Sieferle

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Schlacht am Kahlenberg 1683: ÖVP/FPÖ Sobieski-Denkmal am 18.8.2026

Rolf Peter Sieferle, geboren 1949 in Stuttgart, starb am 17. September 2016 in Heidelberg im Alter von 67 Jahren. „Sieferle nahm sich am 17. September 2016 das Leben – nicht wegen seiner Kritiker, sondern wegen seiner Prognosen.“ Michael Klonovsky
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Rolf Peter Sieferle prognostiziert das Migrationsproblem bereits 1994:
1. Die linken Universalisten forcieren die Massenmigration
2. Folge: Die kulturelle Exklusivität der Deutschen wird gestärkt
3. Dasselbe gilt für die Migranten
4. Letztendlich mutieren auch die Universalisten zu einer Minderheit von Exklusiven
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Rolf-Peter Sieferle: Epochenwechsel
Die Deutschen n der Schwelle zum 21. Jahrhundert
Landtverlag 1994, 500 Seiten, ISBN 978-3-944873-54-4
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Werkausgabe Rolf Peter Sieferle: Alle 8 Bände der Werkausgabe
Innerhalb der Werkausgabe werden zwei weitere Bände mit Schriften aus dem Nachlaß vorbereitet, darunter die gesammelten Aufsätze und unveröffentlichte Schriften. Sobald die Edition dieser Werke abgeschlossen ist, werden auch diese Bände zur Subskription angeboten.
Die Werkausgabe im Landtverlag zeigt zum ersten Mal in gesammelter Form, welchen außergewöhnlichen Weg Rolf Peter Sieferle dabei beschritt. Neben seinen vergriffenen Werken, darunter auch Hauptwerke wie Epochenwechsel, Rückblick auf die Natur oder Fortschrittsfeinde – um nur einige zu nennen -, werden erstmals seine Schriften aus dem Nachlaß sowie seine monumentale letzte Arbeit Krieg und Zivilisation herausgegeben. Dem Leser bietet sich damit die Möglichkeit, einen Schriftsteller zu entdecken, der einmal zu den großen Persönlichkeiten der Wissenschafts- und Literaturgeschichte gezählt werden wird.
Manuscriptum Verlagsbuchhandlung Hoof & Liehs OHG, 458,00 €
https://www.manuscriptum.de/Werkausgabe-Rolf-Peter-Sieferle
15.1.2024
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Rolf Peter Sieferle: Finis Germanue – als Hörbuch
Der Universalgelehrte Rolf Peter Sieferle hat mit dem posthum veröffentlichten „Finis Germania“ seine Nachtgedanken zur Lage Deutschlands hinterlassen. In dreißig inhaltsschweren und tiefgründigen, teilweise fragmentarischen Kurztexten beleuchtet er ohne Rücksicht auf Thementabus und medial verabredete Sprachregelungen Deutschlands jüngere Vergangenheit und Gegenwart und wirft einen abgründigen Blick in die Zukunft. So beschreibt er als mentalen Kern eines politisch flächendeckend ausgewucherten »Sozialdemokratismus«, daß »Differenzen aller Art für schlechthin unerträglich gelten« und die proagierte Lösung des Individuums aus seinen Verbindlichkeiten in der Vorfahren-Nachfahren-Kette als dessen Trennung »von seinen Ahnen, von der Geisterwelt, vom Absoluten.« Der »Mythos VB« (= Vergangenheitsbewältigung) benannte Teil des Buches führte schließlich zu einem Medienskandal. Der Autor wurde diffamiert, der Inhalt (absichtlich oder aus Dummheit) falsch verstanden und das Buch aus den Bestsellerlisten entfernt. Letztlich hat dieser unerhörte Vorgang jedoch zu dem Riesenerfolg von „Finis Germania“ beigetragen. Eine von uns lizensierte Ausgabe des Buchs erschien 2017 im Verlag Antaios. Im Landtverlag veröffentlichen wir im März 2019 eine neue Auflage des Titels mit einem Nachwort von Thomas Hoof, das die Skandalisierungsgeschichte von „Finis Germania“ nachzeichnet. 2:42:45
18.9.2021,
https://www.youtube.com/watch?v=u_cJ72-AEM4&t=179s

 

Sieferle „Epochenwechsel“: Universalismus (Migration) vs Partikularismus (Nationen)
Wenn man wissen will, welche Geschichtsdenker mit ihren Prognosen am weitesten richtig lagen, muss man nur schauen, wer in der liberalen akademischen Community als obsolet gilt. Diese Community ist aktuell vom ethischen Universalismus geprägt, einer idealistischen Weltvision mit inkludierter Wellnessfunktion, weshalb ihre Vertreter kalt analytische Denker wie Rolf Peter Sieferle oder Samuel Huntington – zu schweigen von Spengler – mit dem Argument, sie seien unethisch, ablehnen (tatsächlich meinen sie: illusionslos). Ein frühes Dokument dieses ethisch argumentierenden Universalismus ist übrigens Heines Vorwort zur französischen Ausgabe der „Lutetia”, wo er aus der Prämisse, dass alle Menschen das Recht hätten, zu essen, den Schluss zieht, dass den Kommunisten die Zukunft gehöre und man die Zerstörung der Kultur eben in Kauf nehmen müsse, damit auch das arme alte Mütterchen sich endlich einen Kaffee leisten kann (der in Heines Vision übrigens in Tütchen verteilt wird, die aus herausgerissenen Seiten seines „Buchs der Lieder” hergestellt wurden).

Der ethische Universalismus hat, wie Sieferle in seinem Opus „Epochenwechsel” feststellte, die Eigenschaft, dass er logisch zwingend wirkt, theoretisch unwiderlegbar ist, aber in der Realität nirgends eine Entsprechung findet. (Ein logisch begründbarer Eskapismus – es wäre undeutsch, darauf nicht hereinzufallen.) Außerdem sei „die überzeitliche Allgemeingültigkeit universalistischer Prinzipien” für den historischen Blick schon aus dem Grunde fragwürdig, „weil vor dem Tribunal des Universalismus fast die gesamte Geschichte der Menschheit als eine bloße Ansammlung von Irrtümern und Verbrechen” erscheinen müsste. Die Weltgeschichte wird zum Weltgericht. Der Allerweltslinke sieht sich dafür auserkoren, als Richter und Ankläger gleichzeitig aufzutreten; Rechtsbeistand und Entlastungszeugen sind nicht zugelassen.

Der ethische Universalismus kann mit dem konkreten, an seinen Ort, seine Familie, seine Ethnie, seine Kultur, seine Religion, seine Tradition, seine Nation vulgo Sprachgemeinschaft gebundenen Individuum nichts anfangen, weil solche Bindungen anti-universalistisch – also irrational – wirken; er will das atomisierte Wesen, das nichts weiter ist als ein „Mensch”, wobei das Problem bleibt, dass eine, sagen wir, deutsche Mutter ihr Kind mehr liebt als das der Nachbarin aus Eritrea (und umgekehrt). Hier erweist sich der ethische Universalismus, in Sieferles Worten, als „fundamental tautologisch”, weil die „rationalistische Konstruktion eines (nichts als) vernünftigen Subjekts” logisch jenen Universalismus voraussetze, den sie selbst erst erzeugen soll.

Dieser – in der Realität unauffindbare, aber als Theorie gut gepanzerte – Universalismus stößt aber auch theoretisch an seine Grenzen, sobald man ihn konsequent zu Ende denkt. Sieferle nannte prophetisch drei Beispiele.

