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- Pulverfass Boomer-Republik Deutschland: Warum die Jugend mit diesem Land bricht (3.4.2026)
- Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck: Studie der Universität Potsdam (26.3.2026)
- Jugendliche Abgeordnete in BW (25.2.2026)
- Stille Kapitulation: Die schweigende, wehrlose junge Generation (4.4.2025)
- Massenmigration statt KI – in D (2.1.2025)
- Die stille Krise der Generation Z – Freiheit versus Konformität (11.11.2024)
- Patzelt-Analyse: Umkehr bei den Jungwählern (28.10.2024)
- Die Lehren aus den Ost-Wahlen (25.9.2024)
- Jugend in Deutschland: Rechtsruck (27.4.2024)
- Wenn Kinder töten: Stellen wir die richtigen Fragen? (21.3.2023)
- ChatGPT schreibt „deinen“ Text (14.1.2023)
- Die Sprachlosigkeit der Grünen Jugend (18.10.2021)
- Die magische Kraft der Armbinde: Junge FDJ und junge Grüne (12.9.2021)
- Ein Wort an die Jugend (23.7.2021)
- Es war nur ein Traum – Meine ökonomische Zukunftsperspektive (15.7.2021)
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Wie sieht die Jugend ihre Zukunft?
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Pulverfass Boomer-Republik Deutschland: Warum die Jugend mit diesem Land bricht
Eine Politik für den Lebensabend auf Kosten der Jugend ist Ausdruck politischer Maßlosigkeit. Die Jugend radikalisiert sich. Droht die gewaltsame Eskalation?
Deutschland verlangt von seiner Jugend alles – und gibt ihr immer weniger Gründe, überhaupt noch mitzumachen. Sie soll Steuern zahlen, Renten sichern, notfalls kämpfen, sich anpassen, leisten, durchhalten. Im Gegenzug bekommt sie eine Gesellschaft, die ihr erklärt, dass Eigentum unrealistisch, Planbarkeit überbewertet und Zukunft eine Frage der individuellen Resilienz sei.
Wer heute jung ist, lernt früh: Erwartungen sind hoch, Verlässlichkeit ist optional. Und wer fragt, wofür sich das alles lohnen soll, bekommt als Antwort bestenfalls eine Achtsamkeits-App und den Verweis auf den Generationenvertrag – jenen Vertrag, dessen Konditionen die Jüngeren nie mitverhandelt haben, den sie aber finanzieren sollen
Die neunte Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ liefert die Zahlen, die man in den Berliner Politsalons dieser Tage „alarmierend“ nennt – solange sie keine Konsequenzen haben. 29 Prozent der 14- bis 29-Jährigen geben an, psychologische Unterstützung zu benötigen – ein neuer Höchstwert nach 24 Prozent im Vorjahr. 21 Prozent planen, das Land zu verlassen, 41 Prozent können es sich grundsätzlich vorstellen. 23 Prozent sind verschuldet, ebenfalls ein Rekord.
Weggesperrt, damit der Rest funktioniert
Die psychische Belastung der Jungen ist seit der Pandemie hoch. 49 Prozent der Befragten berichten von Stress, 36 Prozent von Erschöpfung, 32 Prozent von Selbstzweifeln, 30 Prozent von Antriebslosigkeit. Bei Studierenden liegt der Anteil derer, die psychologische Hilfe benötigen, sogar bei 32 Prozent. Unter 20-Jährige seien mit ihrem Leben insgesamt zufriedener als über 20-Jährige, hält die Studie fest – die Desillusionierung setze also ein, sobald die Realität des Erwachsenenlebens beginnt.
Die Copsy-Längsschnittstudie, durchgeführt vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf seit 2020, untersucht in mehreren Befragungswellen die psychische Gesundheit und Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Belastung ist auch Jahre nach der Pandemie nicht auf das Vorkrisenniveau zurückgekehrt.
Die Shell-Jugendstudie 2024, seit Jahrzehnten eine zentrale Langzeituntersuchung zu Einstellungen und Zukunftssorgen junger Menschen, zeigt, was die Jugend fürchtet: Krieg in Europa, wirtschaftlichen Abstieg und zunehmende gesellschaftliche Feindseligkeit
Wer heute auf die 20 zugeht, hat in wenigen Jahren gelernt, was es heißt, in einer Gesellschaft zu leben, die ihre Jüngsten im Zweifel zum Störfaktor erklärt. Die Schulzeit wurde durch die Corona-Pandemie zerlegt. Schulen waren geschlossen, Unterricht improvisiert, soziale Bindungen gekappt. Kinder wurden vielerorts behandelt, als seien sie das Problem, während andere Bereiche des öffentlichen Lebens schnell wieder funktionierten. Eine Generation lernte früh, dass sie im Zweifel zuerst verzichten muss – damit der Rest weitermachen kann.
