20. Juli 1944: Mut vor 81 Jahren

Die 81. Wiederkehr des misslungenen Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 durch die Freiheitskämpfer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg ist den Mainstreammedien nur Randnotizen wert. Obwohl sie immer auf die Notwendigkeit einer Erinnerungskultur hinweisen und fragen, warum es nicht mehr Widerstand gegen die Nazi-Diktatur gab.
Der Publizist Henryk M. Broder dazu:
„Wenn ihr euch fragt, wie das damals passieren konnte:
weil sie damals so waren, wie ihr heute seid.“
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Der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg Klaus von Dohnanyi (97, SPD), einer der letzten noch lebenden Mitgestalter der Entspannungspolitik von Willy Brandt und Egon Bahr, dessen Familie an dem Anschlag vom 20.7.1944 beteiligt war, meinte zu den Klagen über den  deutschen Untertanengeist und das Mitläufertum (2):
„Ich glaube nicht, daß sich heute im Falle einer diktatorischen Bedrohung von Leib und Leben die Menschen anders verhalten würden als damals. Es ist nämlich nur menschlich, Gefahren aus dem Wege zu gehen. Insofern finde ich das heutige Urteil über die vielen damaligen „Mitläufer“ auch befremdlich: Sich selber prüfen wäre angemessener. Wäre man selbst mutiger gewesen?“
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Die Widerständler um Staufenberg wollten Deutschland retten und in Demokratie erneuern (siehe Anlage (1) unten). Sie wurden für ihren Mut erschossen und erhängt. Und ihre Familien und Bekannte – auch die von Klaus von Dohnanyi (s.o.) – in Sippenhaft genommen. Karlheinz Weißmann stellt fest „wie weit wir immer noch von jenem Punkt entfernt sind, der eigentlich erreicht werden müsste: der Anerkennung der Männer des 20. Juli als Helden“ (3).
Doch brauchen wir patriotische Helden als Vorbilder in einer Welt, in der es von lauter sogenannten Helden nur so wimmelt?
20.7.2025
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Ende von Beitrag „20. Juli 1944: Mit vor 81 Jahren“
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Beginn von Anlagen (1) – (4)
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(1) Der Eid des 20. Juli 1944 im Wortlaut
Wir glauben an die Zukunft der Deutschen.
Wir wissen im Deutschen Kräfte, die ihn berufen, die Gemeinschaft der abendländischen Völker zu schönerem Leben zu führen.
Wir bekennen uns im Geist und in der Tat zu den großen Überlieferungen unseres Volkes, das durch die Verschmelzung hellenischer und christlicher Ursprünge in germanischem Wesen das abendländische Menschentum schuf.
Wir wollen eine Neue Ordnung, die alle Deutschen zu Trägern des Staates macht und ihnen Recht und Gerechtigkeit verbürgt, verachten aber die Gleichheitslüge und fordern die Anerkennung der naturgegebenen Ränge.
Wir wollen ein Volk, das in der Erde der Heimat verwurzelt den natürlichen Mächten nahebleibt, das im Wirken in den gegebenen Lebenskreisen sein Glück und sein Genüge findet und in freiem Stolze die niederen Triebe des Neides und der Mißgunst überwindet.
Wir wollen Führende, die aus allen Schichten des Volkes wachsen, verbunden mit den göttlichen Mächten, durch großen Sinn, Zucht und Opfer den anderen vorangehen.
Wir verbinden uns zu einer untrennbaren Gemeinschaft, die durch Haltung und Tun der Neuen Ordnung dient und den künftigen Führern die Kämpfer bildet, derer sie bedürfen.
Wir geloben
– untadelig zu leben,
– im Gehorsam zu dienen,
– unverbrüchlich zu schweigen,
– und füreinander einzustehen.
1944, Graf von Stauffenberg
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(2) Klaus von Dohnanyi: 20. Juli 1944 „Eine patriotische Haltung“ im Kampf gegen Hitler
Der ehemalige SPD-Politiker und Erste Bürgermeister von Hamburg, Klaus von Dohnanyi, Sohn des Widerständlers Hans von Dohnanyi und Neffe Dietrich Bonhoeffers, über den Kampf seiner Familie gegen Hitler.

