Diese beiden Bilder bleiben in Erinnerung. Im Winter 1965/66 am Krottenkopf zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald: Eisige Kälte, aber oben am Gipfel schneefrei wegen dem Wind. Im Südwesten die Zugspitze. Und im Osten einige tausende km weiter Russland. Der militärische Auftrag lautete: Als Leutnant meines Gebirgsjäger-Zuges mit vier Gruppen zu je neun Mann uns, die Blauen, gegen die Roten verteidigen. So verlangte es die erst vor 10 Jahren von Konrad Adenauer als Verteidigungsarmee der „Bürger in Uniform“ gegründete Bundeswehr.
Seit dem 24.2.2022 kommt dann ein zweites Bild hinzu: In der weiten Ebene des Ostens überall abgeerntete Getreidefelder, von den Spuren der Mähdrescher oder auch Panzer durchzogen. Die jungen Ukrainer eingegraben. Und ganz hinten am Horizont dasselbe mit den russischen Soldaten – alles junge Buben, die in Gedanken bei ihrer Freundin oder Mutter sind. Wie wir damals 1965/66 am Krottenkopf auch. Die aber von ihren Regierungen hüben wie drüben gezwungen werden, abzudrücken, sobald sich auf der Gegenseite etwas bewegt. Kriegsrealität heute, und nicht Übung wie damals.
Und bei jedem solchen Erinnern geht das Massensterben im Ukrainekrieg unvermindert weiter. Schon über 3 1/2 Jahre. Trotz militärischer Pattsituation.
Dann als drittes Bild mein Wunschtraum: Zur Friedensdemo samstags ab 14 Uhr kommen statt der üblichen 150 plötzlich immer mehr Teilnehmer auf die Strasse. Und in anderen Städten auch. Tausende, ja Millionen demonstrieren und verlangen immer wieder den sofortigen Waffenstillstand und umgehend Verhandlungen. Die Friedensbewegung in Deutschland hat es endlich geschafft, Linke und Rechte zusammenzubringen. Und so die Regierungen gezwungen, den Krieg abzusagen, die jungen Soldaten nach Hause gehen zu lassen und bei Getreide sowie Bodenschätzen mitsamt den begehrten Seltenen Erden im Donbass halbe halbe zu machen.
Doch der Traum will einfach nicht Wirklichkeit werden. Drei Viertel der deutschen Wähler plädieren nach wie vor für die Kriegstüchtigkeit – vor allem die saturierten ungedienten Alten, nicht aber die Jugend. Die Ruheständler, die ihr Geld bei Blackrock geparkt haben, wie auch die Kapitalanleger von Goldman Sachs und BigTech bejubeln steigende Renditen. Die Kriegsrhetorik bringt den Medien steigende Clickzahlen und erklärt Friedensbewegte zu rechten Nazis oder zu linken Putin-Verstehern. 76 Jahre nach Kriegsende ist Krieg das neue Modewort. So cool.
Was bleibt mir übrig angesichts der beiden Bilder und dem leider unerfüllbaren Wunsch? Es bleibt viel, nämlich die Friedensrhetorik: Immer weiter Artikel, Kommentare und Posts schreiben für den Frieden und gegen den Krieg. Für den Pazifismus oder wie auch immer man das nennt. Und außerdem: miteinander reden und diskutieren. Auch Musik hören wie „Nein meine Söhne geb ich nicht“ https://www.youtube.com/watch?v=1q-Ga3myTP4. Oder einen ganz persönlichen Brief veröffentlichen, wie Leo Ensel an Valentina, seine russische 84jährige Babuschka hier. Hauptsache gegen den Krieg.
20.11.2025