Fronleichnam

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Fronleichnamsprozession in St.Peter im Hochschwarzwald am 7.6.2012

 

 

 

Fronleichnam – Fest des Herrenleibes
Der Name Fronleichnam kommt von ,Vron‘ für Herr und ,Lichnam‘ für Leib. Das Fest ist Ende des 13. Jahrhunderts entstanden und lässt sich mit “Fest des Herrenleibes” übersetzen. Die Fronleichnamsprozession ist aus den Flurumzügen als Erntesegen hervorgegangen. Die Menschen zogen um ihr beackertes Land und baten Gott um gute Ernte. Den Mittelpunkt der Prozession bildet das heilige Brot, das in der Monstranz, ein kostbares Schaugefäß, durch die Straßen getragen wird.
An Fronleichnam wird mit dem eucharistischen Brot, dem „Allerheiligsten“, in den festlicher Messfeiern und Prozessionswegen, nach außen in die Öffentlichkeit hinein sichtbar, was sonst in der Geschlossenheit des Kirchenraums von den Christen gefeiert wird.
Das Fest wurde 1317 durch Papst Johannes XXII in der ganzen Kirche eingeführt. Schon früh wurden Kreuze, Bilder und Reliquien mitgeführt – zunächst nicht das Allerheiligste. Später begann man, die verhüllte Hostie mit zu tragen, bis diese schließlich in kostbaren Schaugefäßen (Monstranzen) mitgeführt und so verehrt wurde. Die traditionellen vier Altäre symbolisieren die vier Himmelsrichtungen, in die hinein quasi für das ganze Erdenrund in Fürbitte und Segen die Hilfe Gottes erbeten wurde.
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Fronleichnam: Die radikalste Aussage des Glaubens
„An Fronleichnam feiern Katholiken gewissermaßen die radikalste Aussage ihres Glaubens, nämlich dass Gott nicht fern ist, sondern im Brot gegenwärtig, das man ihn sehen, tragen, verehren und durch die Straßen einer Stadt oder eines Dorfes bewegen kann.“ Gerd Buurmann, 4.6.2026
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Gerd Buurmann: Was ist überhaupt Fronleichnam?
Fronleichnam hat nichts mit „froh“ und „Leichen“ zu tun. Es ist also kein „Happy Kadaver“, wie manche scherzhaft sagen.
Das Wort „Fron“ bedeutet im Mittelhochdeutschen „dem Herrn gehörig“ oder „des Herrn“, wie man es auch aus Begriffen wie „Frondienst“ kennt, also Arbeit im Dienst eines Grundherrn. „Leichnam“ bedeutete ursprünglich schlicht „Körper“ oder „Leib“ und hatte noch nicht die heutige ausschließliche Bedeutung von „toter Körper“. Fronleichnam heißt also wörtlich: „Leib des Herrn“.
An Fronleichnam feiern Katholiken die Hostie, bei der der Priester in der Messe sagt: „Der Leib Christi.“ Diese liturgische Formel ist zentral, weil sie nicht nur eine Erinnerung ausdrückt, sondern nach katholischem Verständnis eine Realität bezeichnet, die im Sakrament gegenwärtig wird.
Katholiken glauben, dass die Hostie nicht bloß ein Symbol für Jesus ist, sondern dass sie in der Eucharistiefeier tatsächlich zum Leib Christi wird. Diese Lehre nennt sich Transsubstantiation. Sie besagt, dass sich die „Substanz“ des Brotes vollständig wandelt, während die „Akzidenzien“, also äußere Eigenschaften wie Geschmack, Form, Geruch und Aussehen, erhalten bleiben. Für die Sinne bleibt es Brot, aber in seinem innersten Wesen ist nach katholischem Verständnis Christus selbst real gegenwärtig. Diese Gegenwart ist nicht metaphorisch oder rein geistig gedacht, sondern real und sakramental.

Gott in der Fußgängerzone
An Fronleichnam wird diese konsekrierte Hostie, also der Leib Christi, in einer Monstranz durch die Straßen getragen. Das Allerheiligste verlässt dabei bewusst den Kirchenraum und wird in die Öffentlichkeit gebracht, aus dem sakralen Innenraum hinein in das Profane, also in die alltägliche Welt der Städte und Dörfer: auf Marktplätze, durch Straßen, vorbei an Cafés, Eisdielen, Bushaltestellen, Kneipen und Wohnhäusern. Theologisch ist das eine starke symbolische Handlung: Gott wird nicht im geschützten Raum der Kirche „versteckt“, sondern sichtbar mitten im Alltag der Menschen gezeigt. Gott wird in der Fußgängerzone spazieren geführt.

