Kulturverlust

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Baden im Mittelmeer am 7.6.2020: Ligurische Küste bei Moneglia

Baden im Mittelmeer am 7.6.2020: Ligurische Küste bei Moneglia

 

 

 

 

Simon Kießling: Selbstaufgabe einer Zivilisation? – Entwurzelt im Nirgendwo

Nihilistische Selbstverneinung: Politische Scharmützel bilden bloß noch die Schauseite einer existentiellen Krise
Thorsten Hinz
Um den öffentlichen Wahnsinn zu erfassen, der die Gegenwart beherrscht, reichen politische Kategorien einschließlich des Links-Rechts-Schemas nicht aus. Irrwitzige Kinderkreuzzüge geben der Energiepolitik die Richtung vor und werden von Funktionären der Amtskirchen als moderne Transzendenzerfahrung gefeiert. Die Zweigeschlechtlichkeit wird als reaktionäres Vorurteil dekonstruiert und gleichzeitig das Platzgreifen archaischer Kulturen samt ihren Machismus als Zeichen von Vielfalt und Weltoffenheit begrüßt. Staatsgrenzen, die die eigene Lebenswelt schützen, werden geschleift, die ökonomische Basis wird durch sachfremde, ideologisch motivierte Auflagen zerstört; kulturelle Analphabeten verschleudern das kulturelle Erbe. Unter dem Eindruck alarmistischer Berichte des UN-Weltklimarates entscheiden Frauen, die sich aufgeklärt und fortschrittlich wähnen, keine neuen Klimakiller in die Welt zu setzen, das heißt kinderlos zu bleiben. Andererseits demonstrieren sie dafür, daß die Tore für die Masseneinwanderung aus der Dritten Welt weit offen bleiben, obwohl die Einwanderer ihren ökologischen Fußabdruck in Europa vervielfachen.
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Doch logische Widersprüche werden gar nicht mehr als Problem wahrgenommen. Die Regression im Geiste hat die Wirklichkeit abgeschafft und die Ebene nihilistischer Selbstverneinung erreicht. Politische Scharmützel bilden bloß noch die Schauseite einer existentiellen Krise, die das Potential einer Krankheit zum Tode besitzt.
„Das Gefühl eines Bruchs gegenüber aller bisherigen Geschichte ist allgemein“, schrieb Karl Jaspers 1931 im Essay „Die geistige Situation der Zeit“. Dieses Gefühl sei weder neu noch ungewöhnlich, bereits bei den alten Ägyptern lasse es sich nachweisen. Neu sei jedoch die „Entgötterung“, die mehr sei als „der Unglaube Einzelner, sondern die mögliche Konsequenz einer geistigen Entwicklung, welche hier in der Tat ins Nichts führt“.
Die zahlreichen zeit- und kulturkritischen Schriften, die nach dem Ersten Weltkrieg publiziert wurden, werden offiziell als historische Dokumente, als zeitgebundene Reflexe auf die Erschütterungen des Weltkriegs und den Vormarsch totalitärer Massenideologien rezipiert, die mit dem Sieg des liberalen Paradigmas 1945 und 1989 keine unmittelbare Relevanz mehr besitzen.
Wer Parallelen zur Gegenwart zieht, handelt sich den Vorwurf der Demokratiefeindlichkeit ein. Trotzdem handeln die Schrift von Jaspers, Freuds „Unbehagen an der Kultur“, Spenglers „Untergang des Abendlandes“, Ortega y Gassets „Aufstand der Massen“ oder Edgar Julius Jungs „Herrschaft der Minderwertigen“ – allesamt 90 bis 100 Jahre alt – von unserer Zeit.
In dem Buch „Selbstaufgabe einer Zivilisation? Eine geschichtsphilosophische Betrachtung“ hat der Historiker und Philosoph Simon Kießling den Faden aufgenommen und versucht gleichfalls eine Tiefenanalyse aktueller Entwicklungen. Die Hauptbewegungen der Selbstaufgabe faßt er in die Begriffe „Gender Mainstreaming“, „No Border“ und „One World“. Sie bezeichnen die allgemeine Entortung des Menschen, seine geographische, rechtlich-politische, geistig-kulturelle, geschichtliche und sogar anthropologische Entwurzelung. Zum geschlechts, volk-, rasse-, nationslosen Wesen, zum „gänzlich abstrakt gewordenen Individuum“ modelliert, soll er „ohne störende Zwischenverbände“ in die „universale Harmonie“ einer „kosmopolitisch vereinigten Menschheit“ eingehen.
Das äußert sich in der normierten Sprache: Das stolze Wort „Bürger“, das die Zugehörigkeit des Einzelnen zu einer konkreten Einheit, zur res publica ausdrückt, wird durch den „Menschen“ ersetzt, der überall und nirgendwo zu Hause ist, und als „besorgter“ oder „Wutbürger“ unter Verdacht gestellt.
Um den geistig-kulturellen Absturz zu ermessen, der aus der Entwurzelung folgt, seien die Verse zitiert, mit denen Sebastian Brants „Narrenschiff“ aus dem Jahr 1494 anhebt: „Im Narrentanz voran ich geh, da ich viel Bücher um mich seh, die ich nit les und nit versteh.“ Der Narr der Renaissance-Zeit hatte immerhin das Gefühl eigenen Ungenügens. In der Endphase der Massendemokratie hat er sich zum Aktivisten des globalen Humanitarismus geadelt und darf sich mächtig fühlen: Zwar kann er die klassischen Geistesgrößen weder lesen noch verstehen, doch er kann sie als Rassisten brandmarken und ihre Denkmäler stürzen.
Umgeformt wird auch jener innere Bereich, der mit Worten wie Würde oder Selbstachtung bezeichnet wird. Kießling zitiert aus einem auf Facebook veröffentlichten Brief, in dem eine Nachwuchskraft der Linkspartei, die von drei Asylanten vergewaltigt worden war, die Gewalterfahrung zu verarbeiten versuchte. Er richtet sich an einen imaginierten „(l)iebe(n) männliche(n) Geflüchtete(n)“, der das wirkliche, von einheimischen Rassisten verfolgte Opfer sei. „Du bist überhaupt kein Problem“, beteuerte sie und schloß mit dem Satz: „Danke, daß es dich gibt – und schön, daß Du da bist.“

