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15 Afrikaner aus Gambia und Nigeria bauen in Freiburg eine Trockenmauer in FR-Lehener Strasse mit Jochen Schmidt 1.12.2016
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Thomas Sankara: Der Mann, der der Entwicklungshilfe gefährlich wurde
„Geld und westliche Nahrungsmittelhilfe blockieren die lokale Landwirtschaft“
Im Rahmen der offiziellen Unabhängigkeitsfeiern in Burkina Faso gab es am Donnerstag, dem 6. August, zum zehnten Mal eine Gedenkzeremonie für den Präsidenten Thomas Sankara und seine zwölf Weggefährten, die gemeinsam mit ihm ums Leben kamen. Thomas Sankara hatte die Machtinteressen Frankreichs und die „guten Absichten“ der Helferindustrie empfindlich gestört. Das hatte Folgen.
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Um das Andenken an Thomas Sankara lebendig zu erhalten, wurde der Bau eines Mausoleums mit insgesamt 14 Statuen angekündigt. Zwölf davon sollen Sankaras Wegbegleitern gewidmet werden, eine weitere dem „Ehrenpräsidenten“ Jerry John Rawlings (Präsident von Ghana 1981–2001). (Wie sein Freund Sankara gab sich Rawlings volksnah, verzichtete auf Statussymbole und hatte wegen seiner am Gemeinwohl orientierten Politik einen Kultstatus bei der armen Bevölkerung.) Überdies sollen auch eine Bibliothek und ein Amphitheater für 3.000 Personen entstehen. Der Staat übernimmt 60 Prozent der Kosten von 180 Millionen Euro. Der verbleibende Rest soll über Spenden der Bevölkerung und der Diaspora zusammenkommen( „Ma brique pour Sankara“/„Mein Baustein für Sankara“). Da er bis heute als Symbol für Integrität, Antikolonialismus und Patriotismus gilt, zweifle ich nicht, dass insbesondere die Diaspora es nicht an Unterstützung fehlen lassen wird.
Thomas Sankara wurde 1949 in der damaligen französischen Kolonie Obervolta geboren. Wie sein Vater, der in der französischen Armee gedient hatte, schlug er nach der Unabhängigkeit des Landes eine militärische Laufbahn ein. Er beteiligte sich an dem unblutigen Putsch seines Freundes Blaise Compaoré und wurde 1983 der fünfte Präsident Obervoltas. Er änderte den Namen in Burkina Faso (Land der Aufrechten). 1987 wurde er mit Wissen seines Weggefährten Compaoré umgebracht. Nach Sankaras gewaltsamem Tod wurde dieser zum Präsidenten ernannt und blieb es bis 2014, wo er durch einen Volksaufstand verjagt wurde. Heute wird Thomas Sankara in vielen afrikanischen Ländern als Held gefeiert. Er hatte einen ehrlichen Reformwillen, der bis heute noch Millionen, vor allem junge Menschen in Afrika inspiriert.
Welche Reformen brachte Sankara auf den Weg?
Radikaler Sparkurs: Er senkte die Gehälter von Politikern, Beamten (inklusive seines eigenen Gehaltes ) und ersetzte Dienstwagen der Minister durch einfache Kleinwagen (Renault 5) ohne Fahrer.
( Sankara war von einem unbestreitbaren Idealismus geleitet. Er ließ sich als Präsident nur das Gehalt eines Armee-Hauptmannes von 138.000 CFA-Francs ( ca. 450 US-Dollar) auszahlen.) Nach seinem Tod hinterließ er als persönlichen Besitz einen gebrauchten Renault 5, vier Fahrräder und drei Gitarren.)
Eine Bodenreform: Um die ländliche Bevölkerung zu stärken, verteilte er Land direkt an Kleinbauern. Durch Anbauprogramme und Bewässerung steigerte er die nationale Produktion von Nahrungsmitteln, um teure Importe zu ersetzen.
Förderung der Frauen in politischen Ämtern und im Militär. Weibliche Genitalverstümmelung, Kinderehe, Polygamie und Zwangsheirat wurden verboten.
