Bundeswehr Gelöbnis 20.7.2026

„Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern.“ https://www.youtube.com/watch?v=nfpjfXS_vOk
Dies sagte der Schriftsteller Navid Kermani am 20. Juli 2026 in seiner Rede bei dem alljährlich im Bendlerblock in Berlin stattfindenden Rekrutengelöbnis zu den jungen Bundeswehrsoldaten (1). Dieses Statement sorgte für Diskussion wie Irritation.

1. Zum Ort:
Der Bendlerblock in Berlin als einer der symbolbehaftetsten Orte der Bundesrepublik gebietet, seine Worte zu wählen. Hier wurden die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Claus Schenk Graf zu Stauffenberg unmittelbar nach dem mißglückten Attentat auf Adolf Hitler hingerichtet. Hier erinnert die Bundeswehr an den Staatsbürger in Uniform und an ihre Leitlinie der Inneren Führung.
Dies ist kein Ort, um innen- oder außenpolitische Fragen, Streitereien bzw. Diskussionen  abzuwickeln. Dies ist kein Event für tagespolitische Bewertungen. Diesem Ort ist Achtung zu zollen.

2. Zum Inhalt der Kermani-Rede sind zwei Punkte auseinander zu halten:
a) Der Inneren Führung der Bundeswehr als Parlamentsarmee gemäß darf und muß der Soldat rechtswidrige Befehle verweigern. Soldaten dürfen nicht blind gehorchen, sondern sind ihrem eigenen Gewissen und dem Grundgesetz verpflichtet. Insofern sagte Kermani mit „den Befehl zu verweigern“ nichts Neues.
b) Die Behauptung von Kermani, der Gegenschlag gegen den Iran sei „offenkundig völkerrechtswidrig“, ist eine Hypothese und als solche umstritten. Sie wird international diskutiert. Sie läßt sich z.B. widerlegen mit dem Selbstverteidigungsrecht der Völker gemäß Artikel 51 der UN-Charta. Kermani beruft sich einseitig auf das Völkerrecht und negiert damit das Naturrecht als dessen Basis. Er bestreitet jegliche objektive Naturrechtsordnung: „Denn wenn es kein dem positiven Recht vorausliegendes Recht gibt, weshalb sollte ausgerechnet das Völkerrecht mehr sein als das Ergebnis wechselnder politischer Mehrheiten und Machtverhältnisse?“ (2)
Genau aus diesem Grunde läßt sich gerade über das Völkerrecht trefflich streiten: Im Iran 2026 soll es gelten. Im Donbass (80 % russische Bevölkerung) 2014 dagegen nicht, auch im Jugoslawienkrieg (Serben) 1999 nicht. Wie es mit dem Völkerrecht eben gerade passt.

3. Zu den Rekruten:
Es ist eine Ungebührlichkeit von Navid Kermani den jungen angehenden Soldaten gegenüber, deren feierliches Rekrutengelöbnis für seine einseitigen Bewertungen der aktuellen Außenpolitik zu mißbrauchen. So müssen sich die Rekruten zwangsverpflichtet und still anhören, daß der derzeitige Bundeskanzler Friedrich Merz eine falsche Politik verfolge für das Land, das sie gemäß dem unmittelbar bevorstehenden Gelöbnis dann  verteidigen sollen.

Hierzu meine persönlichen Erinnerungen: Anfang April 1964 erlebte ich als junger Wehrpflichtiger das Rekrutengelöbnis in Kempten/Allgäu. Eine Stunde zuvor frisch eingekleidet in die Uniform und nun bei Kälte im strömenden Regen auf dem grauen Kasernenhof. Deutsche Nationalhymne zu Beginn und am Ende. Dann die Reden des Kompaniechefs sowie des Batallionskommandeurs. Wie alle Kameraden war auch ich sehr aufgeregt und betroffen. Schließlich befanden wir uns im Kalten Krieg mit Sowjetunion „rot“ gegen Nato „blau“ – und die Bundeswehr war gerade gegründet, also noch sehr jung. Alles war neu und ungewohnt. Alles was der Oberleutnant und der Major sagte, bezog ich auf mich selbst – gerade mal zwei Wochen nach dem Erhalt des Abiturzeugnisses in Tübingen jetzt im Kasernenhof in Kempten.