Von Erholung konnte keine Rede sein. Auf die eine Krise folgte die nächste, und eine Generation, die kaum je das Gefühl hatte, unter normalen Bedingungen erwachsen zu werden, soll nun auch die historischen Lasten des Landes tragen. Sie soll die Renten sichern, die Wettbewerbsfähigkeit retten, die Freiheit verteidigen und im Zweifel einem Staat zur Verfügung stehen, der ihr zugleich erklärt, Wohneigentum sei unrealistisch und Kinderwünsche seien privat zu organisieren. Während junge Menschen mentale Überforderung und Perspektivlosigkeit melden, antwortet der Staat nicht mit Zukunft, sondern mit Abrufbereitschaft.
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Leistungsbereitschaft ohne Gegenleistung
Die Trendstudie entkräftet das verbreitete Ressentiment von der angeblich faulen Jugend deutlich: 81 Prozent der jungen Menschen geben an, für gute Leistungen ihr Bestes zu geben; ein ebenso hoher Anteil der Erwerbstätigen arbeitet in Vollzeit. Von einer „bequemen Generation“ kann keine Rede sein.
Der wichtigste Leistungsmotivator ist Geld, gefolgt von Spaß, Zielerreichung und dem Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun. Auch die Zukunftswünsche wirken keineswegs exzentrisch: Geld, Familie, Gesundheit – also genau das, was eine instabile Gesellschaft immer schwerer verlässlich bereitstellt.
Gleichzeitig wachsen die Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten bewerteten junge Menschen ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als noch 2025. Lediglich 32 Prozent stimmten der Aussage zu, dass ein Studium bessere Karrierechancen bringt. Nur rund die Hälfte bewertete die eigene berufliche Orientierung und die Klarheit über Zukunftspläne als gut.
Die Lebenswelt der Studenten verdichtet das Bild. 46 Prozent leben noch im Elternhaus, viele verzichten aus finanziellen Gründen, jeder fünfte Studierende berichtet über Schulden. Die Zuversicht, mit dem Studium gute berufliche Perspektiven zu haben, ist deutlich eingebrochen. 20 Prozent der Studierenden haben konkrete Pläne, die Berliner Republik zu verlassen.
Die Lage bringt seltene Koalitionen hervor. Mayra Vriesema von den Grünen und Nora Zabel von der CDU benennen in einem gemeinsamen Debattenbeitrag, der der taz vorlag, denselben wunden Punkt. Das frühere Aufstiegsversprechen trage nicht mehr; Fleiß führe längst nicht mehr verlässlich zu Eigentum, und auch der Generationenvertrag verliere für viele Jüngere seine Glaubwürdigkeit.
Airbag-Elite und Boomer-Arithmetik
Was die Lage verschärft, ist die Zusammensetzung der politischen Führungsschicht. Die meisten Entscheider stammen aus Milieus, in denen Misserfolg abgefedert, Übergänge moderiert und Abstürze sozial gepolstert werden. Man kann sie mit vollem Recht die Airbag-Elite nennen: eine Klasse, die Risiko rhetorisch bewundert, aber biografisch selten kennt.
Wer so sozialisiert ist, hält Zumutungen schneller für tragbar. Dann wirken hohe Mieten wie ein Marktproblem, nicht wie ein Lebenshindernis. Dann erscheint ein Umzug ins Ausland wie ein Abenteuer, nicht wie Flucht. Dass Aufsteigerbiografien im Bundestag stark unterrepräsentiert sind, ist kein nebensächliches Detail, sondern Teil des Problems.
Das Thema Wohnen verschärft die Lage zusätzlich. Die Mietbelastung ist hoch, Deutschland bleibt ein Mieterland, und der Weg ins Eigentum hängt weiterhin stark vom Elternhaus ab. Stabilität wird vererbt. Wer aus dem richtigen Haushalt kommt, fällt weich; wer das nicht tut, lernt früh, wie begrenzt die versprochene Chancengleichheit in dieser Republik ist.
Gleichzeitig verschiebt die Demografie die politische Logik des Landes. Deutschland ist eine von Älteren dominierte Demokratie. Bei der Bundestagswahl 2025 waren 59,1 Prozent der Wahlberechtigten 50 Jahre oder älter, nur 13 Prozent waren jünger als 30. „Boomer-Republik“ ist deshalb weniger Polemik als Mathematik. Wer Wahlen gewinnen will, bedient den Medianwähler. Wer den Medianwähler bedient, schützt Renten und Besitzstände. Und wer Besitzstände schützt, reicht die Zukunftskosten an andere weiter.
