Moralismus

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Regenbogen im Glottertal bei Freiburg im Mai 2021

 

  • Moralisieren – Argumentieren (29.5.2021)
  • Moralisierung von unten 1960 und von oben 2021 (26.5.2021)
  • Der politische Moralismus in der Klima- und Energiepolitik (7.5.2021)
  • Moralische Überlegenheit: Die Abgründe des Sich-Gut-Fühlens (29.4.2021)

 

Moralisierung von unten 1960 und von oben 2021
„Neu ist die Moralisierung der Diskurse nicht. Aber im Unterschied zu den 1960er Jahren ist diese akademische Hypermoral ein Anliegen der Etablierten. Es ist weitverbreitet bei den formal gebildeten Schichten und insbesondere den öffentlich-rechtlichen Medien. Belehrt werden sollen die Unwissenden, die Ignoranten und Nonkonformisten. Es ist ein Belehrungsprogramm von oben.“
Wolfgang Merkel, Professor für Vergleichende Politikwissenschaft und Demokratieforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin,
im „Freitag“ vom 26. Mai 2021

 

Der politische Moralismus in der Klima- und Energiepolitik
Hauptsache, gut gemeint?
von Fritz Söllner
Hermann Lübbe, der lange Jahre in Zürich Philosophie gelehrt hat, hat schon 1984 vor einer zunehmenden „Neigung, auf die Herausforderungen von Gegenwarts­problemen moralisierend zu reagieren“, gewarnt. Diese Warnung ist heute aktueller denn je. Denn der gesellschaftliche Diskurs wird in vielen Politikbereichen von einem politischen Moralismus geprägt, der eine unvoreingenommene, kritische und sachlich geführte Diskussion behindert beziehungsweise unmöglich macht. Dies wird ganz besonders in der Klima- und Energiepolitik sichtbar. Erst vergangene Woche hat sich gezeigt, daß nicht nur von seiten der Politik und der „Aktivisten“ moralisch argumentiert wird, sondern auch von seiten der Justiz. Der am 29. April veröffentlichte Beschluß des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz ist ein Paradebeispiel für den politischen Moralismus – mißachtet er doch sowohl naturwissenschaftliche Grenzen als auch ökonomische Sachzwänge zugunsten einer Verabsolutierung und moralischen Überhöhung des Ziels der Klimaneutralität.

Als Ursache für die Klimakrise wird in der öffentlichen Diskussion häufig die niedrige Gesinnung vieler Menschen genannt. Das Klima werde destabilisiert, weil böswillige und rücksichtslose Menschen das Klima absichtlich gefährden, um ihre egoistischen Ziele zu verfolgen. Die Aussage, daß der Klimawandel „menschengemacht“ sei, und die zumindest zum Teil auch zutrifft, wird weitergehend interpretiert und in dem Sinn gebraucht, daß der Klimawandel das Produkt absichtlichen Handelns sei.

Negative Zivilisationsfolgen, wie etwa die Gefährdung des Klimas, haben jedoch in der heutigen Welt „überwiegend die handlungstheoretische Charakteristik von Nebenfolgen“. Damit ist nicht gemeint, daß es sich um unwichtige oder vernachlässigbare Phänomene handelt, sondern daß dieselben nicht bewußt herbeigeführt wurden; vielmehr treten sie typischerweise als unbeabsichtigte Konsequenz der Verfolgung anderer, häufig allgemein akzeptierter Ziele auf. Die Chinesen bauen keine Kohlekraftwerke, um den Gehalt der Atmosphäre an Treibhausgasen zu erhöhen, sondern um ihre Wirtschaft verläßlich und günstig mit Energie zu versorgen.

Sowohl im Sinn des gesellschaftlichen Friedens als auch der Erarbeitung von Lösungen zur Bewältigung der „Nebenfolgen“ ist es wenig zielführend, mit moralischen Anklagen und mit Schuldzuweisungen zu arbeiten. Statt dessen ist es notwendig, die Komplexität der modernen, arbeitsteiligen und ausdifferenzierten Gesellschaft und die vielfältigen Interdependenzen zwischen dieser und ihrer natürlichen Umwelt anzuerkennen.

