Profanierung

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Fridays for Future-Demo in Freiburg am 20.9.2019

Fridays for Future-Demo in Freiburg am 20.9.2019 auf Platz-der-Alten-Synagoge

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  • Freiburg prüft Umgang mit zukünftigen Demos auf Platz der alten Synagoge (24.8.2020)

 

 

Freiburg prüft Umgang mit zukünftigen Demos auf Platz der alten Synagoge
Dass „Palästina spricht“ auf dem Platz der Alten Synagoge bestanden hat, um die Namen der Gazakrieg-Opfer zu verlesen, macht für die Jüdische Gemeinde eines deutlich: „Sie haben dieses Verlesen instrumentalisiert, um zu provozieren“, so Vorsitzende Irina Katz.
Der frühere grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der am Freitag auch per Mail bei der Stadt protestiert hatte, sagte zum Verlesen der Opfernamen: „Sie leugnen nicht die Shoa, aber sie deuten damit an, dass sie da etwas parallelisieren wollen. Sonst hätten sie einen anderen Platz gewählt.“
.. Alles vom 24.8.2020 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/freiburg-prueft-umgang-mit-zukuenftigen-demos-auf-platz-der-alten-synagoge–193236926.html

Einige Kommentare:
Platz kein Gedenkort?
„Das Rathaus prüft, wie es in Zukunft mit solchen Veranstaltungen auf dem Platz der Alten Synagoge umgehen soll.“ Sie wäre gut beraten, wenn sie ihn ‚unberegelt‘ liesse.
Der Platz zwischen dem Stadttheater und dem KG II ist kein jüdischer Gedenkort, kein israelischer Gedenkort. Der Herr Salomon hat den Platz mit Platten platt gemacht wider großen Widerstand, damit der Herr Broglin dort seine Kehrmaschinen kurven lassen kann. Die Intention war nicht, ihn in Gänze mit derartigen Nutzungsbeschränkungen zu bewehren.
24.8.2020, A.SCH, BZO
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Ja, denn es geht ja nicht nur um Antisemitismus
– immer wieder wird das Wort „profanisieren“ in den Raum geschmissen, undefiniert, so dass bis jetzt jeder seine und ihre persönliche Definition einbringen konnte. Ein Unding. Zusätzlich ist der Sabbat als Totschlagargument für alles am Wochenende ebenfalls schon angeführt worden. Die Kombination von Sabbat und profanisieren kann zu einem Totstellreflex auf dem Platz führen, über Demos hinaus. Da muss eine städtische Position her, wobei ich denke, die war ja schon da und wird durch ständige Vorhaltungen immer wieder in Frage gestellt. Ständige „Unsensibilität“ war das Schlüsselwort dafür.
24.8.2020, U.B.
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Grundstück nicht zu »Zwecken, die eine Profanierung darstellen könnten« verwenden.
»Der Vergleich zwischen jüdischer Gemeinde und der Stadt hatte zudem geregelt, dass das »Gelände nicht für Zwecke verwendet werden darf, die eine Profanierung darstellen könnten.« Der Stadtrat beschloss am 9. Juli 1954 dass die Nutzung als Parkplatz mit dieser Vereinbarung vereinbar sei.«
»Im Jahr 1978 erwarb die Stadt Freiburg das Gelände vom Land Baden-Württemberg zum Bau einer Tiefgarage.[72] Im Kaufvertrag verpflichtete sich die Stadtverwaltung, bei allen Änderungen am Europaplatz eine schriftliche Genehmigung vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde einzuholen.«
»Deshalb sei aus Sicht der Stadt ein Umbau notwendig geworden, mit dem optisch die Flächen der aufgehobenen vierspurigen Straße und des Theatervorplatzes einbezogen werden. Die bestehenden Denkmäler sollten erhalten bleiben. Zusätzlich sollte ein Wasserbassin in Lage und Größe den exakten Grundriss der Alten Synagoge auf dem Platz nachzeichnen und an diese im Sinne einer Gedenkstätte symbolisch erinnern.«
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Platz_der_Alten_Synagoge_(Freiburg_im_Breisgau)
