„Halt die Fresse“ – Zivilcourage

Boris Palmer spricht in einer Regionalbahn einen Jugendlichen an, der ohne Fahrschein in der 1. Klasse sitzt. Der Junge reagiert sofort aggressiv mit „Halt die Fresse“ und die Fahrgäste solidarisieren sich mit dem Beleidiger. Eine Lehrerin zu Palmer: „Sie sind ein armes Opfer“. Warum sind die Leute immer unfreundlicher, gewalttätiger und kälter, obwohl sie dies zum großen Teil gar nicht gut finden? Einige Aspekte:

1. Auch im ÖPNV ist es uncool, sich an Regeln zu halten. In der Bahn herrschen Schmutz, Disziplinlosigkeit und Gewalt. Und Sicherheit ist für Pendler, die auf die Bahn angewiesen sind, kaum noch gewährleistet. Immer mehr Menschen meiden deshalb den ÖPNV und wechseln zu privaten Pkws.

2. Der Tübinger Oberbürgermeister mahnt die „Solidarisierung mit Regelverletzungen, die pauschale Ablehnung ordnungsrechtlichen Handelns“ an (1). In den über 1000 Kommentaren auf facebook erfährt Palmer überwiegend Lob für seine Zivilcourage. Diese gilt als Einzelfall, da bei Gewalttätigkeiten im öffentlichen Raum kaum jemand mehr wagt, einzuschreiten bzw. zu helfen.

3. Die Lehrerin ergreift Partei für den „Halt die Fresse“ brüllenden Schüler – der wahrscheinliste Grund: Sie will sich damit vor ihm und den anderen Mitschülern im Zugabteil lieb machen. Wie im Schulalltag: Lehrern wird an den öffentlichen Schulen kein Respekt mehr entgegengebracht. Nach dem zehnten „Könnt ihr bitte mal ruhig sein“ kommt das 11. und 12. mal. Ein geordnetes Unterrichten ist kaum noch möglich. Im eigenen Interesse bleibt vielen Lehrern nur noch eine Möglichkeit: Nachgeben, Laisser faire, Beleidigungen ignorieren, kuschen und sich lieb machen. Gleichwohl: Schüler wollen strenge Lehrer, also Personen, an denen sie sich reiben können. Gerade links eingestellte Lehrer erfahren am eigenen Leib, daß Bildung ohne Ordnung und Disziplin nicht zu vermitteln ist. Die Bildungsmisere zeigt es.

4. Die Kriminalstatistiken zeigen, daß die Verrohung und Aggressivität in der Gesellschaft seit der Grenzöffnung 9/2015 dramatisch zugenommen hat. Sind Sozialisation in islam-geprägten Kulturen und Integration zwei sich ausschließende Begrifflichkeiten?

5. Die Bürger fühlen eine zunehmende Einschränkung ihrer Freiheitsrechte durch staatliche Überregulierung. Deshalb kommt es zur Solidarisierung mit dem Regelverstoß und Gesetzesbruch. „Das jetzige Ausmaß der Regulierung ist aber eine Strangulierung jedes einzelnen Bürgers“ – es hat 2015 begonnen mit der Massenmigration, bei der ein Reglement installiert wurde, das Kritik und Skepsis als Fremdenfeindlichkeit bis hin zu Nazi diffamiert hat. Danach folgten in der Coronazeit ab 2020 die nach dem 2. Weltkrieg massivsten Grundrechtsbeschränkungen zur Durchsetzung der Covid19-Maßnahmen. All dies läßt vor allem jüngere Bürger den Regelbruch als eine Art von Heldentat erleben.
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Unabhängig on seiner politischen Orientierung mit oder gegen die Grünen – das aktive Eintreten, Einmischen und die Zivilcourage von Boris Palmer ist vorbildlich und entspricht dem Leitbild des mündigen Bürgers.
11.2.2026
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Ende von Beitrag „“Halt die Fresse“ – Zivilcourage“
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Beginn von Anlagen (1) – (2)

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(1) Boris Palmer
@Solidarisierung im öffentlichen Raum – eine persönliche Beobachtung

