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Wasserwerfer gegen friedlich gegen das „Corona-Ermächtigungsgesetz“ demonstrierende Bürger am 18.11.2020 in Berlin
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Katharina Schmieder (SWR): ÖRR ist „inkompetent und völlig verblendet“
Interview: Der Skandal um gefälschte Bilder im „Heute-Journal“ erschüttert das ZDF. Seit langem beobachtet Ex-SWR-Journalistin Katharina Schmieder die Öffentlich-Rechtlichen – als „Critical Cat“ hat sie sich im Internet einen Ruf als deren Kritikerin gemacht. Ihr Fazit: Die Affäre kommt nicht überraschend
Moritz Schwarz
Frau Schmieder, glauben Sie den Entschuldigungen des ZDF in der Affäre um die gefälschten ICE-Bilder im „Heute-Journal“?
Katharina Schmieder: Nein, nicht nach all meinen Erfahrungen. Das war kein einfacher Fehler.
Sondern?
Schmieder: Es war ein systemimmanenter Fehler.
Was ist der Unterschied?
Schmieder: Seit Trump im Amt ist, ist für das ZDF der Faschismus ausgebrochen. Marietta Slomka hat das in einem Interview mit dem US-Philosophen Jason Stanley nahegelegt und Dunja Hayali und Elmar Theveßen haben sich entsprechend geäußert, um nur einige Bespiele zu nennen.
„Systemimmanenter Fehler“ meint also, man ist Opfer seiner eigenen Ideologie geworden?
Schmieder: Ja, sie glauben die eigene Erzählung. Und da es keine Aufnahmen gibt, diese zu illustrieren, sind die Macher dieser Beiträge anfällig für gefälschte Bilder. In diesem Fall war es ein Clip, der mit KI erstellt wurde. Und ein anderer, der von 2022 stammt und einen Polizisten zeigt, der einen Zehnjährigen abführt, der einer Schule mit einem Terroranschlag gedroht hatte. Ein völlig anderer Kontext, als das ZDF behauptet: nämlich das Vorgehen von ICE-Beamten gegen Kinder illegaler Migranten.
Die Frage ist, hat das „Heute-Journal“ die falschen Bilder im Eifer des ideologischen Gefechts irrtümlich in den Beitrag geschnitten, also im Glauben, diese seien echt, oder wußte es, daß sie falsch sind?
Schmieder: Es ist mutwillige Täuschung, wenn man ungeprüft Bilder aus einem anderen Zusammenhang einbaut. Das Wasserzeichen der KI mit Namen „Sora“, die im ersten Fall die Bilder erzeugt hat, war ja deutlich zu sehen. Daß man das „übersehen“ hat, ist nur damit zu erklären, daß man dermaßen ideologisch verblendet ist, daß es an Mutwillen grenzt. Denn es geht dem ÖRR nicht darum, Tatsachen zu berichten, sondern darum, was der Zuschauer denken soll – also nicht um seriösen, sondern um Haltungsjournalismus. Beispielsweise Charlie Kirk, über den das ZDF behauptete, er wolle Homosexuelle steinigen. Nicht nur, daß das nicht stimmte. Kirk warnte sogar ausdrücklich davor, die Bibel so auszulegen. Aber er sollte eben als menschenverachtendes Monster dastehen. Der ÖRR ist von Ideologie durchtränkt, die Kontrollinstanzen sind erodiert, und das Qualitätsmanagement ist völlig inkompetent. Deshalb, nein, das sind keine „Fehler“, das sind die unerträglichen Absonderungen eines kaputten Systems.
Sie waren selbst beim ÖRR – wie erklärt sich der laxe Umgang mit Bildern?
Schmieder: Ich erinnere ein Schulungsseminar für Social-Media: Eine Mitarbeiterin hatte einen Beitrag über unwürdige Arbeitsbedingungen in Asien erstellt. Gezeigt wurden Archivbilder von Fabriken. Dort wurde mit Chemikalien hantiert, denen die Arbeiter schutzlos ausgesetzt waren. Behauptet wurde, daß in diesen Fabriken ein Markenschuh eines deutschen Herstellers produziert würde. Ich sagte der Verantwortlichen, der Beitrag müsse sofort offline, da sie über keine valide Quelle zu dieser Geschichte verfüge und sie allgemeine Behauptungen ohne Beleg verbreite. Zudem hätte sie den Hersteller mit dem Sachverhalt konfrontieren müssen. Aber es hieß: „Frau Schmieder, ihr journalistischer Anspruch ist zu hoch.“ Problematisch ist an dieser Art von Beiträgen, daß sie vom Publikum als belehrend seitens der Anstalten wahrgenommen werden. Allerdings beruht meine Beurteilung des ÖRR nicht nur auf meinen persönlichen Einblicken dort, sondern vor allem auf meinen jahrelangen Beobachtungen und Analysen nach meiner Zeit dort und den Fällen, die ich auf meinen Kanälen „Critical__Cat“ bei X und „Critical Cat 3000“ bei Youtube öffentlich dokumentiere.