Die Akte der Selbsterniedrigung beschränken sich nicht auf Deutschland. In Norwegen bekundete ein laut Selbsterklärung feministischer und antirassistischer Politiker 2016 seine Gewissensqualen, weil ein somalischer Asylbewerber, der ihn vergewaltigt hatte, nach Verbüßung der Haftstrafe in sein Herkunftsland abgeschoben wurde. Der geschändete Wikinger-Nachfahre klagte sich an, weil er „der Grund für seine Ausschaffung in eine unsichere Zukunft“ sei. Dieser Gedanke löse in ihm Schuldgefühle aus, denn schließlich sei der Täter nur „das Ergebnis einer unfairen Welt.“

Der Logik der Humanitarismus-Agenda folgend, interpretieren die Opfer ihre Penetrierung, die die Zerstörung ihrer Persönlichkeit intendierte, als Folge der globalen Ungerechtigkeit, an der sie Anteil haben und Schuld tragen. Die fremde Gewalt und ihre Erduldung sind dann die zwei Seiten einer auferlegten Buße, die eine transzendente Gerechtigkeit herstellt.
Es geht noch schlimmer, wie die Reaktion auf den Tod der amerikanischen Studentin Amy Biehl zeigt. Biehl war als weiße Antirassismus-Aktivistin nach Südafrika gegangen, wo sie in einem Township gelyncht wurde. Ihre Eltern beschränkten sich nicht darauf, ihren Stolz über die rassische Vorurteilsfreiheit der Tochter mitzuteilen, die sie in den Township führte, sie setzten sich auch für die Amnestierung ihrer Mörder ein und übernahmen zwei von ihnen in die nach Amy benannte Stiftung. Die Mutter erklärte: „Für mich sind sie Kinder.“ Und: „Für mich ist der Geist Amys in die beiden übergegangen.“ Der „Große Austausch“ hat hier eine qualitative Bedeutung: Die – weißen – Eltern substituieren ihr ermordetes Kind durch seine – schwarzen – Mörder. Neben der anthropologischen Umkehrung haben wir es mit einem Extremfall pervertierter christlicher Ethik zu tun. Jeder Versuch, dagegen zu argumentieren, kann nur ins Bodenlose fallen.
Hier spiegelt sich im Kleinen, im Privaten, was im Großen stattfindet. Warum diese suizidale Selbstzurücknahme? Kießlings Erklärung: Die westlichen Gesellschaften erleben im Zuge der Globalisierung die Entmächtigung ihrer Kultur. Den Verlust ihrer Gestaltungsmacht überkompensieren sie durch aktive Selbstzerstörung. Der westlichen Zivilisation wird ihre entthronte Kultur zur Last, und die Geschichte – der Autor zitiert Spengler – kehrt „wieder ins Geschichtslose und in den primitiven Takt der Urzeit zurück“. Das zum Nomaden gewordene Individuum schleift die überpersönlichen Formen und Ordnungen von Kultur und Geschichte und gibt sich den elementaren Kräften des Primitiven hin.
Auf originelle Weise zieht der Autor die naheliegende Parallele zur Endzeit des Römischen Reiches, indem er den Doppelcharakter des Christentums herausarbeitet. So gewiß der christliche Geist ein identitäres Element Europas ist, setzt es auch gesellschaftlich destruktive Energien frei. Kießling verweist auf die frühchristliche Theologie des 1. bis 4. Jahrhunderts. Zu ihren zentralen Topoi zählt der „Uradam“, dessen Körperlichkeit nicht fleischlich, sondern die engelsgleiche „Geistleiblichkeit eines Lichtwesens“ ist. In „reiner Schönheit und Makellosigkeit“, ohne animalische Bedürfnisse und unangefochten von den Unbilden der Natur, stellt er eine das Männliche und Weibliche umfassende Ganzheit dar. Die Theologen jener Zeit erklärten Jesus zum zweiten Adam, mit dem die „mannweibliche Vollkommenheit“ sich erneut verwirkliche. In den Gender- und den postkolonialen No-Border- und Eine-Welt-Ideologien, so Kießling, kehre die frühchristliche Erwartung zurück, schwach und duldend in der Nachfolge Christi der Welt die Erlösung zu bringen.
Es ist konsequent, daß die Pop-Kultur Christus längst mit dem Gender-Konstrukt Conchita Wurst kurzgeschlossen hat. Noch weiter geht die isländische Staatskirche, die einen Jesus sowohl mit Bart als auch mit weiblichen Brüsten abbildet. Erklärungs- und Verständigungsversuche fallen hier, wie gesagt, ins Bodenlose. Wer bei Verstand bleiben will, muß wenigstens im privaten Raum die Sezession wählen.
… Buchbesprechung von Thorsten Hinz vom 8.10.2020 bitte lesen in der JF, 42/20, Seite 13
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Simon Kießling: Selbstaufgabe einer Zivilisation? Eine geschichtsphilosophische Betrachtung.
Gerhard Hess Verlag. Bad Schussenried 2019, broschiert, 173 Seiten, 14,80 Euro

