Theodor-Zeller

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Der Maler Theorodor Zeller aus Denzlingen bei Freiburg beim Drucken im Jahr 1974

Theodor Zeller – Maler aus Denzlingen (1900 – 1986)
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Theodor Zeller – früher in Rom und dann in Denzlingen
Ein Kunstmaler, der für seine Kunst lebte
Der Patenonkel von Ulrich Kaier
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Mein Vater Dr. Eugen Kaier, später Präsident am Oberschulamt Freiburg und Tübingen, damals Lehrer an der deutschen Schule in Mailand und Rom, war mit Theodor Zeller, seiner jüdischen Frau Eva und den Kindern Veronica und Ambrosius befreundet. Dabei waren auch der Stuttgarter Lehrer Theo Schwarz und seine ebenfalls jüdische Frau Lise, Aus der gemeinsamen Zeit in Rom ab 1938 kannten sie auch Theophil Herder-Dorneich gut. Eugen Kaier ist der Patenonkel von Veronica. Der Kunstmaler Theodor war der Patenonkel meines 1947 geborenen Bruders Dr. Ulrich Kaier, Pellet– und Contracting-Papst (Sägewerke Dold in Buchenbach).

Nach dem Krieg in den 1950er Jahren trafen wir uns oft an den Wochenenden zumeist in Denzlingen (Theodor malte meinen Bruder und mich) oder in Littenweiler. eine mühsame Reise: Mit dem Dampflock-Zug von FR-Littenweiler zum Hauptbahnhof, dann mit dem Personenzug über Zähringen und Gundelfingen nach Denzlingen. Und weiter zu Fuß vom Bahnhof zu Zeller’s Haus am Mauracher Berg.
Dortangekommen konnte es passieren, daß Onkel Theodor auf Klopfen an der großen Türe vorne und auch auf Zurufen nicht reagierte, einfach nicht öffnete, weil er keine Lust hatte oder gerade an seinem großen Projekt „Adamas“ vertieft malte. Wir mußten dann enttäuscht umkehren, zurück mit dem Zug nach Littenweiler, oder es nach einem langen Spaziergang am Mauracher Berg später nochmals versuchen.
Theodor war zuweilen sehr launisch, mürrisch und unberechenbar. Nicht aus bösem Willen, sondern da er immer mit irgendeiner Idee beschäftigt war, die malerisch in ein Bild umzusetzen war. Er war eben ein Künstler durch und durch. Auch die Trennung von seiner jüdischen Frau Eva – sie ging nach Wien bzw. München – und sein kompliziertes Verhältnis zu den beiden Kindern war dieser Malerei geschuldet. Onkel Theodor erzählte immerzu von seinen Kindern, wollte er sie gleichzeitig aber nicht sehen noch bei sich haben wollte.
Zu meinem Bruder und mir war Onkel Theodor immer nett und lieb, wir durften sogar in seinem Haus überall, unten im Atelier und oben im privaten Durcheinander, „Versteck spielen“. 1950 malte er uns an zwei Wochenenden – meinen Bruder Ulrich (rechts) mit der Beule am Hinterkopf. Wir mußten jeweils zwei Stunden still sitzen, während er malte und ständig von den eigenen Kindern Veronica und Ambrosius erzählte. Und danach durften wir uns im Bild sehen – welche Überraschung.

Theodor Zeller portraitiert Ekke und Ulrich 1950

Mehrere Jahre lang bezahlte mein Vater an Onkel Theodor allmonatlich 200 Mark, das war damals viel Geld, aber notwendig, da Theodor kaum ein Bild verkaufte und das Geld für Farben oder Zement (jahrelanger Umbau des Hauses samt unterirdischem „Bunker“) brauchte. Dieses Geld war besonders wichtig, als sich Herder-Dorneich mit Theodor zerstritt (Theodor konnte auch ihm gegenüber sehr aufmüpfig sein!) und Theophil seine finanzielle Unterstützung abrupt unterbrach.