Von 2018 bis 2021 waren Sie Redakteurin beim SWR. Was haben Sie dort erlebt?
Schmieder: Die einschneidendste und verstörendste Zeit war während Corona. Es gab einen Krisenstab, der zahlreiche unnötige Dinge empfahl, inbesondere in der Nachbetrachtung. Es gab Mitarbeiter, die in Einzelbüros ihre FFP2-Maske nicht abnahmen. Viele wirkten verängstigt. Andererseits gab es einzelne, die schienen von Corona total begeistert: „Toll, was für Einschaltquoten wir dadurch bei der Tagesschau haben, Wahnsinn!“, hieß es in einer Sitzung. Bis eine Kollegin ihn daran erinnerte: „Äh, da sterben Menschen.“ Oder wir schnitten Beiträge mit Biontech-Imagematerial. Ich wies darauf hin, daß wir das eigentlich in der Bildquelle kennzeichnen müssen. Aber es hieß: „Ach ne, brauchen wir nicht.“ Auch gab es die klare interne Anweisung, Teilnehmer auf Corona-Demos nicht konkret zu ihren Anliegen zu befragen. Es ging darum, die Demonstranten pauschal als Verschwörungstheoretiker, Rechtsradikale und Reichsbürger zu präsentieren. Corona ist insbesondere in der Retrospektive ein Totalausfall des ÖRR. Es bräuchte eine wahrhaftige Aufarbeitung, zu der es aber nie kommen wird.
Als Sie 2018 zum ÖRR wechselten, lief doch bereits die Debatte um dessen hausinterne Sprachleitfäden für politisches Framing. Hat Sie das nicht gewarnt?
Schmieder: Zuvor arbeitete ich für private Medien. Aus dieser Perspektive wirken die Anstalten verstaubt, behäbig und finanziell aus dem Ruder gelaufen. Als sich nach einem Auslandsaufenthalt die Möglichkeit beim SWR eröffnete, dachte ich mir: Guck’s dir mal an. Aber richtig, diese Leitfäden sind nichts anderes ein sprachliches Mittel, was der Manipulation dient. Zu dieser Zeit wurden Seminare angeboten, um sich in Sachen Framing schulen zu lassen. Unterm Strich war es eine grausame Zeit beim SWR. Meine Arbeit, die ich heute mache, ist allerdings Manöverkritik an einem System, welches außer Kontrolle ist. Dies hat mit meinen schlechten Erfahrungen beim SWR wenig zu tun.
Sie haben sich inzwischen einen Namen als ÖRR-Kritikerin gemacht. Was zum Beispiel dokumentieren Sie dort?
Schmieder: Fehler, Fälschungen und Manipulationen sowie entrückten Haltungsjournalismus. Während des Stromterrors in Berlin wies ich darauf hin, daß zahlreiche ÖRR-Programme während der Habeck-Ära die individuelle Krisenvorsorge als rechts und „reichsbürgerlich“ diffamiert haben. Anlaß war die Debatte um das Abstellen von Atomkraftwerken und inwiefern die Sicherheit deutscher Netze gewährleistet ist. Dazu erstellte ich eine Montage aus verschiedenen Programmen, die sich über die Bevorratung mit Lebensmitteln, Stromaggregaten oder Leuchtmitteln echauffierten. Insbesondere Anja Reschke vom NDR verbreitete Häme über die Outdoor-Influencerin Vanessa Blank und markierte sie als irgendwas mit rechts, weil sie irgendwelchen Leuten nahestehen würde. Problematisch daran war, daß Reschke keinerlei valide Quellen benennen konnte oder Blank mit ihren Anwürfen konfrontierte, so daß sie Stellung beziehen konnte. Mein Beitrag im Januar dieses Jahres erreichte viele Zuschauer, unter anderem auch Vanessa Blank. Diese reagierte und adressierte ein Video an die Reschke-Redaktion vom NDR. Daraufhin löschte Reschke diesen älteren Beitrag. Damit ist es meiner Ansicht nach nicht getan. Es bräuchte eine Stellungnahme auf dem Reschke-Kanal und eine echte Wiedergutmachung, beispielsweise in monetärer Form. Denn über Jahre standen diese kruden Behauptungen über Vanessa Blank im Raum. Mit dieser Methode legt der ÖRR digitale Spuren, um die Existenzen von Menschen zu zerstören, die eine andere Meinung vertreten als die Macher der Programme. Meines Erachtens ist es ein Machtmißbrauch, wenn der Zehn-Milliarden-Apparat über einzelne Youtuber herfällt. Es herrscht keine „Waffengleichheit“. Es ist zutiefst unanständig, weil wir gleichzeitig mehr als 220 Euro pro Jahr und Haushalt für diese unterirdischen Beiträge zahlen müssen.
