Gründungszeit arbeitete die Traumfabrik Hollywood im Staatsauftrag, nachdem sich während des Ersten Weltkriegs eine Außenstelle des Washingtoner „Comitee for Public Information“ in den Studios etabliert hatte, um Filmproduktionen kriegspropagandistisch auszurichten. Für den auf „Spiele & Technik“ spezialisierten Journalisten Peter Kusenberg wurde damals jene unheilige Allianz zwischen Militär, Kriegs- und Unterhaltungsindustrie geschlossen, die sich bis ins digitale Zeitalter hinein „bewährt“ hat (Konkret, 11/2025). 2.500 Filme und Fernsehsendungen zum Thema Krieg hat das US-Verteidigungsministerium seit 1915 mitfinanziert, und seit den 1960ern, nachdem seine „Unterhaltungspolitiker“ die Bedeutung des Computers als Gestalter von Kultur und Gesellschaft erkannten, habe sich das Pentagon zudem als Entwickler und Hauptsponsor „kriegsaffiner digitaler Actionspiele“ betätigt. Ohne die Großzügigkeit staatlicher Militärforschung gäbe es das technische Fundament gar nicht, auf dem die kommerzielle Spiele-Industrie ruhe. Deren „Games“ seien daher inhaltlich eng mit Werten und Codes des Militärs verknüpft. Da die militärische Schulung mit Büchern dem Pentagon schon lange nicht mehr als zeitgemäß gilt, seien Videospiele heute das wichtigste Propaganda- und Rekrutierungsinstrument des „militärisch-industriellen-medialen Komplexes“. So bediene sich auch die Bundeswehr zunehmend solcher Mittel, um „technikaffine“ Jugendliche anzusprechen. Hierzulande besuchten Bundeswehrwerber mit iPad und TV-Beamer Schulen, um den Cyber-Krieg der Zukunft als Kinderspiel zu verkaufen. (ob) https://konkret-magazin.de
… Alles vom 31.10.2025 bitte lesen in der JF 45/25, Seite 13

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