Elsass-Geschichte

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Herbstmorgen bei einer Obstbaumwiese am Fuß des Schwarzwaldes 13.10.2022

 

Die wechselvolle Geschichte des Elsass
Das Elsass wechselte insgesamt sechs mal die staatliche Zugehörigkeit zwischen Frankreich und Deutschland. Zuletzt:
1871 bis 1918: Nach dem Frankfurter Frieden wird das Elsass deutsch, es schließt sich dem neuen deutschen Kaiserreich an.
1918 bis 1940: Elsass ist französisch
1940 bis 1945: Elsass ist deutsch
Ab 1945 gehört das Elsass zu Frankreich
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Mehr z.B. auf
Das Elsass – Geschichte
http://www.bad-bad.de/elsass/elsass3.htm

 

Unsri Gschicht
„Alors que la France s’apprêtait à fêter le centenaire de l’armistice du 11 novembre 1918, plusieurs historiens et penseurs alsaciens et mosellans ont décidé de réagir : il fallait faire entendre un autre son de cloche que celui des commémorations officielles, magnifiant une soi-disant « libération » de l’Alsace-Lorraine ! L’acte fondateur d’Unsri Gschìcht fut un colloque, le 10 novembre 2018, au Foyer de l’étudiant catholique (FEC) à Strasbourg.“

„Während sich Frankreich anschickt, die einhundertste Wiederkehr des Widerstands vom 11.11.2018 zu feiern, haben sich mehrere Elsässische Historiker und Denker entschlossen zu handeln: Man müsste einen anderen Glockenschlag zu Gehör bringen als den der offiziellen Erinnerungen, die eine sogenannte „Befreiung“ von Elsass-Lothringen verherrlichen! Der Gründungsakt wurde ein Kolloquium am 10.11.2018 im EC zu Strasbourg.“
https://www.unsrigschicht.org/page/1695059-accueil

Unsri Geschicht
https://www.unsrigschicht.org
Ebersheim, France, 67600
unsrigschicht@yahoo.com

https://de-de.facebook.com/unsrigschicht.org/
https://de-de.facebook.com/unsrigschicht.org/videos/rot-un-wiss-die-historische-flagge-des-elsass/644147336204717

https://www.lalsace.fr/culture-loisirs/2021/08/06/unsri-gschicht-reactiver-une-conscience-historique-regionale

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Das Elsass hadert mit dem Gedenken an den Ersten Weltkrieg 11.11.1918
Frankreich ignorierte beim Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs lange, dass Elsässer auf deutscher Seite kämpften. Einige Gemeinden wollen das ändern – bekommen aber auch Gegenwind.
Anstedt, Michael. Arbogast, Michael. Barth, Nikolaus. Barthel, Emil. Bertsch, Georg. Mit diesen Namen beginnt die Liste der Weltkriegstoten, die Jacky Wagner und sein Gemeinderat am 11. November vor dem Totenmonument feierlich verlesen werden. Wagner, 61, ist Bürgermeister von Quatzenheim, einem Dorf nordwestlich von Straßburg. Um elf Uhr am Vormittag, so will es die Tradition, setzen sie sich vor dem Rathaus in Bewegung, in Richtung des Gedenksteins neben der Dorfkirche. Wagner und die Mitglieder seines Gemeinderats, begleitet von Schulkindern, von Schaulustigen, von Menschen, die das Andenken an die Soldaten des Ersten Weltkriegs wach halten wollen.
Dass die Vornamen der Soldaten, gefallen in den verlustreichen Schlachten des Ersten Weltkriegs, deutsch sind, mag irritieren, ist aber weder Zufall noch Versehen. Ebenso wenig die Musik, die „Ode an die Freude“, die zu diesem Festtagszug erklingt. Dabei gehören Trikolore und Marseillaise wie in Stein gemeißelt überall in Frankreich, auch im Elsass, zum Inventar des Weltkriegsgedenkens. In jedem Dorf, jeder kleineren oder größeren Stadt zelebriert man so den „Armistice“, den französischen Feiertag, der an das Kriegsende 1918 erinnert. Und das zugehörige Ritual ist fest verankert im kollektiven Gedächtnis der französischen Nation.
Jacky Wagner, im Sommer 2020 nach einem Arbeitsleben als linker Gewerkschafter zum Bürgermeister der Gemeinde gewählt, hat sich mit diesem Ist-Zustand nicht abfinden wollen. Mit dem neuen Amt entdeckte Wagner zum ersten Mal bewusst, was den 11. November ausmacht. Die Nationalhymne, die blau-weiß-rote Flagge. Wer möchte, liest eine fertige Rede des zuständigen Ministers vom Blatt ab. Der historischen Situation im Elsass von 1914 bis 1918, dachte sich Jacky Wagner, werde das nicht gerecht. „Schon gar nicht den jungen Soldaten von damals“, sagt Wagner. „Die 15 Toten aus unserem Dorf, die wir ehren, zogen nicht in der Uniform der Franzosen in den Krieg, sie trugen das Feldgrau der kaiserlichen Armee.“