Das zeigt sich auch im Haushalt: Laut ifo beliefen sich die Bundeszuschüsse zur gesetzlichen Rentenversicherung im Entwurf für 2026 auf 127,8 Milliarden Euro, also rund ein Drittel der veranschlagten Steuereinnahmen. Der Ruf nach noch mehr Geld klingt deshalb oft großzügiger, als er ist. Denn bezahlt wird auch diese Großzügigkeit von den Jüngeren – entweder sofort über Abgaben oder später über Schulden.
Das Kernproblem ist nicht bloß fiskalisch. Es ist politisch. Es fehlt nicht immer am Geld, oft auch an Prioritäten, Ideen und dem Willen, mit dem Vorhandenen mehr Zukunft zu organisieren. In einer alternden Demokratie finden solche Verschiebungen nur selten Mehrheiten. So kippt Solidarität irgendwann in das Gefühl, eine Ordnung zu finanzieren, die die eigene Zukunft systematisch nachrangig behandelt.
Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann formuliert es so: „Es tut weh, zu sehen, dass wir hier eine gut gebildete Generation haben, die das Gefühl hat, keinen Platz zu finden.“
Geschlechter driften auseinander
Was sich in Deutschland radikalisiert, ist nicht nur das Wahlverhalten, sondern die soziale Statik. Die alten Gewissheiten über Geschlecht, Autorität, Aufstieg und Zugehörigkeit lösen sich auf – nicht als Befreiungserzählung, sondern als Reizklima.
Die Shell-Jugendstudie 2024 zeigt eine scharfe Geschlechterkluft: 25 Prozent der jungen Männer ordnen sich „eher rechts“ oder „rechts“ ein, bei jungen Frauen sind es 11 Prozent. Auch kulturell lebt man nicht mehr in derselben Welt: Eine vielfältige Gesellschaft ist jungen Frauen deutlich wichtiger als jungen Männern; beim Thema Feminismus und Gendern ist die Kluft noch größer. Was auseinandergeht, ist nicht nur Meinung, sondern der soziale Grundton.
Bei der Bundestagswahl 2025 wurde die Kluft besonders sichtbar: Unter den 18- bis 24-Jährigen wählten 35 Prozent der Frauen die Linke, während bei jungen Männern die AfD stärkste Partei war. Die Friedrich-Ebert-Stiftung spricht von einem ausgeprägten „modernen Gender Gap“. Die Trendstudie 2026 meldet eine Abwendung von der politischen Mitte; bei den Jüngsten profitieren vor allem Linke und AfD. Diese Generation wächst nicht in eine gemeinsame politische Sprache hinein, sondern in konkurrierende Identitätsräume.
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Algorithmen, Influencer, Islamismus
Die Generation, die hier beschrieben wird, wächst nicht einfach „mit dem Internet“ auf, sondern in einer Infrastruktur, die Erregung, Zuspitzung und Kurzfristigkeit belohnt. Für viele 18- bis 24-Jährige sind soziale Medien inzwischen die zentrale Nachrichtenquelle. Empfehlungsalgorithmen bevorzugen dabei polarisierende und emotionalisierende Inhalte; Desinformation, Manipulation und durch KI skalierte Täuschung werden strukturell präferiert.
Orientierung entsteht nicht mehr primär in Schule, Zeitung, Verein oder Familie, sondern auf Plattformen, deren Logik nicht Erkenntnis, sondern Bindung ist. Deshalb ist diese Generation so oft zugleich informiert und verwirrt, moralisch aufgeladen und analytisch unterernährt. Sie weiß mehr als frühere Generationen und versteht oft weniger Zusammenhänge, weil der Kontext zwischen Contentfetzen zermahlen wird.
Daraus erwächst ein Bedürfnis nach Stamm, Ritual und Zugehörigkeit. Wo Gesellschaft nicht mehr trägt, treten Szenen an ihre Stelle. Wo Institutionen keine Sprache mehr finden, liefern Influencer Identitätspakete – ob christliche Influencer, linke Kampagnenformate oder neue Spielarten der „Manosphäre“. Was sie alle eint, ist die Erzählung eines klaren „Wir“ gegen „die da“.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt seit Jahren eine zunehmende Radikalisierung junger, teils minderjähriger Rechtsextremer im virtuellen Raum. Seit Mitte 2024 treten vermehrt gewalt- und aktionsorientierte rechtsextreme Jugendgruppierungen in Erscheinung. Doch wer daraus den bequemen Schluss zieht, politische Gewalt sei vor allem ein Problem der Rechten, macht es sich zu leicht.
Der Linksextremismus bleibt ebenfalls gewaltfähig: 2024 registrierte der Verfassungsschutz 532 linksextremistisch motivierte Gewalttaten. Gerade im „antifaschistischen Kampf“ werden Straftaten bis hin zu schwerer körperlicher Gewalt als legitim behandelt.