Was veranlaßte Sie, die Programme des ÖRR auf Mängel zu untersuchen?
Schmieder: Ich hatte nie einen konkreten Plan, mich als ÖRR-Kritikerin zu etablieren. Das ergab sich über die Zeit, weil es mittlerweile zahlreiche Menschen gibt, die sich für meine Inhalte interessieren. Angefangen haben meine Betrachtungen Ende 2022. Damals produzierte der NDR die neue Sendung „Das Bürgerparlament“. Eine politische Talkshow, die vorgab, daß politisch interessierte Bürger debattieren. Ich war erstaunt, daß in dieser Sendung eine SWR-Fernsehköchin als Bürgerin verkauft wurde und eben nicht als Kollegin vom SWR. Daraufhin habe ich die anderen Teilnehmer gegoogelt und siehe da, der eine war bei der SPD, der andere war der linksradikale Influencer „Dara“, der Mitglied bei „Die Linke“ ist, und jemand von der CDU. Es hagelte Kritik, es gab Programmbeschwerden, die allerdings abgewiegelt wurden. Nach zwei Pilotfolgen wurde das Format nicht weitergeführt. In den folgenden Monaten setzte ich meine Untersuchungen fort. Stichprobenartig nahm ich mir Sendungen in einem politischen Kontext vor und schaute nach, wer diejenigen sind, die uns als Bürger, Passanten oder Demonstranten präsentiert werden. Nach rund drei Jahren dokumentierte ich Hunderte derartiger Transparenzmängel. Das sind Politiker, die sich in einem politischen Kontext äußern, es aber eben nicht transparent gemacht wird, daß diese Personen in einer Partei oder Stiftung sind. Oder es sich um ÖRR-Personal handelt, wie Rundfunkräte, die in anderen Rollen im Programm auftreten.
In gut drei Jahren haben Sie rund 700 solcher Fälle öffentlich gemacht. 2025 wurden Sie dafür – ausgerechnet von Ihrem ehemaligen Arbeitgeber, dem SWR – als „Rechtsextremistin“ angegriffen. Wie das?
Schmieder: Es begann mit einer Maischberger-Sendung während des Wahlkampfes im Januar letzten Jahres. Zu Gast war Alice Weidel, hinter ihr im Publikum saß ein junger Mann. Er konnotierte Weidels Äußerungen mit Unmutsgesten. Daraufhin fragten mich Nutzer auf X, wer das sein könnte, und ob er vielleicht mit Absicht dort plaziert worden wäre. Ich recherchierte und er stellte sich als jemand von der Grünen Jugend heraus. Ob er gezielt eingeladen und mit Absicht hinter Frau Weidel gesetzt wurde, um beim Zuschauer den Eindruck einer negativen Publikumsreaktion auf die Worte der AfD-Chefin hervorzurufen, ist unklar. Aber der Verdacht ist nicht unbegründet, nachdem ich und andere Kritiker gezeigt haben, daß der ÖRR Publikum immer wieder nach politischer Gesinnung auswählt. Zudem erwähnte ein Korrespondent nach einer ZDF-Wahlsendung, daß gezielt linkes Publikum von einer Universität und Stiftungen als Studiopublikum rekrutiert worden wäre.
Der SWR veröffentlichte im August die halbstündige Doku „Plötzlich Haßobjekt. Woher kommt die rechte Online-Hetze?“, die Sie dafür verantwortlich macht, daß der Student daraufhin in den sozialen Medien Schmähungen und Drohungen erhielt.
Schmieder: Dieser Anwurf, ich hätte zu sogenannten Haßwellen aufgerufen, ist absurd und bösartig. Es handelt sich hier um eine politische Person. In einem Interview berichtet er über sein politisches Engagement. Er zeigt sich auf dem Account der Grünen Jugend. Er war Sprecher bei einem Verband der Grünen Jugend. Ich teile in dem initialen Post öffentliche Quellen, deren Veröffentlichung dieser Mann zugestimmt hat. Diese Aufmerksamkeit nutzt er mittlerweile, um Reichweite auf Tiktok aufzubauen.