Gerade diese Bewegung vom Sakralen ins „Profanum“, in den dem Heiligen gegenüberstehenden Bereich, ist zentral. Wenn die Hostie aus der Kirche getragen wird, wird sie nicht entweiht, sondern im Gegenteil öffentlich verehrt. Alles entlang des Weges wird gleichsam in den Radius dieser Verehrung hineingenommen. Auch das Alltägliche soll so in Beziehung zum Heiligen treten.
Darum gehören zu Fronleichnam aufwendige Prozessionen: Blumenteppiche, die oft schon in den frühen Morgenstunden gelegt werden, geschmückte Straßen, kleine und große Altäre unter freiem Himmel, Musikvereine, Chöre, Fahnenabordnungen von Vereinen und kirchlichen Gruppen. Die Prozession bleibt immer wieder stehen, der Priester segnet die Umgebung, und es werden Evangelien gelesen oder Hymnen gesungen. Die Monstranz steht dabei im Zentrum des Geschehens, häufig unter einem Baldachin getragen, der die besondere Heiligkeit des Inhalts hervorhebt.
Diese öffentliche Form des Glaubens ist bewusst sichtbar und sinnlich gestaltet: Weihrauch, Glockenklang, Gesang und festliche Kleidung sollen ausdrücken, dass hier nicht nur ein Gedanke, sondern ein Glaubensereignis gefeiert wird. Die Botschaft lautet: Christus gehört nicht nur in die Kirche, sondern mitten hinein ins Leben der Menschen und in die Gesellschaft.
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Glaube liegt in öffentlicher Sichtbarkeit
Die Kritik an diesem Fest kam besonders entschieden von Martin Luther. Für ihn war Fronleichnam ein typisches Beispiel für eine kirchliche Praxis, die sich seiner Ansicht nach nicht ausreichend auf die Bibel stützte. Er kritisierte, dass die Eucharistie hier aus dem ursprünglichen Kontext des Abendmahls herausgelöst und zu einem eigenständigen öffentlichen Spektakel gemacht werde. Aus seiner Sicht werde der eigentliche Sinn des Sakraments überlagert durch Prozessionen, äußere Pracht und ritualisierte Verehrung. Besonders die Vorstellung einer dauerhaften Anbetung der Hostie außerhalb des Abendmahls lehnte er ab. Für Luther stand die persönliche Glaubensbeziehung und das Wort Gottes im Mittelpunkt, nicht die sakrale Verehrung einer substantiell gewandelten Hostie.
Für die katholische Tradition hingegen liegt genau in dieser öffentlichen Sichtbarkeit der Glaube. Er soll nicht nur gedacht, sondern erlebt werden, mit allen Sinnen und in Gemeinschaft. Fronleichnam wird deshalb oft als eines der „katholischsten“ Feste überhaupt beschrieben, weil es die Idee der sichtbaren, leibhaftigen Gegenwart Gottes besonders stark betont.
… Alles vom 4.6.2026 von Gerd Buurmann bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/was_ist_ueberhaupt_fronleichnam
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Als Theatermensch spielt, schreibt und inszeniert Gerd Buurmann in diversen freien Theatern von Köln bis Berlin. Er ist Schauspieler, Stand-Up Comedian und Kabarettist.
Im Jahr 2007 erfand er die mittlerweile europaweit erfolgreiche Bühnenshow „Kunst gegen Bares“. Mit seinen Vorträgen über Heinrich Heine, Hedwig Dohm und den von ihm entwickelten Begriffen des „Nathan-Komplex“ und des „Loreley-Komplex“ ist er in ganz Deutschland unterwegs.
Seit April 2022 moderiert er den Podcast „Indubio“ der Achse des Guten.
Sein Lebensmotto hat er von Kermit, dem Frosch: „Nimm, was Du hast und flieg damit!“
http://www.buurmann.de/
https://tapferimnirgendwo.com/
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Buurmann
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Fronleichnamsprozession – Bischofskreuz in FR-Betzenhausen
Bischofsmord und Herrgottstag – Die Geschichte der Freiburger Fronleichnamsprozession hat auch mit dem Bischofskreuz in Betzenhausen zu tun. Am vergangenen Donnerstag folgten wie alle Jahre zahlreiche Freiburger Katholiken dem Allerheiligsten, das heißt dem in der geweihten Hostie gegenwärtigen Christus, auf einer Prozession durch die Stadt. Dem „corpus Christi“, mittelhochdeutsch „fron lichnam“ – „des Herren Leib“ – ist der Fronleichnamstag gewidmet.