Wenn man die Ursache der Klimakrise in einer „klimaschädlichen“ Gesinnung sieht, dann ist es mehr als naheliegend, die moralische Integrität und den guten Willen der so Gesinnten zu bezweifeln. Deshalb verdienen es deren Ansichten und Argumente nicht, angehört und diskutiert zu werden, sondern diese müssen unterdrückt und unschädlich gemacht werden. Es ist daher gängige Praxis, daß kritische Stimmen zur Energie- und Klimapolitik mit Vorwürfen zum Schweigen gebracht werden sollen, die von „Klimaleugner“ bis hin zu „Klimaverbrecher“ reichen. Nicht die argumentative Entgegnung in der klimapolitischen Diskussion wird beabsichtigt, sondern die Diskreditierung und moralische Entwertung der Andersdenkenden. Auf diese Weise wird mittels Emotionalisierung, Moralisierung und „Personalisierung“ der öffentlichen Debatte eine vernünftige und sachliche Diskussion unmöglich gemacht.

Zu einem wesentlichen Teil mitverantwortlich für die Art und Weise, wie in Deutschland über die Energie- und Klimapolitik diskutiert wird, ist die Berichterstattung in den Medien. Denn diese beschäftigt sich häufig weniger mit der Aufarbeitung und Darstellung des komplexen Sachzusammenhangs und aktueller Forschungsergebnisse, sondern konzentriert sich vor allem auf die Skandalisierung der Folgen der Erderwärmung und auf die emotionale beziehungsweise emphatische Darstellung von Einzelschicksalen. Die Klimadebatte in Deutschland ist daher weniger geprägt von fundiert recherchierten Fakten und ausgewogener Berichterstattung als vielmehr von der politisch-wohlmeinenden Gesinnung der Journalisten und der Moralisierung der Berichterstattung.
Der Klimaschutz wird heutzutage zur alles entscheidenden „Überlebensfrage der Menschheit“ stilisiert und von vielen als das höchste, wichtigste und dringlichste gesellschaftliche Ziel betrachtet. Kompromisse mit anderen gesellschaftlichen Zielen müssen und dürfen bei einer Verabsolutierung des Klimazieles nicht gemacht werden.

Und natürlich sind alle Mittel und Instrumente recht und billig, um dieses Ziel zu erreichen – seien es auch Verstöße gegen bestehendes Recht und Gesetz. Das Bewußtsein für die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit ist nicht nur bei den Klimaaktivisten schwach ausgeprägt, sondern auch – erschreckenderweise – in der Politik.
So hat es Bundeskanzlerin Merkel bei dem überhasteten Atomausstieg mit Recht und Gesetz nicht so ganz ernst genommen. Aber dies scheint nur ein Symptom einer zunehmend nonchalanten Einstellung vieler Politiker zum Prinzip der Rechtsstaatlichkeit zu sein. So hat sich etwa Merkel 2018 dahingehend geäußert, daß die Bundesregierung Recht und Gesetz, „wo immer das notwendig ist“ (!), einhalten wolle (Merkel auf der Sommerpressekonferenz am 20. Juli 2018) – eine Äußerung, die Bände spricht.
Es ist alarmierend, daß der Bruch grund- und einfachgesetzlicher Rechtspositionen durch die Regierung und die Geringschätzung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit durch die Kanzlerin nur wenig Beachtung in der Öffentlichkeit hervorgerufen haben. Im Gegenteil: Es hat der Beliebtheit von Merkel und ihrer Politik in weiten Teilen der Bevölkerung kaum geschadet. Das klimapolitische Ziel moralisch stets vor Augen, scheint es, daß sich die politischen Vertreter nicht um die Beachtung des Rechtsstaates kümmern müssen, sondern dieser – fast schon als lästig anzusehenden – Pflicht entrückt sind.

Wenn die Klimakrise auf die Unmoral von großen Teilen der Bevölkerung zurückgeführt wird, dann muß man natürlich versuchen, eine „gute“ Gesinnung zu bewirken. Man hört deshalb oft eindringliche Appelle, „zur Vernunft zu kommen“ und „umzukehren“. Allein, diese Appelle fruchten sehr wenig – was aus ökonomischer Sicht auch gar nicht anders zu erwarten ist.