Die ländliche Bevölkerung von 15 bis 50 Jahren erhielt ab 1986 Grundbildungsunterricht (l’Opération Alfa) in den lokalen Sprachen. Die Alphabetisierungsrate stieg in kurzer Zeit von unter 10 % auf über 70 % in den betreuten Regionen. Gleichzeitig wurden Schulen und Basisgesundheitsstationen in den Dörfern aufgebaut. Mit einer großen Impfkampagne wurden innerhalb weniger Monate Kinder gegen Masern, Meningitis und Gelbfieber geimpft.
Die lokale Produktion von Textilien, um Importe zu ersetzen, wurde gefördert. Es durfte ausschließlich im Inland angebaute Baumwolle verwendet werden. Schul- und Militäruniformen wurden gesetzlich auf heimische Baumwollstoffe umgestellt. Vor seinem Putsch produzierte Burkina Faso unter französischer Kontrolle große Mengen Baumwolle. Diese wurde billig und unverarbeitet nach Europa exportiert. Dort zu teurer Kleidung verarbeitet und zurückverkauft. Die Franzosen halfen in ihren ehemaligen Kolonien nicht dabei, eigene Fabriken aufzubauen, sondern hielten auch Burkina Faso in einer dauerhaften Rolle als abhängiger Konsument westlicher Waren.
Billigte Frankreich die Ermordung?
Durch seine extremen Sparmaßnahmen (Kürzung der Gehälter, Abschaffung von teuren Dienstwagen und sonstiger Privilegien) verlor er Rückhalt bei seinen früheren Mitstreitern. Sie sahen ihre eigene Macht gefährdet. Frankreich unter François Mitterrand sah seine Vormachtstellung in Westafrika gefährdet. Nachbarstaaten wie die Côte d’Ivoire fürchteten das Übergreifen der Revolution auf ihr Land. Es wird vermutet, dass Frankreich den Putsch und die Ermordung von Thomas Sankara billigte. Zahlreiche historische Indizien und Zeugenaussagen deuten auf eine aktive Rolle oder zumindest logistische Schützenhilfe des damaligen französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE und des berüchtigten afrikanischen Netzwerkes von Jacques Foccart (Francafrique) hin. Jedenfalls war Mitterrand nicht unglücklich, dass Blaise Campaoré sofort die Macht übernahm und viele Reformen Sankaras rückgängig machte. Beispiel: Sankaras striktes Verbot für den Import westlicher Konsumgüter und Lebensmittel schadete den französischen Exporten. Der gehorsame Partner Campaoré machte diese Verbote rückgängig. Compaoré regierte das Land für 27 Jahre mit harter Hand, bis er 2014 aufgrund von Volksprotesten das Land fluchtartig mithilfe Frankreichs in Richtung Côte d’Ivoire verlassen musste. Ein Militärgericht in Burkina Faso verurteilte Campaoré 2022 – in Abwesenheit – für seine Rolle bei der Ermordung Sankaras und seiner 12 Mitarbeiter und Leibwächter zu lebenslanger Haft.
Wie hat die Entwicklungshilfeindustrie auf Thomas Sankara reagiert?
Sankara lehnte die klassische Entwicklungshilfe und Kredite als Werkzeuge des Neokolonialismus ab. Die Gebergemeinschaft reagierte mit diplomatischem Druck und wirtschaftlichen Sanktionen, da er die Strukturanpassungsprogramme des IWF ablehnte und stattdessen auf Eigenständigkeit und nationale Selbstversorgung setzte. Der IWF, die Weltbank und westliche Regierungen wie Frankreich sahen in ihm eine Bedrohung für ihren wirtschaftlichen und politischen Einfluss in Westafrika.
Von Frankreich unterstützte Nachbarländer wie die Côte d’Ivoire und Togo erschwerten den Transit von Gütern von und nach Burkina Faso. Als Binnenland war es existenziell auf deren Häfen angewiesen. Im sogenannten Weihnachtskrieg 1985 mit dem Nachbarland Mali um den mineralienreichen Agacher-Streifen (die vermuteten Mineralien waren allerdings nicht so ertragreich wie erhofft) unterstützte vor allem Frankreich Mali in diesem Grenzkonflikt politisch und logistisch, um Sankaras Militärregierung zu schwächen. Der Streit wurde 1986 vor dem IGH in Den Haag verhandelt und das Gebiet wurde zu gleichen Teilen aufgeteilt.
