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Blick nach Südosten über Unteribental-Wickenhof zu Wiesneck (Mitte) und Gummenwald (links) am 8.2.2008
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- Husemann-Klinik Buchenbach-Wiesneck: Offene Tür 26.10.2025, 10.30-16.30 Uhr (22.10.2025)
- Das Tarodonum und die Geschichte der Burg Wiesneck (Kurzfassung) (25.9.2025)
- Minnesang-Festival: Auf der Suche nach der blauen Blume (18.9.2025)
- Minnesangfestival 2025: Ruinenburg Wiesneck 14.9. ab 11 Uhr (10.9.2025)
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- Minnesangfest auf der Wiesneck – Film 7.11.24 Schlosskapelle Ebnet (4.11.2024)
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- Verein Burg Wiesneck hat Gemeinnützigkeit erlangt (7.2.2003)
- Tarodunum – Keltenstadt im Dreisamtal >Tarodunum (31.7.2003)
- Verein Burg Wiesneck in Gründung (13.6.)
- Verein Burg Wiesneck möchte Geschichte der Burg bei Buchenbach ergründen (22.5.2002)
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- Wiesneck – Burgruine
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- Ausblick vom Häuslemaierho
-
Friedrich-Husemann-Klinik in Wiesneck
- Echinos Gärtnerei
Wiesneck ist dreierlei:
Ortsteil von Buchenbach, Friedrich-Husemann-Klinik sowie Burgruine
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Bilder Wiesneck

(1) Früher Schnee am 29.10.2012 (2) Vaterunserkapelle Ibental (3) Husemann-Klinik Wiesneck

(4) Laub und Schnee 29.10.2012 (5) Sägewerk Dold (6) Sträßchen zur Wiesneck

(7) Wintereinbruch (8) (9)

(10)
Ausblick vom Häuslemaierhof

(1) Dreisamtal, Freiburg (2) Kirchzarten, Kybfelsen (3) Stegen, Freiburg
Friedrich-Husemann-Klinik in Wiesneck

(4) Gartenbaubetrieb am 3.10.2013 (5) Kürbis gen Vaterunser-Kapelle (6) Husemann Michaelhaus 25.10.2015

(7) Michaelhaus Neubau 4.12.2019
Archivseite Husemann-Klinik mit vielen Infos und Bildern:
https://www.freiburg-schwarzwald.de/friedrich-husemann-klinik.htm
Echinos Gärtnerei
ECHINOS Gartenbau, Gartentherapie, Begleitete Arbeit, Naturwahrnehmung
Werner Braun und Justine von der Chevallerie GbR
Gartenbau – Begleitete Arbeit – Naturwahrnehmung
F.-Husemann-Weg 11, Buchenbach (auf dem Gelände der F.-Husemann-Klinik), Tel 07661/9091041.
Justine v. der Chevallerie und Werner Braun
www.echinos.de
Echinos kooperiert mit Permakultur Dreisamtal am Häuslemaierhof
Tag der offenen Werkstätten: Malen, Plastizieren, Weben, Schnitzen, Flechten >Fried (21.11.)
Echinos – 3 Jahre Demeter-Gärtnerei bei F-Husemann-Klinik >Gaertnerei1 (7.5.2010)

(1) Kürbis bei Echinos am 22.8.2014 (2) Echinacea und das Backhaus (3) Fenchelkraut 22.8.2014

(4) Ochsenherz-Tomaten 22.8.2014 (5) Roter Sauerampfer (6) Frisch gezupfte Bohnen

(7) Echinos am 25.10.2015
(6) Frisch gezupfte Bohnen am 22.8.2014 werden im Demeter-Hofladen verkauft – mit Werner Braun
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Husemann-Klinik Buchenbach-Wiesneck: Offene Tür 26.10.2025, 10.30-16.30 Uhr
Sieht so eine Psychiatrie aus? Das offene Gelände zwischen dem Bergwäldchen, auf dem die Burg Wieseneck thront, und den Felder und Wiesen, die den Blick ins Dreisamtal freigeben, kann von beiden Seiten betreten werden. Über das lichte, grüne Areal sind die Gebäude der Friedrich-Husemann-Klinik verstreut. Kein Haus sieht wie das andere aus. Seit Friedrich Husemann – Namensgeber, Gründer, Anthroposoph – 1928 das Gut Wiesneck in Buchenbach gekauft hat, einen Neubau errichten ließ, um 1930 das Sanatorium Wiesneck“ zu eröffnen, wurde das Fachkrankenhaus nach und nach erweitert. Letzter Neuzugang ist das 2020 eröffnete Michaelhaus. Dort sind die geschützte psychiatrische Akutstation und die Psychiatrische Institutsambulanz zu Hause – seit 2021 hat die Husemann-Klinik einen Teil der Notfallversorgung für den Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald übernommen.
