Bildungsprekariat

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Opfinger See bei Freiburg – morgens um 10 Uhr am 31.5.2021 (Wasser 16 Grad)

 

Auswandern, falls tüchtig, oder Puddingfächer studieren
Gunnar Heinsohn: Kompetente Länder kommen besser durch Coronakrise
Trotzdem wiederholen hiesige Politiker und Medien die Formel:
„Wir sind ein reiches Land.“
Deutschland sieht sich sogar in der Lage, großen Welt­regionen zu helfen. In Deutschland wird die früher unstrit­tige Stärke auch für die Zukunft unter­stellt.
Doch von unseren sechs unter den 1000 Kindern der Welt wandert eines aus, oft das tüchtigste. Als Erwachse­ner fragt es sich, ob der Niedergang der Heimat bei eigenem Hierbleiben ver­hindert werden kann.
Fällt die Antwort negativ aus, wird emigriert. Nur wenige enden gern in Altersarmut, nur weil es als edel gilt, zu den wachsenden Rentnerheeren auch immer mehr der 800 hoffnungslosen Kinder zu versorgen. Sie wissen, dass trotz höchster Steuern weltweit die Megamilliardenbeträge für das Finanzieren der ins Land Geholten oder gar die Stabilisierung halber Kon­tinente unaufbringbar sind.
Von den sechs Kindern bleiben also nur fünf, von denen wiederum zwei in Puddingfächer streben, die auf Welt­märkten nicht mitmischen, weshalb sie auf dauerhafte Sponsoren rechnen: NGOs, Europaparlamentarier ­Assisten­zen sind solche Pfründen.

Es bleiben drei Kinder, von denen keines ein wirk­liches Ass ist. Diese sollen das Auslöschen der verbliebenen Industrien ge­gen die 130 Musterschüler aus Ostasien verteidigen. Denen haben sich inzwi­schen westliche Kompetenzfestungen wie Kanada oder Australien beigesellt. Seit über 40 Jahren gilt an deren Gren­zen ein unmissverständliches Pro­gramm: Eigene Könner im Land halten, fremde Talente hinzugewinnen und Leistungssenker abwehren.
… Komplettes Interview von Alexander Wendt mit Prof Gunnar Heinsohn zu „Kompetente Länder kommen besser durch Coronakrise“ vom 5.7.2021 bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/interviews/gunnar-heinsohn/

Gunnar Heinsohn, professor emeritus at the University of Bremen, is a German sociologist, economist, and historian. He was born on November 21, 1943 in Gotenhafen (Gdynia, Poland)
As a commentator, Heinsohn has been featured in all major German-language journals, as well as in, i.a., American Thinker, Le Monde, New York Times, the Wall Street Journal, and The Weekly Standard.
https://heinsohn-gunnar.eu/

 

 

Kurze Geschichte des akademischen Prekariats

Wir sind gekommen, um uns über mangelnde Privilegien zu beschweren
Wer wie der Autor als Lehrbeauftragter in einer Gesellschaftswissenschaft die Stellen-Inflation von „Wissenschaftlichen Mitarbeitern“ beobachten konnte, der wundert sich nicht über Protest chancenloser Jungakademiker unter #IchBinHanna.
https://www.youtube.com/watch?v=PIq5GlY4h4E
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… Aus bisher unbekannten Gründen dauerte es also gut drei Jahre, bis sich im Juni 2021 eine Klageflut von Jungakademikern und vor allem Akademikerinnen unter dem Hashtag #IchbinHanna
https://www.tagesspiegel.de/wissen/aufschrei-des-wissenschaftlichen-nachwuchses-ichbinhanna-trendet-auf-twitter/27278532.html
in den Twitterkanal ergoss. Eigentlich wollten die Empörten mittteilen, dass sie gerade nicht Hanna sind. Denn sie stecken dummerweise tatsächlich irgendwo im akademischen Mittel- und Unterbau auf schlecht bezahlten und teilweise offenbar gar nicht vergüteten Stellen fest, vermuten zum Ende ihres dritten Lebensjahrzehnts durchaus zutreffend, dass es mit der Dozentur oder dem Lehrstuhl nicht klappt, und finden, dass die Gesellschaft darin versagt habe, ihnen ein gutes und festes Einkommen zu sichern. Der Hanna-Film des Bildungsministeriums, hieß es, sei zynisch, und ignoriere die abertausenden um ihre Stellen betrogenen Dies-und-das-Wissenschaftler, die sich von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln.
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Grundsätzlich wirkt schon der medial gestützte Hashtag #IchBinHanna anmaßend bis obszön, weil sich diejenigen, die sich darunter sammeln, mit dem wahrscheinlich bewusst gewählten Anklang an „Je suis Charlie“ als bedauernswerte Opfer höherer Gewalt inszenieren. Und natürlich die gleiche Anteilnahme einfordern.