Erstens: Da die Anzahl der potentiellen jene der realen Erdenkinder immer um ein Vielfaches übertrifft, können den gegenwärtig Lebenden beliebig hohe Lasten zugunsten der Zukünftigen auferlegt werden. (Der generationenübergriffige Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts hat Sieferle postum bestätigt).
Zweitens: „Da zwischen Handeln und Unterlassen kein prinzipieller ethischer Unterschied besteht, muss jede beliebige reale Lebenssituation als ethisch illegitim gelten, da sie beliebig große Mengen an Unterlassungen enthält.” (Weder gegen den strukturellen Rassismus noch gegen den Klimawandel haben Sie, geschätzte Leserin, in der vergangenen Woche wirklich genug getan, von Ihrem mangelnden Distanzierungseifer zu schweigen.)
Drittens: Es ist unmöglich, dem Universalismus eine prinzipielle Grenze zu setzen. Die – illusorischen, weil von niemandem garantierten, aber theoretisch unwiderlegbaren – Menschenrechte haben längst die Bürgerrechte ersetzt, doch was ist mit den Rechten der Tiere, der Pflanzen, der Atmosphäre, des Mondes? Wenn aber tendenziell alles Rechte besitzt, dann tendenziell nichts.

Während der ethische Universalismus aus praktisch allen Kanälen und Rednerkehlen erschallt, von Kathedern und Kanzeln gepredigt, auf Theaterbühnen, NGO-Webseiten und politischen Veranstaltungen verkündet wird, führen die Menschen wie eh und je ihr Dasein in nicht-universalistisch strukturierten Lebenswelten. Den Predigern des Universalismus kommt das sogar entgegen; sie haben eine Realität, an deren Fehlerhaftigkeit sie sich abarbeiten können, und müssen selbst nicht in universalistischen Strukturen existieren, welche unweigerlich – ich komme gleich mit Sieferle, er ruhe in Frieden, darauf – in lauter miteinander konkurrierende Partikularismen umschlagen werden.

Sieferle prognostiziert das Migrationsproblem:
Das Hauptbetätigungsfeld des Universalismus ist natürlich die globale Migration, genauer: die Massenmigration in die – von den westlichen Linken als Verteilungsmasse und Beute angebotenen – Länder des Westens.
Es ist indes, mit Sieferles Worten, „ein fundamentaler Irrtum des humanitären Universalismus zu glauben, die von ihm Begünstigten würden auf jeden Fall zu humanitären Universalisten werden. Das Gegenteil ist weitaus wahrscheinlicher: Das Prinzip der nationalen und kulturellen Exklusivität wird gerade durch die Einwanderung extrem gestärkt werden, und zwar nicht nur unter den abwehrenden Deutschen, sondern vor allem unter den Zugewanderten. Am Ende wird sich der humanitäre Universalismus selbst als eine kulturelle Besonderheit konstituieren müssen, als Stamm unter Stämmen, um sich gegen den Selbstbehauptungswillen einzelner Ethnien behaupten zu können.”

Das Buch erschien 1994, und es ist bemerkenswert, wie exakt dieser womöglich letzte Polyhistor kurz nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus, als die westlichen Funktionseliten und deren mediale bzw. akademische Lautsprecher selbstberauscht vom endgültigen Sieg der liberalen Demokratie kündeten (während unsereins die neuen Freiheiten in sogenannten vollen Zügen und überzeugt von ihrer Unerschütterlichkeit genoss), wie exakt er, sage ich, die künftigen Konflikte und die Ursachen für den Niedergang der westlichen liberalen Demokratien vorausgesehen hat. Kein Wunder, auch im Sinne der akademischen Schwanzvergleiche, dass man ihn mit Denunziationen und miesen Kritiken verbellt hat.

Sieferle nahm sich am 17. September 2016 das Leben – nicht wegen seiner Kritiker, sondern wegen seiner Prognosen.
„Und sie schelten meine Klagen,
Und sie höhnen meinen Schmerz.
Einsam in die Wüste tragen
Muß ich mein gequältes Herz,
Von den Glücklichen gemieden
Und den Fröhlichen ein Spott!
Schweres hast du mir beschieden,
Pythischer, du arger Gott!

Dein Orakel zu verkünden,
Warum warfest du mich hin
In die Stadt der ewig Blinden
Mit dem aufgeschloßnen Sinn?
Warum gabst du mir zu sehen,
Was ich doch nicht wenden kann?
Das Verhängte muß geschehen,
Das Gefürchtete muß nahn.”

Aber auch den Rechtspopulisten und Nationalromantikern wollte Sieferle kein Fest machen: „Wir befinden uns in einer fundamental paradoxen Situation. Der humanitäre Universalist muss die unbegrenzte Einwanderung zulassen, da er keine prinzipiellen Unterschiede zwischen Menschengruppen wie Nationen anerkennen kann. Er wird somit zu einem Faktor zur Auflösung des Sozialstaates als Nationalstaat und zur kulturellen Selbstzerstörung. Der um Abgrenzung bemühte Nationalist dagegen kann seinen Selbstbehauptungswillen innerhalb einer von universalistischen Prinzipien geprägten Weltöffentlichkeit nicht argumentativ legitimieren. Er stellt sich ins völkische Abseits und gerät in einen grundlegenden Konflikt mit sämtlichen Universalisten dieser Welt, wobei auch sein Erfolg selbstzerstörerische Konsequenzen hätte.” Denn strikter Nationalismus würde dazu führen, das eigene Land „von den Entwicklungen des Weltmarktes bzw. der Weltgeschichte” zu isolieren, „mit der Prognose, dass ein solcher provinzieller Winkel irgendwann schließlich denn doch dem übermächtigen Druck globaler Großtendenzen nachgeben und vielleicht als bloßes Objekt des Geschehens all das nachvollziehen müsste, was es eigentlich vermeiden wollte”.

Der Konflikt zwischen Universalismus und Partikularismus könne deshalb nicht so gelöst werden, dass am Ende eine der beiden Seiten den Sieg davontrage. „Der Gesamtprozess besitzt jedoch einen Gravitationspunkt in den universellen Ordnungen des Behemoth.” Das heißt, der Universalismus endet in einem Nebeneinander verschiedenster Partikularismen, einem grotesken Zugleich einander ausschließender Lebenswelten. Auf verstreuten und gut gesicherten Inseln der Seligen werden Designerbabys und künstliche Ersatzorgane für Eliten gezüchtet, während nebenan ein religiöser Text aus dem 7. Jahrhundert als unübersteigbare Wahrheit gilt, auf deren Nichtakzeptanz die Todesstrafe droht; Zonen hypertropher Ordnung und wildester Anarchie werden direkt nebeneinander bestehen, wissenschaftliche und wirtschaftliche „Kompetenzfestungen“ (Gunnar Heinsohn) direkt neben Clangebieten, wo das Faustrecht herrscht, Astronautenausbildung neben Ehrenmorden, höfliche Automaten neben Bandenkriegen, genoptimierte Hundertjährige neben bereits zahnlosen Zwanzigjährigen, militante Tierschützer neben Schächtern, universitäre Schutzräume, in denen die geschlechtergerechte Sprache penibel beachtet wird und aus denen jeder Bub verwiesen wird, der einem Mädchen ein falsches Wort ins Ohr flüstert, während drei Straßen weiter Pädosex und die Zwangsverheiratung minderjähriger Mädchen zur akzeptierten Folklore gehören. Speziell in Europa werden die gewaltigen kulturellen und architektonischen Relikte der einstigen abendländischen Hochblüte dem musealen Pläsier der Touristen aus überwiegend Asien dienen (außer in den Stammesgebieten, wo man sie wohl eher demolieren wird). Und, wie gesagt, das alles nicht mehr nach Kulturkreisen und Erdteilen geschieden, sondern nebeneinander mitten in Europa.

