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Wetterbuchen vom Rosshang in Hofsgrund am Schauinsland am 10.12.2020: Schnee – Buchen – Nebel – Sonne
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- Buchmesse Seitenwechsel Halle (9.11.2025)
- Die Buchmesse Seitenwechsel in Halle als Vorbote einer neuen Debattenkultur (7.11.2025)
- Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: „Von der Ukraine siegen lernen“ (27.10.2025)
- Frankfurter Buchmesse: Debatte statt Zensur (17.10.2025)
- Seitenwechsel 8./9.11.2025 Halle (6.10.2025)
- Alternative Buchmesse „Seitenwechsel: Frei und subventionsfrei (17.9.2025)
- Alternative Buchmesse „Seitenwechsel“ am 8./9.11.2025 in Halle (8.6.2025)
- 2025 drei Buchmessen: L, F, DD (17.10.2024)
- Michael Esfeld: Land ohne Mut (25.2.2024)
- Slavoj Zizek auf der Buchmesse: Wenn schon eine Frage zu Palästinensern für Tumult sorgt (18.10.2023)
- Esfeld „Land ohne Mut“ – Ausschluß von der Frankurter Buchmesse (31.8.2023)
- Frankfurter Buchmesse: Preise (25.10.2022)
- https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/erklaerung-2018-rechtsstaat/ (24.3.2018)
- https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/tellkamp-diskussionskultur/ (20.3.2018)
- Leipziger Buchmesse – Linke und Rechte (18.3.2018)
- Meinungsfreiheit: Es geht um linke Deutungshoheit und Macht (17.3.2018)
- Streit Tellkamp-Grünbein zeigt umstrittene Identität Deutschlands (16.3.2018)
- Monika Maron: Uwe Tellkamp hat nichts falsches gesagt (15.3.2018)
- https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/migration-in-hartz4-tellkamp/ (10.3.2018)
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Buchmessen
Frankfurt (Main): https://www.buchmesse.de
Leipzig: https://www.leipziger-buchmesse.de/de/
Halle (Saale): https://www.messe-seitenwechsel.de/
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Die Buchmesse Seitenwechsel in Halle als Vorbote einer neuen Debattenkultur
Die Seiten wechseln
Am Anfang des Jahres 2025 verkündete die Dresdner Buchhändlerin, Verlegerin, Kulturpolitikerin und künftig auch Messeleiterin Susanne Dagen, daß am 8. und 9. November 2025 eine Büchermesse neben den beiden etablierten Messen in Frankfurt und Leipzig in Halle an der Saale stattfinden wird. Unter dem Namen „SeitenWechsel“ lädt man zu einem Fest des Lesens und Debattierens in die Saalestadt. Dies wäre insofern unspektakulär, als daß die Messe eine Veranstaltung unter vielen in Deutschland wäre, die man entweder besucht oder eben nicht. Das Besondere dieser Messe jedoch ist der politische Gehalt, der mittlerweile mit dem Namen Susanne Dagen (JF-Interview 43/25)verbunden ist. Seit ihrer klaren gemeinsamen Positionierung für eine Gleichbehandlung rechter Verlage auf der Frankfurter Buchmesse im Jahr 2017 gilt sie als Abtrünnige in der deutschen Kulturbranche. Dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels warf sie damals vor, einen „Gesinnungskorridor“ vorzugeben.
Seither ist nicht nur ihr Name in der Kulturöffentlichkeit zur Chiffre für moralisches Fehlverhalten geworden, auch die Schriftsteller Uwe Tellkamp und Jörg Bernig oder Monika Maron und der Kabarettist Uwe Steimle rezipiert, kriminalisiert oder neudeutsch: „framt“ der kulturelle Mainstream heute als Abweichlertum. Man verstieß gegen die Normalität der Kulturbranche und ihr Selbstverständnis. Indem Dagen und Co. die freie Debatte in alle Richtungen einforderten, machten sie sich der Rechtslastigkeit ergo Unmenschlichkeit schuldig. Gerade weil man aber bis dato ein angesehener Teil dieser Kulturindustrie war, sah man sich als „Verräter“ besonders harten und perfiden Abwehrreaktionen ausgesetzt. Nach all dem folgt nun der Gang ins Offene und der Versuch, einen eigenständigen Ort geistiger Auseinandersetzung zu schaffen.
Diese Ausschluß- und Abwehrreaktionen eines Juste milieu beschreibt der hallesche Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz als „normopathisch“. Diese Normopathie wird beschrieben als eine kollektive psychosoziale Störung, bei der Individuen und Gruppen eine pathogene (krankmachende) gesellschaftliche Norm übermäßig verinnerlichen und als „normal“ erleben. Das führt zu einer Entfremdung vom eigenen Selbst, einer Überkonformität und einer Verdrängung kritischer Reflexion, die in politischen Kontexten zu rigiden, moralisierenden Bündnissen führen kann.
