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- Bayern: 275 Schulklassen ohne deutschen Muttersprachler (22.11.2025)
- Deutschunterricht: Warnsignale in der Bildungskrise (31.1.2025)
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Bayern: 275 Schulklassen ohne deutschen Muttersprachler
„Alarmzahlen aus Bayern: 275 Schulklassen ohne deutschen Muttersprachler – und 1.209 Klassen mit 100 Prozent Migrationsanteil“
Deshalb gilt Nius.de, das Medium, dem wir diese Meldung entnehmen, als beinahe ebenso rechtsextrem wie der Landtagsabgeordnete, der die Anfrage stellte. Korrekt überschrieben und verfassungsschutzadäquat verpackt, muss die Headline nämlich lauten: „Bayerische Schulklassen bunt wie nie!” …
„Insgesamt 10.555 Regelklassen an allgemeinbildenden Schulen in Bayern bestehen inzwischen mehrheitlich aus Kindern, die zu Hause nicht Deutsch sprechen. In diesen Klassen liegt der Anteil nichtdeutscher Muttersprachler also bei über 50 Prozent.”
…
Der Telegraph https://www.telegraph.co.uk/world-news/2025/11/18/majority-of-young-french-muslims-sharia-above-national-laws/ teilt mit, was dergleichen Erhebungen mit einer gewissen Regelmäßigkeit ergeben, die daraufhin stirnrunzelnd präsentiert, multimedial beschwiegen und in Schubladen gelegt werden.
„Majority of young French Muslims put sharia above national laws“
Einer neuen Studie zufolge stellt die Mehrheit der jungen französischen Muslime die Scharia über die Gesetze der Republik. Die Umfrage, die für das Magazin Écran de veille durchgeführt wurde, ergab außerdem, dass mehr als ein Drittel mit der islamistischen Ideologie sympathisiert. Rund 57 Prozent der Muslime im Alter von 15 bis 24 Jahren seien der Ansicht, dass islamisches Recht in Bereichen wie ritueller Schlachtung von Tieren, Ehe und Erbschaft Vorrang vor französischem Recht haben sollte. Vor drei Jahrzehnten seien lediglich 36 Prozent der französischen Muslime im Alter von 18 bis 24 Jahren der Meinung gewesen, die Scharia solle Vorrang vor dem weltlichen Recht haben.
…
„Der Historiker François Kraus, Autor der Studie, deutete die Ergebnisse als Hinweis auf einen Prozess der ‚Re-Islamisierung’, der von jüngeren Generationen vorangetrieben werde”, schreibt der Telegraph. „Er sagte: ‚Diese Umfrage zeichnet sehr deutlich das Bild einer muslimischen Bevölkerung, die sich zunehmend an strengen religiösen Normen orientiert und von einem islamistischen politischen Projekt angezogen wird.’“ Der Fundamentalismus habe die Köpfe von mehr als einem Drittel der Muslime erobert. Rund 38 Prozent der Befragten befürworteten im Jahr 2025 ganz oder teilweise islamistische Positionen – doppelt so viele wie im Jahr 1998.
… Alles vom 22.11.2025 von Michael Klonovsky bitte lesen auf
https://www.klonovsky.de/2025/11/22-november-2025/
Deutschunterricht: Warnsignale in der Bildungskrise
Erziehung zur Demokratie: Der Deutschunterricht war immer auch politisch, scheint aber angesichts rasant abnehmender Lesefähigkeit seine volkspädagogischen Ziele nun zu verfehlen
Oliver Busch
Der Grundschulabgänger kann im allgemeinen hinlänglich lesen“, stellte der Pädagoge und Literaturwissenschaftler Hermann Helmers in seinem Standardwerk „Didaktik der deutschen Sprache“ über die „Einführung in die muttersprachliche und literarische Bildung“ (1997) zufrieden fest. Da schwang auch Stolz auf den Anteil mit, den er seinem Fach, der Deutsch-Didaktik, an diesem Erfolg zuschrieb. Nur vier Jahre später reißt der „PISA-Schock“ Helmers, seine Kollegen sowie alle, die in der noch jungen Berliner Republik bildungspolitische Verantwortung tragen, brutal aus dieser Illusion, in der besten aller schulischen Welten zu leben. Dokumentierte die 2001 publizierte erste PISA-Studie doch, daß deutsche 15jährige im internationalen Vergleich der Leseleistungen ein blamabel unterdurchschnittliches Ergebnis erzielten.
