Verteilungskampf

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Mohnfeld bei freiburg am 17.Juni 2020

Mohnfeld bei freiburg am 17.Juni 2020

 

 

Thilo Sarrazzin: Konkurrenz der Ungerechtigkeiten
Viele wollen der ungleichen Vermögensverteilung mit höheren oder neuen Steuern zu Leibe rücken. Dem können die Reichen leicht entgehen, indem sie Deutschland verlassen, und viele tun das bereits seit Jahrzehnten. Wer glaubt denn, dass das dem Wirtschaftswachstum in Deutschland und den breiten Arbeitnehmerschichten nützt?

Das Streben nach einer Gesellschaft, in der allen Menschen Gerechtigkeit widerfährt, ist edel, und es kann auf das Gemüt entlastend wirken. Darum hat der Marxismus bei heute so begeisterte Anhänger – trotz seines vielfältigen Scheiterns an der Wirklichkeit. Beginnen wir mit einer sehr anschaulichen Ungerechtigkeit, die aktuell durch die Medien ging: Nach dem jüngsten World Wealth Report der Boston Consulting besitzen 5.000 Superreiche mehr als ein Viertel des Finanzvermögens in Deutschland, 700.000 Multimillionäre besitzen zusammen rd. 53 Prozent des Finanzvermögens. Der größte Teil der Deutschen hat dagegen kein nennenswertes Finanzvermögen. Historisch gesehen ist jedwedes Vermögen vergangenes Einkommen, das erspart, also nicht konsumiert wurde, oder es ist ererbt. Aber ist das nicht ungerecht? Der eine hatte das Glück wohlhabender Eltern und wird so ein glücklicher Erbe. Der andere ist bei der Lotterie leer ausgegangen und muss sich sein Vermögen selbst erarbeiten.

Das kann man so sehen. Aber andere Ungerechtigkeiten der Lebenslotterie sind noch viel schwerwiegender: Schönheit, Intelligenz, seelische Robustheit und Tatkraft sind großenteils erblich. Auch unsere Eltern konnten wir uns nicht aussuchen, ebenso wenig wie das Land und die Zeit, in der wir geboren wurden. Natürlich kann ein moderner Staat eingreifen, um die Ungerechtigkeit der individuellen Ausgangslage abzumildern. Aber wenn er dabei übertreibt, schafft er dabei neue Ungerechtigkeiten und negative Konsequenzen, die möglicherweise noch viel schlimmer sind als die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen.
Außerdem gibt es nicht nur eine Gerechtigkeit gegenüber den Besitzlosen, sondern auch eine gegenüber den Besitzenden: 10 Prozent der Einkommensteuerzahler erbringen 55 Prozent des Aufkommens, die untere Hälfte der Einkommensteuerpflichtigen trägt dagegen nur 6,5 Prozent zum Aufkommen bei. Zur Gerechtigkeit gegenüber den Besitzenden gehört: Wer sein versteuertes Einkommen spart oder investiert, statt es zu konsumieren, sollte es nach seinem Belieben verwenden können, dazu gehört auch die Freiheit, es zu vererben oder zu verschenken, ohne dass der Staat erneut zulangt. Zahlreiche Erben oder Beschenkte sorgen schon durch ihr eigenes Konsumverhalten oder durch wirtschaftliche Fehlentscheidungen dafür, dass sich Vermögen nicht unbegrenzt weiter konzentriert. Wo aber vorausschauende Familien ihre Vermögen über Generationen zusammenhalten, ist dies auch gesellschaftlich nicht schädlich, sondern eher ein Kitt für die Gesellschaft insgesamt