Eben am 19.7.2026 habe ich mit Theodors Tochter Veronica Zeller in München telefoniert. Sie ist 95 und erstaunlich gut im Kopf. Sie erzählt immer wieder von Rom, ihrem eigenwilligen Vater, der seine eigenen Kinder so gar nicht mochte vor lauter Malerei, seine jüdische Mutter Eva auch nicht bzw. immer weniger. Und von dem lieben Onkel Eugen, der es mit Kindern immer gut konnte und mit ihnen sogar spielte.
Mit Zeller und Kaier bildeten in Rom auch Theodor Schwarz und seine ebenfalls jüdische Frau Lise, ebenfalls deutsche Schule Rom, eine Art Freundestrio. In der schwierigen Zeit musste man zusammenhalten. Und man tat es.

Irgendwann Ende der 1950er Jahre gab es n einem Sonntag ein Wiedersehen von Maria und Eugen Kaier sowie Lise und Theo Schwarz mit Theodor Zeller im großen Malatelier seines Hauses in Denzlingen. Nur Eva Zeller fehlte. Man sprach von der gemeinsamen Zeit in Italien, Rom, Neapel und Paestum. Und von der späteren Kriegszeit, während der es Theo Schwarz (er selbst durfte als Ehemann einer jüdischen Frau nicht als Soldat dienen) gelang, in seinem Haus in Stuttgart-Möhringen seine Frau als Jüdin jahrelang vor den Nazis zu verstecken (im Keller und Geisenstall), bis zur glücklichen Befreiung 1945 – eine ungeheuerliche und mutige Leistung. Da platzte beim Gespräch der drei Familien Theodor Zeller, der seine jüdische Frau ja verlassen hatte, plötzlich der Kragen. Es kam zum Eklat und Zeller forderte die Kaier’s und Schwarz‘ zum Verlassen seines Hauses auf. Um sich seiner Kunst zu widmen bzw. um sich in diese hinein zu flüchten. Die Erinnerungen an die Zeit in Rom und im Krieg waren zu viel für ihn. Theodor Zeller war ein großer Künstler, der nur allein seine Kunst verkraftete bzw. den diese voll ausfüllte.

Nach dem Tod von Theodor Zeller hatte seine Tochter Veronica viele Bilder von Denzlingen aus zu uns nach Littenweiler zwischengelagert, um sie später nach München zu bringen.
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In dem gegenüber seinem Haus gelegenen Café Dick waren wir nie. Die Kaier’s waren privilegiert und wurden stets in sein Haus am Mauracher Berg (auch in den betonierten Geheimgang von oben bis runter zum Gehweg) hinein gelassen, eine Art Belohnung für die gemeinsame Zeit in Rom.
Im Alter wurde es mit Theodor Zeller immer komplizierter, auch sein Malkreis mit den Ausflügen in den nahen Kaiserstuhl löste sich auf:  ein wahrer Künstler kann eben nur mit einem verheiratet sein – mit seiner Kunst.

Die Gemeinde Denzlingen kann stolz sein auf  seinen großen Maler Theodor Zeller. Schade nur, daß sein im toskanischen Stil erbautes Haus nicht mehr steht. So dient eben der Storchenturm als Museum und Erinnerungsort.
25.7.2026, Ekkehard Kaier

 

