Humanitäre Hilfe ist notwendiger denn je. Aber wie soll man helfen? Der ehemalige Botschafter und Entwicklungshilfe-Experte Volker Seitz, Autor von „Afrika wird armregiert“, moniert seit Jahren das „Unmündigmachen“ der Hilfsempfänger durch die westlichen „Profiteure aus dem ‚humanitär-industriellen Komplex'“.
Die Auflösung der US-Behörde USAid durch Donald Trump hat zwei Seiten:
Da ist einerseits die Sorge, dass 40 Prozent der Finanzmittel zur humanitären Hilfe weltweit wegfallen.
Andererseits aber die Erleichterung: „Der amerikanische Steuerzahler muss wissen, daß Milliarden von Dollar an USAID fließen. Nur ein Bruchteil davon kommt bei den Menschen an. … Sie nutzen diesen offenen Zugang, der nach humanitärer Hilfe klingt, um ständig Regierungen zu destabilisieren. Ich kann Ihnen sagen, dass die Mehrheit der afrikanischen Führer, und nicht nur die afrikanischen Führer, sondern die Führer der Entwicklungsländer, den Rückzug von USAID feiern“ – so Arikana Chihombori-Quao, frühere Botschafterin der Afrikanischen Union in den USA.
UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) als das Palästinenserhilfswerk der Vereinten Nationen erhielt 2023 und 2024 mindestens eine Milliarde Euro aus Deutschland. Die Terrororganisation Hamas kontrolliert die UNRWA. Dazu der ehem. Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Dirk Niebel (FDP): „UNRWA ist komplett von der Hamas durchseucht“ (siehe Anlage (1) unten). Dessen ungeachtet agiert die Merz-Regierung, obwohl es Alternativen zu UNRWA gibt.
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Caritas International vergibt über 90 % der finanziellen Mittel an Organisationen vorort, denn „Lokale Partner wissen besser, wo Hilfe gebraucht wird und wie sie ankommt“ (2), so Oliver Müller, der Leiter von Caritas International. Aus diesem Grunde sind Spenden an Caritas sinnvoll, da die Spendengelder auch ankommen. Und das ist nicht immer so, denn „nur etwa vier Prozent fließen an lokale Hilfswerke“, so Müller.
1.7.2025
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Ende von Beitrag „Humanitäre Hilfe USAid UNRWA“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)
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(1) Hilfswerk in Gaza: „Die UNRWA ist komplett von der Hamas durchseucht“
Dirk Niebel über die Kritik am Hilfswerk für Palästinenser, Verwicklungen in den Terror und andere Wege der Unterstützung
Herr Niebel, die UNRWA steht seit dem 7. Oktober massiv in der Kritik. Als Ex-Entwicklungshilfeminister haben Sie nun die künftige Bundesregierung dazu aufgerufen, die finanzielle Förderung des Palästinenserhilfswerks der Vereinten Nationen endlich zu stoppen. Warum?
Die UNRWA ist nicht Teil einer Lösung, sondern Teil des Problems. Während meiner Amtszeit als Bundesminister haben wir im höchsten Maße darauf geachtet, dass wir nicht mit offiziellen Hamas-Vertretern Kontakt hatten, sondern ausschließlich mit Mitarbeitern der UNRWA. Jetzt stellt sich heraus, dass die UNRWA komplett von der Hamas durchseucht ist. Heute wissen wir, dass auch deutsche Bewässerungsprojekte im Gazastreifen von der Hamas mit freundlicher Genehmigung der UNRWA manipuliert wurden, und das dergestalt, dass Wasserrohre aus der Erde gerissen wurden, um daraus Raketen gegen Israel zu bauen.
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Die Versorgung der palästinensischen Zivilbevölkerung muss auch künftig sichergestellt werden. Gäbe es Alternativen zur UNRWA?
Ich bin durchaus dafür, dass Deutschland weiter humanitäre Hilfe leistet. Und Alternativen zur UNRWA gäbe es zur Genüge. Wobei ich schon auch hinterfragen würde, warum Israel als einziges Land in der Geschichte der Menschheit die Bevölkerung des Tätervolkes, das es angegriffen hat, ernähren soll. Eigentlich wäre es Aufgabe der Täter, sich um das eigene Volk zu kümmern. Stattdessen wird alles Geld investiert, um Israel zu vernichten. Israel liefert trotzdem Hilfe. Auch das sollte bei allem Anti-Israel-Bashing, das politisch und medial so en vogue ist, unbedingt Berücksichtigung finden.
