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Abfall mit dem Leiterwagen zum Recyclinghof bringen am 28.9.2012. Deutsch und Französisch (rechts)

 

 

 

 

Dialekt im Elsass „Teil des kulturellen Erbes“ – ABCM

Was bedeutet der Dialekt für Menschen im Elsass? Ganz schön viel, sagt Karine Sarbacher, Präsidentin des Schulvereins ABCM Zweisprachigkeit. Sie erklärt, warum sie bilingualen Unterricht wichtig findet.
Ein neues Gesetz zur Anerkennung der französischen Regionalsprachen sollte erstmals auch einen vertieften Unterricht in den regionalen Sprachen und Dialekten an staatlichen Schulen ermöglichen. Doch das Pariser Verfassungsgericht kassierte dies (die BZ berichtete). Bretonisch, Baskisch, Korsisch oder Elsässisch passen anscheinend nicht in das französische Bild von der Nation. Mit Karine Sarbacher, Präsidentin des Schulvereins ABCM Zweisprachigkeit, hat Bärbel Nückles über die Bedeutung dieser Entscheidung für das Elsass gesprochen.
BZ: Madame Sarbacher, bilingualer Unterricht wird im Elsass mehr oder weniger flächendeckend an öffentlichen Schulen angeboten. Beim immersiven Ansatz oder Sprachbad findet Unterricht ausschließlich in der Zielsprache statt. Warum ist das aus Ihrer Sicht notwendig?
Sarbacher: Das Elsass ist aufgrund seiner historischen Entwicklung zweisprachig. Seit 30, 40 Jahren beherrscht die jüngere Generation längst nicht mehr selbstverständlich neben Französisch auch unseren alemannischen Dialekt und Deutsch. Als wir unseren Verein vor 30 Jahren gegründet haben, dachten wir, ein bilinguales Konzept, also mit Unterricht je zur Hälfte in deutscher und französischer Sprache im Wechsel, würde ausreichen.
Sprachenstreit: Frankreichs Dialekte sterben langsam aus

BZ: Warum sind Sie davon abgekommen?
Sarbacher: Vor etwa 15 Jahren stellten wir fest, dass die Kinder Deutsch und Alemannisch so gut beherrschten, dass sie tatsächlich zweisprachig waren.

BZ: Der Dialekt und Hochdeutsch erinnerten nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehr an die Nationalsozialisten. Das Elsass war wieder französisch, in der staatlichen Schule waren die deutschen Wurzeln tabu. Wurde die Regionalsprache auch noch in den 90er-Jahren unterdrückt, als der Verein gegründet wurde?
Sarbacher: Die Mehrheit der Bevölkerung hat es sich im Laufe der Jahrzehnte abgewöhnt, spontan Elsässisch zu sprechen. Damit ist auch die Verbindung zum Hochdeutschen verloren gegangen. Mit dem bilingualen Ansatz ist es uns gelungen, dass die Kinder nach der Grundschulzeit sehr gut Deutsch verstehen. Bei der mündlichen Kompetenz sahen wir jedoch erheblichen Aufholbedarf.

BZ: Was haben Sie verändert?
Sarbacher: Wir hatten uns von Anfang an mit den Basken und Bretonen ausgetauscht. Dort wird seit fünf Jahrzehnten mit der Sprachbad-Methode in der Regionalsprache unterrichtet. Unsere pädagogische Leiterin hat mehrere Jahre investiert, um die staatlichen Vorgaben für den Lernstoff entsprechend anzupassen. Schließlich müssen unsere Kinder nach der Grundschule in allen wichtigen Fächern dieselben Kompetenzen wie ihre Altersgenossen erworben haben. Ab dem Jahr 2017 haben wir dann Modellklassen eingerichtet. Während der ersten fünf Jahre [École maternelle ab dem 3. Lebensjahr, Anmerkung der Redaktion] unterrichten wir die Kinder im Wechsel zwei Tage in deutscher Sprache und zwei Tage auf Elsässisch. Das folgende Jahr [Beginn der École élémentaire, Anm. der Red.] läuft ausschließlich auf Deutsch ab. Danach wird vier Jahre lang bis zum Ende der Grundschule an zwei Tagen auf Deutsch und an zwei Tagen auf Französisch unterrichtet. Etwas Elsässisch behalten wir bei.

BZ: Die Kinder sollen Elsässisch genauso wie Hochdeutsch lernen. Warum ist das wichtig?
Sarbacher: Für uns Elsässer geht es um unsere Wurzeln und unsere Identität als Grenzregion. Wer Elsässisch und Deutsch spricht, verfügt zudem über eine wichtige Qualifikation für später.

