Am 17. September jährt sich der Todestag von Rolf Peter Sieferle zum zehnten Mal. Der 1949 in Stuttgart geborene Historiker war 2005 bis 2012 Geschichtsprofessor an der Universität St.Gallen/CH. „Sieferle nahm sich am 17. September 2016 das Leben – nicht wegen seiner Kritiker, sondern wegen seiner Prognosen“ (Michael Klonovsky).
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Sieferle war ein Universalhistoriker, dessen Forschungen zunächst der Umweltgeschichte galten. Dann wandte sich der Wissenschaftler, Denker und Gelehrte von der industriellen mehr der gesellschaftlichen Transformation zu.
Sein Werk umfasst u.a. „Der unterirdische Wald“ (1982), „Epochenwechsel“ (1995), „Das Migrationsproblem – Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Messeneinwanderung“ (2015), „Deutschland Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft“ (2015), „Finis Germania“ (2017 posthum), „Krieg und Zivilisation“ (2018 posthum ).
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Je deutlicher die Menschen in Deutschland den durch die Grenzöffnung 9/2015 eingeleiteten Kulturzerfall erkennen und aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs individuell spüren, desto interessanter ist die Lektüre seiner Essays und Bücher. Rolf Peter Sieferle hat die durch die Massenmigration bewirkte Misere vorausgeahnt. Im Essay „Ein Schlaraffenland“ (hier lesen) beschreibt er Deutschland als Anspruchsgesellschaft ohne Pflichten der Migranten, wobei der einst vielleicht märchenhafte Ort des Überflusses heute längst zu einem Ort der Überschuldung geworden ist. Zinslast und Schuldendienst engen den Entscheidungsspielraum ein und lassen der Politik kaum noch Möglichkeiten zu aktivem Gestalten. Das Land lebt weit über seine Verhältnisse bzw. auf Pump.
Was Thilo Sarrazzin in „Deutschland schafft sich ab“ mit volkswirtschaftlicher Logik und Zahlen belegt, beschreibt Rolf Peter Sieferle in „Finis Germania“ aus kulturhistorischer Sicht. Das Ende Deutschlands zeichnet sich ab, 2026 noch deutlicher als 2015.
18.9.2026
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Ende von Beitrag „Finis Germania: Sieferle 10 J. tot“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) David Berger: Vor zehn Jahren starb einer der unbequemsten Denker Deutschlands
Vor zehn Jahren, am 17. September 2016, starb Rolf Peter Sieferle. Deutschland verlor mit ihm einen Historiker von ungewöhnlicher geistiger Spannweite: einen Gelehrten, der über Marx und die Konservative Revolution ebenso schrieb wie über Umweltgeschichte, Industrialisierung, Energie, Krieg, Migration und die großen Umbrüche der Moderne. Mit seinem „energetischen Ansatz“ gehörte Sieferle zu den Pionieren der Umweltgeschichte;
von 2005 bis 2012 lehrte er als Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität St. Gallen.
Doch für viele Leser auf der politischen Rechten ist heute ein anderer Sieferle mindestens ebenso wichtig: der Autor des bereits 1994 erschienenen Epochenwechsel und der nachgelassenen Schriften, in denen er Entwicklungen analysierte, die erst Jahre später die politische Debatte beherrschen sollten. Besonders Das Migrationsproblem gehört dazu. Sieferle untersuchte Masseneinwanderung nicht in erster Linie moralisch, sondern als Problem von Staat, Grenzen, Solidarität und Sozialstaat. Seine Schlussfolgerungen waren scharf und wurden entsprechend kontrovers aufgenommen.Noch heftiger war die Reaktion auf das 2017 postum veröffentlichte Finis Germania. Das schmale Buch wurde zum Bestseller und zugleich Gegenstand einer heftigen öffentlichen Kontroverse; Kritiker warfen ihm unter anderem antisemitische und geschichtsrevisionistische Passagen vor. Selbst der Umgang mit dem Buch auf Bestsellerlisten wurde zum Skandal. Gerade diese Kontroverse machte Sieferle nach seinem Tod einem Publikum bekannt, das von seinem erheblich umfangreicheren wissenschaftlichen Werk bis dahin kaum etwas wusste.