Auch Antisemitismus endet nicht an der Grenze zur extremen Rechten. Er tritt in antiisraelischen, islamistischen und verschwörungsideologischen Milieus auf – oft moralisch verbrämt, aber deshalb nicht harmloser. Die demokratische Mitte hat es nicht mit einem Randproblem zu tun, sondern mit einer ganzen Infrastruktur der Verhärtung, die gezielt um junge Menschen wirbt.
Besonders gravierend ist die Dynamik bei religiös aufgeladener Radikalisierung. Der Motra-Monitor 2024/25 weist unter Muslimen unter 40 Jahren 11,5 Prozent manifest islamismusaffine und 33,6 Prozent latent islamismusaffine Einstellungen aus. Brisante Zahlen, weil sie die demografisch am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe betreffen.
Die Ironie ist schwer zu übersehen: Während muslimisch geprägte Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien oder Marokko vorsichtige Schritte in Richtung wirtschaftlicher Öffnung und sozialer Moderation gehen, wachsen in bestimmten europäischen Milieus religiös-konservative bis fundamentalistische Deutungen. Wo Zugehörigkeit fehlt, wird sie gesucht, auch in exklusiven Identitäten. Islamistische Strömungen profitieren davon ebenso wie rechts- oder linksextreme Milieus. Sie bieten, was die demokratische Mitte kaum noch liefert: Orientierung, Gemeinschaft, Gewissheit.
Die Härte der Gegenwart besteht darin, dass das Bedürfnis nach Halt leichter von Fanatikern bedient wird als von demokratischen Institutionen. Der Staat reagiert darauf meist technisch – mit Prävention und Programmen. Was fehlt, ist die politische Antwort auf die eigentliche Ursache: eine Gesellschaft, die vielen jungen Menschen keine überzeugende Rolle mehr anbietet.
Eine kinderfeindliche Ich-Gesellschaft
An diesem Punkt stellt sich die schärfste Frage: Was für ein Gesellschaftsmodell hat Deutschland seiner Jugend eigentlich anzubieten? Ein Land mit niedriger Geburtenrate, Kinderarmut, fehlenden Kitaplätzen, chronischem Mangel in der Bildungsinfrastruktur, Wohnungsnot und einer politischen Klasse, die Zukunft seit Jahren eher (ab-)moderiert als gestaltet.
Eine Gesellschaft, die sich gern humanistisch nennt, aber Kinder und junge Familien im Alltag oft als Störgröße behandelt. Wer keine gesellschaftliche Vision für Kinder, Jugend und Familien mehr entwickeln kann, organisiert seinen eigenen seelischen und politischen Exitus.
Das ist der Kern einer kranken Ich-Gesellschaft. Sie predigt Selbstverwirklichung und erzeugt soziale Atomisierung. Sie verehrt Komfort und verliert jede Idee von Bindung. Sie spricht mit großem Ernst über mentale Gesundheit, während sie die materiellen und sozialen Voraussetzungen von Zuversicht systematisch abbaut: Planbarkeit, Zugehörigkeit, Anerkennung, bezahlbaren Raum, familiäre Perspektive, Zukunft überhaupt. Man kann noch so viele Dialogreihen, Präventionsprogramme und Imagekampagnen veranstalten – solange junge Menschen spüren, dass das eigentliche Credo dieser Gesellschaft lautet „Rette dich privat“, bleibt das alles Staffage.
Liebesbeziehungen werden zu Opportunitätskosten
Die Trendstudie zeigt, wie diese Generation darauf reagiert: diszipliniert, vorsichtig, zurückgenommen. Wasser statt Exzess, Schlaf statt Leichtsinn, Sport statt Überschwang. Es wird weniger Alkohol getrunken, Intimität zurückhaltender gelebt, Bindung immer öfter wie ein Kostenfaktor behandelt.
Wer Familie will, muss heute nicht nur wollen, sondern rechnen: mit Mieten, mit Risiken, mit Verzicht. Das sind keine Zeichen von Verwöhntheit. Das sind Anpassungsleistungen in einer Gesellschaft, die für ihre jungen Menschen aus elementaren Lebenswünschen kalkulatorische Wagnisse und Opportunitätskosten gemacht hat.
Vriesema und Zabel warnen unterdessen in ihrem Aufsatz: „Ein Reel aus den Parteizentralen mit Floskeln wie ‚wir nehmen euch ernst‘ reicht nicht mehr.“
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Wenn Erneuerungswille in Zerstörung kippt
Es gehört zur Wahrheit, dass manche Reaktionen auf diese Lage hässlich sind. Rechts-völkische Fantasien, linke Enteignungsromantik, digitale Lynchlust, Reinigungsträume gegen „die da oben“, Sehnsucht nach dem großen Knall. Wer so etwas nur als Entgleisung einzelner Spinner abtut, macht es sich zu leicht. Solche Affekte wachsen dort, wo viele das Gefühl haben, dass Reformen nicht mehr reichen, weil die Institutionen selbst erstarrt sind. An die Stelle von Debatte tritt Bekenntnis, an die Stelle von Selbstkritik Reinheit, an die Stelle von Ambivalenz Kampfbereitschaft.