Nun stelle ich mir vor, damals im Jahr 1964 wäre ein aus dem Iran gebürtiger Buchautor wie Navid Kermani ans Rednerpult getreten – vornehm mit Regenschirm natürlich – und hätte mich klug, mit erhobenem Zeigefinger und fast verbissener Mimik (siehe Youtube-Video) über Kriege irgendwo auf der Welt (damals etwa in Indochina), den bösen Bundeskanzler, das Kriegsrecht und das Völkerrecht vollgelabert – ich hätte das in meinem jugendlichen Alter überhaupt nicht verarbeiten können und wäre durchgedreht. Denn was mir die beiden Bundeswehroffiziere in Kempten vom aktuell stattfindenden Kalten Krieg „rot“ gegen“ blau“ und der militärischen Grundausbildung mitteilten, belastete mich genug. Und ich nahm es sehr ernst. Wir diskutierten abends lange noch im Zimmer (12 Mann in einem Raum mit vier 3er-Betten übereinander). Und auch am nächsten Tag im Zugunterricht. Zum Glück waren damals 1964 im Allgäu die Kasernenhöfe der Bundeswehr all den hochgebildeten und besserwisserischen Kermani’s noch verwehrt.

Nach der dreimonatigen Grundausbildung im verregneten Allgäu verpflichtete ich mich auf zwei Jahre Dienstzeit – hätte ich damals einen Herrn Kermani erleben müssen, wäre dies wohl nicht geschehen. Ich kam am 1.7.1964 zu den Gebirgsjägern nach Garmisch und Mittenwald, wurde zum 1.1.1966 zum Leutnant (Hochgebirgszug) befördert und schied Ende März 1966 aus der Bundeswehr aus. Man bezeichnete uns als „Neckermänner“, dem Werbeslogan „Neckermann machts möglich“ entsprechend: Denn nach nur eindreiviertel Jahren Leutnant, dann 3 Monate Zugführer im einem Hochgebirgszug der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 222, Edelweiß-Kaserne Mittenwald – so rasch funktioniert dies heute wohl nicht mehr.
Warum mich dies alles so berührt: Ich wurde am 31.8.1944 geboren, als nur fünf Wochen, nachdem die Widerstandskämpfer des 20.7.1944 hingerichtet worden sind.

Resumée: Das Rekrutengelöbnis der Bundeswehr ist kein Event, an dem sich irgend ein illustrer Schriftsteller bzw. Buchpreisträger mit seinen klugen Interpretationen darstellen kann, sondern ein ganz persönlicher Ehrentag der jungen Rekruten – ein Tag, der allein den zukünftigen Soldaten gehört. Den jungen Menschen gebührt Respekt, unabhängig davon, ob sie sich für den Wehrdienst verpflichten oder ob sie diesen verweigern und stattdessen einen Ersatzdienst übernehmen.
1.8.2026
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Ende von Beitrag „Bundeswehr Gelöbnis 20.7.2026“
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Beginn von Anlagen (1) – (3)
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(1) Feierliches Gelöbnis im BMVg anlässlich des 82. Jahrestages des 20. Juli 1944
Am Montag, den 20. Juli 2026, legen rund 240 Rekrutinnen und Rekruten der Bundeswehr bei einem feierlichen Appell ihr Gelöbnis ab.
Mit dem Feierlichen Gelöbnis bekennen sich die Soldatinnen und Soldaten öffentlich zu ihrer besonderen Verantwortung, die Werte und Normen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu achten und zu verteidigen. Sie geloben, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“
Als Ehrengast wird Herr Dr. Navid Kermani teilnehmen und eine Rede halten. Als einer der bedeutendsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart brilliert er sowohl als Schriftsteller, Publizist, Wissenschaftler und als Vermittler zwischen den Kulturen.
Der Bundesminister der Verteidigung, Boris Pistorius wendet sich mit einer Gelöbnisansprache an die Anwesenden. Die Eidesformel wird von Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer abgenommen.
Den Rahmen für das Feierliche Gelöbnis auf dem Paradeplatz bilden das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung unter Leitung von Oberstleutnant Maik Teichgräber und das Stabsmusikkorps der Bundeswehr unter Leitung von Oberstleutnant Reinhard Kiauka. …
https://www.bmvg.de/de/presse/feierliches-geloebnis-im-bundesministerium-der-verteidigung-6121166
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(2) Rekrutengelöbnis: Navid Kermani ruft Bundeswehrsoldaten zur Befehlsverweigerung auf

Wie glaubwürdig ist die Berufung auf das Völkerrecht?
Juristisch ist bezüglich der Rede Kermanis zwischen zwei Ebenen zu unterscheiden. Dass Soldaten offenkundig rechtswidrige Befehle nicht ausführen dürfen, entspricht den Grundsätzen des deutschen Soldatenrechts und dem Konzept der „Inneren Führung“. Die Bundeswehr versteht sich ausdrücklich als Parlamentsarmee, deren Angehörige an Recht und Gesetz gebunden sind. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht dagegen Kermanis Bewertung des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran als „offenkundig völkerrechtswidrig“. Während zahlreiche Völkerrechtler den Einsatz als Verstoß gegen das Gewaltverbot der Charta der Vereinten Nationen bewerten, verweisen andere auf das Selbstverteidigungsrecht nach Artikel 51 der UN-Charta sowie auf die sicherheitspolitische Ausnahmesituation. Eine allgemein anerkannte völkerrechtliche Bewertung liegt bislang nicht vor.
Hinzukommt, dass der Vorwurf des völkerrechtlichen Verstoßes häufig von Personen kommt, die die Mutter des Völkerrechts, das Naturrecht hartnäckig bekämpfen und so für ihre Berufung auf das Völkerrecht kaum glaubwürdig sind. Auffällig ist, dass Kermani, das „fleischgewordene Symbol der Migrantisierung der deutschen Literatur“ (Pirinçci), zwar ein „objektives Korrektiv“ des Gewissens fordert, dieses aber im Grundgesetz und den Grundrechten verortet. Eine Begründung, weshalb diese ihrerseits objektiv und unverfügbar gelten sollen, liefert er nicht. Die klassische Naturrechtslehre würde gerade hier ansetzen und fragen, ob Grund- und Menschenrechte nicht selbst eines vorstaatlichen Fundaments bedürfen.