Dass der Gesamtprozess einem nivellierenden Abwärtstrend folgt, liegt auf der Hand. „Der Nationalist kann bestenfalls versuchen, das Tempo zu verlangsamen, mit dem er (oder seine Nation) den Abhang der Nivellierung hinunterrutscht. Der Universalist will dagegen dieses Abrutschen beschleunigen, da er in ihm eine Bewegung moralisch besseren Zeiten entgegen vermutet”, notierte Sieferle. Letztlich sei der Universalist angesichts der Prozesse der Globalisierung eben doch eine tragische Figur – obwohl ihm nichts ferner liege als ein tragisches Weltverständnis –: „Die reale Universalisierung wird im Vollzug dessen, was man einmal Dialektik der Aufklärung genannt hat, in die Ordnungen des Behemoth hineinführen, das heißt zum realen Sieg des Partikularismus im Namen des Universalismus.”
Mit dieser Prognose endet das Buch „Epochenwechsel”, veröffentlicht, wie gesagt, im Jahre der Herrin 1994, also praktisch 1806 in napoleonischer Zeitrechnung.

… Alles vom 7.1.2026 von Michael Klonovsky bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2026/01/7-januar-2026/

 

 

Sieferle: Prole drift – Ausbreitung von der Stille hin zum Lärm
„Die neue Zivilisation erfährt sich selbst als rebellisch und andersartig, und dies wird immer dann besonders klar erkennbar, wenn sie auf Reste der agrargesellschaftlichen Hochkultur stößt. Sie möchte explizit krumm sein, schief, falsch, verdreht, also ‚links’. Es handelt sich um eine Kultur, die das Un-Rechte zu ihrer Signatur erhebt”, schrieb Rolf Peter Sieferle zum Phänomen prole drift. „Jede Anmutung von Symmetrie und Ordnung erscheint dem ‚linken’ Lebensgefühl als unerträglich.” Ein wichtiges Element der (oder des) prole drift sei „die Allgegenwart und hohe Wertschätzung des Lärms”, heißt es weiter. „Hier wird eine wichtige Differenz zur älteren Kultur der Vornehmheit erkennbar. Diese schätzte die Stille, die Konzentration, die Selbstbeherrschung, während das Lärmen zum Merkmal des Pöbels gehörte. (…) Die Allgegenwart des Lärms, die Vernichtung der Stille, schneidet die Menschen gezielt von einer reflexiven Kultur ab, trennt sie von der Tradition und ihren ‚Texten’ und liefert sie vollständig der vulgären Gegenwart aus. Viele Menschen bedürfen dann des Mediums Lärm, um überhaupt leben zu können.”
… Alles vom 1.3.2024 bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2024/03/ein-leserbrief-zur-prole-drift/

 

Rolf Peter Sieferle: Finis Germanue – als Hörbuch
Der Universalgelehrte Rolf Peter Sieferle hat mit dem posthum veröffentlichten „Finis Germania“ seine Nachtgedanken zur Lage Deutschlands hinterlassen. In dreißig inhaltsschweren und tiefgründigen, teilweise fragmentarischen Kurztexten beleuchtet er ohne Rücksicht auf Thementabus und medial verabredete Sprachregelungen Deutschlands jüngere Vergangenheit und Gegenwart und wirft einen abgründigen Blick in die Zukunft. So beschreibt er als mentalen Kern eines politisch flächendeckend ausgewucherten »Sozialdemokratismus«, daß »Differenzen aller Art für schlechthin unerträglich gelten« und die proagierte Lösung des Individuums aus seinen Verbindlichkeiten in der Vorfahren-Nachfahren-Kette als dessen Trennung »von seinen Ahnen, von der Geisterwelt, vom Absoluten.« Der »Mythos VB« (= Vergangenheitsbewältigung) benannte Teil des Buches führte schließlich zu einem Medienskandal. Der Autor wurde diffamiert, der Inhalt (absichtlich oder aus Dummheit) falsch verstanden und das Buch aus den Bestsellerlisten entfernt. Letztlich hat dieser unerhörte Vorgang jedoch zu dem Riesenerfolg von „Finis Germania“ beigetragen. Eine von uns lizensierte Ausgabe des Buchs erschien 2017 im Verlag Antaios. Im Landtverlag veröffentlichen wir im März 2019 eine neue Auflage des Titels mit einem Nachwort von Thomas Hoof, das die Skandalisierungsgeschichte von „Finis Germania“ nachzeichnet. 2:42:45
18.9.2021,
https://www.youtube.com/watch?v=u_cJ72-AEM4&t=179s

 

Spiegel nimmt Sieferle’s „Finis Germania“ von seiner Bestsellerliste
Das verschwundene Buch
Kisslers Konter: Der „Spiegel“ nahm das Buch „Finis Germania“ von seiner eigenen Bestsellerliste. So wird der Leser entmündigt und eine ganze Branche unter Verdacht gestellt
…
Sieferles nachgelassenes Werk mit dem Namen „Finis Germania“ haben sie „von der Liste heruntergenommen“. Es hätte sonst in der Vorwoche Rang 6 belegt.
Da erheben sich schwerwiegende Fragen: Welche Bücher wurden und werden uns, den politisch wachen Nachrichtenmagazinlesern, sonst noch vorenthalten? Ist vielleicht in der aktuellen Ausgabe der Hamburger Liste gar nicht „Das geheime Leben der Bäume“ die wahre Nummer Eins, sondern ein aus gesinnungsethischen Gründen getilgtes Werk? Vielleicht „Kochen mit Thilo Sarrazin“? Oder Frauke Petrys Reiseführer „So schön ist unser Sachsen“? Oder am Ende gar „Pflaster, Zaster, Zoroaster!“ vom „Aktionsbündnis G20 – Eine andere Welt ist möglich“? Wir wissen es nicht. Wir werden es nie erfahren. Das wissen nur die Hamburger Kuratoren, und die brachen bisher nur einmal, nur im Falle Sieferles, ihr Schweigen, notgedrungen.
Wäre das Verschwinden nicht von anderer Seite entdeckt worden https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/plus166887908/Amazon-Spiegel-Bestseller-Wie-Finis-Germania-mal-verschwand.html, wäre vielleicht Gras über die Sache gewachsen. https://uebermedien.de/18120/der-rechte-rechte-platz-ist-frei-spiegel-loescht-heimlich-skandalbuch-aus-bestsellerliste/. Nun aber sind die Hamburger Nachrichtenmagazinmacher dreifach blamiert: als Faktenfrisierer aus Leidenschaft, als Heimlichtuer aus Überzeugung, als Leser-für-dumm-Verkäufer. Müssen nun auch andere Wirklichkeiten durch das Nadelöhr der richtigen (also linken) Gesinnung, damit sie zu Hamburger Nachrichtenmagazinnachrichten werden?
… Alles vom 27.7.2017 von Alexander Kissler bitte lesen auf
https://www.cicero.de/kultur/Spiegel-Bestsellerliste-Das-verschwundene-Buch

 

 

„Deutschland, Schlaraffenland“ oder der Untergang Europas – Rolf Peter Sieferles† letzter Essay

Sieferle’s  Werke sind nicht gerade einfach zu lesen. Jürgen Fritz hat die meines Erachtens wohl prägnanteste Zusammenfassing von Sieferles „Schlaraffenland“ erstellt. Mit seiner Einwilligung sei hier der Text nochmals dokumentiert:

A. Vorwort
Er war ein großer Gelehrter, Zivilisationskritiker und Regierungsberater. 1949 in Stuttgart geboren, lehrte er seit 2000 an der Universität St. Gallen Geschichte, lebte in Heidelberg, wo er sich am 17. September im Alter von 67 Jahren das Leben nahm. Im Winter 2015/16 erschien sein letzter Essay „Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft“. Ich selbst hatte in der Oberstufe Geschichte Leistungskurs, habe in Heidelberg Geschichte im Nebenfach studiert und dann später unterrichtet. Ich kann mich nicht erinnern, je einen besseren Text eines Historikers gelesen zu haben. Bereits nach den ersten Sätzen von Rolf Peter Sieferle spürt man regelrecht: Hier schreibt ein großer Geist. Ein großer Geist, dessen Bücher und Essays aber viel zu wenig gelesen werden. Daher will ich im Folgenden versuchen, seinen letzten veröffentlichten Essay einem größeren Leserkreis ein klein wenig näherzubringen, a) weil dieser Mann das verdient hat und b) weil er uns so viel zu sagen hat, auch über seinen Tod hinaus.

