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- Karl Schwarz, Freiburger OB-Kandidat der AfD, ist Gegenwind gewohnt (17.4.2026)
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Karl Schwarz, Freiburger OB-Kandidat der AfD, ist Gegenwind gewohnt
Keine zwei Wochen vor der OB-Wahl startet Karl Schwarz in seinen „Turbo-Wahlkampf“. Und der verläuft auch turbulent. Der 32-jährige Schwarz, inzwischen das Gesicht der Freiburger Alternative für Deutschland (AfD), hat seinen Stand am Dienstagnachmittag im Einkaufszentrum Weingarten aufgebaut. Auf dem Tisch liegen Flyer, Gummibärchen und Flaschenöffner mit dem Logo der Rechtsaußenpartei. Unterstützung bekommt Schwarz von Parteifreund und Breisacher Gemeinderat Volker Kempf. Auch ein Fotograf ist dabei. „Es ist schwierig, die Mitglieder zu mobilisieren“, sagt Schwarz. An den Wahlständen bekämen sie viel Gegenwind. An diesem Dienstag läuft alles geordnet – jedenfalls zu Beginn. Schwarz verteilt freundlich lächelnd Flyer. Einige nehmen an, andere lehnen ab, manche schimpfen. Einer will sogar ein Selfie mit ihm.
Dann ändert sich die Szenerie. Ein Mann dreht einige Meter vom Stand eine wuchtige Bluetooth-Box laut auf. „Scheiß AfD“ trällert lautstark daraus. Es ist Habibo Ismail, auch bekannt als „Bürgermeister von Weingarten“. Ein anderer Mann verteilt Flyer der Gruppe „Wir sind Weingarten“, die sich gegen rechte Strömungen einsetzt. Junge Mitglieder des sozialistisch geprägten Solidaritätsnetzwerks Freiburg basteln ein Protestbanner.
Schwarz lächelt und macht weiter. Gegenwind kann er. Erst am Tag zuvor bei der Podiumsdiskussion von SWR, Landeszentrale für politische Bildung und BZ ist er vom Publikum heftig ausgebuht worden, als er seine Idee von einem Amt für Remigration in Freiburg ansprach. Als OB würde er sich beim Land dafür einsetzen, dass in Freiburg das erste Ankerzentrum aufgebaut würde, um Abschiebungen zu beschleunigen. Das Publikum wählte ihn für die zweite Podiumsrunde direkt raus. Schwarz blieb dennoch, verfolgte die Debatte als Zuschauer fast bis zum Ende. Auch am Mittwochabend bei der offiziellen städtischen Vorstellung der OB-Kandidierenden im Konzerthaus erntete er Buhrufe auf den Vorschlag, auf staatlichen Gebäuden die Deutschlandflagge zu hissen, Sozialwohnungen nur noch an deutsche Staatsbürger zu vergeben oder Stellen bei Klimamanagement oder Gender-Beauftragten in der Stadtverwaltung zu streichen.
Dass aber etwa Abschiebungen Landessache sind, also nicht im Freiburger Rathaus entschieden werden, weiß Schwarz. Auch dass es eher unwahrscheinlich ist, dass er als Mitglied einer in Teilen vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei Oberbürgermeister der Grünen-Hochburg Freiburg wird. Er rechnet mit einem Ergebnis von fünf bis zehn Prozent. Bei der Landtagswahl im März, bei der er bereits in einem der beiden Freiburger Wahlkreise kandidierte, erhielt die AfD im ganzen Stadtgebiet 7,3 Prozent der Erststimmen. „Uns geht es bei solchen Wahlen auch darum, Präsenz und Kontinuität zu zeigen“, so Schwarz.
Den Stand im EKZ Weingarten hat er nicht zufällig vor dem Mix Markt, wo es vor allem russische und osteuropäische Lebensmittel gibt, aufgebaut. „Russlanddeutsche Bürger sind eine unserer Zielgruppen“, so Schwarz. Laut Studien wählen diese Menschen überdurchschnittlich oft AfD. Schwarz selbst hat einen solchen Hintergrund. Seine Großeltern waren Wolgadeutsche, die Eltern kamen aus der ehemaligen Sowjetunion, dem heutigen Kirgistan, in den 90ern nach Deutschland. Zuerst nach Saarlouis, wo Schwarz geboren wurde. Dann nach Freiburg, wo bereits ebenfalls immigrierte Verwandte wohnten.
Im Wahlkampf konzentriert sich die AfD auf westliche Stadtteile wie Weingarten und Landwasser. Dort war die Rechtsaußenpartei bei der Bundestagswahl 2025 sogar stärkste Kraft. Deshalb hängen die ersten AfD-Wahlplakate am EKZ Weingarten. Etwa 200 Stück habe der Kreisverband Freiburg drucken lassen. „Sie werden oft aber gleich abgerissen“, sagt Schwarz.