Die akademische Unentbehrlichkeit wird – das scheint bei #IchbinHanna symptomatisch – nicht inhaltlich-qualitativ belegt, sondern quantitativ. Das Motto nicht nur Horstkottes lautet offenbar: „Ich habe eine Unmenge produziert. Dafür verdiene ich eine unbefristete ganze Stelle.“
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Am einfachsten wäre es für die steckengebliebene Akademikerin, den Markttest zu machen: Bieten Sie ihre Studie über „Androgyne Autorschaft“ einem kommerziellen Verlag an, zu marktwirtschaftlichen Bedingungen. Versuchen Sie, Ihre 58 Aufsätze von „Poetiken der Mobilität in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ (2014) bis „Introducing the Postsecular: From Conceptual Beginnings to Cultural Theory“ (2020) an ein Publikum zu bringen, das dafür bezahlt. Das Paralleluniversum Universität erzeugt offenkundig eine parallele Wahrnehmung seiner Protagonisten, die nicht mehr zur Welt draußen passt. Um so schlimmer für die Welt, finden die beleidigten unter dem Hanna-Hashtag.
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Die akademische Unentbehrlichkeit wird – das scheint bei #IchbinHanna symptomatisch – nicht inhaltlich-qualitativ belegt, sondern quantitativ. Das Motto nicht nur Horstkottes lautet offenbar: „Ich habe eine Unmenge produziert. Dafür verdiene ich eine unbefristete ganze Stelle.“
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Die Hanna-Kampagne, die – wie viele ähnliche Twitter-Aktionen – starke Züge der Selbstverklärung offenbart, steht als tränenreiche Klage vermeintlich vom System benachteiligter Jung-Akademiker beispielhaft für den allgegenwärtigen Kult des Beleidigtseins. Das Lamento eines der Initiatoren wirkt entlarvend: „Das WissZeitVG richtet sich gegen Menschen“. Wen, wenn nicht Menschen, sollte denn ein Gesetz über menschliche Akademiker ansprechen? Die Formulierung will offenbar die Solidarität von allen erzwingen, die gar nicht genug „Safe Spaces“ errichtet bekommen können. Sie atmet den Geist derjenigen, die von Staat und „Gesellschaft“ verlangen, alle ihre persönlichen Bedürfnisse und Befindlichkeiten großzügig alimentiert zu bekommen, im Namen der Menschlichkeit, versteht sich. Wenn sich jemand erdreistet, die Frage nach der Brauchbarkeit von Thesen und Aufsätzen zu stellen, dann gehört er zu den „Menschen, die mit Wissenschaft gar nichts anfangen können“. Wer sich sogar erlaubt, Forschungen über „Androgyne Autorschaft“, zu „transmedialer Narratologie“ oder „Artefaktphilosophie“ auf ihre Relevanz hin zu befragen, wird umstandslos als „Troll“ abqualifiziert.
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Lange Zeit lief der Normalweg der Qualifizierung für einen Lehrstuhl so: Der Kandidat legt eine herausragende Dissertation vor und wird von einem Professor zu seinem Assistenten berufen. Auf dieser Stelle beginnt er, Studenten zu unterrichten und verfertigt seine Habilitation. In diesem System konnte es gravierende Engpässe für Habilitierte kaum geben, solange jeder Lehrstuhlinhaber quasi ein-zu-eins einen potentiellen Nachfolger ausbildete. Mit der neuen Stelleninflation entstand eine Erwartungshaltung, die das System aber unmöglich befriedigen konnte. Nun schlägt die lange ignorierte Realität eben doch zurück. Ein ganzes Heer von Möchtegern-Professoren steht in fortgeschrittenem Lebensalter mit leeren Händen da. Hanna ist beleidigt und ruft nach der Nanny, die mit noch mehr Mitteln helfen soll – dem Staat. Da hat sich jemand selbstverschuldet in eine „Sackgasse“ (Hadmut Danisch) manövriert, will aber die Konsequenzen seines Handelns nicht tragen, sondern an die Gesellschaft outsourcen. Eigenverantwortung für das eigene Tun und Lassen scheint spätestens seit Corona nicht mehr zeitgemäß.

