Maerchen

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Eisiger Blick nach Süden am Feldberg 8.1.2013 zur Mittagszeit über Schnee und Nebel bis zu den Alpen

 

Märchen, Märchenerzähler, Sagen, Anekdoten, Geschichten, Vorlesen, …

 

 

 

Märchen Herbstgeflüster von Rogge+Scherzinger
Das Erzählen von Märchen hat eine lange Tradition. In einer Zeit, in der ein Großteil der Menschen weder lesen noch schreiben konnte, wurden sie mündlich weitergetragen, in Spinnstuben und Bauernhütten, am Feuer, über die Meere und durch Wüsten. Märchen, das sind Geschichten, deren Sprache Sehnsucht und Träume weckt. Sie sind voller Magie und bergen Weisheit und Lebenserfahrungen der Völker seit Jahrtausenden. „Herbstgeflüster…“so lautet der Titel der beiden Vorstellungen für Erwachsene, zu dem das Bildungswerk Freiburg-Kappel in das Gemeindeheim St. Peterund Paul, Peterhof 6 einlädt.
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Jutta Scherzinger und Wolfang Rogge laden ein zu Märchen und Musik „Herbstgeflüster“

Die Erzählerin Jutta Scherzinger und der Musiker Wolfgang Rogge nehmen die Gäste dabei mit auf die Reise in längst vergangene Zeiten. Musikalisch umrahmt werden die Märchen durch Geige, Gitarre, Mandoline, Mundharmonika und Gesang. Termine sind am Samstag, 20.
November, 19.30 Uhr und Sonntag, 21. November, um 18 Uhr.
Der Eintritt kostet 9.- Euro. Es gelten die aktuellen 3 G-Regeln.
Anmeldung erforderlich unter Tel.: 0761 / 6 67 16, mobil: 0176 – 61 77 54 33 oder per E-Mail an juttascherzinger@gmx.de

 

Märchen und Pflanzenwissen – Ursula Bertsch
Märchen freuen sich, wenn sie in die Welt hinaus dürfen und ich freue mich, wenn das Pflanzenwissen mit Hilfe von Wilma Walnuss und Großmutter Feuerbohne sich immer weiter verbreiten kann!
Die Märchen haben wieder Zuwachs bekommen: es gibt einen Kalender für 2022, darin sind zwei neue Pflanzenmärchen, eines über den Klatschmohn, eines über die Orange, und dazu noch ein Märchen, in dem ausnahmsweise nicht Pflanzen, sondern Tiere die Hauptrolle spielen.
Die Geschichte vom kleinen Wolf und seiner großen Sehnsucht nach den hohen Bergen erstreckt sich über zwei Monate und ist, wie alle anderen Märchen auch, wieder ganz zauberhaft von Nicole Nedoh illustriert.
Die anderen Kalendermärchen sind aus den beiden Märchenbüchern, und ich habe Geschichten ausgesucht, in denen immer auch in irgend einer Form Tiere „mitspielen“.
Viele Heilpflanzen werden in ihren Namen und auch von ihrer mythologischen Bedeutung her mit Tieren assoziiert, was sicherlich damit zusammenhängt, dass die Menschen in früheren Zeiten noch sehr viel stärker mit den Tieren (wie auch mit den Pflanzen) verbunden waren.
So sind z.B. in unserem Kulturkreis Pflanzen, die einen Bären im Namen tragen, wichtige Heil-und/oder Nahrungspflanzen. Bärlauch, Bärenklau, Bärwurz, Bärentraube …
Der Bär gilt als „Meister der Pflanzenheilkunde“, das ist von nordamerikanischen Ureinwohnern bekannt und war bei uns sehr wahrscheinlich ebenso.
Wolfspflanzen dahingegen sind in der Regel Pflanzen, die, auch wenn es Heilpflanzen unter ihnen gibt, für den Menschen mit großer Vorsicht zu behandeln sind – Wolfsmilchgewächse z.B. tragen einen je nach Sorte stark ätzenden Milchsaft in sich, und der Wolfseisenhut ist die giftigste Pflanze Europas.
Und da gibt es auch noch das Gänseblümchen und die Schafgarbe, den Löwenzahn, die große Familie der Schmetterlingsblütler, Natternkopf, Schlangengurke, Storchenschnabel, Hundspetersilie, Katzengpfötchen – Euch und Ihnen wird sicherlich noch mehr dazu einfallen!
Von daher heißt der Kalender im kommenden Jahr auch „Pflanzen-und Tiermärchen“.