„Karl Schwarz – ein Meister für Freiburg“ steht auf den Plakaten. Der 32-Jährige ist Installateur- und Heizungsbauermeister, hat seinen Titel über den Bundesförderungsdienst der Bundeswehr gemacht. Den praktischen Teil musste er wiederholen. Nach dem Abschluss 2022 und bis Ende 2025 arbeitet er aber nicht hauptberuflich als Meister, sondern als selbstständiger Handelsvertreter für Weinproduzenten. Den Schritt in den Weinhandel sei er auch gegangen, weil er bei Freiburger Handwerksfirmen keine Stelle fand. Erst in Malterdingen wurde er fündig. Weil ihm das Pendeln zu lange war und er immer wieder im Gemeinderat fehlte, beschloss er, in den Weinhandel zu gehen. Seit Anfang des Jahres lebt er von Ersparnissen, arbeitet gelegentlich selbstständig im Handwerk, konzentriert sich auf sein Stadtratsmandat und die Wahlkämpfe. Ab Mai, erzählt er, werde er Geschäftsführer einer Heizungsbaufirma, die er gerade mit einem Freund gründet.
Ein anderer Tag, im Rieselfeld. Hier fühlt sich Schwarz zuhause. Obwohl Passanten oft mit angehobenen Augenbrauen vorbeiziehen. In einer Reihenhaussiedlung im westlichen Teil ist der 32-Jährige aufgewachsen. Sein Vater, ein Ingenieur, habe das Haus gebaut, so Schwarz. Dort wuchs er mit drei Geschwistern auf. Er als Jüngster lebt weiter dort, zur Miete im eigenen Stock, sagt er. Beim Gang durchs Quartier zeigt er für ihn wichtige Orte: die Clara-Grunwald-Schule, seine frühere Grundschule. Oder die Mundenhofer Straße, weil sie nahe dem geplanten Stadtteil Dietenbach liegt, den er ablehnt. Einige, die hier wohnen, kannten ihn als Kind. Manche hätten ihm Briefe geschrieben, um zu verstehen, wie aus dem „kleinen Karl“ das Gesicht der Freiburger AfD werden konnte.
Ein Schlüsselmoment war Schwarz‘ Erfahrung in der Bundeswehrmarine. Auf dem Einsatzgruppenversorger „Berlin“ war er als Schiffstechniker 2015 und 2016 im Mittelmeer. Das Schiff war damals zur Seenotrettung und zur Bekämpfung von Menschenschmuggel abgesandt worden. Dort, so Schwarz, habe er miterlebt, wie zunächst mutmaßliche Schlepper im Schnellboot am Schiff vorbeizogen und bald darauf Menschen in überfüllten Booten sich näherten. Auch diese Erfahrung habe Schwarz, evangelisch und konservativ geprägt, bewogen, 2017 in die AfD einzutreten. Nun hält er Björn Höcke für „einen der besten Politiker der AfD in Deutschland“.
Lange war Schwarz unsicher, ob er überhaupt als OB-Kandidat kandidieren könnte. Denn dafür musste man bis Ende März 250 Unterschriften von wahlberechtigten Freiburgerinnen und Freiburgern abgeben. Er sammelte dreieinhalb Wochen, warb auf den sozialen Medien um Unterstützung. Am Ende schaffte er es – jedoch als Letzter, daher steht er auf dem Wahlzettel ganz unten. Dafür musste er Spott einkassieren: Der Studierende Wim Kölker hatte, „um der AfD eins auszuwischen“, so sagt er, an nur einem Tag genügend Unterschriften gesammelt und gab diese vor Schwarz ab.
Zurück im EKZ Weingarten. Passanten, biertrinkende Männer und ältere Damen beobachten die Szenerie. Nachdem die Musikbox eine Weile lautstark den Platz beschallt hat, fährt die Polizei vor, die Musik verstummt. Es kommt zum Hin und Her: Die Beamten klären ab, ob Schwarz hier überhaupt Wahlkampf machen darf. Das Solidaritätsnetzwerk lässt sein Banner mit „AfD raus aus Weingarten“ vor dem Stand flattern. Schwarz lässt sich wiederum davor für Social Media filmen. Zwei Gegendemonstranten wollen haufenweise Dosenöffner und Sticker einpacken, Kempf protestiert. Die Polizei geht dazwischen. Genug für Schwarz. Sie packen zusammen und räumen das Feld.
… Alles vom 17.4.2026 von Anika Maldecker bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/karl-schwarz-freiburger-ob-kandidat-der-afd-ist-gegenwind-gewohnt
