Promoting European Greatness

Die am 28.11.2025 von den USA veröffentlichte 33-seitige „National Security Strategy“ (NSS) wird von EU-Kommission und Merz/Klingbeil-Regierung durchweg abgelehnt. Kann man tun. Leider sind die Begründungen hierzu jedoch zumeist dürftig. Der folgende Beitrag liefert in fünf Punkten anhand von NSS-Zitaten Argumente dafür, daß es für Politiker wie Medienleute in Deutschland sinnvoll wäre, sich mit diesem Papier intensiver zu beschäftigen. Aus der NSS können Europäer viel lernen. Und dadurch dann hoffentlich dazu angespornt werden, selbst eine eigene „National Security Strategy“ zu erstellen: „Nationale Sicherheitsstrategie für Deutschland“ oder „Stratégie Nationale de l’Union Européenne“.
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1. Europa: Nur 2 Seiten von 33 Seiten
Die Trump-Administration hat den gigantischen globalen Umbruch erkannt: Weg von der mono- bzw. bipolaren Weltordnung mit den USA als nunmehr Ex-Hegemon und hin zur Multipolarität mit Afrika, BRICS, China, EU, Indien, Russland, USA,… So ist es nicht verwunderlich, daß Europa in der NSS nur auf 2 von 33 Seiten abgehandelt wird. Enttäuschend für die EU mitsamt Großbritannien, die sich immer noch als den Nabel der Welt sehen.
Dabei trägt das Europa-Kapitel der NSS den positiven Titel „Promoting European Greatness“ bzw. „Förderung der Größe Europas“, der doch darauf hinweist, daß Washington an der Prosperität von Europa gelegen ist und es diese zu fördern gedenkt. Oder läßt sich der Selbsthass der linken Eliten mit derlei Prosperität etwa gar nicht vereinbaren?

Zuerst analysieren und dann handeln: Die USA haben das Erkenntnisproblem gelöst und sich mit der NSS dem Handlungsproblem zugewandt (1) – ob dieses nun erfolgreich umsetzbar ist, wird die Zukunft zeigen. Die Europäer hingegen verweigern sich dem Erkenntnisproblem, denn: Wo bleibt die europäische sowie die deutsche „National Security Strategy“. Warum ist man in Brüssel bzw. in Berlin unfähig, die eigenen Interessen niederzuschreiben und damit zur Diskussion zu stellen? Warum beschränken sich Politik und Medien hierzulande vornehmlich auf Abwehr, Kritik, Beleidigtsein und Ignorierung der Vorschläge aus dem Ausland?
Weil Moral, Ideologie, Wunschdenken und Machterhalt die Politik bestimmen, nicht aber die Interessen des jeweiligen Souveräns (Volkes). Trump und Biden haben das Diktum von Egon Bahr, dem Vordenker der Entspannungspolitik von Willy Brandt, „In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt“ verstanden, nicht aber Merz und Scholz.

Das komplette Kapitel „IV. C. Europe: Promoting European Greatness“ in der deutschen Übersetzung finden Sie hier. Im folgenden wenden wir uns den grundlegenden Punkten der NCC für Europa anhand von übersetzten Zitaten (kursiv) zu:
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2. Nationalstaat und Demokratie gehören zusammen
„Die grundlegende politische Einheit der Welt ist und bleibt der Nationalstaat. Es ist natürlich und gerecht, dass alle Nationen ihre Interessen in den Vordergrund stellen und ihre Souveränität wahren. Die Welt funktioniert am besten, wenn Nationen ihre Interessen priorisieren.”
Die USA wissen: „Oberhalb des Nationalen ist keine Demokratie möglich“. Dieses Diktum von Ralf Dahrendorf wurde bis heute nicht widerlegt. Und auf die EU bezogen: „Wer die Nationen und die Nationalstaaten abschaffen will, zerstört Europa …“ (Heinrich August Winkler). Von der Intention Brüssels, in der EU eine mehr oder weniger sozialistische Planwirtschaft zu etablieren, hält Washington nichts.
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3. Die zentralistische EU zerstört Europa binnen 20 Jahren
„3.1 Kontinentaleuropa hat seinen Anteil am globalen BIP verloren – von 25 Prozent im Jahr 1990 auf heute 14 Prozent –, was zum Teil auf nationale und transnationale Vorschriften zurückzuführen ist, die Kreativität und Fleiß untergraben.
3.2. Dieser wirtschaftliche Niedergang wird jedoch von der realen und noch gravierenderen Aussicht auf den Untergang der Zivilisation überschattet.
3.3. Zu den größeren Problemen, mit denen Europa konfrontiert ist, gehören die Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Gremien, die die politische Freiheit und Souveränität untergraben,
die Migrationspolitik, die den Kontinent verändert und Konflikte schafft,
die Zensur der freien Meinungsäußerung und
die Unterdrückung der politischen Opposition,
der Einbruch der Geburtenraten sowie
der Verlust der nationalen Identität und des Selbstbewusstseins.
Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, wird der Kontinent in 20 Jahren oder weniger nicht mehr wiederzuerkennen sein.”
(Gliederung 3.1 … vom Autor eingefügt).

