CancelCulture

 

Sonnenuntergang in Freiburg am 26. August 2020 um 21.20 Uhr

Sonnenuntergang in Freiburg am 26. August 2020 um 21.20 Uhr

 

Cancel Culture als Kind der Political Correctness
Eingangsrede von M. Renner auf der 2. Konferenz der Freien Medien in Berlin
Knapp eineinhalb Jahre sind seit unserer ersten Konferenz vergangen. Eineinhalb Jahre, in denen fundamentale Werte unserer freiheitlichen Demokratie weiter gewaltig unter Druck gerieten. Eineinhalb Jahre, in denen sich immer mehr verdichtet hat, dass unsere parlamentarische Demokratie zunehmend zu einer Fassade verkommt. Alle tragenden Säulen unserer Demokratie werden zunehmend angegriffen, werden beschädigt, sollen zersetzt und eingerissen werden:
1) Der Nationalstaat als Garant für Demokratie, Volk, Souveränität, Kultur und Identität.
2) Die gesetzlich garantierte Akzeptanz einer Opposition als unerlässliche und unersetzliche Antithese zur jeweiligen Regierung.
3) Die Meinungsfreiheit als Freiheit, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören möchten. Die Gewaltenteilung wird unterminiert. Gestern saß man noch in der Exekutive oder Legislative und Schwupps, sitzt man anderntags im Verfassungsgericht. Hauptsache, man hat das richtige Parteibuch und damit die richtige Gesinnung.
4) Kompetenz und Eignung – Fragezeichen.
5) Auch die sogenannte „Vierte Gewalt“ im Staate unterliegt dieser unheilvollen Dynamik der moralischen Zersetzung und Auflösung ihres ehemaligen Berufsethos.
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Recherche von Sachverhalten und Kontrolle der gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch Etablierten – also der Mächtigen. Fragezeichen. Ist offenkundig immer weniger wichtig. Die vierte Gewalt nimmt immer unverfrorener Platz an der Tafel der politisch-ökonomisch Herrschenden, dem Leviathan unserer Zeit. Sie gibt der Öffentlichkeit nun den selbst erzeugten Zeitgeist vor. Sie ist nicht mehr Kontrolleur der politischen Macht, sondern Komplize, Vordenker und Herold der politisch Mächtigen geworden.
So gebar die demokratisch schon recht hässliche „Politische Korrektheit“
das genauso unhübsche Kind namens „Cancel Culture“.

Den hierfür erforderlichen Samen spendete der alterssenile Ungeist des Kulturmarxismus.
Der „Cancel Culture“ geht es nicht mehr um ein parteiisches „Für und Wider“ des Geäußerten. Nein, ihr geht es jetzt um die gesellschaftliche und politische Vernichtung der sich Äußernden. Unverkennbar erblickt man hier bereits die hässliche Fratze des Totalitarismus.
… Alles vom 10.10.2020 von Martin E. Renner bitte lesen auf der Seite  Freie-Medien oder

 

Wie die Cancel Culture überwunden werden kann
Der Kulturbetrieb war schon lange, wenn er politisch war, weitestgehend ideologisch links. Aber im 20. Jahrhundert vertrat er auf mehr oder weniger kreative Weise die Opposition und dadurch entstand ein kreatives Gegengewicht zu den herrschenden Konservativen.
Die Zeiten haben sich geändert: Heute ist die Kunst immer noch „links“. Aber seit die Leitkultur der Political Correctness die Macht im öffentlichen Raum übernommen hat, ist die Kunst nur noch der künstliche Arm der herrschenden Ideologie. Abweichler werden nicht geduldet. Sie werden ausgeladen, diffamiert, Cancel Culture eben. Dem „falschen“ Denken soll auf keinen Fall eine Bühne gelassen werden, Deplatforming. Erinnerungen an totalitäre Systeme des 20. Jahrhunderts werden wach.
Das Erstaunliche dabei ist, dass sich die herrschenden Identitätslinken immer noch als Opposition inszenieren. Dies ist offenbar Grundlage ihres Selbstverständnisses. Und es zeugt von ihrem kompletten Realitätsverlust.
Der NZZ-Kolumnist Milosz Matuschek eine Spendenkampagne gegen die „Cancel Culture“ gestartet. Ausgelöst wurde dies durch die Skandale um die Kabarettisten Dieter Nuhr und Lisa Eckhart, die leider nicht die einzigen dieser Art sind. Auch ich wurde schon Opfer der Cancel Culture, wieder ausgeladen aufgrund der falschen politischen Ansichten.

