Frühmorgens vor Sonnenaufgang, derzeit um 6.30 Uhr, wachen sie auf: Hunderte von Krähen, die die Nacht in den Bäumen des Bergäckerfriedhofs in Freiburg-Waldsee verbracht haben. Für uns ein Gekrächze, weil wir die Tiere (noch?) nicht verstehen. Für die Rabenvögel hingegen ein Gespräch, das als Palaver lange andauert, da sie sich viel zu sagen haben. Vielleicht tauschen sie sich über die besten Futterplätze aus? Oder über die nächste Brutsaison? Oder nur übers Wetter?
.
Dann so gegen 8 Uhr fliegen sie – auf ein geheimes bzw. für uns Menschen nicht wahrnehmbares Signal hin – plötzlich alle los. Nach Osten ins Dreisamtal. In zwei Schwärmen: Der eine startet in nordöstlicher Richtung über Littenweiler, die Dreisam und Ebnet zu den Wiesen und Feldern bei Zarten hin und weiter bis Stegen und Buchenbach. Der zweite Schwarm verbleibt südlich der Dreisam und fliegt über Littenweiler und Neuhäuser gen Kirchzarten, Dietenbach, Geroldstal bis Oberried.
Dort verbringen sie den Tag, Immer draußen in gesunder Luft. Bei jedem Wind und Wetter. Immer in Bewegung. In Kleingruppen. Gerne auch paarweise mit dem/der Allerliebsten. Zuweilen gibts Streit, aber nie mit den häufiger umherstolzierenden Reihern und Störchen, sondern mit Artgenossen. Wie bei Mitmenschen haben eben auch Mitkrähen immer einen Grund zum Anfeinden.
Sie haben es nicht eilig, sondern fliegen gemächlich und genüsslich – den Loopings und Saltos nach zu urteilen. An der Spitze des Schwarms kein einzelner Führer bzw. Führerin (auch Raben wollen gegendert sein), sondern ein Leitteam, dessen Allvorderen immer wieder wechseln.
Krähen sind klug. Sobald ein Landwirt zum Pflügen, Mähen, Dreschen oder – besonders lecker – Gülleausbringen anfährt, sind sie schon in großer Zahl da.
Gegen Abend, zuweilen schon ab 16 Uhr, machen sich die Krähen auf den Rückflug nach Westen. Auch hierbei gibts viel zu Erzählen, was sich so den lieben langen Tag ereignet hat. Zwischen Zarten und Breitehof/Attental haben Bussarde ihr Revier, da kommt es öfters zu Reibereien. Oder es laufen wieder Hunde auf den Wiesen rum, für die das Krähenjagen eine Freizeitbeschäftigung ist.
Es ist fast dunkel und die vielen schwarzen Vögel kreisen immer noch über ihrem Nachtquartier. Erstaunlich, wie sie in der Dunkelheit zu ihrem Schlafbaum finden, wo die riesigen Platanen von oben doch alle gleich aussehen.
Plötzlich kehrt Ruhe ein. Jeder Vogel hat seinen Baum und Ast gefunden, steckt den Kopf und ein Bein (das rechte oder linke, wäre das nicht ein Thema für eine Promotionsarbeit?) ins Gefieder und ruht. Bis zum nächsten Morgen. Ohne Schlafmittel. Ohne Wärmekissen. Zwischendurch unterbrochen durch – nun ja, man sieht’s auf den total verschmutzten Grabstellen unter den auserwählten Schlafbäumen.
Nur während der vierwöchigen Brutzeit im April wird das Schwarmfliegen unterbrochen. Jedes Jahr wächst die Population der Krähen. Für die Landwirte ist es eine Plage und die urbanen Anywheres ein Bio-Naturschauspiel. Und für die Rabenvögel angesichts des „Wir sind mehr“ ein Glück. Denn sie lieben die Geselligkeit. Diskussionskultur.
4.12.2025
Diese Beitrag wurde ohne KI geschrieben
.
Ende von Beitrag „Krähen, Vogelschwarm, Palaver“
============================================================
Beginn von Anlagen (1) –
.
.
(1) Übernachten in Gemeinschaft
Massen-Schlafplätze von Staren, Raben und Krähen
Auffällig sind Raben- und Saatkrähenschlafplätze, die sich im Spätsommer bilden und in den Wintermonaten oft tausende Köpfe zählen
…
Das faszinierende Naturschauspiel beginnt weit ab vom Krähenschlafplatz. Auf Feldern, Müllkippen und anderen Nahrungsplätzen scharen sich nachmittags die ersten Trupps. Sie bilden größere Schwärme und brechen vor Sonnenuntergang zum Schlafplatz auf. Im Dämmerlicht treffen dort aus allen Himmelsrichtungen Schwärme ein. Vom Himmel schweben sie herab, um mit anwesenden Vögeln zu kreisen und sich dann niederzulassen. Elstern sind fast alle vor Sonnenuntergang da, Saatkrähen kommen oft so spät, dass sich ihre schwarzen Silhouetten kaum mehr gegen den Nachthimmel abheben. Zehntausende Saatkrähen treffen sich manchmal an einem, über Jahre traditionellen Schlafplatz. Im Schwarm herrscht eine soziale Struktur: Dominante Vögel bekommen die geschützteren Plätze.
Strommasten und Leitungstrassen sind wahre Kristallisationspunkte für die Krähen. Erst sitzen nur wenige Vögel auf den Drähten, dann folgen immer mehr. Häufig fliegt die Schar auf, kreist krächzend und lässt sich erneut nieder. Diese Prozedur zieht sich oft bis in die Dunkelheit. Mit ihrer Hilfe wird die „Schwarm-Stimmung“ übertragen, die die Masse von Individuen synchronisiert und koordiniert.
… Alles von Stefan Bosch vom Nabu bitte lesen auf
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/vogelkunde/gut-zu-wissen/00716.html