Zu 3.1: Diese Prozentzahlen der NSS sind korrekt. Der BIP-Vergleich des Jahres 2000 (EU ca 21,5%, USA 20,7%, China 6,4%) zum Jahr 2022 (China 18,5%, USA 15,5%, EU 14,7%) zeigt die EU und damit vor allem Deutschland in einer verheerenden Abwärtsbewegung. Dabei kommt es nicht auf die absoluten Prozentzahlen an (die mögen oft frisiert sein), sondern auf den Trend, der in die falsche Richtung weist: EU-Deutschland mit 25% im Jahr 1990 und 21,5% im Jahr 2000 rutscht vom ersten Platz auf den letzten Platz ab mit nur 14,7% im Jahr 2022, wobei die Situation mit den Zahlen vom Jahr 2025 noch viel düsterer aussehen wird. Dies erfüllt mit Sorge – sogar die Amerikaner, denn nur mit einem starken Partner lassen sich gute Deals machen.
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Zu 3.2: „Der wirtschaftliche Niedergang …. vom Untergang der Zivilisation überschattet“. Der wirtschaftliche Niedergang manifestiert sich in der Deindustrialisierung, die in Deutschland gerade in den Industriebranchen Automobil, Chemie, Maschinenbau und Stahl zu Entlassungen, Verlagerung ins Ausland und Insolvenzen führt. Deindustrialisierung führt zu abnehmendem Wohlstand bzw. Armut.
Was bedeutet „überschattet“? Für die Trump-Administration rangieren Migration (Innerer Frieden) und Meinungsäußerung bzw. FreedomOfSpeech (Freiheit) vor der Desindustrialisierung (Wohlstand). Und zunehmende Migration (Massenmigration) mit abnehmender Meinungsfreiheit führen in Europa zum „Untergang der Zivilisation“ bzw. „zivilisatorischer Auslöschung“. – so die Trump-Regierung.

Zu 3.3: Die von der NSS für Deutschland genannten Problembereiche 1. Migrationspolitik (Massenmigration), 2. Freedom OfSpeech beschneiden (Zensur, CancelCulture), 3. Opposition ausgrenzen (Brandmauer), 4. Demographie (Geburtenrate sinkend) und 5. Identität (Nationalbewußtsein) abzustreiten bzw. zu beschönigen, widerspricht den Statistiken und der Realität. Trump tätigt keine populistischen Beschimpfungen, sondern beschreibt die reale Problemlage.
Die unkontrollierte Massenimmigration ist Trumps wohl größte Sorge: „Europa ist auf einem Weg, der nicht mehr korrigierbar sein könnte.“ Im Interview mit Politico (2) schließt Trump seine Ausführungen zum Thema Migration mit der Warnung „Europa wird unregierbar, wenn es so weitermacht“.
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4. Rasche Beendigung des Unkrainekriegs
„Es liegt im zentralen Interesse der Vereinigten Staaten, eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine auszuhandeln, um die europäischen Volkswirtschaften zu stabilisieren, eine unbeabsichtigte Eskalation oder Ausweitung des Krieges zu verhindern, die strategische Stabilität mit Russland wiederherzustellen und den Wiederaufbau der Ukraine nach Beendigung der Feindseligkeiten zu ermöglichen, damit sie als lebensfähiger Staat überleben kann.“
Die Kuba-Krise hat gezeigt: Die USA als atomare Großmacht beanspruchen Kuba als Pufferstaat. Trump steht dementsprechend Russland die Ukraine als Pufferstaat zu. Nun strebt er einen Deal mit Russland an: Kriegsende. Rohstoffe (seltene Erden) und Getreide im Donbass gemeinsam mit Russland ausbeuten. Wiederaufbauzahlungen vornehmlich durch die EU.
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5. Prioritäten für die künftige Europapolitik der USA
„Wiederherstellung der Stabilität innerhalb Europas und der strategischen Stabilität mit Russland;
– Förderung des Widerstands gegen den aktuellen Kurs Europas innerhalb der europäischen Nationen;
– Die Wahrnehmung der NATO als sich ständig ausweitendes Bündnis beenden.”
Trump nennt also drei Prioritäten:
1. Eine gesamteuropäisches Ordnungs- und Sicherheitssystem unter Einschluß von Russland.
2. Nationale demokratische Parteien fördern.
3. Zurückführung der NATO in ein reines Verteidigungsbündnis, das bis 2027 ihre militärischen Aufgaben selbständig – also ohne die USA – erfüllen kann.
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Resumée:
Im Gegensatz zu Bundeskanzler Merz, der fast alle seine vor der Wahl abgegebenen Versprechungen gebrochen hat, versucht Präsident Trump, seine Versprechungen umzusetzen. Diese beziehen sich auf
1. den Deep State nach innen und
2. „Make America Great Again“ (MAGA) in der Aussenpolitik. Bilaterale Deals im amerikanischen Interesse.