An der Grenze der Umverteilung
Beim politisch verträglichen Ausmaß der Umverteilung gibt es zwar keinen objektiven Gerechtigkeitsmaßstab, aber es gibt Gebote der praktischen Vernunft. Das Gemeinwesen muss nämlich auch funktionieren, und in diesem Punkt hat die Umverteilung in Deutschland das Land und seine Wirtschaft bereits an Grenzen geführt:
Die Belastung der Arbeitnehmereinkommen mit Steuern und Sozialabgaben liegt in Deutschland europaweit neben Belgien an der Spitze. Wer z.B. als Arzt oder Krankenschwester in Zürich statt in Konstanz arbeitet, verdient nicht nur brutto besser, es bleibt auch deutlich mehr netto vom brutto.
Auch die Unternehmensteuerbelastung in Deutschland ist im internationalen Vergleich an den obere Rand gewandert. Wer in Deutschland produziert, hat nicht nur höhere Arbeitskosten, er hat auch eine höhere Belastung des Unternehmensgewinns. Folgerichtig sinkt der Zustrom von ausländischen Investitionen, und industrielle Produktion wandert aus Deutschland ab.
Viele wollen der ungleichen Vermögensverteilung mit höheren Erbschaftsteuern oder einer Vermögensteuer zu Leibe rücken. Dem können die Superreichen oder auch der wohlhabende Mittelstand leicht begegnen, indem sie Deutschland verlassen, und viele tun das bereits seit Jahrzehnten. Ob das dem Wirtschaftswachstum in Deutschland und den breiten Arbeitnehmerschichten nützt? Das Gegenteil ist wohl der Fall. Es ist unwahrscheinlich, dass damit die Vermögensverteilung gleicher wird, aber ziemlich sicher, dass sich damit die Stagnation in Deutschland weiter verfestigt und damit indirekt auch der Massenwohlstand gefährdet wird. Der Staat sollte sich darauf konzentrieren, durch ein leistungsorientiertes Bildungssystem den Tüchtigen aus allen Schichten in jeder Generation neue Chancen zu eröffnen. Tut er dies mit Erfolg, dann kann er die Verteilung der Vermögen getrost dem Spiel der freien Kräfte überlassen.
… Alles vom 5.6.2026 von Thilo Sarrazzin bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/konkurrenz_der_ungerechtigkeiten

