Drewermann: Krieg oder Frieden

Wir leben „mit der Illusion des Friedens durch Rüstung“, sagt der Psychoanalytiker und Theologe Eugen Drewermann, der führende und wohl auch provokanteste Denker des Pazifismus und der Friedensbewegung in Deutschland. Im Zentrum sieht Drewermann die Angst – auf individueller oder nationaler Ebene.

So z.B. läßt die Angst der Regierung vor ihrem Machtverlust einen äußeren Feind als Kriegsgegner aufbauen und bei den Bürgern die Angst schüren vor einem solchen Krieg. Und Krieg erfordert Waffen und Nachrüstung: 100 Mrd Euro Kreditaufnahme zur Nachrüstung der Bundeswehr. Zudem in Zukunft 5% des BIP bzw. 220 Mrd Euro im Jahr für Militärausgaben.

Drewermann prangert an, daß Medien und Politik „die große Erzählung von Schuld und Opfer“ verkünden, damit die Bürger aus Angst der Aufrüstung bis hin zur Etablierung der Kriegswirtschaft zustimmen. „Wir müssen kriegstüchtig werden“ (Boris Pistorius), „Russland wird immer ein Feind für uns bleiben“ (Johann Wadephul).
Bundeskanzler Merz redet Krieg herbei: „Wir sind nicht mehr im Frieden“ (2).
Doch die Bürger sollten diese Angst bei sich nicht zulassen, sondern müssen sie kritisch hinterfragen.
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Erstaunlicherweise hegt Eugen Drewermann keinen Groll gegen Kardinal Ratzinger bzw. Papst Benedikt, obwohl dieser ihn mit dem Entzug der Lehrbefugnis und des Priesteramts praktisch exkommuniziert hat. Und dies nur aus dem Grunde, da Drewermann die Bibel nicht wörtlich auslegt, sondern ihre Aufgabe darin sieht, daß sie beim Lesen im Gehirn des Menschen Bilder erzeugt, die christliche Werte, Emotionen und Einstellungen versinnbildlichen, um diese dann zu verinnerlichen.
Groll und geradezu „heiligen Zorn“ hegt Eugen Drewermann gegen die christlichen Kirchen als Institutionen, die heutzutage der Politik andienend Krieg, Waffen und Töten geradezu lobpreisen: „Frieden schaffen durch Waffen“ stimmt doch nicht. Eugen Drewermann ist zwar bei der Friedensbewegung aktiv – zum Beispiel als Hauptredner alljährlich am US-Hauptquartier in Ramstein – , beklagt jedoch die geringe Resonanz ihrer Aktionen. Im Gegensatz zu den 1970-80er Jahren, als z.B. am 22.10.1983 über 200.000 Menschen an der Friedenskette Mutlangen demonstrierten gegen Pershing- und SS20-Raketen, protestiert derzeit kaum jemand gegen Patriots und Drohnen. Deshalb sein Pessimismus: „Die Friedenbewegung kann die heutige Entwicklung nicht aufhalten“.
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Was tun? Drewermann sieht drei Aspekte:
1) Weg von der Dämonisierung des Gegners und der Idealisierung der moralisch guten eigenen Seite. Weg vom Schwarz-weiss-Denken und hin zum kritischen Dialog und zur offenen Diskussion.
2) Friedenstüchtigkeit statt Kriegstüchtigkeit. Entwicklung und Durchsetzung einer Friedensethik.
3) Die Bürger können sich ihrer Ängste nur bewußt werden, wenn sie sich zu einer inneren Einkehr öffnen bzw. dazu bereit sind.
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Man kann sich das Interview des 85-jährigen Eugen Drewermann mit Flavio von Witzleben in Anlage (1) unten nicht oft genug anhören. „Krieg führt niemals zum Frieden“.
30.9.2025
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Ende von Beitrag „Eugen Drewermann: Krieg oder Frieden“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Die Psychologie des Krieges & die Sehnsucht nach Frieden // Theologe Dr. Eugen Drewermann
„Die Menschheit steht am Scheidepunkt: Krieg oder Frieden!“
„Wir sollen das Böse nicht bekämpfen, wir sollen fähig werden, es zu ‚überlieben'“
„Die Friedenbewegung kann die heutige Entwicklung nicht aufhalten“
„Angst vor Krieg ist der Grund für Kriegsführung“
„Für Frieden zu sein ist heute fast sozialer Selbstmord“
„Das Böse überlieben – das gehört in den Duden“

28.9.2025, 1:52
https://www.youtube.com/watch?v=bn2Zl6OqPM0&t=2s
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Eugen Drewermann; Theologe, Psychoanalytiker und Autor, gilt als einer der provokantesten Denker unserer Zeit. Im Interview spricht er über seinen Weg vom Priester zur tiefenpsychologischen Exegese, seinen Austritt aus der Kirche 2005 und die Frage, wie wir heute mit Schuld, Verzweiflung und menschlichem Bösen umgehen können.
Er erklärt, warum die Begegnung mit dem Inneren der Seele der Schlüssel zu Gott ist, wie Sünde existenziell zu verstehen ist und welche Bedeutung die therapeutische Beziehung für Kirche und Gesellschaft hat. Außerdem äußert er sich zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen, dem “Kampf gegen Rechts“ und dem Wert von Frieden und Menschlichkeit.
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(2) Merz: „Wir sind nicht mehr im Frieden“
Regierung kompensiert innenpolitisches Scheitern durch außenpolitischen Krieg
Inter pacem et bellum nihil medium, postulierte Cicero. Dieser Grundsatz wird heute von interessierter Seite mit Verweis auf asymmetrische Kriege (sic!), nichtstaatliche Kombattanten, humanitäre Interventionen und „preemptive actions” als altmodisch oder naiv belächelt. Er stimmt trotzdem.

– Ntv: „Bundeskanzler über Kriegsgefahr: „Wir sind nicht mehr im Frieden““
– Pistorius stellt klar: „Sind nicht mehr im kompletten Frieden“
– Deutsches Ärzteblatt: „Berliner Krankenhäuser bereiten sich auf Kriegsfall vor“
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Von Schlafwandeln kann keine Rede mehr sein. Nachdem Merkel mit dem Atomausstieg und der Massenmigration die Axt an die vaterländische Wurzel legte, will Merz offenbar mit der Lösung der Schuldenbremse und dem Kriegseintritt gleichziehen. (Der Vater des Kanzlers diente übrigens im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront und war in russischer Kriegsgefangenschaft – ich habe keine Ahnung, was ich mit dieser Bemerkung sagen will.) Keiner der beiden Kanzler hat je eine konkludente Begründung seines politischen Handelns im Sinne nationaler Interessen geliefert, weil dieser Bezugsrahmen für sie so wenig existiert wie für den Kanzlerdarsteller zwischen ihnen die persönliche Erinnerung.

Es ist zudem eine historisch vielfach bestätigte Tatsache, dass Regierungen ihr innenpolitisches Scheitern durch einen außenpolitischen Konflikt zu kompensieren versuchen, mit welchem sie die Bevölkerung vor die Alternative stellen, sich entweder hinter der Führung zu versammeln oder zum inneren Feind erklärt zu werden. Das würde Macrons und Starmers bellizistisches Engagement erklären.
… Alles vom 30.9.2025 bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2025/09/30-september-2025/

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