Herr Dr. von Dohnanyi, welche Bedeutung hat der deutsche Widerstand für Sie persönlich: Historische Erinnerung? Familiäres Erbe? Persönlicher Auftrag?
Klaus von Dohnanyi: Der Widerstand gegen die brutale Nazidiktatur ist mit nichts vergleichbar, das wir heute in unserer Nähe erfahren. Die Bereitschaft, aus moralischen Gründen sein eigenes Leben zu riskieren, entsprach der außerordentlichen Situation in der damaligen Zeit. Und deswegen weiß auch niemand, wie er sich damals und unter der damaligen Bedrohung durch die Gestapo verhalten hätte. Mut ist leider nicht erblich!

Aufgewachsen sind Sie nach dem Krieg in einer Gesellschaft, in der die große Mehrheit nicht im Widerstand war – womit sich Ihre Familie grundlegend von der Ihrer meisten Landsleute unterschied. Wie hat das Ihre Sicht auf die Menschen und die Gesellschaft geprägt? Hat das zum Beispiel wie bei anderen zu einer Distanzierung von Deutschland geführt oder haben Sie es dennoch als Ihr Vaterland betrachtet?
Dohnanyi: Widerstand gegen die Nazis war eine patriotische Haltung. Wie konnte ich da Deutschland als Vaterland verlassen?

Während es zu Ihrer Jugendzeit noch große Vorbehalte bis hin zu Anfeindungen gegen den deutschen Widerstand gab, gehört heute sein Lob zum guten Ton. Allerdings beobachtete schon der Journalist Johannes Gross: „Je länger das Dritte Reich tot ist, um so stärker wird der Widerstand gegen Hitler.“ Was halten Sie davon? Ist die – an sich ja positive – Wertschätzung des Widerstandes möglicherweise ein Januskopf? Sprich, haben Sie vertrauen darin, daß sie ehrlich gemeint ist und sich dahinter nicht ein neues Mitläufertum verbirgt?
Dohnanyi: Ich glaube nicht, daß sich heute im Falle einer diktatorischen Bedrohung von Leib und Leben die Menschen anders verhalten würden als damals. Es ist nämlich nur menschlich, Gefahren aus dem Wege zu gehen. Insofern finde ich das heutige Urteil über die vielen damaligen „Mitläufer“ auch befremdlich: Sich selber prüfen wäre angemessener. Wäre man selbst mutiger gewesen?

Im vergangenen Jahr hat der Widerstand gegen Hitler scheinbar ungeahnte Aktualität gewonnen, als unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt!“ bundesweit Hunderttausende gegen die AfD demonstrierten. Was halten Sie davon? Ist die AfD, wie Medien, Politiker und Aktivisten behaupten, die neue NSDAP und der Kampf gegen sie der neue Widerstand gegen den Faschismus?
Dohnanyi: Bei der Antwort auf die Frage „Was ist Faschismus“ orientiere ich mich gerne auch an dem Historiker und exzellenten Faschismusforscher Ernst Nolte. Für ihn ist „Angst“ eine wesentliche Voraussetzung faschistischer Tendenzen in einer Gesellschaft. Und es ist dann ein Zeichen faschistischer Politik, als Antwort auf diese „Angst“ Recht und Macht als zusammengehörig zu identifizieren: die Macht hat dann auch recht. Niemand wird bestreiten, daß es in der AfD Gruppen gibt, die so denken und, daß es der AfD nicht gelingt, oder ihr auch nicht wichtig ist, solche Gruppen aus ihren Reihen zu verbannen. Aus meiner Sicht ist die AfD als Ganzes keine „faschistische“ Organisation – aber sie birgt immer wieder diese Gefahr, indem sie mit einem ganz „anderen“ Weg der Demokratie eine Erlösung von dieser „Angst“ verspricht.