Thilo Sarrazin: Feindliche Übernahme
– Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht
ISBN 978-3-7844-3710-1, LMV – Langen Müller Verlag GmbH, 22,00 €
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Einige Kommentare:
Merkwürdigerweiser übersieht der Autor Sarrazin immer die Beamten und vor allem deren Kosten für das Gemeinwesen. Wir haben die höchsten Sozialabgaben der Welt, stimmt sicher, aber wir haben eben auch den teuersten und ineffizientesten Beamtenapparat der Welt. 55% aller deutschen Beamten sind im Bildungsbereich tätig. Dass daraus eines der schlechtesten Bildungssysteme der Welt resultiert, versteht sich dabei fast von selbst. Genau da gehört die Kettensäge angesetzt. Nicht beim Bildungssystem. Beim Beamtenstatus für Lehrer. Jochen Lindt
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EINWANDERUNGSLAND
Man hat uns jahrelang erzählt Deutschland ist ein Einwanderungsland. Das war keine Lüge, nur die hierher einwandern schaffen zum grossen Teil keinen Mehrwert, sondern nutzen die von der Politik geschaffenen Fehlanreize aus .Deutschland wird dadurch zum Auswanderungsland für deutsche Leistungträger. Das kann nicht gut gehen. Denn ge- schönte oder falsche Statistiken schaffen nur mehr Frust bei autochthonen Deutschen und zunehmend auch bei leistungswilligen schon länger hier lebenden Ausländern. Um es deutlich zu schreiben: Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet „Schmarotzer“ eine faule Person, die vom Geld, der Arbeit oder den Ressourcen anderer lebt, ohne selbst aktiv zu werden.
GERECHT
„Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser. Etwas mehr Ungleichheit bei der Einkommensverteilung macht auch für die weniger gut dabei Wegkommenden letztlich einen höheren Lebensstandard, als wenn man ein egalitäres System schafft, wo alle das gleiche kriegen und alle gleichermaßen arm sind.“ Hans-Werner Sinn Ulrich Bohö
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Den Neid auf die Reichen oder Schönen wird man nie ausrotten können. Mir sind die sehr Reichen ziemlich egal. Mich hat immer interessiert, wie ich als Jemand, der aus einer armen Familie stammt, selbst wohlhabend werden kann. Das schloß zwar keinen Urlaub, meist mit dem Rad, aber immer die Sauftouren zum Ballermann u.ä. aus. Würden die neidgeplagten Sozialisten und Stalinisten, die den Massen immer das Elend bringen, sich weniger für die Enteignung der Reichen statt mit dem Aufbau von Vermögen für die ganz normalen Beschäftigten interessieren, würden sie eine Politik betreiben, die den Abstand von unten schließt. Dann hätten wir auch bald, statt dem überwiegenden Mietermarkt, einen Immobilien-Eigentumsmarkt, in dem fast Jeder seinen Kinder einen inflationssicheren Start vermachen kann. xxx
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0) Nimmt man statista.com:
„Die reichsten Deutschen im Jahr 2026 nach Vermögen“
und zählt die Vermögen der reichsten 25 zusammen, dann kommt man auf
378 Milliarden €.
1) Zur Staatsverschuldung:
Deutschlands Staatsverschuldung (Bund, Länder und Gemeinden) liegt aktuell (Stand erste Jahreshälfte 2026) bei etwa 2,8 Billionen €, also bei
2800 Milliarden €.
Wir stellen gegenüber:
Staatsverschuldung: 2800 Milliarden €
gegen
Vermögen der 25 reichsten Deutschen zusammen: 378 Milliarden €, also
2800 / 378 = 7,4
Wenn wir also das Vermögen der 25 reichsten Deutschen total konfiszieren, dann bräuchten wir es 7,4 mal um die Schulden zu bedienen! !
2) Zur Kreditneuaufnahme:
Die gesamte „jährliche“ Kreditneuaufnahme einschließlich der Sondervermögen und außerbudgetären „Schattenhaushalte“ des nur Bundes liegt 2026 bei über 180 Milliarden €.
Dazu müsste man immer noch das Vermögen der 6 reichsten Deutschen total konfiszieren.
Im nächsten Jahr ging es dann mit dem folgenden Dutzend der reichsten weiter … und so fort.
Die Beispiele 1) und 2) sprechen nur von total konfiszieren, zur Abschätzung der Größenordnung der Schulden und der Kreditneuaufnahme, denn was würde total konfiszieren bedeuten?
Das Vermögen erfolgreicher Leute steckt nicht in Geld sondern in Firmen und Investitionen (am besten in die Zukunft). Total konfiszieren würde diese Unternehmen ruinieren und massive Arbeitslosigkeit verursachen.
Übrigens liegt ein Großteil der investierten Vermögen nicht mehr in D; ein Griff danach würde internationale Verwerfungen hervorrufen:
Denn z.B.: Nimmt man alle DAX-Unternehmen, so befanden sich 2023 nur noch so 30% (!) der Vermögenswerte (Fabriken, Büros, Maschinen) in Deutschland. So schreibt DWS am 18. Juni 2024: Warum der DAX auch WAX = Weltaktienindex heißen könnte … so überleben die Firmen.
Dazu noch die „WELT“ vom 30.03.2026:
Rechnungshof-Präsident kritisiert Bundesregierung scharf: „Verschuldung steigt exponentiell“
Ich denke, es weiß jeder was exponentiell bedeutet R. Riger
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Da gibt es doch eine Aussage eines „Indianer“ Nativ P. Häuptling’s.„ Wenn der letzte Baum gefällt ist, der letzte Fluß vergiftet, werdet ihr merken, daß man Geld nicht essen kann.“ Oder so ähnlich. Das lässt sich auch auf den „Sozialstaat“ um deuten. Wenn das letzte Unternehmen pleite oder weg gegangen ist, werdet ihr merken, daß auch keiner mehr bezahlen kann. Denn wenn Alles allen gehört, gehört keinem mehr etwas und keiner kümmert sich mehr. jmonig
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Diejenigen, die aus der Weitergabe ersparten Vermögens an Ehepartner oder Kinder eine Ungerechtigkeit konstruieren sind möglicherweise diejenigen Politiker, die als Minister ihre Positionen nutzen, um Ehepartner oder Kinder unter Ausnutzung ihrer Macht und Netzwerke in gut dotierte Stellen zu bugsieren, was genau genommen eine ganz besondere Art der Erbschaft ist, auf die nicht einmal Steuer bezahlt werden muss. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann, dass die gut dotierten Stellen Steuer- oder Zwangsgebühren-finanziert sind. Und so mancher Politiker oder Minister hat sich seinen Posten nicht durch herausragende Tüchtigkeit verdient, sondern eher durch herausragendes Kungeln und einen Listenplatz. Wenn schon über Gerechtigkeit diskutiert wird, dann aber doch umfassend. M.Schraag
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Der Vergleich mit Zürich ist sehr gut, da lässt sich weiterbohren: Deutschland hat 1,7 Millionen Millionäre, die Schweiz 1,2 Millionen Millionäre.
Deutschland hat 82 Millionen Einwohner, die Schweiz 8.
Was läuft da katastrophal falsch? Hat die marxistische Verdummung nicht schon genug Schaden angerichtet? Albert Martini
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Für den Sozialismus ist die Vertreibung des Kapitalismus eine vitale Lösung. In der jungen DDR wurde der Kapitalismus kurzerhand enteignet. Es geht um den neuen Sozialismus, der nicht übers Knie gebrochen installiert werden soll. Schleichend, subtil und über Generationen eingeimpft. Der Sozialismus wird nie sterben. Die Ausschaltung von sogenannten negativen Gefühlen, wie Neid, Geiz oder Stolz ist eine tragend Säule des Sozialismus. Das inflationäre Teilen von Gefühlen im Internet und anderen elektronischen Medien ist ein weiterer Grundstein der schleichenden Auflösung der Persönlichkeit. Karsten Dörre

