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- Klima-Studie des PIK in Nature: Zweifel, Rückzug? (5.9.2025)
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Klima-Studie des PIK in Nature: Zweifel, Rückzug?
Eine haarsträubende Klima-Studie des PIK fällt in sich zusammen. Die Modellierung war trotz heftiger Widerstände in Nature publiziert worden
Land unter für Klimaforscher
Mathias Pellack
Es war eine jener Zahlen, die sich tief in die Schlagzeilen fräsen: weltweit 19 Prozent Einkommensverlust bis 2050 (rund 38 Billionen Dollar pro Jahr) – so die Prognose einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), die am 17. April 2024 in der renommierten Fachzeitschrift Nature erschien. Selbst wenn die Menschheit von einem Tag auf den anderen alle Emissionen stoppen würde, so die Autoren um die junge Ökonomin Leonie Wenz und den Modellierer Maximilian Kotz, seien diese Schäden unausweichlich. Ein Hammer – der nun nach über einem Jahr massiv an Durchschlagskraft verlieren könnte. Die Medien sprangen an. Der linksgrüne Guardian sprach vom „heftigsten ökonomischen Tribut der Klimakrise“, die Washington Post sah den Wohlstand der USA bedroht. FAZ und Spiegel zitterten in Deutschland. Die Studie war ein Medienereignis.
Das PIK-Ergebnis war eindeutig und drastisch: Egal, was die Politik jetzt tue, fast ein Fünftel des künftigen Einkommens sei verloren. Die Schäden durch den Klimawandel wären dreimal größer als bisher angenommen. Zum anderen bot die Arbeit den lange ersehnten Vergleich: Die Kosten des Klimawandels seien sechsmal höher als die Kosten für die Begrenzung auf zwei Grad. Win-win für die Klima-NGOs, die dahinterstehende Wirtschaft und die Bevölkerung also? Wer nicht handle, verursache volkswirtschaftlich größeren Schaden als jeder Klimaschutz je kosten könnte, war das Argument.
Die Studie diente dazu, grüne Investitionen zu steuern
Die Zahlen kamen zur rechten Zeit. Zentralbanken, Versicherungen und Investoren suchen seit Jahren nach robusten Modellen, wie sich Klimarisiken in Bilanzen übersetzen lassen. Und genau hier kam das Potsdam-Institut ins Spiel. Das PIK ist kein einfaches akademisches Institut. Es liefert regelmäßig Input für den Weltklimarat (IPCC), berät Ministerien und spielt eine Schlüsselrolle im Network for Greening the Financial System (NGFS) – einem Zusammenschluß von über 100 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden. Dieses Netzwerk hat sich seit 2017 zum Ziel gesetzt, die Stabilität der Finanzmärkte gegenüber Klimarisiken zu sichern. Die Ergebnisse wandernten quasi sofort in die Empfehlungen und Handouts der Zentralbanken. Sie dienen dazu, grüne Investitionen zu steuern.
Die Szenarien, mit denen Banken ihre Streßtests rechnen, stammen aus einem Konsortium unter Leitung des PIK, das inzwischen von Ottmar Edenhofer geführt wird. Koordinator ist der Physiker Elmar Kriegler. Finanziert wird diese Arbeit – und hier schließt sich ein Kreis – maßgeblich durch die ClimateWorks Foundation, eine US-Stiftung, die die Klima-Forschung subventioniert. ClimateWorks schreibt offen: Sie finanziert „analytische Unterstützung“ für das NGFS, indem sie akademische Partner wie das PIK bezahlt.
Institutionelle Nähe also, die nicht zwangsläufig Korruption bedeutet, aber Fragen aufwirft: Wenn das PIK eine Studie veröffentlicht, die extreme Klimaschäden nahelegt – und diese Studie quasi über Nacht vom NGFS in seine offiziellen Modelle übernommen wird –, wie unabhängig sind die Prozesse? Tatsächlich dauerte es nur wenige Wochen, bis das NGFS die Schadensfunktion von Kotz et al. in seinen Datensatz integrierte. Dort steht sie bis heute.