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»Das Areal, auf dem die 1938 zerstörte Synagoge stand, wurde 1939 schließlich unter Zwang vom Oberrat der Israeliten Badens an die Stadt Freiburg verkauft. [4] Die Umstände dieses Verkaufs sind bislang kaum erforscht. Auch ein systematischer Überblick über den Verlauf der Maßnahmen, die im Zuge von Restitution und »Wiedergutmachung« [5] nach 1945 stattgefunden haben, liegt bislang nicht vor. Ziel der vorliegenden, von der Stadt Freiburg beauftragten Arbeit ist deshalb die Recherche und Dokumentation dieser Vorgänge, ebenso wie die grundsätzliche Nachzeichnung der Geschichte der Alten Synagoge Freiburg. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf eigentumsrechtliche Aspekte sowie den Verbleib der Kaufsumme von 1939 gelegt werden.«
„Unter Punkt 6. wurde schließlich noch vereinbart, dass die Stadt Freiburg sich verpflichtet, das Grundstück, auf dem die Synagoge stand, nicht zu »Zwecken, die eine Profanierung darstellen könnten« zu verwenden. [399]“
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Hier wird nun gezeigt, dass damals und wohl auch heute Profanierung ein dehnbarer Begriff ist: »Wie oben ausführlich dargelegt, gingen die beiden Grundstücke Nr. 475, auf dem die Alte Synagoge stand sowie Nr. 475/1, auf dem sich einst das Gemeindehaus der Israelitischen Gemeinde befand, mit dem Vergleich vom 26.11.1948 nach einer vorläufigen Sperre der Militärregierung und der Anerkennung als »jüdisches Kulturvermögen« an die Stadt Freiburg über. Die Stadt ebnete die beiden Grundstücke ein und ließ darauf zu Teilen einen Parkplatz errichten. [443] Dies schien sie in dem Bewusstsein zu tun, dass die Errichtung eines Parkplatzes den im Vergleich von 1948 genannten Auflagen nicht widersprach. Laut diesen Auflagen sollte der Platz, auf dem die Synagoge stand, nicht für Zwecke genutzt werden, die einer Profanierung gleichkämen. [444]«
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Der Kaufpreis für das Grundstück, den die Stadt 1939 an die Israelitische Gemeinde überwies, bei dem auch noch die Schuttbeseitigung der abgefackelten Synagoge abgezogen wurde, ist offensichtlich dem Staat anheim gefallen:
»Im Rahmen der vorliegenden Recherche-Arbeit, die einen Zeitraum von knapp neun Monaten umfasste, wurden zahlreiche Quellen gesichtet und ausgewertet, die bislang nicht in wissenschaftliche Arbeiten Eingang gefunden haben. Belege über den Verbleib der Kaufsumme für das Synagogenareals von 1939 konnte die Autorin darin nicht finden. Zwar zeichnen sich durch die Rekonstruktion der Vorgänge höhere Wahrscheinlichkeiten hinsichtlich der »Verwertung« der Summe zugunsten der »Reichsvereinigung der Juden« ab, abschließend beweisen lässt sich diese Annahme auf Grundlage des eingesehenen Aktenmaterials jedoch nicht.«
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»[522] Der Begriff »Planschbecken« wurde als Reaktion auf das Baden und Planschen von Menschen im Gedenkbrunnen immer wieder – auch öffentlich – verwendet, um damit auf den u.a. aus Sicht der Israelitischen Gemeinde nicht adäquaten Umgang mit dem Ort, auf dem die Synagoge stand, aufmerksam zu machen. Vgl. Artikel »Polonaise im Pool. Freiburgs epischer Fehltritt in Sachen Gedenkkultur«, in: Zeitschrift FREIeBÜRGER. Unabhängige Straßenzeitung für Freiburg und das Umland zur Unterstützung von Menschen in sozialen Notlagen, Oktober 2017, S. 14-15. Im Frühjahr 2019 konzentrierte sich die öffentlich wahrnehmbare Diskussion um den Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge auf die Kosten, die für eine »Nachbesserung« am Brunnen zugunsten eines sichtbaren Erinnerungsortes veranschlagt wurden. Vgl. Artikel in der Badischen Zeitung vom 9.5.2019: »Stadt bessert bei Brunnen nach« von Simone Höhl, abzurufen über: https://www.badische-zeitung.de/freiburg/stadt-bessert-bei-brunnen-nach–172871622.html (letzter Aufruf: 29.05.2019).«