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David Engels: Leben mit dem Niedergang Europas. ­

Die Auferstehung
Das Christentum, historische Gewißheiten und das Abendland liegen am Boden – doch der Nihilismus auch
von David Engels
Seien wir ehrlich mit uns: Trotz aller Hoffnung wissen wir, daß wohl zumindest der Westen Europas nie mehr in jenem Sinne „abendländisch“ sein wird, wie er es in den letzten Jahrhunderten war. Die Mittelklasse wird vollständig erdrückt zwischen Prekariat und Elite, die Großstädte sind weitgehend in den Händen von außereuropäischen Parallelgesellschaften, das Christentum wurde vollständig aus dem öffentlichen Raum herausgedrängt, das klassische Bild der Geschlechter und das abendländische Ideal von Weiblichkeit und Ritterlichkeit sind verpönt, der Wunsch zur hemmungslosen Selbstentfaltung hat die meisten Formen von Solidarität und Idealismus verdrängt, die parlamentarische Parteiendemokratie diskreditiert sich gerade dauerhaft selbst, nationale Identitäten und Sprachen sind angesichts einer schier überwältigenden Amerikanisierung auf dem Rückzug, Stolz auf die großartige historische Vergangenheit unseres Kontinents gilt als chauvinistisch und ausgrenzend, der Niedergang von Bildung und Forschung ist schon fast grauenhaft …

Die Liste ließe sich noch lange weiterführen. Rechnet man noch hinzu, daß in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit dem Aussterben der älteren Generationen das demographische Gleichgewicht noch deutlicher zuungunsten der „schon länger hier Lebenden“ ausfallen wird, sollte eigentlich ziemlich klar werden, wie unsere Zukunft beschaffen sein wird; und die wenigen jungen Menschen, welche – oft in bewußter Abwendung von ihren 1968er Eltern – mutig zur historischen und oft auch christlichen Tradition zurückfinden, werden sich selbst im besten aller denkbaren Fälle bald als eine Parallelgesellschaft unter vielen anderen wiederfinden.

„Was tun?“ – stellt sich nun die Frage. Den Sachverhalt einfach ignorieren und einfach so zu tun, als wäre alles beim Alten und würde auch weiterhin so bleiben? Das mag zwar bequem sein, ist aber sicherlich keine echte Lösung für den täglichen Kampf, können wir doch nur auf Grundlage einer rücksichtslos ehrlichen Analyse der Situation auch adäquate Strategien für die Zukunft entwickeln. Aufgeben oder uns in die Rolle des zynischen einsamen Beobachters zurückziehen, der längst jede Hoffnung aufgegeben hat und den inneren Zusammenbruch unserer Zivilisation nur noch als unterhaltsames Spektakel betrachten? Auch das wäre nicht nur unwürdig, sondern auch feige und undankbar, da selbst der scheinbar unbeteiligte Betrachter immer noch von dem zehrt, was frühere Generationen ihm mit der Pflicht zur Pflege und Weitergabe überlassen haben.

