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Frieden am Mittelmeer bei La Londe-les-Maures Neujahr 2024&2025

 

Achijah Zorn: Die Kirche von morgen – eine pfingstliche Zukunftsvision
„Ihr werdet Kraft empfangen (…) und ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apostelgeschichte 1,8). Der Heilige Geist macht aus verängstigten Jüngern mutige Bekenner. Pfingsten wird damit zum Geburtstag einer ausstrahlenden Kirche. Grund genug, eine pfingstliche Vision für eine Kirche der Zukunft zu wagen.

Einen Glauben, der in Gottesdiensten den Kult der politischen Theologie feiert, brauchen wir nicht. So eine Politkirche wird von selbst untergehen. Desgleichen ist der Pfarrer überflüssig, der sich als spiritueller Sozialpädagoge oder als prophetischer Weltretter aufspielt. Aber der Christ, der von Gott her mit seinen Mitmenschen lebt in ihrer Angst, in ihrer Freude, in ihrer Ohnmacht, in ihrer Trauer, in ihrem Hoffen und in ihrem Suchen, der wird auch weiterhin nötig sein.
In Europa stecken wir mittendrin in der Krise der Kirche. Man muss mit weiteren erheblichen Erschütterungen rechnen. Aus der Krise von heute wird morgen eine Kirche hervorgehen, die viel verloren hat. Sie wird klein werden, mithin ganz von vorne anfangen müssen. Sie wird die Bauten nicht mehr füllen oder finanzieren können, die in vermeintlich besseren Zeiten errichtet wurden. Aber sie wird urgemeindlich in Wohnzimmern, Hauskirchen und Chaträumen Herberge finden.
Die Kirche der Zukunft wird mit der Zahl ihrer Anhänger ihre Privilegien verlieren. Sie wird Gott sei Dank nie mehr die gesellschaftsbeherrschende Kraft haben, wie es bis vor kurzem war. Sie wird eine Freiwilligkeitsgemeinschaft werden, die sich nicht mehr durch gesellschaftliche Konformität von selber versteht. Sie wird als kleine Gemeinschaft sehr viel stärker aus der Initiative einzelner Christen leben. Sie wird neue Formen des Amtes kennen. Bewährte Christen, die im Beruf stehen, werden zu nebenerwerbstätigen Pfarrern ordiniert; lebensnahe Pfarrer für lebensnahe Christen.
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Der Glaube wird sein Wesentliches in dem finden, was immer seine Mitte war: Der dreieinige Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und der den Beistand seines Heiligen Geistes schenkt, der bis zum Ende reicht. Die Kirche der Zukunft wird in Glaube und Gebet wieder ihre eigentliche Mitte finden und Wort und Sakramente werden wieder als Gottes Dienst, Stärkung und Freude erfahren.

Es wird ein verinnerlichter Glaube sein, der nicht auf ein politisches Mandat pocht, der es aber ohne religiösen Wahrheitsanspruch zulässt, dass Christen je nach Überzeugung mit den Linken oder mit den Rechten flirten, ohne spirituell verschmolzen mit ihnen ins politische Bett zu steigen.

Der Weg zur Kirche der Zukunft wird steinig und schwer. Der Vorgang der Kristallisation und der Klärung wird der Kirche manche guten Kräfte kosten. Dies alles wird Zeit brauchen. Aber im Prozess der Reinigung wird in einer verinnerlichten und vereinfachten Christenheit eine neue Zeigefinger-Kraft hin zum gnädigen Gott erwachsen. Die Menschen in einer ganz und gar technisierten und politisch verplanten Welt werden im tiefsten Seelengrund einsam sein. Sie werden, wenn ihnen Gott entschwunden ist, ihre volle, schreckliche Bodenlosigkeit erfahren. In diese Verlorenheit hinein dürfen Christen auf den hinweisen, der die Antwort ist, nach der die Menschen im Verborgenen immer gefragt haben.
Darum bin ich zuversichtlich, dass die Kirche bleibt. Nicht die Kirche des politischen Kultes, nicht die Kirche der Moralapostel und nicht die Kirche des äußeren Reichtums. Bleiben wird die Kirche Jesu Christi. Ich vertraue auf den Heiligen Geist, der seine Gnade in fehlerhaften Christen und in befleckten christliche Gemeinschaften von neuem blühen lassen wird. Gott wird als Heimat und Quellgrund aufleuchten, der den Menschen Geborgenheit und Leben gibt und Hoffnung über den Tod hinaus.
PS. Diese evangelische Kirchenvision ist vom Katholiken Joseph Ratzinger, „Glaube und Zukunft“ (1971), inspiriert.
… Alles vom 7.6.2025 von Achijah Zorn bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/vorwort-zum-sonntag/die-kirche-von-morgen-eine-pfingstliche-zukunftsvision/

Einige Kommentare:
Mein Tipp: Entwickelt eine glaubwürdige Erwachsenenreligiosität!
Eine Bekannte, katholisch, berichtete von ihrer schönen Kirchen-Kindheit; wunderbare liebevolle Rituale, mit 7 wollte sie Engel werden. Für sie als Erwachsene hatte die Kirche dann auch nur diesen Kinderglauben, der für Erwachsene, wenn sie ehrlich sind, unglaubwürdig ist. Ich, evangelisch, hatte einen liebevollen Kindergottesdienst, für den ich immer noch dankbar bin. Für Jugendliche gabs Ferienlager. Für Erwachsenen nur noch Sozialarbeit und antikapitalistische Politik.
Wir beide sind ausgetreten. In buddhistischer Meditation fanden wir für unseren spirituellen Durst die transzendente Dimension, die die organisierten Großkirchen vergessen haben. Marcel Seiler
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Werter Autor, Sie verwenden – nach meiner Auffassung – immer wieder völlig wahllos die Begriffe Kirche und Glaube. Kirche war immer das „Vehikel“ um den „Glauben“ zum Menschen zu transportieren. Also wie ein Gefährt, um Menschen in den sinnlosen Krieg oder zur Rettung aus Gefahr zu bringen. Wer aber heute noch eine „Begründung“ für den „Glauben“ braucht, hat eine gigantische Bibliothek zur Verfügung. OldMan
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Ich möchte nicht heucheln. Und deshalb gebe ich zu, daß ich gar nicht wirklich sagen kann, ob ich „glaube“. Ich möchte aber von Herzen, daß es neben meinen weltlichen Bedürfnissen noch etwas anderes gibt. Streitbar, wie ich mich hier manchmal gebe, mag sich aber genau das wie Heuchelei lesen. Mir wäre daher vielleicht schon damit geholfen, wenn ich mich nicht dafür schämen muß, etwas „Übersinnliches“ neben mir wissen zu wollen.
Natürlich benötige ich dafür keine noch so schönen Bauten. Und was die von mir identifizierten, vorsätzlichen Heuchler angeht, so weiß ich, daß sie ihre gerechte Strafe erhalten werden. Und manchmal wartet Gott übrigens nichtmal ab, bis sie verschieden sind. Denn ich bilde mir ein, daß er sie spüren läßt, daß das gerade keine Prüfung, sondern Sühne zu Lebzeiten ist. Und weil ich Gott einen gewissen Humor unterstelle heißt es dann für solche Leute: „The person you have called is temporarily not available…“
Allen hier schöne Pfingsten. Verblichene Rose
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