Ifo, BDI zur Deindustrialisierung

Die Deindustrialisierung der deutschen Wirtschaft ist im Gang. Zwei namhafte Fachleute nehmen dazu Stellung: Hans-Werner Sinn, bis 2016 Präsident des Ifo-Instituts, deutlich „Energie verteuert, ohne das Klima zu schützen“. Und BDI-Chef Peter Leibinger mahnt „staatliche Lenkung … zerstört die Basis unseres Wohlstandes“.
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Der Ökonom und frühere Ifo-Präsident Professor Hans-Werner Sinn sagte zur Wirtschaftspolitik der EU, sie würde „die Deindustrialisierung erzwingen. … Tatsächlich funktioniert die europäische Klimapolitik nicht, weil sie die Energie verteuert, ohne das Klima zu schützen“ (siehe Anlage (1) unten). Und Deutschland sei „wegen seiner ruinösen Klimapolitik zum abschreckenden Beispiel geworden“. Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 könne „Deutschland verarmen lassen“.
Und zur Sozialpolitik: „Wir werden bei den Babyboomern eine schlimme Altersarmut und Pflegebedürftigkeit beobachten. …Der liebe Gott wird unser demografisches Problem nicht lösen, das müssen wir schon selbst tun.“
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Der BDI-Chef Peter Leibinger hat sich mit einen Appell (2) an die Öffentlichkeit gewandt. Schließlich ist die Lage ernst: „Unser industrieller Kern ist existenziell bedroht“. Aber nicht nur bedroht, denn die Deindustrialisierung ist längst in vollem Gang: Die Industrie meldet Insolvenz bzw. verlagert samt Kapital ins Ausland.
Der Titel seines Appells „Wir wollen mehr Freiheit wagen“ jedoch ist – wie im Management von Industriebetrieben bzw. Konzernen üblich – schwammig und unklar. Leibinger müsste ehrlicherweise titeln „Staat schafft unternehmerische Freiheit ab“.

Leibinger beginnt mit den üblichen Phrasen: „Die freiheitliche Gesellschaft lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen für sich selbst und für das Gemeinwesen, in Familie, Beruf und öffentlichem Leben. Doch diese Bereitschaft schwindet. Der Rückzug ins Private nimmt an vielen Stellen zu. Vereine, Kirchen, Parteien verlieren Mitglieder, die Zahl der Unternehmensgründungen sinkt.“
Stimmt alles. Doch der Hauptgrund für die Verweigerung , Verantwortung zu übernehmen und den „Rückzug ins Private “ anzutreten, liegt im übergriffigen Staat mit seinen Reglementierungen, Gängelungen, Erziehungsmaßnahmen (Nudging), Vorschriften, Planungsvorgaben, seiner Bürokratisierung, Ideologielastigkeit und Besserwisserei – kurz in der kontinuierlich wachsenden Staatsquote. Natürlich hat auch Peter Leibinger hat dies erkannt, aber das Basisstatement des BDI-Chefs findet sich nur ganz versteckt im Text:
„Die Überzeugung, staatliche Lenkung sei nicht nur möglich, sondern eine neue Grundlage für Erfolg, zerstört die Basis unseres Wohlstandes. Wirtschaft braucht unternehmerische Freiheit.“

An Unternehmern mangelt es nicht, die bereits wären, für ihre Ideen zu verantwortlich zu investieren, d.h. ins Risiko zu gehen. Es mangelt am Freiheitsspielraum für ihre eigenen unternehmerischen Entscheidungen. Der mündige Bürger braucht keinen staatlichen Erzieher, der ihm sagt, was er zu denken, meinen und sagen hat. Er ist der Souverän und der Staat ist sein Dienstleister. Der mündige Unternehmer braucht keinen Staatsökonomen, der ihm das Management besorgt.

Leibinger endet seinen Appell mit den Worten: „Wir haben das Prinzip der Freiheit verlernt. Sie lebt von Werten und Wertschöpfung: Ohne Werte keine Freiheit, ohne Wertschöpfung keine Zukunft. Beides ist Fundament unserer freiheitlichen, marktwirtschaftlichen Ordnung, und beides müssen wir stärken. Es liegt an uns allen, Bürgern, Unternehmern, Politikern, sie zu gestalten. “
Nein, dieser Schlußsatz von Leibinger stimmt so nicht. Bürger und Unternehmer haben das Prinzip der Freiheit nicht verlernt, sondern die Politiker bzw. der Staat.
Nein, sie, die Bürger sehnen sich geradezu danach, als Verbraucher wie Unternehmer frei entscheiden zu können. Diese Freiheit wird ihnen vom Staat jedoch beschnitten.

