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Strasse von Hormuz: Oman, Iran, Golf-Staaten, Saudi-Arabien

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  • Das Überschreiten der roten Linie: Journalismus im Irankrieg (13.4.2026)
  • Die Büchse der Pandora: Hormus und kein Ende? (13.4.2026)
  • Geopolitik: Europa im Tiefschlaf – Meerenge von Hormuz (9.4.2926)
  • 2Africa-Unterwasserkabel: Arabien, Afrika, Asien und Europa verbinden (3.4.2026)
  • Iran2026
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Die Strasse von Hormuz bzw. Hormus zwischen dem persischen Golf und dem indischen Ozean ist eine ca 50 km breites internationales Gewässer.  Ca 20 % der weltweiten Erdöltransporte gelangen durch diese Meerenge. Direkte Anrainerländer sind der Iran und Oman.
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20 % der globalen Erdöls wie auch NLG-Gases gelangen durch Strasse von Hormuz. Das sind 90-130 Schiffe pro Tag, darunter ca 60 Öltanker.
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Das Überschreiten der roten Linie: Journalismus im Irankrieg
Ob Trump im Iran-Krieg tatsächlich so fulminant gescheitert ist, wie die meisten Medien behaupten, muss sich erst noch zeigen. Momentan gibt es einen 14tägigen Waffenstillstand. Ob der wirklich nur zu einem faulen Kompromiss führt, der das Mullah-Regime und seine chinesischen Unterstützer stärkt und die Unterwerfung Europas besiegelt, werden wir erleben. Falls es so kommt, haben wir es jedenfalls nicht zuletzt all jenen Journalisten zu verdanken, die Trump vorgestern noch vorwarfen, den dritten Weltkrieg vom Zaun zu brechen, um ihn einen Tag später zu bescheinigen, immer bloß zu kneifen.
Faktisch sind westliche Meinungsmacher längst die effektivste Propagandawaffe der Mullahs. Denn sie berichten vor allem über die Völker- und Menschenrechtsverletzungen der USA und Israels. Das suggeriert die ethische Gleichwertigkeit der Kontrahenten und verharmlost die Verbrechen Irans. Mittlerweile ist ein Gutteil des Publikums fest davon überzeugt, dass es kaum einen Unterschied zwischen den Ayatollahs und Netanjahu gibt und sowohl Trump als auch der Iran letztlich bloß das Opfer einer finsteren zionistischen Verschwörung geworden sind.
Der Westen hat ein Problem mit dem Kollaps des Journalismus. An der öffentlichen Meinung stricken fast nur Leute, die als glühende Kulturrelativisten verliebt ins Abwerten der eigenen Zivilisation sind. Sie verabscheuen Trump zutiefst und lassen seit über zehn Jahren kein gutes Haar an ihm. Egal, was er tut, es ist entweder dumm oder falsch. Auch beim Entstehen des jetzigen Kriegs argumentieren sie stets zum eigenen Nachteil. Während sie den Mullahs legitime Beweggründe unterstellen, beäugen sie das Vorgehen Trumps und Netanjahus mit größter Skepsis und sprechen ihnen etwaige ehrbare Motive und strategische Vernunft a priori ab.

… Alles vom 13.4.2026 von Christoph Ernst bitte lesen auf
https://vera-lengsfeld.de/2026/04/13/das-ueberschreiten-der-roten-linie/