…
Wie das Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen und der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik in Freiburg ist auch in Buchenbach die Basis der Behandlung „die moderne Schulmedizin“, sagt Julius Charlton, ist die Gabe von Psychopharmaka und Antidepressiva wegen ihrer hohen Wirksamkeit hier Standard wie überall. Im Gegensatz zu den anderen beiden Häusern aber verbinden das die Buchenbacher mit anthroposophisch erweiterten, therapeutischen Ansätzen. Die kommen vor allem in dem Teil der Behandlung vor, in dem die Patienten sich mit Sinnfragen auseinandersetzen, sich mit ihrem eigenen Leben und der Art und Weise, wie sie es führen, auseinandersetzen. Am Ende aber, sagt Charlton, basiert alles auf einer „humanistischen Wertehaltung“, die auch die Grundlage der modernen Gesellschaft ist.
Das ganzheitliche Menschenbild der Buchenbacher Einrichtung mag also von der anthroposophischen Lehre beeinflusst sein. Die Behandlung – das Spektrum umfasst alle Arten affektiver Störungen unabhängig von der Art und Schwere der Erkrankung – aber folgt den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde.
… Alles vom 22.10.2025 von Peter Disch bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/wie-die-buchenbacher-husemann-klinik-vorbehalten-gegenueber-psychischen-krankheiten-begegnen-will
Das Tarodonum und die Geschichte der Burg Wiesneck (Kurzfassung)
von Verena Bosse
Die erste Erwähnung der Burgruine Wiesneck wird 1079 n. Chr. aufgezeigt. Das Abklingen der Hochblüte der keltischen Eisenkultur – Latené – Zeitalter dauerte von 500 v. Chr. bis Christi – Geburt. Da existierte ein Ort, Tharodonum – er ist in einem gewichtigen Worte der Römerzeit verbürgt.
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Die Burg Wiesneck bei Buchenbach:
Die Keltensiedlung Tarodunum beginnt am Weg Steinbach, Gasthaus Schlüssel – Wangerhof /Vogtshof. 150 n. Chr. tauchte in Griechenland der Ortsname Polis-Tarodunum auf. Von 85-160 n. Chr. existierte an der Akademie in Alexandria ein Astronom und Mathematiker- Geograph, Claudius Ptolemaios.
Er fasste das gesamte damalige Wissen über die Himmelserscheinungen und die der Erde im Systemwirken zusammen und kam zu einer Erkenntnis, die bis zu Beginn der Neuzeit Geltung hatte. Er entwickelte das Ptolemäische Welt-System (die Erde ist der Mittelpunkt der Welt). Ptolemäus fügte seinen Tabellen keine Landkarten hinzu, lediglich Längen- und Breitengrade.
Heiko Wagner kam bei archäologischen Untersuchungen während des Aushubs der B31 zu der Erkenntnis, dass dort im Dreisamtal das Tarodunum-Gebiet mitten durch geht. Lorenz Orken versuchte 1815 bereits das Tarodunum vom lautlichen der Sprache her zu orten, als man von der Freiburger Bucht keine Anhaltspunkte mehr bekam. Das zerrissene Becken muss eine umschlossene Siedlung gewesen sein oder war es ein Heidengraben? Er fuhr vom Beginn des Gasthauses Schlüssel bis zum Gasthof Rheinhof quer durch die
Felder, wo sich die Gemarkung der Burg und Buchenbach berühren. An dieser Stelle macht der Graben einen Knick. War das Gasthaus Schlüssel mit dem Namen „Schlüssel“ von tieferer Bewandtnis? War es eine Fliehburg? Oder war es viel mehr ein „Fliehgraben?
Man fand in dieser Region zahlreiche Nägel, die verschiedene Fragen
aufwerfen. Auch fand man Reste von Türmen, die vermutlich zum Ausschauen von Feinden gedient haben. Fest steht, dass die keltischen Bewohner gewaltsam von den Germanen vertrieben wurden. War das Tarodunum eine Schutzstätte in Zeiten kriegerischer Auseinandersetzungen? Auf jeden Fall bot es Platz für 80.000 Köpfe. Als Fliehburg wird eine burgähnliche, meist von Wällen umgebene Verteidigungsanlage bezeichnet, die nicht dauerhaft bewohnt wurde, sondern einer lokal ansässigen Bevölkerung als zeitweiligen Rückzugsort bei Kriegsgefahr gedient hat.
Ihrer Bauweise nach handelt es sich meist um Wallburgen. Markgraf Berthold von Zähringen bezwang die Wiesneck und seine Herrschaft (St. Gallen). Für die Erschließung des Schwarzwaldes spielte die Burg Wiesneck eine nicht unwichtige Rolle. Berthold hat seine Mannschaft vom oberen Neckargebiet her über den Schwarzwald hinweg offenbar dort in den Breisgau hinein geführt, wo an exponierter Stelle im Zartener Becken die Burg Wiesneck ihren Ort hatte, also schon vor dem Eindringen der Zähringer in den Breisgau, dort wo das Zartener Becken endete. Die Burg Wiesneck musste Berthold nehmen, wollte er erfolgreich in das Dreisamtal und die Rheinebene vorstoßen. Die Burg Wiesneck hat also schon vor dem Eindringen der Zähringer in den Breisgau existiert. Die Gründung dürfte in die Mitte oder zu Beginn der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts zu setzen sein. Eine Buchenbacher Notiz spricht davon, sie habe schon um das Jahr 1000 bestanden, das ist aber wenig wahrscheinlich, bis jetzt auch
an keiner Stelle bestätigt. Träfe das zu, würde es einer Vorrangstellung gleichkommen. Denn wie Joseph Lippe, ein Experte für die Burgen im Breisgau ausführt, begann um das Jahr 1000 erst nach und nach ein Netz von Burgen sich über das Land auszubreiten.