Wenn die Menschen aber nicht freiwillig ihr Verhalten ändern, dann muß man sie eben mit Geboten und Verboten dazu zwingen – ein Ansatz, den man nicht nur in der Klimapolitik, sondern aktuell vor allem in der Coronapolitik mit ihren Ausgangsverboten, Testpflichten und Maskenzwängen beobachten kann. Da die Gutgesinnten und moralisch Hochstehenden sich natürlich auch gut und moralisch verhalten, stellt deren Verhalten den Maßstab dafür dar, was gutes und richtiges Verhalten ist – vollkommen unabhängig davon, welche Konsequenzen tatsächlich damit verbunden sind.

Denn vom Standpunkt des politischen Moralismus überträgt sich die Qualität des Handelnden zwangsläufig auf die Qualität der Handlungen. Gutgesinnte handeln immer gut, und Schlechtgesinnte handeln immer schlecht. Gutgesinnte fahren Rad oder Elektroauto, verwenden Energiesparleuchten, leben vegetarisch oder vegan und installieren Photovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Häuser.

Allen anderen, die dies nicht freiwillig und aus besserer Einsicht tun, müssen zu einem solchen Verhalten auf die eine oder andere Weise gezwungen werden: Autos mit Verbrennungsmotor werden einerseits durch die massive Subventionierung der Elektromobilität, andererseits durch immer restriktivere Emissionsvorgaben und sogar Fahrverbote „ausgebremst“; Glühlampen werden verboten; es gibt Vorschläge, den Fleischkonsum durch Sondersteuern zu reduzieren; Photovoltaikanlagen werden nicht nur stark subventioniert, sondern in Kürze den Bauherren sogar vorgeschrieben. Für eine nüchterne und sachliche Abwägung von Handlungsalternativen bleibt dabei kein Raum. Kohle- und Kernenergie haben nicht jeweils Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt, sondern sind Teufelswerk und müssen baldmöglichst abgeschafft werden.

Photovoltaikanlagen und Windräder dürfen hinsichtlich ihrer Kosten und Nutzen nicht mit anderen Arten der Energieerzeugung verglichen werden, sondern stellen den energie- und klimapolitischen Heilsweg dar, an dem kein Zweifel erlaubt ist. Allerdings erweisen sich viele energie- und klimapolitische Vorhaben als reines Wunschdenken und als Illusion, wenn sie mit den harten Tatsachen der ökonomischen und naturwissenschaftlichen Realität konfrontiert werden.

Denn diese Klima- und Energiepolitik ist mit hohen gesellschaftlichen Kosten und Ineffizienzen verbunden – die man vermeiden könnte durch eine sinnvolle Gestaltung des ordnungsrechtlichen Rahmens und die Setzung geeigneter ökonomischer Anreize. Aber eine solche indirekte Politik über Anreize – wie sie insbesondere eine allgemeine CO2-Steuer darstellen würde – kommt für politische Moralisten nicht in Frage.

Erstens würde eine Anreizpolitik ihrem dualistischen Gut-Böse-Weltbild widersprechen, da ja zum Beispiel eine allgemeine CO2-Steuer grundsätzlich alle Menschen betreffen und insofern kein Unterschied gemacht werden würde zwischen den „Guten“ und den „Bösen“. Zweitens wären dann „unmoralische“ Handlungen weiterhin prinzipiell erlaubt: Man könnte weiterhin PS-starke Autos mit Verbrennungsmotor fahren und könnte weiterhin sein Eigenheim mit Öl beheizen.
Diese sündhaften Aktivitäten wären nicht verboten, sondern würden „nur“ verteuert werden. Ja, mehr noch, es bestünde sogar die Gefahr, daß sich „gute“ Technologien, wie zum Beispiel die Elektromobilität oder die Photovoltaik, nicht durchsetzen, sondern sich als das erweisen würden, was sie sind: wirtschafts-, energie- und klimapolitische Irrwege.
Das Klimaproblem stellt sich aus ökonomischer Sicht wie folgt dar: Die Emission von Treibhausgasen, unter denen CO2 die größte Rolle spielt, erhöht die Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre und trägt so zur Destabilisierung des Klimas bei. Da die damit einhergehenden Kosten nicht von den Emittenten getragen werden, haben diese keinen Anreiz zur Emissionsvermeidung. Eine rationale Klimapolitik kann folglich nur darin bestehen, einen Preis für die Treibhausgasemissionen einzuführen – entweder durch eine Emissionssteuer oder ein Emissionsrechtehandelssystem.