Nein, die einzige Antwort auf die Frage „Was tun?“ besteht zunächst in der kühlen Einsicht in die Unausweichlichkeit jener geistigen Umstürze und Kulturbrüche, die sich in den nächsten Jahren ergeben werden, und von denen Dijon, Stuttgart und die BLM-Ausschreitungen nur ein erster, kleiner Vorgeschmack sind – und dann vor allem im Mut, die sich daraus ergebenden Konsequenzen zu ziehen. Die „letzten Abendländer“ – eine Bezeichnung, die hier nicht ethnisch gemeint ist, sondern diejenigen bezeichnet, die sich mit Liebe, Stolz und Dankbarkeit zu unserer kollektiven Vergangenheit der letzten Jahrhunderte bekennen, egal, was ihr jeweiliger Hintergrund sein mag – werden in absehbarer Zeit zu einer Minderheit unter vielen anderen werden. Wenn sie in dieser Konstellation kulturell überleben und vielleicht auch ihre Tradition in künftiger Zeit erneut zu einer allgemeinen „Leitkultur“ erheben wollen, gelten zwei Grundsätze: die unbedingte Stärkung und Festigung der eigenen Identität sowie die enge Zusammenarbeit mit ähnlichen Gruppen überall in Europa, um dem ebenfalls international agierenden Druck sinnvoll entgegentreten zu können.

Während der zweite Punkt eminent politisch ist und bereits in einem anderen Kontext besprochen wurde – ich verweise hier nur auf mein Buch „Renovatio Europae“ –, ist der erste vor allem privat und mag hier, da das Thema erstaunlich selten öffentlich besprochen wird, ein wenig breitere Aufmerksamkeit erhalten, wobei die aufgeführten Punkte wesentlich ausführlicher in meinem in wenigen Tagen nunmehr auch in deutscher Sprache erscheinenden Buch „Was tun? Leben mit dem Niedergang Europas“ (Renovamen) beschrieben werden.

Zentral ist hierbei die Idee, die eigene kulturelle Identität nicht mehr, wie in früheren, wahrscheinlich glücklicheren Zeiten, durch das uns umgebende zivilisatorische Kollektiv des heutigen Europas bestimmen zu lassen, wandelt dies sich doch zunehmend zu einem posthistorischen, seelenlosen, oft sogar anti-abendländischen Gebilde, in dessen praktischem Alltag zunehmend nicht-europäische Parallelgesellschaften tonangebend sind: Wir müssen uns vielmehr unsere abendländische Identität aus dem letzten Rest lebendiger Tradition und vor allem aus der historischen Erfahrung erneut zu eigen machen und nach innen wie nach außen hin vertreten und verteidigen, und zwar in dem vollen Wissen, bei diesem Versuch nicht getragen, sondern vielmehr angefeindet zu werden.

Ein solcher partieller Re-Kultivierungsprozeß kann aber nur dann langfristig glaubwürdig und sinnvoll geschehen, wenn er nicht nur die Oberfläche, sondern auch unseren eigenen Wesenskern berührt, sich also nicht nur auf ein abstraktes „Die Gesellschaft sollte vielleicht“ beschränkt, sondern vielmehr ein konkretes und entschlossenes „So werde ich selbst fortan handeln“ impliziert. Ob es nun die Neuentdeckung der geistlichen Tradition des Christentums ist, das abendländische Familien- und Geschlechterideal, der Dienst am Schönen, die Durchsetzung von Tugend und Pflichtbewußtsein im Alltag, die Pflege des Stolzes am Eigenen, die Nachhaltigkeit unserer Handlungen, der Respekt vor der Schöpfung, der Mut zum Eintreten für die eigenen Positionen – alle jene Punkte müssen unseren Alltag prägen und Familie wie Umfeld ein lebendiger Anreiz zur Nachahmung sein, anstatt sich nur auf das gelegentliche Ankreuzen eines Namensfelds am Wahltag oder Kommentare in den sozialen Medien zu beschränken.

Dies ist freilich leichter gesagt als getan: Wir alle sind, ob wir es wollen oder nicht, Kinder unserer Zeit und somit bis ins Mark durchdrungen von jener „Kultur des Todes“, die auf der irrigen Annahme basiert, der Mensch sei nicht nur Maß, sondern auch unumschränkter Herr aller Dinge und müsse sich daher jeglicher Begrenzung entledigen, um in voller Freiheit schalten und walten zu können – eine gefährliche Arroganz, die schon vom Alten Testament und den Griechen als Hybris erkannt worden war und unausweichlich nicht nur zu jenen schweren politischen und moralischen Fehlentwicklungen weiterleitet, wie wir sie heute überall kennen, sondern sich langfristig auch gegen den Menschen selbst richtet und zu hochproblematischen und selbstzerstörerischen Entwicklungen wie Massenabtreibung, Eugenik, Genmanipulation, Transhumanismus, Gender-Theorie und Euthanasie führt. Der echte Kampf um das Abendland ist daher schon fast eher noch ein innerer, den jeder für sich ausfechten muß, als ein äußerer.