B. Rolf Peter Sieferle: Deutschland, Schlaraffenland – Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft (Stammes-Gesellschaft)
Europa werde derzeit von einer Migrationswelle von präzedenzlosem Umfang überschwemmt, so Sieferle. Millionen machten sich auf, um in das gelobte Land zu gelangen. Die Bevölkerung Afrikas, aktuell über eine Milliarde, wachse jährlich um etwa 3 Prozent, also um 30 Millionen Menschen. Einige Millionen davon machten sich jährlich auf den Weg in ein erhofftes besseres Leben. Selbst wenn es nur 10 Prozent des Zuwachses seien (nicht mal 0,3 Prozent der Bevölkerung), so wären dies 3 Millionen im Jahr.

„In 30 Jahren circa 100 Millionen Immigranten nur aus Afrika!

Hinzu kämen Migrationen aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens. Allein in Libyen sollen etwa eine Million Migranten darauf warten, einen Platz in einem der Boote zu finden, die sie auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer bringen.

Europa befinde sich in dieser Hinsicht in einer besonderen Situation, was mit seiner geographischen Lage zu tun habe. In Europa sei es im Gegensatz zu den USA physisch praktisch unmöglich, die Außengrenzen abzuschirmen, weil diese viel größer seien als die relative kurze Grenze zwischen USA und Mexiko. (Persönliche Anmerkung: Dies sehe ich anders. Ich halte es für durchaus möglich, Europas Außengrenzen weitgehend zu sichern. Eventuell müssen auf lange Sicht die vielen kleinen griechischen Inseln aufgegeben werden. jf) Hinzu komme, dass sich gerade in den Grenzgebieten in Nordafrika und im Nahen Osten immer mehr unberechenbare Staaten fänden, auf deren Kooperation nicht gebaut werden könne.

Andere Industrieländer wie Japan, Südkorea, Australien, Neuseeland befänden sich so weit von möglichen Herkunftsorten entfernt, dass die Anreise von boat people sehr riskant und relativ leicht zu kontrollieren sei. Länder wie China oder Rußland seien schwer zu erreichen und bildeten (noch) keine attraktiven Ziele. Es bleibe also Europa als der Raum, in dem der stärkste Einwanderungsdruck zu erwarten sei. Die Europäer stünden daher vor einer Völkerwanderung vergleichbar der in der Spätantike. Weshalb aber wollen so viele Menschen in Länder wie Deutschland einwandern? Die Gründe dafür lägen auf der Hand:

„In Deutschland herrschten 1. Wohlstand und 2. Sicherheit. Es gebe einen funktionierenden Rechtsstaat, es drohten keine Kriege oder Bürgerkriege, keine Seuchen, das Gesundheitssystem sei exzellent und gratis, die Arbeitslosigkeit gering, die sozialen Netze seien üppig ausgebaut. Im Grunde handele es sich um eine Art Schlaraffenland.

Weshalb seien die Verhältnisse in Deutschland aber so viel besser als etwa im Irak? Das sei schließlich nicht immer so gewesen. Noch vor tausend Jahren habe dies völlig anders ausgesehen. Und vor dreitausend Jahren wären Lebensstandard und zivilisatorisches Niveau in Europa zweifellos niedriger gewesen als in Mesopotamien. Hier habe sich also in den letzten Jahrtausenden etwas drastisch geändert und es stelle sich die Frage, was es war. Wie ist es Europa gelungen, aus den agrarischen Zivilisationen auszubrechen und einen neuen Typus von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hervorzubringen, der Wohlstand und Sicherheit für alle miteinander kombiniere?

„Sieferle nennt drei Faktorenkomplexe, die den Weg Europas in die rechtsstaatlich konstituierte Industriegesellschaft, in die Moderne verursacht hätten: 1. technisch-industrielle, 2. kulturell-mentale und 3. politisch-institutionelle Ursachen.

Die Entwicklung zur Industriegesellschaft sei unstrittig von Europa ausgegangen, doch habe sie Nachahmer gefunden a) in den neo-europäischen Kolonien (USA, Kanada, Australien, Neuseeland), die das europäische Muster problemlos übernahmen, und b) in Asien: in Japan, Südkorea und Taiwan. Vermutlich würden früher oder später auch Festlandchina und Indien dazukommen. Diese Länder hätten keine autochthone Industrialisierung hervorgebracht, doch sei es ihnen in relativ kurzer Zeit gelungen, auf den Zug aufzuspringen.

Andere Länder wären weniger erfolgreich, obwohl sie den europäischen Sonderweg aus nächster Nähe beobachten konnten: vor allem Rußland, das seit dreihundert Jahren versuche, mit Europa Schritt zu halten, und das doch immer wieder in die alte Misere zurückfalle. Ähnlich verhalte es sich mit dem Osmanischen Reich, von dem nur eine einzige Provinz wirklich erfolgreich war, nämlich Palästina/Israel. Dies aber nur infolge der zionistischen Einwanderung aus Europa. (Hier haben wir bereits einen ersten Hinweis, dass es in erster Linie mit mentalen Gegebenheiten zu tun haben könnte. jf)
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„Eine erfolgreiche Industrialisierung beruhe also offenbar auf bestimmten historischen, vor allem kulturellen und institutionellen Voraussetzungen, die nicht leicht zu imitieren seien. Die Menschen lebten gerne im Schlaraffenland. Deshalb dränge es sie zur Migration in die Industrieländer, denn irgendetwas hindere sie daran, dieses Schlaraffenland bei sich zuhause zu errichten. Offenbar sei die Immigration in ein bereits existierendes Schlaraffenland leichter als der Aufbau eines solchen im eigenen Land. Weshalb aber ist das so?
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Nach Sieferle war es ein hoch unwahrscheinlicher Prozess, der in den europäischen Ländern über Jahrhunderte hinweg Mentalitäten und Institutionen geschaffen hat, deren Ergebnisse wir heute vor uns haben. Dieses Erfolgsmuster könne nicht ohne weiteres kopiert werden.
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„Transfer von Technologie sei leicht, Transfer von Institutionen aber schwer. Transfer von kulturell-mentalen Mustern sei praktisch unmöglich.
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(Persönliche Anmerkung: Weil die Seelen von Menschen und deren Formung sich nicht so einfach von heute auf morgen ändern lassen, was die entwicklungspyschologischen, erziehungswissenschaftlichen und anthropologischen Analphabeten in Berlin nicht begreifen.)
Die vielleicht wichtigste Voraussetzung der europäischen Entwicklung war die Zerschlagung von tribalen Strukturen durch die Staaten der frühen Neuzeit. Dies war eine elementare Vorbedingung des Nationalstaats, der zum institutionellen Zentrum der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde. Er zielte auf die Herstellung einer homogenen Einheit von Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt, die sich von anderen Einheiten (Staaten) unterscheidet und abgrenzt. Der Nationalstaat löste die Herrschaft der Stämme, Clans, Großfamilien, Personenverbände und Klientelsysteme aller Art auf.
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„Nationalstaat als Rechtsstaat bedeutete: gleiches Recht für alle innerhalb des Staatsgebietes. Und es bedeutete ein staatliches Gewaltmonopol mit Polizei und Armee.
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Dieser Nationalstaat vereinheitlichte die Infrastruktur: Geld, Recht (Zivilprozeß statt Fehde), Sprache, Verwaltung, Verkehrswesen, Staatsangehörigkeit. Um diese Leistungen erbringen zu können, musste eine zentrale, von oben nach unten durchstrukturierte Verwaltung errichtet werden, die den Ansprüchen bürokratischer Rationalität genügte (gegen Korruption und Klientelwesen).