Vorher saßen die Fürsten in Talresidenzen. Seit 1000 nach Chr. zieht also die politische Führerschicht, der Hochadel, von den Höfen in der Ebene hinauf in die festen Häuser auf Bergeshöhen, wie es die veränderte ritterliche Kampfweise und Verteidigungskunst
erforderte. In der ersten Epoche der Burgen, deren Gründungen, im elften Jahrhundert, war nur der Hochadel die eigentliche Reichsaristokratie, von den Königen mit dem Brückenbau als Regel (nutzbares Hoheitsrecht) bedacht. Demnach befand sich die Burg
Wiesneck, auch wenn sie erst in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts, dem Burgen-Jahrhundert, errichtet wurde, durchaus in vornehmer Gesellschaft. Für die Wiesnecker Burgherren bestanden sogar verwandtschaftliche Beziehungen zum Königshaus, und so
waren sie auch vollumfänglich lebens- und weltanschaulich, „gesinnungsmäßig“ dem Königshaus verbunden.
Der fränkische Kaiser Heinrich IV. wurde zwischen 1050 und 1100 von seinen Reichsfürsten korrumpiert. Eng war die Geschichte mit dem Anfangsschicksal der Wiesneck verbunden. Ihre Herren waren genau wie die Äbte des Klosters
St. Gallen auf der „Waiblinger Seite“ (Königsgetreue). Die Zähringer auf der Seite der Welfen (Fürstenhäuser). Der Name Wiesneck im Jahre 1079 durch den Zähringer Bertold II. scheint außer allem Zweifel zu stehen. Mit der Bezwingung der
Burggrafen von Haigerloch wurden sie wohl zugleich auch aus ihrer Herrschaft vertrieben. Ihre Herrschaft umfasste die hoch gelegene Burg Wiesneck und war ihr Mittelpunkt im Dreisamtal. In einer Schaffhausener Urkunde wird Graf Adalbert von Wiesneck benannt.
Und es gibt noch ein weiteres markantes Zeugnis, dass das Geschlecht derer von Haigerloch in der Gegend lebendig anwesend war und zu bleiben gedachte: die Stiftung der Augustinerchorherren-Abtei Sankt Märgen und die Gründung des Klosters Sankt Märgen im Jahre 1118 durch den Bruder des Grafen Adalbert – Bruno. Bruno von Haigerloch war Dompropst von Straßburg aber auch Staatsmann, nämlich von 1112-1122 – Kanzler von Heinrich V. – und hatte somit eine beachtliche Stellung am Hof. Jedenfalls wurde mit der Gründung zugleich den Herren auf der Burg Wiesneck die Schutz-Vogtei über das Kloster übertragen. Das wirkte sich, solange die Grafen von Haigerloch und anschließend die von Hohenberg auf der Burg zu sagen hatten, für das Kloster gewiss zum Guten aus.
Später jedoch ab etwa 1300, als der Niederadel die Burg übernahm, die Geschlechter von Blumeneck ans Ruder kamen, hatte dieses mit der Burg verknüpfte Vogteirecht für das Kloster böse Folgen: es wuchs sich zu einer Art Oberherrschaft aus von der Burg Wiesneck
– und seinen neuen Machthabern. Da wurden die Beschirmer zur Bedrohung.
Weit geschäftiger als die Wiesnecker Grafen waren die Zähringer Herzöge gewesen. Berthold II. verlegte bereits 1091 sein bis dahin in Weilheim/Theck beheimatetes Hauskloster nach Sankt Peter, und er stattete es auch wohl gut aus, besorgte ihm ansehnliche Güter. Nie hören wir bis in den 30-jährigen Krieg hinein bei ihm von Leiden. Dieses Kloster, St. Peter und Paul bestand wohl schon 17 Jahre vor dem in Sankt Märgen. Am Rand des Schwarzwaldes zur Ebene hin, wenn nicht gar weit von Sankt Peter entfernt, hatten die Zähringer in dessen sich einfach einen Stammsitz geschaffen, die Burg Zähringen, ebenso in Freiburg auf dem Schlossberg eine Burg, die heute völlig eine geebnete „ Burghalde“ ist; und nicht zu vergessen, eines der Zähringer Hauptwerke: sie gründeten 1121 die Stadt Freiburg.
