Dreisamtal-Geschichte

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Abgestorbene Eiche beim Wangler-Kreuz zwischen Ebnet und Zarten am 24.6.2023

 

Zwangsumsiedlung südbadische Bauern ins Elsass im 2. Weltkrieg
Geschichts-AG von Lehrer Claudius Heitz am Kolleg in Stegen erhält Förderpreis
Für die Aufarbeitung eines bisher vernachlässigten Stücks deutsch-französischer Geschichte durften die Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG des St. Sebastian-Kollegs Stegen im Neuen Schloss in Stuttgart einen Förderpreis der Körber-Stiftung im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten entgegennehmen. „Badische Siedler im Elsass“ lautete der Titel des Geschichts-Projekts, dem sich die Schüler und ihr Lehrer Claudius Heitz seit 2023 gewidmet hatten.
Umsiedlung oder Front
Zwei Jahre sammelten und sichteten die Schüler Material und sprachen mit Zeitzeugen der Zwangsumsiedlung südbadischer Bauernfamilien ins benachbarte Elsass währen des Zweiten Weltkriegs. Auf das Thema gestoßen waren die Schüler durch Bernhard Ketterer aus Unteribental, heute ein Ortsteil von Buchenbach, der 1942 als Kind mit seiner Familie den heimatlichen Hof verlassen musste, um einen durch Flucht vor den Nationalsozialisten verlassenen Bauernhof in Moernach im annektierten Elsass zu bewirtschaften. Die einzige Alternative zur Umsiedlung wäre für Ketterers Vater der sofortige Abmarsch zur Front gewesen. Nach drei Jahren harter Arbeit, Ernte und Vieh mussten größtenteils an die Wehrmacht abgeführt werden, floh die Familie im März 1945 unter dramatischen Umständen über den Rhein zurück nach Unteribental.
Anerkennung für die Schüler
Rund 150 interessierte Menschen, darunter auch der heute 89-jährige Ketterer, waren zur Vorstellung der Forschungsergebnisse der Schüler am 15. Juli ins Gemeindehaus St. Gallus gekommen. „Die Schüler haben von den Anwesenden viel Anerkennung für ihre Arbeit erhalten“, sagt Heitz. Besonders viel bedeute den Schülern die Freude Ketterers, dass durch ihre Arbeit dieser bisher vergessene Teil seiner Geschichte und der Geschichte vieler weiterer Menschen in der Region, ins Bewusstsein gerückt werden konnte. Am Nachmittag des Veranstaltungstags hatte Ketterer die Geschichts-AG und die ehemaligen elsässischen Schulfreunde, mit denen er durch das Projekt wieder in Kontakt treten konnte, in sein Haus in Unteribental eingeladen.
30.7.2025,

Das zweisprachige Buch zum Geschichtsprojekt unter dem Titel „Im Zweiten Weltkrieg über den Rhein. Traverser le Rhin pendant la Seconde Guerre mondiale“ ist in der Bücherstube in Kirchzarten erhältlich:
ISBN: 978-3-931992-55-2, Preis: 14,80 EUR

 

Siedler aus dem Dreisamtal 1942-1944 im Elsass
Stegener Schülerprojekt bringt Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs nach 80 Jahren zusammen
Es war ein bewegender Moment, als sich die hochbetagten Männer, der deutsche Bernhard Ketterer aus dem Unteribental und der französische André Metzger aus Moernach, nach 80 Jahren erstmals wiedersahen und sich weinend umarmten. Sie waren zwischen 1942 und 1944 Kinderfreunde, wurden in den Kriegswirren getrennt und trafen sich nun beim Empfang der Gemeinde Buchenbach im Museum Hansmeyerhof erstmals wieder. Möglich gemacht hatten das die Schülerinnen und Schüler der Geschichts-AG von Lehrer Claudius Heitz, die sich ein Jahr lang mit den „Siedlern aus dem Dreisamtal im Elsass“ beschäftigt hatten und damit ein bislang auch von der Wissenschaft wenig beachtetes historisches Thema ans Licht brachten.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte das der 88-jährige Bernhard Ketterer. „Ich habe diese Geschichte, dass mein Vater Lambert mit seiner Familie zwei Jahre lang einen Hof in Frankreich bewirtschaftet hat, bei einem Geburtstag meinen Kindern erzählt“, berichtete der Ibentäler. Diese Geschichte wurde schließlich Claudius Heitz zugetragen, der sich zusammen mit seinen Schülern dieses Themas annahm. „Wir haben zunächst Zeitzeugen gesucht, mit ihnen gesprochen und daraufhin versucht, entsprechende Literatur zu finden, mit wenig Erfolg“, sagte der promovierte Geschichtslehrer. Erst im Landesarchiv Karlsruhe wurden sie fündig. „Wir hatten danach den Drang, die Orte, in denen vor allem Bauern aus dem Dreisamtal leerstehende Höfe von vertriebenen französischen Menschen übernommen hatten und bewirtschafteten, kennenzulernen“, so Claudius Heitz. So besuchten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrem Lehrer im März die Orte Koestlach, Moernach und Durlinsdorf, wo sie herzlich empfangen wurden und weitere Zeitzeugen trafen.