Auch der Nationalsozialismus war in wesentlichen Teilen eine von jüngeren Milieus getragene Bewegung, bevor sich viele Ältere aus Opportunismus, Feigheit oder Machtkalkül anpassten. Wer jugendliche Wut für harmlos hält, verkennt ihre historische Ambivalenz: Sie kann Reformenergie freisetzen – oder autoritäre Revolte. Eine gerontokratische Republik, die den Jungen täglich signalisiert, dass sie zahlen, dienen, verzichten und stillhalten sollen, darf sich nicht wundern, wenn am Ende nicht Zusammenhalt, sondern Feindschaft wächst.
Der klarste Spiegel eines erschöpften Landes
Die Aufgabe ist nicht, jugendliche Wut zu romantisieren, sondern sie politisch ernst zu nehmen, bevor sie sich in Feindschaft, Fanatismus oder Flucht übersetzt. Diese Jugend will nicht weniger, sondern etwas, das dieses Land immer schlechter liefert – Sicherheit, Zugehörigkeit, Sinn, Einkommen, Familie, Gesundheit, Anerkennung. Sie ist leistungsbereit, aber sie glaubt immer weniger daran, dass sich Leistung lohnt. Sie ist politisch interessiert, aber nicht mehr loyal gegenüber Institutionen, die ihre Zukunft verwalten, statt sie zu gestalten. Sie sucht keinen Luxus. Sie sucht Halt.
Wird der auf Dauer verweigert, dann wird aus individueller Unsicherheit kollektive Distanz – gegenüber Institutionen, politischen Entscheidungen und im Zweifel gegenüber Deutschland selbst.
… Alles vom 3.4.2026 von Alexander Dergay bitte lesen auf
https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/jugend-deutschland-2026-radikalisierung-generationenvertrag-li.10027946
Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck: Studie der Universität Potsdam
Zwischen Leistungsbereitschaft und Abwanderung – Jugendstudie 2026 zeigt: Deutschlands Jugend verliert die Geduld
Der Druck auf die junge Generation steigt und die Chancen, diesen gerecht zu werden, schwinden. Dauerkrisen, unsichere berufliche Perspektiven, Schulden und mentaler Stress prägen die Lebenslage vieler junger Menschen. Als Reaktion wenden sie sich den politischen Rändern zu oder denken sogar daran, Deutschland zu verlassen. Das ist die zentrale Botschaft der neunten Trendstudie „Jugend in Deutschland“, die vom Jugendforscher Simon Schnetzer geleitet wird. Zum Autorenteam gehören Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam und der Sozialforscher Dr. Kilian Hampel von der Universität Konstanz. „Jugend in Deutschland 2026“ basiert auf einer soziografisch repräsentativen Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren, die im Zeitraum vom 9. Januar bis 9. Februar 2026 durchgeführt wurde.
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Psychische Belastung erreicht neuen Höchststand
Die Studie wirft einen konkreten Blick auf aktuelle Lebensrealitäten junger Menschen. Insgesamt wird deutlich, dass der seit Jahren anhaltende Krisenmodus, geprägt von Krieg, Inflation, steigenden Wohnkosten und neuerdings auch von US-Präsident Trump, immer mehr junge Menschen überfordert. „Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, betont Studienleiter Simon Schnetzer.
Der Anteil junger Menschen, die angeben, psychologische Unterstützung zu benötigen, erreicht mit 29 Prozent einen neuen Höchstwert. Noch höher ist dieser Wert bei jungen Frauen (34%), Studierenden (32%) und Erwerbslosen (42%). Auffällig ist zudem, dass 60 Prozent der jungen Menschen eine suchtähnliche Smartphonenutzung aufweisen und viele bei persönlichen Problemen zunehmend auf KI-gestützte Beratungsangebote zurückgreifen.
Leistungsbereit – aber ohne klare Perspektive
Trotz der schwierigen Lage bleibt die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die große Mehrheit ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig wachsen jedoch Zweifel, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Gerade in der Arbeitswelt zeigen sich bemerkenswerte Verschiebungen: Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als noch zuvor. Dies führt auch dazu, dass die berufliche Ausbildung gegenüber einem Studium deutlich an Attraktivität gewinnt. Viele junge Menschen setzen stärker auf praxisnahe Qualifikationen und sichere Berufsperspektiven, weil die Sorge vor Arbeitslosigkeit zunimmt.
