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Blick nach Westen ins Gamla-Tal am 29.10.2013

 

 

P.I.N.K. Freiburg
P.I.N.K.: Prostitution . Integration . Neustart . Know-how
P.I.N.K. ist ein Bundesmodellprojekt zur Ausstiegsberatung für Prostituierte.
Schwarzwaldstr. 24, 79102 Freiburg, Tel 0761-2169918, 0170-9155409
www.pink-baden.de
pink@diakonie-freiburg.de

 

 

P.I.N.K. – Ausstieg aus dem Milieu durch Freiburger Modellprojekt

Der Job ist gefährlich und für den Großteil der Frauen dazu noch wenig lukrativ. Trotzdem finden Prostituierte nur sehr schwer zurück in ein normales Leben samt beruflicher Neuorientierung. Eine vor kurzem ins Leben gerufene Beratungsstelle mit dem Namen P.I.N.K. bietet den Betroffenen nun Hilfe an.

Das Thema Prostitution sorgt in Freiburg alle paar Monate wieder für Diskussionen, wie zuletzt im Fall der Liebeswohnmobile entlang eines Fahrradwegs für Schulkinder. Fakt ist, dass die Freiburger Rotlicht-Szene in den vergangenen Jahren tendenziell größer geworden ist. Laut Kripo gibt es zirka 70 Etablissements, in denen rund 140 Prostituierte arbeiten. Laut inoffiziellen Quellen soll deren Zahl sogar gegen 200 gehen. Dazu kommt die Grauzone der Beschaffungsprostitution und des Menschenhandels. Die Beratungsstelle P.I.N.K. nimmt sich der Schicksale an, die hinter den Zahlen stecken.
Die vier Buchstaben stehen für Prostitution, Integration, Neustart und Know-how. Das Ziel des Modellprojekts – initiiert von der Bundesregierung, getragen vom Diakonischen Werk Freiburg – ist es, Frauen aus dem Millieu zum Ausstieg zurück in ein Leben in der Gesellschaft zu verhelfen. Dies geschieht vor allem durch einen neuen Job, weshalb auf diesem Feld eng mit der Freiburger ARGE kooperiert wird.
In der Praxis stecken hinter dieser Arbeit extrem schwierige und langwierige Prozesse. Die Hemmschwelle, sich nach außen hin zu öffnen, ist extrem groß. „Viele der Frauen haben eine multiple Problemlage“, berichtet Beraterin Simone Heneka. „Es geht nicht nur einfach um einen Ausstieg. Da wird jedes Mal ein sehr individuelles Gesamtpaket geschnürt. Reißt an irgendeiner Stelle wieder etwas ein, ist die Gefahr, zurück ins Milieu zu kehren, sehr groß“, weiß sie.
Die Realität mit der die Diplomsozialarbeiterin zu tun hat, ist eine bittere: Viele Frauen befinden sich in einer finanziellen Notlage, private Schulden sind einer der Gründe, warum verzweifelte Frauen diesen Weg wählen. Sind sie dann erstmal dort angelangt, fühlen sie sich oft einsam und gesellschaftlich isoliert. Zudem gibt es auch in Freiburg Zuhälter. Generell, so Simone Heneka, gebe es die Aussage, es sei alles schlimmer geworden. Scheinbar gibt es seit einiger Zeit vermehrt Auswärtige, die den Freiburger Markt als zusätzliches lukratives Standbein entdeckt haben.
Und dann gibt es noch ein anderes Thema, das nachdenklich stimmen muss: Ungeschützter käuflicher Sex ist mittlerweile eher wieder die Regel als die Ausnahme. Was sich auch unzweideutig aus den Anzeigen herauslesen lässt: „Tabulos“, heißt das dann. Ein Freier weiß, dass dies „ohne Gummi“ bedeutet. Die Nachfrage regelt das Geschäft. „Warum fragt ein Mann das nach, in einer Zeit, in der man weiß, dass sexuell übertragbare Krankheiten kein Ammenmärchen sind?“, fragt Heneka.
Simone Heneka muss viel psychologische Aufbauarbeit leisten. Oft geht es zusätzlich auch um die Vermittlung zu weiteren Beratungsstellen, wie etwa einer Schuldnerberatung, aber auch zu einer psychotherapeutischen Behandlung. Für Simone Heneka ist klar, dass ihre Arbeit nicht damit beendet ist, wenn eine Frau wieder eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt bekommen hat. Sie will helfen, die Dinge wieder ins Lot zu bringen.
Wie groß die Chance ist, dauerhaft aus dem Milieu herauszukommen, lässt sich vom jetzigen Standpunkt aus nicht beziffern. Genau diese Frage wird das Freiburger Modellprojekt P.I.N.K. in den kommenden Jahren beantworten helfen.
Sven Meyer, 5.11.2010, www.freiburger-wochenbericht.de

Guter Artikel von Petra Kistler vom 29.11.2010:
https://www.badische-zeitung.de/liebe-familie/k-ein-beruf-wie-jeder-andere–38252469.html

 

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