Noch etwas Neues: auf der Homepage gibt es jetzt auch einige der Märchen als Audios, als heilsame Gute-Nacht-Geschichten sozusagen, und ich werde nach und nach auch noch mehr meiner Märchen dort „erzählen“.
Jetzt möchte ich Euch und Ihnen allen noch viele glücklich-goldene Spätsommer- und Herbsttage wünschen und märchenhaft schöne Begegnungen mit Pflanzen, Tieren, Menschen und allem was uns sonst noch umgibt!
Ganz herzliche Grüße,
Ursula Bertsch
https://www.ursula-bertsch.de
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Die Märchenprodukte:
Wilma Walnuss und andere Heilpflanzen Märchen
28 Märchen über Heilpflanzen, von denen die meisten direkt um die Ecke in Wiese, Wald und Garten zu finden sind.
Mit Informationen über die Heilwirkungen und Rezepten.Farbig illustriert von Nicole Nedoh.
Softcover mit Klebebindung, Format 21 x 27,5 cm, 216 Seiten, 29 €

Großmutter Feuerbohne und andere Obst- und Gemüsemärchen
18 Märchen über wilde und weniger wilde Obst- und Gemüsearten, aus dem heimischen Garten oder aus Wald und Wiese.
Mit Informationen und Kochrezepten.Farbig illustriert von Nicole Nedoh.
Softcover mit Klebebindung, Format 21 x 27,5 cm, 212 Seiten, 29 €

Kalender 2022
Heilpflanzenmärchen aus den Märchenbüchern, dazu noch neue Märchen; jeweils als farbige Illustration auf den Kalenderblättern; dazu Märchentext und Informationen/Rezepte auf einem jeweils gesonderten Blatt.DIN A 4 Format, 12,50 Euro

Hörbuch
6 der Heilpflanzenmärchen aus dem Buch Wilma Walnuss, erzählt von Ursula Bertsch, musikalisch begleitet von Nicole Weber.
Erhältlich als CD, 14 €

Die Sprache der Pflanzen
Eine sehr märchenhafte Geschichte von Pflanzen und Menschen, von Zwergen und Elfen, von einem bösen Zauberer und einen kleinen goldenen Herzen.
Broschüre geklammert, Format DIN A5, 36 Seiten, 5 €

 