Was mich an dieser Situation insgesamt nachdenklich stimmt, ist weniger der ursprüngliche Regelverstoß, sondern die Dynamik: die schnelle Solidarisierung mit Regelverletzungen, die pauschale Ablehnung ordnungsrechtlichen Handelns und die Umdeutung der Situation, in der der Beleidigte und rechtmäßig Handelnde schließlich als Problem wahrgenommen wird.
Wenn diejenigen, die auf die Einhaltung geltender Normen hinweisen und bestehende Regeln durchsetzen, am Ende selbst diejenigen sind, die sich rechtfertigen müssen, dann ist in unserem gesellschaftlichen Verständnis von Ordnung, Verantwortung und Respekt etwas grundlegend schiefgelaufen. Die Folgen für den Alltag sind gravierend. Es traut sich ja bald niemand mehr Fehlverhalten anzusprechen und Normen einzufordern.
https://www.facebook.com/story.php?story_fbid=26356876580591858&id=100000886242540&mibextid=wwXIfr&rdid=iMGWZvfTblU3bIjR#

Kommentare:
Lieber Boris, folgenden Gesichtspunkt dazu:
Unsere Gesellschaft ist in Deutschland vollkommen überreguliert. Diese Überregulierung hat Anfang der 1980-er Jahre eingesetzt und ist seitdem Jahrzehnt für Jahrzehnt, Jahr ür Jahr gestiegen und hat heute ein absurdes Ausmaß erreicht. Dies spüren die Menschen zumindest im Unterbewusstsein sehr deutlich.
Normen und Regulierungen können in Summe nur den Zweck haben, der Entfaltung der Menschen, beziehungsweise der Bürger zu dienen. Das jetzige Ausmaß der Regulierung ist aber eine Strangulierung jedes einzelnen Bürgers.
Dieses allgemeine Phänomen ist in seiner bewussten oder unterbewussten Wahrnehmung die Ursache dafür, dass so viele Menschen Normen und Regeln nicht mehr akzeptieren. Sie spüren, die Normen und Regeln gehen heutzutage in ihrer Gesamtheit gegen die Menschen. Damit haben die Normen und Regeln selbst ihren legitimen Boden verlassen. Das ist im Untergrund die Ursache für das Phänomen, welches du beschreibst.
Ein Appell daran, sich an die Normen zu halten, löst das Problem nicht. Der Ansatzpunkt ist das Ausmaß an Regulierungen und Normen, indem diese sehr deutlich zurückzufahren werden, auf ein Maß, dass die Menschen wieder Luft zum Atmen haben. Die Grundintention dieser Normen in ihrer Gesamtheit muss wieder die Entfaltung der Bürger sein, nicht ihre Kontrolle der Korntrolle wegen. Dann werden solche Probleme, wie du sie beschreibst, wieder zurückgehen und die Bürger werden wieder in ihrer Mehrheit anfangen, die Normen für sinnvoll zu achten und sie zu akzeptieren. Das in diesem Gesamtgeschehen auch sinnvolle Normen, wie du sie beschreibst, unter die Räder kommen, liegt an der Gesamtheit der, heutzutage ja so gut wie alle Lebensbereiche umfassenden Regulierungen aller staatlichen Instanzen zusammengenommen – von den Gemeinden bis zur EU. Christian Kaesbach
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Da sehen sie mal Herr Palmer, wie schwierig es ist, Recht und Ordnung als Ordnungshüter durchzusetzten! Zu wenig Rückhalt der Mitbürger aber oft auch zu wenig seitens der Politik und der Justiz! Wie oft stehen Polizeibeamte selbst im Ermittlungsfokus weil sie einfach ihren Job gemacht haben!? Wir zersetzten uns selbst! Uwe Boehler
Ende Kommentare
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(2) „Halt die Fresse“ – und Palmer ist am Ende der Böse
Wenn Lehrer Schwarzfahrer schützen und nicht das Recht