BZ: Ist das einer der Gründe, warum sich Eltern für Ihre Schule entscheiden?
Sarbacher: Die einen schließen eine Lücke, auch eine emotionale Lücke, weil sie selbst oder ihre Eltern Elsässisch nicht mehr weitergeben können. Andere empfinden die Regionalsprache einfach als Bereicherung. Beide Gruppen sehen, dass ihre Kinder vielfach profitieren. Deutschland und die Schweiz liegen nebenan. Es geht auch um geistige Offenheit und den kulturellen Zugang zu unseren europäischen Nachbarn.
BZ: Haben die Kinder am Ende nicht Defizite im Französischen?
Sarbacher: Ganz im Gegenteil. Basken und Bretonen beweisen seit vielen Jahren, dass Kinder aus den immersiven Schulen keinerlei Lerndefizite haben. Man darf nicht vergessen, dass außerhalb der Schule, in den Familien, in den Ferien, bei außerschulischen Aktivitäten Französisch dominiert.
BZ: Das Urteil des Verfassungsgerichts betrifft die öffentlichen Schulen, berührt Ihre Arbeit jedoch nicht. Warum bringt Sie die Entscheidung dennoch auf?
Sarbacher: Das Gesetz war ein wichtiges Signal und es war von einer breiten Mehrheit in der Nationalversammlung getragen. Eine Ausweitung des Immersionskonzepts auf die staatlichen Schulen hätte einen entscheidenden Beitrag geleistet, um die Regionalsprachen auf Dauer zu erhalten. Sie sind Teil unseres kulturellen Erbes.
… Alles vom 12.6.2021 von Bärbel Nückles im Interviewmit Karine Sarbacher bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/bedeutung-des-dialekts-im-elsass-teil-unseres-kulturellen-erbes–202557407.html

Karine Sarbacher (50) ist seit 2007 Vorsitzende des Vereins ABCM Zweisprachigkeit, zu dem im Elsass zwölf Grundschulen gehören. Bei ABCM hat sie sich engagiert, als ihre eigenen, inzwischen erwachsenen Kinder dort zur Schule gegangen sind.
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Dialekt im Elsass
Etwa 14 000 Kinder werden in Frankreich in einer Regionalsprache unterrichtet. Die zwölf Schulen von ABCM Zweisprachigkeit im Elsass besuchen derzeit 1240 Kinder zwischen drei und elf Jahren. Seit Jahrzehnten nimmt die Zahl der aktiven Elsässisch-Sprecher kontinuierlich ab. In einer Umfrage von 2012 bezeichneten sich 43 Prozent der Elsässer als Dialektsprecher. In der Gruppe bis 17 Jahre lag ihr Anteil bei drei Prozent (Quelle: OLCA/ https://www.olcalsace.org). ABCM finanziert sich aus Beiträgen der Eltern und über Zuschüsse der Kommunen, der Region Grand Est und der elsässischen

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Immersion-Methode: Ein Lehrer Französisch – ein Lehrer Deutsch
Die effektivste Methode des Spracherwerbs ist die Immersionsmethode (Immersion ist das Eintauchen/Versinken in eine Sprache). Dabei ist die neue Sprache die Arbeits- und Umgangssprache, wobei gemäß „Eine Person – eine Sprache“ ein Lehrender nur Deutsch spricht, der andere nur Französisch. Alles, was die fremdsprachliche Lehrkraft sagt, verstärkt sie allein durch Mimik, Gestik oder Zeigen, aber nicht durch Übersetzung.
Das Kind erschließt sich damit die Sprache eigenständig Stück für Stück aus dem Zusammenhang der Situation. Dies bildet die natürlichste Art nach, wie Kinder Sprachen lernen, gleichgültig, ob als erste oder zweite Sprache. Immersion verfährt daher kindgerechter als jede andere Methode, denn sie motiviert und kommt ohne Zwang aus. Wissenschaftlich ist erwiesen, dass sich mit der Immersion ein höheres fremdsprachenniveau in der Fremdsprache erreichen lässt als mit herkömmlichem Fremdsprachen-Unterricht.
Die Immersion ab Kita bzw. 1. Klasse stellt nachweislich keine Überforderung dar. Im Gegenteil – Kinder, die sehr früh den Zugang zur Mehrsprachigkeit haben, sind längerfristig kognitiv leistungsfähiger und fremden Kulturen gegenüber aufgeschlossener.
https://filalsace.net/limmersion/

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F I L A L – Fonds international pour la langue alsacienne

Während seiner Generalversammlung am 25 November 2017 hat der FILAL neuen Arbeitsgruppe veröffentlicht :
Nominations de membres de 9 Groupes de Travail / Arbeistgruppe