Es dauerte demnach nicht sehr lange, bis sich ein entsprechendes normopathisches Kollektiv von Theater, Kunst, Stadtrat und NGOs nach Bekanntgabe der Büchermesse formierte. Das „WIR“-Festival ward geboren, im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) kamen nicht nur die Bekräftigungen der Initiatorin zum Ausdruck, auch emphatische Stimmen aus „Zivilgesellschaft“ und Institutionen wurden veröffentlicht. Niemand könne doch wollen, daß eine rechte Messe stattfindet.
Die Wir-Verantwortliche Theresa Donner, Buchhändlerin wie Susanne Dagen trägt im typischen Zivilgesellschaftsduktus die üblichen Vokabeln von Zivilcourage bis Weltoffenheit vor. „Fundament einer demokratischen Gesellschaft“ und „gegen Spaltung“. Man möchte die Büchermesse, welche „rechtsextremen Verlagen und Verschwörungstheoretikern eine Bühne gibt, nicht unbeantwortet lassen“. Im MDR-Interview ist mehrfach von „Lügen“, die verbreitet werden, die Rede. Von welche Lügen konkret die Rede ist, wird, wenig überraschend, von seiten des Moderators nicht kritisch hinterfragt. Die Vorwürfe verlassen den Boden des Spekulativen daher nicht, nähren aber den Popanz, den man nur allzu gern vermarktet. Die Erzählung vom „Angriff von rechts auf unsere Demokratie“ wird so unterfüttert, sie darf nicht an Wirkmacht verlieren, hat man sich doch in ihr eingerichtet, wenn nicht gar abhängig gemacht.
Der Kulturbetrieb heftet sich zwar gerne ans Revers, vielfältig, weltoffen und bunt zu sein, erlaubt jedoch keinerlei Offenheit nach rechts: Weder darf man sich Themen literarisch nähern, noch darf man mit diesen Rechten zeitgenössische Romane kritisch lesen („Aufgeblättert, zugeschlagen“). Nach rechts offen zu sein ist im bundesrepublikanischen Kulturbetrieb ein schlimmes Verbrechen. Wähnt man sich doch in der ersten Reihe des Widerstands „gegen den Faschismus“. Geschichtsprofessor Peter Hoeres legt in seinem Essay „Rechts und links“ (zu Klampen, 2025) schlüssig dar, warum das Rechte ein nicht nur legitimer, sondern essentieller Bestandteil des demokratischen Meinungsspektrums ist. Die Gleichsetzung des Rechten mit der moralisch falschen Seite vertieft jene Spaltung, die man mit noch mehr linken Ideen zu bekämpfen glaubt. Aktuell grenzt man bundesweit ein Viertel der Menschen aus, in Mitteldeutschland dürfte der Anteil der rechts oder konservativ Verorteten weitaus höher sein. „Die neue antifaschistische Volksfront wird zudem nur über ihre Feindmarkierung zusammengehalten. Gravierende politische Unterschiede werden dadurch überdeckt, Demokratie gerät zur Simulation.“
Weiter kommt Hoeres folgerichtig und mutig zu dem Ergebnis, daß „die Ächtung von „Rechts“ zu einem Ende“ kommt und diese Option wieder „Eingang in die deskriptive und analytische Normalsprache findet.“ Die letzte Steigerungsform von rechts, so Hoeres, ist eben nicht der Nationalsozialismus, den er als „Amalgam rechter und linker Positionen“ bezeichnet, sondern die Endkonsequenz des Rechten ist neben den traditionellen Parteien ein weiterer wirkmächtiger Mythos, nämlich der „20. Juli“ und die heroische Figur eines Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das Opfer und direkte Aktion für die „rechte“ Sache. Diese Richtigstellung der Verortung der Rechten als legitim im politischen Koordinatensystem war überfällig und läßt auf weitere Diskussionen hoffen.
Das WIR-Festival präsentiert sich als Feier der kulturellen und sozialen Vielfalt. Das Motto „WIR“ evoziert eine inklusive Gemeinschaft, die Toleranz, Respekt und Demokratie als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen setzt. Es ist kein eigener Impuls, sondern Reaktion. Auf eine initiatorische Unternehmung, getragen von eigenständigen Ausstellern und einer Leserschaft, die eben gerade dieses Autonome und Freigesinnte schätzen. Vielfalt, wie sie das Festival proklamiert, ist kein neutraler Zustand, nichts „Natürliches“, sondern Ausdruck eines normativen Anspruchs. Sie impliziert eine Auswahl dessen, was als „vielfältig“ akzeptiert wird, und schließt zwangsläufig aus, was diesen Rahmen sprengt.
Das setzt einen Homogenisierungs- und Schließungsprozeß in Gang, der Akteure wie Susanne Dagen und andere nicht duldet, weil sie es wagen, Erkenntnisse immer wieder aufs neue zu hinterfragen, wie ein Forscher an der Erkenntnis orientiert. Jene Wir-Demokraten empört aber bereits die mögliche Existenz einer anderen Perspektive. Dies ist im Grunde armselig und nicht der Rede wert, wenn diese Normopathie nicht mit staatlichen Fördermitteln institutionalisiert würde, Stichwort NGO-Komplex. Es sind die Milieus der Kunst-, Medien- und Kulturbranchen, die den Ton angeben, die sich geradezu blind vertrauen, gut vernetzt sind und auf dem gemeinsamen weltanschaulichen Nenner des „Antifaschismus“ fußen. Das „breite Bündnis“ in seiner dogmatischen Härte existiert tatsächlich.