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Die Büchse der Pandora: Hormus und kein Ende?
Leider brachte die versuchte Vermittlung zwischen den iranischen Machthabern und den dortigen Möchtegern-Machthabern der USA in Pakistan am Wochnende keine Verständigung – nicht einmal in der Sache des völkerrechtlichen Verstoßes des Iran gegen den Grundsatz, dass internationale Seewege ungehindert von jedem genutzt werden dürfen. Obwohl die Straße von Hormus vor ihrer Haustüre alles andere als eine „Meerenge“ ist: Die Breite dieses Seeweges ist gegenüber anderen Stellen auf dem Globus eher eine vielspurige Autobahn, keine Nationalstraße. Die unterschiedlichen Dimensionen der Wasserstraßen rückte jetzt wieder in mein Bewusstsein: Als ich vor 16 Jahren die Straße von Hormus passierte, hatte ich nicht den Eindruck, mich in einer Meerenge zu befinden.
Ich vermaß die damalige Schiffspassage nun mit Google Earth – und kam auf 50 bis 52 Kilometer an der engsten Stelle. Von diesen kann der Iran 12 Seemeilen – also 22,2 Kilometer vor seiner Küste – für sich beanspruchen, die Vereinigten Arabischen Emirate VAE ebenso viele Kilometer vor dem gegenüberliegenden Ufer – aber dann bleiben immer noch 5 bis 6 Kilometer internationale Gewässer. Dafür braucht sich kein Schiff schlanker zu machen, als es schon ist. Doch die Iranischen Machthaber wollen selbst die Passage durch die Gewässer der VAE behindern und für den gesamte Seeweg Transitgebühren verlangen. Das ist so, als würde Trump auch die Zölle anderer Länder kassieren wollen. Wofür die islamischen Revolutionsgardisten das Geld brauchen, ist klar: Natürlich für ihr unerschöpfliches Raketenarsenal und natürlich das zwar zurückgeworfene, aber mangels echtem Regimewechsel weiterhin angestrebte Atomprogramm, außerdem auch für die Unterstützung der Terrorbanden der Hisbollah, Hamas und Huthi. Und für neue Stricke fürs Volk, die für die vielen Hinrichtungen nötig werden.

Es gibt engere Schiffsstraßen
Was wäre, würde diese Frechheit der iranischen Oberislamisten woanders Schule machen? Im Vergleich der Straße von Hormus sind andere Stellen auf den Globus viel enger und tatsächliche Engstellen. Der Südausgang des Roten Meeres zwischen Dschibuti und dem Jemen misst rund 20 Kilometer. Der Nordausläufer zum Suezkanal hin ist an der engsten Stelle 16 Kilometer breit. Und ich erinnere mich an die von mir mehrfach durchfahrene Straße von Gibraltar, die nur 15 Kilometer breit ist. Auch die Straße von Dover zwischen Frankreich und England misst mit 30 Kilometern viel weniger als die Hormus-“Fahrrinne”. In der Ostsee ist es noch enger. Wegen der vielen Inseln im Finnischen Meerbusen zwischen Russland und Finnland sind es oft nur 10 Kilometer Abstand; zwischen Estland und Finnland immerhin 36 Kilometer – aber zum Bottnischen Meerbusen zwischen Schweden und Finnland nur 7 Kilometer. Und zwischen Schweden und Dänemark ist die Ostsee zur Nordsee hin bei Goleb sogar nur 4,25 Kilometer breit.
Die “Neue Zürcher Zeitung” berichtete am 10. April: „Die Revolutionswächter, eine paramilitärische iranische Eliteeinheit, die auch die Meerenge mit Schnellbooten und Drohnen kontrolliert, prüfen das Gesuch (einer Durchfahrt, die Red.). Für einen Öltanker gehen Beobachter von einer Gebühr von mindestens 1 Dollar pro Fass Erdöl aus, womit sich für einen sehr großen Tanker ein Betrag von 2 Millionen Dollar ergibt. Die Zahlung erfolgt in chinesischen Yuan oder mit einer Kryptowährung. Diese Summe könnte in der Praxis einer faktischen, teilweisen Verstaatlichung der Schifffahrtsroute gleichkommen, sagt Neil Shearing, Chefökonom bei Capital Economics. Länder wie China, Malaysia, der Irak, Pakistan, Japan, Indien und Oman hätten mit Teheran Abkommen geschlossen, um die sichere Durchfahrt ihrer Schiffe zu gewährleisten, heißt es bei Lloyd’s List weiter. Für das mit Sanktionen be-legte Regime in Teheran ergibt sich daraus eine lukrative neue Geldquelle, die Einnahmen in Milliardenhöhe bringen könnte. Eine Maut für die Straße von Hormus wäre ein finsteres Omen für die Weltwirtschaft.”