https://www.freiburg.de/pb/1461811.html
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Zur Reichsvereinigung der Juden: Die Dienstaufsicht über die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland oblag Fritz Wöhrn, der als SS-Hauptsturmführer Sachbearbeiter im Eichmannreferat des RSHA war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsvereinigung_der_Juden_in_Deutschland
Nun kann sich jeder selbst ein Bild machen und gerne weiter recherchieren. Vielleicht hilft es ja auch, wenn man die 130*130 Meter des Platzes gedanklich von den paar Quadratmetern des „Gedenkbeckens mit dünnem Wasserspiegel“ trennt. Es sind ca. 2 % der Gesamtfläche, auf die man Rücksicht nehmen sollte und ein bisschen auch auf Gefühle.
24.8.2020, G.R.
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Bauen wir ein gemeinsames Haus
Deutschland im Jahr 2020. Die Vergangenheit wirft ihren Schatten nicht nur auf den Platz der Alten Synagoge in Freiburg, sondern auch auf das Grundgesetz. Es gibt offensichtlich Personen und Gruppen, die bereit zu sein scheinen, essentielle Grundrechte auf dem Altar der Schuld der Vergangenheit zu opfern.
Ein Trauerspiel: Gerichte müssen antreten, um die verfassungsrechtliche Gewährleistung des Demonstrationsrechts, die Schutzbereiche Versammlungs- und Meinungsfreiheit, gegen Beschneidungen und gefährliche Verstümmelungen zu verteidigen.
Unterschiedliche Überzeugungen und Interessen haben in der Menschheitsgeschichte zu immer größeren Konflikten und Kriegen geführt. Nach den Erfahrungen der beiden zerstörerischen Weltkriege, nach dem Eintritt in das Atomzeitalter, dem Zivilisationsbruch des Holocaust und den Herausforderungen, die mit den weltweiten Flüchtlingsbewegungen, der demographischen Entwicklung und dem Klimawandel verbunden sind, sind wir gezwungen einen großen Schnitt zu wagen. Wir müssen versuchen die Konfrontation und Feindschaft zu überwinden, so wie es uns alle Religionen seit Jahrtausenden zu vermitteln versuchen. In der Situation, in der sich die Menschheit inzwischen befindet, sind wir gezwungen die Formen unseres Zusammenlebens neu zu denken und zu organisieren, um ein Zusammensterben zu vermeiden.
Wer die Trauer um Tote, die Erinnerung an Unrecht und Gewalt als eine Provokation empfindet, der hat die Lehren der Geschichte nicht verstanden. Wer einen solchen Anlass nicht nutzt, um Gemeinsamkeiten zu betonen, sondern Gegensätze konfrontativ herausstellt und Eingriffe in grundgesetzlich verbriefte Rechte fordert, der trägt nichts zu einem Dialog auf Augenhöhe und zur Verständigung bei. Mehr noch: Der läßt Zweifel an seinem Bemühen um Gerechtigkeit und Frieden aufkommen.
Ein kühne Vision, die über die Idee einer neuen Synagoge, repräsentativerer Moscheen oder weiterer Kirchen hinausreicht. Bauen wir ein gemeinsames Haus, in dem – wie in der UNO – alle Glaubensrichtungen und alle Weltanschauungen ihren symbolischen Platz finden und in dem gemeinsam für eine gerechte und friedliche Welt gebetet werden kann. Das wäre ein Projekt, das – anders als der kleingeistige, selbstbezogene und selbstgerechte Hickhack – in die Zukunft weist.
24.8.2020, V.oB.
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Haus errichten, in welchem konsequente Friedensforschung betrieben wird
Wenn der Vertrag mit der Stadt dahingehend gefaßt ist, daß die Nutzung des Geländes keiner Profanierung Vorschub leisten kann, so wäre der Vorschlag, darauf ein Haus zu errichten, in welchem konsequente Friedensforschung betrieben wird, die glasklare Konsequenz.
Der furchtbaren Verbrechen gedenkend und gleichzeitig zukunftsweisend, um solches nie mehr aufkommen zu lassen.
24.8.2020, G.W.

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