Ein solcher Preis würde dazu führen, daß Prozesse und Güter im Verhältnis ihrer Emissionsintensität verteuert werden und deshalb versucht werden würde, neue, klimafreundlichere und damit kostengünstigere Technologien einzuführen. Der Preis würde einen Anreiz für Unternehmer und Konsumenten schaffen, nach den günstigsten Vermeidungsmöglichkeiten zu suchen. Da das Klimaproblem ein globales Umweltproblem ist, muß dieser Preis weltweit einheitlich sein. Nur so können die Emissionen effektiv und effizient reduziert werden.

Klimapolitisch sinnlos ist dagegen, wenn sich einzelne Länder Emissionsreduktionsziele setzen. Angesichts ihrer relativ geringen Anteile an den weltweiten Emissionen von Treibhausgasen – 2017 hatte die EU einen Anteil von 9,2 Prozent, Deutschland von 1,9 Prozent – können die EU oder gar Deutschland allein unmöglich für eine spürbare Reduktion der Gesamtemissionen und damit für eine Stabilisierung des Weltklimas sorgen.
Solange es keine international koordinierte Klimapolitik gibt – und das Pariser Klimaschutzabkommen stellt keine solche dar! –, sollten deshalb knappe Ressourcen in die Adaption an den Klimawandel investiert werden (zum Beispiel in die Verstärkung der Nordseedeiche oder den Waldumbau), anstatt diese für wirkungslose Reduktionsanstrengungen zu verschwenden. Die Klimapolitik in Deutschland und Europa ist nicht nur ineffektiv, weil sie so gut wie keine Auswirkungen auf das Klima hat; sie ist auch ineffizient, weil sie höhere volkswirtschaftliche Kosten als nötig verursacht. Mit anderen Worten: Die Emissionsreduktion ist nicht nur wirkungslos, sie ist auch teurer als notwendig.

Besonders die deutsche Klimapolitik zeichnet sich durch enorme Ineffizienzen aus. Dies gilt vor allem für das im Jahr 2000 eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz, das den Ausbau erneuerbarer Energien bei der Stromerzeugung fördert. Innerhalb des übergreifenden EU-Emissionshandelssystems führt es jedoch nicht zur Verringerung der Treibhausgasemissionen, sondern nur zu einer Verlagerung in andere Länder. Der Kohleausstiegsbeschluß, die massive Förderung der Elektromobilität und das „Klimapaket 2030“ setzen den Irrweg der deutschen Klimapolitik fort. In eine ähnliche Richtung scheint auch der „Green Deal“ der EU zu gehen; auch bei ihm geht es mehr um die gute Absicht als um eine rationale Politik.
Ursächlich für diese Misere ist nicht etwa mangelndes Wissen um eine bessere Klimapolitik, sondern die bewußte Verweigerung einer rationalen Analyse des Klimaproblems und seiner möglichen Lösungen zugunsten einer emotionalen und gesinnungsbasierten Politik – ursächlich ist der politische Moralismus.

… Alles vom 7.5.2021 von Fritz Söllner bitte lesen in der JF 19/21, Seite 18
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Prof. Dr. Fritz Söllner, Jahrgang 1963, ist Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre an der TU Ilmenau. Zuvor lehrte er an der Universität Bayreuth und war John F. Kennedy-Fellow in Harvard. Seine Schwerpunkte sind Migrations-, Klima- und Energiepolitik. Auf dem Forum schrieb er zuletzt über die Migrationspolitik des Großen Kurfürsten gegenüber den Hugenotten („Die besten Deutschen“, JF 2/21).