Kritiker merkten an, daß die NGFS-Analysten damit einer einzigen, neuen und noch unbestätigten Studie enorme Autorität einräumten. Ein Analyst des Bank Policy Institute sprach offen von „Confirmation Bias“: Man habe genau die Ergebnisse begrüßt, die ins Bild paßten – hohe, dramatische Kosten, die den Bedarf an Klimapolitik unterstreichen. Die Autoren selbst erklärten in Nature, sie hätten „keine konkurrierenden Interessen“. Formal sei man unabhängig von NGFS und ClimateWorks.
Im Sommer 2024 begannen erste Fachkollegen, genauer hinzuschauen, wie zuerst die Welt berichtete. Im Juni veröffentlichte Nature eine kleine „Author Correction“ – formale Fehler, hieß es. Doch im Herbst wurde der Druck stärker. Externe Wissenschaftler stießen auf auffällige Datenanomalien: Im Datensatz für Usbekistan hatte das Team um Kotz offenbar falsche Zahlen des Bruttoinlandsprodukts verwendet, die die Ergebnisse massiv verzerren. Ohne die Daten aus Usbekistan entsprächen die Schadensabschätzungen von Kotz et al. denen vorheriger Studien.
Die Kritik war so gravierend, daß Nature am 6. November 2024 einen Editor’s Note veröffentlichte – eine Art Warnschild für Leser: Die Zuverlässigkeit der Ergebnisse sei in Frage gestellt, man prüfe „angemessene redaktionelle Schritte“. Solche Hinweise sind selten und deuten an, daß eine Studie möglicherweise zurückgezogen werden könnte. Doch dann passiert lange nichts. Offenbar wartete das Magazin, bis die Studienautoren reagieren können.
Erst diesen Monat eskalierte die Debatte. Gleich zwei sogenannte „Matters Arising“ – kritische Repliken erschienen in Nature. Das eine von Bearpark et al.: Sie belegten, daß die vermeintlich gigantischen Schäden nach Korrektur der Daten wieder im Bereich früherer Studien lagen. Das andere von Christof Schötz: Er zeigte, daß die Signifikanz der Ergebnisse zusammenbricht, sobald man die Unsicherheiten korrekt behandelt. Die Schlußfolgerung muß sein: Kotz lieferte nicht die Evidenz, die für politische Entscheidungen nötig wäre.
Alle befaßten Gutachter übten scharfe Kritik an der PIK-Studie
Die Autoren aus Potsdam reagierten defensiv-offen: Man begrüße die Debatte, werde die Modelle überarbeiten, die Grundbotschaft bleibe aber bestehen. Doch im wissenschaftlichen Raum war das Vertrauen erschüttert. Allein das NGFS benutzt weiterhin unbeirrt die seit einem halben Jahr stark bezweifelten Daten.
Für Nature war der Fall heikel. Einerseits gilt das Journal als härteste Instanz im Peer-Review. Wie sich nun herausstellt, hatten auch alle Reviewer harte Kritik an der Studie geübt, was die ungewöhnlich lange Begutachtung von 13 Monaten erklärt. Einer hatte „große Bedenken hinsichtlich der Unsicherheit und Gültigkeit des empirischen Modells“, das Kotz verwendet hatte. Ein anderer riet: „Es könnte für diese Studie hilfreich sein, nicht den oft übertriebenen Darstellungen in der Literatur zu folgen“.
Der dritte erklärte, daß die statistische Methodik der Arbeit „keinerlei wissenschaftliche Grundlage“ habe. Trotz alledem hatte Nature entschieden, die „bahnbrechende“ Studie zu veröffentlichen.
Doch eine endgültige Entscheidung, ob der Artikel zurückgezogen wird, steht noch aus. Damit hängt das Damoklesschwert über einer Arbeit, die weltweit in Politik und Medien bereits Fakten geschaffen hat. Das letzte Wort hat Nature. Eine Retraction wäre ein schwerer Schlag für das PIK und für das Vertrauen in Teile der Klimawirkungsforschung und für das Magazin selbst. Eine größere Korrektur könnte die Ergebnisse relativieren und in den Rahmen früherer Studien einordnen. Klar ist: Die Debatte um Klimaschäden, ökonomische Risiken und die Rolle der Wissenschaft in der Politik wird mit diesem Fall noch intensiver geführt werden.