Ihr Vater, der leitende Beamte im Reichsjustizministerium Hans von Dohnanyi, und vor allem Ihr Onkel, der Theologe Dietrich Bonhoeffer, gehören heute zu den bekanntesten und geehrtesten Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus: Was denken Sie, hätten beide von dieser Art Widerstand heute gehalten?
Dohnanyi: Mein Vater hätte den Vergleich von damals mit heute wohl ziemlich lächerlich gefunden: Wo sind denn heute die Gefahren für jemanden, der den faschistoiden Tendenzen in der Gesellschaft Widerstand entgegensetzt?

Ihr Vater und Ihr Onkel schlossen sich bereits vor dem Krieg dem Widerstand gegen Hitler an. Warum und wie sah ihre Widerstandsaktivität bis 1938 aus?
Dohnanyi: Mein Vater war schon in dem Jahrzehnt vor Hitler, also in den sogenannten zwanziger Jahren, ein erklärter Gegner der aufkommenden Nazi-Bewegung. Dietrich Bonhoeffer, jüngster Bruder meiner Mutter, war als Pfarrer und Theologe ebenfalls ein Gegner der nazistischen Feinde des Christentums. Und es war dann mein Vater, der selber schon sehr frühzeitig Dokumente zum Beweis von Verbrechen der Nazis im Reichsjustizministerium sammelte, und der dann auch Dietrich Bonhoeffer in den Kreis des aktiven, politischen Widerstands zog.

1938 kam es zur – in dieser Zeitung bereits mehrfach vorgestellten – sogenannten Septemberverschwörung, für die Ihr Vater eine treibende Kraft war. Welche Rolle spielte Ihr Vater dabei genau?
Dohnanyi: Hitler ließ ja nicht nur politische Gegner und Menschen jüdischen Glaubens brutal verfolgen, er hatte auch unmißverständlich klargemacht, daß er durch Aufrüstung und Außenpolitik auf einen Krieg hinauswollte. Und so gab es natürlich eine entsprechende Gegenbewegung von Menschen, die versuchten, diese Diktatur abzuschütteln und den Krieg zu vermeiden. Zu diesen gehörte auch ein Mitglied des Generalstabs: der nach meiner Kenntnis tief christliche Oberst Hans Oster. Um sich herum gruppierte er einige wichtige Personen, die 1938 einen Staatsstreich vorbereitet hatten. Doch die „Friedensmission“ des damaligen britischen Premierministers Neville Chamberlain – Stichwort „Münchener Abkommen“ – brachte diese Planungen dann zum Scheitern.

Warum?
Dohnanyi: Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933 war es unmöglich geworden, Hitler ohne die Teilnahme zentraler Kräfte des Militärs wieder zu stürzen. Doch nach der für den Diktator scheinbar so erfolgreichen Friedensmission Chamberlains konnte man nicht mehr auf eine Unterstützung des Militärs rechnen: Hitler galt mit dem „Münchener Abkommen“ nun als der „Reichskanzler des Friedens“, der ohne einen Schuß abzugeben das Sudetenland für das Deutsche Reich zurückerobert hatte.

Warum ist dieser Versuch führender Militärs und Beamter von 1938, Adolf Hitler abzusetzen und vor Gericht zu stellen, Otto Normalverbraucher heute kaum bekannt? Daß er weniger bekannt ist als der 20. Juli 1944, ist nachvollziehbar, da dieser noch einen Schritt weiterging und den Putschversuch tatsächlich wagte. Gleichwohl überragt die Septemberverschwörung Ihres Vaters aber doch alle sonstigen Widerstandsaktionen. Denn keine andere, weder die Weiße Rose noch die Bekennende Kirche, noch die Rote Kapelle, wurden dem Nationalsozialismus je so gefährlich wie diese. Ist es also nicht verwunderlich, daß dieser bürgerlich-konservative Großaufstand im Volk dennoch fast völlig unbekannt ist?
Dohnanyi: Es hatte ja schon vor dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 sehr viele Versuche gegeben, diesen zu töten, um seinen Verbrechen ein Ende zu setzen. Mein Vater, zum Beispiel, hatte noch im März 1943, also kurz vor seiner Verhaftung, eine Bombe von Berlin nach Smolensk in Rußland geflogen, wo sie an Bord von Hitlers Flugzeug, einer Ju 52, geschmuggelt wurde. Doch im Laderaum der Maschine war es dann offenbar so kalt, daß der Zünder versagte. Ereignisse mit Ergebnis oder deutlichen Folgen graben sich im Gedächtnis tiefer ein, und deswegen ist das Attentat vom 20. Juli 1944 heute so viel bekannter.