Es wäre daher auch falsch, eine solche innere Anstrengung als bloße „Besinnlichkeit“, vielleicht sogar als moralische Naivität abzutun und somit seine äußere Strahlkraft zu übersehen: Denn ganz im Gegenteil ist deutlich, daß der bisherige politische Kampf sich ohnehin zunehmend von der parlamentarischen Arena auf gänzlich andere Gebiete verlagert, während das demokratische Zeremoniell zu einer sinnentleerten Fassade verkommen ist, welche anderswo getroffenen Entscheidungen lediglich den Anschein populärer Legitimität verleiht und den Ereignissen nur noch hinterherrennt: Die tatsächliche Macht liegt mittlerweile zum einen bei einer verschwindenden Zahl von Konzernen, Medien und Einzelpersonen, von denen jeder einzelne oft mehr Gewicht, Macht und Einfluß besitzt als ganze europäische Kleinstaaten, zum anderen aber – und das mit Sicherheit in steigendem Maße – bei jenen schlagkräftigen, weltanschaulich geschlossenen und um charismatische Gestalten organisierten Druckgruppen, welche bereits in vielen Vororten die Herrschaft über das Alltagsleben übernommen haben und das Gewaltmonopol des Staates ad absurdum führen. Es ist daher dringlicher denn je, daß die „letzten Abendländer“, anstatt ebenfalls in den Sog jener Gruppen zu geraten und ihre eigene Identität zu verlieren, vielmehr ihre eigene „Parallelgesellschaft“ erschaffen und ihre eigenen Regeln setzen und im echten wie im übertragenen Sinne das Kulturgut ihrer Vorfahren schützen, pflegen, mehren und weitergeben.

Daher wird auch der klassische politische Bereich zunehmend an Bedeutung verlieren, während die wahre demokratische beziehungsweise plebiszitäre Überzeugungskraft von der Erfahrung vorbildhaften Alltags- und Familienlebens, der Ordnungskraft stets wachsender, gut vernetzter Gruppen, der Aufstellung eines alternativen Bildungssystems und der Schaffung einer wahren Gegenöffentlichkeit ausgehen wird, die allesamt nur dann mit der nötigen Bestimmtheit entwickelt werden können, wenn sie auf einer doppelten, hesperialistischen Glaubensgrundlage beruhen: der Wiederentdeckung der christlichen Wurzeln Europas und der Liebe zur eigenen, nicht nur nationalen, sondern auch und vor allem abendländischen Heimat.

Man wird sich dabei auf einen langen, geistigen wie auch kulturellen und politischen Kampf in einer Umwelt einstellen müssen, die gleichzeitig von einem zunehmenden Bedeutungsrückgang der staatlichen Institutionen und einem atavistischen Hervortreten des Prinzips von Charisma und Gefolgschaft gezeichnet sein wird: Nur wenn am Ende dieser Entwicklung die abendländische Tradition als eine sowohl klar umrissene als auch inklusions- und integrationsstarke Ordnung Bestand hat, während der Nihilismus sich selbst ad absurdum geführt hat, mag eine Chance bestehen, sie erneut, wenn auch in unzweifelhaft verändertem Maße, als Basis des menschlichen Zusammenlebens in Europa zu restituieren.
… Alles vom 24.7.2020 von David Engels bitte lesen auf JF, 31/20, Seite 15

Prof. Dr. David Engels, Jahrgang 1979, Althistoriker, lehrt Römische Geschichte in Brüssel und forscht am Instytut Zachodni (West-Institut) in Posen.
https://www.davidengels.be

Buch:
David Engels: Was tun? Leben mit dem Niedergang Europas. ­
Renovamen Verlag, Bad Schmiedeberg 2020, gebunden, 248 Seiten, 16 Euro