Unmittelbar nach der Ermordung von Thomas Sankara akzeptierte Campaoré die Bedingungen der ausländischen Geber. Damit kehrte das Land zu den Programmen der Weltbank und des IWF zurück, und auch die GTZ (heute GIZ) eröffnete ein offizielles Büro in Ouagadougou.
Warum war Thomas Sankara für die Entwicklungshilfe-Geschäfte gefährlich?
Thomas Sankara war für die klassische Entwicklungshilfeindustrie gefährlich, weil er durch konkrete Erfolge bewies, dass ein afrikanisches Land ohne ihre Gelder, ohne ihre „Experten“ und ohne ihre Kredite nicht nur überleben, sondern sich auch bescheiden entwickeln kann. Indem er die Geber überflüssig machte, entzog er ihnen die moralische und politische Existenzberechtigung und bedrohte ein bis heute hochprofitables System.
In nur vier Jahren erreichte Sankara durch massive Mobilisierung der Bevölkerung, den Bau von Bewässerungsanlagen und die Verteilung von Land an Kleinbauern eine nahezu vollständige Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln. Das zeigte, dass das Land nicht auf ausländische Nahrungshilfe angewiesen war. Sankara warnte eindringlich vor Krediten von Weltbank und IWF, weil viele Staaten, die diese Kredite annahmen, ihre Bildungs- und Gesundheitssysteme drastisch kürzen mussten (Strukturanpassungsprogramme), um Schulden zu bedienen. Entwicklungshilfe war für ihn ein Instrument geopolitischer Kontrolle und Lähmung der Eigeninitiative. Er war überzeugt, dass, wer die Ernährung seiner Bevölkerung nicht selbst kontrollieren konnte, erpressbar sei (Entzug von Nahrungsmittelhilfe wie Getreide, Hirse und Reisüberschüssen sowie Krediten). Er bewies, dass jahrelange westliche Nahrungsmittelhilfe nicht die Rettung vor dem Hunger war, sondern die Ursache dafür, dass die lokale Landwirtschaft nie eigenständig wachsen konnte.
Klassische Entwicklungshilfe funktioniert noch heute so, dass ein Großteil der Gelder in Form von Gehältern an westliche Berater, Gutachter und Projektleiter zurückfließt. Sankara setzte stattdessen auf das Wissen und die Arbeitskraft der eigenen Bevölkerung.
Sind die Persönlichkeiten Thomas Sankara und Paul Kagame vergleichbar?
Beide, Thomas Sankara und Paul Kagame (Ruanda), gelten als disziplinierte, machtbewusste Reformer und beide haben die klassischen Erpressungsmechanismen der Betreuungsindustrie erfolgreich ausgehebelt. Beide fordern oder forderten eine Mobilisierung aus eigener Kraft. Eine echte Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Fortschritt können nicht durch Millionenhilfen bzw. heute Milliardenhilfen von außen entstehen, sondern durch inneren Reformwillen und die strikte Bekämpfung von Korruption.
Helferorganisationen werden in Ruanda strikt kontrolliert und müssen ihre Budgets sowie Zielsetzungen gegenüber den Behörden transparent offenlegen. Hilfe wird nur dann geduldet, wenn sie Kapazitäten vor Ort aufbaut, anstatt Abhängigkeiten zu zementieren. (In der ökonomischen Realität füttert in vielen afrikanischen Ländern auch heute noch die „Hilfsindustrie“ eine lähmende Wohlfahrtsmentalität und Korruption.)
Beide Staatschefs betonen bzw. betonten, dass internationale Entwicklungshilfe und Kredite keine Akte der Nächstenliebe sind, sondern Werkzeuge der politischen Kontrolle.
Wenn Entwicklungshilfe an die Durchsetzung westlicher Gendervorstellungen oder gesellschaftlicher Programme gekoppelt wird, stößt dies inzwischen in weiten Teilen Afrikas auf Ablehnung. Ebenso wächst die Kritik an westlichen Klimaprojekten gewaltig und wird von afrikanischen Ökonomen (z.B. James Irungu Mwangi aus Kenia) zunehmend als eine Form des „grünen Kolonialismus“ oder „Klimaschutz-Imperialismus“ angeprangert.