Beide Klöster Sankt Peter und Sankt Märgen liegen nahe beieinander etwa eine gute Stunde Fußweg voneinander entfernt. Vielleicht war es doch eine Herausforderung des Domherren Bruno, sich den Sankt Peter Benediktinern mit seinen Augustiner
Chorherren so dicht an die Seite zu setzen. Neben den friedlichen Aufgaben denen beide Klöstern nachgingen, fielen auch Rodungsaufgaben in die Wälder hinein. So konnte es nicht ausbleiben, dass in Kürze die Klöster miteinander um Grenzrechte stritten.
Es mischten sich die Oberherren ein, die Zähringer und die Wiesnecker und in diesen Auseinandersetzungen taucht nun abermals die Burg Wiesneck auf als zerstört (1121). Die Zähringer hatten offenbar etwas gewaltsam unwiderstehliches an sich. Sie wirkten inkonsequent und erfolgreich um die Mehrung Ihrer Macht auch im Guten. Folgende Zähringer Städte wurden von Ihnen gegründet: Villingen, Neuenburg am Rhein, Offenburg, Rheinfelden, aber auch Freiburg in der Schweiz, Bern und Freiburg im Breisgau.
Auf der anderen Seite ist aber festzuhalten, dass sich die Herren der Burg Wiesneck bei allem Widrigen in Ihrem Besitz durchaus behauptet haben. Sie überlebten die Zähringer, denn deren Geschlecht starb schon 1218 aus! Da das Kloster St. Märgen mit Wiesneck verknüpft ist, sei zu bemerken, dass sich das Kloster festigte durch den regenerierten
Mönchsbestand. Solange die Grafen der Burg Wiesneck es bestimmten, hatten die Mönche eine gute Zeit: Um die Mitte des zwölften Jahrhunderts übergaben die Grafen von Haigerloch den gesamten Wiesneck – Besitz an die Grafen von Hohenberg und deren
Herrschaftszeit hielt bis zum Jahre 1293. Vom allerletzten Grafen von Hohenberg auf Wiesneck, dem Grafen Albrecht II. wissen wir noch einmal erstaunlich viel: seine Gestalt wird plastisch sichtbar. (Max Weber) Seine eigene, viel gepriesene Persönlichkeit, die ihn dazu befähigt, die Stütze des Reichs und ganz Schwabens zu sein (Kumier). Durch seine Tapferkeit und seinen Mut bewährte er sich in sieben Feldzügen seines Schwagers.
Nicht minder begabt für Politik, zeigte er sich als fast ständiger Begleiter des Königs, dem er beim Zurückgewinnen verlorenen Reichsguts so wichtige Diente leistete, dass dieser ihn zum LANDENDFRIEDENSRICHTER in Schwaben und Elsass bestellte. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass König Rudolf diesen berühmten Mann am Ende seines Lebens zu seinem Nachfolger vorschlug. Sie wählten ihn nicht, weil er ihnen zu stark, mächtig und tapfer war.
Er setzte sich mit gleichem Eifer für Rudolfs Sohn, Herzog Albrecht, ein. Im Kampf für dessen Krone opferte er in heldenhaftem Einzelkampf sein Leben. So beliebt war der von Hohenberg, dass nach dieser Schlacht bei Oberndorf 1298 die Bauern seinen Tod
rächten. Gewiss haben die Bauern im Dreisamtal mit der gleichen Begeisterung zu ihrem Landesvater aufgeblickt, wenn er auf der Burg zu Wiesneck einritt. Als hervorragender Reiter in Turnieren bezeichnet, die geistigen Anforderungen besitzend, die an die Besten dieses Standes gestellt wurden, entsprach er durch seine MILDE und WOHLTÄTIGKEIT und seiner hohen Verehrung gegen die Frauen.
So war er auch Minnesänger! Mit dem Tod der glanzvollen Persönlichkeit von Graf Albrecht II. endet die Herrschaft der Hohenberger in Kirchzarten in einem Gefecht
von Leinstetten – Oberndorf. Die vielen Feldzüge Albrechts und seine ständigen Reisen im königlichen Dienst verschlangen große Summen, nicht weniger die Hofhaltung des heiteren geselligen Ritters, am meisten wohl die standesgemäße Ausstattung von sechs
Töchtern, die alle in die ersten Familien heirateten. So war Graf Albrecht genötigt, die Herrschaft Wiesneck und die mit ihr verbundene Vogtei über Sankt Märgen im Jahre 1293 zu veräußern an Burkhard Turner (Max Weber).