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Zum Tod Jean Raspails – Einer der letzten Repräsentanten einer Welt, die verschwindet
„In fünf Jahren werde ich tot sein. O doch! Ich hoffe.“ Jean Raspail hat das im April 2016 gesagt und recht behalten. Er starb am 13. Juni im Alter von 94 Jahren.
Wir wissen nicht, was der Schriftsteller in seinen letzten Tagen von der politischen Entwicklung wahrgenommen hat. Aber der Triumphzug des Antirassismus, https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2020/deutsche-polizisten-gehen-vor-black-lives-matter-demonstranten-in-die-knie/ die Selbstgleichschaltung (fast) aller Medien, die Art, in der die Europäer ihren Selbsthaß zelebrieren, dürfte ihn kaum überrascht haben. Raspail ahnte seit langem, zu welchen Konsequenzen die „altruistische Idiotie“ – diese Mischung aus falsch verstandenem Christentum und linken Ideen – führen werde. Daran änderte auch wenig, daß ihm während der sogenannten Flüchtlingskrise von 2015 der eine oder andere widerwillig bestätigte, daß er mit seiner Prognose recht behalten habe.
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Diese Prognose ist enthalten in Raspails zuerst 1973 erschienenem Roman Das Heerlager der Heiligen. Der Titel spielt an auf eine Stelle im Kapitel 20 der Offenbarung des Johannes, wo es über das Ende der Welt heißt, daß die Völker Gog und Magog von den Enden der Erde herbeikommen, „deren Zahl ist wie der Sand am Meer. Und sie stiegen herauf auf die Ebenen der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt.“ Behandelt wird im Heerlager das gewaltlose Eindringen asiatischer Massen, die Europa überfluten, dessen Völker ausgedünnt und demoralisiert, von ihren Führern im Stich gelassen werden.
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Die Intelligenz hat alle Tradition zersetzt und die Auffassung etabliert, daß Selbstbehauptung unmoralisch ist, die Geistlichen glauben längst nicht mehr an die Wahrheit der alten Lehre und predigen Indifferenz oder eine als Nächstenliebe getarnte Sentimentalität, die Wirtschaft ist allein auf Gewinnmaximierung aus und schert sich nicht um das Gemeinwohl, die Politiker sind korrupt und den Soldaten hat man alle Möglichkeiten genommen, auf ihren Dienst stolz zu sein und ihr Leben für die Nation zu wagen.
Längst sind die Vorhuten der Invasoren im Land, haben Brückenköpfe errichtet und Verbündete gesucht und gefunden und den Tag vorbereitet, an dem Europa untergehen soll. Dazu kommt es, weil die Auswirkungen der großen Wanderung nur allmählich sichtbar werden. Denn es handelt sich nicht um bewaffnete Invasoren, sondern um die Verdammten dieser Erde, deren schiere Zahl und deren Elend überwältigend wirkt, weil es Gefühle des Mitleids weckt, die den Widerstand erschweren. Schließlich kommen alle Abwehrversuche zu spät, Südfrankreich wird vor den Massen der Eindringlinge geräumt und man kann sich unschwer ausmalen, was in der Folgezeit geschieht.
Raspail hat betont, daß ein Buch wie Das Heerlager der Heiligen heute nicht mehr veröffentlicht werden könnte. Die Menge an Diskriminierungsverboten und antirassistischen Maßgaben in Gesetzesform machte das unmöglich. Daß es nach wie vor lieferbar ist, ins Deutsche, Englische, Afrikaans, Spanische, Portugiesische und Italienische übertragen wurde und die Gesamtauflage von mehr als zwei Millionen Exemplaren überschritten hat, erklärt sich aus der Tatsache, daß die Restriktionen nicht rückwirkend angewendet werden dürfen.
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Ohne Zweifel ist das Heerlager das bekannteste Werk Raspails. Seinen Erfolg haben weder die Verrisse noch die Lesewarnungen noch die zahlreichen Prozesse verhindern können, die man gegen den Verfasser angestrengt hat. Aber darüber wird oft vergessen, wie sich das Buch in das Oeuvre Raspails einfügt. Denn zu dessen zentralen Themen gehört der Untergang bedrohter Kulturen, die er mit einer besonderen Sensibilität behandelte, ganz ohne den üblichen Dritte-Welt-Kitsch und ein Beharren auf so anachronistisch wirkenden Werten wie Ehre, Ahnenstolz und Treue.
Seine Treue galt der Überlieferung des Vaterlandes in Gestalt der Douce France, samt Königtum, katholischer Religion, Vielfalt der Provinzen, Raffinesse, Galanterie. Mit Raspail verschwindet einer der letzten Repräsentanten dieser Welt, die selbst schon fast verschwunden ist.
.. Alles vom 14.6.2020 von Karlheinz Weißmann bitte lesen auf
https://jungefreiheit.de/kultur/literatur/2020/242541/
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Einige Kommentare:
Das Buch „Das Heerlager der Heiligen„ möchte ich bestellen und lesen!
„Vaterlandsliebe“ ist die gravierende Haltung die uns im Laufe der Jahre gestohlen wurde. Der „Triumphzug des Antirassismus“ , seine fatale Auswirkungen, hatte dieser exzellente Monseur erkannt, ja, gravierend befürchtet. Das Thema in die biblische Johannes Gospel einzuweben, scheint mir als tief christlich, zum Glauben an das Christentum bekennend eine geistige Genialität gewesen zu sein. Dass dieses Buch noch gedruckt und veröffentlicht werden konnte bleibt noch Lichtblick; Es ist eine uns Zuflucht schenkende Helle, die den grau-dunkelnden Wolkenhimmel noch erleuchten mag! Lokale Abendnachrichten (ich lebe 50 Meilen nördlich von Miami ) wurde ein demonstrierender Zug von johlenden Menschen zeigten Bilder Karibischen Inselbewohnern gleichend; sie tanzten, bewegten sich euphorisch, hauten die Trommel als wären sie auf dem Mardi Gras in (New Orleans). Weiße Gestalten waren vereinzelt im Zug mitgelaufen.
Haben die schon ihre Identität aufgegeben; verschenken sich Menschen nicht leichtfertig an das Duckmäusern?Das organische, das ursprüngliche „Black“ sein bleibt ihnen doch verschlossen?
Corpus Christi. Der verklärte Körper Jesus Christus, mag auch auf den heiligen (holy, whole) Körper des Christentums projiziert und verstanden werden. Wir haben das Christentum verkauft….
Heute war ich in der Katholischen Messe. Mit Mundschutz und körperlichen Abstand. In USA wird das Corpus Christi Fest am Sonntag nach dem Donnerstag (Liturgischen Kalender) geehrt.In der Predigt wurde u a das gottlose Verhalten der Demonstrierenden erwähnt…Ich hatte einen Moment erlebt ZUHAUSE angekommen zu sein! Der Hochwürden weiß dass ich deutsche bin. Er grüßte mich an der Ausgangstür mit dem bayrischen: GRÜSs GOTT! Ein Sonntag mit besonderer Note. Danke, Herr Weißmann für den Nachruf auf das Leben Jean Raspails!
4.6.2020, V.B-J., JFO