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Moralische Überlegenheit: Die Abgründe des Sich-Gut-Fühlens
Es gibt einen Wunsch, den wir alle hegen – ob Arzt oder Obdachloser, Politiker oder Heroinsüchtiger, Polizist oder Dieb. Dieser Wunsch ist: Wir möchten uns gut fühlen. …
Werfen wir dafür einen Blick in unterschiedliche Wissenschaften:
– Psychologen nennen es positive Verstärkung beziehungsweise negative Bestrafung – wir handeln grundsätzlich so, dass wir innerlich belohnt werden beziehungsweise keine schlechten Gefühle aufkommen.
– Ökonomen sprechen von Präferenzen – wir entscheiden uns für das, was uns den größten Nutzen verspricht.
– Biologen setzen auf die Evolution – bei der das Ausleben der menschlichen Instinkte uns besser fühlen lässt.
– Für Soziologen ist es unter anderem die Angst vor gesellschaftlicher Sanktionierung – Menschen verhalten sich konform, damit sie nicht von ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Wir vermeiden also negative Konsequenzen und entgehen so negativen Gefühlen.
Das Gutfühlen spielt in jeder dieser Wissenschaften eine übergeordnete Rolle, wenn nicht gar die entscheidende Rolle, um die entsprechenden Phänomene erklären zu können. Und wie so vieles hat Gutfühlen auch seine Schattenseiten, besonders dann, wenn wir die moralische Dimension unseres Handeln betrachten.
….
Unser Streben, uns gut zu fühlen, erklärt also auch, warum wir uns tugendhaft verhalten. Diese Erkenntnis wirft ein interessantes Licht auf Menschen, die das moralische Leben zu einem übersteigertem Ideal erheben. Für jene ist der ökologische und soziale Lifestyle ein Muss für jeden Menschen. Dabei reichen banale Sachen wie Fahrradfahren oder Veganismus nicht mehr aus, nein, die soziale Revolution muss weitergehen (hier nur ein paar Beispiele):
– Du solltest zu jeder weiblichen beruflich Brot-backenden Person Bäckerin oder lieber Bäcker*in sagen.
– Du solltest dich aktiv gegen jede Form von Rassismus einsetzen. (Dabei bestimmen die Diskriminierten selbst, was Rassismus ist und was nicht. Der intellektuelle Wortführer der Black-Lives-Matter-Bewegung, Ibram X. Kendi, meint beispielsweise: Die einfache Behauptung, kein Rassist zu sein, reicht nicht aus. Jeder sollte ein Anti-Rassist sein – sonst bist du ein Rassist. Ein Anti-Rassist ist nur, wer Gesetze fordert, die die sozioökonomische Gleichheit zwischen Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe beziehungsweise Ethnien herstellen, während „Rassismus“ aus jeder Maßnahme oder Idee besteht, die zu rassischer Ungleichheit führt. Um die Absurdität dieses Verständnisses vor Augen zu führen: Erst wenn genau so viele Weiße wie Afroamerikaner an Covid sterben, dann ist der Rassismus überwunden.
– Du solltest die Corona-Maßnahmen einhalten und diese auch für richtig befinden, auch wenn mehr Menschen infolge der Maßnahmen durch verschobene Operationen, Suizide und so weiter sterben als durch Covid selbst.
– Du solltest den Klimawandel als großes Problem anerkennen und dich in Form von Klimaaktivismus auch dagegen einsetzen. (Auch wenn beispielsweise der Nobelpreisträger William Nordhaus vom 1,5-Grad-Ziel abrät und Umweltökonomenen wie Bjørn Lomborg die Dringlichkeit des Klimawandels hinterfragen – sie sagen nicht, dass es den Klimawandel nicht gibt!) ….
Was einigen Moralisten vielleicht sauer aufstoßen mag: Es ist egoistisch, für eine moralisch wichtige Sache einzustehen, weil es einen sich selbst gut fühlen lässt.
….
Die neuen Moralisten sind ein wenig wie Abhängige. Sie bemerken die Lücken und Widersprüche in ihren Überzeugungen nicht. Und zwar deshalb nicht, weil sie sie verdrängen wollen, da sie den Kick des Gutfühlens brauchen. Hinterfragt man ihre guten Taten, droht der Kick zu verschwinden – und damit das Lebenselixier der Moralisten. Daher verstehen sie Kritik gleich als Angriff auf die eigene Person und reagieren empört. Es ist ein wenig so, als ob man einem Süchtigen seine Droge wegnimmt.
… Alles vom 29.4.2021 von Vincent Czyrnik bitte lesen auf
https://www.derfreydenker.de/2021/04/29/moralische-uberlegenheit/
bzw. vom 6.5.2021 auf
https://www.achgut.com/artikel/Die_Abgruende_des_sich_gut_fuehlens/