Alles vom 18.8.2026 von Volker Seitz bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/thomas_sankara
Volker Seitz: Fernstenliebe ist leichter als Nächstenliebe
Der australische Moralphilosoph Peter Singer, Professor in Princeton, wurde anlässlich der Veröffentlichung seines Buches „Effektiver Altruismus“ Suhrkamp, 2021 von der Süddeutschen Zeitung interviewt. Das von dem Journalisten Niklas Elsenbruch geführte Gespräch (SZ vom 16. Dezember 2021, Seite 12) ist spannend zu lesen. Auch wenn ich Singer entschieden widersprechen möchte. Seine Kernaussagen: „Ich würde niemanden verurteilen, der einem Hungernden vor der eigenen Haustür hilft, das ist eine menschliche Reaktion, die wir normalerweise rühmen. Aber besser wäre es, den anderen zu helfen.“ Und: „Trotzdem gehen allein in den USA noch 90 Prozent aller Spenden an Organisationen, die nur im Inland arbeiten. Das hat mit Effektivität wenig zu tun. Hier möchte ich eine Veränderung sehen.“
Meine Sicht ist, nach jahrzehntelangen Erfahrungen mit dem Thema – besonders in Afrika und Armenien –, genau entgegengesetzt. Dieses Bestreben, sich um alles in der Welt zu kümmern, gern aber den engsten Bereich zu vernachlässigen, erschließt sich mir nicht. Mildtätigkeit beginnt zuhause. Als ich in Afrika tätig war, galt das natürlich auch für mir bekannt gewordene Bedürftige. Alle meine Bekannten haben ebenso gehandelt.
Der „Hungernde vor meiner Haustür“ (in Deutschland oder anderswo) ist mir wichtiger als weit entfernte Nöte. Je weiter weg ein Problem, desto interessanter ist es für unsere Helfer. Außerdem ist es natürlich einfacher, etwas für „die Armen“ zu tun (als abstrakter Begriff) als für „den Armen“.
Wenn Hilfe mehr schadet als nutzt
Vielleicht sollte die Süddeutsche dem altruistischen Professor eine Übersetzung des in derselben Zeitung erschienenen Essays der ausgewiesenen Afrika-Kennerin Judith Raupp „Wenn Hilfe mehr schadet als nutzt“ zukommen lassen (SZ 8./9. Januar 2022, Seite 22). Frau Raupp ist seit über zehn Jahren in Goma im Osten der DR Kongo tätig und bildet dort Journalisten aus. Die freie Journalistin Raupp beschreibt sehr anschaulich „wie wenig bei jenen ankommt, deren Lebensbedingungen dadurch [Entwicklungshilfe] besser werden sollen. Und, dass gut gemeinte Hilfe manchmal sogar Schaden anrichten kann.“ Und: „Nach Jahrzehnten humanitärer und entwicklungspolitischer Tätigkeit ist das Verhältnis zwischen einem Teil der Bevölkerung und ausländischen NGOs zerrüttet. Die Helfer kommen und gehen, doch Armut und Gewalt bleibt.“
Seit ich mich mit Entwicklungshilfe, besonders in Afrika, beschäftige, gibt es – entgegen der Behauptungen der Profiteure aus dem „humanitär-industriellen Komplex“ – nur eine unwillige Wirkungsmessung der öffentlichen Gelder. Mit der Wahrheit ist es auch bei der Reform der Entwicklungshilfe so eine Sache. Die immer wieder suggerierte Wirkungsbeobachtung durch Monitoring und Evaluation hat sich eben nicht in der Breite etabliert. Aber erfolgreich ist jede Hilfe nur, wenn sie Eigendynamik und Gestaltungswillen auslöst. Um dies zu überprüfen, brauchen wir eine unabhängige Wirksamkeitskontrolle nach Art des Rechnungshofes. Es geht nicht darum, wie viel Geld man in der Entwicklungshilfe ausgibt, sondern darum, wo und bei wem es landet, ob es eine bessere Politik bewirkt.