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Und dieses Werk ist weit größer als Finis Germania. Bücher wie Der unterirdische Wald, Epochenwechsel, Die konservative Revolution und das postum erschienene Krieg und Zivilisation zeigen einen Autor, der historische Prozesse über Jahrhunderte hinweg betrachtete und sich nur schwer in die üblichen politischen Schubladen einordnen ließ. Seine Themen reichten von der Industrialisierung und ihren energetischen Voraussetzungen bis zur kulturellen Evolution des Krieges. Zehn Jahre nach seinem Tod lohnt es sich deshalb, Sieferle nicht auf den Skandal um sein letztes schmales Buch zu reduzieren, sondern ihn wieder zu lesen. Gerade Epochenwechsel, Das Migrationsproblem und Krieg und Zivilisation bieten genügend Stoff zur Auseinandersetzung – auch dort, wo man seinen Diagnosen widerspricht.
Rolf Peter Sieferle, geboren 1949 in Stuttgart, starb am 17. September 2016 in Heidelberg im Alter von 67 Jahren. Zehn Jahre danach bleibt ein umfangreiches, unbequemes und in wesentlichen Teilen noch immer diskussionswürdiges Werk. Das angemessenste Gedenken an einen solchen Gelehrten ist deshalb denkbar einfach: seine Bücher lesen.
… Alles vom 17.9.2026 von David Berger bitte lesen auf
https://philosophia-perennis.com/2026/09/17/rolf-peter-sieferle-vor-zehn-jahren-starb-einer-der-unbequemsten-denker-deutschlands/
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Einige Kommentare:
Es ist schön, das Rolf- Peter Sieferles Lebenswerk hier gewürdigt wird. Das kann man gar nicht hoch genug anerkennen. Sieferle wurde nach dem Erscheinen seines Buches „Finis Germania“ (2017) gegrillt, der Holocausleugnung bezichtigt und Verschwörungsideologien zum Bevölkerungsaustausch zu verbreiten. Die entsprechenden „Experten“ sind heute noch für „UnsereDemokratie“ aktiv und zerreißen besorgte Kritiker, die den Zuwanderungskurs der Regierung ablehnen. Sieferle hat – wie viele vor und nach ihm auch – vor den Folgen einer Massenmigration gewarnt und einen wohldisziplinierten Protest zur Sprache gebracht. Sieferle hat – kurz nach dem Erscheinen seines Buches – seinem Leben ein Ende gesetzt, wie im selben Jahr i.ü. auch Susanne Kablitz (Gesicht der “Partei der Vernunft” und Mitglied der Hayek-Gesellschaft), die in ihren fundierten politischen Analysen ebenso auf ein Land gestoßen war, das sich unabwendbar auf einem katastrophalem Irrweg befindet. Wie Sieferle wurde auch sie durch das Tal vieler Tränen gescheucht und musste eine gehörige Portion Mut und Rückgrat besitzen, die gezielten Ausgrenzungen und Diskriminierungen auf sich zu nehmen.
Wenn beide nun gegangen sind, so früh, dann weil sie gehen wollten. Beide haben sich freiwillig schlafen gelegt, um ins Licht zu gehen.
Würden Sieferle und Kablitz den heutigen Zustand in der Bundesrepublik genau so einschätzen, wie sie es 2017 taten? Kessia
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Ende Kommentare
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(2) Götz Kubitschek Vor zehn Jahren starb Rolf Peter Sieferle
Der Kulturphilosoph und Ökologe Rolf Peter Sieferle gehört zu jenen Autoren, die sich ab einem bestimmten Punkt ihres Lebens in der Nähe der Neuen Rechten aufhielten, ohne sich je zu ihr zu bekennen und einen streng wissenschaftlichen Standpunkt zu verlassen.