Die PIK-Studie „The economic commitment of climate change“ https://www.nature.com/articles/s41586-024-07219-0
…. Alles vom 5.9.2025 von Mathias Pellack bitte lesen in der JF 37/25, Seite 22
CWG: Die Klimawissenschaft ist zurück
US-Energieminister Chris Wright hat eine unabhängige Expertengruppe mit der kritischen Neubewertung der Klimawissenschaft beauftragt. Unsere Autorin (Foto oben) gehört ihr an. US-Energieminister Chris Wright hat eine Neubewertung der Klimaforschung in Auftrag gegeben: „A Critical Review of Impacts of Greenhouse Gas Emissions on the U.S. Climate“ https://www.energy.gov/topics/climate
…
Der Bericht wurde von der Climate Working Group (CWG) des Energieministeriums verfasst. Mitglieder der Arbeitsgruppe sind John Christy, Judith Curry, Steve Koonin, Ross McKitrick und Roy Spencer. https://judithcurry.com/wp-content/uploads/2025/07/biosketches.pdf
…
Die CWG hat das Thema Klimawandel insgesamt etwas anders formuliert als der IPCC und die US-amerikanischen National Climate Assessments (NCA). Unsere Bewertung ist stark datengestützt und berücksichtigt sowohl natürliche Klimaschwankungen als auch menschliche Ursachen. Wir betrachten eine Reihe von Themen, die wir für wichtig halten, die aber in den Berichten des IPCC und der NCA nur am Rande behandelt (oder völlig ignoriert) wurden. Einige Beispiele:
Kapitel 1 erörtert die wissenschaftlichen Gründe dafür, CO2 als Schadstoff zu betrachten (oder nicht).
Abschnitt 2.1 untersucht das „globale Ergrünen” einschließlich der Vorteile für die Landwirtschaft.
Abschnitt 2.2 enthält eine kurze Bewertung der Alkalität der Ozeane und des sogenannten Problems der Ozeanversauerung, einschließlich der jüngsten Erholung der Korallenriffe.
Abschnitt 3.2 liefert eine klare Begründung gegen die Verwendung extremer Emissionsszenarien in politikrelevanten Analysen.
Abschnitt 3.3 enthält eine umfassende Bewertung des städtischen Wärmeinseleffekts.
Kapitel 4 bewertet die mit der Klimasensitivität verbundenen Unsicherheiten und diskutiert dabei ausführlich die jüngsten Arbeiten von Nic Lewis.
Kapitel 5 hinterfragt Klimamodelle anhand von Beobachtungen; es ist schwer zu behaupten, dass sich globale Klimamodelle überhaupt für politikrelevante Zwecke eignen.
Kapitel 6 enthält eine umfassende Analyse extremer Wetterereignisse in den USA unter Verwendung aller verfügbaren Daten seit 1900 (wo möglich auch früher) im Kontext der natürlichen Klimavariabilität.
Kapitel 7 hinterfragt die extremen Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels und betont die Bedeutung vertikaler Landbewegungen für lokale Veränderungen des Meeresspiegels.
Abschnitt 8.2 hinterfragt herkömmliche Vorstellungen zur Zuordnung der globalen Erwärmung hinsichtlich Problemen mit den statistischen Analysemethoden und einer unzureichenden Bewertung der natürlichen Klimavariabilität.
Abschnitt 8.4 hebt den Rückgang der planetarischen Albedo und der Wolkendecke seit 2015 hervor, einschließlich einer Analyse der Beiträge der natürlichen Variabilität.
Abschnitt 8.6 bewertet Herausforderungen und Probleme bei der Zuordnungsanalyse einzelner Extremereignisse.
Kapitel 9 über die Landwirtschaft zeigt, dass steigende CO2-Konzentrationen und die Erwärmung voraussichtlich einen Nettovorteil für die US-Landwirtschaft darstellen werden.
Abschnitt 10.3 befasst sich mit der Sterblichkeit aufgrund extremer Temperaturen (sowohl Hitze als auch Kälte), einschließlich eines Abschnitts über Sterblichkeitsrisiken und Energiekosten.
Abschnitt 11.1 verdeutlicht die geringe Bedeutung der globalen Erwärmung für das Wirtschaftswachstum.
Abschnitt 11.2 bewertet die tiefgreifenden Unsicherheiten im Zusammenhang mit Schätzungen der sozialen Kosten der Nutzung fossiler Energien.
Kapitel 12 kommt zu dem Schluss, dass politische Maßnahmen der USA voraussichtlich nur geringfügige direkte Auswirkungen auf das globale Klima haben werden und dass etwaige Auswirkungen erst mit großer Verzögerung eintreten werden.