Ein leistungsfeindliches, weil ohne nennenswertes Know-how ausgestattetes Milieu wird immer nach der Leistung der Leistungsfähigen schielen und sich des Staates bemächtigen, um möglichst viel von Letzteren abzugreifen. Die Grenze dieses parasitären Systems liegt schlicht da, wo sich Leistung aus Sicht der Leistungsfähigen nicht mehr lohnt. Dann bricht das System zusammen und es gibt zwar Gleichheit, allerdings in Armut für Alle – ausgenommen die Funktionärskaste. Das ist dann Sozialismus / Kommunismus. Siehe DDR 1.0. S.Buch

 

Auf die Corona-Krise könnten Verteilungskämpfe folgen
Wer kann gewinnen?
von Johannes Eisleben

Der Covid-Lockdown löst derzeit eine Wirtschaftskrise aus, die zu einem massiven globalen, synchronen Rückgang der Güter- und Dienstleistungsproduktion führen wird, wie wir ihn seit 1816 – dem Jahr ohne Sommer – nicht mehr erlebt haben. Denn keine Krise seitdem hat, wie wir ihn heute erleben, zu einem global synchronisierten Produktionsaufall geführt. Für 2020 ist in Deutschland mit einem Einbruch des Bruttosozialprodukts um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu rechnen, in anderen Ländern der OECD dürfte es ähnlich aussehen.
Covid-19 ist nur der Auslöser, nicht aber die Ursache der Krise, die viel mehr in der massiven globalen Verschuldung von etwa 250 Billionen (250.000 Milliarden, Stand: Ende 2019) US-Dollar liegt. Diese Schulden werden 2020 um mindestens weitere 20 Billionen anwachsen, wobei ein Großteil durch monetäre Staatsfinanzierung erzeugt werden dürfte: Es werden staatliche Schuldscheine digital oder physisch gedruckt oder private Schuldscheine und Firmenanteile mit frischgedrucktem Geld aufgekauft.

Der Mechanismus der kommenden Reduktion der Wirtschaftsleistung ist ein kombinierter Angebots- und Nachfrageschock. Die Unternehmen können nicht mehr so viel produzieren wie bisher, weil ihnen die Zulieferung oder die liquiden Mittel fehlen, um bei der Produktion in Vorleistung zu gehen. Die Kunden kaufen weniger, weil sie aus Sorge um die Zukunft ihre Mittel zusammenhalten.

Es kommt durch den hohen Anteil bereits vor der Krise massiv verschuldeter Zombieunternehmen rasch zu Unternehmenspleiten, die beide Tendenzen verstärken. Daraus resultiert eine sich verstärkende Negativspirale.

Wenn die Wirtschaftsleistung so stark schrumpft, ist es egal, wieviel Schuldscheine und Papiergeld ausgegeben werden: Geld und Anleihen kann man nicht konsumieren, und die Menge verteilbarer und nutzbarer Güter sinkt. Dadurch entstehen ganz von selbst unter denjenigen, die schon heute wenig haben, Verteilungskämpfe.

Vorboten solcher Kämpfe haben wir in Deutschland zuletzt mit den Bauernprotesten gegen die Agrarpolitik erlebt. Die Bauern wehren sich dagegen, als Folge dieser Politik Einkommen und im schlimmsten Fall ihr Eigentum zu verlieren. In Frankreich sind die Gelbwesten-Proteste bereits Ausdruck eines steigenden Verteilungsdrucks. Denn wer in Frankreich das Medianeinkommen oder weniger verdient, der erlebt schon seit vielen Jahren eine Einkommensstagnation oder gar eine -entwertung, die mittlerweile so weit geht, daß eine angemessene Beteiligung an der Alltagskultur auch für hart arbeitende Familieneltern der Unterschicht und unteren Mittelschicht sehr schwer oder gar unmöglich wird.