Für die EU und Deutschland heißt dies: Auch sie müssen endlich bereit sei, die eigenen Interessen zu formulieren, offen zu diskutieren und dann umzusetzen versuchen. Dazu ein kleines Beispiel: Es ist liegt im Interesse der USA, NLG-Gas nach Deutschland zu verschiffen und dieses dann teuer zu verkaufen. Es ist im deutschen Interesse, preiswertes Gas aus Russland über eine Pipeline zu importieren. Derzeitiger ‚Interessenausgleich‘ (in Hochkommata): Deutschland akzeptiert, daß die Sprengung von Nordstream2 durch die USA und Ukraine vorgenommen worden ist. Verkehrte Welt! Die Folge, wenn man Vasallenpolitik bzw. kurzfristige Ad-hoc-Politik einer interessengeleiteten Politik vorzieht.
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Der NSS der USA mag eine Portion Propaganda und auch den gewohnt schroffen und überheblich wirkenden Ton von Donald Trump enthalten. Deshalb das Strategiepapier abtun und in fast beleidigten Ton mit „Wir brauchen keinen Rat“ (Wadephul) rundherum abzulehnen, ist unklug und vor allem der deutschen Sache nicht dienlich.
Nein. Die US-Administration hat sich mit dem NSS Mühe gegeben. Und die Europäer und Deutsche sind aufgefordert, das Strategiepapier als Diskussionsgrundlage ernst zu nehmen, zu nutzen und sich ebenfalls Mühe zu geben. Deshalb:
1. Die 33 Seiten der amerikanischen NSS komplett lesen. Deutsche Übersetzung hier.
2. Berlin erstellt ebenfalls umgehend eine deutsche NSS und publiziert diese.
3. Darüber miteinander reden.

9.12.2025
Dieser Beitrag wurde ohne KI geschrieben.
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Ende von Beitrag „Promoting European Greatness“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Die Europäer kapieren es nicht: Trump zieht Konsequenzen
US-Präsident Donald Trump hält sie (die Europäer) für unsichere Kantonisten, ungeeignet für die Verteidigung der freien Welt und im ökonomischen wie kulturellen Niedergang. Die neue Sicherheitsstrategie stellt konsequenterweise die Weichen auf weitere Abwendung von Europa und Konzentration auf die Interessen der USA.

Das Amerika des Donald Trump scheint die teils gigantischen Herausforderungen in dieser Zeit eines dramatischen Umbruchs – machtpolitisch, technologisch, demografisch, kulturell und ökonomisch – verstanden zu haben: Es geht um alles, um wirklich alles; ziemlich sicher aber nicht in erster Linie um „Klimakatastrophe“ oder „regelbasierte Weltordnung“.