Schon in den ersten Prozessionsordnungen für den in Freiburg erstmals 1347 nachgewiesenen „Herrgottstag“ fiel den zwölf Handwerkszünften eine wichtige Rolle zu. Mit ihren prachtvollen Fahnen, eigens gefertigten Prozessionsleuchtern, vor allem aber den Figuren ihrer Schutzpatrone bildeten sie den Anfang des Zuges. Einige der in der Barockzeit neu geschaffenen Zunftbüsten werden noch heute alljährlich im Augustinermuseum und im Museum für Stadtgeschichte zur Fronleichnamsprozession abgeholt. Das hat eine Vorgeschichte: Bei der Aufhebung der Zünfte Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Insignien an die „Alterthümersammlung“ – die späteren städtische Sammlungen, Vorläufer der heutigen Museen, abgetreten worden.
Eine populäre Legende bezieht sich auf die Rangfolge der Zünfte in der Prozession: Die Metzger hätten den Vorrang vor allen anderen, weil einer der ihren im Jahr 1299 die Stadt im Kampf gegen den gräflichen Stadtherrn gerettet habe als er den Bischof von Straßburg erschlug. Dieser Bischof war Konrad von Lichtenberg, ein angesehener Kirchenfürst aus einer der bedeutendsten Adelsfamilien des Elsass, der 1273 ins Amt gewählt worden war. Graf Egino III. von Freiburg war mit Konrads Schwester Katharina verheiratet, deshalb unterstützte der Bischof seinen Schwager im Konflikt mit der Bürgerschaft. In den war er wegen seines Finanzgebarens geraten. Im Sommer 1299 zog er zur Belagerung vor die Stadt. Bei einem Ausfall der Freiburger am 29. Juli 1299 soll ein Freiburger Metzger den noch nicht zum Kampf gerüsteten und nur mit einem seidenen Wams gekleideten Bischof hinterrücks vom Pferd gestochen haben. Zwei Tage später erlag Konrad in Straßburg seinen Verletzungen und wurde im Münster beigesetzt. Erstmals schildern dies die 1415 geschriebene, berühmte Straßburger Chronik des Jacob Twinger von Königshoffen und die Freiburger Chronik des Kaplans Johann Sattler von 1514. Beide Handschriften sind erst im 17. Jahrhundert im Druck veröffentlicht worden. Ein Freiburger Professor benannte 1671 den „Helden von Lehen“ – anscheinend völlig willkürlich – mit dem Familiennamen Hauri. Dieser Name hat sich seither ebenso festgesetzt wie die lokale Überlieferung vom angeblichen Vorrang der Metzgerzunft bei der Fronleichnamsprozession als Lohn für Hauris „Heldentat“.  Abgesehen davon, dass Fronleichnamsfest und -prozession erst Jahrzehnte nach der Schlacht in Freiburg eingeführt wurden, fehlt der Legende doch die Grundlage: Die Tötung eines Bischofs war bei allem Erfolg in der Schlacht ein schweres Verbrechen, zumal der Geistliche nach den Chroniken sogar „meuchlings“ umgebracht wurde. Zur Sühne ist deshalb schon bald nach der Schlacht das „Bischofskreuz“ aufgestellt worden mit der Inschrift: „Für Konrad von Lichtenberg, den Bischof von Straßburg, der hier erschlagen wurde“. Der Volksglaube machte aus dem Bischof später sogar einen Heiligen, der unter dem Kreuz bestattet sei und Beistand bei Geburten und Kinderkrankheiten leiste.
Ende des 17. Jahrhunderts entstand an dieser Stelle eine Kapelle, die gerne von Wallfahrern aus dem Elsass besucht wurde. Die josephischen Reformen beendeten das fromme Treiben: 1788 wurde die Kapelle abgebrochen. Das Kreuz wurde zur Pfarrkirche von Betzenhausen gebracht, später jedoch wieder am alten Platz aufgestellt – was prompt zur Legende führte, das Kreuz sei von selbst an seinen angestammten Ort zurückgekehrt. 1903 wurde der noch vorhandene kleine Schutzbau errichtet. Die „Bischofslinde“ daneben ist anstelle eines älteren Baumes am 29. Mai 1963 durch den damaligen Oberbürgermeister Eugen Keidel gepflanzt worden, gleichzeitig mit dem ersten Spatenstich für den nach der Linde benannten neuen Stadtteil

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