Rechts-Links

d

 

Winter an der Dreisam zwischen Freiburg und Schwarzwald: Eistrompeten bei -10 Grad

 

 

Das Märchen vom Rechtsrutsch – wie politische Prüderie das Meinungsklima vergiftet
Die Koordinaten in Politik und Medien haben sich nach links verschoben. Was früher noch Mitte war, gilt heute als «rechts» und wird ausgegrenzt.
Die jüngste Wanderlegende ist eine politische: Die «Grenzen des Sagbaren», so heisst es, verschieben sich derzeit, angetrieben von Populisten, Rechtsextremen und deren publizistischen Helfershelfern.
Zu lesen und zu hören ist dieser Vorwurf besonders häufig im öffentlichrechtlichen Rundfunk, wo etwa Deutschlandfunk entdeckt hat, dass mithilfe bürgerlicher Eliten «völkisches Ausschlussdenken» salonfähig gemacht werde, man also gezielt ganze Bevölkerungsgruppen wie Migranten, Muslime und Arme diskriminiere.
Tatsächlich hat sich der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland gebrüstet, die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, doch wäre er nicht der erste Politiker, der grundlos prahlt. Tatsächlich verweist der Stand der soziologischen Forschung die Behauptung vom Rechtsrutsch in den Bereich der politischen Märchen.
Studien an den Universitäten Bielefeld und Leipzig liefern seit der Jahrtausendwende vergleichbare Daten zu den Einstellungen der Deutschen: Rund 5 Prozent weisen ein in sich geschlossenes rechtsextremes Weltbild auf, weitere 20 Prozent sympathisieren mit radikal rechten Positionen. Diese Werte haben sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert.

Das Volk, der grosse Lümmel, ist in seinen Urteilen und Vorurteilen ziemlich stabil. Anscheinend haben sich jedoch die Einstellungen in den Medien und der Politik nach links verschoben, so dass heute Positionen als «rechts» gelten, die früher (und lange bevor man dieses Wort abwertend gebrauchte) Mainstream waren.
Die Kontinentaldrift in der CDU ist offensichtlich. Aus Überzeugung oder Opportunismus wurden zum Traditionsbestand der Partei gehörende Themen «abgeräumt»: in der Gesellschaftspolitik mit der Frauenquote, in der Wirtschaftspolitik mit dem Lieferkettengesetz, besonders augenfällig in der Migrationspolitik. Was Alfred Dregger und Manfred Kanther, aber auch Helmut Kohl und Heiner Geissler noch als Mitte betrachteten, ist nach den heutigen Massstäben der CDU weit rechts.
In den Medien fällt der Linksruck noch mehr auf. Sie müssen keine Mehrheiten finden, so dass sich die Distanz zur Mehrheit der Bevölkerung noch leichter einstellt. Ansichten, die vor wenigen Jahren schlimmstenfalls als exaltiert gegolten hätten, werden heute als jenseits des Sagbaren gebrandmarkt.

