D Mittelmaß in Sport Wirtschaft

Fussball als eine Metapher, die unser Land kennzeichnet: Das frühe Ausscheiden bei der Fussball-WM mangels Leistungswille entspricht dem Niedergang der Volkswirtschaft mangels Wettbewerbsfähigkeit. Der Bundeskanzler bestätigt das anschließende parallele „Weiter so“ von Spiel wie auch Politik:
Auf der einen Seite erklärt er mit „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel“ die erbärmliche 3:4-Niederlage gegen Paraguay nachträglich zum Sieg und somit zu einem kritiklosen „Weiter so“ im Fussballsport.
Und auf der anderen Seite pflegt er das „Weiter so“ mit Beschönigen und Vertuschen auch in der Politik. Dabei hat Friedrich Merz immer noch nicht kapiert, daß es sich längst „ausgeexportweltmeistert“ hat (1). Deutschland ist längst zum einem mittelmäßigen Land geworden – im Fussballsport wie in der Wirtschaft (Mittelstand wie Industrie). Ein mittelmäßiges Land unter vielen.
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Wobei das Mittelmaß in der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch einen Vorteil eröffnet. Deutschland ist in der internationalen Politik und damit in Allianzen wie etwa der NATO so unwichtig geworden, daß es sich wie die kleine Schweiz als neutraler Staat pazifistisch ausrichten könnte: Friedensfähig statt kriegstüchtig. Marktwirtschaft statt Kriegswirtschaft. Entspannungspolitik (Willy Brandt: „Volk der guten Nachbarn“) statt Konfrontationspolitik (Johann Wadephul: „Russland ruinieren„). Nationalstaat in einem Europa der Vaterländer statt hegemonialer Zahlmeister einer zentralistischen EU.
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D hat ausgeeportweltmeistert und muß als mittelmäßiger Staat runter vom hohen Ross steigen: Deutsche Arroganz, „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“, Migrations-Moralweltmeister, klimapolitischer Weltretter, Entwicklungshilfe per Nudging – derlei Allüren passen nicht zum Mittelmaß. An die Stelle der deutschen Überheblichkeit muß die Bescheidenheit treten.
Gleichzeitig jedoch darf Deutschland den Anschluß an die technologischen Entwicklungen verlieren. Bildung, Forschung und Knowhow müssen an Kreativität und Innovation ausgerichtet sein. Hierzu das folgende Beispiel:
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Die EU und mit ihr an erster Stelle Deutschland jubeln, daß laut Europäischem Gerichtshof (EuGH) Google satte 4,2 Mrd Euro bezahlen muß, weil es seinen Chrome-Browser als Betriebssystem-Monopolist mit dem Verkauf von PCs bzw. Laptops und Tablets widerrechtlich durchgedrückt hat. Das ist eie eine Seite der Medaille. Die andere jedoch ist, daß „Europa dadurch im Wettkampf um die besten Technologien nicht einen Schritt weitergekommen ist“ (2). Die USA bauen neue Unternehmen mit neuen Produkten auf, während Europa die Chancen der Innovationen negierend nur auf die Risiken blicken und darauf bauend reglementieren: „Wir schreiben Gesetze für Technologien, die andere entwickeln. Wir kontrollieren Märkte, die andere geschaffen haben. Wir verhängen Bußgelder gegen Unternehmen, die wir selbst nie hervorgebracht hätten“ (2). Aber damit schaffen wir keinen Wohlstand, denn dieser entsteht durch Unternehmer, die über Forschung, Kreativität und Kapital neue Ideen und Produkte hervorbringen.
Die 4,2 Milliarden Euro, die Google als Strafe an die EU zahlt, hat der Software-Gigant zuvor in vielfacher Höhe in Europa über Windows, Suchmaschinen und Social Media verdient.
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Deutschland als nur noch mittelmäßige Nation muß zu seinem früheren Bildungssystem zurückfinden, das den Schülern Leistung, Gewinn, Neugier, Forschung, Investition statt Konsum, Eigentum und Verantwortung nicht a priori als vermeintliche Todsünden des Kapitalismus vermittelt, sondern als sinnbringende Eigenschaften.