Trotz zahlreicher Initiativen und Programme der Kultusministerkonferenz der Länder, die darauf abzielten, die Anzahl jener Schüler deutlich zu reduzieren, deren Lesefähigkeit mangelhaft ist, haben sich die Zustände in den letzten zwei Jahrzehnten nicht wesentlich verbessert, sondern eher kontinuierlich verschlechtert. Das bestätigen auch neueste Hiobsbotschaften von der Bildungsfront. Es begann mit einer im letzten Sommer veröffentlichten Vergleichsstudie über die Leistungen Berliner Dritt- und Achtkläßler in Deutsch und Mathematik. Demnach erfüllten 46 Prozent der getesteten Grundschüler der dritten Klassen Mindestanforderungen beim Lesen nicht. In der achten Klasse Integrierter Gesamtschulen sah es noch düsterer aus: 62 Prozent scheiterten daran, einen einfachen Text zu lesen und zu verstehen. In der Mathematik, die nur mit Lesefähigkeit zu bewältigen ist, lag die Versagerquote sogar bei 74 Prozent. Und selbst an Berliner Gymnasien waren 12 beziehungsweise 21 Prozent der Schüler überfordert damit, Standardansprüchen im Lesen und Rechnen zu genügen.
Welche Konsequenzen diese früh auftretenden und bis zum Schulabschluß in der Regel nicht zu behebenden Defizite zeitigen, offenbarte eine kurz vor Weihnachten 2024 präsentierte OECD-Studie, die im internationalen Kontext auch die Lesekompetenz von 4.800 erwachsenen Deutschen zwischen 16 und 65 Jahren prüfte. Es kam zwar nicht so schlimm, wie nach den vielen für den Nachwuchs im einstigen Land der Dichter und Denker so desaströs ausgefallenen Schulleistungsstudien seit PISA 1 zu befürchten war. Aber das „hohe mittlere Niveau“ erklommen die deutschen Probanden nur, weil die Leseleistungen in den übrigen 30 Teilnehmerländern seit dem letzten Test von 2012 markant gesunken waren. Zudem hoben die sehr guten Werte, die die Älteren der Jahrgänge von 1960 bis 1970 erzielten, den deutschen Durchschnitt an, während schlechtere Leseleistungen Erwachsener mit Migrationshintergrund ihn herabdrückten. Dieser Kreis stellt auch einen Teil der bestürzenden 20 Prozent, denen nur schwache Lese- und alltagsmathematische Kompetenzen sowie Problemlösungsfähigkeiten bescheinigt wurden. „Schwache Lesefähigkeit“ bedeutet, daß die Erwachsenen dieser Gruppe nicht einmal auf der geistigen Stufe von Zehnjährigen rangieren, weil sie Texten zentrale Informationen nicht entnehmen können.
Die sich jenseits von Schule und Bildung auftuende gesellschaftpolitische Dimension und Brisanz solcher trostlosen Befunde für die deutsche Kulturnation ergibt sich freilich erst im Rückblick auf die Geschichte des Deutschunterrichts nach 1945, wie sie unlängst, bis 1989 getrennt dargestellt für die Bundesrepublik und die DDR, im Fachblatt der Deutsch-Didaktiker erschienen ist (Der Deutschunterricht, 1/2024). Aus der Taufe gehoben wurde diese westdeutsche Zeitschrift 1948, noch während des Besatzungsregimes, vor dem Hintergrund der Debatten über Vergangenheitsbewältigung, bildungspolitische Lehren aus der NS-Diktatur und das im Mai 1949 verabschiedete Bonner Grundgesetz. Kein Wunder, daß in diesem Umfeld die Herausgeber den Deutschunterricht von Anfang an als „politischen Unterricht“, mithin Sprach- und Literaturvermittlung als „Erziehung zur Demokratie“ konzipierten. Sind aber 75 Jahre später ein Fünftel der bundesdeutschen Erwachsenen als konstitutionelle Analphabeten einzustufen, die am gesellschaftlichen Leben geistig nicht teilzunehmen vermögen, besteht Grund, wenn nicht vom Scheitern des überkommenen idealistischen Erziehungsprojekts und somit von der akuten Gefährdung des demokratischen Systems zu sprechen, so doch die Alarmsirenen zu hören, die ein solches Studienresultat auslösen sollte.
Wie alle Beiträge im Deutschunterricht dokumentieren, war diese Entwicklung 1949 keineswegs abzusehen. Im Gegenteil: Die Lehrpläne für den Deutschunterricht der politisch so unterschiedlichen Staaten wurzeln in einem gemeinsamen Menschenbild. In der sowjetischen Besatzungszone, der späteren DDR, richtete ein schon im Juli 1946 fixierter Deutschlehrplan das Unterrichtsziel für die achtjährige Grund- und vierjährige Oberschule zwar plakativ auf die „antifaschistisch-demokratischen Grundwerte“ aus. Man hielt aber, genau wie die Pädagogen und Bildungspolitiker in den westlichen Besatzungszonen, die es religiös, „christlich-abendländisch“ akzentuierten, am Humboldtschen Ideal „allseitiger“ Persönlichkeitsbildung fest, wenn auch die „allseitig entwickelte sozialistische Persönlichkeit“ mit gefestigten marxistisch-leninistischen Grundüberzeugungen gemeint war. Was für die Praxis des Deutschunterrichts hieß, Schüler nicht nur zur selbständigen Texterschließung und zu vertiefter Sinnerfassung anzuleiten, sondern auch zu „parteiischer Interpretation“.