Als der Krieg begann und Hitler erfolgreich Paris besetzte, sagte Ihr Vater hellsichtig: „Das ist Deutschlands Ende.“ Wie kam er darauf? Wieso war ihm das, im Gegensatz zu den meisten anderen, bereits zu einer Zeit klar, als Hitler noch von Erfolg zu Erfolg eilte?
Dohnanyi: Nach diesem „Sieg“ in Europa waren ihm zwei Dinge klar: Die Welt, insbesondere die USA und Rußland würden den Sieg Hitlers in Europa nicht endgültig bestehen lassen – und dann konnte doch das Ende des Krieges nur in einer totalen Niederlage Deutschlands gefunden werden.

Welche Rolle spielte ergo die Rettung Deutschlands für die Motivation Ihres Vaters sowie Ihres Onkels Dietrich Bonhoeffer, in den Widerstad zu gehen? In der heutigen Rezeption werden in der Regel allein deren berechtigtes moralisches Entsetzen über die NS-Ideologie und die Verbrechen des Regimes als Motivation dargestellt. Das mag auch das Hauptmotiv gewesen sein – aber spielte daneben nicht auch eine Rolle, daß beide ihr Vaterland vor dem Untergang retten wollten?
Dohnanyi: Später schrieb mein Vater aus der Haft an meine Mutter, er habe doch nur als „anständiger Mensch“ gehandelt. Dieser Satz bezog sich aber offenbar auf die Rettung einiger jüdischer deutscher Bürger durch ihn. Daß er jedoch immer auch die Rettung Deutschlands vor Mord und Zerstörung im Auge hatte, dafür sprechen viele seiner Äußerungen und Handlungen. Dafür spricht ja auch, daß er als junger Mann zunächst bei seiner Arbeit im Auswärtigen Amt und dann am Hamburger Institut für Auswärtige Politik bemüht war, den fatalen Artikel 231 des Versailler Diktatfriedens – alleinige Kriegsschuld Deutschlands – zu widerlegen.

Ebenfalls im Widerstand engagierten sich Ihre weiteren Onkel Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher – beide wie auch Ihr Vater Juristen –, über die man aber sonst wenig erfährt, da sie in der historischen Darstellung meist hinter Hans von Dohnanyi und Dietrich Bonhoeffer verschwinden. Was waren deren Motive und Widerstandstätigkeit?
Dohnanyi: Ihre Motive unterschieden sich im Kern nicht von denen Dietrich Bonhoeffers oder denen meines Vaters.

Ihr Onkel Dietrich Bonhoeffer gilt heute als einer der bekanntesten und berühmtesten Widerstandskämpfer. Warum eigentlich? Denn tatsächlich hatte Ihr Vater doch kraft seiner hohen Position im Reichsjustizministerium weit mehr Einfluß und spielte eine viel bedeutendere Rolle?
Dohnanyi: Ja, aber Dietrich Bonhoeffer hat wundervolle Texte hinterlassen.

Mit dem Widerstand gegen Hitler wird heute alles Mögliche legitimiert, zum Beispiel auch die Unterstützung des Ukraine-Krieges. Motto: Appeasement stoppte Hitler nicht, daher muß der Westen mit allen Mitteln Putin bis zu seinem Sturz bekämpfen. Sie kritisieren diese Schlußfolgerung. Warum?
Dohnanyi: Ich habe dazu schon so viel geschrieben und gesagt, daß ich das hier nicht wiederholen möchte. Lesen Sie mein Buch „Nationale Interessen“ in der letzten, erweiterten Ausgabe mit dem langen neuen Vorwort. Kurz: Deutschland braucht beides, die Fähigkeit der Verteidigung und Abschreckung ebenso wie die Kraft zur Verständigung mit Rußland, unserem großen und offenbar auch gefährlichen Nachbarn.