Gebühren für die Schiffspassage
Und weiter: “Nach dem Uno-Seerechtsübereinkommen von 1982 gilt die Straße von Hormus als Meerenge, die der internationalen Schifffahrt dient. In solchen Meerengen gilt für alle Schiffe die sogenannte Transitdurchfahrt, selbst wenn (…) diese in die Territorialgewässer der Anrainerstaaten fällt. Die Transitdurchfahrt darf von den Küstenstaaten Oman und Iran nicht verhindert werden, und sie dürfen keine Gebühren verlangen. Das gleiche Regime gilt für andere Meerengen, etwa die Straße von Gibraltar. Iran hat das Uno-Abkommen allerdings nie ratifiziert.” Das zeigt, dass die schiitischen Islamisten schon drei Jahre nach ihrer Machtergreifung sich auch in dieser Frage einen Dreck scheren, wie die islamischen Staaten es mit ihrer Kairoer Erklärung zur Menschrechtskonvention taten und tun. Würde nun alle Anrainer solcher Wasserstraßen den Iran zum Vorbild nehmen und diese blockieren, stünde uns eine Weltwirtschaftskrise und der Dritte Weltkrieg ins Haus.

Doch Merz und viele andere politische Blindgänger meinen, der Konflikt am Golf habe mit uns nichts zu tun – obwohl die Energiepreise gerade in Deutschland am stärksten von allen Ländern steigen. Auch wenn wir unser Oel und Gas überwiegend aus anderen Weltregionen beziehen. Wäre nicht jetzt die Gelegenheit, unsere Schiffe aus dem Südchinesischen Meer an den persischen Golf zu beordern und unsere Minenräumschiffe (die weltbesten!) dorthin zu schicken. Ebenso unsere Kriegsschiffe, die in der Ostsee russische Frachter in Schach halten sollten. Haben die neuen Mullahs gar von der EU abgeschaut, wie man Seeblockaden macht? Jetzt haben die USA die Minenräumung übernommen – weil wir nicht da sind, wenn wir gebraucht werden. Dieser Konflikt ist zwar kein NATO-Fall – aber wir Deutsche hätten zeigen können, dass unsere Marine mehr kann als mit der Gorch Fock spazieren zu fahren…

Islamische Schutzsteuern
Fast scheint es, dass die neue Praxis des schiitischen Islam die Tradition der Dschizya, der muslimischen Schutzsteuer gegenüber „Ungläubigen“ (den Dhimmi), wieder aufleben lassen, um von diesen Schutzgeld zu erheben. Dieses ist im Koran verankert, wurde bislang aber eher vom arabischen und osmanisch-sunnitischen Islam angewendet. Die Erhebung dieser Steuer von der unterworfenen nichtmuslimischen Bevölkerung – den Juden und Christen – gründet sich auf das Prophetenwort in Sure 9, Vers 29: “Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten (oder: für verboten erklären, die Red.), was Allah und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – kämpft gegen sie, bis sie kleinlaut Tribut entrichten!” Dieser Tribut (respektive Kopfsteuer) heißt auf Farsi vermutlich nicht wie im Arabischen Dschizya, der entsprechende Begriff dürfte aber sicher ebenfalls geläufig sein.
Aus jener Kopfsteuer scheint nun eine Schiffssteuer zu werden, die in der Straße von Hormus erhoben wird. Damit öffnet der Iran eine Büchse der Pandora. Wenn wir jetzt Schwäche zeigen, wird der Islam nicht nur im fernen Iran die Welt zum Narren halten, sondern auch bei uns in Deutschland, wenn er einmal an der Macht ist. Islamgelehrte meinen, die Zeit des Kopfgeldes – der Dschizya – sei bereits angebrochen. Denn wie anders sei zu erklären, dass Deutschland nicht nur millionenfach Muslime zuwandern und sich überproportional zahlreich vermehren lässt, und wir sie mit unseren Steuern unterhalten? Islam heißt übersetzt anscheinend nicht umsonst “Unterwerfung”. Und alle, die Bürgergeld beziehen und denen steigende Heizkosten egal sind, können sich doch nur noch ins Fäustchen lachen, in welchem Ausmaß wir uns dies alles gefallen lassen. Und auch jene, die noch kein spritfressendes Auto besitzen und öffentliche Verkehrsmittel benutzen, hegen eine klammheimliche Freude, dass aus dem Straftatbestand des Schwarzfahrens demnächst eine bloße Ordnungswidrigkeitsbagatelle wird. So kommt eins zum anderen.
… Alles vom 13.4.2026 von Albrecht Künstle bitte lesen auf
https://ansage.org/die-buechse-der-pandora-hormus-und-kein-ende/