Wenn der 25-jährige Ethnologie-Absolvent ein Türschild an einem fensterlosen Kellerloch ergattert hat, das er als „Büro“ auf einer ⅙-Stelle mit fünf anderen Mitarbeitern teilen muss, präsentiert er eine Vita, die darin besteht, dass er studiert hat, über eine „Publikationsliste“ verfügt, für seine Magisterarbeit ist „in Vorbereitung“ vermerkt (also: nichts). Außerdem „Forschungsschwerpunkte“, die einem Weltstar vom Rang eines Pierre Bourdieu zur Ehre gereicht hätten: „Anthropologie des Politischen (Demokratie und Kultur); Medienethnographie (Repräsentation und multimediale Kommunikation); Science and Technology Studies (Wissenschaft-Technologie-Politik); Wissenschafts- / Erkenntnistheorie (Wissenssoziologie, Sozialkonstruktivismus).“ Zur Stelleninflation kommt eine furchterregende Inflationierung akademischer Standards, die logischerweise einhergeht mit einer Entwertung der Inhalte: 30.000 Doktortitel stößt die Deutschland AG jährlich aus. Bei manchen ist die Halbwertszeit allerdings knapp bemessen, wie ein jüngstes Beispiel aus dem Bundeskabinett zeigt. 19.839 Studiengänge zählte man in Vor-Corona-Zeiten hierzulande – Tendenz: rapide steigend. Beispielsweise „Caritaswissenschaft und werteorientiertes Management“ (Universität des Bayerischen Waldes in Passau), „unterstützt von ICUnet.AG mit Blick auf einen hochwertigen Customer-Centricity-Ansatz“. Nicht zu vergessen der Umstand, dass bald jede Hundehütte aus Prestigegründen für sich in Anspruch nimmt, ein Ortsschild mit der Aufschrift „Hochschulstadt“ aufstellen zu dürfen. Was schließlich der Erziehungswissenschaftler Peter J. Brenner in seiner Analyse der „Generation Baerbock“ konstatiert: „Die Universitäten sind zum Aufwärmbecken für Karrieren in der Politik, in staatsalimentierten NGOs sowie in den Medien geworden“ – lässt sich vielfach belegen.

Wer ist eigentlich Hanna? Schaut man nach, wer hinter der Kampagne #IchbinHanna steht, ist das Ergebnis ziemlich deutlich: Es sind die üblichen Verdächtigen, die urbanen Anywheres, die auf Twitter und eigenen Homepages keine Gelegenheit auslassen, ihre gute Gesinnung zu demonstrieren.
Da ist die Literaturwissenschaftlerin, https://relevantelitwiss.wordpress.com/
die ein „Lehrexperiment #RelevanteLiteraturwissenschaft“ initiiert hat – „über die Repräsentation von Frauen und Minderheiten im literarischen Feld, über Kanon und #DieKanon, #metoo, #metwo und #mequeer“.
Da haben wir den alerten Mittelalter-Historiker, https://www.kubon.info/vortraege-in-auswahl-seit-2019/
der mutig „gegen rechts“ kämpft, etwa bei der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg mit einem Vortrag mit dem kryptischen Titel „Das rechte Mittelalter oder das Mittelalter der Rechten?“ (Hauptsache gegen rechts, das versteht jeder), außerdem in einem aufklärerischen Workshop „Das YouTube-Mittelalter – weiß, misogyn und rechts-konservativ? Mit einem Ausblick auf Vimeo und BitChute.“
Da äußert sich schließlich der Professor of Global History,
https://jacobschreibtgeschichteonline.net/
prototypischer Anywhere in „New York/Bodø/Aschaffenburg” (Twitter-Profil), der „Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen“ bloggt („Moria, oder: Das Versagen eines europäischen Traumes“),

