Wald-Wasserspeicher

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Windrad – Storch – Acker – Landwirt 29.4.2026 bei Freiburg

 

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  • Freiburger Forstwissenschaftler plädiert dafür, alles zu tun, um Regenwasser im Wald zu halten (25.8.2026)
  • Adrian Kempf: Wald – Waldwege – Wasserspeicher – Dürre – Windkraft – Genehmigung (25.8.2026)

 

Freiburger Forstwissenschaftler plädiert dafür, alles zu tun, um Regenwasser im Wald zu halten
Auch die Wälder in Süddeutschland sind in diesem Sommer von der großen Dürre betroffen. Ein Gespräch mit Ulrich Schraml, Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
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BZ: Herr Schraml, wie dramatisch ist die Situation der Wälder?
Für uns galt schon der trockene Sommer 2018 als Ausreißer, doch der Sommer 2026 ist noch extremer. Dieses Jahr sind wir im Juni schon mit Hitzerekorden und einer Dürre gestartet, die sich immer weiter zuspitzt. Jetzt werfen einige Laubbäume bereits ihre Blätter ab – die Wälder leiden erheblich.
BZ: Sind die Bäume damit dauerhaft geschädigt, oder werden sie sich regenerieren können?
Das werden wir erst im kommenden Frühjahr wissen. Die Laubbäume versuchen sich zu schützen, indem sie ihre Blätter abwerfen, weil sie auf diese Weise ihre Verdunstung reduzieren. Deswegen sind auch nicht alle Bäume, deren Blätter jetzt braun werden, verloren. Ob ein Baum überlebt, hängt vor allem auch von anderen Organismen ab. Zumeist sterben die Bäume ja nicht unmittelbar aufgrund des Wassermangels, sondern, weil der Trockenstress ihre Abwehr schwächt. Dann haben Borkenkäfer, die durchaus auch die Buche angreifen können, oder Pilze – wie die Weißfäule – leichtes Spiel. Es ist immer eine Kette von Ereignissen, die einem Baum zum Verhängnis wird. Von daher ist derzeit schwer zu prognostizieren, welche Schäden in den Wäldern mittelfristig entstehen.

BZ: Haben wenigstens die jüngsten Regenfälle etwas Entspannung gebracht?
Natürlich ist jeder Regen willkommen, vor allem da, wo die Böden flachgründig und jetzt völlig ausgetrocknet sind. Geringe Niederschlagsmengen feuchten zumindest die Humusauflage oder auch den Oberboden an und helfen so wenigstens der Bodenvegetation und der Naturverjüngung. Bis von dem aktuellen Regen aber auch etwas im Wurzelraum ankommt, wären längere Landregen mit 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter nötig. Um die Böden wieder aufzufüllen, fehlen uns etwa 120 Liter. Die Bäume, die schon jetzt keine Blätter mehr haben, profitieren davon aber leider nicht mehr.
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BZ: Hat dieser Sommer der Forstwirtschaft neue Erkenntnisse gebracht, oder allein die Bestätigung geliefert, dass der Wald trocken- und hitzeresistenter werden muss?
Grundsätzlich wissen wir, in welche Richtung der Wald sich verändern muss, entsprechend läuft der Umbau seit Jahrzehnten. Wir kennen die Eignung verschiedener Baumarten bei Hitze und Trockenheit heute recht gut. Die Fichte leidet oft zuerst, aber auch hochgewachsene Tannen schaffen es bei Dürre nicht mehr, genug Wasser bis an ihre Spitze zu bringen. Unter den Nadelbäumen hat die Schwarzkiefer als Art mit südeuropäischer Herkunft eine gute Prognose. Bei der Buche haben wir gelernt, dass sie mit der Trockenheit doch mehr Probleme hat, als lange angenommen. Sie ist an regenreiche Sommer angepasst und verliert viel Wasser über ihre Blätter. Die Eiche ist da effizienter. Bei Buchen kann es dann passieren, dass bei Trockenheit der Wasserfaden in einem Trieb abreißt. Wenn dann Luft in die Leitbahnen kommt, ist das wie eine Embolie. Der Baum stirbt dann von oben nach unten ab.

BZ: Aber irgendwelche Schlüsse werden Sie aus diesem Sommer ziehen?
Die wichtigsten Antworten auf diesen Sommer liegen zunächst abseits der Forstwirtschaft. Wir müssen an erster Stelle den Klimaschutz verbessern. Auch andere Fragen, die sich stellen, betreffen die Gesellschaft in ihrer Breite; zum Beispiel, wie gut wir aufgestellt sind, um Waldbrände zu vermeiden. Dieser Sommer zeigt uns, dass die Bedrohung durch Waldbrände auch bei uns zunimmt.