Der Nationalstaat definierte als Identitätseinheit des Staates das Staatsvolk. Im 18. Jahrhundert gab es zwar kaum ethnisch homogene Nationen. Dennoch gewann dieses Konzept eine erstaunliche Anziehungskraft. Diese Ideologie tendierte dazu, dem Nationalstaat quasitribale Züge zuzuschreiben. Der nationalistisch geprägte Nationalstaat verstand sich als Vertreter einer Abstammungseinheit, und er forderte von seinen Mitgliedern eine umfassende Loyalität, wie man sie sonst nur in Stammesgesellschaften kannte. Der Konflikt mit anderen Nationalstaaten nahm daher leicht totale Züge an. Die daraus resultierenden Exzesse fanden vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sei aufgrund dieser Exzesse die Ideologie des Nationalismus unter den Eliten der fortgeschrittenen Länder anrüchig geworden. Hier habe daher eine ideologische Verschiebung vom völkischen zum demokratischen Akzent des Volkes stattgefunden. Damit aber sei der Volksbegriff zunehmend universalistisch begründet worden, obschon die Völker de facto nach wie vor innerhalb exklusiver (ausschließender), nichtuniversalistischer Nationalstaaten organisiert seien. Der Nationalstaat stehe daher heute vor dem Problem, dass seine primäre Legitimation, der Nationalismus, obsolet geworden sei, seine sekundäre Legitimation, der demokratische, humanitäre Universalismus, aber mit seiner exklusiven Organisationsform nicht kompatibel sei. Wenn Volk A, B und C alle gleich sein sollen, weshalb soll es dann noch Grenzen zwischen ihnen geben?

Besonders brisant werde diese Problematik, wenn es um den Sozialstaat gehe. In den europäischen Agrargesellschaften hatten die Gemeinden bestimmte Aufgaben der Daseinsvorsorge für ihre Mitglieder übernommen, die von den Familien nicht erbracht werden konnten, vor allem Armenpflege und Unterstützung in Notfällen. Mit der Industrialisierung sei die Mitgliedschaft in einer Gemeinde zum Mobilitätshindernis und damit obsolet geworden. Die Gemeindebürgerschaft sei so zur Staatsbürgerschaft ausgeweitet worden. Der Nationalstaat sei aber in größerem Maßstab ebenso exklusiv gewesen wie die Bürgergemeinde. Die Leistungen des Sozialstaates seien seit dem späten 19. Jahrhundert immer weiter ausgedehnt worden, kamen aber immer nur den eigenen Staatsbürgern zugute.

„In diesem Sinne war der Sozialstaat immer exklusiv nach außen, aber inklusiv (alle einschließend) nach innen.
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Eben diese Relation von Ausschließung und Einschließung definiere aber das problematische Wesen des (nationalen) Sozialstaats. Dieser stehe heute nach dem Plausibilitätsverlust des Nationalismus vor dem Problem, dass er praktisch nur als Nationalstaat möglich ist, dass seine daseinsvorsorgende Inklusivität also de facto auf Exklusion, auf Ausschließung beruhe.
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„Die offizielle Ideologie, mit deren Hilfe die Umverteilung im Sozialstaat begründet wird (aus Motiven der Gleichheit und Gerechtigkeit), sei jedoch universalistisch angelegt.

Wenn der Sozialstaat seine Programme der sogenannten „sozialen Gerechtigkeit“ aber aus dem humanitären Universalismus begründet (Menschenrechte), kann der Verwirklichungsraum dieser Gerechtigkeitsprogramme schwerlich der ausschließende Nationalstaat sein. Der Umverteilungssozialismus müsste sich nach dieser Logik als universalistische Ideologie auf den Weltstaat beziehen. Dieser existiere aber in der Realität nicht. Ergo müsse der Sozialstaat sich nach dieser Logik für jede Zuwanderung in die Sozialsysteme öffnen. Das Ergebnis wäre natürlich die Zerstörung des Sozialstaats, nicht aber dessen Universalisierung. Ein Ausbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Öffnung der Grenzen für Immigranten wäre zweifellos nicht nachhaltig.

„Es wäre so, als drehte man die Heizung auf und öffnete gleichzeitig die Fenster.

Eine Reaktion auf diese Unmöglichkeit könne darin bestehen, dass man dies als Anlass nehme, den Sozialstaat abzubauen. Dies wäre eine konsequente liberale Lösung. Der Staat müsste sich auf seinen rechtsstaatlichen Kern zurückziehen und soziale Interventionen völlig unterlassen, wie dies etwa in den USA im 19. Jahrhundert während der Masseneinwanderung aus Europa der Fall war. Dies läge allerdings nicht im Interesse der Unterschichten in den Sozialstaaten, die gegen eine solche Entwicklung populistischen Widerstand leisten würden.

Somit stelle sich also die generelle Frage, was die Immigration von Menschen aus gescheiterten bzw. nicht entwicklungsfähigen Staaten in den Zielländern anrichtet. Importieren sie ihr Scheitern in diese Gesellschaften? Zerstören sie dort die kulturellen und institutionellen Voraussetzungen der Industrialisierung, die sie in ihren Herkunftsländern nicht besaßen und nicht hervorbringen konnten?

Diejenigen, die heute von bunter Vielfalt sprechen, meinen, dass die Frage nach der historischen Entstehung der Industriegesellschaft nicht identisch sei mit der Frage nach den Bedingungen, unter denen eine Industriegesellschaft, die bereits existiert, weiterhin existieren kann. Das Schlaraffenland sei kulturell strapazierbar und eben darauf setzen sie.

Aus schlichter ökonomischer Perspektive werde die Einwanderung nach Deutschland heute ebenfalls begrüßt, da man sich von ihr eine Vergrößerung des Arbeitskräftepotentials verspreche. Damit könne man die extrem negative demographische Entwicklung ausgleichen, so die Hoffnung. Sieferle macht aber deutlich, dass dies eine stark verkürzte vulgärökonomische Argumentation ist, für die nur Kapitalressourcen und Arbeitskräfte eine Rolle spielen. Betrachte man das Ganze umfassender und nehme auch soziales und kulturelles Kapital ins Visier, also immaterielle Faktoren, die zum Wohlstand beitragen, sehe die Sache völlig anders aus.

