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Störche im frisch geernteten Getreidefeld im Dreisamtal bei Freiburg 25.6.2023

 

Stephan Mordricker baut und optimiert seit 40 Jahren Akkordeons
Stephan Modricker greift unter die Arbeitsplatte in seinem kleinen Werkstattraum, in dem jeder Quadratzentimeter von Handwerkskunst und Leidenschaft zeugt: Feilen, Frässcheiben, Werkzeuge, Filz und Leder, Instrumententeile, Möbelbalsam. Er zieht eine einfache Holzplatte hervor, setzt das schmale Holzgehäuse mit je zwei Luftlöchern für die zwölf Stimmplatten darauf, betätigt mit den Füßen über eine Art Nähmaschinenmechanik einen Blasebalg und bringt eine Stimmzunge zum Vibrieren. Hätte er das kleine schwarze Hohner „Double Ray“-Knopf-Akkordeon, das ein Schweizer Kunde in Mexiko entdeckt hat und nun überholen lassen möchte, nicht nur für den Besucher auseinandergebaut, würde er den Ton jetzt mit dem elektrischen Stimmgerät abgleichen. Dann wäre er selbst gefragt: „Das Feintuning geht immer über das Gehör.“

Modricker ist Handzuginstrumentenmachermeister, kurz Akkordeonbauer. Vor fast 40 Jahren hat er seine Meisterprüfung abgelegt, und sein Meisterstück steht noch heute auf dem Regal seiner Schopfheimer Werkstatt. 500 bis 600 Instrumente lagert er hier und in der darüberliegenden Wohnung, nachdem die geplante Erweiterungshalle vor wenigen Jahren abbrannte. In seiner Kundenkartei führt er mehr als 100 Orchester und mehr als 2000 Namen von Einzelkunden. Modricker unterrichtet auch seit 35 Jahren, ist Betriebswirt, als Sachverständiger gefragt und an diesem drückend heißen Vormittag sei er müder als sonst, weil er an den Tagen davor musikalisch unterwegs war. Etwa beim Laurentiusfest auf dem Feldberg, „da haben wir neun Stunden lang gespielt.“

Zum Akkordeon kam Modricker über die Familie. Vater und Mutter, beide Lehrer, spielten selbst und hörten zu Hause viel Oberkrainer. „Damit wuchs ich intravenös auf“, sagt Modricker und lacht. Seine Schwester spielt natürlich auch Akkordeon und ging bei ihm selbst in Ausbildung. Der Vater hatte eine kleine Instrumentensammlung zusammengetragen, und wenn eines der Kinder etwa ein neues brauchte, zogen sie über die Dörfer, um eines zum Verkauf anzubieten. „Ich spielte als Bub in Bauernstuben und Beizen und lernte so den Schwarzwald und die unterschiedlichsten Leute kennen.“ Der Vater ermöglichte auch die Ausbildung zum Akkordeonlehrer am Hohner-Konservatorium in Trossingen und Hospitanzen in der mittelitalienischen Akkordeon-Hauptstadt Castelfidardo, wo er insgesamt gut eineinhalb Jahre bei kleinen Handwerksbetrieben lernte, was er zuhause brauchte, um seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Zunächst mit Sondergenehmigung der Handwerkskammer, die ihm auch ohne Ausbildung „meistergleiche Kenntnisse“ attestierte. Die anschließende Meisterschule in Bayern hat er dann mit Auszeichnung bestanden.