Wer besitzt die Macht, die Maßgabe, auszurufen und zu dekretieren, was unter die hegemoniale Sprachregelung fällt? Der Soziologe Andreas Reckwitz beschreibt die tonangebenden Kreise spätmoderner Gesellschaften als kulturelle Leitmilieus, die eine Oberschicht mit spezifischen Eigenschaften und Verhaltensweisen bilden. Man mag sich fragen, wie es sein kann, daß angesichts immer steigender Zustimmungswerte für die AfD eine Resolution im Stadtrat eines mitteldeutschen Zentrums wie Halle Zustimmung finden kann, die den Stadtrat dazu auffordert, sich von einer freien Messe zu distanzieren und darüber hinaus einem Gegenfestival finanzielle Unterstützung zuzusichern.
Der Leser erinnere sich an dieser Stelle an die Mobilisierung der urbanen Demonstrationszüge nach Bekanntwerden des lancierten „Geheimtreffens“ in Potsdam: Wie aus dem Nichts marschierten Tausende Menschen gegen „Rechts“. Grob gesehen unterscheiden sich die Potsdam-Demonstranten nicht sehr stark von dem WIR, welches sich nun in Halle zusammenfindet, um unter ähnlich klingendem Banner gegen „rechtsextreme“ verlegerische Umtriebe mobil zu machen. Es sind die Milieus urbaner, akademischer Kreise. Quantitativ höchstens ein Drittel, qualitativ jedoch wirkmächtig – Kunst und Kultur, Medien, akademische Welt und Verwaltung, sprich: die Institutionen, auf die das Mängelwesen Mensch zu seiner Erziehung und Entlastung angewiesen ist. Und nicht nur Arnold Gehlen und Antonio Gramsci wurden einstmals links gelesen und verstanden, auch scheint man links Carl Schmitt genauso verinnerlicht zu haben, viel stärker als es die politische Rechte bis heute vermag.
Wer Freund ist, wer Feind, das immerhin wissen die letzten Pappnasen linker Stadtratsfraktionen, während man „rechts“ die Uhr danach stellen kann, daß ein Konservativer Fairneß und Neutralität verlangt, um dann doch zuzustimmen oder sich höchstens zu enthalten. Die Aufgabe der Konservativen in der Bundesrepublik ist eben die schlichte systemische Integration progressiver, formenprägender Elemente bzw. ihre Absicherung gegen ihre öffentlichen Feinde. Rechts muß man lernen, politisch zu denken. Es gibt keine „neutrale“ Kultur.
Das Festival kann sich dank der Unterstützung eines mächtigen medialen Hauptstroms als moralisch überlegen darstellen, während die Messe hingegen als Bedrohung geframt wird. Die Dynamik zwischen den beiden Veranstaltungen legt hierbei einen paradoxen Mechanismus liberaler Gesellschaften offen: Eine pluralistische Gesellschaft, die Meinungsfreiheit als Grundwert hochhält, stößt an ihre Grenzen, wenn sie mit Positionen konfrontiert wird, die ihren Konsens in Frage stellt. Hier blickt der kulturinteressierte Bürger zunehmend auf den Zustand der Unversöhnlichkeit zweier Weltanschauungen. Die Kritiker der „Seitenwechsel“-Messe sehen in ihr eine Gefahr für die offene Gesellschaft. Sie argumentieren, daß das Tolerieren rechter Verlage und Ideologen unmöglich sei, weil diese die Grundlagen von Demokratie und Vielfalt unterlaufen würden. Der Andersdenkende steht damit außerhalb der Demokratie. Er hat den gemeinsamen Boden verlassen und darf ihn erst dann wieder betreten, nachdem er sich zu „unserer Demokratie“ bekannt hat. Dann stünde allerdings aus, einen neuen Feind zu markieren.
Die Medien, traditionell wie sozial, schaffen abgeschlossene narrative Blasen, die kaum miteinander kommunizieren. Diese Dynamik ist charakteristisch für die fragmentierte Öffentlichkeit der Gegenwart. Ohne eine verbindliche Wahrheit oder einen gemeinsamen Wertekanon werden Konflikte nicht durch Diskurs gelöst, sondern durch narrative Konkurrenz verschärft. Debatten, die diesen Namen verdient hätten, finden nicht mehr statt, obwohl es genügend repräsentative Räume in jeder Stadt gäbe.