1. Kindergsang; Nadia Hoog, Benjamin Ludwig (développer une chorale scolaire uniquement en alsacien)

2. Kolonie uf elsassisch; Christiane Maitre, Sophie Louchard (développer un réseau de colonies de vacances en immersion complète en alsacien)

3. Storkenest (immersion crèche); Jean Peter (recenser et développer un réseau de crèches pratiquant 3 niveaux d’immersion en alsacien)

4. Video-elsass TV; Geraldine Schertzer, Christelle Baldeck, Evelyne Troxler, Bernard Herrbach et Schang Kempf (produire des supports vidéo en alsacien pour des enfants de 0 à 5 ans)

5. Adaptation des statuts; Simon Metz (mettre à jour le niveau de cotisation en distinguant les “Donateurs” des “Membres”)

6. Fonds de dotation; Daniel Willme, Michel Feigenbrügel (transformer le FILAL en Fonds de dotation à l’instar de ce qui existe en Bretagne)

7. Fundraising/Mecenat/Communication mass-media sociaux; : Jean Cyr Darby et Luc Knoer;

8. Üsbeldung 800; Richard Weiss, Henri Grand , Dominique Rosenblatt et Jean Peter (adapter en Alsace le modèle breton de formation en partenariat avec pôle emploi de locuteurs en six mois et 840 heures d’immersion)

9 Unternehmer für immersion : Frédéric Fritsch (rassembler un groupe d’entrepreneurs prêts à financer l’immersion)
22.11.2017, https://filalsace.net/2017/11/22/9-arbeitsgruppe-der-filal/,

Mehr lesen auf https://paedagogik-news.stangl.eu/die-immersionsmethode-beim-fremdsprachenerwerb/#WzQQgZqwRtTtzDkL.99
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Thierry Kranzer: Immersion statt „Deutsch als Fremdsprache“
Kranzer, der aus Obersassenheim bei Neuf-Brisach stammt, studierte Ethnologie und Publizistik in Colmar, Straßburg und Toulouse. Danach arbeitete er acht Jahre lang für den früheren Generalratspräsidenten Henri Goetschy in Colmar. Sein zentrales Projekt damals: Die ersten zweisprachigen Schulklassen wurden im Elsass ins Leben gerufen, es war der Versuch einer Notfallhilfe. Die Ächtung des Dialekts im Elsass der Nachkriegszeit und die französische Sprache als Dominante in Alltag und Schule haben zusammen bis heute den dramatischen Rückgang des regionalen Idioms bewirkt.
Kranzer spricht mit seiner fünfjährigen Tochter Elsässisch und fährt mit ihr in jene Enklaven auf amerikanischem Boden nahe bei New York, wo Nachfahren elsässischer Einwanderer leben und bis heute die „Muttersprache der Freiheitsstatue“ pflegen. Strasburg/Pennsylvania, Strasburg/Ohio. „Dort beherrschen mehr Kinder Elsässisch als im Elsass selbst“, klagt Kranzer, hält sich beim Klagen allerdings nicht auf.
Vor Kurzem hat er seine Überzeugungen in einem Buch zusammengefasst. Mit Gleichgesinnten wirbt er für eine Lernmethode, die weiter geht als der bislang praktizierte Deutschunterricht. Er spart nicht mit Kritik: „Die zweisprachigen Klassen sind aus meiner Sicht so etwas wie ein linguistischer Mindestlohn.“ Kranzer propagiert das sogenannte Immersionsmodell, ein Sprachbad für die Kleinsten, das so früh wie möglich einsetzen soll.
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Im Baskenland sei man damit erfolgreich. „Heute beherrschen 13 Prozent der Kinder wieder Baskisch“, berichtet Kranzer. Grundschulkinder im Elsass sprechen und verstehen nur noch in seltenen Fällen den Dialekt ihrer Region. Sein Ideal funktioniere unabhängig von der Muttersprache, sagt er, wenn die Schule tatsächlich wie ein Sprachbad funktioniere: „Kinder“, sagt Kranzer, „passen sich der Sprache ihrer Umgebung an.“ Kranzer liebt die Zuspitzung: „Warum ist bloß in all den Jahren nicht mehr passiert? Wer Elsässisch spricht, dem stehen schließlich hochbezahlte Jobs in Basel offen.“
Alles vom 12.11.2017 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/…/thierry-kranzer-muttersprache-der-freiheitsstatue%20–129750869.html

 

 