Das im Namen Hannas aufmuckende akademische Prekariat an den Hochschulen zählt in seiner großen Masse zu den stärksten Unterstützungstruppen der politischen Linken und speziell der Grünen. Denn auf diesen Kräften ruht die Hoffnung auf noch eine staatliche durchfinanzierte Initiative, noch eine NGO, noch ein Forschungsverbund, der irgendwie die Flucht aus dem Unikeller mit vierzig möglich macht. Wie die Sicht auf die Welt außerhalb der urban-akademischen Blasen beurteilt wird, hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt jüngst gezeigt: Bei insgesamt 41 Wahlkreisen verfehlte Bündnis 90/Die Grünen in 32 Fällen die Fünf-Prozent-Hürde, manchenorts spektakulär deutlich. Nur durch hohe Stimmenzahlen in den Universitätsstädten Magdeburg und Halle/Saale schaffte die medial messianisch gefeierte Partei knapp den Einzug in den Landtag.
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Unter https://95vswisszeitvg.wordpress.com/ hat Kubon mit seinen Mitstreiterinnen Amrei Bahr und Kristin Eichhorn eine Homepage eingerichtet, die ihre einschlägigen Aktivitäten seit November 2020 penibel dokumentiert. „Spontan“?Die fiktive Hanna des Bildungsministeriums ist übrigens Biologin. Bei jenen Lautsprechern, die sich jetzt aufregen, handelt es sich fast durchweg um Literaturwissenschaftler, Historiker und Philosophen, heute überwiegend als „Agendawissenschaftler“ (Sandra Kostner) tätig.
… Alles vom 26.6.2021 von Jürgen Schmid bitte lesen auf
https://www.publicomag.com/2021/06/wir-sind-gekommen-um-uns-ueber-mangelnde-privilegien-zu-beschweren/

Jürgen Schmid ist Historiker und freier Autor.
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Kommentar:
Lenkende und zensierende staatlicher Förderung zerstört
Viele Kommentatoren hier, auch solche, die unmittelbar betroffen oder Teil des akademischen Systems sind, wollen nicht verstehen, dass die Unis in die Hände globalistisch denkender Aktivisten geraten sind! Die akademische Kultur muss restlos zerstört werden, weil die Neue Weltordnung nur ohne oder gegen sie errichtet werden kann. Biologen und Mediziner z.B., die Genderismus an ihrer Universität dulden, haben es nicht anders verdient.
Die Universität als Hort unabhängiger Wissenschaft hat sich mit “Fördergeld” in die Abhängigkeit lenkender und zensierender staatlicher Förderung begeben und damit ihre Unschuld verloren. Die Wissenschaft als Teil einer über Jahrhunderte gewachsenen Kultur und Ergebnis der Aufklärung produziert also ihr eigenes Ende, wie die Medienwelt als öffentlicher Raum und Sphäre des Diskurses und der freien Meinungsäußerung sich hat öffentlich-rechtlich an die Kette legen lassen. So geht Kulturrevolution und das ist erst der Anfang! Das schwachsinnige Gerede von “künstlicher Intelligenz” und “Digitalisierung” spricht für die Industrialisierung der Simulation von Wissenschaft durch Produktion von Sinnfreiheit. Frau Karliczek mit ihren Exczllenz-Clustern, Herr Drosten und Herr Schellnhuber sind Paradebeispiele für den gewollten Untergang der Wissenschaft. Das kann man am Erneuerbaren Energiengesetz, dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, der Stiftung Mercator, dem Institute for Intersectional Justice bestaunen. Die irrsinnigen Ströme von Fördermitteln, die die Kulturrevolution für die Beschleunigung des Untergangs ausgibt, sind ein weiterer Beleg dafür. Die Wissenschaftssimulation wird mit Figuren wie Karl Lauterbach und Franziska Giffey bis zur Lächerlichkeit auf die Spitze getrieben. Die Kunstfigur Hanna steht für den infantilen Teil dieser destruktiven Kampagne. Es ist ein Elend, dass der in dieser Weise korrumpierten Wissenschaft die Kraft zur Emanzipation fehlt. Wieder ist sie auf Tauchstation gegangen und wird uns dereinst erklären wollen, dass sie mit diesem Untergang nichts zu tun hatte.
27.6.2021, A.R., PMO
Ende Kommentar