… Alles vom 26.2.2021 von Eric Gujer bitte lesen auf https://www.nzz.ch/meinung/koordinaten-in-politik-und-medien-das-maerchen-vom-rechtsrutsch-ld.1603818
.
Kommentare:
Eine punktgenau Landung, Herr Gujer.
Und wunderbare Bilder, wie das das vom „Dreisatz des Rufmordes“.
Nicht nur dieses Land, auch diese Gesellschaft schafft sich ab. Wie konnte es so weit kommen? Der Deutschlandfunk, ein ehemals respektabler Sender, verkommen zu Propagandasprachrohr, die SZ, ehemals seriös, heute nur noch ein Schatten ihrer selbst, und das Bundespresseamt, ehemals professionell, heute Drahtzieher hinter den Bühnen, um Regierungspolitik nicht zu verkünden, sondern zu machen, unter eifriger Mithilfe massiv subventionierter Medien. Dann gute Nacht!
262.2021, P.B.
.
„Kampf gegen Rechts“ = Propaganda „Pro Links“
Es geschieht auch Sonderbares in Deutschland: die Regierung veruntreut 1 Mrd Steuergeld für den „Kampf gegen Rechts“, wobei das „Rechts“ nie präzise formuliert wird. Es kommt im Prinzip der Förderung von Propaganda „Pro Links“ gleich und ist ganz klar außerhalb der demokratischen Legitimation.
Leider traut sich hier keiner zu ermitteln, oder zu widersprechen. Nehme an, alle hoffen etwas vom Kuchen zu bekommen – oder von künftigen Torten und Fleischtöpfen … wer zahlt das dann alles ?
26.2.2021, ST.Z.
.
Ich glaube es ist zu einfach,
Rechts mit Kapitalismus und Links mit Gerechtigkeit gleichzusetzen. Diese Begriffe zu verwenden, bringt nicht viel. Der Sprachgebrauch ändert sich.
26.2.2021, W.T.
.
Danke für Ihre wahren und sehr offenen Worte
Ich würde mich als Liberal-konservativ einstufen, mit internationaler Familie und Freunden von Afghanistan bis Guinea. Gemäß dem was ich in den deutschen Medien höre bin ich aber Coronaleugner, Rassist, Antisemit, Frauenfeind, Anti-Genderer – weil ich mir eine eigene Meinung bilde und gerne den 360°-Blick anwende um die Dinge mit allen Vor- und Nachteilen zu sehen.
Mindestens 270° davon sind aber nicht mehr gesellschaftsfähig. Kollegen und sogar enge Freunde runzeln die Stirn, wenn ich sage: „Ich habe die NZZ abonniert“. Denn die steht in ihren Augen den „Rechten“ nahe, die – wie Sie sagen – nicht näher definiert werden.
Ich muss an das Buch „Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon (1895) denken, in welchem der Autor frei von „links“ oder „rechts“ schreibt: „Das Auftreten von Charakterzügen der Masse wird durch Ursachen bestimmt, deren erste darin besteht, dass der einzelne in der Masse allein durch die Tatsache Teil der Masse zu sein ein Gefühl unüberwindlicher Macht erlangt [anm: „Masse“ ist heute „social media], welches ihm gestattet Trieben zu frönen, die er für sich alleine gezügelt hätte. Er wird ihnen um so eher nachgeben, als durch die Namenlosigkeit und demnach Unverantwortlichkeit das Verantwortungsgefühl, das den einzelnen zurückhält, völlig verschwindet.“
So sehe ich, dass die modernen Medien die Verantwortung für Corona-Lockdown ohne Rundumsicht, für misslingende Integration etc. nicht tragen müssen…
26.2.2021, M.B.
.
Romantische Realitätsverweigerung + German Angst + naiver Missionarismus
Danke Hr. Gujer, alles gesagt, hierzulande besitzt kaum jemand mehr diese Souveränität. Tatsächlich hatte der Liberalismus es in D immer schwer. Die romantische Realitätsverweigerung dürfte neben self-inflicting German Angst und naivem Missionarismus wohl das Merkmal des heutigen Michel sein. Des ungeachtet irrt der hochverehrte Chefreaktor in 2 Punkten: Der RT-Vertreter in der BPK handelt wie ein russischer Agent und Sloterdijk ist ein heideggerend unheilvoll raunender Mystiker. Dennoch: unbedingt weiter so!
26.2.2021, K.W.
.
… Sahra Wagenknecht und Fabio De Masi sind links
Mein Eindruck ist, dass der von mir sehr geschätzte Eric Gujer hier einer Verlade aufsitzt. Er hätte definieren müssen, was für sein Verständnis „Links“ ist. Wenn er darunter etwas verstehen sollte, das mit sozialer Gerechtigkeit und Vermögensumverteilung von oben nach unten zu tun hat, dann würde er feststellen, dass die sogenannten Linken in den Medien, SPD, Grünen, Linkspartei sich ihr selbstgerechtes, moralines Linkssein als trendigen Lifestyle leisten, aber sich nicht im Geringsten für Geringverdiener und deren Leben interessieren und mit sozialer Gerechtigkeit nichts im Sinn haben – Hauptsache es finden sich ausreichend „Tagelöhner“, die ihnen ihren Spargel stechen und in die Großstadt bringen (siehe das „Spargel-Interview“ von Katja Kipping im Deutschlandfunk)
Sahra Wagenknecht und Fabio De Masi sind links, denn beide haben soziale Gerechtigkeit auf ihrer Agenda. Daher werden beide sogar in ihrer eigenen Partei mit moralinen Anwerfungen ausgegrenzt.
26.2.2021, ST.E., NZZO
.
… beschwört latent eine „rechte Gefahr“
Riesen-Kompliment für diesen treffenden Kommentar! Der Linksruck in Politik und Medien hat sich zu einem unerträglichen Maße ausgeweitet. Leider müssen sich Konservative und marktwirtschaftliche Kräfte kritisch hinterfragen, ob sie durch ihr viel zu langes Schweigen diesen Prozeß indirekt mit zu verantworten haben. Anstatt lautstark die Sache der Freiheit, Selbstentfaltung und Offenheit zu propagieren, sind sie dem Regulierungs- und Entmündigungswahn der Linken erlegen. Diese wiederum bedient sich eines uralten Tricks bolschewistischer Agitationslehre: Sie beschwört latent eine „rechte Gefahr“, eben auch da, wo nach liberalen Maßstäben gar keine existiert, und schafft es, einen Popanz zu kreieren, den es zu bekämpfen gilt. Die deutschen Medien haben sich indes komplett von einem faktenorientierten hin zu einem „Haltungs“-Journalismus zurückentwickelt und sind zu willfährigen Steigbügelhaltern der Linken geworden.
26.2.2021, ST.G.
.
Heute triumphiert die politische Prüderie.
Dabei darf oder sollte man korrekterweise hinzufügen, dass dies vor allem in der Politik und in den Medien, hauptsächlich in den öffentlich rechtlichen zutrifft. Hier haben zwei Branchen in einer Art Symbiose zusammengefunden, welche sich in einer normal funktionierenden Demokratie eigentlich gegenseitig kontrollieren müssten. Man profitiert von einer Gesinnungsgemeinschaft und verteidigt gemeinsam die politische Deutungshoheit. Die von Eric Gujer beschriebene Verschiebung des politischen Koordinatensystems findet schon Langem statt und geht so langsam vor sich, dass man sich in weiten Kreisen der Bevölkerung daran gewöhnt bevor sie als Veränderung wahrgenommen wird. Alle diejenigen die den „Linksruck“ der Polit-Elite und der Medien reklamieren werden heute als rechtsextrem diffamiert und ausgegrenzt. Es fällt schwer zu glauben, dass diese Entwicklung zufällig so abläuft. Deutungshoheit bedeutet Macht, und davon können Politik und Medien bekanntlich kaum je genug kriegen. Leider besteht in der „gewinnbringenden“ Zusammenarbeit von Politik und Medien die grosse Gefahr auf eine gefährlich schiefe Ebene der Einseitigkeit zu geraten, was heute sachlich gesehen unschwer zu beobachten ist.
26.2.2021, A.G.