Denzlinger Maler Theodor Zeller – Spurensuche zum 40. Todestag
Erinnerungen Ob es mehr Werke des Denzlinger Künstlers Theodor Zeller oder mehr Anekdoten rund um seine Person gibt, ist offen. Die Gemeinde ruft anlässlich des 40. Todestags zur Spurensuche auf.
Die gemeinsame Geschichte von Theodor Zeller und der Gemeinde Denzlingen beginnt im Jahr 1929. Neben dem Steinbruch am Mauracher Berg baute er ein Haus seine Familie und sich. In das zog er, nach der Flucht vor den Nazis, 1950 wieder ein, während Frau und Kinder in München blieben. Denzlingen blieb die folgenden 36 Jahre die Heimat des Malers, der 1900 in Donzdorf bei Göppingen das Licht der Welt erblickte und 1986 in Freiburg starb.
Das Zeller Künstler wurde, war ihm keineswegs an der Wiege gesungen worden. Vielmehr sollte der Junge, der noch fünf Geschwister hatte, auf Wunsch seiner Mutter katholischer Priester werden. Das Studium der Theologie und Philosophie führte in nach Tübingen, Freiburg und München, wo er sich dann ganz seiner eigentlichen Berufung, der Kunst widmete. Wendepunkt wurde ein von einem Mäzen ermöglichtes Studienjahr in Rom und Florenz. Nicht nur künstlerisch, sondern auch, weil er dort dem Freiburger Verleger Theophil Herder-Dorneich begegnete und seine Frau Eva Gurschner kennenlernte.
Prägend waren für ihn die Erfahrungen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Freiwillig hatte er sich an die Front gemeldet. Aber auch die Zeit des Nazi-Regimes. Als Halbjüdin musste seine Frau fliehen, er folgt ihr 1937 zwei Jahre später, belegt mit einem Berufsverbot, nach Italien. Seine Kunstwerke wurden aus Museen entfernt und vernichtet. Die Familie musste mehrfach ihr Quartier wechseln.

Zurück in München und eben ab 1950 in Denzlingen arbeitete er die ersten Jahre an der Illustration von Dantes „Divina Commedia“, der göttlichen Komödie. Ein Auftrag von Herder-Dorneich, mit dem Zeller seit der ersten Begegnung über vier Jahrzehnte verbunden blieb. Ab 1968 begann sich um Zeller ein Malkreis zu bilden. Seine Schüler trafen sich mit ihm, um gemeinsam zu zeichnen, zu malen und zu radieren. Er war auch Mittelpunkt eines Künstlerstammtischs, der sich ab 1969 im Café Dick traf.

Zeller fiel auf, nicht nur aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes, das der langjährige Zeller-Vertraute Wolfgang Helmeth einmal mit dem eines Clochards verglich. Er war ein Sonderling, bezahlte Rechnungen mangels Liquidität auch immer wieder mit künstlerischen Werken. So auch im Café Dick gegenüber seinem Haus, wo jahrelang unter den gläsernen Tischplatten Zeller-Originale lagen. Sein Häuschen wirkte, wie er selbst, eher vernachlässigt und entwickelte sich zum Domizil unzähliger streunender Katzen. Wie diese konnte er mal handzahm und mal kratzbürstig sein. Und so, wie sein Äußeres Aufsehen erregte und zugleich unterschiedliche Reaktionen hervorrief, so wurden und werden auch bis heute die von ihm geschaffenen Gemälde sehr differenziert betrachtet. Doch unbestritten ist: In der Storchenturmgemeinde hat er viele Spuren hinterlassen.

Diesen Spuren will nun die Gemeinde auf die Spur kommen. Einerseits sollen Zeller-Werke möglichst vollzählig dokumentiert werden. Eben auch solche, die im Privatbesitz sind und von denen bisher nichts bekannt ist. Diese sollen fotografiert werden. Daneben interessieren aber auch die Geschichten rund um den Künstler, weshalb Erinnerungen an ihn, die in den Menschen noch lebendig sind, ebenso aus dem Verborgenen ans Licht gebracht werden sollen. „Zeigen Sie uns ihre Zeller-Werke, lassen Sie uns teilhaben an Ihren Erinnerungen“, so der Appell der Verwaltung aus Anlass des 40. Todestags des Künstlers.
Kontakt: 07666/6111200 oder sekretariat@denzlingen.de

… Alles vom 18.7.2026 von Markus Zimmermann bitte lesen auf https://www.badische-zeitung.de