Märchen mit diskriminierenden Inhalten: Kampf gegen Rechts
Ich weiß nicht, ob die Verzapfer dieses epochalen Dreieinhalbseiters
https://kids.kinderwelten.net/de/Publikationen/
ebenfalls Kohle aus dem Gegen-rechts-Reptilienfonds bekommen, verdient hätten sie es. Denn der besagte Kampf muss, wenn er totaler werden soll, als wir es uns heute überhaupt erst vorstellen können, auch in der bzw. gegen die Vergangenheit geführt werden.
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ES WAR EINMAL!
Anregungen für diskriminierungskritische Perspektiven auf Märchen
In Märchen steckt eine Faszination, die von Generation für Generation in Form von Erzählungen zu den Urthemen der Menschheit weitergetragen wird. Und in ihnen steckt noch mehr: Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Behin­dertenfeindlichkeit. Kein Wunder: sie wurden Anfang des 19. Jahrhunderts gesammelt und aufgeschrieben und
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Hätten Sie’s gewusst? Klar hätten Sie.
„Aschenputtel, Rapunzel, Dornröschen, Rumpelstilzchen, Frau Holle, der Froschkönig“, hebt das von
„KiDs – Kinder vor Diskriminierung schützen! an der Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung©, Institut für den Situationsansatz (ISTA), Internationale Akademie INA Berlin gGmbH, Naunynstr. 64, 10997 Berlin, Tel. 030-80206900, kids@kinderwelten.net, http://www.kids.kinderwelten.de
herausgegebene virtuelle Papier an: „Welche Botschaften vermitteln sie Kindern über sich und die Welt? Welche Werte werden in ihnen betont? Welche Kinder finden sich auf stärkende Weise in ihnen wieder, welche auf abwertende oder stereotype Weise und welche überhaupt nicht?“
Welches Kind findet sich auf abwertende Weise in Märchen wieder? Wahrscheinlich diejenigen, die sich mit dem dummen Hans identifizieren, der die Prinzessin nehmen muss, obwohl er schwul und im falschen Körper geboren ist und sie eine weiße Suprematistin.
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„Die Antworten auf diese Fragen sind nicht eindeutig. Es soll daher nicht darum gehen, Märchen zu ‚verbieten‘.“
Sie bemerken, geneigte Leserin, bei der Autorin dieses Textes – es kann nur eine Frau sein – handelt es sich wahrscheinlich um eine Staatsrechtlerin, Einser-Juristin und Verfassungsrichterin in statu nascendi.
„Wir möchten dazu anregen, den eigenen kritischen Blick zu schärfen und sich bewusst dafür entscheiden, ob und welche Märchen weitergegeben werden. Welche Inhalte sollen ins Töpfchen und welche verschwinden im Kröpfchen?“
Uff. Nicht verbieten, nur ins Kröpfchen. Aber warum? Darum:
„Frauen kommen als aktive Akteurinnen in Form von bösen Hexen, bösen Feen oder bösen Stiefmüttern vor. Die Alternative besteht darin, sich als Prinzessin vor allem durch Schönheit auszuzeichnen und passiv errettet zu werden. Männer müssen stark und/oder mutig sein. Manche haben eine Behinderung, werden als ‚dumm‘, klein, bucklig oder halb Mensch/halb Tier beschrieben und können im Laufe der Geschichte entweder erlöst oder für immer verflucht werden. Die Ehe gilt als oberstes Ziel, die Monarchie als beste Staatsform und allgegenwärtige Gewalt an Kindern als normal. Alles Dunkle wird automatisch mit ‚dem Bösen‘ in Verbindung gebracht und ‚Haut weiß wie Schnee‘ und ‚goldenes Haar‘ zu haben ist als rassistisches Schönheitsideal erstrebenswert. Homosexualität, People of Colour, muslimischer Glaube, Trans*personen und vieles Weitere kommen gar nicht erst vor.“
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Auch Elefant, Nilpferd, Pinguin und Gnu suchen sich in Grimms Märchen vergeblich, während es in afrikanischen Märchen von Weißen, Buddhisten, Schäferhündinnen und emanzipierten Frauen weidlich wimmelt. Immerhin: Die Pechmarie darf bleiben, Rosenrot auch. Schneeweißchen und Rapunzel müssen sich die Haare färben, auch wenn sie nicht in Malmö oder Molenbeek leben. Aber dass der muslimische Glaube in Grimms Märchen nicht vorkommt, obwohl der Islam seit 2000 Jahren zu Europa gehört, das kann nicht hingenommen werden. „Sultan Drosselbart“ wäre ein Anfang. „Imam Allwissend“ und „Die beiden Emirskinder“ könnten folgen.
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„Vieles Weitere kommt gar nicht vor“: Wahrscheinlich ist die Autorin doch keine Juristin, sondern Literaturkritikerin. „Es stimmt, dass sich die damaligen gesellschaftlichen Machtverhältnisse und die Position der Gebrüder Grimm in jener Gesellschaft in den Märchen widerspiegeln. Zum Glück hat sich in Fragen sozialer Gerechtigkeit seit Anfang des 19. Jahrhunderts doch einiges verändert! Warum sollen junge Kinder veraltete diskriminierende Darstellungen erst kennenlernen, um sie dann wieder verlernen zu müssen? In den ersten Lebensjahren ist es wichtig, dass Kinder ihr Selbstbild mit möglichst wenig abwertenden Botschaften entwickeln können.“
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Gerade, wenn sie immer noch weiß und blond sind und das wieder verlernen müssen.
„Deutschland ist eine von Diskriminierung geprägte Gesellschaft. Und jede (!) hier aufwachsende Person hat bestimmte diskriminierende Bilder verinnerlicht. Daran sind natürlich nicht allein die Märchen schuld. Sie sind in ihrer jetzigen Form ’nur‘ Teil der Selbstverständlichkeit, mit der Dominanzverhältnisse sich fortsetzen und Generation für Generation weiter gelernt werden und somit allen schaden. Wenn ein Inhalt als schädigend erkannt ist, sollten Kinder davor geschützt werden.“
Aber nur ins Kröpfchen! Nichts verbieten! Ihr Bevölkerungsschutzkommissar für das Erkennen schädigender Inhalte.
„Es ist möglich, lediglich einzelne Textstellen auszulassen oder abzuändern. Abwertende Beschreibungen von Körperformen können weggelassen werden, die Hell/Dunkel-Symbolik umgekehrt oder behindertenfeindliche Darstellungen als individuelle Charaktermerkmale umformuliert werden.“
Als Beispiel, wie „Schönheitsnormen abgemildert“ werden können, schreibt die Kinderschützerin, die übrigens Berit Wolter heißt und am Hexenhäuschen der harten Wissenschaft geknuspert hat:
„Das Mädchen freilich gefiel dem Froschkönig überhaupt nicht, denn sie war nicht besonders schön. Sie hatte zu kurze Beine, war auch etwas zu dick und ihre Haare waren wie Stroh. […] Ich lese lieber vor: ‚Das Mädchen gefiel dem Froschkönig nicht, denn sie war irgendwie nicht sein Typ.'“
Weil: strohhaarig, kurzbeinig und dick. In den Worten eines Klassikers Suprematisten:
„Gern lief er fort, der arme Schnick,
doch er ist viel zu dumm und dick.“
Er, nicht sie! Das führt uns stracks in die Vielfalt. Unsere Traditions-Umdesignerin plädiert dafür, beim Vorlesen – früh krümmt sich, was ein Buntes werden soll – die Geschlechter zu vertauschen: „Bei ‚Rotkäppchen‘ […] lassen sich zunächst die Eigenschaften der Hauptakteur_innen des Märchens z.B. die strenge Mutter, das verträumte Rotkäppchen, der starke Jäger und die schwache Großmutter, verändern. So kann etwa die Mutter zum Vater, das Rotkäppchen zur Rotmütze, der Jäger zur Jägerin und die Großmutter zum Großvater werden. Spannend zu beobachten ist, welche Wirkungen das Märchen nun entfaltet und wie sich die Handlungsspielräume der Figuren durch den Geschlechterrollentausch erweitern.“
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Sie hat die Wölfin vergessen, die nun den Großvater herunterwürgen muss. Dann fragt Rotmütze: „Großvater, warum hast du rasierte Beine?“ Die Jägerin ist zu blöd zum Schießen, die Wölfin frisst auch sie, und der Vater kann endlich seinen behinderten Freund heiraten.
„Und es ist möglich, sich nach Alternativen umzuschauen. Es gibt sie! In den folgenden Büchern kommen starke Mädchen- und Frauenfiguren vor, schwarze Protagonist*innen und Protagonist*innen of Co-lor und nicht jede Lovestory ist hetero. Weiterhin zu wenig vertreten: Protagonist*innen mit Behinderung.“
Auch dafür hat unsere Die-Bunten-ins-Töpfchen-Sortierer*in originelle Exempel recherchiert: „Was wäre, wenn Prinzessinnen nicht auf ihren Prinzen warten, sondern ihr Glück selbst in die Hand nehmen? […] Rapunzel wird eine weltberühmte Architektin für magische Gebäude, Rotkäppchen findet ihr Glück als Tierschutzaktivistin und Dornröschen macht sich einen Namen als Spezialistin für Schlafstörungen.“
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Oder: „Keine Angst vorm bösen Drachen: Sieben Prinzessinnen bringen frischen Wind ins Märchenland! Was passiert, wenn die Prinzessin den Drachen raubt und nicht umgekehrt? Wenn sie den Prinzen befreit und die Drachenkinder babysittet?“
Zuletzt empfiehlt unsere Bratenriecher*in eine „Projektseite“ namens „Die Schwestern Grimm“ – frei sind noch „Die Geschwister Grimm“ und „Die warmen Brüder Grimm“ –, „die das Ziel hat, für die Leserin oder den Leser selbst erforschbar zu machen, welche Wirkung die für viele Generationen prägenden Märchen der Gebrüder Grimm haben, wenn man die Geschlechter der handelnden Charaktere variiert. Texte der Gebrüder Grimm werden überarbeitet hinsichtlich der Geschlechter und Namen der handelnden und genannten Charaktere; oft werden so genannte ‚Genderswaps‘ durchgeführt.“
Wer hätte gedacht, dass Grimms Märchen einmal zur Konterbande gehören würde? Wobei strenggenommen demnächst jedes Buch, das 50 oder mehr Jahre alt ist, dazu zählen wird.
… Alles vom 16.12.2020 bitte lesen auf
https://michael-klonovsky.de/acta-diurna
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Anregungen für diskriminierungskritische Perspektiven auf Märchen
KiDs aktuell 02/2020
In Märchen steckt eine Faszination, die von Generation zu Generation in Form von Erzählungen weitergetragen wird – leider auch mit diskriminierenden Inhalten. Daher stellen wir für die Praxis in Kita und Grundschule folgende Fragen ins Zentrum: Welche Botschaften vermitteln sie Kindern über sich und die Welt? Welche Werte werden in ihnen betont? Welche Kinder finden sich auf stärkende Weise in ihnen wieder, welche auf abwertende oder stereotype Weise und welche überhaupt nicht? Dieses „KiDs aktuell“ fasst kritische Perspektiven auf Märchen zusammen, begegnet Gegenargumenten und setzt den Fokus darauf, wie es anders gehen kann. Viel Spaß beim Lesen!

