Faule Deutsche – auch dumm?

Über 40 Prozent der abhängig Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. Und lassen sich im Schnitt über 20 Tage im Jahr krank schreiben – so oft wie nie zuvor. Und verrichten gleichgültig und ’nach Vorschrift‘ ihren Job. Warum? Friedrich Merz meint, es läge an der Faulheit der Deutschen. Er gibt den Moralapostel, moniert Sündhaftes wie Work-Life-Balance und 4-Tage-Woche und stellt simple Fragen, etwa: „Warum leisten wir heute eigentlich mit 45 Millionen Erwerbstätigen nicht mehr Arbeitsstunden als vor 30 Jahren? Da hatten wir sieben Millionen Erwerbstätige weniger.“
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Nein, Herr Bundeskanzler: „Es liegt nicht am mangelnden Fleiß. Sondern am Mangel an Zuversicht. … Heute ist der Fleißige der Dumme“ – so Wolfgang Herles treffend (1). Zuversicht, Optimismus, Engagement, Aufmunterung, Fleiß, Leistungsbereitschaft, Hoffnung, usw. werden blockiert von einer Wirtschaftspolitik, die seit über 10 Jahren auf der einen Seite das Wachstum der beim Staat Beschäftigten (den Anywheres) als Fortschritt anpreist, während sie auf der anderen Seite den Niedergang der Privatwirtschaft, deren Beschäftigte in Handwerk und Industrie (die Somewheres) ja für Wertschöpfung bzw. Sozialprodukt sorgen bzw. „den Laden am Laufen halten“, ohnmächtig hinnimmt. Denn am volkswirtschaftlichen Niedergang mit Deindustrialisierung, Facharbeiterauswanderung statt -einwanderung, Verlust der Wettbewerbsfähigkeit, Energiemangel, Investitionsstau usw. sind ja immer irgendwelche anderen schuld: Vor allem der äußere Feind mit Putin und Trump an der Spitze. Aber gerne auch der Klimawandel, ein Virus, die abweichende Meinung oder eben das eigene faule und dumme Volk.
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Nein. Das dumme Volk ist gar nicht dumm, sondern einfach nur sensibel. Und es geht nicht auf die Straße zu Protest und Revolution, sondern einfach nur in sich. Zweimal „einfach“ – so einfach ist das. Das Volk – darf man dieses Wort überhaupt noch sagen? – hat längst bemerkt, daß wir es mit dem seit sechs Jahren anhaltendem volkswirtschaftlichem Bergab nicht mit einer normalen Krise zu tun haben, die durch ein Konjunkturprogramm wieder überwunden werden kann, sondern mit einem Niedergang ohne absehbarem Ende. Boris Reitschuster formuliert es so:
„Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die das Produzieren nicht mehr versteht, aber das Regulieren perfektioniert hat.
Mit Medien, die sich selbst für Hüter der Wahrheit halten – und gerade deshalb unfähig sind, sie zu erkennen.
Mit Bürgern, die ausgebrannt sind von der permanenten Volkserziehung“
(2).

Die 45 Millionen teuren Erziehungsprogramme von „Demokratie leben!“ kommen nicht mehr beim Bürger an, sondern allenfalls nur noch bei den mit ihrer Durchführung beschäftigten NGOs. Das seit 9/2015 anhaltende Nudging ist längst wirkungslos geworden.

Aus einer Krise muß man sich herausarbeiten und die da oben, die links-woken Eliten , müssen mitmachen. Tun sie aber nicht! Ihre Arbeit beschränkt sich auf die Sicherung der eigenen Macht und Privilegien.
Deshalb bleibt für viele Bürger nur eine andere Arbeit, nämlich die, sich aus der Realität herauszuarbeiten – in die innere Resignation.
31.1.2026
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Ende von Beitrag „Faule Deutsche – auch dumm?“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Heute ist der Fleißige der Dumme, aber die Dummen werden weniger
Vor allem viele Junge, die keine Aussicht auf Eigenheim und sichere Rente mehr haben, sind nicht dumm genug, das zu ignorieren. Nur die Regierung kapiert nicht. Sie selbst entzieht der Strebsamkeit den Boden, nimmt der Arbeit den Sinn.
Den Deutschen mangelt es an Fleiß. „Lifestyle-Teilzeit“ steht hoch im Kurs und Krankmeldungen brechen Rekorde. So kann das nichts werden mit dem Aufschwung, meinen ausgerechnet die, die dem Niedergang der Wirtschaft bisher nicht viel mehr als warme Worte und hohle Versprechen entgegensetzen.
I.
Seit 2001 besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit. Mehr als 40 Prozent aller abhängig Beschäftigen machen davon Gebrauch. Der Wirtschaftsflügel der CDU würde den Anspruch gern streichen. Das ist im Prinzip richtig: Denn Arbeitszeit geht den Staat nichts an, sie ist ausschließlich Verhandlungssache zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Unter berechtigtem Schutz stehen allein Berufstätige, die Kinder hüten oder Angehörige pflegen müssen. Daran will auch die CDU nichts ändern. Trotzdem hat der richtige Vorschlag einen ausgesprochen faden Beigeschmack. Der Kanzler wiederum sitzt in Davos vor einem Publikum, das im Durchschnitt vier Millionen Euro im Jahr verdient und beklagt sich darüber, dass jeder Angestellte oder Beamte im Schnitt 20 Tage krank ist im Jahr. Es sind so viele Krankschreibungen wie nie. Das könnte Gründe haben: Die Deutschen leben nicht so gesund wie früher, der Leistungsdruck, die unmenschlichen Arbeitsbedingungen fressen sie auf. Jeder weiß, dass das nicht stimmt. Im Gegenteil. Home-Office nimmt zu, körperliche Arbeit nimmt ab. Trotzdem gibt der Kanzler als Moralapostel ein schlechtes Bild ab.