Die Akteure der Zivilgesellschaft nutzen die unbewältigte NS-Vergangenheit Deutschlands als moralischen Imperativ, was schnelle Allianzen mobilisiert. Der Historiker Rolf Peter Sieferle beschrieb in „Finis Germania“ den Mythos der Vergangenheitsbewältigung als jene letzte Wahrheit, die der Diskussion entzogen bleibt und bleiben muß. Zivilgesellschaftliche Vereinigungen wie eben jenes WIR-Konglomerat tragen demnach Züge einer orthodoxen Glaubensgemeinde. Sieferle argumentiert, daß der Antifaschismus in Deutschland nicht nur eine politische Ideologie, sondern eine quasi-religiöse Überzeugung ist und die Funktion einer Staatsreligion übernommen hat. Er weist Merkmale auf, die traditionellen Religionen ähneln. Dogmatismus: Antifaschismus wird als unantastbare Wahrheit behandelt, die nicht hinterfragt werden darf. Moralische Absolutheit: Er teilt die Welt in Gut (Antifaschisten) und Böse (Rechte, Nazis), ähnlich wie religiöse Dualismen. Rituale und Symbolik: Öffentliche Bekenntnisse (Demos gegen rechts, Gedenken) und Symbole („Nie wieder ist jetzt!“) dienen der kollektiven Selbstvergewisserung. Sühne und Schuld: Die historische Schuld der NS-Zeit wird als „Erbsünde“ verinnerlicht, die Buße (zum Beispiel durch antifaschistische Aktivitäten) erforderlich macht. Gemeinsames Trauern ist aber gerade kein Bestandteil des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit, denn sie wäre der erste Schritt zur Gnade. Es kann aber weder Gnade noch Vergebung geben mit „den Deutschen“, denn sie sind „absolute Täter“. Aus diesem Grund ist in den Augen des Establishments oder Shitbürgertums mit einer Messe, die sich rechts oder alternativ verorten läßt, der erste Schritt zurück in die Barbarei bereits getan.
Die in vielerlei Hinsicht gebeutelte Stadt Halle (Saale) wird in diesem Herbst zu einem Mikrokosmos der modernen Demokratie: gefangen zwischen dem Ideal der Vielfalt und der Realität der Spaltung. Das Buch als Medium ist ein Kulturgut, das allgemein als wertvoll anerkannt ist, unabhängig von der Rezeption verschiedener politischer Lager. In den Vordergrund des Ansinnens der Messe als Institution rückt die Ebene der Vermittlung, der Wert kritischer Gedanken, nicht deren politische Verwertbarkeit innerhalb geschlossener weltanschaulicher Grenzen. Warum dies als Normalität akzeptieren? Wenn man es ernst meint mit der Messe „Seitenwechsel“, wovon auszugehen ist, dann ist sie nichts Temporäres, bis alles wieder „normal“ ist oder sich wieder alles eingerenkt hat; führt doch gerade diese einseitige, unfruchtbare und zerknirschte Normalität nicht nur Deutschland immer weiter in den Niedergang. Sondern sie zielt bestenfalls ab auf Institutionalisierung, Verstetigung und Verwurzelung. Einen unproduktiven und versteinerten Status quo nach Partizipation anzubetteln, kann nicht der tragende Impuls sein, sondern die Urbarmachung vernachlässigten Bodens. „Seitenwechsel“ als Ausdruck und Vorbild freien Unternehmertums käme auch der gastgebenden Stadt langfristig zugute. Nun ist Mut gefragt, den Wandel in Kultur und Öffentlichkeit zu begleiten.
Neugierig ist das Denken des geistig beweglichen Menschen, der zur Erkenntnis strebt, revisionsfähig ist und dem bewußt ist, daß es keine absoluten Wahrheiten gibt. Wer die Ambivalenzen und unzähligen Farbtöne des Lebens erträgt, wer gerade diese Vielfalt lebt, dem kann gelingen, den scheinbar unüberbrückbaren kulturellen Konflikt zu überwinden und zur Wiederbelebung des Geistes beizutragen.
Kevin Naumann, Publizist, gründete 2024 das Kulturmagazins „Die Aster“, das sich online mit kulturellen Themen beschäftigt. Seit 2025 betreut er den Podcast „Ins Offene“. Außerdem schreibt er für die aus Österreich stammende Zeitschrift „Freilich“. Er lebt in Halle.
.. Alles vom 7.11.2025 von Kevin Naumann bitte lesen in der JF 46/25, Seite 18
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: „Von der Ukraine siegen lernen“
„Uns Europäern bleibt, so unwahrscheinlich es klingen mag: Von der Ukraine lernen, heißt furchtlos und tapfer sein, vielleicht auch siegen lernen.“ (Karl Schlögel in seiner Dankesrede nach der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2025)
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Diese Aussage macht fassungslos und unendlich traurig. Wenn das Wort „Frieden“ sich nur wehren könnte gegen eine derartige verbale Vergewaltigung, ja wenn ….