Die Hauptfunktion des sozialistischen Literaturunterrichts bestand darin, die Schüler mit Werken der „humanistischen Literatur“ aus allen Epochen vertraut zu machen, um ihre literarische Allgemeinbildung und damit ihre Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Besonderer Wert kam dafür dem „klassischen Erbe“ der Goethe-Zeit zu, jenen für mustergültig erachteten, dem Humanitätsideal verpflichteten literarischen Werken, die vom „Kampf der Menschen gegen soziale Unterdrückung und für ein menschenwürdiges Leben erzählen“. Für den Unterricht dienten sie als Ausgangspunkt, um das Sprachkunstwerk in den Zusammenhang mit seinen historisch-ökonomischen Entstehungsbedingungen, im Rahmen seiner „Gebundenheit an antagonistische Klassengegensätze“ zu thematisieren und so Klassikerlektüre mit marxistischer Weltsicht zu verbinden.
Hingegen glaubten Deutschdidaktiker im Westen zunächst, inspiriert von dem einflußreichen Schweizer Germanisten Emil Staiger und seiner als Reaktion auf ideologische Vereinnahmungsexzesse zwischen 1933 und 1945 entworfenen Theorie „werkimmanenter Interpretation“, Dichtung als Medium zur Vermittlung vermeintlich zeitloser, „unpolitischer“ Werte und ewiger Wahrheiten anbieten zu können. Dementsprechend spiegelten der schulische Lektürekanon und das „Deutsche Lesebuch“ der 1950er Jahre noch agrarische, religiös geprägte Lebenswelten des 19. Jahrhunderts und nicht die Realität der pluralistischen bundesdeutschen Industriegesellschaft wider. Das änderte sich erst in den frühen Sechzigern, als sich der Deutschunterricht für bis dahin Marginalisierte, von Büchner bis Brecht, für Gebrauchstexte, Sachprosa, Comics und Jugendliteratur öffnete. Nun setzten sich jene „Reformer“ bildungspolitisch durch, die wie das linke, 1969 von Deutschlehrern gegründete „Bremer Kollektiv“ oder die Autoren der berühmt-berüchtigten „Hessischen Rahmenrichtlinien“ (1972), die „emanzipatorische Funktion“ des Deutschunterrichts und die „Erziehung zur Mündigkeit“ (Adorno) propagierten, um das „kapitalistische System“ vom Klassenzimmer und vom Hörsaal aus zu stürzen.
Ungeachtet dessen, ungeachtet auch der ideologisch-kollektivistischen Verhärtung der Schulpolitik der DDR seit Übernahme des Ministeriums für Volksbildung durch Margot Honecker (1963), orientierte sich der Deutschunterricht in beiden deutschen Staaten im Kern weiterhin am Ideal der selbstbestimmten, umfassend gebildeten Persönlichkeit. Hier, in der bürgerlich- kapitalistischen Demokratie des Westens, am vielbeschworenen „Menschenbild des Grundgesetzes“, dort, in der „Volksdemokratie“ der SED, ausgerichtet auf den „wahrhaft menschlichen Menschen“, der dereinst in der klassenlosen Gesellschaft „seine allseitig entwickelten Anlagen allseitig bestätigen“ werde (Friedrich Engels).
Das blieb erwartungsgemäß Utopie. Aber immerhin, ausweislich der „Aufsatzstudie Ost“ von 1996 garantierte der „ganzheitliche“, das kulturelle Erbe in einem festen Lektürekanon überliefernde Deutschunterricht der DDR die sprachlich-literarische Leistungsfähigkeit sicherer als im Westen, wo sich schon vor dem Mauerfall Symptome einer „Verflachung von Schreiben und literarischem Lesen“ zeigten, von der nur die in der OECD-Studie von 2024 so positiv bewertete „Boomer-Generation“ gerade noch verschont blieb. Trotzdem, so leitet der Literaturdidaktiker Christian Dawidowski (Universität Osnabrück) die Beiträge des Deutschunterrichts ein, seien die Weichen für den seit PISA 1 erlebten Niedergang sprachlich-literarischer Bildung bereits gestellt gewesen. Die seit der Jahrtausendwende rasant fortschreitende Digitalisierung des Lesens, die expansive „Kompetenzorientierung“ der allein auf „informatorisches Lesen“ und dessen „Funktionalität“ abstellenden PISA-Didaktik sowie die drastische Absenkung der Bildungsstandards zwecks „Integration“ von Millionen kulturfremder Zuwanderer münden heute in Zuständen, die die Zukunft des demokratischen Gemeinwesens in Frage stellen.
Die Zeitschrift „Der Deutschunterricht“ erscheint im Friedrich-Verlag (Hannover) jährlich mit fünf Ausgaben. https://www.friedrich-verlag.de
… Alles vom 31.1.2025 bitte von Oliver Busch lesen in der JF 6/25, Seite 13
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