Da der französische Staat gleichzeitig immer leistungsschwächer wird und die Einhaltung tradierter sozialer Normen des Rechtsstaats durch den hohen Anteil an Migranten stark nachläßt, erleben wir in Frankreich bereits offene Verteilungskämpfe. Zuletzt in Dijon und chronisch in Marseille kämpfen parasitär agierende Migranten um ihren Anteil an der Beute aus dem Verstoß gegen Rechtsnormen der französischen Gesellschaft.

In Deutschland werden mit der Reduktion der Verteilungsmasse ähnliche Kämpfe beginnen. Wie werden dabei die Fronten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen verlaufen, wie werden sie sich organisieren? Beginnen wir mit der Bestandsaufnahme der klassischen und der neuen Verlierer.

Die klassischen Verlierer sind autochthone und zugewanderte „Ausgeschlossene“ (Heinz Bude). Menschen, die am Wertschöpfungsprozeß nicht teilnehmen können oder wollen und von der Sozialhilfe, dem bedingungslosen Grundeinkommen, das wir längst eingeführt haben, leben. Diese Gruppe ist in den letzten zehn Jahren stetig gewachsen und hat sich seit 2015 rasch vergrößert, weil viele Migranten eingereist sind, deren Fähigkeiten nicht ausreichen, um in Deutschland erwerbstätig zu sein. Zu ihnen gehören auch verarmte Rentner sowie Obdachlose.

Die Mitglieder dieser Gruppe erwarten und erhalten vom Staat zwar Versorgungsgelder, doch sind die meisten von ihnen nicht an der politischen Willensbildung beteiligt. Manche bessern ihr Einkommen durch Schwarzarbeit oder Kriminalität auf, andere durchwühlen Mülltonnen nach Pfanddosen, nutzen die private Armenhilfe (wie die Tafeln) oder betteln um Almosen.

Wie organisationsfähig ist diese heterogene Gruppe der Ärmsten und Schwächsten? Ein Teil dieser Menschen ist vereinsamt und hat wenig soziale Beziehungen, sie können sich und lassen sich nicht organisieren.

Autochthone Angehörige der Unterschicht sind oft in ihrem Sozialstatus verfestigt und leben in losen Gemeinschaften, doch sind sie nicht tief in die Vergesellschaftungsstrukturen eingebunden, sondern empfinden Behörden und Ämter als Gegner.

Am besten organisationsfähig unter den klassischen Verlierern sind Migranten, die entweder als Clans und Familien einwandern oder sich mit Landsleuten eine lokale Gemeinschaft aufbauen. Diese Gemeinschaften sind oftmals durch Verwandtschaftsbeziehungen organisiert und durch einen hohen Wert- und Kulturethos gekennzeichnet, wobei die kulturellen Inhalte ganz andere sind als die der Autochthonen.

Interessanterweise sind die meisten der Migrantengruppen jedoch nicht als Gesellschaften organisierbar, das bedeutet, sie organisieren sich aufgrund persönlicher Verwandtschaft und Bekanntschaft, aber nicht in anonymen Gruppen aufgrund kulturell-normativer Strukturen. Die Tschetschenen, die in Dijon einen Straßenkrieg gegen nord­afrikanische Migranten geführt haben, sind eine seltene Ausnahme, die sich aus der besonderen Geschichte dieses Volkes ergibt. In diesem Fall hat sich eine Volksgruppe organisiert, innerhalb derer es nicht notwendigerweise persönliche Verbindungen, aber gemeinsame Werte, Normen und abstrakte Sozialbeziehungen gibt.

Doch beim überwiegenden Teil der nichtintegrierten, zu unserer Unterschicht gehörenden Migranten ist die Lage ganz anders. Denn wir haben es bei dieser hochgradig heterogenen Population mit keinen Parallelgesellschaften zu tun, wie oft fälschlich gesagt wird, sondern mit vielen ganz unterschiedlichen Parallelgemeinschaften, die sich untereinander nicht organisieren und vergesellschaften, weil es am Vergesellschaftungsmaterial mangelt.

Es fehlt diesen Gruppen – selbst wenn sie aus einem einzigen Land und einem gemeinsamen Kulturraum kommen – ein wesentlicher Entwicklungsschritt, um vom Vergemeinschaftungs- zum Vergesellschaftungsmodell der Sozialität zu gelangen, wie schon Jack Goody in „Die Entwicklung von Ehe und Familie in Europa“ und Max Weber in „Wirtschaft und Gesellschaft“ schrieben. Sie befinden sich in einem Zustand der Vergemeinschaftung aufgrund persönlicher und verwandtschaftlicher Beziehungen, der im Abendland seit der Spätantike durch die Ächtung von Verwandtenehe und Polygamie sowie andere Mechanismen überwunden wurde und ab dem 14. Jahrhundert in die Herausbildung von Normen und Institutionen mündete, die eine anonyme Vergesellschaftung im Sinne moderner Staaten ermöglichten.