Wer Karriere im Sinn hat, passt sich überall an. Er wird dies nicht einmal wahrnehmen, es vollzieht sich automatisiert im Unterbewusstsein. Vor einigen Tagen beklagte im Deutschlandfunk ein deutscher Kunstkurator ohne Ironie die mangelnde Meinungsfreiheit für Künstler in China. Warum verwies er nicht auch auf Deutschland? Weil es ihm vermutlich im Traum nicht einfiel, sich ein politisch unkorrektes Kunstwerk vorzustellen. Ein Kunstwerk, das gerade deshalb ein Recht auf Ausstellung hat, aber gerade deshalb nicht ausgestellt wird. Ein Grund, sich dies nicht vorstellen zu können, ist vielleicht auch die Tatsache, dass solche Kunstwerke schlicht nicht sichtbar sind.
Also stellt sich die Frage, wie frei unsere Gesellschaft wirklich ist, wenn nur politische Kunst zu sehen ist, die sich als links versteht? Wie frei ist unsere Gesellschaft, wenn die Lesungen der wenigen „rechtskonservativen“ Künstler und Schriftsteller gestört und gesprengt werden? Wie frei ist unsere Gesellschaft, die von einer rigide durchgesetzten identitätslinken Leitkultur geprägt ist, die von einer politisch korrekten Ökobourgeoisie vorgegeben wird? Wie frei ist sie, wenn der Widersprechende mit Mobbing oder seiner medialen Hinrichtung rechnen muss?
….
Nun hat die moderne Kunst zweifellos auch die Aufgabe, Opposition zu den Herrschenden zu bieten. Wenn aber die Deutungshoheit bei den herrschenden identitätslinken Schichten liegt und die Kunst sich auch als identitätslinks begreift, gibt es keine Opposition mehr. Die Kunst ist dann Teil der herrschenden Leitkultur, sie ist ihr Einflüsterer.
Nun gilt es darüber nachzudenken, ob eine Quote für eine artenbedrohte Gattung, für ein oppositionelles Kunstbiotop durchzusetzen wäre.
Es stellt sich die Frage, ob eine bestimmte Quote der Kunstsubventionierung in nicht dem herrschenden Zeitgeist angepasste Kunst fließen muss. Es stellt sich die Frage, ob die heute herrschende Kaste, wie die Konservativen in den 70er Jahren, Kritik an sich selbst nicht nur zulässt, sondern auch für deren Subventionierung sorgt.
Bei den nordamerikanischen Indianern hatten es die Verrückten gut. Sie wurden als Heilige betrachtet. Im Absolutismus der Vergangenheit bezahlten die Mächtigen Hofnarren, damit ihr eigenes Gedankeneinerlei wenigstens zeitweise durchbrochen werde.
Es geht also um eine Quote für abweichende Meinung in Kunst und Kultur, die heute dämonisiert wird als rechts, verschwörungstheoretisch, krank-toxisch (männlich), phobisch (Islamophobie) etc. Also nicht Cancel Culture, sondern Abweichungskultur, das nicht an die herrschende politische Korrektheit Angepasste, braucht die Kunst. Eine ungeheure Provokation? Ja, darf man das sagen? Darf man das denken?
Machen wir uns doch die Forderung nach Buntheit zu eigen: Eine Quote für subventionierte Kunst und Kultur, wenn sie bunt, also abweichend von der herrschenden Farbe ist, und zwar egal, welche Farbe herrscht. Ich habe gehört, Provokation sei die Aufgabe moderner Kunst. Hei, da fliegen dann die Fetzen!
… Alles vom 11.9.2020 von Klaus-Jürgen Gadamer bite lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/wie-die-cancel-culture-ueberwunden-werden-kann/
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Kommentare:
Es gibt schon noch Meinungsfreiheit. Man muss nur bereit sein, die sich aus der freien Meinungsäußerung ergebenden (monetären) Konsequenzen zu tragen. Wie sagte seine Exzellenz Idi Amin so treffend: “There is freedom of speech, but I cannot guarantee freedom after speech.”
11.9.2020, RUB
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„Das Erstaunliche dabei ist, dass sich die herrschenden Identitätslinken immer noch als Opposition inszenieren.“: Ja das muss man den Linken lassen. Was Darstellung und Propaganda angeht, sind sie super. Gleiches gilt übrigens auch für eine andere Partei mit „sozialistisch“ im Namen, die in der dunklen Zeit in Deutschland herrschte. Die war bei Propaganda ähnlich erfolgreich wie die Linken. Ein ähnliches Erfolgsrezept hatte früher auch die CSU in Bayern: Regierung und Opposition ihrer selbst.
11.9.2020, E.B.
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