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Aus Volkskunde wurde Ethnologie – Universität im Niedergang
Ausbildung zum Erwachen
„Wo sind all die woken Leute?“ fragte Alexander Wendt auf Publico. Ich wage eine Antwort: Zum Beispiel an Universitätsinstituten für Europäische Ethnologie. Woher ich das weiß? Weil ich zehn Jahre zum Lehrkörper einer Universität gehörte, als das Fach noch Volkskunde hieß*.

Eine Schadensbilanz – Abschied vom Volk – Abschied vom Minderwertigkeitskomplex
Der Volkskundler traditioneller Prägung beschäftigte sich – sein Name sagt es – nicht mit Königen und Rittern, nicht mit Fugger und Faust, modern gesprochen: nicht mit Ministern und Managern, mithin: Eliten, sondern: mit dem Volk. Mit Krethi und Plethi. Daraus resultierte ein latenter Minderwertigkeitskomplex derer, die akademische Volkskunde betrieben.
Sie waren nolens volens die Resteverwerter dessen, was von der festlich gedeckten Tafel ihrer akademischen Adelsverwandtschaft abfiel: Hat der Kunsthistoriker in den erlauchtesten Galerien von Paris bis St. Petersburg unter erlesensten Porträts von Königsgeschlechtern und ersten Bürgern in ihren feinen Garderoben seine Wahl getroffen, bleibt dem Volkskundler: Der elende Wichs des Bauern auf der Votivtafel von Maria Hilf in Schneizlreuth. Wo der Literaturwissenschaftler Parzival, Faust und Buddenbrooks genießt, liest der Volkskundler: Das Märchen von Aschenputtel. Musikologen schwelgen in Mozarts Symphonien, Volkskundler sammeln: Schlager wie „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Und als Höhepunkt der Demütigung – das Museale: Während das Bayerische Nationalmuseum den Silber beschlagenen Salontisch auf Eichenfüßen mit ebonisiertem Ahorn und Marmorplatte aus dem Appartement der Königin Karoline in der Münchner Residenz präsentiert, zeigt das Freilichtmuseum an der Glentleiten: Das wurmstichige Aborthäusl vom Hinteregger Xare neben seinem Misthaufen.

Der Volkskundler neuer Prägung will das „Volk“ nicht nur wegen dessen völkisch-national(sozialistisch)-rassistischer Kontaminationen im Dunkel der Geschichte zurücklassen. Mindestens ebenso groß ist seine Erleichterung, dass er mit entvolkten modernen Fachbezeichnungen wie ‚Empirische Kulturwissenschaft’ und ‚Europäische Ethnologie’ endlich den Geruch des Misthaufens abstreifen kann.