Das heißt, hätte er sich als reiner Privatmann herausgestellt, hätten Sie die Identität nicht mitgeteilt.
Schmieder: Natürlich nicht. Das Vertrauen in den ÖRR ist erodiert. Mittlerweile kochen Debatten in kürzester Zeit hoch, da viele Menschen ein Störgefühl bei der Berichterstattung des ÖRR haben. Im Zuge der Messerattacke in Solingen tauchte ein Interviewpartner mehrmals bei der ARD auf; dieser wurde als „Augenzeuge“ deklariert. Viele Nutzer machten Witze, daß es sich wohl um einen Grünen handeln müsse. Das war komplett falsch. Ich konnte diesen Mann identifizieren. Er ist ein Privatmann und hatte Gründe, vor Ort zu sein. Auf X wies ich darauf hin, keine weiteren Posts mehr zu dem Mann zu teilen.
„Plötzlich Haßobjekt“ wirft Ihnen vor, den Grünen Studenten gedoxt zu haben.
Schmieder: Und das ist gelogen, denn Doxing ist per Definition das Veröffentlichen privater Daten. Das aber mache ich grundsätzlich nicht. Alles, was ich über den Studenten zusammengetragen habe, stammte aus öffentlichen Quellen und bezog sich allein auf seine Rolle bei den Grünen. Zudem hat der SWR sogenannte Haßkommentare, für die ich antwortlich sein soll, gefälscht. Dazu wurden für Instagram-Beiträge Sequenzen aus dem Film genommen und diese mit Grafiken versehen. Diese Grafiken zeigen Haßkommentare. Allerdings existieren diese so nicht oder stehen in keinem Zusammenhang mit meinem Post im Januar 2025. Teilweise wurden diese Kommentare aus anderen zusammenmontiert, andere sind einige Jahre älter als mein Post. Weiter behauptet der SWR, daß diese Posts auf X liefen, tatsächlich stammen sie von Facebook und wurden in einem anderen Zusammenhang verfaßt. Da sehe ich Parallelen etwa zu jenen angeblichen ICE-Bildern jetzt, die in Wahrheit, wie gesagt, von einer Amoklaufdrohung 2022 stammen oder KI-generiert sind.
Dennoch werden Sie in der Doku als rechte Netzwerkerin und Anstifterin zum Mobbing dargestellt und in der Online-Werbung für die Sendung gar als „Hatefluencer“ und „Rechtsextremist“. Warum?
Schmieder: Rechts ist eine legitime Position im politischen Diskurs. Im ÖRR existiert allerdings keine Trennschärfe mehr zu rechtsextrem oder rechtsradikal. Die Anstalten betrachten ihre Kritiker als Feinde. Diese Geisteshaltung zeigt, daß der ÖRR unreformierbar ist und es nur eine Lösung gibt: Die öffentlich-rechtlichen Anstalten müssen abgeschafft werden.
Katharina Schmieder war von 2011 bis 2021 als sogenannte „feste Freie“ Redakteurin des öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunks (SWR). Zuvor arbeitete die studierte Kommunikationswissenschaftlerin für verschiedene private Fernsehsender und als freiberufliche Fotografin. 2022 begann sie als „Critical Cat“ mit ihrer systematischen ÖRR-Kritik auf X, 2025 kam ihr Youtube-Kanal dazu. Sie ist Redakteurin bei dem Schweizer Radiosender Kontrafunk. Seit Januar schreibt sie auch für die JUNGE FREIHEIT.
… Alles vom 27.2.2026 von Katharina Schmieder bitte lesen in der JF 10/26, Seite 3
https://www.junge-freiheit.de
Staatskultur: Wie der Staat unsere Werte kolonisiert
In westlichen Gesellschaften beobachten wir eine paradoxe Entwicklung: Formell bestehen Eigentumsrechte und politische Freiheiten weiter fort, doch kulturell befinden wir uns im Würgegriff eines neuen Totalitarismus. Nicht mit Stiefeln, sondern auf Samtpfoten schleicht sich der Einfluss des Staates in unser Denken, Fühlen und Handeln. Der Begriff der „Staatskultur“ beschreibt diesen schleichenden Prozess einer staatlich geformten Weltanschauung, die tief in unser Alltagsleben eingreift – ganz ohne offene Gewalt.