Dieses kulturelle Kapital beruhe auf Überlieferung sowie auf der Eindeutigkeit der Gruppenzugehörigkeit. In das Paket des kulturellen Kapitals, das für eine funktionierende demokratische, aufgeklärte und wirtschaftlich erfolgreiche Gesellschaft charakteristisch ist, gehörten etwa die folgenden Elemente:

„Rechtsstaatlichkeit, Fairplay, Rechte des Individuums, Beschränkung der Staatsgewalt, Verbindung von Individualismus und Gemeinwohlorientierung, Meinungsfreiheit (inklusive Religionsfreiheit), Arbeitsethos, Orientierung am Fortschritt, Ausbildung von Vertrauen, Wertschätzung von Bildung und Erziehung. Diese Kombination bilde das kulturelle Erfolgsgeheimnis der erfolgreichen Länder.

Ein wichtiges, wenn nicht das entscheidende Element des kulturellen Kapitals sei aber das Vertrauen. Es gebe, wie empirische Vergleiche verschiedener Länder zeigen, eine enge Korrelation zwischen dem Ausmaß von Vertrauen und der ökonomischen Effizienz.

„Das Maß des Vertrauens ist ein Maß der Zivilisiertheit und Leistungsfähigkeit.

Im Jahr 2000 beantworteten 67 Prozent der Dänen und 66 Prozent der Schweden die Frage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne, mit ja, aber nur 3 Prozent der Brasilianer.

Kooperationsbereitschaft und Vertrauen erleichterten den gesellschaftlichen Umgang. Kulturelles Kapital werde durch Tradierung übertragen. Eine Kultur sei zwar niemals homogen. Nicht alle Menschen, die einem Volk angehören, teilten sämtliche kulturellen Merkmale. Umgekehrt sei es immer in einem gewissen Umfang möglich, fremde Menschen zu assimilieren, d. h. mit dem kulturellen Kapital ihrer neuen Gesellschaft auszustatten, was auch als Integration verstanden werden könne. Allerdings gebe es hierfür Grenzen. Je größer die Zahl von Immigranten und je rascher sie immigrieren, desto geringer sei die Chance der Assimilation. Es besteht dann die Gefahr, dass die durch Immigration entstehende multikulturelle Gesellschaft kulturelles Kapital vernichtet, mit dem Effekt, dass sich die ethnisch und kulturell recht homogenen Industrieländer in multitribale Gesellschaften transformieren. In solchen Gesellschaften würden mit hoher Wahrscheinlichkeit wichtige institutionelle und mental-kulturelle Voraussetzungen einer funktionierenden Industriestruktur zerstört.

„Die Basis, die alles zusammenhalte, das gegenseitige Vertrauen verschwände.

An die Stelle des Rechtsstaats mit seinem Gewaltmonopol trete dann wieder das Fehderecht. Wenn Konflikte auftreten, versuche man zunächst, diese innerhalb des eigenen Stammes-Rahmens zu lösen, eventuell durch Mobilisierung durchsetzungsstarker Verbündeter. Wenn dieser Prozess einmal in Gang gekommen sei (und erste Ansätze dazu ließen sich in zahlreichen europäischen Großstädten beobachten), könne er sich leicht selbst verstärken und eine Eigendynamik entwickeln. Dann könnten sich immer mehr tribale Gruppen bilden, mit eigenem Steuersystem (Schutzgeld) und eigener Entscheidungskompetenz.

Diese Gruppen träten zunächst in Konkurrenz zu dem überkommenen Rechtsstaat und seinen Polizeikräften. Am Ende werde dem Staat aber nichts übrigbleiben, als sich selbst nur noch als Stamm unter Stämmen zu verhalten. Für diejenigen Bürger, die keinem spezifischen Stamm mehr angehören, sondern auf den Rechtsstaat gesetzt hatten, werde dies fatal.

Wenn eine solche Bewegung in Gang kommen sollte, so hätten wir einen evolutionären Prozess der Selbstzerstörung einer Industriegesellschaft vor uns: Eine bestimmte kulturelle Konstellation habe historisch erfolgreich die Industrialisierung und Moderne erzeugt, habe dabei aber normative Merkmale des humanitären Universalismus entwickelt, so dass es nicht mehr möglich sei, den Zuzug von Angehörigen fremder Kulturen zu regeln bzw. zu unterbinden.

„Eine solche Gesellschaft, die nicht mehr zur Unterscheidung zwischen sich selbst und sie auflösenden Kräften fähig ist, lebe moralisch über ihre Verhältnisse. Sie sei in normativem Sinne nicht nachhaltig. Durch Relativierung zerstöre sie schließlich ihre kulturelle Identität, die Voraussetzung ihrer Leistungsfähigkeit. Damit setze sie sich selbst ein Ende.

Die europäischen Gesellschaften seien von dem Grundgedanken des Egalitarismus (der wie ein Fetisch angebetet wird und der von der tief internalisierten Christenmoral herrühren dürfte, jf) regelrecht besessen. Diese Ideologie produziere die Utopie der totalen materiellen Gleichheit. Ungleichheiten würden dagegen als unnatürlich empfunden. Aus dieser Perspektive eines universalistisch-egalitären Programms sei jede reale Ungleichheit schlechthin unerträglich. Die Konfrontation mit Leid, Armut, Unterdrückung, Elend und enttäuschten Hoffnungen löse daher Hilfsreflexe aus, von denen der einfachste (und gesinnungsethischste) laute: refugees welcome, also Aufnahme von jedem und allen in Europa, mit Zugang zum gesamten Leistungspaket des Sozialstaats. Dieser Reflex durchdringe große Teile der Gesellschaft in den Wohlstandszonen.
Die Realpolitiker und Verwaltungen, die dann mit dem konkreten Vollzug der Hilfe zu tun haben, stünden dann ebenso vor einem Problem wie die Teile der Bevölkerung, die in der Massenimmigration die Gefahr einer Unterminierung der vertrauten sozialen und politischen Ordnung erblicken. Medial würden sie angegriffen und mit dem radikalen Gegenbegriff zum Egalitarismus, dem Rassismus, bedacht, der seit dem Nationalsozialismus natürlich extrem negativ konnotiert und völlig unzutreffend sei, da hier ja ethnisch-kulturelle und keine rassischen Differenzen angesprochen würden. Viele Zeitgenossen duckten sich daher lieber weg, hielten den Mund und hofften, dass der Kelch irgendwie an ihnen vorüberginge.
Ist es wirklich möglich, fragt Sieferle, dass eine Gesellschaft sich durch solche Prozesse der ideologischen Verwirrung selbst zerstört? Ja, meint er. Denn Kulturen und Ideologien seien enorm machtvolle Kräfte.
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„Menschen sprengten sich für Allah in die Luft. Warum sollten sie nicht eine Sozialordnung zerstören, die sie ebenso wenig verstehen, wie sie diese lieben?
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Der Sozialstaat werde von den meisten Menschen als selbstverständlich angesehen, ebenso wie der Rechtsstaat (historische und staatstheoretische Analphabeten, jf). Dass beide dies nicht sind, sondern auf sehr fragilen und unwahrscheinlichen Grundlagen beruhen, werde man erst begreifen, wenn sie verschwunden seien, d. h. wenn eine neue multitribale Struktur sie verdrängt habe. Vielleicht sei der Untergang Europas dann ein Lehrstück für andere industrialisierte Zivilisationen (wie China), und vielleicht würden die letzten Europäer in Übersee Zuflucht suchen.
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Abschließend betrachtet Sieferle diesen Vorgang aus kühler universalgeschichtlicher Perspektive. Vor mehr als 60.000 Jahren (0:00 Uhr) hätten die Menschen Afrika verlassen und sich allmählich über die ganze Erde ausgebreitet. Es bildeten sich zahlreiche separate Völker mit eigenen Kulturen, die zum Teil über sehr lange Zeiträume hinweg keinerlei Kontakt miteinander gehabt hätten. Dieser Trend habe vor etwa 5.000 Jahren (nach 22 Uhr) eine erste Umkehr erfahren, als die agrarischen Zivilisationen begannen, größere Reiche zu bilden und Fernhandel zu treiben.
Vor 500 Jahren (23:48 Uhr) sei dies durch die europäischen Seefahrer noch einmal drastisch beschleunigt worden und seit etwa 200 Jahren (23:55 Uhr) stünden im Prinzip alle Menschen miteinander in Kontakt. Der Prozess der Globalisierung, der seit wenigen Jahrzehnten in Gang sei (23:59 Uhr), habe die Mobilität von Informationen, Gütern und auch Menschen noch einmal enorm ausgeweitet.
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„Dieser Prozess der Universalisierung und Globalisierung sei wohl unvermeidlich, und die Völker, die die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, würden letztlich von ihm verschlungen werden.
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Viele Deutsche, so Sieferle abschließend, möchten heute als Volk gerne verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Harmonisch werde dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen würden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen Menschenrechte, sei es in Gestalt des islamischen Dschihad
https://philosophia-perennis.com/2016/08/24/an-die-heuchler-auf-beiden-seiten-ihr-widert-mich-an/
oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell befänden, sei daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen werde, was uns heute noch selbstverständlich scheine.