Währenddessen bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. Der Anteil junger Menschen, die Schulden haben, erreicht mit 23 Prozent einen neuen Höchststand. Junge Menschen wünschen sich neben finanzieller Bildung insbesondere stabile Zukunftsperspektiven, um sich langfristig abzusichern. Das Thema Wohnen verschärft diese Entwicklung: Teure Mieten und knapper Wohnraum erschweren die Lebenssituation für viele junge Menschen.
Die Folgen sind enorm: „Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden“, hebt der Autor Kilian Hampel, Universität Konstanz, hervor. Noch deutlicher fällt der langfristige Trend aus: 41 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. „Die Studie unterstreicht, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen“, so Hampel.
Politische Polarisierung nimmt zu
Parallel zur wachsenden wirtschaftlichen Unsicherheit verschärft sich die politische Polarisierung unter jungen Menschen. Die Studie zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu den politischen Rändern. Die Linke ist derzeit die beliebteste Partei unter jungen Menschen (Sonntagsfrage: 25%), besonders unter jungen Frauen. Gleichzeitig gewinnt die AfD vor allem bei jungen Männern an Zustimmung.
Damit öffnet sich eine immer stärkere politische Kluft zwischen den Geschlechtern. Junge Frauen orientieren sich zunehmend an linken politischen Positionen, während junge Männer überdurchschnittlich häufig Parteien am rechten Rand unterstützen. „Der Protest der Jugend ist nicht laut, aber unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen, was langfristig Wirtschaft, Regionen und soziale Sicherungssysteme gefährden kann“, betont Studienautorin Nina Kolleck, Universität Potsdam.
Forderung nach stärkerer Beteiligung der jungen Generation
Für den Jugendforscher Klaus Hurrelmann, Hertie School Berlin, zeigt die Studie vor allem eines: Die junge Generation fühlt sich in gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu wenig beteiligt. Um das Vertrauen der jungen Generation zurückzugewinnen, plädiert er für neue Formen der gesellschaftlichen und politischen Beteiligung in Form von Generationendialogen zu allen kritischen Fragen, die in der Studie von den jungen Menschen aufgerufen werden. Das Ziel müsse sein, der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben, und damit die Leistungsbereitschaft zu stärken, die viele von ihnen weiterhin deutlich artikulieren.
Information zur Trendstudie
Die neunte Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck“ basiert auf einer repräsentativen Befragung von 2.012 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren. Die Längsschnittstudie wurde 2010 gegründet und wird seit dem Jahr 2020 in regelmäßigem Abstand wiederholt. Dialogische Validierung der Studienergebnisse erfolgt durch Schul- und Zukunftsworkshops sowie durch Fachkommentare von Expert:innen.
Die Trendstudie wird vom Datajockey Verlag (Kempten) unter der Leitung des Jugendforschers Simon Schnetzer herausgegeben und fachlich von Dr. Kilian Hampel, Prof. Dr. Nina Kolleck und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann begleitet. Der Verlag finanziert die Durchführung der Studie durch den Studienverkauf.
… Alles vom 26.3.2026 bitte lesen auf
https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2026-03-26-zwischen-leistungsbereitschaft-und-abwanderung-jugendstudie-2026-zeigt-deutschlands-jugend-verliert-geduld
Stille Kapitulation: Die schweigende, wehrlose junge Generation
Schon seit Längerem fällt bei jungen Deutschen eine Wehrlosigkeit auf, die einen ratlos zurücklässt – oft auch bei den eigenen Kindern. Sie lassen sich zu viel gefallen, sei es privat oder bei Behörden, als hätte man ihnen das Eintreten für sich ausgetrieben. Studien zeigen: Viele kämpfen mit Unsicherheiten, die ihre Durchsetzungsfähigkeit schwächen.
Beispiele: Sie kaufen bei eBay-Kleinanzeigen mangelhafte Ware, weil sie nicht „Nein“ sagen, oder lassen sich von Behörden abwimmeln, obwohl sie im Recht sind.
Ursachen könnten Digitalisierung und Corona sein. Die WHO deutet an, dass soziale Medien Konfrontationsfähigkeit mindern.
Telefonate werden gemieden, WhatsApp dominiert, sagt eine weitere Studie. Dazu: Weniger junge Einheimische, mehr Alte im öffentlichen Raum, und eine Corona-Lockdown-Macke prägt Studenten.
Folgen? Psychisch belastet, ein Viertel unzufrieden, weniger Streit mit Eltern, sagt das Max-Planck-Institut. Spekulation über längere Beziehungen durch Passivität.
Doch politisch wählen viele Linke und AfD – passive Aggressivität? Wird diese schweigende Generation je laut?