Selbst im betulichen Augsburg widmet sich nun die universitäre Ethnologie einem Hauptthema der kosmopolitischen Avantgarde: dem „Kampf gegen Rassismus“. Ein Seminar „Drei Möhren für die Fuggerstadt? Koloniale Vergangenheit und postkolonialer Alltag in Deutschland“ klärt mutig darüber auf, „wie wenig Bewusstsein für die zahlreichen (K)Erben der deutschen Kolonialgeschichte bis in die Gegenwart herrscht“ und „wie salonfähig Rassismus hier in Deutschland ist“ – auch wenn der „umstrittene“ Hotel-Name und deutsche Kolonialgeschichte so viel miteinander zu tun haben wie Möhren und Butterkekse. Die Augsburger „Mohren“ gehen ins Mittelalter zurück, als der Legende nach ein Gastwirt drei halb erfrorene abessinische Mönche in seinem Haus überwintern ließ. Also das Gegenteil von Rassismus, sondern ein frühes Beispiel für Willkommenskultur.

Das sind Zustand und Innenleben einer akademischen Disziplin, die gerade zu Grabe getragen wird – im Namen eines Gottes namens Political Correctness. Ein Trauerspiel erster Güte. Die Ethnologen selbst nennen es wahrscheinlich „woke“, neudeutsch für: „erwacht sein“.
Gute Nacht, Universität.
… Alles vom 22.11.2020 von Jürgen Schmid bitte lesen auf
https://www.publicomag.com/2020/11/ausbildung-zum-erwachen/
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Einige Kommentare:
woke als weiterer Beweis für die Infantilisierung
Im Grunde sind die Argumente, die Haltung und Umbenennungsorgie der neudeutschen Helden des woke ein weiterer Beweis für die Infantilisierung der pseudowissenschaftlichen Randfächer. Während der Jurist, der Architekt oder Mediziner irgendwann Verantwortung für sein Handeln übernehmen müssen und große Summen für seine Haftpflichtversicherung zahlen, kann man den Denkern über „Methodologische Reflexionen zur audiovisuellen Repräsentation identitärer Spannungen“ noch nicht mal unterstellen, dass sie in ihrem Minderwertigkeitskomplex die Verantwortung für sich selbst übernehmen können. Natürlich gibt es auch keine Museumsleiter die dem widerstehen könnten. Warum auch? Wenn sich jemandem die Welt nicht erschließt, dann neigt er dazu sich der Interpretation hinzugeben, die die meiste soziale Akzeptanz des vorhandenen Milieus hergibt. Dass es dafür noch nicht einmal ein Bewusstsein braucht, spielt den Agitatoren und Agenten der Tansformation ins Amorphe nur in die Hände.
22.11.2020, F.D., PMO
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… die Unis quasi von innen zerstören
Ich habe den Bericht mit Würgen und Unmut gelesen, nicht etwa, weil der Autor etwas falsch machte, ganz im Gegenteil. Nein, es würgt mich, dass unser ehem. DLand (wo ist nur unser Deutschland geblieben?) vor unseren Augen verrotten soll. Allerdings liegt die Hauptschuld bei der linken Politik, die nicht aus Versehen all diese sog. Professorenstellen erst installierte, um die Unis quasi von innen zu zerstören, nämlich unsere NORMALE Welt, damit die Ideologen walten sollen. Das ist keine Evolution, sondern eine Revolution, wie es sie seit den Menschenfeinden Lenin/Stalin und Mao mit Millionen Toten nicht mehr gegeben hat. Und diese Revolutionen sind allesamt dennoch GUT ausgegangen, oder?
22.11.2020, Lib