Buch „Heerlager der Heiligen“
Ein großer Schriftsteller ist von uns gegangen. Mit seinem 1973 erschienen Buch „Heerlager der Heiligen“ hat er schon damals die Katastrophe der Flutung Europas mit kulturfremden Migranten kommen sehen. Und Merkel hat mit ihrer Asylpolitik – unter Missachtung der Gesetze – dafür gesorgt, dass Deutschland ab 2015 mit Okkupanten in erschreckender Anzahl bis zur Unkenntlichkeit überschwemmt wurde. Sie hat damit den super GAU für das deutsche Volk besiegelt! Der Bevölkerungsaustausch geht auch jetzt noch unvermindert weiter. So lange………bis die Deutschen Fremde in ihrem eigenen Land sind. Und die Politik fördert diesen unhaltbaren Zustand nach Kräften.
14.6.2020, P.E.

„… verschwindet einer der letzten Repräsentanten dieser Welt, die selbst schon fast verschwunden ist“
Die Tatsache, dass diese Welt schon fast verschwunden scheint, bedeutet aber nicht, dass sie das tatsächlich schon wäre. Sie mag sich nur nicht mehr zeigen. In den Köpfen existiert sie nach wie vor. Es will sich nur niemand mehr zu ihr bekennen, weil man dann auf verschiedenste Art und Weise bedroht wird.
14.6.2020, Th.B.
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Sein Tod ist sehr bedauerlich, wir verlieren einen herausragenden Intellektuellen.
Sein „Heerlager“ habe ich verschlungen, es ist ein absolutes Kultbuch und beschreibt leider unsere Lage nur allzu deutlich, wenngleich die Vorgänge auch schleichender stattfinden als im Buch. Und auch den letzten Rest aktiven Widerstandes wird es nicht geben. Lest auch „Sieben Reiter verließen die Stadt“, das Buch gibt es auch als 3-bändigen Comic in Französisch „Sept Cavaliers“ (www.editions-delcourt.fr) und beschreibt letztlich die Hoffnungslosigkeit unserer Lage, nichts für melancholische Gemüter.
14.6.2020, UE
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„Seine Treue galt der Überlieferung des Vaterlandes“
So sind die Patrioten Europas in ihrer Grundidee vereint. Nur die vaterlandslosen Gesellen wissen nichts mit einem Vaterland anzufangen und womöglich auch der Bezeichnung Muttersprache, denn beides, wie auch Vater und Mutter, erinnert daran, daß es vor Ihnen etwas gab, das ihren Horizont weit überstieg. Wer mit Vaterland und Muttersprache nichts anzufangen weiß, ist im Grunde genommen ein ganz armes Würstchen, dem die Wurzeln fehlen. Und genau das ist der Grund, daß sie mit den beiden Termini nichts anfangen können: sie sind wurzellos. So ist denn auch ihre Existenz: wurzellos dahingetrieben in Zeit und Raum, werden sie irgendwann erkennen, daß ihr Mangel ihr Schicksal ist – denn sie können sich nicht bekennen: Zu nichts und gar nichts. „Dust in the Wind“. Ich möchte nicht mit den Wurzellosen tauschen, denn sie kennen nicht die heißen Tränen bei einem Märchen noch die Freude über den wunderbar duftenden Flieder nach einem langen Winter. Wir Repräsentanten einer „verschwundenen“ Welt werden niemals verschwinden – wir gehen nur woanders hin. Aber sollten wir dem „Dust“ davon erzählen, wo der „Wind“ immer weht?
14.6.2020, Inf

1973 noch eine total überzeichnete Karrikatur, ist längst Realität. 
Ich habe vor ein paar Jahren, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise das „Heerlager der Heiligen“ gelesen und war fasziniert ob der Weitsicht Raspails. Die ganze Dummheit, die ganzen Weltbeglückungsphrasen und die Verkommenheit der politischen Klasse und der Kirchen, all dies hat er verausgesehen.
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte angesichts der Tatsache, dass alles genau so kommt, wie es Raspail 1973 prophezeit hat, diese Beschränktheit, dieser Weltrettungswahn der Herrschenden. Was man 1973 noch für eine total überzeichnete Karrikatur hätte halten können, ist längst Realität. Grotesk.
14.6.2020, Th.M.

