Dortu2026

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Weizenernte im Dreisamtal bei Freiburg 18.7.2025

 

Spaziergang auf den Spuren der Demokratiebewegung von 1848/49 in Freiburg
Liebe Freundinnen und Freunde der demokratischen Erinnerungskultur,
im Rahmen der bundesweiten Tage der Demokratiegeschichte wird die Freiburger Bürgerstiftung am 21. März 2026, einen Spaziergang auf den Spuren der Demokratiebewegung von 1848/49 veranstalten. Es besteht die Möglichkeit, alle Stationen oder nur eine oder zwei mitzumachen. An den Stationen werden die historischen Ereignisse von sachkundigen Kennern der Demokratiebewegung von 1848/49 erläutert und historisch eingeordnet. Bitte diese Info auch weiterleiten!
1. Station: 12 Uhr: Die Gedenksteine am Jägerbrunnen
Die Gedenksteine am Waldrand erinnern an die Gefallenen des Gefechtes von Ostern 1848 zwischen Freischärlern und Einheiten der badischen Armee.
Sprecher: Andreas Meckel (Stifter), Norbert Stalter (Ortsverein Günterstal)
Anfahrt: mit Straßenbahn bis Wiesenweg, Fußmarsch Richtung Waldrand

2. Station: 14 Uhr: Das Dortu-Grab auf dem Alten Wiehrefriedhof
Auf dem Alten Friedhof der Wiehre wurden im Juli und August 1849 drei Revolutionäre von preußischen Kommandos hingerichtet.
Moderation: Heinz Siebold (Publizist), Historische Szene: Peter Haug-Lamersdorf (Dortu), Olaf Creutzburg(Spielmann)
Ort: Stadtteil Wiehre, Spielplatz Ecke Erwin-/Dreikönigsstraße
3. Station: 15.30 Uhr: Die „Harmonie“, Grünwälderstraße 18
(Unterwegs kurzer Stopp am Schwabentor, Kampfplatz Ostern 1848).
Das „Haus zur Tannen“ war von 1845 bis 1852 Sitz der „Bürgerlichen Lesegesellschaft“. Mit Bibliothek, Gaststätte und Versammlungsräumen war das Haus das Zentrum der demokratischen Bewegung in Freiburg.
19.3.2026, Heinz Siebold, hsiebold@aol.com

 

Dortu 2026: Wunsch und Vision
Am 31.7.2025 wurde beim Denkmal von Maximilian Dortu auf dem ehemaligen Wiehre-Friedhof die Feier „Dortu – Neff – Kromer: Gedenkfeier für die Kämpfer für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ veranstaltet. Beeindruckend mit Reden zur Erinnerung, Schauspiel, Freiheitsliedern. Die ca 200 Besucher gehörten großenteils der älteren Ü60-Generation an. Deshalb der Wunsch, daß im nächsten Jahr bei „Dortu 2026“ die jüngere Generation mit einbezogen wird. Hierzu das folgende Essay.

Maximilian Dortu und die abweichende Meinung
Dortu vertrat damals vor 177 Jahren eine andere, eine abweichende Meinung und wurde dafür bestraft. Zu Unrecht, wie wir heute zu Recht urteilen. Es ist gut, daß wir die historische Freiheitsbewegung von 1848/49 um Maximilian Dortu am 31.7.2025 feiern. Um zu gedenken und zu erinnern.
„Aus der Geschichte lernen“ heißt aber nicht nur rückblickend zu erinnern, sondern auch in der Gegenwart wach zu sein. Und dazu sollten wir uns die Freiheit nehmen und den Mut haben.
Zu jeder Zeit gibt es abweichende Meinungen. Auch heute am 31.7.2025. So sind über ein Viertel der Wahlbürger der abweichenden Meinung, daß die aktuelle Berliner Politik revidiert werden muß (ob zu Recht oder nicht, ist eine andere Frage). Aber diese Menschen können ihre  Meinung immer weniger frei und offen äußern. Und sie werden dafür diffamiert, mit undemokratischen Instrumenten wie Brandmauer, Sippenhaft und Kontaktschuld verfolgt, in die rechtsextreme Ecke gestellt und mitsamt ihren Familien ausgegrenzt. Dies ist Fakt und an die Realität kommen wir nicht vorbei. Die Diskussionskultur liegt in Deutschland leider am Boden. Wir müssen aufpassen, daß sich unsere Selbstgerechtigkeit (wir haben eine Demokratie pur) nicht zur Arroganz (wir retten die Welt) hochjubelt.
Mit einem Gegenwartsbezug der Erinnerungskultur soll Dortu mit keiner heute politisch aktiven Person oder Partei verglichen werden. Nein, es geht um viel mehr.
Damals im Jahr 1848 unterdrückte ein Feudalsystem die in Armut lebenden Untertanen und heute genießen wir (noch) im Wohlstand ein demokratisches System. Aber beide Systeme sind menschengemacht und deshalb auch mit Ungerechtigkeiten verbunden, welche dazu führen, daß Menschen aufgrund ihrer abweichenden Meinung separiert werden. Auch heute im Jahr 2025.
Zum Glück erfreuen wir uns 177 Jahre nach 1848 einer freiheitlich demokratischen Grundordnung (FDGO), die auf dem Pluralismus der Meinungen gründet und diese Meinungsvielfalt garantiert. Auf diese FDGO können wir stolz sein: Jeder kann frei reden, „wie ihm der Schnabel gewachsen ist“ – außer, er will die FDGO zerstören (dessen Nachweis aber dem Bundesverfassungsgericht obliegt). Doch diese Garantie ist heute für Millionen von Bürgern aufgrund ihrer abweichenden Meinung bzw. kritischen Haltung nicht gegeben. Obwohl die Verfassung die Grund- bzw. Freiheitsrechte als jedem Bürger qua Geburt zustehende Rechte gegen den übergriffigen Staat beschreibt.
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„Dortu 2026“ zusammen mit der jungen Generation feiern
Wie die Bilder von „Dortu 2025“ am 31.7.2025 zeigen, war die ältere Generation der Ü60 unter den Besuchern am Wiehremer Alten Friedhof stark überrepräsentiert. Dies mag normal sein: Im Alter hat man mehr Zeit und wendet sich dem „back to the roots“ zu – der Genealogie oder eben der Orts-/Heimatgeschichte. Auf meine Frage „Warum sind Ihre Enkel nicht hier?“ wurde jeweils mit ehrlichem Bedauern mit den Achseln gezuckt.
Gleichwohl: Maximilian Dortu ist ein so „cooler“ Typ, daß er die heutige Jugend ansprechen und als Vorbild begeistern könnte. Schließlich hat Dortu seine offene Kritik nicht als Rentner gewagt, sondern als 23-jähriger junger Spunt.