Die Kultur einer Gesellschaft entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie ist das Ergebnis von Normen, Konventionen, Sprache, Medien, Bildung, Erziehung und Geschichten, durch die Menschen die Welt deuten. Was aber, wenn diese kulturellen Elemente nicht spontan und freiwillig entstanden sind, sondern systematisch von staatlichen Institutionen geformt wurden? Der Staat hat ein vitales Interesse daran, seine Existenz moralisch zu rechtfertigen. Dazu nutzt er vor allem zwei Instrumente: das Bildungssystem und die Medien.
„Der moderne Trend zu staatlicher Allgewalt und Totalitarismus wäre im Keime erstickt worden, wenn seine Vertreter es nicht geschafft hätten, die Jugend zu indoktrinieren und zu verhindern, dass diese mit den Lehren der Nationalökonomie vertraut wird.“ (Ludwig von Mises, Die Bürokratie 1944, S. 89)
Schulen vermitteln staatsnahe Ideologien, während viele Medien durch Subventionen, Zugangsvorteile oder regulatorischen Druck in staatsfreundlicher Weise berichten. Durch diese langfristige Einflussnahme entsteht eine kulturelle Hegemonie, in der staatliche Narrative als moralisch überlegen gelten.
Der Wokeismus ist ein Paradebeispiel dieser neuen Staatskultur: Unter dem Deckmantel der Toleranz werden kritische Stimmen mundtot gemacht. Begriffe wie „Hassrede“, „Diskriminierung“ oder „Fake News“ werden oft so vage definiert, dass sie zur Waffe gegen jede Abweichung von der offiziellen Linie werden können. Was als gesellschaftliche Sensibilität erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ideologischer Konformitätsdruck – gefördert, finanziert und verteidigt vom Staat.
Die Cancel Culture ist ein Resultat dieser Entwicklung. Unternehmen, Universitäten und Medien – formal privat – agieren zunehmend im vorauseilenden Gehorsam. Sie führen eine privatisierte Zensur durch, die faktisch staatlich induziert ist. Der libertäre Reflex, dies als Ausdruck von Eigentumsrechten zu verteidigen, greift zu kurz. Denn diese Handlungen geschehen nicht in einem freien Markt, sondern in einem staatlich verzerrten kulturellen Umfeld.
Was tun? Libertäre müssen anerkennen, dass Kulturpolitik kein exklusives Terrain der Linken bleiben darf. Der Staat ist nie neutral. Schon seine bloße Existenz beeinflusst die Kultur. Daraus folgt: Solange der Staat besteht, sollten libertäre Kräfte jene Kultur unterstützen, die sich auch in einer freien Gesellschaft durchgesetzt hätte. Werte wie Eigentum, Eigenverantwortung, Familie, Nächstenliebe und Wahrheit verdienen Förderung – auch innerhalb staatlicher Institutionen, solange diese bestehen.
Wir leben in einer hybriden Gesellschaft. Umso wichtiger ist es, die kulturellen Voraussetzungen für eine freie Ordnung zu schaffen. Denn ohne freiheitliche Kultur ist eine freie Gesellschaft nicht dauerhaft möglich.
„Der Konflikt zwischen Kapitalismus und Totalitarismus, von dessen Ausgang das Schicksal der Zivilisation abhängt, wird nicht durch Bürgerkriege und Revolutionen entschieden werden. Er ist ein Krieg der Ideen. Die öffentliche Meinung wird über Sieg und Niederlage bestimmen.“ (Ludwig von Mises, Die Bürokratie, S. 120 f.)
Der Kampf um die Kultur ist deshalb kein Nebenschauplatz – er ist das Zentrum der Auseinandersetzung um unsere Freiheit. Javier Milei hat gezeigt, dass dieser Kampf auch mit libertären Ideen gewonnen werden kann. Das gibt Hoffnung.
… Alles vom 18.7.2025 von Philipp Bagus bitte lesen auf
https://www.misesde.org/2025/07/staatskultur-wie-der-staat-unsere-werte-kolonisiert/
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Philipp Bagus
ist Professor für Volkswirtschaft an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid. Zu seinen Forschungsschwerpunkten Geld- und Konjunkturtheorie veröffentlichte er in internationalen Fachzeitschriften wie Journal of Business Ethics, Independent Rewiew, American Journal of Economics and Sociology u.a. Sein Buch „Die Tragödie des Euro“ (*) erscheint in 14 Sprachen. Philipp Bagus ist ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Ludwig von Mises Institut Deutschland. Im September 2024 erschien sein Buch „Die Ära Milei“ (*).