27.10.2025
Frankfurter Buchmesse: Debatte statt Zensur
Mit welchem Aufbruchsgeist die Frankfurter Buchmesse nach dem Krieg gestartet war. In der Frankfurter Paulskirche, Parlament der ersten gesamtdeutschen Nationalversammlung von 1848, formulierte SPD-Oberbürgermeister Walter Kolb den Auftrag der Messe in seiner Eröffnungsrede am 18. Februar 1949: „Von Frankfurt soll ein neues geistiges Deutschland ausgehen – frei von Zensur, frei vom Mißbrauch der Idee.“
Wie wenig von diesem Geist übriggeblieben ist. Diese Zeitung war kontinuierlich seit 1991 mit einem Stand auf den Buchmessen in Frankfurt am Main vertreten – bis 2023. Wir sind Zeugen der schrittweisen Veränderungen. Konservative, rechte Verlage waren immer seltene Kuriosität – an einer Hand abzuzählen. Tätliche Angriffe von Linksextremisten, verbale Attacken gab es wiederholt. Die Messeleitung verhielt sich jedoch lange neutral.
Die Messe „Seitenwechsel“ ist ein Gegenentwurf zur intellektuellen Diskursverweigerung aus Frankfurt.
Das Klima änderte sich in den vergangenen zehn Jahren. Die Grenzöffnung von 2015 und eine verschärfte Migrationsdebatte, der Aufstieg der AfD und als Gegenbewegung ein immer fanatischerer „Kampf gegen Rechts“ schlugen sich auch auf der Buchmesse nieder. 2017 war eine Zäsur: Hier positionierten sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Messeleitung erstmals demonstrativ gegen „rechte Verlage“ und meinten, „Zeichen setzen“ zu müssen.
Die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen protestierte damals gegen die von der Messeleitung orchestrierten massiven Störaktionen gegen rechte Verlage mit einer „Charta 2017“. Zu einem Dialog kam es nicht. Messeverantwortliche wurden stattdessen von öffentlich-rechtlichen Medien und der Politik bestärkt – wodurch es in den Folgejahren immer absurder wurde. Ab 2018 bündelte die Messe rechte Aussteller in einer grotesken Sackgasse und steigerte die Schikanen.
Die Corona-Jahre erstickten den Messebetrieb. Viele kleinere Verlage wendeten sich aus wirtschaftlichen Gründen dauerhaft ab. Heute dominieren schrumpfende Ausstellungsflächen staatlich subventionierte NGOs, Behörden, zwangsfinanzierte Sender und eine politisch immer konformistischere Verlagslandschaft.
Susanne Dagen hat jetzt in Halle die alternative Buchmesse „Seitenwechsel“ ins Leben gerufen. Über 60 Aussteller präsentieren dort am 8./9. November einen Gegenentwurf zu politischer Eintönigkeit und intellektueller Diskursverweigerung aus Frankfurt. Die JUNGE FREIHEIT ist auch dabei. Es ist ein prächtiges Signal für Privatinitiative und Selbstermächtigung von Bürgern, die politische Bevormundung leid sind!
… Alles vom 17.10.2025 von Dieter Stein bitte lesen in der JF 43/25, Seite 1
Alternative Buchmesse „Seitenwechsel“ am 8./9.11.2025 in Halle
Es gab düstere Zeiten, da durften die vier, fünf Verlage, die es hierzulande noch wagen, sich als rechts zu definieren, unbehelligt sogar bei den großen Buchmessen in Frankfurt/M. und Leipzig ihre Stände inmitten all der linken Konkurrenten aufschlagen. Das änderte sich anno 2017 zu Frankfurt. Weiland, im Jahr eins nach Köln, ermannte sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels endlich, zur „Auseinandersetzung mit den rechten Verlagen” auf der Buchmesse aufzurufen, wobei der Messeveranstalter offen ließ, auf welche Weise die „Auseinandersetzung” zu führen sei. Um die Stände der Rechten wurden gezielt „bunte”, also linke Projekte positioniert, manchmal sogar richtige Verlage, doch meistens Vollstrecker des spontanen Zivilgesellschaftszorns wie die Amadeu-Antonio-Stiftung, die man gegenüber von Kubitscheks Antaios-Verlag platzierte. Mit den linken Projekten kam deren geschmackvolles Personal; als Folge wurden über Nacht die Stände von Antaios und Manuscriptum leergeräumt, die Stellwände beschmiert, sowohl mit Parolen als auch sehr adult mit Penissen; die Bücher hatten die Toleranzdurchsetzer teils zerstört, teils in Papierkörbe und Mülltonnen geworfen, weil ein Feuerchen in der Messehalle aufgefallen wäre. Ich weiß das deswegen, weil ich morgens am Stand war und auch meine Bücher, unter anderem der Roman „Land der Wunder”, auf diese Weise entsorgt worden waren, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die juvenilen Würstchen, die das taten, erstmals passable Literatur in ihren vor revolutionärer Aufregung schwitzenden Händen hielten.