Ende von Beitrag „D Mittelmaß in Sport Wirtschaft“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Deutschland in der Selbstfindungskrise
Manchmal beschleunigen so banale Dinge wie der Ausgang eines Fußballspiels nationale Denkprozesse. Das hat ein bisschen was von Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Einst erfolgreich, weltweit anerkannt und respektiert – heute eher Mittelmaß. Es wird immer offensichtlicher, dass unser kollektives „Wir“ ziemlich nackt dasteht. Freilich ist der Fußball nur eine Metapher, die auf unser ganzes Land übertragbar ist. Es hat sich ausgeexportweltmeistert. Das Deutschland des 21. Jahrhunderts ist ein normaler Staat, ein mittelmäßiges Land unter vielen. Das ist ja erst mal gar nicht schlimm. Auch Mittelmaß kann schön sein, wenn man konstruktiv damit umgeht. Gefährlich wird es nur, wenn wir unsere „neue“ Rolle in der Welt nicht annehmen.

Das war es, was Deutschland Jahrzehnte auszeichnete: Gute Bildung, hohe soziale Mobilität, preiswerte Energie und keine machtpolitischen Ambitionen, die dies konterkarieren. Wir waren ein Volk der guten Nachbarn, das sich – zumindest für deutsche Maßstäbe – harmonisch in das Weltgeschehen einfügte.
Diese Erfolgsgeschichte ist Vergangenheit.
Unser Bildungssystem ist heute weder gut noch gerecht.
Die soziale Mobilität ist zunehmend undurchlässigeren Klassengrenzen gewichen.
Der Zugang zu preiswerter Energie liegt in Trümmern auf dem Boden der Ostsee
und das ehemalige Volk der guten Nachbarn will lieber im Konzert der Großmächte mitspielen und die Welt nach seiner Pfeife tanzen lassen. Zumindest das hatten wir ja schon mal und es ging nicht gut aus.

Ebenso problematisch ist jedoch, dass durch diese Entwicklungen eine immer größere Kluft zwischen unserem Selbstbild und der Realität entstanden ist. Um es mit Paul Kennedy zu sagen: Wir denken immer noch, wir seien in einer Phase des endlosen Aufstiegs, befinden uns aber schon länger in einer Phase der Erschöpfung, die langsam in eine Phase des relativen Abstiegs übergeht.
Und hier lohnt dann auch wieder der Ausflug in den Fußball, der als Metapher herhalten kann. Alle vier Jahre reisen wir als gefühlte Favoriten zur WM, scheiden dann sang- und klanglos gegen ehemalige Underdogs aus und verstehen die Welt nicht mehr. Warum wollen wir uns nicht eingestehen, dass die Welt sich weitergedreht hat und wir nicht Weltklasse, sondern Mittelmaß sind. Historische Gerechtigkeit? Vielleicht.

… Alles vom 1.7.2026 von Jens Berger bitte lesen auf
https://www.nachdenkseiten.de/?p=153159
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(2) Oliver Stock: Milliardenstrafe gegen Google
4,1 Milliarden Euro. So viel muss Googles Mutterkonzern Alphabet nach dem endgültigen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zahlen. Das ist eine Rekordstrafe. Sie hat ihre Berechtigung, denn Marktmacht verpflichtet. Wer wie Alphabet ein Betriebssystem kontrolliert, darf seine eigenen Produkte auf diesem System nicht mit dem Vorschlaghammer in den Markt drücken und der Konkurrenz den Zugang versperren. Genau das hat Alphabet aber mit Android getan: Wer in den Play-Store wollte, bekam die Google-Suche und den Chrome-Browser zwangsweise mitgeliefert, Alternativen waren ausgeschlossen. Wettbewerb sieht anders aus. Zum Schutz des Wettbewerbs gibt es das Kartellrecht. Es ist kein bürokratischer Selbstzweck, auch wenn es Konzerne, gegen die es angewandt wird, oft so beschreiben. Tatsächlich ist es die Verteidigung der Freiheit gegen private Machtkonzentration. Wenn ein Unternehmen seine Dominanz dazu nutzt, den Wettbewerb auszuschalten, dann muss der Staat eingreifen. Das gilt für Google genauso wie früher für Microsoft oder Standard Oil. Und vielleicht heißt der nächste Fall Rheinmetall. Denn ohne Regeln wird Marktmacht zum Monopol, Monopole werden bequem, und Innovation stirbt aus. Wer das Gegenteil behauptet, verwechselt Freiheit mit Wildwest.

