Wokeismus

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Kaki-Früchte am Baum in Freiburg geerntet am 6.12.2023

Aus demografischen Gründen: Die Woken und die Linken sterben aus
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„Wokeismus – das polemische Gegenstück zur Normalität“
(Norbert Bolz)
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„Wokeness ist die erste Bewegung der Menschheitsgeschichte, die gleichzeitig gegen das Lust- und das Realitätsprinzip kämpft“ (Norbert Bolz in „Zurück zur Normalität)
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Hat die woke Welle ihren Höhepunkt überschritten?
Die woke Welle verliert in den USA und Großbritannien an Kraft – Gerichte, Politik und Universitäten setzen erste Korrekturen. In Deutschland hingegen klammern sich Hochschulen, Verlage und Politik weiter an Denkverbote und Sprachregime, gestützt von Feigheit und Opportunismus.

In Deutschland ist die Kraft der woken Bewegung und ihrer Denkverbote einstweilen ungebrochen
… In Freiburg etwa konnte man im Netz, aber auch auf einzelnen Aushängen vor kurzem diesen Hinweis finden: „Der Studiengang B. Sc. Hebammenwissenschaft sucht schwangere Personen für die Durchführung der praktischen Hebammen-Abschlussprüfung“.
Hier wird also vorausgesetzt, dass auch biologische Männer schwanger werden können – ein Wunder, das der jungfräulichen Geburt gleichkäme – oder dass Frauen, die plötzlich erklären, sie seien jetzt Männer, dies auch tatsächlich geworden sind, auch im Sinne der Medizin. Man mag über so etwas lächeln, aber wer sich über solche Formulierungen beschweren würde, würde vermutlich rasch erheblichen Ärger bekommen, weil er oder sie „transphob“ sind. Also lässt man es sein, und die Kulturkämpfer, die ja angeblich keine sind, haben ihr Ziel erreicht, rationales Denken zu unterbinden, denn darum geht es natürlich.
An der Uni Marburg hingegen bietet das Institut für Schulpädagogik einen Workshop für „FLINTA*-Personen“ an. Gemeint sind damit „Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre, trans und agender Personen“. Warum man hier Frauen, von denen einige ja vielleicht sogar heterosexuell sein mögen (angeblich gibt es das noch, sogar in Nordhessen), mit den genannten Sondergruppen in einen Korb wirft, ist eigentlich schwer begründbar, es sei denn, man will damit jeden Gedanken daran, dass Frauen bestimmte biologische Eigenschaften haben, die sie von Männern unterscheiden, tabuisieren. Und machen wir uns nichts vor, haben sich Neologismen wie „Flinta*“ erst einmal durchgesetzt, wird damit auch das Denken im Sinne einer bestimmten Ideologie gesteuert, was ja auch ganz allgemein für die Gendersprache gilt, die in der akademischen Welt mittlerweile oft vorherrschend geworden ist.
… Alles vom 20.8.025 von Ronald G. Asch bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/meinungen/hat-die-woke-welle-ihren-hoehepunkt-ueberschritten

 

Von der Extase der Normalität: „Was uns glücklich macht, bindet uns“
Zum Buch von Norbert Bolz „zurück zur Normalität“
Norbert Bolz erklärt in „Zurück zur Normalität“, warum der Wokismus scheitert: die Bürgerlichkeit steht eben fester und tiefer gegründet, als viele meinen. Wer sie wieder lustvoll leben will, findet hier das Buch der Stunde

„Zurück zur Normalität. Mit Augenmaß und gesundem Menschenverstand“ fasst zwar das Wesen der westlichen Kulturrevolutionäre noch einmal zusammen, gewissermaßen als Resümee. Denn die Ideologie befindet sich unübersehbar in ihrer fortgeschrittenen Niedergangsphase. Norbert Bolz beschäftigen folglich die beiden Fragen: wie endet die Bewegung, die gut zehn Jahre lang die sinnproduzierenden Institutionen fast aller westlicher Länder mehr oder weniger fest im Griff hielt? Und wie geht es danach weiter? Wie kommt die Gesellschaft also aus dem von einer kleinen Funktionselite erzeugten Ausnahmezustand heraus?