Riesige Probleme sehe ich in den intransparenten Strukturen der „Helferindustrie“, die Marketing betreibt und selbst davon profitiert. Sie haben den Drang, unbedingt helfen zu wollen. Aber ein Übermaß an Hilfe lähmt die Betroffenen, statt ihnen zu helfen. Der stetige Zuwachs an Mitteln ist zu einem Zwangskorsett geworden. Ich kenne sehr wenige afrikanische Regierungen, die für ihre Probleme eigene Lösungen erarbeiteten. Warum auch? Die Geber stehen doch Schlange, um helfen zu dürfen. Ich plädiere dafür, nur noch dort zu helfen, wo Eigenleistungen kontrolliert eingebracht werden und wo die Initiative – anders als oft heute – von den Regierenden ausgeht. Was völlig anderes sind natürlich kleine, private Initiativen.
Einzig die Katastrophenhilfe, aber auch da nur bedingt, hat den Betroffenen etwas gebracht. Wir sind gut beraten, Katastrophenhilfe von Entwicklungshilfe zu unterscheiden, was natürlich impliziert, dass man dem armen Schlucker, der gerade ohne eigene Schuld sein Haus verloren hat, unmittelbar hilft – ob an der Ahr oder am Limpopo. Aber das ist ja genau nicht die Entwicklungshilfe.
Kritiker aus Afrika haben keine Chance
Das Afrika-Bild wird von den sich selbst erhaltenden Hilfswerken und Helfern, die die Hilfe als Lebensjob betreiben, geprägt. Afrikanische Kritiker (nur eine kleine Auswahl) wie Axelle Kabou (Kamerun), Moeletsi Mbeki (Südafrika), die Ökonomen George Ayittey (Ghana) und Themba Sono (Südafrika), die Filmregisseure Jean-Marie Téno (Kamerun) und Aristide Tarnagda (Burkina Faso) sowie die Literaten Meja Mwangi (Kenia), Teju Cole, Wole Soyinka (beide Nigeria) und José Eduardo Agualusa (Angola) stehen mit ihren Einwänden gegen die sogenannte Hilfe auf verlorenem Posten. Zu viele verdienen gut daran und niemand wird für das Versagen verantwortlich gemacht. Wir sollten endlich auf die Afrikaner hören, die die Entwicklung ihrer Länder vorantreiben wollen und die uns sagen: „Entwicklungshilfe ist in vielen Ländern nicht die Lösung, sondern das Problem.“
Das Samariterverhalten des Nordens schwächt oder zerstört die Anreize der Empfänger zu eigenen Anstrengungen. Mit unserem Dauermitleid verstärken wir nur eine Sozialhilfementalität. Theorien wie die der Benachteiligung Afrikas wegen der Tropenlage sind wenig stichhaltig, andere Kontinente mit ähnlichen Problemen haben den Sprung geschafft.
Wir müssen weg von dem westlichen Helfersyndrom, hin zur Besinnung z.B. auf Afrikas eigene Stärken. Ständig wachsende Geldströme von außen lösen die Armutsprobleme nicht, im Gegenteil. Die Umverteilung von Nord nach Süd zerstört Anreize, verschüttet oft lokale Potenziale und verführt gute Leute dazu, ihr Glück in der Entwicklungshilfe statt im Unternehmertum zu suchen. Wir müssen uns Afrika ungezwungener nähern, den Afrikanern zutrauen, dass sie ihre Schwierigkeiten selbst lösen können. Fragen sollten wir uns, in Deutschland, in Europa, warum wir alle so scharf darauf sind, dass Subsahara weiter am Entwicklungstropf hängt. Viele Afrikaner sehen mittlerweile das westliche Gutmenschentum als militanten Egoismus. Wir sollten uns nicht berufen fühlen, das Leid überall in der Welt zu lindern. Es überfordert uns.