…
Als Reaktion auf die geduldeten und vom Börsenverein angestifteten Störaktionen initiierte die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen im Oktober 2017 die Charta 2017, in der sie dem Börsenverein vorwarf, einen „Gesinnungskorridor“ zu errichten, der früher oder später auf eine „Gesinnungsdiktatur” in der Branche hinauslaufe. Für diese faustdicke Lüge wurde Dagen mitsamt den rechten Verlagen exkommunziert, Letztere indem man sie von Messe zu Messe ein bisschen mehr schnitt und kujonierte, etwa durch ihre Verbannung in publikumsferne Sackgassen, weit weg von den Guten und Akzeptablen. Inzwischen dürfen sich beiden Buchmessen rühmen, rechtenrein zu sein.
Nun hat Susanne Dagen entschieden, die linke Exklusionsofferte anzunehmen und am 8./9. November zu Halle eine alternative Buchmesse auszurichten, wo sich diejenigen Verlage versammeln können, deren Gesellschaft den Etablierten so unangenehm war. Doch das passt diesen gemütvollen Gesell*:_innen auch wieder nicht. Sie gelüstet es nach der vollständige Exkommunikation der Rechten, sie wollen eigentlich deren soziale und wirtschaftliche Vernichtung, nur möglichst ohne Blutvergießen; wenn diese Fehlfarben verschwänden, würde das den Anhängern der Buntheit genügen, die Agenten unserer Demokratie sind da großzügig. Obwohl ihr gutes Gewissen auch unter einem versehentlichen Knochenbrecher-Angriff im Lina-Engel-Stil nicht litte; die Rechten wären schließlich selbst schuld.
„Die moderne Form der Bücherverbrennung heißt Boykott”, schreibt ein Autor bei Tichys Einblick und unterscheidet drei Arten: Boykott des Autors, Boykott des Verlages, Boykott der Buchhändler. Mit dem Boykott der Messe ließen sich alle drei Versionen miteinander verbinden. Zugleich lacht den Boykotteuren eine gewisse staatliche Finanzierung samt Medienlob und Herdenbehagen, verbunden mit dem Erklimmen des nächsten Stüfchens auf der Tugendleiter, überdies das erwähnte gute Gewissen. Es wäre nicht menschlich, ein solches Angebot abzulehnen.
Dieser Vernichtungswunsch nennt sich zivilgesellschaftliches Engagement.
…. Alles vom 8.6.2025 von Michael Klonovsky bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2025/06/8-juni-2025/
https://www.messe-seitenwechsel.de/
Esfeld „Land ohne Mut“ – Ausschluß von der Frankurter Buchmesse
Annäherung an einen Ausgestoßenen
Der Ausschluss von Michael Esfelds Buch „Land ohne Mut“ von der Frankfurter Buchmesse ist außerhalb der ebenfalls oft genug von der sogenannten Cancel-Culture betroffenen Medien weitestgehend ignoriert worden. Das ist selbstverständlich alles andere als unerwartet, wenn man bedenkt, wie schnell einen die „Kontaktschuld“ ereilen kann. Statt das nur zu beklagen, sollte man aber die Wortmeldungen, die es gibt, umso mehr würdigen.
„Kritische Menschen, die sich erkühnen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, scheinen nicht mehr im Horizont der Frankfurter Buchmesse zu sein. Das ist, wenn schon kein Land, dann sicher eine Buchmesse ‚ohne Mut‘?“ schreibt beispielsweise Henrieke Stahl, Professorin für slawische Literaturwissenschaft an der Universität Trier und 1. Vorsitzende des Vereins zur Förderung interdisziplinärer Forschung in Medizin und Ethik für die Gesellschaft, in der Berliner Zeitung.
https://www.berliner-zeitung.de/coronavirus/frankfurter-buchmesse-ohne-mut-diese-kritik-der-pandemiepolitik-ist-unerwuenscht-li.383711
… Alles vom 31.8.2023 bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/annaeherung_an_einen_ausgestossenen
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Michael Esfeld: Land ohne Mut
– Eine Anleitung für die Rückkehr zu Wissenschaft und Rechtsordnung
ISN 978-3-9822771-6-5
24 Euro
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Land ohne Mut
Das neue Buch von Michael Esfeld ist ein Aufruf zur Zivilcourage. Durch die Rückkehr zur Vernunft können wir den Angriff der Kollektivisten auf die offene Gesellschaft und den Rechtsstaat abwehren.
Aus dem Vorwort
Menschen sind in der Lage, sich anzupassen, auch an gefährliche Situationen. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass sie bei großen Veränderungen ein angemessenes Verhalten selbst entwickelt haben. Eine offene Gesellschaft kann aber auf die individuelle Urteilskraft, die von der Politik ausgeschaltet wird, nicht verzichten. Michael Esfeld weist darauf hin, dass es starke Bestrebungen gibt, der offenen Gesellschaft ein Ende zu bereiten. Das ist keine Verschwörungstheorie, weil das unverhohlen und klar ausgesprochen wird, wie er nachweist. Das Problem ist, dass diese Leute bisher nicht gestoppt worden sind. Wer sich ertüchtigen will, weil er es vorzieht, ein mündiger Bürger zu bleiben, statt ein zertifizierter, fremdgesteuerter Mensch zu werden, kann sich hier das nötige Rüstzeug holen.