„Das hat uns natürlich weitergebracht, weil wir nun beide Perspektiven kennenlernen konnten. Zum einen die Dreisamtäler, die leerstehenden Höfe im Elsass, vor allem im Sundgau, übernommen hatten, zum anderen die Elsässer, die vor den Nazis geflohen waren und diese Höfe zurücklassen mussten“, sagte Schülerin Filippa Kuhnert. „Das hat unsere Gruppe schon sehr bewegt und uns in diesem Schuljahr zusammengeschweißt.“ Zum Abschluss des Geschichtsprojektes hatte Lehrer Claudius Heitz bei Buchenbachs Bürgermeister Ralf Kaiser angefragt, ob man die Franzosen, die die Schüler kennengelernt hatten, zu einem Gegenbesuch einladen könne. „Dem wurde entsprochen, sodass wir uns nun hier im Hansmeyerhof bei einem Empfang erneut treffen können.“

Eingeladen waren neben den Schülerinnen und Schülern und den Zeitzeugen unter anderem der Bürgermeister von Koestlach, André Lehmes, die Senatorin von Haut-Rhin, Sabine Drexler, Theo Hirth, der ein Theaterstück zu diesem „Siedler“-Thema aufführte, die Familie Metzger, in deren Haus die Familie Ketterer aus Unteribental lebte sowie die Bürgermeister Fränzi Kleeb aus Stegen und Ralf Kaiser als Gastgeber. Diese hatten zunächst die Möglichkeit, bei einer Führung das Bauernhaus-Museum bei einem geführten Rundgang kennenzulernen, um sich danach bei Kaffee und Kuchen miteinander zu unterhalten. Im Anschluss danach präsentierten die Schüler in Stegen ihre Ergebnisse.
„Mit großem Stolz und großer Rührung sind wir heute hier, um den jungen deutschen Gymnasiasten zu gratulieren, die bei der Sammlung von Zeugnissen bemerkenswerte Arbeit geleistet haben“, sagte Senatorin Sabine Drexler bei ihrer Ansprache. Es sei den Schülern gelungen, diesen Menschen eine Stimme zu geben und dafür zu sorgen, dass ihre Geschichte nicht in Vergessenheit gerate. „Durch die Begegnung mit den Ältesten haben sie eine Brücke zwischen den Generationen geschlagen. Sie haben gezeigt, dass Geschichte nicht nur eine Reihe von Daten ist, sondern dass sie durch individuelle Erfahrungen lebendig wird“, sagte die Senatorin weiter. Dieser Ansatz trage dazu bei, eine lebendige Erinnerung zu bewahren, die unerlässlich sei, „damit wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und eine bessere Zukunft aufbauen können. Sie haben bewiesen, dass die Jugend eine entscheidende Rolle bei der Erinnerungsarbeit und bei der Stärkung der Verbindung der Nationen spielt“, so Sabine Drexler.

Der historische Hintergrund
Zwischen 1939 und 1943 wurden von der französischen Regierung aus Angst vor den Kämpfen rund 350.000 elsässische Zivilisten evakuiert, vor allem in den Südwesten von Frankreich. Aufgrund von drohenden Zwangsrekrutierungen von Elsässern in die Wehrmacht flohen viele Menschen der Region 1942 erneut, sodass deren Häuser und Höfe leer standen. „Bauern aus dem Dreisamtal, die keinen eigenen Hof bewirtschafteten, standen ebenfalls vor einer Zwangsrekrutierung“, sagte Claudius Heitz. Viele von ihnen machten sich daher auf den Weg ins Elsass, um dort „ihre“ Höfe zu bewirtschaften, was sie vom Militärdienst befreite, da sie Lebensmittel für die Wehrmacht lieferten. Doch bereits 1943 mussten die „Siedler“ vor den anrückenden Alliierten fliehen und kehrten nach Deutschland unter schwierigen Bedingungen zurück.
… Alles vom 3.7.2024 von Thomas Biniossek bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/stegener-schuelerprojekt-bringt-zeitzeugen-des-zweiten-weltkriegs-nach-80-jahren-zusammen

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Geschichts-AG von Lehrer Dr. Claudius Heitz am Kolleg St.Sebastian in Stegen
Dr. Claudius Heitz, Lehrer am Kolleg St.Sebastian in Stegen, hat nach der „Ortschronik Buchenbach“ mit der Geschichts-AG mehrere kleine Buchbände zu seinen Schülerprojekten veröffentlicht, wie: „Vom Feind zum Freund: Die Zeit der französischen Besatzung“ und „Die jüdische Geschichte des Markenhofs“
https://www.buchhandel.de/buch/Zwangsarbeit-im-Dreisamtal-waehrend-des-Zweiten-Weltkrieges-9783931992507
https://www.buchhandel.de/buch/Vom-Feind-zum-Freund-9783931992514

Claudius Heitz gelingt es, die Jugend als unsere Zukunftsgeneration für die Geschichte zu interessieren und sie zum Forschen und Schreiben zu bringen. Mit Geschichte ist in erster Linie Heimatgeschichte gemeint, also Geschichte aus dem örtlichen Erfahrungsbereich der Schüler.
Jedes Jahr ein neues Projektbuch – großartig! Seine Schüler gehören zu den Dreisamtalautoren., die sich z.B. im Ebneter Schloss trafen.
Landespreis für Heimatforschung 2022: Schülerpreis:
https://www.youtube.com/watch?v=SZyHThMJ5AM

17.12.2023