„Der Alarmismus stellt das Verhältnis von normal und extrem auf den Kopf“, heißt es zu Beginn. Und er findet in seinen Pointenstil auch eine griffige Definition des Gegenpols: „Normalität ist wie Gesundheit – man bemerkt sie nicht, wenn sie statt hat.“

In „Zurück zur Normalität“ geht es um zwei Mächte, die das Gebräuchliche und Alltägliche bedrängen: Zum einen den Wokismus mit seiner Hypermoralität, zum anderen den Daueralarmismus, der mit dem Weltuntergang droht – derzeit wegen der Klimaerwärmung, morgen könnte aber auch ein anderer Topos an deren Stelle treten. Beide laufen an einer Stelle zusammen; die Schlussfolgerung lautet, die alte westlich-weiße Gesellschaft als Ursache aller Übel hätte zu verschwinden. Anders gebe es keine Erlösung.
In der breiten Bevölkerung fassten beide Drohbotschaften nie ernsthaft Fuß, wohl aber in der Funktionselite: Es gibt …Parallelgesellschaften, die sich bestens integriert und pudelwohl fühlen, obwohl sie längst jeden Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben. Sie leben in den geistigen Ghettos der Parlamente, Redaktionen und Universitäten und diktieren uns von dort aus, wie wir die Welt zu sehen haben.“

Eigentlich könnten auch die Wokisten und ihr Gefolge „Zurück zur Normalität“ mit Gewinn lesen (was sie trotzdem unterlassen dürften). Denn hier können sie lernen, warum ihr Überzeugungsgebäude schon heute als halbe Ruine dasteht: Was sie verkünden, bindet nichts und niemand in der Tiefe. Ihre Lehren tradieren nichts. Sie tragen nichts zum Glück bei. Sie bilden keine Strukturen aus, die Epochenbrüche überdauern. Um es abgewandelt mit Kleist zu sagen: sie kommen zwar nicht aus dem Nichts, denn es gibt lange geistige Vorläufe. Aber sie gehen ins Nichts.
… Alles vom 6.7.2025 von Alexander Wendt bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/buecher/was-uns-gluecklich-macht-bindet-uns/

 

Alexander Wendt: Realität weicht woker Ideologie – eine Ära geht zu Ende
Liebe Leser von Publico: Wir treten in ein unsicheres, aber nicht ganz düsteres neues Jahr ein. Dort, wo das Glaubenssystem der Erwachten seinen Ausgang nahm, in den USA, zerfällt es inzwischen erstaunlich schnell.

Der Sieg Donald Trumps stellt nur ein Symptom des Zeitenwechsels dar: Eine Mehrheit in den Vereinigten Staaten stimmte, indem sie ihn wählten, gegen eine anmaßende politisch-mediale Moralelite.
Eine Mehrheit der Weißen möchte sich offenbar nicht mehr einreden lassen, in jedem von ihnen stecke ein unheilbarer Rassist.
Sehr viele Schwarze und Latinos lehnen die für sie konstruierte Opferrolle ab.