Der Autor
Michael Esfeld, geboren 1966 in Berlin (West), ist seit 2002 ordentlicher Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Lausanne und Autor zahlreicher Bücher zu diesem Themenkreis. 2010 wurde Esfeld in die Leopoldina aufgenommen, die Deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften. 2013 erhielt er den Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Seit 2022 gehört er dem Stiftungsrat des Liberalen Instituts der Schweiz an. Esfelds Anliegen in diesem Buch ist die Rückkehr zu den Prinzipien wissenschaftlicher und ethischer Redlichkeit und zur Rechtsordnung. https://www.michaelesfeld.com
Leipziger Buchmesse – Linke und Rechte
Formate und Foren, in denen Rechte und Linke sich wirklich diskursiv begegnen wollen und können, müssen neu erfunden werden. …. Alles vom 18.3.2018 bitte lesen auf
https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article174677753/Antifa-Proteste-in-Leipzig-Radikal-Rechte-und-radikal-Linke-wollen-gar-nicht-miteinander-reden.html
Diskussionsbereitschaft scheitert an Links
Meine Erfahrung zeigt, dass die Diskussion meist an „links“ scheitert, da Linke vor allem ab Basis von ihrer vermeintlich überlegenen „Moral“ argumentieren (wenn sie denn überhaupt argumentieren) und die Argumente von Menschen mit „niederer Moral“ rundweg und pauschal ablehnen. …
Linke halten jegliche verbale oder nonverbale Äußerungen von Rechts für ein bekämpfenswertes Übel an sich und nichts mit dem man sich inhaltlich auseinandersetzen könnte. Daher reicht es aus, die Rechten niederzubrüllen, oder sonst irgendwie mundtot zu machen.
18.3.2018, Grünkernbratling, WO
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Linke verweigern die Diskussion
„Eher rechts orientierte Bücher, Zeitschriften, Menschen, Verlage etc. können natürlich entsprechend links orientierte zum Gespräch einladen.“ Es nutzt nur leider so lange nichts, wie unsere „Politik“ im Bundestag sich wie derzeit aufführt. Man hört von gewählten Politikern über gewählte Politiker doch immer wieder mantramäßig – mit denen nicht – keine Zusammenarbeit – rechtsradikal usw. usw. usw. Dabei übersieht die sogenannte Mitte bis Linke leider, dass sich auch in rechten Positionen absolut herausragender Intellekt finden läßt. Ich habe kürzlich nach 8 Jahren noch einmal Herrn Sarrazin gelesen und fand es sehr interessant, dass er in seinen Zukunftsszenarien absolut recht behalten hat – bis auf die Tatsache, dass er für 2017 eine Schwarz-Grüne Koalition voraussah statt der nächsten GroKo – alle anderen Ereignisse hat er mit ziemlicher Präzision getroffen. Vielleicht sollten auch die Menschen der Mitte und der Linken einmal innehalten und nachdenken, schaden könnte es nicht…
18.3.2018, Andrea V., WO
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Linke pöbeln, Rechte nicht
1. Die Buchmesse dient der Vermarktung von Büchern, und nicht damit Rechte und Linke „miteinander reden“.
2. Was die Linken dort machten, war kein Dialogversuch, sondern schlicht eine Attacke. Umgekehrt gab es keine Rechten, die an linken Ständen pöbeln.
Das ganze Thema des Beitrags ist also sinnlos.
18..2018, Karl O.,WO
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Ich sehe bei der Rechten wesentlich mehr Dialogbereitschaft als bei den Linken, die eigentlich immer nur versuchen die Rechten nicht zu Wort kommen zu lassen. Ich kann die Meinung des Autors nicht teilen, die zwei Gruppen gleichzusetzen ist falsch und lässt sich beim Blick auf die Realität leicht widerlegen.
18.3.2018, erwin B., WO
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Wie die etablierten „Demokraten“ mit der AfD umgeht, ist im Bundestag zurzeit sichtbar. Mit einer auf Sachlichkeit gegründeten Debattenkultur hat das wenig zu tun. Wer hat sich denn von den Etablierten „unaufgeregt“ mit AfD-Positionen beschäftigt. …
Auch durch ständige Wiederholung von „Rechte und Linke“ rückt diese Gleichstellung nicht näher an die Wahrheit heran. Linke blockieren Stände rechter und vermeintlich rechter Verlage. Rechte tun dies umgekehrt nicht und sind jeder Zeit diskussionswillig und -bereit. Auch wenn Sie es hier anders erscheinen lassen wollen.
18.3.2018, Theodor r., WO
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Wenn ich die Linken in Aktion sehe, weiß ich, warum ich weiter die AfD wählen werde. Ich liebe Bücher. Aber wer nur zu jeder Buchmesse rennt, ob in Frankfurt oder in Leipzig, um zu randalieren… hat eher den Anschein als hätte man Wut weil Argumente fehlen und die Felle weg schwimmen.