Sehen Sie weitere Felder, auf denen heute aus Ihrer Sicht der Widerstand gegen Hitler falsch ge- oder gar mißbraucht wird?
Dohnanyi: Nein, das tue ich nicht.

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Dr. Klaus von Dohnanyi
Der Sozialdemokrat war von 1981 bis 1988 Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg sowie von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung und Wissenschaft unter Helmut Schmidt. 1957 trat der Jurist der SPD bei, für die er von 1969 bis 1981 im Deutschen Bundestag saß und deren Landesvorsitzender in Rheinland-Pfalz er von 1979 bis 1981 war. Geboren wurde der Sproß einer ursprünglich ungarischen Adelsfamilie 1928 in Hamburg. Der Komponist Ernst von Dohnányi ist sein Großvater, der Dirigent Christoph von Dohnányi sein Bruder und der Schauspieler Justus von Dohnányi sein Sohn. 2022 erschien sein vielbeachtetes Buch „Nationale Interessen. Orientierung für deutsche und europäische Politik in Zeiten globaler Umbrüche“.

Hans von Dohnanyi
Der Vater Klaus von Dohnanyis, geboren 1902 in Wien, war persönlicher Referent des NS-Reichsjustizministers Franz Gürtner. Er rettete Juden und beteiligte sich an mehreren Verschwörungen gegen Hitler, bevor er 1943 verhaftet und am 9. April 1945 im KZ Sachsenhausen erhängt wurde.

Dietrich Bonhoeffer
Der Onkel Klaus von Dohnanyis, geboren 1906 in Breslau, war evangelischer Theologe. Als Mitglied der Bekennenden Kirche trat er offen gegen den Nationalsozialismus auf, bevor er dem Widerstand als Verbindungsmann diente. 1943 verhaftet, wurde er am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg erhängt.

Klaus Bonhoeffer
Der Onkel Klaus von Dohnanyis, geboren 1901 in Breslau, war Syndikus der Lufthansa. Der promovierte Rechtsanwalt fungierte als Netzwerker zwischen verschiedenen Widerstandsgruppen, bevor er 1944 verhaftet und beim Einmarsch der Russen am 23. April 1945 in Berlin von der SS erschossen wurde.

Rüdiger Schleicher
Der angeheiratete Onkel Klaus von Dohnanyis, geboren 1885 in Stuttgart, war NSDAP-Mitglied und ein wichtiger Luftrechtsjurist. Nach dem Attentat vom 20. Juli sollte er die Luftfahrt reorganisieren. 1944 verhaftet, wurde er mit Klaus Bonhoeffer am 23. April 1945 in Berlin von der SS erschossen.

… Alles vom 18.7.2025 von Moritz Schwarz mit Klaus von Dohnanyi bitte lesen in der JF 30/25, Seite 3
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(3) 20. Juli 1944: Sie haben Maßstäbe gesetzt
Die Ehrung der Gefallenen des 20. Juli war immer nur eine Sache weniger. Zwar gehörte die Berufung auf den Widerstand zum offiziellen Selbstverständnis beider deutscher Staaten, fand aber kaum breitere Resonanz. In der Bevölkerung der Bundesrepublik gab es Vorbehalte gegen die „Verräter“ oder gleich gegen den „Feigling“ Stauffenberg, in der Bevölkerung der DDR eine wohlbegründete Skepsis gegen alles, was mit der „antifaschistischen“ Doktrin zu tun hatte.
Dabei blieb es im Osten bis zum Schluß, während im Westen die linke Kulturrevolution der 1960er Jahre einerseits zur Anerkennung des Widerstandes, andererseits zur Verkehrung der Maßstäbe führte. Bewunderung galt nicht den Männern des 20. Juli, die den „entscheidenden Wurf“ (Henning von Tresckow) gewagt hatten, sondern obskuren Gruppen wie den „Edelweißpiraten“ oder dem kommunistischen Untergrund, samt den Landesverrätern der „Roten Kapelle“. Begründet wurde das mit der „reaktionären“ – nationalen, christlichen, konservativen – Weltanschauung der Verschwörer. Tyrannenmord und Staatsstreich ließen aus Sicht der Progressiven keine wünschenswerte, weil „fortschrittliche“, Konsequenz erwarten, wäre doch nur „ein schwarz-weiß-roter Ständestaat entstanden; gewissermaßen das Dritte Reich minus Hitler, Rassenwahn und KZ“ (Initiative Leutnante 70).