Der BDI-Chef benennt die Vorzüge der Marktwirtschaft: „Die Soziale Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard ist Ausdruck gelebter Freiheit. Sie schafft Wohlstand, indem sie auf freie Entfaltung und unternehmerisches Engagement setzt – auf Basis von fairem Wettbewerb, gemeinwohlverpflichtendem Eigentum und Innovation.“
Er hat aber nicht den Mut, einzugestehen, daß wir spätestens seit der Grenzöffnung 9/2015 dabei sind, diese durch die zentralistische Planwirtschaft zu ersetzen. Mit all den Konsequenzen, die sich im derzeitigen volkswirtschaftlichen Niedergang zeigen.
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Professor Hans-Werner Sinn spricht als einer den renommiertesten Ökonomen Deutschlands für die Wirtschaftswissenschaften. Und Dipl.-Ing. Peter Leibinger als Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie spricht für die mittelständische wie Konzern-Industrie. Beide sind konstatieren den industriellen Niedergang und fordern eine Abkehr von den klimapolitischen Restruktionen, der staatlichen Planwirtschaft und eine Rückkehr zur unternehmerischen Freiheit und dem Prinzip der Dezentralisierung. Aus welchen Grünen werden die Stimmen dieser beiden Fachleute von der Berliner Politik nicht gehört?
19.11.2025,
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Ende von Beitrag „Ifo, BDI zur Deindustrialisierung“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Hans-Werner Sinn: „Deutschland ist zu einem abschreckenden Beispiel geworden“
Erst schaltet sich Hans-Werner Sinn in die aktuelle Rentendebatte ein, nun treibt den Ökonomen die Lage der deutschen Wirtschaft um. Diese sei „dramatisch“, wie er in einem Interview sagt. Für Bundeskanzler Merz hat Sinn einen besonderen Rat.
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Die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft beschreibt Sinn als „dramatisch“: „Das geht so nicht mehr lange gut.“

Bundeskanzler Friedrich Merz rät der Wirtschaftswissenschaftler: „Er sollte eine europäische Koalition bilden, um die CO₂-Verordnung zu kippen.“
… Alles vom 18.11.2025 bitte lesen auf
https://www.welt.de/wirtschaft/article691c5549d2a927140900d4d5/hans-werner-sinn-deutschland-ist-zu-einem-abschreckenden-beispiel-geworden.html

https://www.ifo.de/ifo-startseite
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(2) BDI-Chef Leibinger: Wir wollen mehr Freiheit wagen
Deutschland steht am Scheideweg: In einem Gastbeitrag für Cicero mahnt BDI-Präsident Peter Leibinger, dass der Verlust an Freiheit zur größten Gefahr für Wohlstand und Demokratie geworden ist. Leibinger fordert einen radikalen Kurswechsel – und ruft eine Freiheitswende aus.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer der schwersten Krisen seit Bestehen der Bundesrepublik. Unser industrieller Kern ist existenziell bedroht. Das Vertrauen in die Reformfähigkeit unseres Landes ist tief erschüttert. Die Menschen in den Unternehmen verdienen mehr als Gipfel, Ankündigungen und Nebendiskussionen.
Einer der zentralen Gründe für diesen desolaten Zustand: Wir haben den Sinn für die Freiheit verloren. Freiheit ist nicht naturgegeben, sondern ein ständiger Auftrag. Sie lebt von Werten, Verantwortung und der Bereitschaft, sie zu verteidigen und zu gestalten – durch Bürger, Unternehmen und Staat.

Freiheit bedeutet eben nicht, sich verwalten zu lassen. Nur eine Gesellschaft, die auf Eigeninitiative setzt, ist zur Souveränität und Zukunft fähig. Das gilt im sozialen wie auch im wirtschaftlichen Bereich. Die Soziale Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard ist Ausdruck gelebter Freiheit. Sie schafft Wohlstand, indem sie auf freie Entfaltung und unternehmerisches Engagement setzt – auf Basis von fairem Wettbewerb, gemeinwohlverpflichtendem Eigentum und Innovation. Genau das ist jahrzehntelang gelungen. Diese Ordnung ist wesentlicher Teil gesellschaftlicher Freiheit. Sie war Voraussetzung und ist Grundlage unseres Wirtschaftserfolgs „Made in Germany“.
Wir sind im Begriff, diese Grundlage abzuschaffen: Bürokratie, kleinteilige Regulierung und strategische Fehlentscheidungen lähmen die unternehmerische Kraft. Ich denke hier zum Beispiel an das Lieferkettengesetz oder an jahrelange Planungs- und Genehmigungsverfahren für neue Produktionsanlagen. Auch die aktuellen Pläne für eine verschärfte Erbschaftssteuer bereiten Unternehmen große Sorgen.

Die Überzeugung, staatliche Lenkung sei nicht nur möglich, sondern eine neue Grundlage für Erfolg, zerstört die Basis unseres Wohlstandes. Wirtschaft braucht unternehmerische Freiheit.

Verantwortung der Wirtschaft verlangt Vertrauen des Staates. Doch dieser greift immer häufiger über das Maß des Notwendigen hinaus in die Wirtschaft ein und ersetzt Kooperation durch Kontrolle und Selbstüberschätzung. Das Verständnis für die eigentliche Rolle des Staates scheint verloren gegangen zu sein. Ein freiheitlicher Staat sollte nicht alles Mögliche tun, sondern nur das Notwendige, um die Freiheit seiner Bürger nicht zu gefährden.
… Alles vom 19.11.2025 von Peter Leibinger bitte lesen auf
https://www.cicero.de/wirtschaft/ein-gastbeitrag-von-peter-leibinger-wir-wollen-mehr-freiheit-wagen

https://bdi.eu/

 

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