Wer sich mit Nachdruck auf das Völkerrecht beruft, zugleich aber jede objektive Naturrechtsordnung bestreitet oder ignoriert, gerät in ein Begründungsproblem. Denn wenn es kein dem positiven Recht vorausliegendes Recht gibt, weshalb sollte ausgerechnet das Völkerrecht mehr sein als das Ergebnis wechselnder politischer Mehrheiten und Machtverhältnisse? Gerade wer das Völkerrecht gegen tagespolitische Interessen verteidigen will, benötigt letztlich einen Maßstab, der über dem bloßen Willen der Staaten steht. Diesen Maßstab hat die klassische Rechtsphilosophie stets im Naturrecht gesehen.
… Alles vom 31.7.2026 von David Berger bitte lesen auf
https://philosophia-perennis.com/2026/07/31/rekrutengeloebnis-navid-kermani-ruft-bundeswehrsoldaten-zur-befehlsverweigerung-auf/
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(3) Gelöbnis 20.07.2026 Rede Dr. Navid Kermani
Das Video zeigt die ungekürzte Rede von Dr. Navid Kermani, Schriftsteller und Publizist mit iranischen Wurzeln, beim Feierlichen Gelöbnis am 20. Juli 2026 im Bendlerblock.
Am 82. Jahrestag des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 fand im Bendlerblock ein Feierliches Gelöbnis statt.
Die Reden hielten Verteidigungsminister Boris Pistorius und der Schriftsteller Dr. Navid Kermani.
Die Gelöbnisaufstellung wurde geführt von Oberstleutnant Maik Teichgräber, dem Kommandeur des Wachbataillons.
Es spielte das Musikkorps der Bundeswehr aus Siegburg unter Leitung von Oberstleutnant Timor Oliver Chadik.

Die Rekruten kamen aus folgenden Einheiten:
10. Kompanie des Fallschirmjägerregiments 26 aus Merzig
8. Kompanie des Luftwaffenausbildungsbataillons aus Roth
5. Kompanie des Wachbataillons aus Berlin
Ausbildungs-/Schutzkompanie Wilhelmshaven I des Marinestützpunktkommandos aus Wilhelmshaven
1. Kompanie des Logistikbataillons 171 aus Burg
3. Kompanie des IT-Bataillons 383 aus Erfurt
4. Inspektion der Schule für Feldjäger und Stabsdienst aus Hannover
20.7.2026, https://www.youtube.com/watch?v=nfpjfXS_vOk

Redetext Navid Kermani:
„…Kein Geringerer als der Bundeskanzler hat es sich zur Gewohnheit gemacht, das Völkerrecht klein- und Völkerrechtsverstöße schönzureden, wo es ihm politisch opportun erscheint.
Liebe Rekrutinnen und Rekruten, Sie stehen am Anfang einer womöglich langen Laufbahn in der Armee. Es ist unwahrscheinlich, dass die nächsten Jahrzehnte so friedlich bleiben, wie es die letzten Jahrzehnte für Deutschland alles in allem waren. Sollte eine künftige Bundesregierung Sie in einen Krieg führen wollen, der so offenkundig völkerrechtswidrig und auch politisch desaströs ist wie der jüngste Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen den Iran, wird es Ihre Pflicht sein, den Befehl zu verweigern

Aber die Drohung, eine gesamte Zivilisation auszulöschen oder der erklärte Angriff auf die zivile Infrastruktur eines Landes sind ein so offenkundiges Unrecht, dass man weder Jurist sein noch das eigene Gewissen befragen muss, um es zu erkennen.“
https://www.youtube.com/watch?v=drHLHAfcBr8

Martin Sonneberg:
https://www.facebook.com/martin.sonneborn/videos/sagen-was-ist-dieser-auszug-aus-der-rede-von-navid-kermani-beim-feierlichen-rekr/2301925820574710/

Phoenix:
https://www.youtube.com/watch?v=n9ZvFbjL2zk

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