An das Zirpen der Stimmzungen und den Geruch von Bienenwachs, den das Akkordeonparadies bei Ancona verströmte, denkt Modricker noch gerne und öffnet ein Glas mit goldgelben Wachssträngen. Die Spezialmischung aus Wachs, Ölen, Harzen und Firnis riecht etwas weniger romantisch. Damit werden die Stimmplatten für Bass- und Diskanttöne in Stimmstöcken mit größter Präzision fixiert. Daran sind, oft handvernietet, die Stimmzungen aus hartem Federstahl befestigt. Je genauer und sauberer Holz und Metall hier bearbeitet sind, desto besser und sauberer spricht das Akkordeon an. Modricker greift zu einer Feile, die er mit Diamant- und Fiberglasfrässcheiben scharf hält – und nach einem Monat durch ist. Damit trägt er minimal Material an der Stimmzunge ab, weiter vorne oder weiter hinten, je nachdem, ob der Ton minimal höher oder tiefer werden muss.
Zwischen 1500 und 5000 Teile stecken in einem Akkordeon, fein aufeinander abgestimmte Mechaniken, bei denen kleine Veränderungen viel bewirken. „Man darf nicht zu sehr in dieses Gefüge eingreifen“, sagt Modricker. Das Akkordeon als hochsensibler Organismus. An einem geöffneten Akkordeon stehen viele Dutzend dünne Metallstäbe in die Höhe. Was wie das Durcheinander eines kahlen Waldes wirkt, übersetzt Druck in Musik. Hier greifen die kleinen Mitnehmerhaken, die die Bassknöpfe bewegen, öffnen so die Luftklappen und leiten den vom Balg erzeugten Luftstrom durch eine feine Ventilklappe zur Stimmzunge.
Die Grundmodelle für seine eigenen Instrumente Marke Modricker, die er 1990 etablierte und über Vertretungen von Slowenien bis Mexiko vertreibt, bezieht Modricker noch heute aus Italien. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: Optimierung, Individualisierung, Feinstimmung, Finish. Im Vorgespräch mit dem Kunden, das gern mal vier Stunden dauern kann, geht es um dessen Vorstellungen und Wünsche: Volumen, Lautstärke, Ansprache, gestalterische Details. Gut zwei Wochen ist Modricker dann beschäftigt. „Ich hatte bei großen Instrumenten im Profibereich gegenüber den großen Herstellern den Vorteil, günstiger zu sein und besser.“ Und bei kleineren? „Nur besser.“ Man mag da kurz stutzen, auch wenn man auf seiner Homepage liest, dass seine Stimmungen „in Exaktheit und Haltbarkeit Maßstäbe setzen“. Aber hieraus spricht Stolz und Wissen der Handwerkskunst. Präzision, Akribie und Erfahrung, die mit jedem Instrument und jeder Problemstellung wächst: „Ich lerne immer noch ständig Neues“, und noch immer verfeinert er Technik und Werkzeuge. So hat Modricker inzwischen 50 Sorten Filz-Lederplatten zur Dämpfung der Luftklappen.
Am Ende des Besuchs ist Zeit für ein wenig Musik. Modricker geht in den umwerfend reich bestückten Verkaufsraum und holt sein großes, silbrig-weiß perlmuttglänzendes Akkordeon aus dem Koffer. Ein Modricker, vier Chöre, elf Register. Er spielt eine typische Oberkrainerpolka an, wechselt in die tremolierende Schwebetonstimmung französischer Musette, dann zu einem Tango, und schließlich singt er „Schwarzwald, du mein Heimatland“. Eigentlich eine slowenische Melodie. Als er das Stück kürzlich auf einem Fest vor dem slowenischen Botschafter spielte, „haben die Slowenen hinter mir ihren eigenen Text mitgesungen“, sagt Modricker und wirkt noch immer berührt. „Das war ein ganz besonderer Moment.“
… Alles vom 21.8.2026 von René Zipperlen bitte lesen auf https://www.badische-zeitung.de
Akkordeon Modricker

Stephan Modricker
Feldbergstr.35, D-79650 Schopfheim
Tel 0049 7622 7488, 0151 6787 5015
akkordeonmodricker@t-online.de
https://akkordeonmodricker.jimdoweb.com/
https://www.youtube.com/watch?v=7kaLnl-1yD4&t=5s
https://www.ebay.de/usr/musikmodricker

https://www.badische-zeitung.de/musik-hat-mich-schon-immer-interessiert
https://www.badische-zeitung.de/schon-als-kind-interesse-am-akkordeon-gehabt

 

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