18.3.2018, Leonore H., WO
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Das Verhältnis zwischen Linken und Rechten kann nur besser werden, wenn diese auch und besonders, im Bundestag miteinander reden und als Opposition zur CDU/CSU und SPD zusammenarbeiten und nicht wie Kindergartenkinder streiten. …
Die Linke war aus meiner Sicht mal intellektuell dominiert und die Rechte platt und hemdsärmlig. Das Bild hat sich leider gewandelt ein Diskurs halte ich gegenwärtig für sehr schwierig, wenn nicht unmöglich. Was man aber nicht vernachlässigen sollte ist die Aufrechterhaltung von Ordnungsprinzipien.
18.3.2018, Gernot B., WO
Meinungsfreiheit: Es geht um linke Deutungshoheit und Macht
… die Vorzeichen jeder Begrifflichkeit bis ins Kafkaeske vertauscht werden. Wie das funktioniert, konnte man in der vergangenen Woche anhand der Diskussion über Uwe Tellkamps Dresdner Auftritt und der Präsenz rechter Verlage auf der Leipziger Buchmesse studieren: Da wird die Einschränkung der Meinungsfreiheit zu deren Verteidigung, die Verhinderung politischer Debatten zu deren Initiierung und antidemokratische Agitation zum demokratischen Akt.
…
Zur surrealen Logik dieses Sprachspiels gehört konsequenterweise seine Leugnung: Also beharrt man (eine seit der Sarrazin-Debatte erprobte Figur) darauf, dass natürlich Meinungsfreiheit bestünde. Schließlich hätte Tellkamp sich frei äußern dürfen und Widerspruch sei schließlich kein Sprechverbot. Das stimmt selbstredend. Doch schon die in solchen Zusammenhängen ritualisierte Herabsetzung des ideologischen Gegners als „menschenverachtend“ und „undemokratisch“ signalisiert, dass man an freier Meinungsäußerung nicht interessiert ist. Es geht vielmehr um Deutungshoheit, also um Macht. …
Es ist vollkommen legitim, als Linker für linke Positionen zu werben. Scheinheilig und unehrlich wird das Ganze, wenn der linke Diskurs sich nicht als einer unter anderen begreift, sondern als oberste Schiedsinstanz, die definiert, was demokratisch, human und sagbar ist. …
Alles vom Alexander Grau vom 17.3.2018 bitte lesen auf
https://www.cicero.de/kultur/meinungsfreiheit-uwe-tellkamp-linke-rechte-verlage-leipziger-buchmesse
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Streit Tellkamp-Grünbein zeigt umstrittene Identität Deutschlands
Der Streit um die Schriftsteller Durs Grünbein und Uwe Tellkamp spitzt sich weiter zu. Er zeigt, wie sehr Merkels Flüchtlingspolitik das Land spaltet. Und wie umstritten die Identität Deutschlands bleibt
… Alles vom 16.3.018 von Aleander Kissler bitte lesen auf
https://www.cicero.de/uwe-tellkamp-durs-gruenbein-islam-debatte-suhrkamp-erklaerung-2018
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Monika Maron: Uwe Tellkamp hat nichts falsches gesagt
Die Schriftstellerin Monika Maron hat die umstrittenen Aussagen des Autoren Uwe Tellkamp verteidigt. Sie kritisierte dessen Verlag Suhrkamp, der sich von ihm distanziert hatte. „In meinen Augen hat der Suhrkamp-Verlag seinen Autor verraten“, sagte sie im Dlf. Wer in Deutschland offen seine Meinung sage, drohe die Ächtung.
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Von dem Suhrkamp-Verlag finde ich das eine Ungeheuerlichkeit. Ein Verlag ist die einzige Andockstation für den Autor. Der gehört nur zu seinem Verlag und von dem erwartet er Beistand und auch Schutz, aber nicht Verrat. In meinen Augen hat der Suhrkamp-Verlag seinen Autor verraten, und sogar ohne Not, weil kein Mensch davon ausgeht, dass ein Autor die Meinung seines Verlages repräsentiert – und was soll das auch sein, eine Verlagsmeinung. …
Man kann doch widersprechen. Man kann auch diskutieren. Aber dann muss man sagen, warum das nicht stimmt, was er gesagt hat. Ich kann nicht finden, was falsch war.
Er hat gesagt, dass der Islam sich hier ziemlich ausbreitet, in unseren Alltag eindringt. Das stimmt. Nach meiner Ansicht stimmt das.
Er hat gesagt, dass die Grenzöffnung juristisch nicht einwandfrei war, dass es darüber Diskussionen gibt und auch Gutachten gibt. Da hat ihm Grünbein sogar zugestimmt.
Dann muss man doch sagen, was ist an dem falsch, was Uwe Tellkamp gesagt hat, und nicht einfach sagen, der ist AfD und das haben wir schon bei Pegida gehört. Das ist doch keine Antwort!
… Komplettes Interview mit Monika Maron vom 15.3.2018 bitte lesen auf
https://www.deutschlandfunk.de/causa-tellkamp-ob-das-rechts-ist-ist-mir-am-ende-vollkommen.694.de.html?dram:article_id=413037