Mit dem Verkauf der Burg, allem umliegenden Besitz und allen Rechten an den Freiburger Burkard Turner begann eine neue Zeit – die Ära des Niederadels setzte ein. Es begann auch die Zeit der Patrizier. Turner war ein Patrizier und hatte den Hauptanteil an den um diese Zeit hoch ergiebigen Silberminen im Suggental (Glottertal). Vermutlich, besaß er ein riesiges Vermögen und kaufte die Wiesneck seiner Wälder wegen, denn er brauchte für die Silberverhüttung viel Holz. Doch währte die Herrschaft der Turner auf Wiesneck nur 25 Jahre. Schon 1318 finden sich neue Herren, ein Freiburger Patrizier-Geschlecht: die Snewelins. Sie erwiesen sich in der Folgezeit als Eigner, die mit allen Mitteln bis hin zur Gewalt und dabei den päpstlichen Bann nicht scheuend, ihre Rechte und das, was sie dafür hielten, ausnutzten. Dies vor allem dem Kloster Sankt Märgen gegenüber. Es ging dabei um die Vogteirechte, genauer um die Natural- und Geldsteuern, die das Kloster als Schutzzoll an seine Beschützer in Wiesneck zu zahlen hatte. Durch seine radikalen Veränderungen seit Graf Albrecht II. – dem GERECHTSAMEN – gerät das Kloster in ihre völlige Abhängigkeit und ihn demütigende Zustände. Was für ein trauriger Wandel!
In der Verfassungsurkunde von Papst Honorius II. heißt es bezüglich der Wahl eines neuen Vogtes, es sei nur der frei zu wählen, der für die Verteidigung der Klösterlichen Freiheit als gut und nützlich erkannt wird und keine Güter verschleudern oder veruntreuen soll.
Diese Verfügung wurde nie praktiziert. Vielleicht ist die Verkaufsurkunde von 1293, als Albrecht II. von Hohenberg Wiesneck an B.Turner abtrat, nicht ganz unschuldig an der Kette von Unheil, denn gerade dort vermisst man, was in dem Freiheitsbrief von 1279
noch ausgesprochen ist, eine klare Benennung der zweigeteilten Vogteirechte über St. Märgen. Die Charakterisierung des Geschlechtes der Snewlin wird aus der Sicht von J. Bader und H. Nehlsen aufs Schärfste diskreditiert: Denn das Snewlin-Rittergeschlecht vereinigte in seinen Mitgliedern reiche Industrieritter – sozusagen „die Rothschilde“ des damaligen Breisgaus, mit den schlimmsten Junkern und Raufbolden unter dem Breisgauischen Adel. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte ist der Name etwa 130 mal mit dem Schultheißenamt der Stadt Freiburg verbunden. Im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts gehören in den Schnewlinschen Dienst bereits die Burgen Zähringen (Freiburg), Landeck (Emmendingen) und die Wiesneck!
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts besaßen sie ungefähr ein Sechstel des gesamten Breisgaus; durch Kauf, Tausch oder Heirat -ebenso das gesamte Falkenstein’sche Erbe! Die bedeutendste Säule ihres Reichtums gründete sich indessen auf Ihre umfangreichen
Geldgeschäfte, nicht zuletzt auch durch den Bergbau. Die Snewlins verliehen ihr Geld nicht nur an die Grafen von Freiburg, die Bischöfe von Straßburg und an den gesamten geldbedürftigen Adel. Man verpfändet Ihnen Häuser und Steuern, was erhebliche, aber
keineswegs zu jener Zeit unübliche Einnamen einbrachte. Im Jahre 1328 hatten die Grafen von Freiburg nicht weniger als ein Drittel der Stadtsteuern an die Snewlins abzuliefern! Vom erstens Snewlin (Schnewlin) auf Wiesneck, dem Ritter Johann, der 1318 die Herrschaft antrat, werden wir noch hören, wie die grausame Geschichte weiterging. Eher als Schirmherr von Sankt Märgen, machte sich dort offenbar von vornherein unbeliebt. Sein Vogteirecht wollte er auch dorthin ausdehnen, wo es ihm wie zuvor schon bekannt, nicht zustand: auf die Salgüter des Klosters, eben auf die im Eigenbetrieb der Mönche stehenden Ländereien, die von der Vogtsteuer befreit waren. Dabei schlug Ritter Johann seine beiden Vettern, den Freiburger Schuldheiss Schnewlin-Bärenlapp und Schnewlin-Gresser zu Richtern vor. Die Marienzeller ließen sich diesen Vorschlag gefallen, da Ihnen die Ritterehre der beiden als beste Bürgschaft eines gerechten und billigen Spruches galt. Dieses Vertrauen wurde jedoch bitter getäuscht, denn die Schiedsmänner ließen sich von
Familieninteressen leiten und fällten ein dem Kloster ungünstiges Urteil. Den Abt und die Konventherren behandelte der Vogt nicht nur alleine aufs Frechste und Gröblichste, sondern verkürzte sie auch in ihrem Einkommen dergestalt, dass es Ihnen nicht mehr möglich war, der Regelpflicht und dem Gottesdienst noch ferner nachzukommen. Sie beschlossen, verzweifelt, den Schritt zu tun, das Kloster zu verlassen, um nur ihr Leben davon zu tragen. Der Papst setzte zur Untersuchung zwei Prälaten ein, doch die Vorladung an Ritter Johann war vergebens. Er erschien nicht. Mit verstocktem Herzen ging Ritter Johann, nur noch rücksichtsloser gegen die Klosterbrüder vor. Da traf ihn der Kirchenbann mit päpstlicher Bulle (1323). Jedoch auch der Bann machte wenig Eindruck auf den Wiesnecker Ritter.