Bei Kriegsausbruch im August 1914 ist das Elsass seit 1871 – also seit mehr als einer Generation – zusammen mit der Moselle deutsches Reichsland. Als der Krieg zu Ende und Deutschland besiegt ist, haben 380.000 Männer aus dem Elsass für Deutschland gekämpft. 50.000 von ihnen haben mit dem Leben bezahlt. Die Namen der Lebenden wie der Toten werden wieder französische. Aus Michael wird Michel, aus Nikolaus Nicolas, aus Karl wird Charles. Jacky Wagner ist überzeugt, dass er den Weltkriegstoten ein Stück ihrer Identität zurückgibt, wenn er ihre Namen so vorlesen lässt, wie sie als Kinder und als junge Männer hießen.

Weil es einen Unterschied macht, mit welchen Bildern und Sätzen das Vermächtnis der toten Soldaten an die jüngere Generation weitergegeben wird, hat er sich für einen Weg der kleinen Schritte entschieden. Die deutschen Namen waren 2020 ein erster Schritt. In diesem Jahr soll außer der Europahymne auch das deutsche Soldatenlied „Ich hatt’ einen Kameraden“ erklingen.
Das Weltkriegsgedenken ist spätestens seit 2018 in Bewegung geraten, auch wenn der Wandel nur zaghaft kommt. Doch Quatzenheim steht nicht allein. Auch in Weinbourg, Muhlbach-sur-Bruche, Neuwiller lès Saverne, Roeschwoog, in Holtzheim, Weiterswiller, Roeschwoog, Dannemarie, Mittlach und Sundhoffen wollen die Gemeinden inzwischen die elsässische Geschichte trotz französischem Protokoll sichtbar machen. Jene, die daran mitwirken, tun es – wie Jacky Wagner – aus Überzeugung. Angeregt hat die Veränderungen in der Mehrzahl der 2018 gegründete Verein „Unsri Gschìcht“.

„Gerade weil der 11. November für die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg so wichtig ist, haben wir uns an die Bürgermeister im Elsass gewandt, weil sie es sind, die den Ablauf der Zeremonien in der Hand haben“, sagt dessen Vorsitzender Eric Ettwiller. Hundert Jahre nach Kriegsende, hatten sie festgestellt, wurde immer noch zu wenig öffentlich die deutsche Identität der Soldaten thematisiert.

Am Beispiel des Ersten Weltkriegs, sagt Ettwiller, lasse sich aufräumen mit patriotischen, französischen Klischees. Einige historische Mythen über die elsässische Geschichte müssten endlich zurechtgerückt werden. Immer noch werde die historische Situation mit dem Zweiten Weltkrieg, als das Elsass von den Nationalsozialisten besetzt und die Männer in die Wehrmacht zwangsrekrutiert wurden, vermengt.

