EKuSo: Kultursommer seit 2005

Kulturelles Engagement kann nicht von oben bzw. von der „Oberwelt“ (Walter von Rossum) besorgt werden. Kulturarbeit muß von unten entstehen und dann gedeihen. Engagement (Freiheit) statt Subventionen (Abhängigkeit). Ein Beispiel ist der Ebneter Kultursommer (kurz EKuSo), der seit 2005 alljährlich (außer im Coronajahr 2020) jungen und (noch) unbekannten Künstlern am Schloss Ebnet eine Bühne bietet.

Ein denkwürdiger Sonntagvormittag 27.7.2025 ab 11 Uhr in der Kulturscheune von Schloss Ebnet: Die Gründer des Ebneter Kultursommers von 2005 (auf dem Bild von links): Oliver Lucht (L, Kommunikationsdesigner), Lioba Alicke (A, ehemalige Sekretärin der Schlossverwaltung), Nikolaus von Gayling-Westphal (G, Schlossherr) und Atai Keller (K, ehemaliger Kultur-Stadtrat) berichteten über 20 Kultursommer-Jahre. Oliver Lucht moderierte zu diesen Themen – hier Zitate laut Mitschrift:

1. Damals 2005:
Traumort und Traumschlossherr (K).
Nur 150 Leute im Saal (G).
2005 war eine andere Zeit, die Künstler wollten gerne hierher kommen, es gab ja sonst kaum etwas (K). Die Musiker hatten ausreichend Zeit, vorher hier zu proben. Öfters haben sie auch hier übernachtet (G).
Als Sängerin im deutsch-französischen Chor liegt mir viel an der Musik. Mein Job war, alles zusammenzutragen: Musik, Schauspiel und Kindertheater. Manchmal hat jemand auch einen Tannenbaum bekommen (A).
Die Forderung nach einer Festgage, um die Künstler angemessen zu bezahlen, konnte sich im EKuSo nicht durchsetzen (K).
Der Nikolaus nimmt nichts und gibt nichts, d.h. der Geist des Kultursommers ist, begabte junge Musiker zu fördern und bekannt zu machen. Wir wollen keine berühmten Leute engagieren (G).
Festivals gab es hier noch nicht, heute ist die Konkurrenz viel größer (L).
Der EKuSo hat eine Nische besetzt: ehrenamtlich, vielseitig, Ambiente mit dem Schloßgarten. Ein Alleinstellungsmerkmal bis heute (K).
Eine von Freiburgs Kulturbürgermeister von Kirchbach angebotene Ausfallbürgschaft lehnten wir immer ab. Der Ebneter Kultursommer hat eben gut gewirtschaftet (G).

2. Gegenwind und Schwierigkeiten
Lautstärke, Einsprüche, Nachbarn, Autoverkehr, Vorschriften, Ortsverwaltung anfangs dagegen. Aber die Zusprüche sind viel größer als die Einsprüche und Erstere werden leider nicht veröffentlicht (G).
Deshalb wurde die Reithalle mit über 800 Plätzen und der Egelsaal dann auch gesperrt (K)
Die Reithalle des früheren Reitstalls Rosenstiel aus Littenweiler ist ein toller Gebäude. Der D–Chor hat die Halle mehrmals geputzt (A)
Wenn ein Pfarrer in der Kirche einen Gottesdienst hält, muß er doch auch keinen Antrag stellen, um, eine Predigt halten zu dürfen (G).

3. Highlights
Gab es viele (K)
Zum Beispiel Katja Riemann (A)

4. Gefährdung 2015
Wir waren 2015 am Ende unserer Kräfte. Da gab es im Dezember ein Gespräch im Gartensaal (L)
Auflösung unseres Vereins? Dann traf ich Walter Hätti auf dem Ebneter Friedhof, „Sie kommen doch heute Abend?“ Und er kam, sagte zu und wurde Anfang 2016 als Vorsitzender des EKuSo gewählt und der Verein wuchs von 10 auf heute 107 Mitglieder bzw. Helfer“ (G)
Mit Walter Hätti ist der EKuSo „in den Ort gesprungen“. Seitdem ist die Distanz zwischen Ebneter Bürgerschaft und Ebneter Schloss weitgehend verschwunden (K).
Großer Applaus für Walter Hätti, der erstmals nach vorne auf die Bühne kam. Hätti verriet mir nachher „Ich bin zwar in Ebnet sehr verwurzelt und fühle mich als Ebneter, bin aber tatsächlich Stegener Bürger“ und außerdem, dass er in der Zeit vor dem Juli jeweils 80% seiner Arbeitszeit für den EKuSo verwendet. Wie recht Nikolaus von Gayling doch hat, wenn er oftmals anstelle von Freiburg-Ebnet von „Ebnet im Dreisamtal“ spricht.

5. Ihre Wünsche für die Zukunft des EKuSo?
Dass wir immer wieder Menschen finden, die sich engagieren. Wie zum Beispiel Martina Pleuger für den Blumenschmuck (A)
Ich wünsche, dass wir uns an unsere Ursprünge als freies Haus erinnern, in dem jeder willkommen ist. Wir sind für die Musiker da und nicht umgekehrt (G)
Mein Wunsch ist, dass der EKuSo in Bewegung bleibt und das auch ausstrahlt (K).
Auch nach dem Gespräch mit OB Horn: Wir wollen ohne Zuschüsse der Stadt auskommen und unabhängig bleiben. Jungen Künstlern eine Chance geben und Kooperationen eingehen: z.B. Kinderprogramme, Feyel-Schule, Taubstumme. Elektronische Musik ausprobieren, Experimente. Theaterarbeit verstärken. Online-Newsletter, Social Media (L)

Vor und nach dem interessanten Vierergespräch erspielte sich das Nehemia-Reinhardt-Trio mit Nehemia (Solo-Gitarre) und seinen beiden Cousins Honi und Bonino (Rhythmus-Gitarren) einen langen Applaus. Buchbar sind die jungen Gitarristen unter Tel 0176/84001427 von Opa Robert Reinhardt.

In nur 1 1/2 Stunden ließen die vier GründerInnen des Ebneter Kultursommers 20 Jahre Kulturarbeit Revue passieren: Ein großartiges freiwilliges, ehrenamtliches Engagement der Vier und ihren zahlreichen HelferInnen, das alles andere als alltäglich ist und das man bewundern und anerkennen muß.

Abschließend bedankte sich Walter Hätti bei dem jungen Musikertrio, das im nächsten Sommer 2026 sicher mit dabei sein wird, und bei dem Gründungs-Quartett. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen nach einem oder bei den meisten wohl mehreren Besuchen im Ebneter Schloss gute Erinnerungen an den EKuSo mitgenommen haben, dann haben sich die viele Mühe und Arbeit sicher gelohnt.
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Resumée: 20 Jahre gelungene Förderung noch unbekannter künstlerischer Talente durch den Ebneter Kultursommer. Gründungs-Quartett und Vorstand des EKuSo sind Vorbilder für ehrenamtliches Engagement und haben es verdient, anerkannt zu werden – gerade auch von der nachrückenden Generation, die derzeit in so jungen Jahren die Schaltstellen von Kommunal- und Kulturpolitik besetzt. Danke.
27.7.2025

    Vorstand Walter Hätti (links) am 27.7.2025
    Nehemia-Reinhardt-Trio am 27.7.2025

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