Ich erwarte auch von keinem Afrikaner, sich mit meinen möglichen Problemen zu beschäftigen (auf die Idee kommt er aber auch gar nicht erst). Ich habe immer versucht, eher in meinem kleinen Bereich etwas Gutes zu tun. Dieses Bestreben des Moralphilosophen Peter Singer, sich um alles in der Welt zu kümmern, gern aber den engsten Bereich zu vernachlässigen, ist mir völlig fremd. Je älter ich geworden bin, um so fassungsloser stehe ich vor der stets geäußerten (und wohl von vielen auch geglaubten) Behauptung, man könne von außen in anderen Ländern Erhebliches bewegen, auch wenn die stärksten politischen und wirtschaftlichen Kräfte (und auch die Mentalitäten) in den betreffenden Ländern in ganz andere Richtungen gehen. Ich will ja nicht abstreiten, dass manche Projekte Menschen geholfen haben, aber es wird nie gegengerechnet, wie nachhaltig diese Erfolge sind und was das verehrte Gastland alles tut, um diese Nachhaltigkeit im Keim zu ersticken. Nach über sechzig Jahren Unabhängigkeit in Afrika und jetzt zwei Generationen von Afrikanern, die dem kolonialen Joch entronnen sind und die segensreichen Auswirkungen der Selbstregierung genießen dürfen, halte ich es für unglaublich dämlich, verlogen oder für letztlich rassistisch, zu meinen, das Resultat dieser sechzig Jahre entspräche nicht dem, woran „die Afrikaner“ selbst tatkräftig gearbeitet hätten. Rassistisch, weil man ihnen quasi genetisch Dummheit oder zumindest Unmündigkeit unterstellt.
Paul Kagame, dessen Land Ruanda als Modellstaat für Afrika gesehen wird, spricht es deutlich aus: „Afrika braucht keine Babysitter. Je weniger sich die Welt um Afrika kümmert, umso besser geht es Afrika.“
… Alles vom 3.2.2022 von Volker Seitze bitte lesen auf
https://www.achgut.com/artikel/fernstenliebe_ist_leichter_als_naechstenliebe
Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte 11. Auflage erschien am 18. März 2021. Volker Seitz publiziert regelmäßig zu afrikanischen Themen und hält Vorträge (z.B. „Was sagen eigentlich die Afrikaner“, ein Afrika-ABC in Zitaten).
Einige Kommentare:
… das Unmündigmachen
D’accord. Paternalismus dient immer vor allem dem Paternalisten. Ich empfehle da dringend Thomas Sowell, der das Unmündigmachen der Schwarzen in den USA durch die Scheinhilfe staatlicher Sozialpolitik sehr klug aufdröselt – oder Shelby Steeles “White Guilt – How Black and Whites Together destroyed the Promises of the Civil Rights Era”. Singer ist nicht ganz bei Trost. Ein bösartiger Scharlatan. Andere Menschen künstlich in Abhängigkeit zu bringen, um sich selbst moralisch aufzuwerten, dürfte eben das sein, womit Gesinnungsathleten sich ihren Platz im dritten Kreis der Hölle sichern. Verlogener geht es kaum.
3.2.2022 C.E.
„Afrika braucht keine Babysitter.
Je weniger sich die Welt um Afrika kümmert, umso besser geht es Afrika.“ Sehe das auch so. Man hat Afrika zum ewigen Versorgungsfall erklärt. Es garantiert ein tolles Gefühl, seine abgetragene Kleidung für die “armen Negerlein” in Afrika zu spenden. Dabei zerstört das Zeug ganze Wirtschaftszweige. Da müssen afrikanische Schneider, Färber und Weber mit Tonnen von westlichem Gratis-Kleidermüll konkurrieren. Wie soll da eine solide, eigenständige Wirtschaft entstehen? Das ist in fast allen Bereichen ähnlich. Wie soll so afrikanisches Selbstbewusstsein entstehen? Bill Gates sagte einmal, man müsse die Afrikaner impfen, um das Problem der Überbevölkerung zu lösen. Nein, er will nicht mit Impfungen töten, er will die Lebenserwartung von Kindern durch seine Impfungen erhöhen und hofft, dass die Afrikaner dann weniger Kinder in die Welt setzen werden. Eine naive Hoffnung, denn in Afrika gelten viele Kinder als Reichtum und als Lebensversicherung im Alter. Der Westen versorgt sie ja, so die fatale Annahme. Wenn die vielen Kinder nicht versorgt werden, ist halt “der Westen” schuld. Diese Annahme fördert die Überbevölkerung noch! Afrika muss Eigenverantwortung übernehmen! Afrika hat auch fruchtbare Regionen und begehrte Bodenschätze. Die müssen länderübergreifend ihre Kapazitäten selbst nutzen, die eigene Korruption bekämpfen und ihre afrikanischen Angelegenheiten afrikanisch regeln. “Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.” Nächstenliebe setzt Eigenliebe voraus, erst dann kann man den Nächsten wirklich lieben und dann den Fernsten. Die christliche Nächstenliebe ist aus der Tora abgeleitet, wo sie sogar auf das eigene Volk reduziert ist: „An den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ich bin JHWH.“ (Lev 19,18) Würde das Prinzip so weltweit beherzigt, hätten wir weniger Probleme.
