Im Editorial des CATO-Magazins 5/2025 führt Ingo Langner zum Trubel um die Besetzung zweier Richterstellen am Bundesverfassungsgericht (BVerfG) den Vergleich des Lustspiels „Der zerbrochene Krug“ (1811) von Heinrich von Kleist mit „Die zerbrochene Demokratie“ (2025) an (1). Wie jeder Vergleich hinkt auch dieser, aber er regt zum Nachdenken an.
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Da Kleist wie auch Goethe und Schiller am Gymnasium in D heutzutage kaum noch im Lehrplan vorgesehen ist (unvorstellbar, daß in GBR Shakespeare oder in F Saint-Exupéry den Abiturienten vorenthalten würde), sei hier in (2) an den Inhalt erinnert:
Dorfrichter Adam hat Eve mit einem Schäferstündchen beglückt, wobei ein Krug zerbricht und den Liebhaber verletzt. Nun zieht Eve’s Mutter Marthe Rull zu Gericht, um von Adam Schadenersatz für den ach so wertvollen Krug zu fordern. Denn sie verdächtigt Eve’s Verlobten Ruprecht der Zerstörung, als er die beiden beim Aufhüpferl überrascht hatte, doch Ruprecht pocht auf seine Unschuld.
Nachdem der Gerichtsschreiber Licht den Adam beim Wundverband ertappt und zudem der Gerichtsrat Walter den Fall checkt, wird es für Richter Adam brenzlig. Schließlich weiß er, daß er über sich selbst zu Gericht sitzt – allzu menschlich versucht er mit vielerlei Tricks, den wahren Sachverhalt zu vertuschen.
Nach turbulentem Hin und Her schließt das Lustspiel mit mehr oder weniger Happy End: Licht wird stolzer Nachfolger des Dorfrichters Adam, welcher die Flucht ergreift. Eve und Ruprecht versöhnen sich küssenderweise. Walter wird befördert. Und die Klägerin Marthe Rull mag bis heute um ihren zerstörten Krug zu trauern.
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Was sagt uns dies? Viel, wie in (2) zusammengefasst. Doch ist eine Analogie überhaupt angebracht?
Adam als korrupter und feige Richter personifiziert den Machtmißbrauch und versucht seine Schuld zu vertuschen. Wie das BVerfG in Verbandelung mit der Politik?
Klägerin Marthe Trull fordert ihr Recht ein: Entschädigung für den zerbrochenen Krug und Entehrung Ihrer Tochter. Wie die AfD?
Marthe’s Tochter Eve wird von Adam bedrängt – sexuell des nachts und bei Gericht – und will ihren Verlobten schützen. Wie die AfD-Mitglieder?
Eve’s Verlobter Ruprecht fühlt sich zu Unrecht beschuldigt, bezichtigt Eve der Untreue und verdächtigt Adam als Täter. Wie die Sympathiesanten und Wähler der größten Oppositionspartei?
Gerichtsschreiber Licht profitiert mit Karrieressprung. Wie die Mainstream-Medien, die statt die Regierung zu kontrollieren (Aufgabe der Vierten Gewalt) ihr als Claqueure dienen?
Gerichtsrat Walter als Vertreter der staatlichen Obrigkeit mimt den Saubermann. Wie Vertreter der Beamtenschaft?
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Wie auch immer: Anders als im Theater vom zerbrochenen Krug nehmen in der Realität der zerbrochenen Demokratie das Unrecht und die Sorgen darüber zu, da sich die Freie-Demokratische Grundordnung (FDGO) immer schwerer halten kann.
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Einerseits: Warum wurde das Schauspiel „Der zerbrochene Krug“ von Kleist so häufig aufgeführt und warum hat es die Zuschauer immer derart fasziniert? Bestimmt nicht wegen einer Person wie Marthe Trull an sich. Sondern weil man so trefflich Vergleiche und Analogien zum wirklichen Leben ziehen und dabei so erstaunliche Parallelen feststellen konnte .
Andererseits: Warum wird die Realität „Die zerbrochene Demokratie“ so gerne verdrängt und ignoriert? Nicht wegen einer Partei wie der AfD – nein, die AfD ist im Grunde ‚wurst‘. Es um die Opposition als Institution, ohne die Demokratie nicht funktionieren kann.