… Alles vom 28.10.2016 (mitsamt allen Links und Kommentaren) bitte lesen auf
https://juergenfritz.com/2016/10/28/rolf-peter-sieferles%E2%80%A0-letzter-essay-deutschland-schlaraffenland-oder-der-untergang-europas/

Hier kann Sieferles Essay im Original nachgelesen werden: Deutschland, Schlaraffenland
https://juergenfritzphil.files.wordpress.com/2016/10/e2055-tumult_winter2015_16_sieferle.pdf
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Nachruf 2016: Rolf Peter Sieferle – Der Unerschrockene
Der Zivilisationskritiker Rolf Peter Sieferle ist gestorben. Er beriet auch die Regierung. Sollte ihn dort jemand verstanden haben, könnte man sich in Zeiten zurückversetzt fühlen, als Gelehrte wie die Humboldts den preußischen Staat berieten.

Anm. d. Red.: Der Nachruf auf Rolf Peter Sieferle entstand vor der Publikation von Nachlasswerken Sieferles im Frühjahr 2017, die das Bild dieses Autors stark verändern. Der Nachruf bildet daher nicht mehr das aktuelle Urteil von Gustav Seibt ab (siehe Link unten).
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Rolf Peter Sieferles letzte Intervention war im Winterheft 2015/16 von Tumult zu lesen, der berühmt-berüchtigten Ausgabe der „Zeitschrift für Konsensstörung“, die mit der deutschen Willkommenskultur abrechnete. Kühl wies Sieferle auf die weltgeschichtlich einmaligen, höchst fragilen Voraussetzungen des europäischen, für Migranten so attraktiven Sozial- und Nationalstaats hin. Der Nationalstaat ist nur nach innen universalistisch-egalitär, nach außen exklusiv, das ist sein Grundwiderspruch.
Er setzt ein historisch einzigartiges soziales Vertrauen voraus, das seine ökonomische Effizienz ermöglicht. Zu viele Neubürger aus tribalen und klientelistischen Kulturen würden ihn in Gefahr bringen. „Ein Ausbau des Sozialstaats bei gleichzeitiger Öffnung für Immigration ist zweifellos nicht nachhaltig“, schrieb Sieferle. „Es wäre so, als drehte man die Heizung auf und öffnete gleichzeitig die Fenster.“
Eine suggestive Formulierung, die an Sieferles zeitkritisches Hauptwerk erinnerte, den 1994 erschienenen Band „Epochenwechsel“ und die universalhistorische Bilanz „Rückblick auf die Natur“ von 1997, das brillanteste Werk des, wie jetzt erst bekannt wurde, am 17. September verstorbenen Historikers. Der 1949 geborene, seit 2000 in St. Gallen lehrende Rolf Peter Sieferle war ein Autor, dessen Register von terminologisch verdichteter Theorie bis zu kulturphysiognomischer Polemik reichte. Sieferles weitgehend selbstgeschaffenes Fachgebiet war die Naturgeschichte der menschlichen Gesellschaften, deren Funktionieren er aus ihrem Energiestoffwechsel ableiten konnte, und zwar bis in die Verästelungen von Verfassung und Lebensstil.

In atemberaubenden Übersichten von der Urzeit bis zur Digitalisierung lieferte er die Theorie, also die gedankenreiche Anschauung des Ausnahmezustands, in den sich die Menschheit seit der Industrialisierung begeben hat: durch eine Wirtschaftsweise, die über Millionen Jahre angesammelte fossile Energie verfeuert hat.
Sieferles Thema und zugleich Methodik war die Überprüfung des jeweiligen zivilisatorischen „Naturhaushalts“. Warum standen im späten 19. Jahrhundert Stadthäuser eng gedrängt beieinander und hatten doch hohe Zimmerdecken, während sie heute locker verstreut im Grün der Vorstädte stehen, dafür aber niedrige enge Räume haben? Auch solchen Fragen, die von der Heizungstechnik, dem Verkehrswesen bis zu Lebensstil und Architekturdesign reichen, ging Sieferle nach.
Dass er sich auch von den kulturpessimistischen Zivilisationstheorien der vorletzten Jahrhundertwende, gar von der „Konservativen Revolution“, die er ideenhistorisch aufarbeitete, anregen ließ, hat man ihm zum Vorwurf gemacht. Zu Unrecht. Sieferle war ein unerschrockener, immer rationaler Denker, der sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen ließ, wenn er apokalyptische Möglichkeiten erwog. Konservativ war allenfalls sein Bewusstsein für natürliche Grenzen.
2010 verfasste er für den „Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen“ der Bundesregierung eine auch im Netz abrufbare Abhandlung „Lehren aus der Vergangenheit“. Sie liefert auf nur 30 Seiten eine theoretisch hochverdichtete Gesamtsicht zur Menschheitsgeschichte von der neolithischen Revolution bis zur Energiewende. Sollte es im Bundesumweltministerium Beamte geben, die diesen Text verstehen, könnte man sich in jene Zeiten zurückversetzt fühlen, als Gelehrte wie die Humboldts den preußischen Staat berieten.
… Alles vom 9.10.2016 von Gustav Seibt bitte lesen auf
https://www.sueddeutsche.de/kultur/nachruf-der-unerschrockene-1.3196935
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SZ-Literaturkritiker Gustav Seibt über „Finis Germania“: „Ein erschreckender Absturz“
Der Autor des umstrittenen Buches „Finis Germania“, Rolf Peter Sieferle, galt eigentlich als ernsthafter Wissenschaftler. „Finis Germania“ erschien posthum und es beschädige Sieferles Lebenswerk, meint der Literaturkritiker Gustav Seibt.
… Alles vom 12.6.2027 bitte lesen auf
https://www.deutschlandfunkkultur.de/sz-literaturkritiker-gustav-seibt-ueber-finis-germania-ein-100.html