Und alle zusammen glaubten ganz offenkundig weder, dass nur die von Unterstützungsmedien schmeichelhaft ausgeleuchtete Kamala Harris das Land und die Welt retten kann, noch, dass mit Donald Trump der Faschismus über das Land kommt.
Überhaupt: Die Medien, deren Verantwortliche das lange glaubten, merkten spätestens Ende 2024, dass sich die Realität eben doch nicht nach Belieben kuratieren und umformen lässt. Parallel schaffen Unternehmen reihenweise ihre Diversity-Equity-Inclusion-Abteilungen wieder ab. Die notorisch opportunistische, aber mit einer guten Witterung ausgestattete Managerklasse versteht, dass eine Ära zu Ende geht. An ihrem Ende steht die nicht besonders überraschende Erkenntnis: Bei der Realität handelt es sich offenbar doch um kein Konstrukt.
In Deutschland kommen diese Wellenbewegungen unvermeidlich an, aber auch unvermeidlich zeitversetzt. Deutschsein heißt schließlich, jede Sackgasse bis zu ihrem Ende abzuschreiten. Was selbstverständlich auch für die ganz spezielle Sackgasse gilt, die Energieversorgung eines ganzen Landes nicht an der Physik auszurichten, sondern an einer von Universaldilettanten und Spezialprofiteuren entworfenen Tugendlehre.
Wir wissen nicht genau, was kommt. Aber wir sehen, was allmählich verschwindet. Das bietet immerhin Anlass zu zarter, vorläufiger Hoffnung.
… Alles vom 1.1.2025 von Alexander Wendt bitte lesen auf
https://www.publicomag.com/2025/01/ein-neues-ein-hoffentlich-besseres-jahr-willkommen-2025/

 

 

Josef Kraus: Am woken Marterpfahl – Wokeismus
Wie aus dem Toleranzgedanken ein Herrschaftsinstrument wurde
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Jede Art totalitärer, alle Lebensbereiche „total“ umfassender Herrschaft schien mit dem Jahr 1990 überwunden. Jetzt feiert eine Herrschaft eines kulturmarxistisch geprägten Totalitarismus ausgerechnet im Westen der Welt fröhlich Auferstehung: als hypermoralischer, autokratischer, auf Konformismus angelegter Wokeismus, der keinerlei alternatives Denken, Urteilen und Sprechen zuläßt. Vom „woken“ Mainstream abweichende Positionen in Wissenschaften und öffentlichem Diskurs sowie deren Vertreter werden zunehmend diskreditiert, oft gar kriminalisiert.

Am Anfang des „Kommunistischen Manifests“ von 1848 heißt es: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus.“ Heute würde dieses Manifest mit dem Satz beginnen: „Ein Gespenst geht um im Westen der Welt – das Gespenst des Wokeismus.“ Und dieses Gespenst metastasiert: Cancel Culture, Black Lives Matter, Stop White Supremacy! Stop Cultural Appropriation! Stop Toxic Masculinity! Virtue Signalling, Queer, Gender, Critical Whiteness -Studies, Critical Race Theory, Postcolonial Studies. Es sind dies Gebote, Verbote und neue „Wissenschaften“, die aus den USA kommen, vor allem von den dortigen sogenannten Elite-Unis; sie fallen in Deutschland trotz des hier salonfähigen Anti-Amerikanismus auf fruchtbaren Boden: „Am deutschen Wesen …“ Alte und neue linke Autoritarismen kommen hinzu: Antifaschismus, Antirassismus (Autorassismus?), Antikolonialismus, Globalismus, Universalismus, Multikulturalismus, Humanitarismus, Pazifismus. Es werden immer mehr Sachverhalte einbezogen – qua „Wording“, „Framing“ und „Nudging“.

Warum? Weil es ach so ungerecht zugeht auf dieser Welt. Immer neue Gerechtigkeiten sind angesagt: Bildungsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Umweltgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit. Friedrich August von Hayek (1899–1992) würde sagen: Gerechtigkeit ist das Trojanische Pferd des Totalitarismus. Das Manipulative dabei: Gerechtigkeit wird zum Vernebelungssynonym für Gleichmacherei. Basis-Ismus ist nämlich ein grenzenloser Egalitarismus. Was ist „woke“? Es kommt von „to wake“ = „aufwachen“ = aufgewacht als waches Bewußtsein für mangelnde Gerechtigkeit und für Rassismus. „Woke“ sein heißt: Man ist dauerempört, entsetzt, indigniert, man wittert allüberall Ungerechtigkeiten. Dagegen setzt man schier narzißtisch das geläuterte Selbstbild: Ich bin woke, also bin ich. Aber es ist dies nichts anderes als bornierter Moral-Rigorismus. Urmutter der Wokeness-Bewegung ist die in den 1980er Jahren entstandene Denk- und Sprachschablone der Political Correctness. Eine Rolle spielt auch die sogenannte Identitätspolitik. Diese will Gruppen identifizieren, die angeblich diskriminiert werden. Identitätspolitik bedeutet zudem „Autopoiesis“: Man erschafft sich zum Beispiel als „queer“, divers … Eine Kernprämisse der „Wokies“ lautet dann: Alle sind irgendwie Opfer. Viktimisierung total!