… Alles vom 2.4.2025 bitte lesen auf
https://www.juedische-allgemeine.de/israel/die-unrwa-ist-komplett-von-der-hamas-durchseucht/
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Mit Dirk Niebel, dem ehemaligen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und FDP-Politiker sprach Philipp Peyman Engel
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(2) Oliver Müller/Caritas: Wo und wie kann noch geholfen werden?
Die Zahl der Krisen und Flüchtlinge steigt. Demgegenüber nimmt die Bereitschaft ab, Hilfen zu finanzieren – wir fallen zurück auf den Stand von vor zehn Jahren. Auch die Bundesregierung fährt die Gelder für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zurück. Schon 2024 hat Deutschland die weltweit vereinbarte Quote für Entwicklungshilfe von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich verfehlt. Im neuen Haushalt sollen weitere 2,1 Milliarden Euro gespart werden.
Das ist kurzsichtig und falsch. Auch angesichts dessen, dass die USA ihre Entwicklungsbehörde USAID schließt. Damit fällt deren Beitrag weg, der 40 Prozent aller weltweit verfügbaren Mittel für humanitäre Hilfe ausmacht. Das ist dramatisch und ein Einschnitt, der sich auf die Hilfen des Caritas-Netzwerkes ausgewirkt hat: So musste Caritas Marsabit in Kenia Hilfen zur Ernährungssicherung und Gesundheitsvorsorge für mehr als 100.000 Menschen einstellen. Nahrungsmittel konnten nicht mehr verteilt werden, Impfungen wurden verschoben. In Somalia waren zwei Millionen Menschen durch die Aussetzung der USAID-Hilfen betroffen, die Caritas-Partnerorganisation Wardi musste Krankenhäuser schließen in einer Region, in der es kaum Gesundheitsversorgung gibt. Wo und wie kann noch geholfen werden?
Die Vereinten Nationen mussten bekanntgeben, geplante Hilfen für 66 Millionen Menschen zu streichen. „Brutale Kürzungen stellen uns vor brutale Entscheidungen“, so UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher. Umso wichtiger ist es daher, diese „brutalen Entscheidungen“ durch praktische Effizienz abzumildern. Zu viele Unterorganisationen der UNO mit sich überlappenden Zuständigkeiten machen doppelte Arbeiten und verursachen hohe Kosten. Zusammenlegung, Verschlankung und klare Zuordnung von Aufgaben sind hier Lösungen.
Eine weitere ist die konsequente Umsetzung von Hilfen durch lokale und nationale Hilfswerke. 2016 verpflichtete sich die Gemeinschaft der Hilfsorganisationen dazu, mindestens ein Viertel der finanziellen Mittel an lokale und nationale Organisationen zu vergeben. Doch nur etwa vier Prozent fließen an lokale Hilfswerke. Fehlende Kompetenz, Mittelmissbrauch und schlechte Hilfe sind häufig nur vorgeschobene Argumente dagegen.
Das Gegenteil ist richtig: Lokale Partner wissen besser, wo Hilfe gebraucht wird und wie sie ankommt. Auf dieses Fundament haben Kirchliche Hilfswerke wie Caritas international schon immer ihre Hilfen aufgebaut. Caritas international vergibt über 90 Prozent der öffentlichen Gelder an lokale Partner.
Wir fordern daher, die Quote von 25 Prozent deutlich zu erhöhen, um die Effizienz der Hilfe zu steigern und Kosten zu reduzieren. Dies bedeutet, Entscheidungen und Verantwortung an lokale Partnerorganisationen abzugeben. So werden teure administrative Wasserköpfe vermieden. Das muss das Ziel sein, um die knapper werdenden Mittel so effektiv wie möglich für die Menschen in Not auch künftig einsetzen zu können.
… Alles vom 30.6.2025 von Oliver Müller bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/wo-und-wie-kann-noch-geholfen-werden
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Oliver Müller leitet seit 2016 Caritas International, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes. https://www.caritas-international.de/