Vincent Czyrnik (24) ist Wirtschaftsethik-Student aus Leipzig und Autor für den studentischen, liberalen Blog Der Freydenker.
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Einige Kommentare:
Auf Kosten der Arbeitenden ihre Seelen waschen
Diese Art der Linksmoral ist für mich widerlich und nazigleich abgehoben. Denn es wollen jene, denen es an nichts fehlt und denen ihre Seilschaften zu einem bequemen Arbeitsplatz und einer Wohnung im Grüngürtel verholfen haben auf Kosten der Arbeitenden ihre Seelen waschen. Quasi: “ich tue Gutes auf Kosten der Lebensqualität Anderer, während ich mich selbst im bequemen Luxusleben sule”
6.5.2021, E.Eb.

Und die Masche funktioniert, wie der Erfolg der Grünen beweist.
Eine Partei ohne klare Linie, aber voller “guter Gefühle”. Für das Klima, für Flora und Fauna, für die Bienenvölker, für unbegrenzte Zuwanderung, für Political Correctness, für BLM, für LBGT, für strikten Veganismus, für, für, für… Schlichtweg: Friede, Freude, Eierkuchen – herrlich. Wer grün wählt, darf sich als der bessere Mensch fühlen. Auch wenn er den billigen Atomstrom abonniert hat, SUV fährt und mehrmalige Flugreisen an ferne Ziele jährlich bucht. Die Wählerstimme als die moderne Ausprägung des mittelalterlichen Ablasshandels. Wahlkabine statt Beichtstuhl. Und so günstig, gar (vermeintlich) gratis. Nur, wenn jemand dieses wunderbare Selbstverständnis des modernen Herrenmenschen (m/w/n) nicht teilen mag, dann trifft ihn die volle Härte sämtlicher moralischer Keulen. Soweit geht die Menschenliebe eben nicht, dass der grüne Herrenmensch auch Andersdenkende tolerieren mag.
6.5.2021, R.M.

Das ist mir zu einfach:
die jungen Leute haben durchaus Grund, sich über ihre Zukunft Gedanken und Sorgen zu machen. Ob sie sich dabei “gut” fühlen wage ich zu bezweifeln. Was ihnen noch klar gemacht werden muss: Nicht das Klima ist Grund zur Besorgnis, sondern der rasch wachsende Zustrom einschlägiger Invasoren. DAS wird sie Kopf und Kragen kosten, nicht bisschen wärmer oder kälter. Insofern ist das politische Klima durchaus zu heiß … .
6.5.2021, G.G.

… auf anderer Leute Rechnung kämpfen
Sich gut fühlen zu wollen und dabei möglichst andere zwingt, dafür einstehen zu müssen. Der Trieb der Sozial-Politiker, der nichts mit Selbstlosigkeit zu tun hat. Der Trieb des Sozialisten, der allermeisten NGOs, die aufopfernd auf anderer Leute Rechnung kämpfen. Hat wenig mit Linderung für unverschuldete Not zu tun, eher mit fiktiven Vorstellungen von irgendeinem Ausgleich. Wer wirklich sozial fühlt, für andere einstehen will, der engagiert sich selber, dies meistens auch noch lautlos.
6.5.2021, E.E., AO

Der Blutsäufer der französischen Revolution Robbespierre
gehörte politisch zu den “Tugendhaften” und seine Terrormaschine war der “Wohlfahrtsausschuss”. Tugendterror ist nichts Neues und gerne LINKS. Framing auhc nicht. Was mir bei den Tugendhaften in meinem Umfeld immer aufstößt, dieses “Zeichen setzen”, so lange es nichts kostet. Das Herz schlägt links, aber das Portemonnaie sitzt rechts. 😉
6.5.2021, V.K.