KiDs aktuell 02/2020 Es war einmal!
ES WAR EINMAL!
Anregungen für diskriminierungskritische Perspektiven auf Märchen
In Märchen1 steckt eine Faszination, die von Generation für Generation in Form von Erzählungen zu den Urthemen der Menschheit weitergetragen wird. Und in ihnen steckt noch mehr: Antisemitismus, Rassismus, Sexismus, Behin­dertenfeindlichkeit. Kein Wunder: sie wurden Anfang des 19. Jahrhunderts gesammelt und aufgeschrieben und ent­halten somit die damalige Perspektive auf marginalisierte Personengruppen. Auch dies wird mit jedem „Es war ein­mal“ weitergegeben. Dieses „KiDs aktuell“ fasst kritische Perspektiven zusammen, begegnet Gegenargumenten und setzt den Fokus darauf, wie es anders gehen kann.
Aschenputtel, Rapunzel, Dornröschen, Rumpelstilzchen, Frau Holle, der Froschkönig – all das sind Geschichten mit langer Geschichte. Analysieren ließen sich etwa ihr historischer Kontext, psychoanalytische Deutungen, li­teraturwissenschaftliche Einordnungen. Dazu ist bereits viel geschrieben und gedacht worden. Im Rahmen dieses Texts möchten wir für die Praxis in Kita und Grundschule folgende Fragen ins Zentrum zu stellen: Welche Botschaf­ten vermitteln sie Kindern über sich und die Welt? Welche Werte werden in ihnen betont? Welche Kinder finden sich auf stärkende Weise in ihnen wieder, welche auf abwerten­de oder stereotype Weise und welche überhaupt nicht?
https://kids.kinderwelten.net/de/Publikationen/