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Hunderte von Menschen schildern ähnliche Erlebnisse – in Zügen, Supermärkten, auf Straßen. Der gemeinsame Nenner: Wer sich wehrt, gilt als schwierig. Wer stört, wird gedeckt. Zivilcourage heißt heute oft: Parteinahme für die gefühlte Schwäche – nicht für die faktische Ordnung.
Und dann ist da noch die ideologische Überhöhung mit sozialistischer Moralen: „Welche Gesellschaft soll das abbilden, in der der Oberbürgermeister es sich nicht nehmen lässt, in der völlig kapitalmarktfähig gemachten (sprich kaputtgesparten) Bahn immer obszönere Klassengegensätze allerhöchstselbst gegen unbotmäßige Jugendliche durchzusetzen?“ So klingt es, wenn der Regelbruch zur Revolte verklärt wird – und der Hinweis auf ein gültiges Ticket zum Klassenkampf.
Das Ganze wäre fast amüsant, wenn es nicht so gefährlich wäre. Denn eine Gesellschaft, in der Recht nicht mehr verteidigt, sondern relativiert wird, erodiert schleichend. Nicht durch einen Staatsstreich, nicht durch äußere Feinde – sondern durch eine moralische Umdeutung des Selbstverständlichen.
Und der Reflex ist bekannt: Man will „deeskalieren“, nicht „eskalieren“. Man will nicht „härter werden“, sondern „verständnisvoll“. Doch wie soll eine Gesellschaft funktionieren, in der das korrekte Verhalten am Ende den größeren Rechtfertigungsdruck auslöst als der offensichtliche Regelbruch?
Was viele nicht aussprechen, aber viele mitfühlen: Der Vertrauensverlust in Autoritäten kommt nicht aus dem Nichts. Er ist das Echo auf Jahre staatlicher Selbstüberhöhung – die bei Corona besonders dramatisch und offensichtlich wurde. Als Palmer im Zug seinen Dienstausweis zeigte, wies er sich als Leiter der Ortspolizeibehörde aus – und genau da liegt der wunde Punkt: Polizei, Behörden, Kontrolle wurden in den letzten Jahren nicht mehr als Garanten für Ordnung erlebt, sondern als Werkzeuge moralisch aufgeladener, autoritärer und allzu oft auch brutaler Macht. Man denke an den Verbots-Wahnsinn zu Corona-Zeiten: Platzverweise auf Parkbänken, Polizeieinsätze gegen Kindergeburtstage, nächtliche Ausgangssperren, Prügel für Demonstranten.
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Der Fall Palmer ist nicht bloß ein Streit im Zug. Er ist ein Gradmesser. Dafür, wie tief der psychologische Vertrauensverlust gegenüber Autoritäten sitzt – und wie sehr sich dieses Misstrauen inzwischen gegen jeden richtet, der Verantwortung übernimmt. Die Reaktionen sind da kein Beifang, sie sind das eigentliche Phänomen.
Ein Land, in dem Lehrkräfte Respektlosigkeit bagatellisieren, in dem Erwachsene Jugendlichen beim Regelbruch Beifall klatschen und in dem der Hinweis auf bestehende Gesetze als übergriffig gilt, ist kein liberaler Rechtsstaat mehr. Sondern ein schlingerndes Konstrukt auf dem Weg ins anything goes – alles ist erlaubt.
Das erklärt auch die Aversion gegen jede Form von Eingreifen. Der Staat hat sich – nicht nur bei Corona – eine Übergriffigkeit erlaubt, die tief ins Persönliche reichte: Erziehungsrechte, Meinungsgrenzen, Körperentscheidungen, Prügel. Wenn ein OB im Zug auftritt, lesen manche darin nicht den Bürger mit Verantwortung, sondern den verlängerten Arm eines Staates, der sie erzogen, gescholten oder ausgesperrt hat. Wer so geprägt ist, schlägt nicht nach dem Regelbrecher – sondern nach der Ordnung. Und besonders erschreckend: Menschlich kann ich das nach Corona sogar gut verstehen.
… Alles vom 9.2.2026 bitte lesen auf
https://reitschuster.de/post/halt-die-fresse-und-palmer-ist-am-ende-der-boese/

 

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