Nur eine Spielart der ewigen deutschen Gefahr
Allerdings wagte man in der Regel nicht, die persönliche Integrität von Männern wie Claus von Stauffenberg oder Henning von Tresckow in Frage zu stellen https://jungefreiheit.de/debatte/streiflicht/2019/patriotische-vorbilder1/ . Eine Schranke, die erst in der Berliner Republik fiel. Parallel zur Denunziation der Wehrmacht als „marschierendes Schlachthaus“ (Hannes Heer) etablierte sich seit den 1990er Jahren die Vorstellung, daß die Männer des 20. Juli nicht nur wegen ihrer Ideen, sondern auch wegen ihrer Beteiligung an Verbrechen des NS-Regimes als Vorbilder ungeeignet seien. Insbesondere Tresckow traf der Verdacht, er sei in Massentötungen an der Ostfront verstrickt gewesen, habe jedenfalls spät – zu spät – etwas gegen das System unternommen, was sein und das Vorgehen der Mitverschwörer moralisch entwerte.

Das Hauptziel dieser Argumentation war kein geschichtswissenschaftliches, sondern ein geschichtspolitisches: Es sollte die Vorstellung diskreditiert werden, daß es ein „anderes“, „geheimes Deutschland“ gab, das jenseits und trotz des totalitären Systems bestand. Eine Auffassung, die nicht von jener radikalisierten Form der „Vergangenheitsbewältigung“ zu trennen ist, die sich je länger je entschlossener zeigt, alles, was vor der „Befreiung“ von 1945 war, zu verdammen und keinen Deutschen aus der „Kollektivschuld“ zu entlassen.
Faktisch wird so auch der Haltung der Alliierten gegenüber den Männern des 20. Juli 1944 nachträglich recht gegeben. Denn für Roosevelt war die Erhebung „bedeutungslos“, für Churchill eine „dog-eats-dog-affair“. Es gehe, so ihre Annahme, um einen Konflikt innerhalb der deutschen Führung, von der ein Teil glaube, sich in vorletzter Stunde aus der Affäre ziehen zu können, indem er alle Verantwortung auf Hitler abwälze und den aus dem Weg räume.
Da man den Nationalsozialismus aber nur als Spielart der ewigen deutschen Gefahr zu betrachten habe, sei mit dessen Verschwinden das eigentliche Problem nicht gelöst. Das Scheitern des Attentats betrachtete man folglich als Plus für die Alliierten. In der Ausgabe der New York Herald Tribune vom 2. August 1944 hieß es dementsprechend: „Wenn der Hitlerismus sein letztes Gefecht einläutet, indem er die militaristische Tradition zerstört, dann nimmt er den Alliierten einen großen Teil ihrer Arbeit ab.“

Eine führende Repräsentantin der Politischen Klasse – die Liberale Hildegard Hamm-Brücher – fand den traurigen Mut, das Scheitern des 20. Juli zum „Glücksfall“ und die Niederlage zur „geschichtlichen Notwendigkeit“ zu erklären, auf daß die Deutschen ihre „Lektion“ in Sachen Demokratie lernten. Die Beurteilung der Verschwörer des 20. Juli folgt seither vielfach dieser Linie. Aber man darf die Bedeutung gegenläufiger Tendenzen nicht unterschätzen. Das gilt etwa für die Wirkung der filmischen Verarbeitung des Geschehens in Jo Baiers „Stauffenberg“ (2004) mit Sebastian Koch in der Titelrolle wie in Bryan Singers „Valkyrie“ (2008) mit Tom Cruise.
Gegen die Art der Dramatisierung und die eine oder andere historische Ungenauigkeit mag es Einwände geben, aber man sollte nicht unterschätzen, in welchem Maß die Streifen gerade in der jungen Generation zum Respekt und sogar zur Bewunderung Stauffenbergs und seines Kreises beigetragen haben. Eine Korrektur anderer Art erfuhr in jüngster Zeit das Bild Tresckows durch die bei Duncker & Humblot erschienene Biographie des Historikers Silvio Kobel.