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Hans im Glück – im finanzkapitalistischen System heute?
Ja, bist du denn wahnsinnig, würde jeder Banker diesem jungen Mann zurufen: Einen ordentlichen Batzen Gold nicht nicht in den Finanzkreislauf einzubringen – bei den Goldpreisen –, in ein schönes Leben im Wohlstand zu investieren und das Geld zu vermehren mit Hilfe der Bank. Mit anderen Worten das zu tun, was jeder vernünftige Mensch nach den ehernen Gesetzen des Kapitalismus mit seinem Vermögen unternimmt: es zu steigern. Doch dieser einfältige Hans macht keinen Mehr-, sondern einen gewaltigen Minderwert. Immer mehr schmilzt dahin, was er besitzt, durch ökonomisch vollkommen sinnlose Tauschgeschäfte: vom Pferd zur Kuh, von der Kuh zum Schwein, vom Schwein zur Gans, von der Gans zum Schleifstein. Doch als der schwere Brocken, den er sich zuletzt erhandelt hat, in den Brunnen fällt, ist dieser Hans ein glücklicher Mann: endlich befreit vom Ballast und von der Sorge um das Eigentum. Hans ist jemand, der – spirituell oder esoterisch gesprochen – loslassen kann. Auf jeden Fall einer, der sich der Akkumulationslogik des wirtschaftlichen Systems entzieht. Das macht ihn frei. Bewundernswert.
20.12.2012, Bettina Schulte,
Mehr zur Serie „Mein liebstes Märchen“
https://www.badische-zeitung.de/literatur-1/200-jahre-grimm-xuiwkddqx–67260429.html

