Angstindustrie

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Ein schwarzer Storch beim Abflug im Rieselfeld bei Freiburg im August 2021

 

Norbert Bolz: Wir haben eine Angstindustrie
„Es ist das, was Medienwissenschaftler „compassion fatigue“ nennen: Man wird ständig zum Mitleid, zur Angst und zur Aufmerksamkeit aufgefordert. Aber da es permanent passiert, kann man dem gar nicht mehr mit der eigenen Aufmerksamkeit und Angstbereitschaft entsprechen – sodass man dann in realen Katastrophen quasi hilflos ist“, erklärt der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz im Gespräch in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift Tichys Einblick. …
Die Medienberichterstattung sei nur noch „großformatig unterwegs“, es gehe „immer nur um die Drohung, dass alles akut vor dem Untergang steht“. Das führe dazu, dass man „wir handfeste Probleme gar nicht mehr in den Griff kriegen“.
Das habe längst auch auf die Wissenschaft Auswirkungen. „Das, was Wissenschaft ausmacht, die Kontroverse, findet gar nicht statt“, bemängelt der Wissenschaftler. „Nichts, was die Wissenschaft diagnostisch leisten kann, erzwingt eine bestimmte Politik. Aber genau so wird es uns dargestellt. Viele Wissenschaftler treten als Akti­visten auf. Leider auch die Journalisten. Viele wollen gar nicht mehr objektiv berichten, sondern die Welt verbessern.“
Inzwischen gebe es „eine ganze Angstindustrie“, so Prof. Bolz. „Es gibt Leute in den Medien, die davon leben. Es gibt Politiker, die sehr gut davon leben, weil sie dann mit ihren Programmen als angebliche Lösung kommen können. Und es gibt natürlich eine konkrete Angstindustrie: All die, die auf erneuerbare Energien setzen, oder auf E-Mobilität. Die hohe Aufmerksamkeit für diese Industriefelder ist doch eine unmittelbare Folge der angeblich drohenden Apokalypse.“ Anders sei die hohe finanzielle Unterstützung und der „unglaubliche Aufwand“ für die Energie- und Verkehrswende nicht denkbar. Dabei spielten die Medien eine entscheidende Rolle, weil sie ihre eigentliche Rolle nicht mehr erfüllen. „Die Medien haben sich von der sogenannten „vierten Gewalt“ in eine Propagandainstitution verwandelt, zumindest die Öffentlich-Rechtlichen. Sie machen im Grunde nichts anderes mehr, als Regierungspolitik voranzutreiben“, kritisiert Bolz.
… Alls vom 11.9.2021 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/te-10-2021-interview-norbert-bolz/

Kommentare
German Angst, die täglich durch die Medien befeuert wird.
Wenn vor der eigenen Haustür nichts passiert ist, irgendwo auf dieser Erde lässt sich bestimmt ein Drama finden. Man muss sich anschauen, in welchem Abstand täglich Nachrichten präsentiert werden. Das Angstneurosen in diesem Land verbreitet sind, dürfte kein Geheimnis sein. Das dürfte mit ein Ergebnis der Angstindustrie sein. Aber nicht nur diese Angststörungen wirken, es überlagert sich noch mit der „Gutmenschen Mentalität“ und oft Neid auf die Menschen welche im Wettbewerb erfolgreich sind, selbst etwas geschaffen haben. Wer NICHTS wird, rettet dann oft die Welt. Nach meiner Meinung eine ganz ungute Mischung, es sind zum Glück nicht alle Menschen so. Letztendlich spielt die Verteilung in der Gesellschaft eine Rolle. Ich kann nicht einschätzen, wie die Verteilung in unserer Gesellschaft mittlerweile ist. Ein hohes Potential an Nichtwählern, sehr viele gute und andere Meinungen in den öffentlichen Kommentaren im ganzen Spektrum, stehen den politischen und medialen Aussagen des ÖR konträr gegenüber. Eins dürfte jedoch sicher sein, die realen Probleme werden nicht durch das fördern von Angst und Depressionen gelöst werden können.
11.9.021, Jac

Angstindustrie der Medien ist möglich, weil sie auf fruchtbaren Boden fällt
German Angst ist ein weltweiter Begriff. Wenn also die Leute abstumpfen, dann ist das eine positive Entwicklung.
Nicht nur die Medien profitieren von der German Angst. In besonderem Maße profitieren die NGOs.
Wir leben im Land der gekauften Wissenschaft, gekauften Medien, auch gekaufter Unternehmen und im Land der größten Scheinheiligkeit auf der ganzen Welt.
11.9.2021, Ell

Informationstechnologie begünstigt Hysterie
Ich denke, dass dieser ganze Kladderadatsch auf die Informationstechnologie zurückzuführen ist (Neil Postman hat in „Wir amüsieren uns zu Tode“ hier grundlegende Analysearbeit geleistet).
Die instantane, visuelle Darbietung von Informationen wirkt verheerend auf die Rationalität bei der Informationsverarbeitung und begünstigt Hysterie und Sich-für-alles-verantwortlich-Fühlen, denn alles, egal wo es geschieht, ist kontextlos sofort und vor allem VISUELL präsent. Bilder beschreiben aber keine Logik des Geschehens, keine Kausalitäten von Prozessen und keine Aussagen, die man prüfen und widerlegen könnte, sondern sie fressen sich auf direktem Weg ins Unbewusste und steuern damit emotionale Reaktionen (z.B. eben Angst, Empörung, spontane (unreflektierte) Zustimmung u.a.), die jeglichen Versuch einer rationalen Bewertung bei der Mehrzahl der Rezipienten aushebeln.
Diese Art und Weise des gesellschaftlichen Umgangs mit Informationen ist auch ein Treiber bei der Herausbildung der Postmoderne gewesen, die letztlich nur noch auf episodenhafte Eindrücke statt auf das korrekte Erkennen der Realität abzielt und daraus ihre Narrative ableitet, die weder korrekt in Bezug auf die Realität noch in sich konsistent sind. Das ist tödlich für jede Gesellschaft, und die Anzeichen des Niedergangs sind ja auch nicht mehr zu übersehen.
11.9.201, K.N.
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