Erst nachdem der Papst befohlen, den Bann an allen Sonn- und Feiertagen unter Glockengeläute und bei brennenden Kerzen in sämtlichen Kirchen des Breisgau öffentlich zu verkünden, erst jetzt konnte der verfolgte Abt und Konvent die geforderte Genugtuung
erhalten. Der minderjährige Sohn des ersten Schnewlin – zunächst unter Vormundschaft, griff aber volljährig geworden, noch zu radikaleren Methoden und überfiel 1346 das Kloster, nahm Abt und Konvent gefangen und setzte die geistlichen Brüder monatelang auf der Burg Wiesneck fest. 1348 ließ sich Ritter Johann auf Schiedsgericht ein. Kaum aber war die Frist dieses Vergleiches abgelaufen, so begann Ritter Johann die Verfolgung gegen Sankt Märgen aufs Neue und trieb es noch ärger als zuvor. Eines Tages im Jahre 1355, als der unbesorgte Prälat mit wenigen Begleitern von Freiburg nach seinem Kloster zurückkehrte, wurde Abt Konrad bei Ebnet von den schnewlinschen Gesellen hinterlistig und meuchelmörderisch erschlagen. Der Rat der Stadt Freiburg versuchte zu vermitteln, doch Schneelin gab nicht nach. Schließlich musste der verarmte Konvent von Sankt Märgen seinen Sitz nach Freiburg verlegen, wo er sich mit der Augustiner-Probstei Allerheiligen vereinigte, um dem Zugang der Schnewlins zu entrinnen. Dies alles ist ein Zeugnis der niederen Adelswelt gegen des 14. und der folgenden Jahrhunderte. Im Jahre 1378 veräußerten die Schnewlins die Herrschaft Wiesneck und mit ihr den Anspruch auf die Vogtei über Sankt Märgen. Das Geschlecht derer, gleichfalls zum Freiburger Adel gehörend, übernahm den Wiesneck- Besitz. Leider ist von den neuen Herren nicht viel besseres zu berichten. Die Zerwürfnisse wiederholten sich und die Methode, diese auszuräumen, glich in etwa den Schnewlinschen: auch die Blumenecker ließen im Jahre 1401 den damaligen Sankt Märgener Abt Johann in einer Hohlgasse zu Merdingen überfallen und erschlagen.
Im Jahre 1450 kauften die Schnewlins die Burg zurück und damit begannen erneuter Handel, Intrigen und Verfolgungen. Die Sankt Märgener Klosterherren sahen zuletzt den verzweifelten Ausweg, dass sie den umstrittenen Klosterbesitz mit kleinen Ausnahmen 1462 an die Stadt Freiburg veräußerten. In die Herrschaftszeit der Schnewlins auf Wiesneck fällt auch die Tatsache, dass der Besitz der benachbarten Ritter von Falkenstein von den Schnewlins nach und nach kassiert wurde. Die Falkensteiner waren im Gegensatz zu den Schnewlins ein „Wirtschaftsbosse Geschlecht“, welches in den Tag hinein lebte…
Die Schnewlinschen Schwager und Vettern liehen den Falkensteinsteinern Unterpfande, eine Summe nach der anderen. Was im 14. Jahrhundert noch falkensteinisch gewesen, war im folgenden alles schnewlinisch.. Zur Wahrung der geschichtlichen Tatsachen muss aber daneben anerkannt werden, dass unter den Wiesnecker Rittern und Junkern doch auch manche edle Gestalt aufgetreten ist und sich unleugbare Verdienste erworben hat.
Es war eben eine charakteristische Eigenschaft des mittelalterlichen Ritteradels, dass sein Bildnis eine tiefe Schattenseite neben glänzenden Lichtseiten zeigte. Die Wiesneck war ab 1378 für eine Spanne von gut 70 Jahren die Schnewlins los. Sie kamen allerdings wieder, jedoch in einem anderen Zweig des Geschlechts. In verschiedenen Seitenlinien breitete sich die Familie wie ein Netz über das ganze Land. Dass Bader in der Schilderung der Schnewlinschen Geldgeschäfte, wie zuletzt an den
Falkensteinern, keineswegs übertrieb, kann man auch bei Hermann Nehlsen in seiner Schnewlin -Chronik nachlesen.