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Rolf Peter Sieferle gehört zur Alterskohorte der »Achtundsechziger«, dementsprechend waren seine frühen Veröffentlichungen – insbesondere die bei Immanuel Geiss angefertigte Dissertation über den Revolutionsbegriff bei Marx – von Denkgewohnheiten der Linken geprägt. Daß diese ihm auf die Dauer nicht genügten, war aber bereits zu erkennen, als Sieferle in den achtziger Jahren begann, eine Reihe von Büchern zu veröffentlichen, die sich mit der Geschichte des menschlichen Naturverhältnisses befaßten. Wer vermutete, daß da jemand der »grünen« Mode folgte, sah sich nach der Lektüre rasch korrigiert.
Zwar ging es Sieferle auch darum, die vergessenen Vorläufer der modernen Ökologiebewegung, die Maschinenstürmer, Tier- und Heimatschützer (Fortschrittsfeinde?, 1984), wieder sichtbar zu machen. Wichtiger war ihm aber eine präzise Klärung der Art und Weise, in der der Mensch seine Umwelt aufgefaßt hat, wie er seine eigene Fähigkeit zur Naturerkenntnis, Naturbeherrschung und Naturzerstörung einzuschätzen lernte und welche zentrale Bedeutung die wissenschaftliche Interpretation der Natur seit dem 18. Jahrhundert auch für das Selbstbild und Selbstverständnis von Homo sapiens gewann (Die Krise der menschlichen Natur, 1989).
Konnte man an dieser Stelle schon eine Korrektur früherer Ansichten feststellen, galt das erst recht, als Sieferle unter dem Eindruck der Wende von 1989 ein Buch mit dem Titel Epochenwechsel (1994) veröffentlichte, dessen Argumentation in mancher Hinsicht an Oswald Spenglers Jahre der Entscheidung erinnerte. Sieferle entwickelt hier die These, daß der Zusammenbruch des Kommunismus nicht auf Dauer zur globalen Durchsetzung eines neoliberalen Konzepts unter Dominanz des Westens führen werde, sondern daß ältere Konfliktlinien wieder aufbrechen könnten, ergänzt um neuartige Auseinandersetzungen wirtschaftlicher, aber auch ideologischer bzw. religiöser Natur.
Da Epochenwechsel im Ullstein-Verlag unter der Ägide Zitelmanns erschienen war, wurde Sieferle rasch mit der »Neuen Rechten« in Verbindung gebracht, obwohl er immer Distanz hielt und sich an den Auseinandersetzungen der frühen neunziger Jahre nicht beteiligte. Daß der gegen ihn gerichtete Verdacht einen gewissen rationalen Kern hatte, wurde allerdings deutlich an der folgenden Veröffentlichung über fünf bedeutende Vertreter der Konservativen Revolution (1995), wobei der Akzent erkennbar auf den Vordenkern eines »preußischen Sozialismus« lag: Paul Lensch, Werner Sombart, Oswald Spengler, Hans Freyer und Ernst Jünger.
Sieferles Behauptung, man habe es im Fall der KR nicht mit einer »Gegenmoderne«, sondern mit einer »alternativen Moderne« zu tun, löste fast noch heftigere Reaktionen aus als die Veröffentlichung des Epochenwechsels. Infolgedessen hat er sich in der Folgezeit wieder ganz auf die wissenschaftliche Arbeit zurückgezogen und vor allem im Rahmen der Breuninger-Stiftung (Stuttgart) eine ambitionierte Schriftenreihe zum »europäischen Sonderweg« herausgegeben, die versucht, das, was Max Weber das »okzidentale Syndrom« nannte, durch einen besonders breiten Ansatz zu klären.
So bedauerlich man die Entscheidung zum Rückzug aus politischen Gründen finden muß, erlaubte sie Sieferle doch den Abschluß seiner wissenschaftlichen Laufbahn. Er hatte sich bereits 1984 in Neuerer Geschichte habilitiert und 1991 eine außerplanmäßige Professur für dieses Fach an der Universität Mannheim übernommen. Seit 2000 lehrt er an der Universität St. Gallen, aber erst seit 2005 als ordentlicher Professor für Allgemeine Geschichte.
Sieferle nahm sich am 17. September 2016 in Heidelberg das Leben.
… Alles vom 17.9.2026 bitte lesen auf
https://sezession.de/71233/vor-zehn-jahren-starb-rolf-peter-sieferle