BZ: Die Zusammensetzung der Baumarten in den Wäldern muss man nach diesem Extremsommer also nicht neu bewerten ?
Die Suche nach dem vermeintlichen „Superbaum“ sollten wir nicht in den Mittelpunkt stellen – zumal neun von zehn jungen Bäumen in den Wäldern aus Naturverjüngung kommen, also gar nicht gepflanzt werden. Idealerweise unterstützt der Forstbetrieb dann den Aufwuchs der Mischbaumarten, die vielleicht in der Jugend wenig konkurrenzkräftig sind, aber eine gute Zukunftsprognose haben. Während die öffentliche Debatte sich oft sehr um die Baumarten dreht, geht zugleich unter, dass es noch ganz andere Aspekte gibt, die die Resilienz der Wälder unterstützen. Die Art des Wegebaus im Forstbetrieb ist zum Beispiel ein wichtiger Faktor. Die Anlage der Infrastruktur entscheidet nämlich darüber, ob Wasser schnell in die Bäche abfließt, oder aber dem Waldboden zugeführt wird. Da der Waldboden nur zu wenigen Zeiten mit Wasser gesättigt ist, sollten wir alles tun, um möglichst viel Regenwasser im Wald zu halten. Da können Versickerungsgruben oder kleine Tümpel helfen. Ähnliches gilt für Stadtbäume: Wir brauchen mehr Flächen, auf denen Regenwasser versickern kann. Die gute Durchfeuchtung der Böden ist das Beste, was wir den Bäumen bieten können.
… Alles vom 25. August 2026 von Bernward Janzing bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/freiburger-forstwissenschaftler-plaediert-dafuer-alles-zu-tun-um-regenwasser-im-wald-zu-halten
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Ulrich Schraml ist habilitierter Forstwissenschaftler und seit 2019 Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg in Freiburg. Er lebt mit seiner Familie und zwei Jagdhunden in Sexau.
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Adrian Kempf: Wald – Waldwege – Wasserspeicher – Dürre – Windkraft – Genehmigung
Diesen Leserbrief versende ich offen, weil die darin gestellte Frage über die Zeitung hinausreicht. Sie betrifft alle, die derzeit über Windenergiestandorte im Schwarzwald entscheiden oder von ihnen betroffen sind.
Zunächst ein Dank: Ihr Interview mit Ulrich Schraml, dem Direktor der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, ist ein gründlicher Beitrag, und er enthält einen Satz, der in der Debatte über Wald und Trockenheit sonst nicht vorkommt. Schraml sagt dort:
„Die Art des Wegebaus im Forstbetrieb ist zum Beispiel ein wichtiger Faktor. Die Anlage der Infrastruktur entscheidet nämlich darüber, ob Wasser schnell in die Bäche abfließt, oder aber dem Waldboden zugeführt wird. Da der Waldboden nur zu wenigen Zeiten mit Wasser gesättigt ist, sollten wir alles tun, um möglichst viel Regenwasser im Wald zu halten.“
Bevor jemand versucht, diesen Satz einzuordnen: Ulrich Schraml ist kein Windkraftgegner. Im selben Interview stellt er ausdrücklich fest, man müsse an erster Stelle den Klimaschutz verbessern. Er beziffert das Wasserdefizit der Böden mit rund 120 Litern pro Quadratmeter, und er warnt, die Bedrohung durch Waldbrände nehme auch bei uns zu. Das ist der Leiter der Landesanstalt, die den Wald in Baden-Württemberg wissenschaftlich begleitet.
Zwanzig Kilometer östlich Ihrer Redaktion geschieht derzeit das Gegenteil dessen, was er empfiehlt.
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Brombeerkopf – Rodung für Windkraftanlage am 26.7.2026 – Bild: Adrian KempfAuf dem Brombeerkopf bei Stegen entsteht seit dem Frühjahr die Zuwegung für zwei Windenergieanlagen. Ich war Ende Juli oben und habe dokumentiert, was dort gebaut wird: eine 1,2 Kilometer lange Trasse mit stellenweise bis zu 35 Prozent Steigung — fast das Doppelte dessen, was forstliche Richtwerte im Ausnahmefall zulassen. Verdichtet, geschottert, in Schwerlastbreite, dauerhaft. Über einen Hektar bisher unberührter Waldboden ist beseitigt. Die Wurzelstöcke wurden nicht wie bei forstlicher Holzernte im Boden belassen, sondern mitsamt dem Wurzelwerk aus dem Hang gerissen und am Trassenrand aufgetürmt. Der Humus ist abgeschoben, darunter liegt blanker Hangschutt.
Das ist forstlich bedeutsamer, als es aussieht. Die Forstwirtschaft kennt den Begriff der Stockachselpflanzung: Nach einer Endnutzung wird die Jungpflanze bewusst unmittelbar neben den verbliebenen Stubben gesetzt, weil die verrottenden Wurzeln des Vorbestandes über Jahre ein Röhrensystem hinterlassen, das den Boden bis in tiefe Horizonte erschließt und Niederschlagswasser dorthin leitet, wo es gespeichert wird. Eine Stockrodung vernichtet genau diese Funktion. Zurück bleibt verdichtetes Mineralmaterial ohne Röhrensystem, ohne Humus, ohne Infiltrationsleistung — und darunter, im Hang, liegen die Quellfassungen zweier Höfe, die nicht ans öffentliche Netz angeschlossen sind.
Die Genehmigung vom 29. Oktober 2024 hält dazu ausdrücklich fest: „Eine Beeinträchtigung der Wasserversorgung Hintereschbach 26 muss unterbleiben.“
Besonders bemerkenswert ist die Rolle der FVA selbst.
Dieselbe Anstalt, deren Direktor in Ihrem Interview über Regenwasserrückhalt spricht, betreibt unter dem Titel „Wasserspeicher Wald“ eigene Forschung zu genau dieser Funktion. Und dieselbe Anstalt hat in ihrer Planungsgrundlage „Windenergie und Auerhuhn“ vom August 2023 den Brombeerkopf als Bereich mit Ausschlussempfehlung eingestuft — sehr hoher Raumwiderstand im Populationsverbund. Der Regionalverband Südlicher Oberrhein hat den Standort daraufhin aus seiner aktuellen Suchraumkulisse genommen.
Die Genehmigungsbehörde wusste das. Sie hält es im Bescheid sogar ausdrücklich fest. Genehmigt wurde dennoch, mit der Begründung, der Antrag sei noch auf Basis des älteren, formal fortgeltenden Vorranggebiets gestellt worden. Hinzu kommt: Die untere Naturschutzbehörde des Landratsamts hatte das Vorhaben sieben Wochen zuvor schriftlich für nicht genehmigungsfähig erklärt, der Fachbereich Bodenschutz massive Bedenken erhoben und die eingereichten Unterlagen für mangelhaft befunden, der Gemeinderat Stegen zweimal das Einvernehmen verweigert.