9.8.2025
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Ende von Beitrag „Zerbrochene Krug – Demokratie“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Perfider Angriff auf den Rechtsstaat
Das Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist scheint in »unserer Demokratie« auf höchst eigentümliche Weise die Blaupause für einen radikalen Angriff auf das bundesdeutsche Verfassungsgericht gewesen zu sein. Denn worum geht es in Huisum? (So heißt bei Kleist der Ort der Handlung, wo bei einem Versuch, die Jungfrau Eve Rull zu verführen, ein Krug zerbrach.) Für alle jene, die der am 2. März 1808 am Weimarer Hoftheater vom juristisch geschulten Staatsminister und Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe höchstselbst eingerichteten Uraufführung aus nachvollziehbaren Gründen nicht beiwohnen konnten und auch die 1811 publizierte erste vollständig gedruckte Textfassung nicht zur Hand haben, sei es hier in Kürze zusammengefaßt:
Kleist hat den Dorfrichter Adam in eine Lage versetzt, in der allein Adam weiß, daß er realiter über sich selbst zu Gericht sitzt, und er darum jede sich ihm bietende Chance nutzt, den wahren Sachverhalt zu vertuschen. Nämliches muß der Antifa-geschulte SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil im Schilde geführt haben, als er (übrigens kurz nach einem AfD-Verbotsbeschluß auf dem jüngsten SPD-Parteitag) gemeinsam mit seinen roten und grünen Genossen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vorschlug, Frauke Brosius-Gersdorf und Ann-Katrin Kaufhold zu Verfassungsrichterinnen wählen zu lassen. Wir dürfen davon ausgehen, daß beide ideologisch orientierten Juristinnen, einmal in rote Roben gekleidet, im Fall der Fälle in Karlsruhe für ein Verbot der Alternative für Deutschland plädieren werden. Heinrich von Kleist zeigt uns: Parteiische Richter beugen schamlos das Recht.
Was in Deutschland nach einem AfD-Verbot möglich wäre, würde in einer fiktiven Tragödie mit dem Titel Die zerbrochne Demokratie so ablaufen:
Klingbeil läßt sich in einem um 151 AfD-Sitze dezimierten Deutschen Bundestag nach einem konstruktiven Mißtrauensvotum gegen Friedrich Merz mit den Stimmen von Rot-Rot-Grün zum neuen Kanzler wählen und kann bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode durchregieren, ohne bei der Transformation unseres Landes in einen von Linken dominierten und domestizierten Staat auf die Unions-Fraktion Rücksicht nehmen zu müssen. Wer es dann noch wagt, aufzumucken, wird von der »wehrhaften Demokratie« eines Besseren belehrt werden.
Weil „Der zerbrochne Krug“ ein Lustspiel ist, fliegen die trickreichen Winkelzüge des Dorfrichters zu guter Letzt auf, der vermaledeite Dorfrichter Adam verläßt fluchtartig den Gerichtssaal und stürmt über verschneite Winterfelder davon.
In der „Zerbrochnen Demokratie“ dagegen ist das Finale dystopisch, weil das Unrecht triumphiert. »Nicht die Menschen sind für den Staat da, sondern der Staat für die Menschen«, dieser zentrale Grundsatz eines Rechtsstaats wird »seit Corona« von deutschen Politikern und ihnen hörigen Medien systematisch aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt. Das sollten wir nicht länger zulassen.
Ihr Ingo Langner, 25.7.2025
Editorial Ausgabe No. 5 | 2025, Seite 3 : https://cato-magazin.de/editorial-heft-22024/
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(2) „Der zerbrochene Krug“ – Lustspiel von Heinrich von Kleist
Das Drama „Der zerbrochene Krug“ beginnt mit einem Gerichtstag im Dorf Huisum: Die Witwe Marthe Rull verlangt von Dorfrichter Adam Schadenersatz für ihren wertvollen Krug, der in der vergangenen Nacht zerbrochen wurde. Sie verdächtigt Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, der jedoch seine Unschuld beteuert. Eve selbst weigert sich, Ruprecht zu belasten, der ihr jedoch unterstellt, fremden Herrenbesuch empfangen zu haben. Sein Nebenbuhler habe bei seinem Auftauchen die Flucht ergriffen und dabei den Krug zerbrochen.
Nach und nach wird klar, dass der Richter selbst der Schuldige ist: Er war nachts in Eves Kammer und zerbrach den Krug, als er vor Ruprecht geflohen ist. Gerichtsrat Walter, ein hoher Beamter, der Adams Amtsführung kontrollieren soll, entdeckt zahlreiche Widersprüche in Adams Aussagen. Am Ende wird Adam entlarvt, doch statt Verantwortung zu übernehmen, flieht der Erpresser aus dem Gerichtssaal und die beiden Verlobten versöhnen sich.
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… Alles vom 4.2.2025 zu „Der Zerbrochene Krug: Zusammenfassung und Infos zur Pflichtlektüre“ bitte lesen auf
https://www.stark-verlag.de/blog/der-zerbrochene-krug-zusammenfassung-infos-pflichtlektuere
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