Die Linke war immer schon attraktiv.
Erinnern wir uns: selbst während der Stalinzeit gab es Journalisten und Politiker die Stalin über den Bodenklee lobten. Woran liegt das?
Die Linke spricht gerne von Gerechtigkeit, Umverteilung und Befreiung der Unterdrückten. Das sind alles löbliche Ziele, die jedem 16 Jährigen einleuchten
Die Rechten haben es da schon ein wenig schwerer. Hier muss erst einmal geschaffen werden, was dann nachher umverteilt wird. Die Rechte anerkennt auch die Unterschiedlichkeit von Talenten und prämiert auch Leistung vor Gesinnung. Auf gut Deutsch: die Rechte ist mühsam.
Die Linke ist dagegen einfach weil sie gerecht, antirassistisch frauenfreundlich et cet ist. Also die Wahl fällt einem nicht schwer insbesondere wenn man im schreibenden Gewerbe beheimatet ist und für den Stuss den man schreibt nicht zur Rechenschaft gezogen wird
26.2.2021, CH.Z.
.
Seit 2015 bin ich „Nazi“.
Wegen solcher Artikel, die es in Deutschland leider kaum noch zu lesen gibt, abonniere ich die NZZ. Der Freitag mit Herrn Gujer ist immer ein Höhepunkt für mich. Manchmal stimme ich nicht mit ihm überein, aber immer regen seine Artikel zum Nachdenken an. Im aktuellen Artikel hat er meine volle Zustimmung. Auch aus eigener Erfahrung. Seit 2015 bin ich „Nazi“. Aber mittlerweile ist mir dieser inflationär gebrauchte Begriff egal, zumal die Gegenseite, die diesen Begriff gebraucht, damit nur ihre eigene Unfähigkeit zur Diskussion und den Mangel an Argumenten kaschieren will.
26.2.2021, M.R.
.
Mikrofone mit einer Plastikfolie schützen ….
Es ist schon eine Allegorie, dass gerade die öffentlich-rechtlichen Sender neuerdings ihre Mikrofone mt einer Plastikfolie schützen, um sie «virenfrei» zu halten. Im übertragenen Sinne kann man das so deuten, die Sprache auch «keimfrei» zu halten zu wollen. Das «Unsagbare» nicht durch das Mikrofone zu lassen. Die Sprache «sauber» zu halten. Sie quasi zu «desinfizieren».
Der durch Merkels Alleingang 2015 in der Migrationspolitik provozierte Aufschwung und Etablierung der AfD, hat die linken Mainstreammedien in ihren Grundfesten erschüttert. Zumal das Abwälzen der Probleme auf Europa dort auf Ablehnung stieß. Die aus dem deutschen Minderwertigkeitskomplex geborene Idee der «moralischen Weltmacht» drohte zu zerbrechen. Die linke Medienpanik war und ist groß. Die Angst vor einem Ansehensverlust Deutschlands in der Welt wird mit dem Feindbild «Rechts» bekämpft. Man bezichtigt deshalb Teile des eigenen Volks als «Nazis» um alles was nicht «Links» ist auszugrenzen.
Aber Deutschland ist nicht allein damit in der Welt. Seit sich die «Political Correctness» wie ein Strohfeuer verselbstständigt hat, greift auch international die «Cancel Culture». Man möchte die Sprache «keimfrei» halten. Mit den gleichen mittelalterlichen Mitteln, mit denen man versucht, dem Virus Herr zu werden. Auch mit Zwangsmaßnahmen gegen das Volk wird das Virus nicht eliminiert werden können. Wir müssen damit leben lernen.
26.2.2021, P.M.
Ende Kommentare