Ist das althergebrachte schriftliche Dividieren (Prof Bernhard Krötz, Paderborn) nun besser für das Kindeswohl an der Grundschule als das halbschriftliche bzw. schrittweise Dividieren (Prof Timo Leuders, Freiburg)? Die Alten sagen ja und die Jungen wissen es erst, wenn sie alt sind. Genau deshalb ist der darüber entbrannte Streit der Mathematikdidaktiker eher müßig (siehe Anlage (1)) und dient nur dazu, die zumeist beamteten Bildungsbeflissenen an Hochschule und Ministerium (einschließlich KMK) zu echauffieren und zu beschäftigen. Wichtig ist: Mit dem schriftlichen Dividieren lernen die Schüler bis zum Ende der 4. Klasse der Grundschule ein komplexen Algorithmus kennen. Und dieser ist in seiner Komplexität anspruchsvoll und fordert die Schüler.
Beim halbschriftlichen Dividieren wird das Problem in mehrere (hier 3) Teilprobleme zerlegt (links im Bild), die dann jeweils durch einfaches Dividieren zu lösen sind. Für die Schüler also rein mathematisch eigentlich nichts Neues. Aber immerhin wird dabei die Kompetenz „Ein Problem in Teilprobleme zerlegen“ angesprochen.
Das herkömmliche schriftliche Dividieren bringt Vorteile vor allem bei großen Zahlen, also bei 852979683 statt 852 dividiert durch 3:
.
Länder wie China, Singapur und Japan sind hinsichtlich der mathematischen Bildung top. In dieser Ländern wird am schriftlichen Dividieren festgehalten, und zwar gerade aus dem Grund, daß hier die Kinder den komplexeren und damit für sie schwierigeren Algorithmus erlernen sollen. Man denkt also überhaupt nicht daran, die Leistungsanforderungen an die Kids zu senken. Und gerade aus diesem Grund wird man in Singapur über das ständige Vereinfachen, Erleichtern, „dünne Bretter bohren“ bzw. Absenken der Bildungsstandards aus Gründen der linken Gleichmacherei hierzulande wahrscheinlich eher lächeln. Die Bildungstests, Pisa-Vergleiche usw. geben den Asiaten recht – und uns Westeuropäern als neue Heimat von Bildungsprekariat und funktionalem Analphabetismus hoffentlich zu denken.
Wichtig: Ende der vierten Klasse der Grundschule müssen die Kinder über die fünf Kompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen, Konzentration und Selbst-Organisation verfügen. Das kleine Einmaleins vorwärts und rückwärts. Dabei beim Rechnen als Krönung das schriftliche Dividieren und gerne zusätzlich auch das halbschriftliche bzw. schrittweise Dividieren.
Die Unterrichtsstunde hat 45 min. Und diese Zeit muß dem Lehrer in erster Linie für den Fachunterricht verfügbar sein, also zum Beispiel für das Rechnen. Alles andere ist Aufgabe von Jugendbehörde, Sozialamt, Psychologen, Soziologen, Integrationsbehörden und last not least der Eltern. Die Schule darf nicht weiter als gesellschaftlicher Reparaturbetrieb mißbraucht werden.
In der interessanten Bildungsreihe „Lehrerzimmer“ des Kontrafunks geht der Ex-Lehrer Jens-Peter Mickmann gerade auf diesen Aspekt ein. Wir können es in der industriellen Konkurrenzsituation nicht weiter erlauben, die Schule als bildungspolitischen Rest zu betrachten. An immer mehr – in sog Brennpunktgebieten sogar an allen – Grundschulen ist ein ordentlicher Sachunterricht nicht mehr möglich. Von 45 Minuten bleiben 5 Minuten zum Rechnen. Lehrer werden zu Moderatoren, Schlichtern bzw. Animateuren mißbraucht. Der Hauptgrund der Bildungsmisere: Deutschland weigert sich seit 9/2015, seine Migrationspolitik den integrativen Möglichkeiten (Arbeit, Bildung, …) anzupassen.
Hochschulen wie duale Ausbildungsbetriebe beklagen, daß immer mehr Jugendliche schlicht und einfach nicht rechnen können – es mangelt beim kleinen Einmaleins – vom großen ganz zu schweigen. Wenn man sich dann vergegenwärtigt, daß Deutschland im wesentlichen nur über eine Ressource verfügt, nämlich die Bildung, dann wird es einem schon bange.
23.2.2026
Dieser Beitrag wurde ohne KI geschrieben
.
Ende von Beitrag „Schriftliche Division an GS – ade“
=============================================================
Beginn von Anlagen (1) – (2)
.

(1) Lehrerzimmer: „Verwahrlosungspädagogik“ schadet Kindern und der Wirtschaft
Lesen, Schreiben und Rechnen werden zunehmend zur schulischen Nebensache, verdrängt von immer neuen pädagogischen Moden. Die Folge: Schulabgänger, die trotz Abschluss nicht ausbildungsfähig sind.
Mathematik braucht Substanz, nicht Vereinfachung
Mit Prof. Bernhard Krötz sprechen wir über die jüngste Idee in Niedersachsen, das schriftliche Dividieren aus dem Lehrplan der Grundschulen zu streichen.
Fachkräftemangel beginnt im Klassenzimmer
Jens-Peter Mickmann zeigt, welche Auswirkung diese Bildungsnivellierung für den Arbeitsmarkt hat. Kontrafunk-Moderatorin Rommy Arndt gibt einen Einblick in ihre Schulzeit.
… Alles vom 23.2.2026 von Rommy Arndt bitte lesen auf
https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/lebenswelten/lehrerzimmer/lehrerzimmer-verwahrlosungspaedagogik-schadet-kindern-und-der-wirtschaft
.
(2) Dividieren – wozu überhaupt?
Müssen Grundschüler schriftlich dividieren können?
14.1.2026
https://www1.wdr.de/nachrichten/schriftliches-dividieren-grundschule-100.html
Die Aufregung ist groß: Schafft Niedersachsen das schriftliche Dividieren ab? Die Landesregierung weist das zurück. Änderungen wird es aber geben. Eine Beispielrechnung.
13.1.2026
https://www.faz.net/aktuell/wissen/computer-mathematik/schueler-sollen-nur-noch-halbschriftlich-dividieren-testen-sie-ihr-koennen-accg-200433052.html