 

Geopolitik: Europa im Tiefschlaf – Meerenge von Hormuz
Mit der Krise von Hormuz fügt sich ein weiteres Element in das Mosaik der neuen Weltpolitik. Diese wird vom Titanenkampf zwischen den USA und China dominiert und entlädt sich entlang der Rohstoff- und Energiemärkte. Dass Europa den Wandel verschlafen hat, ist Ausdruck eklatanter Realitätsverweigerung.
Die Straße von Hormuz wurde zum Sinnbild für die geostrategische Großwetterlage: Der maritime Flaschenhals erteilt uns eine Lehrstunde in Sachen Geostrategie und Machtpolitik – etwas, wovon man vor allen Dingen in Deutschland seit Jahrzehnten nichts mehr wissen wollte. Nach drei Dekaden der Sorglosigkeit und des festen Glaubens an Fukuyamas These, dass eine Welt der globalisierten und freien Märkte die Menschheit pazifizieren würde, herrscht nun Katerstimmung.
Sichere Transportwege, Preissetzungsmacht an den Rohstoff- und Energiemärkten, aber auch das Versicherungswesen – die Intervention der USA im Iran ist vielschichtig. Dies gilt sowohl im Hinblick auf den sich aufschaukelnden Ressourcenkrieg mit China als auch auf ganz anderen Ebenen wie der besagten maritimen Versicherungswirtschaft.
… Alles vom 9.4.2026 Thomas Kolbe bitte lesen auf
https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/geopolitik-europa-im-tiefschlaf/

 

2Africa-Unterwasserkabel: Arabien, Afrika, Asien und Europa verbinden
Glasfaser oder Satelliten/Internet-Systeme: Starlink
Datenpanne programmiert
Das I, doch der Iran kann es fix kappen
Fabio Collovati

Es ist eine auf den ersten Blick erstaunliche Erkenntnis. Die verwundbaren Nervenbahnen der Globalisierung verlaufen nicht über sichtbare Verkehrsadern, sondern tief unter der Meeresoberfläche. Mehr als 95 Prozent des weltweiten Datenverkehrs werden über Unterseekabel abgewickelt – ein physisches Netz aus Glasfasern, das sich über Zehntausende Kilometer durch die Ozeane zieht und die digitale Welt im Innersten zusammenhält. Weltweit existieren inzwischen mehr als 500 solcher Kabelsysteme, deren Trassen sich an wenigen strategischen Engstellen bündeln – etwa im Roten Meer, in der Straße von Hormus oder der Straße von Malakka. Lange galt dieses System als stabil, redundant und weitgehend unantastbar. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten zerstörte diese Gewissheit. Mit der gleichzeitigen Destabilisierung des Roten Meeres und der Straße von Hormuz geraten erstmals zwei der wichtigsten digitalen Engstellen der Welt parallel unter Druck.

Im Zentrum dieser Entwicklung steht das Unterseekabelsystem 2Africa. Das Projekt, maßgeblich vorangetrieben vom US-Technologiekonzern Meta, wird in einem internationalen Konsortium umgesetzt, zu dem unter anderem auch Vodafone, Orange, China Mobile und die saudi-arabische stc gehören. Mit rund 45.000 Kilometern ist es eines der größten Infrastrukturvorhaben der digitalen Welt.

Es verbindet mehr als 30 Länder in Afrika, Europa und Asien und soll langfristig rund drei Milliarden Menschen erreichen. Doch 2Africa ist weit mehr als ein technisches Großprojekt. Es steht exemplarisch für einen grundlegenden Wandel: Die Infrastruktur des Internets wird nicht mehr primär von Staaten oder klassischen Telekommunikationsunternehmen gebaut, sondern zunehmend von globalen Plattformkonzernen und privaten Akteuren. Meta investiert Milliarden, um sich von bestehenden Netzbetreibern unabhängiger zu machen und die eigenen Datenströme selbst zu kontrollieren. Daten sind zur strategischen Ressource geworden – vergleichbar mit Energie oder Rohstoffen. Wer die Leitungen kontrolliert, kontrolliert die Kommunikation und damit einen zentralen Teil wirtschaftlicher und politischer Macht.