Bis hierhin ist das alles richtig. Aber dahinter beginnt erst die eigentliche Geschichte. Und die handelt nicht von Google oder Alphabet, sie handelt von Europa. Denn während Brüssel sich auf die Schulter klopft, weil es einen amerikanischen Technologiekonzern erfolgreich zur Kasse gebeten hat, lohnt sich eine andere Frage: Wo ist eigentlich das europäische Google? Wo ist das europäische Alphabet? Wo ist das europäische Amazon, Microsoft, Nvidia oder Meta? Es gibt sie nicht. Europa ist Weltmeister im Regulieren der digitalen Champions anderer Kontinente. Aber wenn es darum geht, selbst solche Champions von Weltrang hervorzubringen, herrscht seit Jahrzehnten Leere. Die letzte Gründung dieser Art war SAP in Walldorf, und das ist 54 Jahre her. Seitdem hat Europa brillante Wissenschaftler hervorgebracht, hervorragende Ingenieure, es hat Industrieunternehmen wachsen und neuerdings wieder schrumpfen lassen und eine Heimat geboten für beeindruckende Familienbetriebe. Aber den nächsten globalen Technologieriesen? Den sucht man hier vergeblich. Um die Situation mit einer derzeit beliebten Fußballmetapher zu beschreiben: Europa hat perfekte Schiedsrichter, aber keine eigene Mannschaft auf dem Platz.

Europa hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als schärfster Kartellwächter der Welt gemacht. Google wurde bereits wegen seines Preisvergleichsdienstes mit 2,4 Milliarden Euro bestraft. Apple musste wegen seiner App-Store-Regeln empfindliche Sanktionen hinnehmen und seine Geschäftspraktiken ändern. Gegen Meta laufen milliardenschwere Verfahren. Die Liste ist lang. Nur: Was entsteht eigentlich aus all diesen Verfahren? Neue Wettbewerber aus Europa offenbar nicht. Dazu kommt: Die amerikanischen Konzerne reagieren inzwischen gereizt. Alphabet warnt davor, Innovationen später oder gar nicht mehr nach Europa zu bringen. Apple hat neue Funktionen seiner künstlichen Intelligenz zunächst nicht in Europa eingeführt und dabei ausdrücklich auf die regulatorischen Unsicherheiten verwiesen. Man muss solche Drohungen nicht jedes Mal für bare Münze nehmen. Auf einen Markt mit rund 450 Millionen Menschen verzichtet niemand freiwillig. Aber die Haltung dahinter tut weh: Früher fragten sich Unternehmen, wie sie möglichst schnell nach Europa kommen. Heute überlegen einige, ob sie neue Produkte lieber erst einmal woanders anbieten.
In Amerika entstehen Unternehmen aus einer Garage und werden zu Weltkonzernen. Investoren finanzieren dort nicht nur Erfolge, sondern auch Fehlschläge. Wer scheitert, bekommt manchmal eine zweite Chance. China geht den entgegengesetzten Weg. Dort entscheidet der Staat, welche Technologien strategisch wichtig sind, und unterstützt sie mit gewaltigen Summen und politischer Rückendeckung.

Europa dagegen perfektioniert das Regelwerk.
Wir schreiben Gesetze für Technologien, die andere entwickeln.
Wir kontrollieren Märkte, die andere geschaffen haben.
Wir verhängen Bußgelder gegen Unternehmen, die wir selbst nie hervorgebracht hätten.

Aber Wettbewerbspolitik allein schafft keinen Wohlstand.
Wohlstand entsteht durch Unternehmer, die Risiken eingehen.
Durch Kapital, das Ideen finanziert.
Durch Forschung, die Produkte hervorbringt.
Und durch eine Gesellschaft, die Innovation nicht zuerst als Gefahr, sondern als Chance begreift.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs bedeutet deswegen: Alphabet hat seine Schlacht vor Gericht endgültig verloren. Aber Europa ist dadurch im Wettkampf um die besten Technologien nicht einen Schritt weitergekommen.
…. Alles vom 3.7.2026 bitte lesen auf
https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/politik-und-zeitgeschehen/kontrafunk-aktuell/kontrafunk-aktuell-vom-3-juli-2026

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