Ausgeschlossen vom Opferstatus allerdings ist der weiße heterosexuelle Mann. Denn: Rassismus gegen Weiße gibt es nicht. Rassismus ist schließlich die weiße Erbsünde schlechthin. An die Stelle des Realitätsprinzips treten massenpsychotische Wallungen. Das entlastet vom Reflektieren. Dann kann man um so leichter den Nutzer bestimmter Wörter als nicht „woke“ inkriminieren und bei staatlichen oder halbstaatlichen Meldestellen denunzieren. Inquisition, Scheiterhaufen und Pranger lassen grüßen. Im Netz werden „Shitstorms“ inszeniert – gegen Nicht-„Woke“, die als Häretiker zu gelten haben. Die „Woken“ erheben schließlich ihre Stimme in Medien, Schulen, Unternehmen, Kirchen, im Sport (siehe Kniefall, Regenbogenbinde), Hochschulen. Das macht ja den woken Totalitarismus aus: die Gleichschaltung aller Bereiche des Lebens. Wokeismus hat längst die Hochschulen erfaßt. Beliebt sind dort mittlerweile Cancel Culture /De-Platforming. „Mißliebige“ Personen sollen nicht mehr auftreten dürfen. Deren Reichweite, Reputation oder gar Berufsausübung sollen eingeschränkt werden. Beispielhaft genannt seien hier die Professoren Bernd Lucke, Jörg Baberowski, Egon Flaig und Bernd Ahrbeck. Als Gastredner verhindert wurden unter anderem schon Thilo Sarrazin und die Biologin Marie-Luise Vollbrecht in der Berliner Nacht der Wissenschaft 2023.

Auch hier kommt „Wokeness“ zunächst aus den US-Universitäten: Mathematik sei rassistisch, weil angeblich von den alten weißen Griechen stammend, Curricula werden gesäubert, Lektüre mit Trigger-Warnungen versehen. Bei Stellenbesetzungen gilt „positive Diskriminierung“ als „Affirmative Action“! Und in Deutschland?
Hier haben wir mehr als 250 Professuren für „Gender“. Zum Vergleich: neun für Kernforschung, 190 für Pharmazie.
Und die „Snowflakes“, die Schneeflocken-Studenten? „I feel offended“ hört man von ihnen, sie zerfließen immer häufiger vor Verletztheit. Zugleich geben sie sich gern als Aktivisten. Eine Studie der Universität Konstanz hat soeben gezeigt: Rund die Hälfe von ihnen ist bereit, Werbung und Flyer für einen Vortrag zu Themen wie „Migration“ oder „Geschlecht“ zu entfernen; rund ein Fünftel ist gar gewillt, bei solchen Themen einen Redner niederzuschreien.
Und dann erst der „woke“ Kapitalismus: Es ist dies die Strategie von Konzernen, durch „Virtue Signalling“ als woke zu gelten. Die Beispiele in Deutschland sind mittlerweile Legion. In nahezu der Hälfte aller Werbespots und Prospekte, selbst in der Werbung teuerster Autos, treten schwarze Models auf. Ohne „People of Color“ scheint es nicht mehr zu gehen, nicht einmal in Bildern „modellhafter“ Familien. Bezeichnenderweise sehen wir in einem Prospekt von Aldi auf einer Seite Arbeitskleidung – präsentiert von weißen Models, auf der gegenüberliegenden Seite Freizeitkleidung – präsentiert von PoC-Models. Die Lebensmittelkette Rewe hißt permanent die Regenbogenfahne. Die Bahn fährt 2021 mit einem „Railbow-ICE“ „que(e)r“ durch Deutschland.