Gerade diejenigen Schnewlins, welche die großen Burgen und Höfe erwarben, sind auch als Geldverleiher größeren Stils bezeugt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts sind es die Snewli – Bernlapp, Johann Snwelin der Gresser, SNEWLIN VON DER WIESNECK und
Konrad Dietrich Snewlin, die wir als Gläubiger der Grafen von Freiburg, des Herzogs von Teck, des Grafen Berthold von Sulz, der Edlen von Üsenberg, die HERREN VON FALKENSTEIN, die Herren von Keppenbach und verschiedener anderer Edelherren und Klöster kennenlernen. Noch grotesker wird es, wenn wir auf die Löhne der Handwerker sehen. Der berühmte Münsterbaumeister Johann von Gmünd erhielt ein Jahresgehalt von 5 Silbermark, während Johann Snewlin der Gresser allein über 120 Silbermark an Zinsen einnahm!! Die Burg Wiesneck wurde an die Blumenecker verkauft und ein anderer Snewlin – Johannes von Landeck kaufte die Wiesneck von ihnen zurück. Johann von Landeck hatte den Zunamen “Hans der Reiche.“ Seit dem nannten sich die neuen Herren der Burg Snewelin von Landeck zu Wiesneck. Unter „Hans dem Reichen“ lebten die
Spannungen mit dem Kloster St. Märgen sofort wieder auf, so dass sich die Klosterleute nicht anders zu helfen wussten, als den Klosterbesitz mit kleinen Ausnahmen an die Stadt Freiburg zu verkaufen. (Max Weber) Im Jahre 1489 gerät Wiesneck unter die Landeshoheit des Habsburgischen Hauses Österreich. Die Habsburger hatten bereits seit langem die Hoheitsrechte für Freiburg, da Kirchzarten den Freiburgern untertan war, auch für das benachbarte Kirchzarten. Die Österreicher schoben gezielt den Keil ihrer Landeshoheit durch Schwaben hindurch bis ins Elsass hinein. Was sie hier unter ihren Hut brachten, nannte sich VORDERÖSTRREICH. Die Wiesneck wurde also österreichisch.
1489 kaufte Erzherzog Siegesmund die unabhängige Allodialherrschaft (Erbgut über das der Eigentümer frei verfügen darf). Indem sich Wiesneck der österreichischen Landesherrschaft unterstellte, blieben zwar die Schnewlins darauf sitzen, hatten aber von da an den weit entfernt in Wien residierenden Erzherzog von Habsburg Lehenszins und bei kriegerischen Verwicklungen auch Einsatz zu leisten. Der Junker David von Landeck zu Wiesneck, unter dem sich dieser Hoheitswandel vollzog, wird von Max Weber als eine der markantesten Persönlichkeiten im Dreisamtal gerühmt. Er stand nicht nur im Dienst des Markgrafen Christoph von Baden als Rat, Burgvogt von Rötteln und Landvogt, sondern übte zugleich, als römisch-kaiserlicher Majestätsrat die Regentschaft für die
vorderösterreichischen Lande zu Ensisheim im Elsass aus, dem Sitz dieser Regierung.
Der Einfluss von Junker David muss noch sehr stark spürbar gewesen sein, denn gerade gegen ihn erhoben die Bauern 1525 die Hand. Es sollte sie teuer zu stehen kommen, denn sie hatten es mit einem einflussreichen Herren zu tun. Dem Bauernkrieg im Dreisamtal geht voraus der so genannte Schweizer Krieg zwischen den Habsburgern und den Eidgenossen.
Im Kirchzartener Tal scheint sich Junker David von Landeck auf Burg Wiesneck wieder durch die Ausübung der Herrschaftsrechte am meisten den Hass der Bauern zugezogen zu haben. Hans Müller, ein damaliger Bauernführer setzte sich ein für die Bauern, mit einer
tiefen Religiosität erfüllt, christlicher Liebe und brüderlicher Treue! Allerdings wurde in seinem Namen auch das Kloster Sankt Blasien verwüstet und zerstört. In Begleitung des Abtes tranken die Bauern den Klosterkeller leer verzehrten die Karpfen im Teich – jedoch blieb das Kloster unangetastet. Auch durch Hans Müller wurde die Wiesneck mit dem Junker David von Landeck vor seinem Schloss Wiesneck gestürmt, geplündert und verbrannt. Der Rädelsführer Hans Müller von Bulgenbach wurde schließlich am 12. August 1525 in Laufenburg hingerichtet. Juncker David kam nicht zu kurz – seine Untertanen ergaben sich auf Gnade und mussten ihm von neuem schwören, alles zu erfüllen! Damit unterstanden ihm Dreisamtal Wiesneck, Falkensteig, Dietzenbach, Misswende, Falkenbühl, Teile von Ebnet, Littenweiler und Eschbach. Sein Ertrag von 3200 Gulden verwendete er für den Wiederaufbau der Burg und seine anderen
Gebäude. Es war wohl ein Racheakt gegen den Jungherr David von Landeck zu Wiesneck, dass seine Burg sich als einzige unter den Herrensitzen im Dreisamtal dem wütenden Ansturm der Bauern zu widersetzen hatte.