Zum Waldbrandrisiko, das Schraml anspricht: Am Brombeerkopf ist eine Löschwasserversorgung nicht vorgesehen. Die Genehmigung antwortet auf die Nachfrage der Gemeinde, das Risiko sei „insgesamt als niedrig einzustufen“, Brände würden „einsatztaktisch defensiv bekämpft“, schwere Feuerwehrfahrzeuge dienten nur als „Depot“ am Taleingang. Auf 879 Metern Höhe, neben einem Bannwald mit überdurchschnittlichem Totholzanteil, erreichbar über die genannte Zufahrt.

Und damit zu meiner eigentlichen Bitte an Ihre Redaktion.
Ich habe an anderer Stelle geschrieben, die lokale Presse berichte nicht über die Mängel dieses Genehmigungsverfahrens. Ihr Interview zwingt mich zu einer Präzisierung, und ich nehme sie gerne vor: Die Badische Zeitung berichtet über die Dürre, gründlich und mit dem richtigen Fachmann. Das Problem ist nicht fehlende Berichterstattung. Das Problem ist, dass die Verbindung nicht hergestellt wird. Die Dürre steht im Wirtschaftsteil, die Windparkgenehmigung im Lokalteil, und zwischen beiden verläuft eine Ressortgrenze, die offenbar undurchlässiger ist als jede Ausschlussempfehlung.
Diese Verbindung herzustellen wäre eine originär journalistische Aufgabe — und sie ist dringlich, weil die Entscheidungen jetzt fallen. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald laufen 13 weitere Genehmigungsverfahren für 43 Windenergieanlagen. In Freiburg wird derzeit über Vorranggebiete am Prangenkopf und am Ochsenberg entschieden, in der Fortschreibung der regionalen Suchraumkulisse und in der Änderung des Teilflächennutzungsplans. Dort, und nicht erst im späteren Genehmigungsverfahren, fällt die Vorentscheidung. Der Brombeerkopf zeigt, was danach passiert: Eine einmal erfolgte Ausweisung überdauert neue fachliche Erkenntnisse — sogar die der eigenen Landesanstalt.

Sämtliche hier zitierten Unterlagen habe ich über Akteneinsicht nach § 29 VwVfG beim Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald angefordert und vollständig erhalten. Sie sind dort für jedermann einsehbar, auch für Redaktionen. Ich stelle meine Auswertung jederzeit zur Verfügung.

Die ausführliche Fassung dieses Leserbriefs mit allen Fundstellen und der Fotodokumentation der Bauarbeiten vom 26. Juli 2026 finden Sie hier:
https://adrian-kempf.de/der-direktor-und-der-bagger/

Ulrich Schraml hat recht: Wir sollten alles tun, um möglichst viel Regenwasser im Wald zu halten. Es wäre schön, wenn jemand auf ihn hörte — und wenn Ihre Zeitung die Frage stellte, warum niemand es tut.
25.8.2026, Mit freundlichen Grüßen Adrian Kempf

Adrian Kempf, Naturschützer und freier Publizist für Natur-, Umwelt-, Gesellschafts- und Politikthemen
© Adrian Kempf, Kirchzarten im Dreisamtal
https://adrian-kempf.de
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