II.
Machen die Leute schneller mal blau? Ja. Spiegelt ihre Liebe zur Teilzeit auch ihre Lust an Work-Life-Balance? Ja. Aber die wahren Gründe dafür scheinen die Regierenden vollkommen zu verdrängen. Es liegt nicht am mangelnden Fleiß. Sondern am Mangel an Zuversicht. Diese Gesellschaft ist keine Aufstiegsgesellschaft mehr. Das unterscheidet sie von der Nachkriegszeit, in der in die Hände gespuckt und das Brutto-Sozialprodukt gesteigert wurde. Wo jeder fest darauf vertrauen konnte, dass es aufwärts und den Kindern besser gehen wird. Als sich Leistung noch lohnte. Heute ist der Fleißige der Dumme. Vor allem viele Junge, die keine Aussicht auf Eigenheim und sichere Rente mehr haben, sind nicht dumm genug, das zu ignorieren. Nur die Regierung kapiert nicht. Sie selbst entzieht der Strebsamkeit den Boden, nimmt der Arbeit den Sinn.

III.
Etwas kommt hinzu. Leistungsbereitschaft wurde in den vergangenen Jahrzehnten geringer geschätzt. Aktuell wird diskutiert, wozu Kinder noch alle Grundrechenarten beherrschen sollen, und im Deutschunterricht mit etwas anderem behelligt werden als mit leichter Sprache. KI nimmt bald alles ab, sogar das Denken. Wozu noch historisches Faktenwissen? Es reichen doch drei Silben: nie wieder. Mehr muss der deutsche Mensch nicht wissen. Karten lesen? Wir folgen einfach dem Navi. Und bitte möglichst kein Wettbewerb im Sport. Die Sieger demütigen nur die Verlierer. Die Ungerechtigkeit der Natur muss endlich ausgemerzt werden. Und bitte! Geistig längst zu Tode unterhalten, ist jede Form von Anstrengung von gestern. Alles, was wir brauchen, ist Gefühl. Fühlen hat das Wissen abgelöst und auch das Denken. Mitgefühl für alles und jeden, vor allem aber für unsere eigene Befindlichkeit. Und die sagt ganz klar: Arbeit fühlt sich nicht gut an.
IV.
Vorbei die Zeiten, in denen fast jeder normale Mensch den Sinn seines Lebens auch in der Arbeit fand, im Berufsstolz, solchen altmodischen Sachen. Abgesehen von Selbständigen, Freiberuflern, die sich Kranksein einfach nicht leisten können. „Freiheit“ macht fleißig. Der Staat aber macht faul. Genug für heute. Nirgends steht, dass meine Artikel länger sein müssten, nur weil sie es sonst immer waren. Muss jetzt raus. Schönes Wochenende allerseits!
… Alles vom 31.1.2026 von Wolfgang Herles bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/herles-faellt-auf/arbeitszeit/
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(2) Wir haben keine Krise – sondern einen schleichenden Kollaps
Warum Deutschland nicht mehr aufsteht, sondern liegen bleibt