… die Invasoren
Leider konnte ich „Le Camp des saints“ des Académie française-Mitglieds nur noch in der bereits geschönten Form lesen. Der Unterschied zu dieser weitsichtigen Dystopie zu dem, was wirklich eingetroffen und weiterhin am Laufen: die Invasoren kommen nicht aus Indien und sie kommen nicht mit einer gewaltsam angeeigneten Flotte aus halben Wracks. Sie kommen aus einem Kontinent, in dem die Menschen nicht Willens sind sich eigenständig zu entwickeln und die Geburtenrate den Resourcen anzupassen, die ihre jeweiligen Länder hergeben.
Und die Flotte wird inzwischen von kriminellen Schleppern genau so wie von unseren Amtskirchen gestellt. Und jeder Widerstand autochthoner Bevölkerung wird aufgrund geschlossener internationaler Schandverträge niedergeschlagen oder für kriminell erklärt.
Jean Raspai hat es nun geschafft, er muß hienieden diesem schon nicht mehr schleichenden Untergang nicht mehr hilflos zuschauen, R.I.P.
14.6.2020, E.N.
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Achtung Verschwörung
oder: Wie ein Künstler den Völkermord an den Weissen prophezeit
https://www.youtube.com/watch?time_continue=27&v=leGdd22p700&feature=emb_title

Unglaublich. Und dieser Schmierfink und Nestbeschmutzer wird nicht wegen Aufruf zu Rassenhaß und Rassismus angeklagt? Was stimmt da nicht in den USA? Wenn man seine Klientel nicht mehr überzeugen kann, sucht man sich eine neue. Parasitendenke.
14.6.2020, MAR

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https://sezession.de/63057/jean-raspail-ist-tot
Ich bin sehr betroffen von der Nachricht von Jean Raspails Tod.
Gerade in letzter Zeit erst habe ich die beiden idealistischen Romane „Der Ring des Fischers“ und „Sire“ für mich entdeckt, davor „Die blaue Insel“ mehrfach gelesen, von den „Sieben Reitern“ und dem „Heerlager der Heiligen“ ganz zu schweigen. Letzteres lese ich gerade parallel zu den Ereignissen in den USA und bei uns und die Lektüre trifft mich existenziell wie beim ersten Mal vor wenigen Jahren.
Raspail war ein geradezu hellsichtiger Autor. Mit ihm schließt sich eine der wenigen Türen endgültig, die im „Anschwellenden Bocksgesang“ von Botho Strauß ebenso hellsichtig beschrieben wurden.
Die Welt ist gestern deutlich ärmer geworden. Wahrscheinlich aber merkt sie es noch nicht einmal. Auch das ist ein typisches Zeichen unserer Zeit.
15.6.2020. N.B.
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Mir ging es ähnlich: das erste Buch von Raspail, das ich las, waren die Sieben Reiter
und die Atmosphäre darin hat mich sofort gebannt. Vielleicht eine Vorliebe für Dystopien? Vielleicht auch daß Gefühl des Neuaufbruchs, nachdem eine Gessellschaft nun endlich komplett vom Wahnsinn dahingerafft wurde mit dem Zauber des Neubeginns, der z.T. durchscheint, dann das ernüchternde Ende… Anschließend den Ring des Fischers: wieder kam darin dieser Zauber vor: die geheime Welt, die sich hinter dem Profanen verbirgt.
Zum Heerlager der Heiligen kann ich mich nicht äußern, denn obwohl es mEn, das erste Buch war, das ich bei Antaois bestellt habe, harrt es immer noch im Regal darauf, gelesen zu werden. Ich kenne die Inhaltsangabe und habe ein paar mal versucht hineinzulesen, aber irgendwie konnte ich mich nie überwinden mich darauf einzulassen. -Vielleicht weil das Geschehen zu nah ist, zu sehr dem Wahn von 2015 ähnlich – das Gefühl, daß ich nicht bereit bin die literarische Kondensation dieser Erscheinung auszuhalten und durchdenken zu können.
Ähnlich ging es mir bei Milan Kunderas „Unerträgliche Leichtigkeits des Seins“ – daß stand auch 10 Jahre oder länger herum, lag ein paar mal in der Hand, aber erst später – und dann mit Gewinn gelesen. Jetzt bin ich fast froh darum, daß das „Heerlager“ noch darauf wartet entdeckt zu werden – es ist dann wie eine Brücke zu einem Hellsichtigen, der leider nicht mehr in dieser Welt weilt, dessen Geist aber doch noch einen Zugang offen hält.
15.6.2020, Ste

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