… in Agonie verfallene Bevölkerungsmehrheit
Und es wird immer schlimmer, die Einschläge der vereinigten Gutmenschenpropaganda nehmen täglich zu, meine Lokalzeitung erhöht die Schlagzahl der “Klimafakten”-Beiträge von Woche zu Woche, selbstverständlich wird die #Allesdichtmachen-Aktion als amoralisch verurteilt. Die CDU in BW will die Grünen in der Klimakurve überholen, die Selbstentmannung (darf man/frau das noch sagen) einer einstmals vernünftigen Partei nimmt bedrohliche Formen an.
Und das Allerschlimmste, was mich gerade verzweifeln läßt, ist die in Agonie verfallene Bevölkerungsmehrheit, die sich wie Zombies durchs Leben bewegen, unfähig oder nicht willens, diese Bedrohung der westlichen, aufgeklärten, demokratisch bestimmten Lebensweise wahrzunehmen und sich dagegen zu stemmen. Leichtes Spiel für totalitäre grünlinke Parteien, ihre unselige Agenda durchzupeitschen (Peitschen=fasces->Faschisten)
6.5.2021, W.G.

DER GUTMENSCH
– Der gute Mensch in seinem Dünkel, denkt er wär ein feiner Pinkel. Denkt, dass er der Größte sei, die andern sind ihm einerlei.
– Sein Gutsein ist ihm mehr als wichtig, Interessen andrer sind ihm nichtig. Fühlt sich als ganz besond’rer Held, bezahlt’s ja nicht mit seinem Geld.
– Was Merkels Linke ihm vorbeten, meint er, das müsse man vertreten. Sogar die Zukunft seiner Kinder, interessiert ihn deutlich minder.
– Ob Klima, Nazis, weg mit der Kohle, fällt herein auf jede Parole. Wenn Kriminelle das Land beglücken, findet er das zum Entzücken.
– Für Fremde ist er immer offen, solange er nicht selbst betroffen. Glaubt man ihm nicht, wird er zum Schwein, hasst jeden Fleck am Heil’genschein.
– Wenn letztlich platzt die Eiterbeule, hören wird man sein Geheule. Ist seine Welt für ihn verflogen, merkt er, er hat sich selbst betrogen.
6.5.2021, R.L.

Gutes tun, um Böses zu verdecken?
Dass sich Schwab, Gates, Soros (und diverse andere sowie andere Diverse) für durch und durch gute Menschen halten und dadurch regelmäßig ihr (Helper’s) High erleben, halte ich für sehr wahrscheinlich. Dass sie in Wahrheit durch und durch böse, menschenfeindliche, intrigante, selbstsüchtige und profitgierige Menschendarsteller sind, wissen sie jedoch im tiefsten Inneren ebenfalls. Und deshalb müssen sie ständig noch mehr „Gutes“ tun, um vor dem unbestechlichen Richter in ihnen selbst (ich nenne ihn Gott) gut dazustehn.
6.5.2021, I.G.

Das schlimmste an den Moralisten ist ihre Doppelmoral!
Ergänzendes Beispiel Naturschutz: Wir leben in einem Biosphärenreservat plus FFH-Gebiet plus EU-Vogelschutzgebiet. Die Verbotszonen fangen gleich hinterm Hausgrundstück an. Mit Verbotsschildern und allem drum und dran. Wir sind in unseren seit Generationen bestehenden Freiheiten total eingeschränkt. Alte Wege und Trampelpfade sind noch da. Kommen auswärtige Besucher und fragen: “Kann man da hingehen? Wir wollen gern an den Fluß.” Antwort: “Ist Schutzgebiet, Betreten verboten und Sie sind doch sicher für Naturschutz und so?” Besucher: “Ja, sehr. Natur muß geschützt werden. Ist uns sehr wichtig. Wir haben auch dafür eingesetzt, aber wir machen doch nichts kaputt!” Und sie gehen…
6.5.2021, G.H.

… die nur quatschen, sich aber nicht die Hände dreckig machen wollen
Ich sehe das differenzierter. Jemand der ehrenamtlich bei der freiwilligen Feuerwehr ist oder sich ehrenamtlich um Menschen in einem Hospiz kümmert oder kleine Jungs nur für eine Aufwandsentschädigung im Fußball trainiert tut etwas sehr Gutes. Warum sollte so ein Mensch nicht eine innere Zufriedenheit verspüren?
Was Sie (mit „Moralisten“) meinen, sind die “Ultra-Guten”. Die, die nur quatschen, sich aber nicht die Hände dreckig machen wollen.
6.5.2021, S.B.