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DEUTSCHLAND, SCHLARAFFENLAND –
Auf dem Weg in die multitribale Gesellschaft
von Rolf Peter Sieferle
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Zurzeit überschwemmt eine Migrationswelle von präzedenzlosem Umfang Europa. Millionen machen sich von der Peripherie auf, um in das gelobte Land zu gelangen. Europa ist von kollabierenden Staaten und von Gebieten mit geringem Hoffnungspotential umgeben. Die Bevölkerung Afrikas, die aktuell noch etwa eine Milliarde beträgt, wächst jährlich um etwa 3 %, also um 30 Millionen Menschen, von denen sich einige Millionen jährlich auf den Weg in ein erhofftes besseres Leben machen können. Wenn es nur 10 % des Zuwachses sind, so sind dies bereits 3 Millionen im Jahr. Hinzu kommen Migrationen aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens. Teile der Barrieren, die früher diese Wanderungen aufgehalten haben, sind verschwunden.
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Weshalb wollen so viele Menschen in Länder wie
Deutschland einwandern? Die Gründe dafür liegen auf der
Hand: In diesem Land herrschen Wohlstand und Sicherheit,
es gibt einen funktionierenden Rechtsstaat, es drohen keine
Kriege oder Bürgerkriege, keine Seuchen, das Gesundheitssystem ist exzellent und gratis, die Arbeitslosigkeit ist gering, die sozialen Netze sind üppig ausgebaut – im Grunde handelt es sich um eine Art Schlaraffenland, und man muß schon ein sehr vernagelter Zeitgenosse sein, um das nicht zu erkennen. Die Gründe für die Einwanderung bzw. für den Wunsch danach sind leicht einzusehen. Etwas schwieriger ist ein Verständnis der Gründe dafür, weshalb die Verhältnisse in Deutschland so viel besser sind als etwa im Irak. Das war schließlich nicht immer so. Noch vor tausend Jahren war nicht klar, wo man besser lebte, undvor dreitausend Jahren war der Lebensstandard bzw. das zivilisatorische Niveau in Europa zweifellos niedriger als in Mesopotamien. Hier hat sich also in den letzten Jahrtausenden etwas drastisch geändert, und es fragt sich, was es war. Diese Frage ist zunächst identisch mit jener nach den Gründen für den ›europäischen Sonderweg‹, also danach, weshalb es Europa gelang, aus dem gemeinsamen Muster der agrarischen Zivilisationen auszubrechen und einen neuen Typus von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft hervorzubringen, der Wohlstand und Sicherheit für alle miteinander kombiniert. Wenn wir fragen, wie dies möglich war, so stoßen wir auf drei Faktorenkomplexe, die den Weg Europas in die rechtsstaatlich konstituierte Industriegesellschaft (oder »die Moderne«) verursacht haben: sie sind
– technisch-industrieller,
– kulturell-mentaler und
– politisch-institutioneller Natur.
Was dabei welche Rolle spielte, ist eine außerordentlich schwierige Frage, und bis heute besteht in der Forschung keine Einigkeit darüber, was ausschlaggebend war.
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Wir stehen also vor dem Problem, daß eine erfolgreiche Industrialisierung offenbar auf bestimmten historischen, vor allem kulturellen und institutionellen Voraussetzungen beruht, die nicht leicht zu imitieren oder zu »konstruieren« sind. Die Menschen leben gerne im Schlaraffenland, deshalb drängt es sie zur Migration in die Industrieländer, denn irgend etwas hindert sie daran, dieses Schlaraffenland bei sich zuhause zu errichten. Offenbar ist die Immigration in ein bereits existierendes Schlaraffenland leichter als sein Aufbau im eigenen Land. Wieso ist dies der Fall? Wenn die Industrialisierung und Demokratisierung, die Einrichtung einer rechtsstaatlichen Ordnung und die Durchsetzung rationaler Denkmuster selbstverständliche Eigenschaften einer generellen »Modernisierung« der Welt sind – weshalb ist es dann so viel attraktiver, die Mühen der Migration auf sich zu nehmen, als sein eigenes Land diesem Vorbild der »Modernisierung« folgend umzugestalten?
Der generelle Grund liegt natürlich darin, daß die modernisierungstheoretische Annahme falsch ist. Es war ein hoch unwahrscheinlicher, von vielen Kontingenzen geprägter Prozeß, der in den europäischen Ländern über Jahrhunderte hinweg Mentalitäten und Institutionen geschaffen hat, deren Ergebnisse wir heute in Gestalt der Prosperitäts- und Sicherheitszonen vor uns haben. Dieses Erfolgsmuster kann nicht ohne weiteres kopiert werden.
– Transfer von Technologie ist leicht,
– Transfer von Institutionen ist schwer,
– Transfer von kulturell-mentalen Mustern ist praktisch unmöglich
oder dauert jedenfalls sehr lang.
Eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Voraussetzung der europäischen Entwicklung war die Zerschlagung von tribalen Strukturen durch die Staaten der frühen Neuzeit, was eine elementare Vorbedingung des Nationalstaats bildete, der zum institutionellen Zentrum der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde. Der Nationalstaat löste die agrargesellschaftliche Dualität von lokaler Herrschaft und dynastischer Zentralität ab. Er zielte auf die Herstellung einer homogenen Einheit von Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt, die sich von anderen Einheiten unterscheidet und abgrenzt. Die primäre Leistung des Nationalstaats bestand in der Zentralisierung der Herrschaft und der damit verbundenen Auflösung intermediärer Gewalten, also von Stämmen, Clans, Großfamilien, Personenverbänden und Klientelsystemen aller Art. Das Ideal des Nationalstaats als Rechtsstaat war die Staatsunmittelbarkeit des Individuums (»gleiches Recht für alle«) und die Durchsetzung eines staatlichen Gewaltmonopols mit ausdifferenzierten Erzwingungsorganen (Polizei, Armee).
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Hier stellt sich also die generelle Frage, was die Immigration von Menschen aus gescheiterten bzw. nicht entwicklungsfähigen Staaten in den Zielländern anrichtet. Importieren sie ihr Scheitern in diese Gesellschaften? Zerstören sie dort die kulturellen und institutionellen Voraussetzungen der Industrialisierung, die sie in ihren Herkunftsländern nicht besaßen und nicht hervorbringen konnten? Dies ist nicht leicht zu beantworten. Die Frage nach der historischen Entstehung der Industriegesellschaft ist nicht identisch mit der Frage nach den Bedingungen, unter denen eine Industriegesellschaft, die einmal existiert, weiterhin existieren kann
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Dieser Prozeß der Universalisierung und Globalisierung ist wohl unvermeidlich, und die »Völker«, die die Geschichte der letzten Jahrtausende geprägt haben, werden letztlich von ihm verschlungen werden. Wir sollten uns aber darüber im klaren sein, daß dies mit zahlreichen schmerzlichen Friktionen verbunden sein wird. Viele Deutsche möchten heute gerne als Volk verschwinden, sich in Europa oder in die Menschheit auflösen. Andere Völker werden aber heftig Widerstand gegen eine solche Aussicht leisten. Harmonisch wird dies alles nicht abgehen, zumal einzelne Kulturen versuchen werden, bei dieser Gelegenheit ihre tradierten Muster universell durchzusetzen, sei es in Gestalt der westlichen »Menschenrechte«, sei es in Gestalt des islamischen »Dschihad« oder was auch immer. Die Immigrationskrise, in der wir uns aktuell befinden, ist daher vielleicht nur der Vorbote umfassenderer Konvulsionen, in denen alles untergehen wird, was uns heute noch selbstverständlich scheint.
… Alles vom 9.12.2015 von Rolf Peter Sieferle bitte lesen auf
https://philosophia-perennis.com/wp-content/uploads/2016/10/f28cf-tumult_winter2015_16_sieferle.pdf
oder:
https://www.tumult-magazine.net/winter-2015-16

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