Der Automobilhersteller Audi spricht Mitarbeiter und Kunden seit 2021 mit „Audianer_innen“ an. Konzerne verdonnern ihre „Mitarbeitenden“ zu „Compliance“-Seminaren, in denen den „Teilnehmenden“ „Wokeness“ eingetrichtert wird. Knorr benennt die „Zigeunersoße“ 2020 in „Paprikasoße ungarische Art“ um. Der Schokoladenkeks „Afrika“ von Bahlsen heißt seit 2020 „Perpetum“. „Unser tägliches Green-, Queer-, Pink-, Diversity-Washing gebt uns heute“– es wirkt: subkutan, suggestiv, subliminal. Der Bürger wird entmündigt. Am Ende kauft er sich zur Gewissensberuhigung ein „wokes“ Image. Keine „Cultural Appropriation“ aber auch andernorts: Kinder bloß nicht als Indianer verkleiden lassen! Winnetou gibt es nicht mehr (siehe Ravensburger), kein Auftritt von Rentnerinnen mit Sombreros auf der Bundesgartenschau Mannheim 2023!
Und dann erst der Kapital-Sektor: Google, Facebook und Co. sperren oder löschen alles, was woken Kriterien widerspricht. Investoren, das World Economic Forum und NGOs verfilzen monetär und personell miteinander. Man denkt unwillkürlich an eine Spielart der Hufeisen-Theorie: Kapitalismus und Sozialismus nähern sich an. Die „Philanthropen“ gehören dazu, sie bilden seit 2010 mit 150 Mitgliedern den Zirkel „The Giving Pledge“ von Bill Gates und Warren Buffett. Man will das Versprechen („pledge“) einlösen, Gewinne quasi in die Rettung der Welt zu investieren. Allein die Gates-Stiftung verfügt über 70 Milliarden US-Dollar. Davon gingen über 300 Millionen zuletzt an Medienhäuser wie CNN, NBC, BBC, Guardian, Financial Times, Le Monde, den Spiegel (hier 5,4 Millionen Euro). Der Arzt, Fernsehmoderator und Kabarettist Eckart von Hirschhausen bekam 2020 für seine Stiftung „Gesunde Erde Gesunde Menschen“ 1.399.984 US-Dollar.

Dazu die großen US-Vermögensverwalter: Blackrock mit 8,6 Billionen US-Dollar Vermögen, Vanguard mit 7,2 Billionen. Man investiert in „Klima“-Planwirtschaft. Die US-Technologiebörse Nasdaq verlangt Diversity-Quoten bei den von ihr gelisteten Unternehmen. Goldman Sachs blockiert Börsengänge, wenn ein Unternehmen nur von weißen Männern geführt wird. Vermögensverwalter wie Morgan Stanley, Citibank, Goldman Sachs spenden gerne an linke Lobbyvereine. Der Lobbyist Hal Harvey, laut Zeit der „mächtigste Grüne der Welt“, gründete 2008 die „Clima Works Foundation“ mit über 500 Millionen US-Dollar der Hewlett-Stiftung. Harvey ist 2012 Mit-Initiator von „Agora Energiewende“, 2020 der Stiftung Klimaneutralität. Geld kommt außerdem vom britischen Milliardeninvestor Christopher Hohn über die „Children’s Investment Fund Foundation“. Damit finanziert er auch die klimaradikale Gruppierung „Extinction Rebellion“. Man gewinnt den Eindruck: Das Amigo-Öko-System erfüllt den Tatbestand des „Milliardärssozialismus“. Oswald Spengler hatte diesen Begriff geprägt. „Woke“ ist die neuheidnische Ersatzreligion, ist Messianismus als Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen.