Technisch stellt 2Africa dabei einen neuen Standard dar. Das System nutzt moderne SDM-Technologie und verfügt über eine deutlich höhere Anzahl an Glasfaserpaaren als ältere Kabelgenerationen. Statt immer mehr Daten durch eine einzelne Glasfaser zu pressen, setzt SDM (Space Division Multiplexing (Raummultiplexverfahren)) darauf, mehrere räumlich getrennte Datenkanäle parallel zu nutzen. Die geplante Kapazität liegt im Bereich von bis zu 180 Terabit pro Sekunde – ein Vielfaches dessen, was frühere Systeme leisten konnten. Damit bildet das Kabel die Grundlage für datenintensive Anwendungen wie Cloud-Computing, Streaming-Dienste und vor allem künstliche Intelligenz. Ohne diese Infrastruktur wären viele der aktuellen technologischen Entwicklungen schlicht nicht möglich.

Es gibt strukturelle Probleme, die bisher unterschätzt wurden
Der Kern von 2Africa wurde Ende 2025 fertiggestellt. Doch die entscheidende Erweiterung „2Africa Pearls“, die den Persischen Golf mit Indien, Pakistan und weiteren Märkten verbinden sollte, ist durch den Irankrieg zum Stillstand gekommen. Gerade diese Erweiterung ist strategisch von immenser Bedeutung, weil sie erstmals eine direkte Verbindung zwischen Afrika, dem Nahen Osten und Südasien schaffen soll. Der Kabelbauer Alcatel Submarine Networks sah sich gezwungen, „höhere Gewalt“ zu erklären, da ein sicherer Betrieb im Persischen Golf nicht mehr gewährleistet ist. Verlegeschiffe mussten ihre Arbeiten einstellen, bereits installierte Kabelabschnitte liegen ungenutzt auf dem Meeresboden und sind nicht an Landstationen angeschlossen. Ohne diesen Abschnitt bleibt das System unvollständig. Derzeit kann man von einem global gedachten Netzwerk sprechen, dem die entscheidende Verbindung fehlt.

Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Bereits im Roten Meer hatte sich die Verwundbarkeit der Infrastruktur gezeigt. Angriffe der Huthi-Miliz vor rund zwei Jahren sowie Zwischenfälle in der Schiffahrt führten dazu, dass mehrere zentrale Datenkabel gleichzeitig beschädigt wurden. Die Reparatur zog sich über Monate hin – ein ungewöhnlich langer Zeitraum für eine Branche, die auf schnelle Reaktionszeiten angewiesen ist. Ein Grund dafür ist die begrenzte Zahl spezialisierter Reparaturschiffe weltweit, deren Einsatz zudem von sicherheitspolitischen Genehmigungen und Versicherungsfragen abhängt. Nun verschärft sich die Lage erheblich. Branchenvertreter sprechen davon, dass sowohl das Rote Meer als auch die Straße von Hormus faktisch zu „No-go-Zonen“ für zivile Kabelschiffe geworden sind. Wartungs- und Reparaturarbeiten können nicht mehr durchgeführt werden.

Damit tritt ein strukturelles Problem zutage, das bislang unterschätzt wurde. Unterseekabel sind keine statischen Bauwerke, sondern hochsensible Systeme. Weltweit kommt es jährlich zu rund 200 Defekten – meist verursacht durch Anker, Fischerei oder natürliche Einflüsse. In stabilen Regionen lassen sich diese Schäden innerhalb weniger Wochen beheben. In Konfliktgebieten jedoch verlängern sich die Ausfallzeiten erheblich. Gleichzeitig gelten Kabel zunehmend auch als potenzielle Ziele gezielter Sabotage oder hybrider Kriegsführung, da sie kritische Infrastruktur mit vergleichsweise geringem Aufwand angreifbar machen.

Bereits die Vorfälle im Roten Meer im Jahr 2024 führten zu massiven Störungen im Datenverkehr zwischen Europa und Asien. Teilweise musste ein erheblicher Anteil der Kapazitäten umgeleitet werden. Die Folgen waren längere Verzögerungen, steigende Kosten und Engpässe in der Datenübertragung.