… Alles vom 4.4.2025 bitte lesen auf
https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/stille-kapitulation-die-schweigende-generation
Es war nur ein Traum – Meine ökonomische Zukunftsperspektive II.
von Leopold Mattes
Leopold Mattes aus Zimmer nahm mit diesem Beitrag erfolgreich am ef-Jungautorenwettbewerb 2020/21 teil. Als einer der sechs Bestplatzierten wird der Aufsatz in dieser Ausgabe veröffentlicht. Drei Gewinner aus den publizierten sechs Besten werden auf der nächsten ef-Konferenz prämiert werden. Der Sieger erhält die Julius-Faucher-Medaille.
Die letzten Jahre konnte ich vier große Pfadabhängigkeiten in unserer Gesellschaft ausfindig machen, die sich gegenseitig verstärken. Diese möchte ich aufzeigen,
bevor ich zu meiner Zukunftsperspektive komme. Eine Pfadabhängigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass an bekannten Lösungen festgehalten wird und dass dadurch eine
Stabilisierung eintritt, sodass der eingeschlagene Weg nur sehr schwer abgebrochen werden kann. Dies führt immer mehr zu einer Unumkehrbarkeit, sodass sich die Akteure
dem eingeschlagenen Pfad unterwerfen.
Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die die Pfadabhängigkeit des Pfads entdecken und auf einen sofortigen Abbruch drängen. Alle vier große Pfadabhängigkeiten, die ich im Folgenden vorstellen möchte, lassen sich auf den Konflikt zwischen hierarchisch organisierten Systemen und dezentralen Netzwerken zusammenfassen.
Die vier großen Pfadabhängigkeiten
Erstens: die Interventionsspirale des Staates Richtung Sozialismus.
Zweitens: das Fiat-Geldsystem und die Ausweitung der Geldmenge.
Drittens: das Rentensystem und der demographische Wandel.
Viertens: der disruptive technische Fortschritt im Informations-, Energie- und Transportsektor.
Die Interventionsspirale des Staates Richtung Sozialismus
Auf der Welt erleben wir seit vielen Jahren eine Zunahme der Staatsquote und der Bürokratie. Die Monopolstellungen der Staaten und die damit fehlenden Anreize,
effizient zu sein, verringern das Produktivitätswachstum und führen zu immer höheren Abgaben. Die Verteilungskämpfe um Ressourcen und Kapital nehmen zu, die Produktiven
werden immer weniger, und das Überleben hängt immer mehr von der Einflussnahme auf die Politik ab. Aus einer freiheitlichen Ordnung wird ein ausufernder Staat, der sich immer mehr und penetranter in das Leben der Menschen einmischt, bis das Kapital und die Freiheit verschwinden. Die Wurzel des Problems liegt darin, dass man sich diesem System nicht so einfach entziehen kann, da der Etatismus weltweit Bestand hat und es keine wirklichen Alternativen zur Demokratie gibt, die Verträge zulasten Dritter beschließt. Schlechte Kompromisse durch eine Mehrheitsentscheidung werden der Selbstbestimmung des Menschen vorgezogen. Die individuelle Freiheit des Menschen wird durch ineffiziente Strukturen wie etwa durch den Wohlfahrtsstaat und weitere Verordnungen und Regulierungen reduziert, und es besteht die Gefahr, dass der Etatismus wie jede Form des Sozialismus die Individualität, das Eigentum, die Familie, die Kunst, Kultur und Religion in Zukunft noch stärker bekämpft. Von einer fortschreitenden Interventionsspirale ist leider auszugehen.
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Das Fiat-Geldsystem und die Ausweitung der Geldmenge
Das Fiat-Geldsystem löst die Knappheit des Geldes auf, die eine Grundeigenschaft zur Werterhaltung ist. Die Geldmenge wird durch Kreditschöpfung erhöht und der Zins und somit unsere Zeitpräferenz werden manipuliert. Das exponentielle Geldmengenwachstum führt zu einer Geldentwertung und zu Preissteigerungen, die wir in den Vermögenspreisen wie Immobilien, Aktien und Gold sehen können. Der Sparer wird durch die Inflation seiner Kaufkraft und seiner Vorsorge beraubt. Dies führt dazu, dass es immer schwieriger wird, ein Eigenheim zu erwerben, für das Alter vorzusorgen oder die Kosten für eine
Familie aufzubringen, da die Inflation und die damit einhergehenden Wirtschaftskrisen uns in Arbeit, Armut und Unsicherheit halten. Der Zins ist auf null, die Institutionen sind hoch verschuldet und das Kapital zunehmend aufgebraucht. Eine Spaltung der Gesellschaften und der Ruf nach einem starken Staat nehmen dadurch unweigerlich zu. Die Interventionsspirale dreht sich dadurch umso schneller.