Auch wenn es im Elsass am Vorabend des Ersten Weltkriegs eine frankophile Minderheit gegeben haben mag“, sagt Eric Ettwiller, so werde es der Wirklichkeit nicht gerecht, wenn man behauptet, die elsässischen Soldaten hätten die deutsche Uniform gegen ihren Willen getragen. Die Mehrheit habe ihre Pflicht getan, wenn vielleicht auch „ohne patriotischen Enthusiasmus“.

Für seine Aktion bekommt „Unsri Gschìcht“ durchaus Gegenwind. Feindselige Reaktionen seien die Ausnahme. In der Berichterstattung sehe er den Versuch, den Verein in eine autonomistische, radikale Ecke zu stecken, für Ettwiller ein Zeichen, dass bereits die kleinen, bescheidenen Schritte Mut verlangen. Dass etwa die Präsidentin der Straßburger Eurometropole Pia Imbs, die auch Bürgermeisterin von Holtzheim ist, dem Aufruf von „Unsri Gschìcht“ gefolgt ist, hat dem Ansinnen mehr Sichtbarkeit verliehen. Auch in Holtzheim wird das deutsche Soldatenlied gespielt. Pia Imbs trat zuletzt am 11. November sogar in elsässischer Tracht auf neben Statisten in historischen deutschen wie französischen Uniformen. „Wenn es eine Pflicht gibt, der wir uns als Elsässer nicht entziehen können“, erklärt Imbs, „dann ist es die Aufgabe, jegliche Nationalismen im Keim zu ersticken und unsere doppelte Kultur zu bekunden.“

In den alteingesessen elsässischen Familien habe man es immer gewusst, sagt Jean Klinkert, Präsident des Komitees für das Nationale Denkmal Hartmannsweilerkopf: Die Elsässer in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs waren Deutsche. Nach dem Frankfurter Frieden von 1871 hatten die Elsässer schließlich die Wahl gehabt: Wollten sie Franzosen bleiben, waren sie gezwungen, das Elsass zu verlassen. Die überwiegende Mehrheit entschied sich jedoch – sicher aus den verschiedensten Gründen – zu bleiben, in einem Elsass, das künftig deutsches Reichsland war und dies bis zum Ende des Ersten Weltkrieges bleiben sollte. Klinkert hat auch aus seiner Familiengeschichte – sein Großvater kämpfte in beiden Weltkriegen und setzte sich als Oberbürgermeister von Colmar später für die deutsch-französische Freundschaft ein – einen Schluss gezogen: Die Zukunft muss europäisch und deutsch-französisch sein. In diesem Sinne hat sich auch das eigentlich streng militärische Protokoll für den 11. November ein wenig geöffnet, mit der Präsenz der Deutsch-Französischen Brigade und politischen und diplomatischen Vertreterinnen und Vertretern aus Deutschland.
Zurück nach Quatzenheim. Jacky Wagner bedauert, dass viele im Elsass am französischen Protokoll festhalten. „Dabei müssen wir doch lernen, wie wir mit dem Andenken an die Gefallenen richtig umgehen“, sagt Wagner und spekuliert über die Urgroßväter „dort oben“, die sich denken mögen, die dort unten hätten überhaupt nichts begriffen.

„Sie waren Männer geworden“, wird der Bürgermeister in wenigen Tagen in seiner Rede formulieren, „sie wollten sich beweisen, trugen stolz den Sonntagsstaat und wussten noch nichts von der Grausamkeit, die die Geschichte für sie bereithalten würde.“ Sein Fazit ist bitter. „Die Deutschen haben ihnen nicht die Ehre erwiesen, weil sie am Ende des Krieges Franzosen geworden waren; die Franzosen verweigerten ihnen das gebührende Gedenken, weil es Deutschland war, dem sie gedient hatten.“
… Alles vom 8.11.2022 von Bärbel Nückles bitte lesen au
https://www.badische-zeitung.de/das-feldgrau-wird-sichtbar–223163836.html