Warum glaube ich, dass wir es nicht nur mit einer von vielen Krisen zu tun haben, sondern mit einem beispiellosen Abstieg?
Weil diesmal etwas anders ist. Grundlegend anders. Frühere Krisen kamen von außen: ein plötzlicher Ölpreisschock, eine geplatzte Spekulationsblase, ein Finanzsystem, das auf Sand gebaut war. Was wir heute erleben, ist hausgemacht. Kein Tsunami, der uns traf – sondern ein schleichendes Ersaufen im eigenen Sumpf. Politikversagen, über Jahre akkumuliert. Selbstsabotage im Namen der Moral. Und eine Gesellschaft, die sich eingerichtet hat im kollektiven Realitätsverlust. Diese Krise ist nicht einfach eine weitere Station im Auf und Ab der Geschichte. Sie ist eine tektonische Verschiebung – weil sie nicht aus einem Fehler besteht, sondern aus einem System aus Fehlern. Weil sie nicht zu einer Kurskorrektur führt, sondern zu einer Normalisierung des Irrsinns.
Wir haben es mit einer Regierung zu tun, die das Produzieren nicht mehr versteht, aber das Regulieren perfektioniert hat. Mit Medien, die sich selbst für Hüter der Wahrheit halten – und gerade deshalb unfähig sind, sie zu erkennen. Mit Bürgern, die ausgebrannt sind von der permanenten Volkserziehung – und sich trotzdem jeden Tag neu anpassen, um bloß nicht aufzufallen.
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Und genau deshalb irrt Klaus Kelle. Weil er davon ausgeht, dass dieses Land sich noch einmal aufrappelt. Dass irgendwo im Inneren noch die Kraft sitzt, sich gegen den Irrweg zu stemmen. Ich fürchte, die Kraft ist nicht mehr da. Sie wurde in Talkshows verprasst, in Klima-Ablasshandel verkauft und mit den letzten Dieselprämien abgespeist.
Wer jetzt noch von einer „normalen Krise“ spricht, verkennt das Neue an diesem Niedergang: Er ist nicht mehr aufhaltbar durch ein Konjunkturprogramm oder ein paar Leuchtturm-Investitionen. Er ist psychologisch verankert. Er ist gewollt, herbeigeführt – und wird von einer Elite verwaltet, die sich auf dem Trümmerfeld ihrer eigenen Ideologie eingerichtet hat.
Was uns hier lähmt, ist nicht ein Mangel an Potenzial. Es ist die gezielte Umverteilung von Verantwortung auf Behörden, Gremien, Kommissionen, „Expertengruppen“. Niemand entscheidet mehr. Jeder moderiert. Deutschland gleicht inzwischen einem Konzern, dessen Vorstand bei Twitter sitzt und dessen Produktionshallen stillgelegt sind – weil irgendein ESG-Ausschuss gerade beschlossen hat, dass Maschinen „toxisch männlich“ wirken.
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Die Schulen? In Teilen unbeschulbar. Die Verwaltung? In Teilen unauffindbar und sich wegduckend, in anderen übermächtig und schikanös. Der Mittelstand? In Teilen unversicherbar. Die Polizei? In Teilen machtlos und nur noch auf politische Korrektheit getrimmt, in anderen, wie bei Corona-Protesten, brutal. Und die Medien? In großen Teilen unlesbar, weil völlig auf Ideologie- und Umerziehungs-Kurs.
Und immer noch höre ich die Beschwichtigungen: „Ja, wir haben Probleme, aber das packen wir schon.“ Nein. Wir haben nicht einfach „Probleme“. Wir haben eine Selbstauflösung.
Eine Regierung, die Industrien abschaltet, bevor Alternativen da sind. Ein Bildungssystem, das mehr auf „Wohlfühlen“ setzt als auf Leistung. Eine Energiepolitik, die auf Sonne und Wind in einem Land ohne Sonne und Wind hofft. Ein Staatsapparat, der Meinungen bekämpft statt Missstände. Und eine Öffentlichkeit, die sich daran gewöhnt hat, dass der Irrsinn die Norm ist.

Und zum Schluss frage ich mich, warum Klaus Kelle doch noch so optimistisch ist und ich es nicht bin. Warum er hoffen kann und ich nicht. Ich denke, es hat biografische Gründe. Klaus hat nie einen Zusammenbruch eines Staates, einer Wirtschaft und einer Gesellschaft selbst erlebt. Und wer das nie erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen. Wer es dagegen erlebt hat – wie meine Großmutter zweimal in Deutschland und ich in jungen Jahren als Gaststudent in Russland von 1990 bis 1994 – der wird es nie vergessen. Der eine glaubt, es kann nie kommen; der andere ist sich sicher: Es wird wiederkommen. Hoffentlich bin ich der, der irrt.
… Alles vom 30.1.2026 bitte lesen auf
https://reitschuster.de/post/wir-haben-keine-krise-sondern-einen-schleichenden-kollaps/

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