Die Götzen heißen jetzt „der Fremde“, „das Diverse“, „das Klima“ … Man prophezeit die Apokalypse. „Jedes Heilsversprechen ist zugleich Elendspropaganda“ (Norbert Bolz). Herrschen mit Angst ist das: Phobokratie! Man verspricht Paradiese, hat neue Propheten (Greta!), praktiziert mit Wohlwollen von Spitzen des Staates (Kinder-)Kreuzzüge, prangert vermeintliche „Todsünden“ an. Der Exorzismus und die Exkommunikation Ungläubiger folgt. Reuige Sünder gehen wie Flagellanten in Sack und Asche. Man huldigt einem Adventismus als säkularisierter Version totaler irdischer Gerechtigkeit. In Anlehnung an Karl Marx: Auch solche Religion ist Opium des Volkes. Die Assoziation zu Sigmund Freuds Diktum von Religion als „universeller Zwangsneurose“ liegt nahe, denn mit Ritualen und Geboten bewältigt man Angst. Wie Freud ja überhaupt meint, daß Schuldgefühle der Nährboden für die Entstehung einer Religion sind. Offenbar scheint ein „Heimweh ins Metaphysische“ eine Eigenheit gerade der Deutschen zu sein. Wer nicht mitspielt, wird als homophob, transphob, xenophob, islamophob usw. pathologisiert. Und mit psychisch Kranken debattiert man nicht, man muß sie heilen oder ausgrenzen im sozialen Tod. So entstand ein neuer Puritanismus einer selbsternannten Elite, mit dem „gute“ Gesinnung vermarktet wird. Apropos Elite: Auf die „unzweifelhafte Anziehungskraft“ totaler Herrschaft auf die geistige und künstlerische Elite hatte schon Hannah Arendt in „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1951) hingewiesen.

Summa summarum: Mit dem Wokeismus werden die Kategorien wahr/unwahr und richtig/falsch ersetzt durch gut/böse. Das Ziel ist Konformität, Ent-Individualisierung. „Der neue Mensch wird gemacht“ (Lenin): formbar, ver-bildet/un-gebildet, bindungslos promisk, im besten Fall sequentiell monogam, ewig postpubertär, gender-fluid, queer, anti-weiß, bekennend antifaschistisch, antirassistisch, schuldbeladen, klimaneutral, one-world-regenbogenfarben, fortpflanzungsunwillig – der uniform woke Untertan also. Bis hinein ins Private inklusive der Sexualität, siehe das von der Ampelkoalition beschlossene Selbstbestimmungsgesetz. Begründet wird dieser Totalitarismus mit der angeblich überfälligen Dekonstruktion tradierter Gehäuse und Bezüge (Ehe von Mann/Frau, Familie, Volk), einer Dekonstruktion, die nichts anderes ist als autoaggressive Destruktion des Eigenen. Es setzt sich hier der Kulturmarxismus eines Antonio Gramsci durch – als Angriff auf die Errungenschaften der Aufklärung. Alles soll nach Menschenrechten aussehen. Indes bewahrheitet sich hier Carl Schmitts Diktum: „Wer Menschheit sagt, will betrügen.“ Georges Sorel geht noch weiter: Für den französischen Sozialphilosophen ist das humanitäre Ethos Merkmal von Dekadenz. Auch Arnold Gehlen greift diese „masseneudaimonistische Gesinnungsmoral“ in seinem 1969 erschienenen Buch „Moral und Hypermoral“ scharf an.
Konsequenz? Der deutsche Michel, dessen Namenspatron der Drachentöter Michael ist, muß heraus aus der woken Knechtschaft. Denn der Wokeismus wird Teil des westlichen Rausches an Dekadenz. Außerhalb von EU und Nordamerika interessiert das niemanden. Mehr noch: man freut sich dort ob des Niedergangs des Westens.
… Alles vom 8.12.2023 von Josef Kraus bitte lesen in der JF 50/23, Seite 18
https://www.junge-freiheit.de
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Josef Kraus, Jahrgang 1949, Lehrer und Psychologe, war Schulleiter und von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Als Autor veröffentlichte er zuletzt das Buch „Der deutsche Untertan. Vom Denken entwöhnt“ (2023).