Urgraben

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Blick nach Westen in die Neuwelt von der Platte aus zum Scherzingerhof, Baschijörgenhof, Hinterbauernhof und Brosihof – oben am Waldrand führte der Urgraben-Kanal

 

                   
(1) Urgraben 15 km                                  (2) St.Peter-Platte – Infotafel                    (3) Platte Info


(4) Suggental – Blick nach Norden

(1) Der Urgraben am Kandel (Quelle: “Rund um den Kandel” , Beitrag Josef Ruf; 75 Jahre Volksbank Waldkirch, 1906 bis 1981 
(2) Blick nach Nordwesten oberhalb vom Plattenhof am 24.7.2011 – Infotafel Urgraben
(3) Infotafel zum Urgraben beim Plattenhof am 24.7.2011
(4) Blick nach Norden über den Reschhof und Vogelsanghof (links) bis Buchholz am 3.5.2008. Am Reschbauernhof vorbei führte der Urgraben.

 

Urgraben – Hangkanal 15 km von St. Peter ins Suggental

Der ab 1284 gebaute über 15 km lange Hangkanal oberhalb des Glottertals leitete das Wasser von der Platte bzw. Ostseite des Kandels ins wasserarme Suggental, wo im Mittelalter ergiebiger Bergbau betrieben wurde. Durch die Arbeiten von Andreas Haasis-Berner, der über den “Urgraben” forschte und promovierte, wurde dieses großartige Bauwerk wieder ins öffentliche Bewußtsein gerückt. 
Der Urgraben als eines der beeindruckendsten Technikdenkmäler Deutschlands führte als Hangkanal ca 1.20 m breit und 50 cm tief von der Platte ob St.Peter  am Südosthang des Kandels über drei Wasserscheiden (Schönhöfe, Rohr, Luser) ins Suggental. Zweribach, Glotter, Lindlesdobelbach und viele kleine Bäche speisten den Kanal mit beeindruckendem Wasseraufkommen: 300 Liter/pro Sekunde.  3 bis 4 km pro Stunde zurück. Ein Meter pro 100 Meter Gefälle. Bauzeit 1284-1286. Danach über 10 Jahre in Betrieb bis zu einem Unwetter im Suggental in 1298.

Vergleicht man den Urgraben als energietechnisches Projekt (Bergbaumaschinen im Suggental mit Wasser aus St.Peter-Platte antreiben) mit den heutigen Energiewende-Auseinandersetzungen (Pumpspeicherkraftwerk, Windkraft, Wasserkraft Fa Volk, …), dann kommt einem die aktuelle Energiepolitik als mikrig, hinterwäldlerisch und kleinkariert vor.

 

Urgrabenurkunde von 1284

Christian Rößler hat es geschafft, eine schöne Reproduktion der Urgrabenurkunde von 1284 aus dem Archiv zu bekommen. Eine informative Kommentierung hierzu auf http://kartan.de/index.php?id=urgrabenurkunde.
Die Abschrift in verständliches Deutsch: “Wir, Graf Egon von Freiburg, verkünden allen, die diesen Brief sehend oder hörend lesen, daß wir haben erlaubt Burkart dem Turner, Heinrich Wolleben, Conrat Ederlin, Meister Conrat Rotermellin und allen ihren Gesellen zu den Silberbergen zu Suggental und zu des Herzogs Berg, und allen, die die selben Berge bauen, und ihren Erben, daß sie einen Graben mit Wasser zu den selben Bergen führen über das Gotteshausgut von Sankt Peter und über alle die Güter, worüber wir Vogt sind und worüber wir Gewalt haben, nach ihrem Willen und so viel sie benötigen. Und darüber zu einer Urkunde, geben wir in diesen [Brief], mit unserem Siegel besiegelt. Und geschah diese Sache und wurde dieser Brief gegeben, als man zählte von Gottes Geburt zwölf Hundert achtzig und vier Jahr an dem nächsten Dienstag nach Sankt Walpurgis Tag (2. Mai 1284).”