Es wird zu einer Renaissance des Ordnungsstaates kommen. Dabei ist abzusehen, daß vergesellschaftungsfähige Gruppen gegenüber jenen, die lediglich vergemeinschaftungsfähig sind, die Oberhand gewinnen werden.

Bei den meisten Migranten finden wir aber nur Vergemeinschaftung in relativ kleinen Gruppen von maximal 300 Mitgliedern. Das ist ein sehr wesentlicher Unterschied zu dem uns vertrauten Vergesellschaftungsmuster, da bei Konflikten nicht davon ausgegangen werden muß, daß die Migranten als Gesellschaften, sondern eher als kleine Gemeinschaften um ihre Interessen kämpfen.

Was ist mit den neuen Verlierern? Es sind Absteiger, die bis April 2020 voll am Wertschöpfungsprozeß beteiligt waren und nun durch Verlust des Arbeitsplatzes oder des Realgehaltes Einkommen oder Eigentum verloren haben oder es verlieren werden, weil sie etwa ihre Hypothek nicht mehr bedienen können.
Solche Verlierer kommen aus allen Schichten, die nicht über ein Realeigentum verfügen, das über das eigene Wohnhaus hinausreicht. Sie sind gut, sehr gut und erstklassig ausgebildete, hochmoderne Funktionsträger unserer Gesellschaft. Ihre Vergesellschaftungsmechanismen umfassen das volle Repertoire moderner Sozialität: Verbände, Parteien, Gewerkschaften, Vereine, Gesellschaften, Genossenschaften, Institutionen und viele andere.
Sie sind hochgradig organisierbar und dafür nicht auf Verwandtschaft oder Bekanntschaft angewiesen. Historische Beispiele dieser Organisierbarkeit sind Generalstreiks, Mobilmachungen, Massendemonstrationen oder kollektiver ziviler Ungehorsam, wie in den 1980er Jahren im Kampf gegen die Volkszählung oder die Atomenergie, der Kampf gegen die Deindustrialisierung des Ruhrgebiets oder die Demonstrationen beim Untergang der DDR. Dabei wird auf abstrakte kollektive Normen und Werte zurückgegriffen, mit denen sich qualifizierte Verlierer identifizieren und massenhaft mobilisieren lassen.
Was bedeutet dies für die Verteilungskämpfe? Zunächst ist festzustellen, daß die politische Repräsentation durch die Parteien sich drastisch ändern wird, wenn die neuen Verlierer sich zu organisieren beginnen. Ernsthafte materielle Themen werden dann die heute vorherrschenden ideologischen, nominalistischen, antimaterialisischen Themen wie Gender, Rasse, Grippeviren oder Klima verdrängen, und zusätzlich wird eine andere Art von Politikern die heutige Sonnenscheingeneration ablösen.
Es wird auch zu einer Renaissance des Ordnungsstaates kommen. Dabei ist abzusehen, daß Gruppen, die sich mit Hilfe von Mechanismen der Vergesellschaftung organisieren können, gegenüber Gruppen, die lediglich vergemeinschaftungsfähig sind, die Oberhand gewinnen werden – weitgehend unabhängig davon, wie die relativen Anteile der Gruppen an der Bevölkerung verteilt sind.
Daher ist klar, wer sich durchsetzen wird: die neuen Verlierer und diejenigen Migranten, die vergesellschaftungsfähig sind wie die Tschetschenen in Frankreich. Es ist zu hoffen, daß die Renaissance des Ordnungsstaates möglichst früh einsetzt, damit die Verteilungskämpfe nicht dauerhaft und flächendeckend mit Gewaltmitteln auf der Straße ausgetragen werden, wie dies punktuell jüngst in Dijon oder Stuttgart der Fall war.
… Alles vom 10.7.2020 von Johannes Eisleben bitte lesen in der JF, 26/20, Seite 18
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Johannes ­Eisleben, Jahrgang 1971, ist Mathematiker und arbeitet als Systeminformatiker. Er publiziert auf dem Portal ­achgut.com sowie in der Zeitschrift Tumult. Mit seiner Familie lebt er bei München. Auf dem Forum schrieb er zuletzt über den Krankheitscharakter der Transsexualität („Opfer der Genderideologie“, JF 13/20).

 

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