Deshalb bitte im nächsten Jahr an den Schulen und Hochschulen für die Gedenkfeier „Dortu 2026“ werben. Auch im Zuge von Geschichts-Projekten, wie es z.B. der Lehrer Dr. Claudius Heitz am Kolleg St. Sebastian in Stegen tut – mehr hier. So könnte man bei den Schülern das Interesse für Dortu und sein Engagement für die Freiheit wecken.

Derzeit erstarken die politischen Ränder als Folge des wirtschaftlichen (Schrumpfung des BSP, Deindustrialisierung) und demokratischen (Brandmauer, Medien versagen als Vierte Gewalt) Niedergangs: Die rechte AfD ist stärkste Partei und die Linken ziehen ebenso rasant mit – beide hauptsächlich getragen von der jungen Generation. Und ein mutiger und geistig agiler Typ wie Maximilian Dortu würde heute diese Ränder ganz vorne aktiv mitgestalten.
Diese Ränder sollte man – sofern sie radikal (Gegner der Demokratie) und nicht extremistisch (Feinde der Demokratie) sind – im Rahmen einer Diskussionskultur einbinden anstatt sie auszugrenzen.

Noch eine Idee: Der von mir verehrte 81-jährige Gernot Erler, der als Vertreter der Entspannungspolitik von Willy Brandt das SPD-Manifest Friedenssicherung vom Juni 2025 unterzeichnet hat, war am 31.7.2025 unter den Besuchern. Auch er ein Dortu-Fan! Vielleicht kann er mit seiner großen politischen Erfahrung dazu beitragen, daß „Dortu 2026“ zu einer – unabhängig von politisch links oder rechts – breiten Feier für „Freiheit, Demokratie und Menschenrechte“ (so der Ankündigungstext von Heinz Siebold) wird.
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In Deutschland sind Aufstände und Revolutionen eher selten. Wir haben keine Französische Revolution von 1789. Und die wenigen Aufstände hierzulande werden eher verschwiegen: So der Aufstand der Arbeiter in Berlin am 17. Juni 1953. Oder die zum Mauerfall am 9.11.1989 führenden Proteste der DDR-Bürger für Freiheit und gegen die russischen Besatzer – genannt „Friedliche Revolution“. Beide Ereignisse wurden von der Berliner Politik für unwürdig erklärt, als deutscher Nationalfeiertag dienen zu können. Leider.

Seniorenheim versus Mehrgenerationenhaus: Eine Erinnerungskultur als Altherrenveranstaltung macht wenig Sinn. Erinnerungskultur, die auch die Jugend mitmachen läßt, bereitet doppelt Freude. In diesem Sinne sollte „Dortu 2026“ im nächsten Jahr am Denkmal von Maximilian Dortu und seiner Familie am Spielplatz Ecke Erwin- und Dreikönigstrasse in Freiburg-Wiehre (früher Friedhof Alt-Wiehre) ganz groß gefeiert werden. Um generationenübergreifend jung und alt, politisch links und rechts bzw. gesellschaftlich oben und unten zu verbinden.
6.8.2025