Politisierung aus Verzweiflung
Anlässlich der Namensdebatte bin ich gerade dabei, einen Aufruf zur Vernetzung der “alten Volkskundler” zu formulieren. Dabei geht es mir nicht nur um die Sicherung der erarbeiteten Wissensbestände, sondern auch um die Frage einer (wenigstens stark eingeschränkten) Fortsetzung abgebrochener Forschungszweige, vor allem aber auch die Aufrechterhaltung einer gewissen methodischen Strenge – und vor allem die (Rückkehr zu der) Einsicht, dass jede Wissenschaft eine solche methodische Strenge erfordert. Im Augenblick überwiegt bei den neueren “Kulturanthropologen” das kindliche Vergnügen, dass man jetzt “alles machen kann”, ohne sich an Regeln sei es der Philologie, sei es der Psychologie (Experiment) oder der Soziologie (Quantifizierung) halten zu müssen. Dazu kommt dann die Bezauberung durch einen Jargon, von dem man eher beherrscht wird als dass man ihn beherrscht.
Dahinter verbirgt sich freilich – das sollten wir nicht vergessen – das Elend einer Studentengeneration, die außerhalb der Hochschulen und einer (für die Volkskundler) abnehmenden Zahl von Museen bloß in der Politikberatung unterkommen kann! Der Unterschied zwischen einer Politisierung aus Begeisterung und einer Politisierung aus Verzweiflung ist vielleicht gar nicht so groß.
22.11.2021, r.M.
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Es ist erschütternd zu sehen,
wie gerade diejenigen Fächer, die eigentlich dazu berufen wären, dem zutiefst kulturfeindlichen Zeitgeist insbesondere der heutigen Linken etwas entgegenzusetzen, also z. B. eine Art kultureller Selbstvergewisserung zu ermöglichen, auch weitere historische und kulturelle Horizonte zu eröffnen, um über die gegenwärtig herrschende politische Agenda und Propaganda hinaus zu einem freieren und tiefer gegründeten Verständnis der Welt zu gelangen, – wie also gerade diese Fächer sich diesem Zeitgeist mit Inbrunst und ohne jeden Vorbehalt in die Arme werfen. Das ist wirklich ein Versagen historischen Ausmaßes.
Leider ist weit und breit keine politische Kraft zu sehen, die dem entgegenwirken könnte. Während die eine Seite zunehmend totalitär alles ihrer politischen Agenda unterordnen will, begegnet einem auf der anderen Seite oftmals das schiere Banausentum, wo man am liebsten gleich alle Geisteswissenschaften abschaffen würde und nur noch technische und ökonomische Nützlichkeit gelten lässt. So droht Barbarei von beiden Seiten.
23.11.202o, Alt, PMO
Bitte, liebe freie Medienschaffende, hört auf diesen Voodoo-Primaten Eure Zeit und Energie zu widmen. Mittlerweile weiß JEDER – zumindest jeder, der jemals publicomag ansurft – wie dement dieser akademische Basket of Deplorables ist. Schreibt darüber, wie wir den linkskapitalistischen Komplex, der unsere Institutionen gekapert hat, wieder entmachten und unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung wieder errichten können.
23.11.2020, Got

Als Absolvent der Empirischen Kulturwissenschaft (sprich Volkskunde) …
Herzlichen Dank für diesen Artikel. Der Autor spricht mir aus der Seele. Als Absolvent der Empirischen Kulturwissenschaft (sprich Volkskunde) ist mir die allmählich ins lächerliche laufende “Woke”-Kultur des Fachs, samt Studenten und Lehrpersonal, auch negativ aufgefallen. Als Arbeiterkind kann ich den abgehobenen Diskursen des Fachs und der Entkopplung von Alltagsleben nur mit Kopfschütteln begegnen. Was mich allerdings noch mehr nervt ist die Ununterscheidbarkeit von Akademia und Aktivismus. Egal ob sexuelle Nischengruppen, Migration oder soziale Ungleichheit, immer bekommt man es mit unsachlichen, parteiischen und höchst selektiven Untersuchungen zu tun. Wenn es um das Thema Geschlecht geht, wird dekonstruiert bis alles nur noch purer Wille ist; die westliche Kultur ist böse und in jedem von uns steckt ein kleiner Fremdenfeind. Wer hier eine andere Sicht hat, hat es schwer seine Meinung in Form von Fachliteratur zu begründen, ergo macht man es sich bequem und betet die alten Narrative aus einseitigem Handapparat herunter. Wer nicht mitsingt, bekommt keine Stellen. Wer mitspielt landet auf einem bequemen öffentlichen Posten.
Ein Volkskundler sagte einmal, “Wer sich selbst hasst, studiert Psychologie, wer die Gesellschaft hasst, studiert Soziologie und wer alle hasst studiert Kultur”
23.11.2020, Oli
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