 

12.5.2013, chr_rossi@kartan.de, www.kartan.de

 

Urgraben am Kandel: 23 km Wanderung von St.Peter-Platte ins Suggental

Wasser für den Bergbau – auf Spurensuche. Die Volkshochschule Waldkirch lud kürzlich zu einer Exkursion entlang des Urgrabens am Kandel ein und 33 geübte Wanderer, geführt von Edgar Thümmel aus St. Peter, begaben sich bei idealem Herbstwetter auf Spurensuche. Für die 23 Kilometer lange Strecke “über Stock und Stein” durch eine abwechslungsreiche Landschaft von der Platte bei St. Peter bis hinunter ins Suggental wurden rund acht Stunden benötigt. Die eingelegten Pausen mit erfrischendem Nachschub aus Edgar Thümmels unterwegs angelegten “Depots” waren sehr willkommen. Durch seine Fachkenntnisse und manchem “Schmankerl” — Begebenheiten und Geschichten rund um den Urgraben, die er zu erzählen wusste — erfuhr die Wandergruppe vom Zweck und der einstigen Bedeutung des Urgrabens. Graf Egon von Freiburg gab 1284 die Zustimmung zum Bau eines Wassergrabens, der mit Hilfe von österreichischen Spezialisten angelegt wurde. Der über 15 Kilometer lange Hangkanal oberhalb des Glottertals leitete das Wasser von der Ostseite des Kandels ins wasserarme Suggental, wo im Mittelalter ergiebiger Bergbau betrieben wurde. Hier wurde die Wasserkraft vor allem zum Antrieb der Pumpen benötigt.
Der Urgraben gilt noch heute als eines der wichtigsten Technikdenkmäler Deutschlands und ist in seiner Länge einzigartig in Europa. Der Kanal verlief vom Zweribach (oberhalb des Plattenhofes) im Südosten des Kandels über drei Wasserscheiden (Schönhöfe, Rohr, Luser) ins Suggental. Zweribach, Glotter und Lindlesdobelbach sowie mehrere kleinere Bäche, die vom Kandel nach Süden und Westen abfließen, speisten diesen Kanal, der nach Schätzungen 50 Zentimeter tief und 1,20 Meter breit war. Das durchschnittliche Wasseraufkommen lag bei etwa 300 Liter/pro Sekunde und legte etwa 3,5 bis 4 Kilometer pro Stunde zurück — bei einem Gefälle von einem Meter pro 100 Meter.
Im Jahre 1298 — der Kanal war nach etwa zweijähriger Bauzeit etwas über zehn Jahre in Betrieb — wurde das Suggental von einem schweren Unwetter heimgesucht, wobei Ansiedlung sowie Stollen überflutet wurden und 300 Menschen — Bergleute und ihre Familien — ums Leben kamen. Der Bergbau im Suggental wurde nach dieser Katastrophe weitgehend eingestellt und der Urgraben verlor an Bedeutung. Bei der späteren Besiedelung der Höhenlagen wurde der noch vorhandene Wasserkanal oft als Mühlbach genutzt (beim Urgrabenhof auf der Platte, beim Nazihof im “Rohr” bei St. Peter und anderen). Heute ist der Urgraben an einzelnen Stellen immer noch erkennbar, zumeist ist er jedoch aufgefüllt und dient als Weg (Urweg). Die genannten technischen Daten des Urgrabens hinterließen bei den Teilnehmern der Exkursion einen tiefen Eindruck von der einstigen Leistung der Erbauer – gemessen an den schwierigen geologischen Gegebenheiten, den Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen im späten 13. Jahrhundert. Wanderfreudigen und geschichtlich interessierten Lesern sei verraten, dass die Volkshochschule Waldkirch diese besondere Exkursion jährlich in ihrem Programm anbietet.
Karin Heinze, 13.10.2008, www.badische-zeitung.de

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