Mit Hans Jakob stirbt der letzte männliche Vertreter der Schnewlin von Landeck zu Wiesneck. Anne von Landeck, die ältere der beiden Töchter, heiratet kurze Jahre nach des Vaters Tod, 1568, den Freiherren Friedrich von SICKINGEN zu Hohenburg, den Enkel des berühmten Franz von SICKINGEN. Damit beginnt auf Wiesneck eine neue Zeit: die Herrschaft derer von SICKINGEN. Michael Benz beschreibt den neuen Zweig:
„Eher schon wölbt sich über jene der Breisgau Sickingen-Linie ein weiter Himmel überlegener grenzenloser Ruhe… man neigt den Künsten gebogen das Haupt, ermöglichte durch verschwenderische Aufträge und impulsgebendes Mäzenatentum Malern und
Baumeistern die Entfaltung ihres Könnens. Durch die Heirat des Friedrich von SICKINGEN mit der Schnewlinschen Tochter Anna hatten sich die Sickingen mit dem Reichtum des Reichs, den Grundherren des Breisgaus verbunden, und da die jüngere Schwester unvermählt blieb, fiel der gesamte Schnewlinschen Besitz dem vermählten Paare zu. Das Barockschloss Ebnet war zuvor ein Wasserschloss. Die SICKINGEN selbst haben dort nie selbst gewohnt. 1644 wurde die Burg Wiesneck Opfer landsknechtlicher Zerstörungswut. Vermutlich waren es die Schweden.(Paul René Sander, Archivar der Freiherr Von Gayling-schen Schloss Verwaltung) Die Zerstörung und der Brand scheinen diesmal so gründlich gewesen zu sein, dass es den Herren von SICKINGEN die Lust zum Wiederaufbau verschlug. Die Ruine wurde zum Steinbruch. Schaut man die Kapelle der Klinik an, muss einem auffallen, dass die Fenster fein gehauen der Renaissance entsprechen, die dem jetzigen Charakter des kleinen Bauwerks durchaus angemessen sind. Teile der Kapelle wurden aus Überbleibseln des Herrschaftssitzes der Burg erschaffen. Im Wittental wurde überliefert, es gäbe einen unterirdischen Gang von dem dortigen Schloss Falkenbühl zu der Burg Wiesneck. Im Schloss Ebnet lebt heute noch diese Sickingsche Tradition. Es war bis 1809 Sitz der Grafen von Sickingen-Hohenburg und diese waren ja, wie gehört, die letzten adeligen Herren der Burg und Herrschaft Wiesneck.
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Vom 30-jährigen Krieg zur Gegenwart:
Mit dem westfälischen Frieden 1648 waren die gesamten ansehnlichen Besitzungen der Habsburger im Elsass, einschließlich ihres bisherigen Regierungssitzes in Ensisheim, wie auch Breisach, der Krone Frankreichs zugefallen. Damit hatte Habsburg allen Halt jenseits des Rheins verloren. Der Grenzschnitt, europäische Machtpolitik zwischen Ost und West, zwischen Österreich und Frankreich, verlief nun unmittelbar vor den Toren von Freiburg. 1677 zogen die Franzosen in Freiburg ein und verließen es erst 21 Jahre später 1698 wieder. Freiburg und das Dreisamtal waren französisch geworden. Die vorderösterreichische Regierung zog sich derweil nach Waldshut zurück. Die Franzosen setzten sich nachher noch zweimal, wenn auch nur kürzere Zeit, in Freiburg fest. Schließlich griff Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Macht 1805 entscheidend in die Geschicke am Oberrhein ein. Er diktierte durch den Frieden von Pressburg eine neue Landverteilung, derzufolge er den Breisgau dem Kurfürsten Karl Friedrich von Baden Durlach zuschlug. Freiburg und alle Gebiete drumherum, die einst österreichisch waren, wurden badisch. Der Wiesnecker Grundherr Graf Wilhelm Josef Xaver von Sickingen, zog die Konsequenz daraus, gab seinen mehr 100-jährigen Adelssitz Ebnet auf und wanderte nach Österreich aus. Er nahm nach kurzem Übergang Sitz in Wien. Die „Grundherrlich von Sickingsche Verwaltung“ wurde 1809 aufgehoben, die fünf Höfe in Eschbach, dem Stabsamt Sankt Peter, das Rittergut Ebnet, das Lehen Wiesneck und Erlacher Hof und die Güter auf dem Falkenbühl beim Meierhof Baldenweg wurden dem Oberamt Freiburg zugeteilt, so verkündete das Regierungsblatt.
25.9.2025, Verena Bosse, verena.bosse@mail.de
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Literaturhinweise:
Georg Geiger Hermann Nehlsen: Schnewlin – Chronik Max Weber – Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft
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Wanderweg Buchenbach: Stufen im Baumstamm
Unerwartete Stufen führen über einen Baumstamm in Nähe der Burgruine Wiesneck in Buchenbach. Geschaffen hat diese Förster Hubert Stehle. Das Foto geknipst hat Nikolaus von Gayling-Westphal. Er schreibt: „Aus der Not eine Tugend gemacht.“ Ob die Idee Nachahmer findet? Spaziergänger und Wanderer werden es sehen.
Bild: Nikolaus von Gayling-Westphal
22.8.2023
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