Das Rentensystem und der demographische Wandel
Das heutige Rentensystem basiert auf einem Umlageverfahren, was bedeutet, dass die Beiträge unmittelbar zur Finanzierung der Leistungsberechtigten herangezogen werden. Das Sicherheitsnetz der Familie ist nicht mehr überlebensnotwendig, da man sich auch ohne Kinder einen Rentenanspruch erarbeiten kann. Es besteht eine Asymmetrie, da man sich freiwillig gegen Kinder entscheiden kann, aber andererseits als Familie beim Rentensystem mitmachen muss. Dies führt zu einem Zerfall der Familien, zu sinkenden
Geburtenraten und zu einem zunehmenden demographischen Wandel und damit einhergehend zu explodierenden Kosten, da immer weniger jüngere Menschen für immer mehr Alte, Kranke und Hilfsbedürftige aufkommen müssen. Dieses System verdrängt zudem die karikativen Einrichtungen, die auf Freiwilligkeit und Solidarität beruhen. Es vergrößert die Abhängigkeit des Individuums vom Kollektiv. Eine demokratische Abschaffung oder Umwandlung dieses Systems scheint aussichtslos, da sich die Älteren
in der Mehrheit befinden.
Der disruptive technische Fortschritt im Informations-, Energie- und Transportsektor
Jede fortschrittliche Gesellschaft benötigt einen Energieträger, eine Informationstechnologie und ein Transportmittel, um die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen. Wir erleben aktuell einen Wandel der Basistechnologien in all
diesen Bereichen. Das dezentrale Internet verdrängt zunehmend die linearen Medien wie Fernsehen, Radio, Kino oder Zeitschriften, die regenerativen Energien ersetzen zunehmend die linearen Wertschöpfungsketten der Öl-, Gas- und Kohleindustrie. Hinzu kommt die Verdrängung des Verbrennungsmotors durch autonome elektrische Fahrzeuge
aus ökonomischen und physikalischen Gründen. Die Medien und bestehenden Energie- sowie Mobilitätsoligopole wollen diesen Wandel natürlich verhindern.
Die Gesellschaften stehen somit vor enormen Herausforderungen, denn die Interventionsspirale Richtung Sozialismus dreht sich immer schneller, da die Pfadabhängigkeiten durch die Politik und den Lobbyismus immer weiter begangen werden. Doch wir wissen, dass sowohl der Sozialismus aufgrund fehlender Preise als auch ein Fiat-Geldsystem, das die Geldmenge und den Zins manipuliert, als auch ein Rentensystem, das Kinderlosigkeit fördert, als auch ein ineffizientes Informations- und Energiesystem auf Dauer keinen Bestand haben können. Wir werden daher zwangsweise einen Systemkollaps und einen disruptiven Neuanfang erleben.
Pfadabbruch und Dezentralisierung sind die Lösung und meine ökonomische Zukunftsperspektive
Dies mag bis hierhin eine ziemlich düstere Zukunftsperspektive sein. Doch wenn die hierarchischen Strukturen scheitern müssen, wie sieht dann eine mögliche Zukunft geprägt von dezentralen Strukturen aus?
Meine ökonomische Zukunftsperspektive zeigt eine fortschrittliche Gesellschaft, die die Pfadabhängigkeiten überwunden hat und das Individuum und dadurch auch die Dezentralisierung und die Vernunft in den Mittelpunkt
stellt, sodass Wohlstand, Fortschritt und die Freiheit für alle maximiert werden können.
Ich sehe eine Welt, in der es so viel wie möglich freiwillige Kooperationen und so wenig wie möglich Staat und Gewalt gibt. In der das Internet und regenerative Energien durch ihre dezentrale und antifragile Struktur die Menschen mit Informationen und Energie versorgen. In der durch die Dezentralität der Bitcoin-Infrastruktur die Geldmenge und der Zins nicht mehr manipuliert werden können, sodass das Geldmonopol verschwindet. In der Männer und Frauen sich nicht länger spalten lassen und erkennen, wie sie sich gegenseitig ergänzen, damit Beziehung, Familie und eine nachhaltige Altersvorsorge funktionieren können. In der Arbeitsteilung und Produktivität wieder im Vordergrund
stehen, weil es ohne Lobbyismus nicht mehr möglich ist, auf Kosten anderer zu leben. In der Technologien, die auf einer Individualisierung, Dezentralisierung und Automatisierung basieren, wie das Internet, regenerative Energien, autonome elektrische Fahrzeuge, 3D-Druck oder Roboter, die Produktivität so stark erhöhen, dass sich die Preise immer weiter senken und wir einer nahezu Null-Grenzkosten-Infrastruktur immer näherkommen.
Eine Welt, in der das Zusammenleben von Neugier, Inspiration und Respekt – und nicht von Spaltung, Hass und Verteilungskämpfen – geprägt ist.
… Alles vom 15.72021 von Leopold Mattes bitte lesen
in „eigentümlich frei“ Aug/Sept 2021, Seite 26
https://www.ef-magazin.de
Junge Deutsche schauen in ihre Zukunft