Hans im Glück – wir müssen uns selbst unsere Gedanken machen
Wunderbar, mal eine Ausgabe mit Märchen zu gestalten, danke! Allerdings waren die Redakteur-Schreiber doch sehr erwachsen, sodass von dem Zauber, den Märchen auf Kinder ausüben, nicht so viel rüberkam. Über das Märchen „Hans im Glück“ rätsele ich schon lange. Vielleicht gefällt Lesern dieses Märchen deshalb so, weil Hans so fröhlich und lustig erscheint. Leider hat auch dieses Märchen seine zwei Seiten. Die Freude daran, dass Hans sich auf einfache Weise aller Belastungen entledigt, stellt wohl die fröhlich-kindliche Seite dar. Die erwachsene dagegen lässt fragen, was er eigentlich gelernt hat in seiner siebenjährigen Ausbildung. Ausdauer und Geduld wohl nicht, auch nicht den Sinn für die Notwendigkeit, sich selbst darum kümmern zu können, was er zum Leben braucht. Ist er erwachsen? Wie sieht das mit seiner Mutter aus, deretwegen er ja seinen Meister verlassen will? Natürlich wird sie sich zunächst freuen, dass der Hans wieder da ist. Aber nach ein paar Wochen spürt sie bestimmt die Enttäuschung, dass er ihr so gar nichts mitgebracht hat. Wovon sollen sie jetzt zu zweit leben, wenn für sie kaum gereicht hat, was der Acker hergab? Wird er Frau und Kinder ernähren können? Darüber erzählen die Brüder Grimm nichts, wir müssen uns selbst unsere Gedanken machen. War das auch ein Zweck des Märchens?
13.1.2013, Monica Marcello-Müller, Kirchzarten

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