3.2.2022, Th.Sch.
“Geschäft” moraltriefender Aktivisten
Dieser Beitrag lenkt erneut den Blick darauf, dass die Entwicklungshilfe ein lästiges Thema ist und deshalb zum “Geschäft” moraltriefender Aktivisten werden konnte. Die öffentliche Argumentation erfolgt moralbetont, die “Menschlichkeit” gebiete Hilfe, “gerade wir Deutsche” hätten die Verpflichtung, Buße zu tun für die Verbrechen des Kolonialismus. Wenig differenzierte Ladenhüter, die deutlich machen, wie gering die Bereitschaft ist, aus Fehlern zu lernen oder einen kritischen Diskurs zuzulassen!
Dass im Rahmen einer intransparenten globalistischen Kungelei der Möchtegern-Weltordner vom Schlage eines György Soros und seinen überall auf der Welt agierenden NGOs Afrika geopolitischen und wirtschaftspolitischen Interessen geopfert wird, ist ein schlimmer aber berechtigter Verdacht! Die u.U. jahrzehntelang aktiven “UN-Missionen” zeigen das deutlich! Ein Doppelblindversuch steht naturgemäß nicht zur Verfügung, um diesen Verdacht zu erhärten. Ob “Entwicklungshilfe” tatsächlich hilft, muss angezweifelt werden. Ich bin erschüttert, dass heutige “Entwicklungszusammenarbeit” abertausende Ranger, Wildtierschützer, Abenteurer deutscher Zunge ernährt, deren “Endpunkte” nicht ausformuliert sind. Es ist auch nicht auszuschließen, dass nation building durch UN-Truppen neue Probleme, Feindseligkeiten und Stammesfehden hervorruft. Diese Art der “Entwicklungshilfe” erschwert ganz sicher eigene Entwicklungen der autochtonen Bevölkerung oder macht sie gänzlich unmöglich. Dass das ewig so bleiben wird, dafür sorgen Berufsaltruisten wie die “Ärzte ohne Grenzen” oder Fair-Trade-Konzerne und uferlos proliferierende NGOs. An Dr. Albert Schweizer, der heute gern als rassistischer Sonderling und verkappter Kolonialist “angeschwärzt” wird, will sich niemand orientieren. Ich würde mich nicht wundern, sollten die Impftruppen des heiligen Bill Gates auch auf dem afrikanischen Kontinent ganz altruistisch unterwegs sein. Das Framing lautet “Fair Trade” – von dieser Marke leben Weltkonzerne!
3.2.2022, A.R.
China – Leistung
Man müsste sich ja zur Abwechslung mal Gedanken machen, so wie die erzkommunistischen Kapitalisten aus China, wie man die Wirtschaft und die Menschen in Afrika voranbringt, in dem man sie dort unterstützt, wo sie beginnen etwas leisten zu wollen und Freude an der Autonomie empfinden.
Und nicht nur Geld zu verteilen, das man nie verdient hat, so wie die Entwicklungshelfer und Menschheitserlöser aus Doitschland, die als Prediger des Guten, Wahren, Schönen durch die Lande ziehen. Gerd Müller war in diesem Zusammenhang ein besonders freigiebiger CSU-Politiker. Man suche nach “gerd müller youtube rede englisch”.
3.2.2022, f.H.
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