Allerdings bleibt trotz dieser erfreulichen Ansätze festzuhalten, wie weit wir immer noch von jenem Punkt entfernt sind, der eigentlich erreicht werden müßte: der Anerkennung der Männer des 20. Juli als Helden. Die Bedeutung des Begriffs „Held“ ist in einer Welt, in der es von „Liefer-“ und „Alltagshelden“ wimmelt, fast vergessen. Aber er steht eigentlich für den Ausnahmemenschen. Den, der sich zu überwinden vermag. Den, der so handelt, wie es die vielen nicht wollen oder können. Der Held ist dadurch Vorbild, daß er Maßstäbe setzt. Mit den Worten des Eides der Verschwörer: Er verwirft durch seine Tat die „Gleichheitslüge“ und setzt die „naturgegebenen Ränge“ wieder in Geltung.
… Alles vom 20.7.2021 von Karlheinz Weißmann bitte lesen auf
https://jungefreiheit.de/kultur/2021/sie-haben-massstaebe-gesetzt/
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(4) Widerstand 81 Jahre nach dem 20. Juli: Ein Mahnruf gegen die Unterdrückung der Opposition
Am 81. Jahrestag des Attentats auf Hitler wird die Frage laut: Haben Medien und Politik aus der Geschichte gelernt? Ein Plädoyer für Mut, Widerstand und die Verteidigung demokratischer Werte gegen moderne Unterdrückung.

Heute jährt sich der 20. Juli und das Attentat auf Hitler zum 81. Mal. Dieses Datum sollte man der Regierung und den Vertretern der Vorgängerregierungen jedes Jahr wie einen feuchten Lappen um die Ohren schlagen. Ebenso den regierungsnahen Medien und ihren Vertretern von Georg Restle bis Louis Klamroth, die aus der Geschichte nichts gelernt haben und wieder auf der Seite der Herrschenden stehen.
Klamroths Dilemma ist das noch viel größere, denn er trägt den großen Namen zweier Widerstandskämpfer, die wegen des versuchten Attentats auf Hitler ermordet und in Plötzensee am Fleischerhaken aufgehängt wurden. Heute steht der Moderator von „Hart aber fair“ für gleich ein ganzes Bündel an Diffamierungs- und Verfolgungskampagnen gegen Regierungskritiker.

Klamroths Sendung (schon unter Vorgänger Plasberg) ist einer der Haupteinpeitscher einer antidemokratischen Entwicklung geworden, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, jegliche Opposition gegen die Herrschenden zu diskreditieren und ihre Vertreter unisono zu „Nazis“ zu erklären.
Wie sehr muss man sich von der Möglichkeit jeder kritischen Reflexion entfernt und abgeschnitten haben, wenn man nicht mehr in der Lage ist, etwa ein System von Meldestellen Meldestellen https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/gruene-vetternwirtschaft-bundesnetzagentur-schuetzt-hateaid-mit-dreister-nicht-antwort als Nachfolger jener Blockwartsytem-Einrichtungen zu erkennen, die nach 1933 die düsterste Zeit der deutschen Geschichte mit eingeleitet und ermöglicht hatten?
Nein, auch für die vielen Restles und Klamroths kann Unwissenheit nicht als Entschuldigung herhalten. Hier haben ausgerechnet jene Kontrollmechanismen versagt, die diese Leute daran erinnern sollten, was ihre eigentliche Aufgabe als Vertreter der vierten Gewalt ist.
… Alles vom 20.7.2025 bitte lesen auf
https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/widerstand-81-jahre-nach-dem-20-juli-ein-mahnruf-gegen-die-unterdrueckung-der-opposition

 

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