ABCM – Association pour le Bilinguisme en Classe dès la Maternelle

Der Verein ABCM (Association pour le Bilinguisme en Classe dès la Maternelle) hat als Ziel, den zweisprachigen Unterricht Deutsch-Französisch zu fördern. Das Grundprinzip beruht auf einer (zwei)-sprachlichen Sensibilisierung im frühen Kindesalter unter strikter Einhaltung des Prinzips « ein Lehrer eine Sprache », wobei der Unterricht allen frei zugänglich sein soll (Unentgeltlichkeit des Unterrichts). Seit seinem zehnjährigen Bestehen hat der Verein ABCM über 50 Schulen im Elsaß und im Département Moselle eröffnet.
Im Französischunterricht werden die Rahmenpläne der Education Nationale angewandt, im Deutschunterricht wird dem Schulprogramm von Baden-Württemberg gefolgt.
ABCM wir zum größten Teil vom Conseil Régional d’Alsace und von den Départements Bas Rhin und Haut Rhin finanziert. Oft leisten auch die Gemeinden einen finanziellen Beitrag zur Enwicklung der Schulen auf ihrem Gebiet.

https://www.abcmzwei.eu/sprachigkeit/
www.abcmzwei.eu

 

ABCM-Schulen: Zweisprachig nach Immersion-Methode

Nach dem Artikel zwei ihrer Satzung hat ABCM zum Zweck „Allen Eltern, die den Wunsch haben ihren Kindern, eine regionale zweisprachige Schulerziehung vom jüngsten Alter an zukommen zu lassen, dies auch zu ermöglichen“. Das angestrebte Ziel ist „die sowohl mündliche als auch schriftliche Beherrschung der beiden Sprachen am Ende der Schulzeit, d.h. einfach ausgedrückt zweisprachig zu sein“. Da die Regionalsprache im Elsaß und im Moseldepartement aus den fränkischen und alemannischen Dialekten besteht, und da die Schriftsprache dieser Dialekte Hochdeutsch ist, ist die Zweisprachigkeit, die in den ABCM Schulen gefördert und entwickelt wird, eine französisch-deutsche Zweisprachigkeit.
https://www.abcmzwei.eu/die-padagogik-zur-zweisprachigkeit-in-den-abcm-schulen/

Septembre 2017 : premières crèches en immersion en alsacien (dialecte) et ouverture des 3 premières materneles ABCM en immersion complète

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Deutsch-Französische ABCM-Grundschule in Kappel-Grafenhauseh
Seit 2012 ist die Grundschule aus dem elsässischen Bindernheim über den Rhein nach Kappel-Grafenhausen umgezogen.
Zwei Tage Unterricht auf Französisch, zwei Tage Unterricht auf Deutsch. Jeweils 8 – 16.30 Uhr.

„Deutschland und Frankreich haben eine sehr unterschiedliche Auffassung von Erziehung, vor allem, wie man Autorität ausübt. In Deutschland steht das Kind im Zentrum, in Frankreich der Lehrer“ Schulleiterin Sylvie Briancon.

Der Psycholinguist Jean Petit begleitete das Konzept von Anfang an.
Anfang 2013 besuchen fast 1200 Schüler die 10 ABCM-Grundschulen: 12% der Grundschüler im Elsass sind in einem bilingualen Zug.
Am Ende der 5. Klasse sind alle Schüler zweisprachig: Französisch ist die dominante Sprache, aber die Kinder sprechen Deutsch ohne Akzent.
Nch der 6. Klasse gehen alle Kinder wieder aufs normale College. Wunsch: In Kappel-Grafenhausen ein deutsch-frenzösisches College bzw. Gymnasium eröffnen

 

 

Kompromiss zwischen beiden Unterrichtsmethoden
„Hier kann ich nicht dieselben Strafen verhängen wie in Frankreich“, sagt Chloé Goepfert, Lehrerin an der école maternelle. Deutsche Eltern fänden es zum Beispiel nicht akzeptabel, wenn ein Kind allein in der Ecke stehen muss – was in Frankreich eine gängige Art der Bestrafung ist. „Bei uns müssen die Kinder den Sitzkreis zwar verlassen, aber sie behalten den Raum immer im Blick.“ Ein Kompromiss zwischen beiden Unterrichtsmethoden – das ist das Besondere der deutsch-französischen Schule. „Bei uns haben die Kinder mehr Zeit als in Frankreich, um sich an den Schulrhythmus zu gewöhnen, aber es ist auch nicht wie in der 1. Klasse in Deutschland, wo weniger gefordert wird und wo die Kinder mehr Zeit haben, sich anzupassen.“, erklärt Schulleiterin Sylvie Briançon…….
Alles vom 19.7.2013 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/bildung-wissen-1/schulweg-ueber-den-rhein–73696903.html

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