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Wenn Sie nur Zeit haben, ein paar Kapitel zu lesen, empfehle ich Ihnen Kapitel 6, 8 und 11. Aber jedes Kapitel ist ziemlich interessant – Sie werden überrascht sein, was Sie beim Lesen lernen! Während ein einzelner Autor die Federführung für jedes Kapitel übernahm, leisteten mindestens zwei bis drei Teammitglieder einen wesentlichen Beitrag zu jedem Kapitel. Ich betrachte diese Arbeit als einen Fall, in dem das Ganze wesentlich mehr ist als die Summe seiner Teile.
…
Ein äußerst wichtiges Thema fällt durch die Maschen der Energie- und Klimapolitik, und das betrifft extreme Wetter- und Klimaereignisse. Die sogenannte Attribution, die darin besteht, dass jedes extreme Wetterereignis als Folge des menschengemachten Klimawandels dargestellt wird, ist ein wichtiges Propagandainstrument, um „Klimaschutzmaßnahmen” voranzutreiben. Es wird suggeriert, dass schlechtes Wetter verschwände, wenn wir aufhörten, fossile Brennstoffe zu verbrennen.
Diese Denkweise hat dazu geführt, dass wir die wahren Ursachen unserer Anfälligkeit für extreme Wetterereignisse ignorieren und aufgrund des „Klimawandels” untätig bleiben. Obwohl es kaum einen Zusammenhang zwischen extremen Wetterereignissen und der Erwärmung durch fossile Brennstoffe gibt (siehe den CWG-Bericht), sind die USA derzeit erheblich gefährdet (und die Stromversorgungssysteme sind extrem anfällig für extreme Wetterereignisse). Die Bewertung und Bewältigung solcher Risiken erfordert gute Wetter- und Klimadaten, verbesserte Wetter- und saisonale Klimaprognosen sowie bessere Warnsysteme – es ist große Sorgfalt erforderlich, um zu vermeiden, dass wichtige Informationen und Dienste im Rahmen des aktuellen Spareifers verloren gehen.
Und schließlich kann ich eine Vorhersage mit Zuversicht treffen. Der Michael-Mann-Flügel der Klimadebatte wird diesen Bericht hassen. Weil die Autoren der CWG renommierte Wissenschaftler außerhalb seines „Stammes“ sind, und weil der Bericht zeigt, dass Mann et al. die Kontrolle über die Klimadiskussion in den USA verlieren, und wegen des Trump-Derangement-Syndroms. Ihre übliche Strategie der persönlichen Angriffe wird gegen den CWG-Bericht, der evidenzbasiert, gründlich dokumentiert und logisch argumentiert ist, nicht verfangen.
Meine Empfehlungen für die Klimawissenschaft/Klimawissenschaftler: Akzeptiert die Komplexität der Klimawissenschaft und erkennt Unsicherheiten und Meinungsverschiedenheiten an. Hört auf, einen falschen „Konsens“ zu beschwören, und hört auf, mit der Klimawissenschaft Machtpolitik zu betreiben. Beteiligt Euch konstruktiv an dem Dialog, den das US-Energieministerium und der CWG-Bericht zu fördern versuchen, um die objektive Physik wieder in die Klimadebatte einzubringen. Die US-Bundesmittel für die Klimaforschung werden von der Trump-Regierung dezimiert – worin ich keinen großen Schaden erkennen kann. Wenn wir diesen Bereich der wissenschaftlichen Forschung retten wollen, sind andere Schwerpunkte und Verhaltensweisen erforderlich.
… Alles vom 11.8.2025 von Judith A. Curry bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/die_klimawissenschaft_ist_zurueck
Judith A. Curry ist eine amerikanische Klimatologin und ehemalige Leiterin der School of Earth and Atmospheric Sciences am Georgia Institute of Technology. Zu ihren Forschungsinteressen gehören Wirbelstürme, Fernerkundung, atmosphärische Modellierung, polares Klima, Wechselwirkungen zwischen Luft und Meer, Klimamodelle und der Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge für die Atmosphärenforschung. Sie ist Autorin und Herausgeberin einiger Bücher sowie von über 130 Fachartikeln und betreibt den Blog Climate Etc.