Moralismus als Kommunaler Narzissmus
Was in einem Menschen ein Wohlgefühl auslöst, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Was hier als “Moralismus” bezeichnet wird, bezeichnet man auch als eine Variante des Narzissmus, die des Kommunalen Narzissmus. Und Narzisstisches Verhalten ist ein Verhalten, das immer persönlich und gesellschaftlich schädlich ist, auch wenn es bei Narzissten erst einmal wie eine Droge Schmerz betäubt.
Daß Greta sich zum Beispiel als Weltretterin fühlt, muß eine enorm psychotrope Wirkung mit einem hohen Suchtfaktor auf ihr jugendliches Gehirn haben. Eine der zentralen Verhaltensweisen von Narzissten ist die selbstverständliche Inanspruchnahme der Ressourcen anderer für ihre eigenen Ziele. Und es gibt im Gegensatz dazu andere Menschen, die eine so hohe Wertschätzung für Wahrhaftigkeit und ein so hohes Gespür für Authentizität haben, daß bei ihnen Moralismus und Kommunaler Narzissmus als Droge wirkungslos bleiben, und wenn sie Narzissten begegnen, dies sehr schlechte Gefühle von Rücksichtslosigkeit, Manipulation und fehlender Authentizität auslöst.
6.5.2021, D.K.

Houellebecq wird von den Moralisten schwer verteufelt
Michel Houellebecq befreite sich aus den Fängen von Alt68-Eltern und sagt heute, was ist. Er wird von den Moralisten schwer verteufelt, die leider heute in grenzenloser Selbstüberschätzung diesem Ideal entsprechen: „In der Abenddämmerung der Sozialdemokratie hat dagegen Rousseau noch einmal gesiegt. Sie haben nicht die Produktionsmittel, sondern die Therapie verstaatlicht. Dass der Mensch von Natur aus gut sei, diese merkwürdige Idee hat in der Sozialarbeit ihr letztes Reservat. Pastorale Motive gehen dabei eine seltsame Mischung ein mit angejahrten Milieu- und Sozialisationstheorien und mit einer entkernten Version der Psychoanalyse. Solche Vormünder nehmen in ihrer grenzenlosen Gutmütigkeit den Verirrten jede Verantwortung für ihr Handeln ab.“ („Aussichten auf den Bürgerkrieg“, 1994, S. 37)
Sie stehen damit in perfekter Umarmung mit dem Islam, der eine umfassende Erziehungstherapie sein eigen nennt, mit erlaubter Vernichtung des Ungläubigen und Ausgrenzung von Unwürdigen. Die läuterungslinken Wiedergutmacher aus dem Oberkommando Weltmoral schießen scharf, gerne auch mit transglobalen NGOs, sie sind das eigentliche Problem unserer Zeit, Gott sei Dank in muffelnder Selbstauflösung begriffen. Ihr Hofvielosoph darf das verkünden:
„Wenn sich Menschen in Deutschland schon gegen Abstandsregeln und ein Stückchen Stoff im Gesicht wütend empören, wie werden sie erst dann reagieren, wenn der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe den Bürgern massivere Einschränkungen und Verhaltensänderungen abnötigt?“
6.5.2021, F.H.

Bei der Antifa ist dieses Phänomen des sich gut fühlen wollen
besonders extrem ausgeprägt. Für die ist jeder ein Nazi, den sie dafür halten, und mit Nazis reden sie nicht, sondern Nazis schlägt man zusammen. Weitere extreme Beispiele für diese süchtigen Gutfühler sind Janina Kuhnke oder Timon Dzienus. Sie hassen alle, die nicht ihrer Meinung sind. Und natürlich sind sie selbst die Guten. Auch die Debatte um Hans-Georg Maaßen haut in die selbe Kerbe. Jeder, der gegen Maaßen ist, ist automatisch gut.
6,5,221, P.W.
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