In den Medien Europas löste das US-Papier vor allem Befremden und Ablehnung aus. Der britische „Guardian“ bewertet, dass das Papier mit Begriffen wie „zivilisatorische Auslöschung“ und dem drohenden Verschwinden europäischer Nationen Anklänge an die „Great-Replacement-Theorie“ (Umvolkungstheorie) radikaler Rechter gebe. …
Lediglich die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hebt die Notwendigkeit hervor, dass die Europäer nun vor allem alte Gewissheiten hinterfragen sollten. Vor allem zwinge das Papier Europa zu einer lange aufgeschobenen Debatte über die eigene sicherheitspolitische Verantwortung, aber auch über die Migrations- und Identitätspolitik.

Das amerikanische Strategiepapier müsste Europa aus seiner politischen Erstarrung wecken, müsste in Deutschland vor allem konservativen und liberalen Kräften Anregung und Anlass zum Innehalten, zur Selbstkritik und womöglich zu einer deutlichen Kurskorrektur sein. Aber das geschieht sichtlich nicht.
Politiker aller Parteien (bis auf die AfD) suggerieren trotz aller kritischen Positionen und kühnen Forderungen, dass zumindest die westliche Welt eigentlich mehr oder minder in Ordnung wäre, gäbe es nicht die bösen Rechten, die schlimmen sozialen Medien, die Populisten vom Schlage Trumps und Victor Orbáns, den kriegslüsternen Putin und das grausame Klima. Das aber scheint deutlich zu kurz gegriffen, wenn nicht sogar eine fatale Fehleinschätzung zu sein. Armes Deutschland.
…. Alles vom 8.12.2025 von Laszlo Trankovits bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/europa-usa-ukraine-russland
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(2) Europas Politiker „reden, aber sie liefern nicht“
Trump im Interview mit Politico
In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin Politico urteilt Präsident Donald Trump hart über die europäische Politik. Sein erklärtes Ziel: „Widerstand gegen Europas Kurs innerhalb europäischer Staaten stärken“
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Europa muss seine Migrationspolitik radikal ändern, seine Ukraine-Strategie überprüfen und ökonomisch wie sicherheitspolitisch wieder auf eigene Füße kommen: Das betonte US-Präsident Donald Trump in einem Interview mit dem Springer-Magazin Politico. Trump stellt dabei die Existenz der Europäischen Union infrage und fordert einen radikalen Kurswechsel in der Migrations- und Ukrainepolitik.
Trump beschreibt eine EU, die den Ukraine-Krieg verlängert, aber keine strategische Kraft besitzt. Er fordert einen Bruch mit der europäischen „bis zum Sieg“-Rhetorik. Er ist nahezu der einzige Politiker, der das hunderttausendfache Töten anprangert und ausspricht, dass es bei dem Ukraine-Konflikt zuerst darum geht, den Krieg zu beenden. Solche Worte hört man aus der europäischen Polit-Klasse praktisch nicht: „Der einzige Grund, warum mir das wirklich am Herzen liegt, ist, dass ich es hasse, zu sehen, wie junge, wunderschöne Menschen getötet werden. Das ist im Wesentlichen der Grund, warum ich mich engagiert habe!“ Und er wirkt dabei überzeugend.

Am deutlichsten wird Trump beim Thema Migration, seinem politischen Kerngebiet. Für ihn steht fest: Die europäische Migrationspolitik sei „eine Katastrophe“. Europa lasse Menschen aus aller Welt unkontrolliert einreisen, darunter „Strafgefangene aus dem Kongo und anderen Staaten“. Dadurch verändere sich der Charakter ganzer Nationen. „Europa wird unregierbar, wenn es so weitermacht“.

Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA formuliert offen, man wolle „Widerstand gegen Europas Kurs innerhalb europäischer Staaten stärken“. Trump verteidigt das: Wenn Europa nicht überlebensfähig bleibe, gefährde das auch die USA. Er strebe kein amerikanisches Dirigieren an – aber „ein starkes Europa“. Ein schwaches sei eine Gefahr für die westliche Welt.

Den wichtigsten Satz dürften hierzulande all jene unterschreiben, die die unkontrollierte Massenmigration fassungslos mit ansehen müssen. Kernbotschaft Trumps: „Europa ist auf einem Weg, der nicht mehr korrigierbar sein könnte.“
… Alles vom 9.12.2025 von Holger Douglas bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/trump-interview-politico/

 

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