Die Auswirkungen reichen weit über 2Africa hinaus. Auch andere Großprojekte geraten unter Druck. Das Kabelsystem SEA-ME-WE 6, das Asien, Afrika und Europa über mehr als 20.000 Kilometer verbinden soll, war bereits vor dem aktuellen Konflikt mehrfach verzögert worden.

Elon Musk geht mit seinem Starlink einen anderen Weg
Projekte wie „Fibre in Gulf“, die den Persischen Golf gezielt als Alternativroute etablieren sollten, stehen vor einer ungewissen Zukunft. Das ambitionierte WorldLink-Projekt, das eine neue Datenachse zwischen Asien und Europa schaffen sollte, hat seine wirtschaftliche Grundlage faktisch verloren. Die zentrale Annahme eines stabilen Golfs ist hinfällig.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Datenkapazität rasant. Der Boom von Cloud-Diensten, Streaming-Plattformen und künstlicher Intelligenz führt zu einem exponentiellen Wachstum des Datenverkehrs. Tech-Giganten wie Meta, Google und Amazon investieren Milliarden in neue Infrastruktur. Meta plant mit „Project Waterworth“ bereits ein weiteres globales Kabelsystem, das alternative Routen nutzt und geopolitische Risiken umgeht. Sicherheit wird zunehmend wichtiger als Effizienz. Dadurch drohen die Kosten zu explodieren.

Diese Entwicklung hat massiven Einfluss auf die globale Vernetzung. Regionen, die bislang als sichere Korridore galten, verlieren an Bedeutung. Der Persische Golf, lange als schnelle und politisch kalkulierbare Alternative zur Route durch das Rote Meer betrachtet, fällt derzeit aus. Stattdessen rücken andere Optionen in den Fokus. Der Nordkorridor über Russland, eine Daten- und Infrastrukturroute zwischen Europa und Asien, die über russisches Territorium verläuft, ist technisch attraktiv, politisch jedoch hochsensibel. Der transkaspische „Mittlere Korridor“ bietet eine Alternative, ist aber komplex und mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Selbst die Arktis gewinnt an Bedeutung. Projekte wie „Polar Connect“ sollen künftig Verbindungen schaffen, die klassische Konfliktzonen vollständig umgehen, auch wenn sie technisch anspruchsvoll und kostenintensiv sind.

Parallel dazu entsteht eine zweite Entwicklung, die das Machtgefüge weiter verschieben kann. Satelliteninternet-Systeme wie Starlink umgehen Unterseekabel vollständig. Statt weniger, klar definierter Leitungen entsteht ein Netzwerk aus Tausenden Satelliten, das sich territorialer Kontrolle weitgehend entzieht. Im Iran zeigte sich diese Dynamik besonders deutlich. Trotz massiver Einschränkungen des Internets gelang es Nutzern, über satellitengestützte Verbindungen weiterhin Informationen zu verbreiten. Damit wird Internetzugang selbst zu einem geopolitischen Instrument.

Es entsteht eine neue Konkurrenz zweier Infrastrukturen. Auf der einen Seite die klassischen Kabelnetze, leistungsfähig, effizient und kostengünstig, aber anfällig für geopolitische Störungen und gezielte Eingriffe. Auf der anderen Seite satellitengestützte Systeme, weniger effizient, aber deutlich robuster und schwerer zu kontrollieren. Beide werden zunehmend von privaten Unternehmen betrieben. Staaten verlieren damit einen Teil ihrer Kontrolle über die zentralen Verkehrswege der digitalen Welt. Die Europäische Union reagiert mit Investitionen in alternative Routen und Sicherheitskonzepte. Ziel ist es, die Resilienz der Infrastruktur zu erhöhen und Abhängigkeiten zu reduzieren. Doch die grundlegende Herausforderung bleibt bestehen: Sicherheit, Effizienz und geopolitische Unabhängigkeit lassen sich nicht gleichzeitig maximieren. Jede neue Verbindung schafft neue Abhängigkeiten.
… Alles vom 3.4.2026 von Fabio Collovati bitte lesen in der JF 15/26, Seite 12